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General-Anzeiger
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Nr. 144
Donnerstag den 22. Juni
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1922
Das Neueste.
— Im Reichstag hat gestern die außenpolitische Debatte, die etwa drei Tage dauern wird, begonnen.
— Der Reichskanzler empfing gestern mittag den Richtbankpräsidenten Havenstein und hatte eine längere Unterredung mit ihm.
— Georg v. Hülsen-Häseler, der Generalintendant der früheren Königlichen Theater in Berlin, ist gestern vormittag plötzlich gestorben.
— Der englische UnterstaatSsekretär für auswärtige Angelegenheiten hat gestern abend im Unterbaus cr- Bärt, die französisch-englisch-spanische Konferenz über das Tangerstatut werde wahrscheinlich gegen Ende Juli in London eröffnet werden.
— Der Gesetzentwurf über das beschlagnahmte feindliche Eigentum, den die amerikanische Regierung ausarbeitet, sieht die Freigabe der Vermögen unter 10000 Dollar vor.
Die deutsche Außenpolitik vor Sem Reichstag.
Gestern hat im Reichstag die angekündigte große außenpolitische Redeschlacht begonnen, die man auf drei Tage schätzt und in deren Verlauf der Reichskanzler sowie der deutsche Außenminister dem Parlament Rechenschaft geben sollen über so manches, was sich nach dem veralteten Kodex scheinbar längst überwundener Zeiten im Kämmerlein der schönsten Geheimdiplomatie abspielte. Es liegen eine Reihe Interpellationen vor, die sich zum Teil mit der Reparationsfrage beschäftigen und diese in verschiedener Weise kritisieren. Andere Interpellationen beziehen sich auf die angeWche Absicht der Alliierten, das RH e i n- land zu neutralisieren ferner auf die Entrechtung der Bewohner des Saar gebietes und schließlich auf die Forderung der Alliierten auf Zerstörung der Eisenbahnanlagen im besetzten Gebiete.
Die gestrige Aussprache, die sich nach dem Sitzungsbericht in würdigen Bahnen bewegt hat, darf als ein Notschrei des durch fortgesetzte Rechtsbrüche des ohnehin einen Rechtsbruch darstellenden Versailler Friedensvertrages bis aufs Blut gepeinigten deutschen Volkes bezeichnet werden und es ist die erfreuliche Tatsache festzustellen, daß auch die Regierung Worte gefunden hat, die erkennen lassen, daß erstere, soweit die Ententeverstöße gegen das Rheinland und das Saargebiet in Frage kommen, mit dem Reichstag einig ist. Der deutsche Außenminister hat treffende Worte gesprochen — hoffentlich hält er an ihnen fest, auch dann, wenn neue Forderungen auftauchen sollten.
Ueber den Verlauf der gestrigen Sitzung liegt folgender Bericht vor:
„ Abg. Dr. Reichert (Dntl.) begründet zunächst die Interpellation, die gegen d i e W i e s- badener Beschlüsse Einspruch erhebt und bei denen man den Reichstag völlig bei Seite geschoben hätte. Das Londoner Utiima= tum sei undurchführbar, und die Politik der Regierung führe zum Ruin. Der größte Fehler an der jetzigen Politik ist der, daß der Welt der Eindruck erweckt wird, als könnte das deutsche Volk noch mehr leisten. Rathenau ist in Wiesbaden tüchtig eingeseist worden. (Zuruf des Abg. Bernstein: Sie hätten es besser gemacht?) sicherlich wir hätten es den Franzosen sehr leicht gemacht. Der Pump, zu dem sich Deutschland da verstanden hat, soll, wie auch die Sozialdemokraten erklären, nur zur Stärkung des französischen Militarismus dienen. Das Wiesbadener Abkommen fördert nur den Ausverkauf Deutschlands, während eine Ermäßigung des Tributs notwendig ist. — Abg. Mol denhauer (Dopt.) begründet eine Interpellation der deutschen Volkspartei betr. die angebliche Neutralisierung der Rhein- k u n d e, die ganze Welt muß auf diese Gefahr uusmerksam gemacht werden. Ohne eine erheb- iche Verminderung der Besatzung ist eine Lösung des Reparationsproblems überhaupt nicht denkbar. Die gesamten Besatzungskosten haben sich allein bis Ende März 1922 auf rund p Milliarden Goldmark belaufen und 14 Mil- nurden Papiermark. Dazu kommen noch die Sonderkosten. Der Redner schildert dann die seelische und wirtschaftliche Not der besetzten Ge- mete und verlangt Abhilfe. Jede französische Kompagnie, die am Rheine steht, verhindert all- Mhrlich den Aufbau eines französischen Dorfes.
