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General-Anzeiger

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Amtliches Organ für Eladt- un» Landkreis Kanan N'LLK^

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wird keine Gewähr geleistet.

Nr. 155

Mittwoch den S. Juli

1822

Das Neueste.

Die gestrigen Demonstrationen haben in perschiedenen Städten des Reiches zu schweren Ausschreitungen geführt.

Auf das Mannheimer Gewerkschaftshaus wurde ein Bombenattentat verübt.

Der Präsident des Reichsgerichts, Hein­rich Delbrück ist gestern gestorben.

Nach offiziellen Mitteilungen wird die nächste Versammlung des Völkerbundrats am 17. Juli in London stattfinden.

Nach russischen amtlichen Statistiken sind bisher der russischen Hungersnot etwa 10 Mil­lionen Menschen zum Opfer gefallen.

Der gestrige Demonstralionslag.

Das Beispiel von Darmstadt hat Schule ge­macht! In verschiedenen Städten ist es am gestrigen Demonstrationstag zu ernsten Zusam­menstößen gekommen, bei denen auch Blut ge­flossen ist. Die bedauerliche Taktik des Reichs­kanzlers, sich ganz gegen rechts einzustellen, macht sich immer unangenehmer bemerkbar und wenn es dem Kabinett mit dem verständig den­kenden Teil des Reichstages nicht bald gelingt, den Forderungen der Gewerkschaften gebührend die Schranken zu weisen, so muß sich der neue re­publikanische Parlamentarismus immer mehr und mehr als ein Werkzeug der herrschenden Ge­werkschaften auswachsen. Der Vandalismus, wie er gestern wieder zu Tage getreten ist, nimmt überhand und die Regierung dürfte bald sagen können:Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los." Derartige Demonstra­tionen können nicht zur Beruhigung des Volkes, die wir jetzt doch dringend nötig haben, führen, nicht zur Festigung der Republik, da dunkle Elemente die Gelegenheit wahrnehmen, um im Trüben zu fischen. Die gestrigen Aus­schreitungen mögen von den besonnenen Arbei­terführern noch so streng verurteilt werden, die Tatsache läßt sich nicht von der Hand weisen, daß derartige gewaltige Zusammenkünfte ge­eignet sind, folgenschwere Unruhen heraufzu­beschwören.

" Ueber die gestrigen Demonstrationen liegen folgende Meldungen vor:

Ruhiger Verlauf in Berlin.

Berlin, 4. Juli. Die heutigen Massenkund­gebungen der Berliner Arbeiterschaft sind im allgemeinen programmäßig verlaufen. Um 2 Uhr mittags trafen in langen Zügen die Arbei­ter aus den Außenbetrieben an der Kaiser-Wil- helm-Gedächtniskirche ein und nahmen in den angrenzenden Straßen Aufstellung. Um 3 Uhr begann die eigentliche Kundgebung. Dann schwenkten die Massen in den Kurfürstendamm ein und bewegten sich in der Richtung nach Halensee. Die einzelnen Trupps führten zahl­reiche Plakate mit, die die bekannten Forde­rungen der Gewerkschaften enthielten, oder die Inschriften trugen wieNieder mit der Reak­tion",Nieder mit den Deutschnationalen Mör­derbanden" usw. Es kam dann zu kleineren Zwischenfällen, als zu Beginn des Vorbeimar­sches aus dem Zuge der Ruf ertönteHut ab" und zahlreiche Leute, die diesem Rufe nicht schnell genug nachkamen, den Hut vom Kopfe geschlagen erhielten. Das Publikum mußte ent­blößten Hauptes die Demonstration an sich vor­bei ziehen lassen. In Halensee erkletterte ein Bursche einen sehr hohen Kandelaber und voll­zog unter tosendem Beifall dèr Menge die Hin­richtung Ludendorffs, der in Gestalt einer gro­ßen Puppe in Generalsuniform mit Hakenkreuz an dem Laternenpfahl ausgeknüpft wurde. An der Demonstration hat sich nach Schätzungen rund eine halbe Million Personen beteiligt.

Schwere Ausschreitungen.

