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Gsneral-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Erfüllungsort und Gerichtsstand tür beide Teile öanau a. M. — 3m Falle böberer Gewalt bat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nach» lieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Für Plabvorichriit u. Erscheinungstage der Anzeigen wird keine Gewähr geleistet.

Nr. 159

Das NeueKe.

— Nach einer amtlichen Mitteilung sind die Namen der Mörder Rathenaus aussindig ge­macht worden.

— Die bayerische Regierung ist mit dem In­halt des Ausnahmegesetzes nicht einverstanden.

— In Gera wurde auf Antrag der sozia­listischen Vertreter im Stadtrat gegen die Stim­men der Bürgerlichen beschlossen, den bisheri­gen Hindenburgplatz in Rathenauplatz umzu­taufen.

—In Frankreich werden zurzeit Anstren­gungen gemacht, die obligatorische Wahlpflicht einzuführen.

Die Mörder Wrtthermus.

Berlin, 28. Juni. Eine amtliche Mittei­lung des Polizeipräsidiums besagt, daß der M o r d an Rathenau aufgeklärt ist, nennt die Ramen der Mörder und gibt ihr genaues Signalement. Die Täter sind der Berliner Ernst Werner Techow, der Sadik Fischer, auch Vogel genannt und der Mecklenburger Knauer, auch Körner und Lern genannt. Alle drei gehören der Organisation C an und waren früher Angehörige der Brigade Erhardt. Meh­rere der Mittäterschaft überführt Personen wurden bereits festgenommen.

Die Personalbeschreibung.

Berlin, 28. Juni. Nachdem die Abteilung la des Berliner Polizeipräsidiums bereits am Dienstag den zur Ermordung des Ministers Rathenau benutzten Kraftwagen ermittelt und im Berliner Polizeipräsidium sichergestellt hatte, ist es ihr jetzt gelungen, die Mordtat in vollem Umfange aufzuklären und die Täter festzu-

sFTechöw, Ernst Werner, 2t Jahre alt, in Berlin geboren und zuletzt in Berlin wohn­haft, 1.78 Meter groß, dunkelblond, gescheiteltes Haar, voller Mund, bartlos, rundes Kinn, ge­sunde frische, gebräunte Gesichtsfarbe, schlanke Gestalt, Kleidung Trauer-Jackettanzug, lange Beinkleider, weißer Filzhut.

2. Fischer, auch Vogel genannt, mit Spitznamen „Pécheur" genannt, früherer Auf­enthaltsort Flöhn in Sachsen, auch Chemnitz, nicht älter als 25 Jahre, 1.75 bis 1.78 Meter groß, hellblond, hohe Stirn, braune Augen, Hakennase, spitzer Mund, bartlos, blasses, schma­les, aber gesundes Gesicht, schlanke Gestalt, sächsische Mundart, Kleidung: blauer, zwei­reihiger Sckccoanzug, gelbe Halbschuhe, gelber Regenmantel, weißer Halskragen, lange Kra­watte.

3. Knauer, auch Körner und Kern ge­nannt, gleichfalls nicht älter als 25 Jahre, 1.73 bis 1.75 Meter groß, hellblond, hohe Stirn, blaue Augen, Sattelnase, bartlos, spitzes Kinn, breites Gesicht, gebräunte gesunde Gesichts­farbe, kräftige, breitschultrige Gestalt, Mecklen­burger Dialekt, Kleidung: blauer zweireihiger Saccoanzug, schwarze Stiefel, weißer Stehkra­gen, kleine schwarze Krawatte, Filzhut.

. Die drei Genannten gehören der O t g a n i - iation C an und waren früher Angehörige der Brigade Erhardt. Der unter 3 genannte Knauer (Körner, Kern) war während des Kapp- Putsches bei der sogenannten Stabswache der damaligen Kappschen Reichskanzlei tätig. F e st- genommen sind die drei Täter bisher noch nicht. Sie haben sich aus Berlin entfernt. Da sie nach den polizeilichen Feststellungen zur Zeit der Tat nicht über große Geldmittel verfügten und auch keine Pässe besaßen, ist damit zu red)= neu, daß die Täter sich im Inlands aushalten, »sicher ist am Sonntag abend mit dem D-Zuge ° Uhr 35 Minuten nach Halle abgefahren. Die beiden anderen haben vermutlich am Dienstag Berlin verlassen und sich nach Norden zu be­geben. — Eine Anzahl weiterer Personen, die der Mittäterschaft überführt sind, ist von der Berliner politischen Polizei bereits verhaftet worden.