Redner verweist dann auf die Expansions- estrebungen der französischen Presse. Frank- M wolle im Falle einer Zurückziehung der ^esatzungstruppen andere Garantien fordern. Frankreich strebe nach der Rheingrenze. Sepa
ratisten im Rheinlands, dis unter französischem Schutze stehen, treten immer frecher auf. Der Redner tritt darauf diesen hochverräterischen Bestrebungen mit aller Schärfe entgegen, er kenne die Treibereien ihrer Führer, vor allem des Herrn Smeets, der von den französischen Kommandanten in diesem Falle zu Rate gezogen werde und geschützt werde. Der Redner schließt mit einem Treubekenntnis der Rheinlands zum deutschen Vaterlande. — Abg. Dr. Levi (USP.) fordert entsprechend einer Interpellation seiner Partei Auskunft über die letzten Reparationsverhandsimgen. Die stärkste Waffe der Regierung müsse das Vertrauen des Reichstages sein. Seins Partei werde die Erfüllung der Regier ring unter stützen, wenn die Lasten nicht allein dem Proletariat aufgelastet werden. — Abg. Dr. Rauscher (Ztr.) erhebt darauf Einspruch gegen die Ententenote, die Zerstörung von Eisenbahnbau len im besetzten rheinischen Gebiete verlangt. — Abg Dr. Bell (Ztr.) schildert darauf die Zustände im Saarge- b i e t, wo ein Vernichtungsfeldzug gegen das Deutschtum eingesetzt hat. Große Empörung herrsche dort bei der ganzen Bevölkerung, weil man deutsche Leute des Landes verwiesen und Ausländer bereingezogen habe. Der Friedensvertrag werde von der Saarregierung dauernd verletzt.
Darauf beantwortet der Staatssekretär vom Wiederaufbaumini st e- r i u m die Interpellation über das Wiesbadener Abkommen. Er erklärte, daß der Auswärtige Ausschuß den Standpunkt der Regierung geteilt habe und daß die Zustimmung des Reichstages nicht notwendig war.
Außenminister Dr. Rathenau veamworter sodann die wwerenFrugen. Wegen der Neutralisierung der Rheinlands habe die Regierung keinerlei Nachrichten erhalten. Die Reichsregierung würde dafür niemals zu haben fein. Niemals würden die Rheinlands preisgegeben werden, die unerschütterlich am angestammten Vaterlands fssthalten. (Beifall.) Mit Bezug auf die Eisenbahnbauten im besetzten Gebiete habe die Botschafterkonferenz wirklich seftgestellt, daß die Einstellung der Bauten für Deutschland eine Ersparnis bedeute, durch die die finanzielle Lage Deutschlands eine Besserung erfahren würde. (Zuruf: Blutiger Hohn!) Die Reichsregierung, die doch selbst jede Gelegenheit für Ersparnisse wahrnimmt, vermag die Anschauungen der Botschafterkonferenz nicht zu teilen, weil bei einer Einstellung dieser Eisenbahnbauten auch alle bisher verausgabten Millionen nutzlos verschwendet wären. Die Eisenbahnen, die militärischer Natur sind, sind übrigens bereits längst zerstört worden. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß neue Anlagen dieser Natur angesichts der allgemeinen politischen Lage und angesichts der deutschen Finanzen nicht mehr geschaffen werden. Die deutsche Regierung ist nicht verpflichtet, Einrichtungen zu zerstören, oder deren Bau einzustellen, wenn die Botschafterkonferenz glaubt, daß diese Einrichtungen militärischen Zwecken dienstbar gemacht werden könnten. Die Reichsregierung wird diese Forderungen auch mit allem Nachdruck bekämpfen, und sie wird beweisen, daß die Forderungen der Entente schwere wirtschaftliche Schäden Hervorrufen werden. Einige