Dortmund, 5. Juli. Dem Aufruf der Links- -arteien zufolge, auch am Dienstag wieder durch einen Streik gegen die politischen Mörder und chre Hintermänner zu protestieren, war nicht in eer gleichen Weise Rechnung getragen worden, wie bei der zum gleichen Zwecke veranstalteten Kundgebung in der Vorwoche. Zwar hatten auch gestern die meisten Geschäftshäuser ge- en und die Straßenbahn den Betrieb schon rüh eingestellt. Doch war die Arbeit auf edeutenderen Werken schätzungsweise von der Belegschaften fortgesetzt worden. Der Demonstrativnszug nahm wieder vom Süden oer Stadt seinen Ausgang und verlief, soweit ^ von den Gewerkschaftsführern geleitet war, Siemlich ordnungsmäßig, wenngleich die Reden, nm denen der Zug feinen Abschluß fand viel IWfer waren als die vorwöchentlichen Ausfüh- ungen der Referenten. Schon am Ausgangs- punkt entfernten sich Stoßtrupps, meistens An- seyorige der kommunistischen Jugend, von dem

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Gros der Umzügler. Sie zerbrachen in verschie­denen Stadtteilen Fahnenstangen, entfernten Schilder, aus deren AuLRristen sie eine reak­tionäre Tendenz herauslasen. So wurden bei­spielsweise am Hotel Kircbenbof, das aus rie­sigen Metallettern zusammengesetzte WortFür­sten" und beim Hotel Römischer Kaiser das WortKaiser" unleserlich gemacht. Nachdem die Polizei die beiden Rädelsführer verhaftet hatte, erschien plötzlich eine Menschengruppe vor dem Polizeigefängnis und forderte die Freigabe der beiden Gefangenen, die jedoch nach Feststellung der Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt worden waren. Eine andere an die Tausende zählende Menschenmenge plünderte ein Waffen­geschäft und leistete den zur Hilfe eilenden Schu­pobeamten erheblichen Widerstand, sodaß diese von der Waffe Gebrauch machen mußten. Nach erfolgreichem Vorgehen mußten mehrere Haupt­straßen längere Zeit gesperrt werden. Inzwi­schen war die Schupo in dem im Norden be­findlichen Arbeiterviertel angegriffen worden und wurde, nachdem bereits seitens der Zivi­listen Gewalttätigkeiten vorgekommen waren, gezwungen, von der blanken Waffe Gebrauch zu machen, wobei es mehrere Verletzte gab. Ueber die genaue Zahl der Verletzten liegen zur Zeit nähere Angaben noch nicht vor. Um 9 Uhr abends schien die Hauptgefahr beseitigt. Die Menge wollte jedoch nur eine Kampfruhe ein­treten lassen und ging gegen 10 Uhr abends, nachdem die Schupo teilweise wieder zurückge­zogen war, erneut tätlich vor. Die Beamten wurden derart bedrängt, daß sie zum Schießen gezwungen war. Der Straßenkampf war um 10% Uhr abends noch im Gange.