Neue Enthüllungen bevorstehend.

Berlin, 29. Juni. Im Hinblick auf die außer­ordentlichen Ermittelungen der Polizei, ge­wahrte der Chef der Berliner politischen Poli- zel Oberregierungsrat Dr. Weiß, dem Mitar- ffurr des Berliner Tageblattes noch in vorge- °?Eter Stunde eine Unterredung, in der sich r. Weiß besonders über die Gründe ausließ, w ihn zu der Preisgabe der Namen der Mör- ;/ veranlaßt haben. Dr. Weiß erklärte, daß die ^Läter nicht erst seit gestern bekannt hS'r, :® ar aber ihre Namen solange ge- .^halten wollte, wie er mit der Möglichkeit ameft könnte, die Mörder in Berlin zu ver- fjeH- Erst gestern abend, als die Nachfor- J1^) den Tätern ergaben, daß sie alle Berlin verlassen haben, entschloß er fk

Donnerstag den 29. Ium

ihre Namen der Oeffentlichkeit preiszugeben. Nun rechnet er mit Rücksicht auf die Empörung, die die Mordtat in allen Kreisen der deutschen Bevölkerung ausgelöst hat, mit der Höchstbe­teiligung des Publikums an der Aufklärung des Verbrechens. Wenn auch sämtliche Grenzen für die Täter gesperrt sind, wenn auch ihr Signalement auf allen Polizeistationen des deutschen Reiches vorliegt, so ist cs doch dringend erforderlich, daß das Publikum selbst mit auf die Mörder fahndet, um ihnen auch so die letzte Möglichkeit einer Flucht ins Ausland zu nehmen. Auf diese Weise hofft man auch den Unterschlupf der Mörder irgendwo auf dem platten Lande zu verhindern. Schon im Ver­lauf des heutigen Vormittags, so erklärte Dr. Weiß, dürfte die politische Polizei mit noch weiteren -Enthüllungen, die für die Mitarbeit des Publikums von großer Bedeutung find, vor die Oeffentlichkeit treten.

Das Auto der Mörder.

Berlin, 28. Juni. Das Auto, von dem aus der Mord an Rathenau verübt worden ist und das nach her Angabe einiger Zeugen in der Richtung auf Wannsee geflüchtet war, ist tat­sächlich in einer Garage im Berliner Westen von der Polizei entdeckt worden. Ueber Her­kunft und Besitzer machte der Garageninhaber folgende Angaben:

„Am Vorabend des Mordtages kam zu ihm ein Chauffeur, der erklärte, er wolle seinen Wagen bei ihm unterstellen. Sein Herr wurde erst am nächsten Tage kommen können und dann die Garage für mehrere Tage mieten. Der Chauffeur erklärte dann, daß er eine längere Fahrt über Land hinter sich habe und daher den sehr verstaubten Wagen reinigen müsse. Dies tat er dann auch. Am anderen

Mit dem Bemerken, er müsse sehr seinen Herrn mit dem Automobil irgendwo abholen. Sie würden Wnn zurückkehren, um die Garage zu mieten. Der Garagenbesitzer willigte ein, und der Chauffeur fuhr mit dem Auto davon. Es war dies, wie jetzt festgestellt werden konnte, kurze Zeit vor Verübung des Attentats. Mehrere Stunden, nachdem der Mord verübt worden war, kehrte.der Chauffeur mit dem Wagen zurück, wieder ohne feinen angeblichen Herrn. Auch diesmal war der Wagen sehr bestaybt, sodaß der Garagenbesitzer annahm, der Wagen müße wieder eine Üeberlandfahrt gemacht haben. Abermals erklärte der Chauffeur, daß der Besitzer des Wagens später kommen würde, und entfernte sich. Nun kam der Chauffeur nicht mehr wieder, und von dieser Zeit an küm­merte sich niemand mehr um den Wagen."