der neuen Linien sollten sogar die schnelle Lieferung der deutschen Reparationskohle erleichtern. Es ist zu hoffen, daß die Forderungen der 'Entente aufgehoben werden. — Der Minister bespricht dann die Zustände im Saargebiet und stellt fest, daß die Saarbewohner und das Saargebiet deutsch sind. Die Rechte der Selbstbestimmung werden im Saargebiet verletzt. Die Idee des Völkerbundes wird entwürdigt. Für die Saarländer ist es eine schwere Probe, wenn sie 15 Jahre lang eine solche schwere Bürde ertragen sollen. Die wirtschaftliche Lage des Saarge-. biets ist durch die Maßnahmen der Saarregierung schweren Schäden ausgesetzt. Die Regierung wird alles tun, um das schwere Los der Saarländer zu erleichtern. Der Aufenthalt der französischen Truppen und die Existenz französischer Gendarmerie dort sind nicht zu rechtfertigen. Die politische Gesinnung der Beamten wird ständig überwacht. (Zuruf: Pfui Teufel!) Die Einrichtung der «französischen Kriegsgerichte widerspricht dem Vertrage. Die Massenausweisungen entbehren jeder Rechtsgrundlage. Die Saarländer werden im Auslande durch Frankreich vertreten. Man hat Deutschland sogar zugemutet, es zuzulassen, daß die Saarländer außerhalb des Saargebiets ebenfalls durch Frankreich vertreten werden. Der Minister weist dann nach, daß auch auf dem Gebiete des Schulwesens viele Vertraaswidriakeiten
vorgekommen sind. Es zeige sich dann das typische Bild einer Fremdherrschaft. Die Bevölkerung erlebe Enttäuschung über Enttäuschung. Die Gutachten der Kreistage werden überhaupt nicht mehr berücksichtigt und die Bevölkerung im Saargebiet stehe sich ohne Vertrauen gegenüber. Die Saarländer halten treu zum angestammten Vaterlande. Die Reichs- regicrung ist bemüht, ihnen in jeder Hinsicht zu helfen.
Ueber die Verhandlungen mit der Reparationskommission berichtet darauf
Reichsfinanzminister Dr. Hermes:
Die Rcparationskommission hat die Gewährung des von der Regierung beantragten Zahlungsaufschubs für das Kalenderjahr 1922 von einer Reihe Bedingungen abhängig gemacht, für deren Annahme der 31. Mai als Termin festgesetzt wurde. Das Ergebnis dieser Prüfung sollte entweder in einer Bestätigung des provisorischen Aufschubs oder in einer Unwirksamkeitserklärung der in Cannes vereinbarten Zahlungsbedingungen bestehen. Da ein Notenwechsel die Lage nicht völlig zu klären vermochte, so fanden Mitte Mai Besprechungen statt. In diesen Beratungen hat es sich lediglich um die Erörterung der schwebenden Fragen gehandelt mit dem Ziel, eine Grundlage für eine Verständigung zu schaffen. Die Abmachungen selbst sind ausführlich in den Noten der Reichsregierung an die Reparationskommission enthalten, die ihrem vollen Inhalt nach dem Reichstag mitgeteilt worden sind. Mit der Note vom 28. Mai 1922. hat die deutsche Regierung zu den Bedingungen der Reparationskommission vom 21. März Stellung genommen. Diese Note behandelt: 1. einen Plan über die Einnahmen und Ausgaben, 2. die schw-bende Schuld, 3. die Nachprüfung, 4. die Kapitalflucht, 5. die Sta= tisM Es ist der Reparationskommission ein Man über die Einnahmen und Ausgaben des Reiches nach den letzten Schätzungen vorgelegt und darauf hingewissen worden, daß bei den gewaltigen Fehlbeträgen im Haushalt das An- wa^'m der schwebenden Schuld nur verhindert würde, wenn Deutschland eine äußere Anleihe