Frankfurt, 4. Juli. Hier ruhte von 1 Uhr ab der Straßenbahnverkehr und die Arbeiter der einzelnen Betriebe marschierten unter Vor- Mäagen von Tafeln, die den Namen ihrer Arbeitsstätten enthielten, nach dem Festhallen­gelände. Unterwegs drangen sogenannte Kom­missionen verschiedentlich in die Betriebe ein und erzwangen durch Drohungen-die Schlie­ßung dieser Betriebe. Auch harmlose Passanten wurden gezwungen mitzumarschieren. Sämt- liche Läden, Restaurants, Cafës usw. waren ge­schlossen, sodaß auf den Straßen ein sehr reger Verkehr herrschte. In der Kaiserstraße, die jetzt Rathenaustraße heißt, kam es kurz vor fünf Uhr zu dem ersten größeren Zwischenfall. Ein Schild mit der AufschriftKöniglicher Hofliefe­rant" ward mißfällig bemerkt und mit Steinen beworfen Ein junger Mann schwang sich in die Höhe, zerschlug das grosse Schild und beförderte die einzelnen Stücke auf die Straße, wo das Aufschlagen der Stücke mit Beifall der ange­stauten Demonstranten quittiert wurde. Dieses eine Beispiel machte Schule und so klirrten bald hier bald da die Firmenschilder auf die Straße. Die Menge ließ von ihrem Treiben auch dann nicht ab, als der Polizeipräsident erschien und die Menge zum Auseinandergehen aufforderte. Es war daher nötig ein größeres Polizei­aufgebot mit einem Panzerauto nach der Kaiser­straße zu entsenden. Der Schupo, die in muster­gültiger Weise vorging, gelang es bald die Ord­nung wieder herzustellen, sodaß ein Teil des Polizeiaufgebotes wieder abrücken konnte. Be­drohlicher gestaltete sich ein Vorgang, der sich gegen 6% Uhr am Uhrtürmchen in der Kaiser- straße ereignete. Hier ward ein Straßenbahn­wagen die Fahrtsperre hatteoffiziell" auf­gehört von der dort versammelten Menge mit Johlen empfangen und an der Weiterfahrt verhindert. Die Demonstranten forderten die Zurückziehung eines Panzerautos der Polizei. Der Kommandeur der Hunderschaft gab, um Ruhe zu schaffen, Befehl zur Abfahrt des Auto­mobils. In demselben Augenblick wurden zwei Schupobeamte niedergerissen. Als nunmehr die Polizei die Straße räumen wollte, fiel ein Schuß aus der Menge, Steine wurden geschleu­dert, und ein Polizeibeamter wurde am Kopf getroffen. Etwa eine Stunde später, nachdem sich die Leute ziemlich verlaufen hatten und die Polizei abrücken wollte, fielen scharfe Schüsse aus den oberen Stockwerken einiger Häuser in der Kaiserstraße. Die Polizei erwiderte die Schüsse. Nach dem Polizeibericht wurden zwei Männer verletzt und vom Auto der Rettungs­wache abgeholt. Später wurde aus einem Haus der Gutleutstraße auf die Polizei geschossen. Durchsuchungen der Häuser waren erfolglos; hierbei wirkten auch Ordner des Demon­strationszuges mit. Fünf jugendliche Personen, die am Uhrtürmchen sich besonders hervorgetan hatten, wurden festgenommen. Um 8 Uhr abends trat heftiger Regen ein, der den Straßenszenen rasch ein Ende machte. Daß aus den Häusern, die genau bekannt sind, zuerst ge­schossen worden ist, wurde u. a. durch Arbeiter und Arbeiterführer mit roten Binden bezeugt.

Magdeburg, 4. Juli. Bei den Kundgebungen zum Schutze der Republik ist es zu Ausschrei­tungen gekommen. Eine Gruppe von Demon­stranten versuchte einen Angriff auf das Spar­kassengebäude, den die Polizei mit blanker Waffe zurückschlug. Der Polizeipräsident, der zu vermitteln suchte, wurde selbst tätlich ange­griffen. Eine Gruppe Kommunisten versuchte, das Kaiser-Wilhelm-Denkmal zu stürzen. Die Polizei verhinderte den Anschlag mit blanker Waffe. In den Abendstunden wurde der Strabenbabnverkehr durch die Demonstranten unterbunden. Es wurde eine große Anzahl Ver­haftungen vorgenommen.

Stuttgart, 5. Juli. In Stuttgart kam es nach Schluß der gestrigen Demonstration zu Ausschreitungen. Etwa 1000 Demonstranten zogen nach Aufforderung kommunistischer Red­ner vor das Justizgcbäude, um Gefangene zu befreien. Als die Polizei erschien und die De­monstranten aus l^m Hofe hinaustrciben wollte wurde mit Holzprügeln auf die Polizisten ein­geschlagen; diese machten von ihren Gummi­knüppeln Gebrauch und säuberten den Hof. Ein Leutnant wurde durch einen Schlag verletzt und war längere Zeit bewußtlos. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen.

Düsseldorf, 5. Juli. Bei den gestrigen Um­zügen wurden an Hindenburg und den ehem. Kaiser erinnernde Straßenschildex ersetzt durch solche, die die Aufschrift Rathenaustraße und Erzberger-Allee tragen. In der Nähe des Stadttheaters kam es zu einem Zwischenfall. Ein mit Schupobeamten besetztes Auto wurde dicht an die Menge herangeführt und die Be­amten begannen zu räumen. Als sie auf Wider­stand stießen, gingen sie mit der bläuten Waffe und mit Gummiknüppeln vor. Den Ordnern gelang es, die Menge zum Heimmarsch zu be­wegen und weitere Zwischenfälle zu verhindern.