Bayern gegen das Ausnahmegesetz. Die Münchener Regierung mit dein Inhalt nicht einverstanden.

München, 28. Juni. Im bayerischen Land­tag begrüneten heute die Abgg. Dr. Stang und Hilpert die Interpellation der Bayerischen Volkspartei und der Bayerischen Mittelpartei, wegen der Ausnahmeverordnung des Reichs­präsidenten. Ministerpräsident Lerchenfeld führte in Beantwortung der Interpellation aus, daß die Bayerische Regierung sich an die Reichsregierung gewandt habe, mit dem Er­suchen, keine Verordnung zu erlassen, ohne sich vorher mit den Ländern zu verständigen, und daß solche AusnaHkneverordnungen vom Stand­punkte der bayerischen Regierung aus zu Pn- zuträglichkeiten führen könnten. Sie bayerische Regierung ist damit soweit durchgedrungen, daß ihr die Entwürfe für die Ausnahmeverordnung mündlich im Reichsrat bekanntgegeben werden. Die bayerische Regierung machte auch hier noch einmal darauf aufmerksam, daß nach ihrer Auffassung die Anordnung unter den ersten Eindrücken mit einer durchaus einseiti­gen Einstellung ergangen sei. Die beiden Verordnungen seien allerdings verfassungs- echtfich zulässig und die Reichsregkerung sei von dem Streben geleitet gewesen, die vor allem in Berlin und in den großen Industriezentren mächtige Erregung der Massen durch sofortige Maßnahmen adzüdämpfen. Mit dem I n - halte der Verordnungen kann sich jedoch die bayerische Regierung nicht einverstan­den erklären, und zwar aus folgenden Grün­den:

1. Die Ausdehnung des Schutzes auf die früheren republikanischen Regierungen und de­ren Mitglieder erscheint ihr entbehrlich.

2. Der Vollzug einer solchen Verordnung eröffnet der Angeberei Tür und Tor.

3. Die Mindeststrafe von drei Monaten er­scheint ihr z u h o ch.

4. Die Vorschriften über den Staatsgerichts­hof find ein schwerer Eingriff in die durch die Reichsverfasiuna garantierten Ho­

heitsrechte der Länder inbezug auf Justiz und Polizei.

5. Die starke Ausübung der Begnadi­gung durch den Reichsprääfidenten ist mit den Hoheitsrechten der Länder nicht ver­einbar.

6. Die rückwirkende Kraft der Verordnung widerspricht den Grundsätzen der Rechtspflege.

Der Ministerpräsident wandte sich dann noch gegen eine einseitige Anwendung der Verordnung gegen rechts.

Die Ausnahmeverordnung in Thüringen.

3cna, 28. Juni. Die Ausführungsverord­nung der thüringischen Staatsregierung zur Verordnung des Reichspräsidenten ist dahin­gehend ausgedehnt worden, daß folgende Ver­eine und Vereinigungen als verboten und auf­gelöst zu betrachten sind: der Deutschvölkiscbe Schutz- und Trutzbund, die Seutfisländische Ju­gend, der Bund der Aufrechten, der Alldeutsche Verband, der Verband nationalgesinnter Sol­daten, der Stahlhelm, der Bund der Frontsol­daten, der Iungturm der Jungdeutsche Orden die Christliche Pfadfinderschaft. Die drei sozia­listischen Parteien haben in Thüringen u. a. die Forderung an die Staatsregierung gestellt, daß bewaffnete Kontrollorgane der Arbeiter ein­zuführen sind.

Bildersturm in Hamburg.