erhalte. In dieser Voraussetzung hat die deutsche Regierung in der Note vom 22. Mai feste Vorschläge gemacht. Danach würde zunächst von dem Betrag der schwebenden Schuld die Summe abzuziehen fein, welche zur Beschaffung ausländischer Zahlungsmittel verwendet worden ist. Der verbleibende Mehrbetrag sollte in einer anderen Kreditform beschafft werden. Erst wenn dies nicht gelingen würde, sollte eventuell ein Ausbau des Steuersystems in Betracht gezogen werden. Aber gerade dVsie'Maßnahme war davon abhängig gemacht, bey in ange - messèner Frist eine Unterstützung durch eine auswärtige Anleihe erfolgen würde. Die Anleiheverhandlungen sind vertagt worden. Ich hoife, daß sie bald wieder ausgenommen werden. Nach der Vertagung der Anleiheverhandlungen hat die Reichsregierung eine Entschließung noch nicht gefaßt, welche Schritte zu ergreifen sind, wenn die sämtlichen erwähnten Voraussetzungen nicht zutreffen sollten. Wegen der Kapitalflucht usw. sollen weitere Verhandlungen mit dem Garantiekomitee stattfinden. Das Garantiekomitee wird die Souveränität Deutsch- landsnichtantasten. Auch der geregelte Gang des Verwaltungsavparats wird nicht gestört werden. Die Autonomie der Reichsbank ist durch Reichsgesetz vom 6. Mai d. J. geregelt. Auf die Note der deutschen Negierung vom 28. Mai 1922 hat die Reparationskommission seftgestellt: 1. daß die in der Note der deutschen Regierung mitgeteilten Maßnahmen eine ernstliche Anstren - g u n g zur Gesundung der Reichsfinanzen bedeuten. Sie haben zur endgültigen Gewährung des Zahlungsaufschubs geführt; 2. Zwangsmaßnahmen der Alliierten find abgewendet worden.
Dr. Simrns über -ie Gachlieferunzen.
Der ehemalige Reichsminister des Aeußern Dr. Simons nimmt Gelegenheit, in einem Aufsatz im Berliner Tageblatt darauf hinzuweisen, vor welch folgenschwerem Entschluß gegenwärtig der Reichstag bezüglich der Sachlieferungen stehe. Dieser Entschluß solle gefaßt werden unmittelbar nach dem Scheitern der Verhandlungen über eine internationale Anleihe, die dem Deutschen Reich iie Zahlung der Entschädigungsschuld möglich gemacht hätte. Er solle gefaßt werden, nachdem der Versuch Lloyd Georges auf der Konferenz von Genua, den wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas in die Wege zu leiten, im wesentlichen mißglückt fei, und zwar deswegen mißglückt sei, weil dasselbe Frankreich, dem im Wiesbadener Abkommen besondere Vorteile ^gesichert worden
seien, sich einer Erörterung der Entschädigungsfrage auf der Konfrenz und einer sachlichen Be- bandlung der russischen Frage widersetzt habc^ Dr. Simons bezeichnet im übrigen den Verlauf, den die Anleiheverhandlungen in Paris genommen haben, als für Deutschland höchst bedenklich. Er weist darauf hin, daß eine kleine Moratoriumsanleihe nur ein Palliativmittel fei, das die Symtome bekämpfe und dadurch die Krise verzögere, durch die sich der Körper von der Krankheit zu befreien pflege. Oesterreich sei ein warnendes Beispiel für die Anwendung solcher Palliativmittel. Dr. Simons fährt dann fort: „Aber wie man auch das Anleiheprojekt beurteilen mag, mit seinem Scheitern tritt die Frage der Sachleistungen Deutschlands wieder in den Vordergrund. Noch immer stehen wir vor der Frage, wie die Forderung des Wieder- Herstellungsausschusses vom 28. März ds. Js. beantwortet werden soll, die uns die ungeheuerliche