Köln, 5. Juni. Als sich die gestrigen Demon­strationszüge auflösen wollten, kam es zu Zwischenfällen. Im Gedränge wurde einem Schutzmann die Waffe entwunden. Herbeigeeilte Verstärkungen mußten die Waffen ziehen, wo­bei es einige Verletzte gab. Die übrigen Zwi­schenfälle waren geringfügiger Natur.

Leipzig, 4. Juli. In Leipzig und Dresden sind die Demonstrationen ohne Zwischenfall ver­laufen. In Zwickau zogen die Demonstranten zum Heim des Schützenvereins, erzwangen die Herausgabe der Waffen uud zerschlugen sie auf dem Platz, wodurch dem Verein ein- Schaden von einer Million entstand. Dann zogen die Demonstranten vor das Amtsgericht, um ihre Forderungen hinsichtlich der Gefangenen zu überbringen. Da sich das Ger cht verbreitet hatte, daß die politischen Gefangenen befreit werden sollten, griff die Sicherheitspolizei ein, zog sich jedoch nach Verhandlungen mit den Demonstranten wieder zurück.

Bombenanschlag auf das Mannheimer Dolkshaus.

Mannheim, 4. Juli. Gestern abend kurz nach 10 Uhr wurde gegen das Volkshaus ein Anschlag verübt. In der Toreinfahrt wurde eine Bombe zur Explosion gebracht, durch die die große Außenwand des großen Versamm­lungslokals eingedrückt wurde. Im Saale fand gerade eine Versammlung des Schuhmacherver­bandes statt. Der Anwesenden bemächtigte sich eine Panik: gliicklicherweise wurde niemand verletzt, auch ist der angerichtete Schaden nicht erheblicy. Die meisten darüber umlaufenden Gerüchte sind übertrieben. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Die Polizei^machte am Tatort sofort mit einem erheblichen Aufgebot Erhebungen und nahm Absperrung vor.

Ein Arbeikgeber-Prolesk.

Berlin, 4. Juli. Die im Zenttalausschuß der Untemehmeroerüände zusammengeschlossenen Zentralorganisationen der deutschen Berufsstände haben an das Reichrkabinett und den Reichstag folgender dringende Telegramm gerichtet:

Der Allgemeine Deutsche Gewerkfchafttbund und der Allgemeine Freie Anzestèlltenbund legten in Ver­bindung mit den ssrialdemokr. Parteien die Produktion den Handel und den Verkehr in der Reichrhaupt- stadt und im Reiche still, um politische Forderungen durchzusetzen. . Die unterzeichneten schaffenden Ber- diude der Deutschen Meid;«» leimen eine solche Ver­quickung wirtschaftlicher Samüfnutttl mit politischen Forderungen mit. allem Nachdruck ab. Eine solche Gewaltpolitik ist nur dazu angetan, unser Wirt- schastrleben erneut Erschütterungen aurzuletzen unb daS Vertrauen der In- und Nullandes auf die schaffenden Kräfte Deutschlands zu vernichten. Wir protestieren deshalb gegen diese folgen­schwere Störung des AirtschaftVeben und erwarte« von der Regierung und Boltr- vertretuug, das sie solchen eigenmächtigen und dar Land schädigenden Handlungen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegentreten. Zentralaurschuß

der llntcrnehmerverbände; Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände; Reichsverband der deutschen Industrie; Reichsverband des deutschen Handwerk»! Reichsvcrband der deutschen Landwirtschait; Reichs' Verband der deutschen land- und forstwirtschast- lichen Arbcitgebervereinigunaen; Zentralverband del deutschen Großhandels; Veremizunq der Arbeitz geberverbände de» Großhandel» ; Hauptgemeinschasl deS deutschen Einzelhandel»; Zentralverband bei deutschen Bank- und Baukiergewerbc»; RcichSver- band der Bankleitungen; Hansabund für Gewerbe, Handel und Industrie; ReichSvciband der Privat- Versicherungen; Arbeitgeberverband deutscher Ver< sicherungS - Unternehmungen; Reichiverband bei deutschen BerkehrSqewerbc»."

Die Frage der Begierungs- Erweilerung.