Hamburg. 29. Juni. Nach Beendigung der vorgestern aus Anlaß der Ermordung Rathe­naus erfolgten Kundgebungen kam es in Elms­borg zu mehreren Zwischenfällen. So drangen einige junge Leute in die Bismarckschule und in das Lyzeum ein, rissen dort die aufgehängten andere Gemälde herunter; dabei wurde ein wertvolles Bismarck­bild vernichtet. Ferner drangen Teilnehmer an dem Demonstrationszug izt das Privatkontor des Berlages der Elmshorster Nachrichten ein, verlangten die Herausgabe von Kaiserbildern, die dann zerrissen und in die Menge geworfen wurden. Außerdem wurde das Personal ver­schiedener Banken und Geschäfte zwangsweise entfernt, und die Inhaber der Geschäfte zum Schließen gezwungen. Der in der Bismarck­schule insbesondere durch die Vernichtung von Lehrgegenständen angerichtete Schaden dürfte in die Tausende gehen.

Die Arbeiten -erGaranliekommisfivn.

Paris; 29. Juni. Ueber die Arbeiten der Garantiekommission in Berlin berichtet der „Temps", daß die Kommission nach der Rege­lung der Kohlenfrage nunmehr zur Prüfung der Maßnahme für die Finanzkontrolle über­gehen werde. Die alliierten Vertreter werden während der nächsten 8—10 Tage die Einnah­men und Ausgaben des Reichshaushalts einer genauen Prüfung unterziehen. Sie werden die Erklärungen über diejenigen Ausgaben einhal­ten, die ihnen übertrieben erscheinen, ferner Er­läuterungen verlangen über Nachlässigkeiten, die sie bei der Regelung der Steuern festzu­stellen glauben. Diese Untersuchung hat aber lediglich informatorischen Charakter. Die alliier­ten Vertreter werden weder Kritik üben, noch Einwände erheben. Erst wenn die gegenwär­tige Prüfung abgeschlossen sein wird, also in un­gefähr 10 Tagen, werden der Reichsregierung Gegenvorschläge für die Gesundung der Finan­zen, die Eindämmung der Inflation und die Stabilisierung der Mark zugehen. Der „Temps" fügt bei, daß die schlimmste Frage zweifellos die der Kapitalflucht sein werde. In der Pra­xis zeige sich die Verminderung der Käpitals- auswandsrung sozusagen als unmöglich. Des­halb werde die Kommission die Rückgewinnung der Auslandskapitalien auf dem Wege einer internationalen Anleihe einzutreiben ver­suchen.

Die Sachleistungen „Der Prüfflein" der deutschen Regierung.

Paris, 29. Juni. Im „Echo de Paris" sagt heute Perlinax, es sei kaum anzunehmen, daß Deutschland in Ausführung der Sachlei­stungen Beweise eines besseren Willens ablegen werde, als bei der Barzahlung. Es werde sicherlich versuchen, auch diese Methode der Re­parationszahlung ebenso zu sabotieren, wie alle früheren. Aber immerhin würden die Sachleistungen zum Prüfstein der deutschen Regierung werden und wenn diese wiederum versagen, dann werde Frank­reich ein Recht mehr zum handeln haben. In den ersten Tagen des Juli werde das Garankiskomitee den Bericht über seineVerhand- lungen in Berlin erstatten, und zur gleichen Zeit werde wahrscheinlich die deutsche Reaie-

1922

rung erklären, daß sie außer Stande sei, die nächste, am 15. ds. 3 s. fällige Rate in Höhe von 50 Millionen Goldmark zu bezahlen. Reue Verhandlungen zwischen den alliierten Regie­rungen müßten alsdann beginnen, in denen die Frage der Sanktionen im Vor­dergründe stehen werde. Hierbei seien zwei Möglichkeiten gegeben. Zunächst werde sich die Reparationskommission darüber auszu- iprecben haben, ob von deutscher Seite ein vor- sehliches Verschulden vorliegt. Falle deren Be­antwortung bejahend aus, so werde Frankreich auf Grund der 8 17 und 18 des Anhangs II zum Teil 8 des Friedensvertrages das Recht haben, mit oder ohne den übrigen Verbünde­ten, Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland zu ergreifen. Andererseits aber müßte man auch mit der Eventualität rechnen, daß sich in der Reparationskommissibn eine Mehrheit für diese Festsetzung einer vor- k^lkien Verletzung Deutschlands finden werde. In bkkm Falle müsse sich Frankreich in Wah- r mg seiner Souveränität das Recht zu direkter Aktion Vorbehalten. Herr BeinearL werde sich hoffentlich bei der heute beginnenden Debatte über die französier! Repa- rationspolitik über diesen heilten Punkt mit der Besimmtheit und Festigkeit äußern, die keiner­lei Zweifel an der Entschlossenheit der franzö- : sitzen Regierung läßt. Je unnachgiebiger sich Frankreich in dieser Frage zeige, umso größer sei die Aussicht, eine ungewünichte Situation zu verhindern. Wenn es zur Rokwendigkeit neuer Sanktionen kommen sollte, so gebe es für Frankreich nur zwei wirklich wirksame Maß­nahmen: entweder die Besitzergreifung des Ruhrgebiets oder die Aenderung des bisherigen Charakters der Okkupation des linken Ryclnufers. d. h. der Aufhebung der Konvention vom 25. Juni 1919.