Summe von 1,5 Milliarde jährlicher Sachleistungen neben einer sehr erheblichen Zahlung in Goldwerten auferlegt. Die Antwort der beutf^en Regierung, die auf diese Forderung in weitem Maße einging und deshalb in Paris mit Befriedigung begrüßt wurde, ist ja keine endgültige Antwort. Sie war ausdrücklich erteilt unter der Voraussetzung, daß eine Anleihe unter annehmbaren Bedingungen zustande käme. Kein Wunder, daß nach dem Scheitern der Anleihe in Paris lebhafte Besorgnis wegen der Haltung der deutschen Regierung entstand, eine Besorgnis, die sich, wie üblich, in Drohungen gegen Deutschland entlud, während von englischer Seite alles getan wurde, um die Erregung durch den Hinweis auf ben andauernden guten Willen der deutschen Regierung zu beruhigen. Dieser gute Wille ist ja zweifellos vorhanden. Die gegenwärtige Regierung, die als Regierung â HrMupa^e§ Versailler Friedens und des Londoner Ultimatums tns Leben getreten ist und als solche bisher ausgeharrt hat, kann gar nicht anders als auch weiterhin das mögliche zu tun, um den von Deutschland übernommenen Vervklichtungen nachzukommen. Es fragt sich aber doch, ob bié Grenzen des möglichen nicht jetzt so klar erkennbar geworden sind, daß auch diese Regierung sich einem neuen Ansinnen der Gegner, uneinlösbare Wechsel zu unterzeichnen, widersetzen muß."
Zur Frage -er ReichspräsidenIenwahl
Berlin, 22. Juni. Das Reichskabinett be- schäftigte sich gestern mit der Neuwahl des Reichspräsidenten. Der Reichskanzler machte davon Mitteilung, daß er bereits in nächster Zeit mit den Parteien in Besprechungen über die Festsetzung eines Wahltermins eintreten wird. Die non einer Korrespondenz verbreitete Nachricht, daß noch in dieser Sitzungsperiode dem Reichstage ein Gesetzentwurf zugehen wird, der die näheren Bestimmungen über die Neu- Wahlen enthalten soll, ist, wie die Tel.-Union von gut unterrichteter Seite erführt irrig. Eines solchen Gesetzes bedarf es nicht mehr, nachdem bereits eine Vorlage vom 4. Mai 1920, die die näheren Ausführungsbestimmungen über die Wahl enthält gesetzliche Kraft erlangt hat. Es bleibt jetzt nur mehr übrig, daß der Reichstag den Termin festsetzt.
Die Markkrisis.
Zu der von uns gestern wiedergegebeneli
Meldung über die durch das fortschreitende Fallen des Markkurses hervorgerufene Mark- krisis erfahren wir noch, daß am Mittwoch mittag eine neue Besprechung des Reichskanzlers mit dem Rcichsbankpräsidcnten Havenstein stattgesunden hat, in der der ganze mit bet Markentwertung zusammenhängende Fragenkomplex erörtert und Maßnahmen zur Abhilft beraten wurden. Bemerkenswert ist noch eine Aeußerung des Reichskanzlers gegenüber den Larankickomitee, die dahin ging, daß Deutsch land bei weiterer Entwertung der Mark n i ch' mehr in der Lage sei, seinen Repara tionsverpflichtungen nachzukom men.
— Der neue üriegsbeschuldigkenprozeß. Wir bereits gemeldet, beginnt am 28. ds. Mts. vor dem 2. Strafsenat des Reichsgerichtes Leipzig ein neuer Kriegsbeschuldigtenprozeß. Angeklagt ist der Berliner Arzt Dr. Oskar Michelsohn, der von Frankreich beschuldigt wird als Leiter des Lazarettes in Efftn Gefangenenmißhand- lungen geduldet zu haben und den Tod von Zivil- und Kriegsgefangenen verursacht zu haben. Der Angeklagte bestreitet jede Schuld Für die Verhandlung sind 60 Zeugen geladen, darunter an 40 Franzosen»