Berlin, 5. Juli. Das Interesse an den geftrU gen Verhandlungen war stark abgelenkt durch die allgemeine politische Lage und den Demon» strationsstrcik. Nach Erledigung kleiner Anfra­gen wandte man sich der zweiten Beratung des Gesetzentwurfes über den Rapaltovertrag zu, der nach einigem nutzlosen Gerede eines Kommu­nisten in zweiter und dritter Lesung angenom­men wurde. Es folgte dann die Fortsetzung der zweiten Beratung des Arbeitsnachweisgesetzes. Der grundlegende § 1 wurde so angenommen, wie ihn der Ausschuß festgesetzt hat. Auch die anderen Paragraphen fanden in gleicher Weise ihre Erledigung, so daß die zweite Lesung des Arbeitsnachweisgesetzes abgeschlossen ist. Ebenso wurden die einzelnen Paragraphen des Gesetzes zur Ausführung des Artikels 18 der Reichsver- faffung angenommen. Die Gesamtabstimmung verschob man aber wegen schwacher Besetzung des Hauses.

Inzwischen fand eine unverbindliche Be­sprechung zwischen Vertretern der Mehrheits­sozialisten und der Uabhängigen über das Gesetz zum Schütze der Republik statt, das besannt!:^ heute auf der Tagesordnung der Reichstags» sitzung steht. In dieser Besprechung ist es zu einer Einigung gekommen und man glaubt, daß die Verhandlungen zwischen den Mehrheits­sozialisten und den Unabhängigen bereits jetzt soweit gediehen sind, daß man wohl binnen kurzem mit einer Erweiterung d e z Kabinetts nach l i n k s zu rechnen hat. Bor' läufig wird nur der Abg. Hilfferding als Kaw didat für das leerstehende Wiederaufbauministe­rium genannt. Ob aber außerdem noch Crispien oder Breitscheid für das Kabinett in Frag« kommt, ist noch unbestimmt.

Die Demokraten und das Zentrum scheinen, wie aus ihren Reihen selbst zugegeben wird, mit einer solchen Verschiebung der Regierungs­basis nicht ganz einverstanden zu sein. Man ifi sich durchaus darüber klar, daß mit einer solcher Verschiebung die Sozialisten innerhalb de- Kabinetts die absolute Mehrheit erhalten unit das bürgerliche Element in die Minderheit ge­drängt würde. Auch befürchtet man mit Recht, daß ein Eintritt der Unabhängigen in die Re­gierung unsere Stellung im Auslande keines­wegs festigen, sondern die Entwertung der Mark und das Steigen des Dollars weiter voran­schreiten lassen wird. Von demokratischer Seite ist daher der Gedanke in die Debatte geworfen worden, jetzt nicht nur nach links, sondern auch nach rechts hin die Koalition zu erweitern und die Deutsche Volkspartei zum Eintritt in die Regierung aufzufordern. Es dürfte aber kein Zweifel darüber herrschen, daß die Unabhängi­gen in eine solche Koalition wohl garnicht ein­treten und daß auch die Sozialisten gegen ein« Erweiterung der Koalition nach rechts Wider­spruch erheben würden, selbst wenn die gleich­zeitige Erweiterung nach links erfolgte. Irgend­welche Aufforderungen in dieser Hinsicht sink bis jetzt jedoch nicht an die Deutsche Bolkspartei gelangt, wie auch bei anderen in Frage kom­menden Parteien die verantwortlichen Instan­zen bis jetzt noch ketpe endgültigen Beschlüsse gefaßt haben.

Für heute mittag ist eine interfraktionelle Besprechung der Koalitionsparteien vorgesehen, von der man eine gewisse Klärung der Lage erwartet.

Die KonikoUe -er Entente.

Paris» 5. Juli. Die Reparationskommissiott hat der deutschen Regierung durch die Kriegs­lastenkommission eiwSchreiben zugestellt, in dem sie um Auskunft bittet, über den von Deutsch­land bewilligten Kredit für die ukrainische Re­gierung in Höhe von 400 Millionen Mark. Sie fragt an, ob dieser Betrag in Schatzanweisungen oder in Mark zur Verfügung gestellt würd« und bittet im übrigen über sämtliche derartig« Verpflichtungen unbedingt auf dem Laufender gehalten zu werden, da ein prinzipielles Verbot besteht, derartige Transaktionen ohne ihre Ein­willigung vorzunehmen.

(Weitere Politische Nachrichten auf Seite 5.»