Einführung der »VU^atorifchen Wahl» xMcbl in Frankreich.

Paris, 29. Juni. In Frankreich werden z. Zt. Anstrengungen gemacht, die obligatorische Wahlpflicht einzuführen. Ein entsprechender Gesetzentwurf ist bereits durch die Kommission für das allgemeine Wahlrecht ausgearbeitet und wird demnächst der Kammer zur Abstimmung vorgelegt werden. Es heißt, daß die Teilnahme an den Wahlen in letzter Zeit so zurückge­gangen isst daß man den Gang zur Urne nicht weiter dem freien Willen der Wahlberechtigten anheimstellen kann. Die Enthaltungen sollen nach den bisher aufgestellten Statistiken vorläu­fig bis zu 40 Prozent der Gesamtzahl der Wäh­ler ausmachen. Der vorliegende Gesetzentwurf kündigt als Zwangsmittel an, die Anwendung von Mahnungen unter Nachnahme, die Ver­öffentlichung der Liste der nachlässigen Wähler, die im Amtshaus drei Monate ausgehängt blei­ben soll. Von der letzten Maßnahme verspricht man sich besonders auf dem Lande guten Er­folg, wo diese schwarzen Listen ihren morali­schen Eindruck nicht verfehlen werden. Man rechnet damit, daß die Einführung des Ge­setzes vor allem von der äußersten Linken heftig bekämpft wird, da die trägen Wähler weniger auf der Linken als auf der Rechten zu suchen find.

Siratzenkämpfe in Irland.

Paris, 28. Juni. Die Ereignisse in Irland nehmen einen außerordentlich ernsten Verlauf. Nach dem Ultimatum, das Chamberlain kürz­lich im Unterhaus an die Regierung des Frei­staates Irland richtete, beschloß diese, mit allen Mitteln gegen die irregulären Truppen vorzu­gehen, die sich in einem Gebäude des Justiz­palastes von Dublin, des sogenannten „Four Courts", sowie in einem zweiten Gebäude in der Towler Memorial Hall verschanzt haben. Der Kommandant der Truppen 'des Freistaates Irland, General Ennis richtete an die irregu­lären Truppen unter Führung Nory O'Conners eine Aufforderung, innerhalb einer Stunde zu kapitulieren. Eine Antwort wurde nicht erteilt. Darauf begannen die regulären Truppen in Stärke von mehreren tausend Mann mit zwei Kanonen und Panzerautomobilen ein Bom- ardement auf Four Courts. Es scheint, daß die irregulären Truppen schwere Verluste erlitten. 14 Tote und zahlreiche Verwundete wurden bisher gezählt. Die irregulären Truppen be­gannen Schützengräben auszuwerfen. Die re­gulären Truppen verwenden Grabenmörser und Minenwerfer. Das Kupferdach des Four Courts stürzte ein. Die Telephonverbindungen mit Dublin sind unterbrochen. Die Stadt steht unter der Kontrolle der Militärbehörden.

— Der Zustand Lenins wieder verschlech­tert. Aus Moskau wird gemeldet, daß der Zu­stand Lenins sich sehr verschlechtert habe. Deut« sche Spezialärzte sind nach Moskau abaereisst