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AmMches Organ für Slaöt- unö Landkreis Kanan

Erscheint tâgüch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

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Sk. 141

Montag den 1». Juni

-SSI

1923

j Das Neueste.

I Der Garantieausschuß ist Samstag abend Iwn Paris kommend in Berlin eingetroffen. Es 11 j» anzunehmen, daß die Vorbesprechungen mit 'rdm Berliner Instanzen schon heute beginnen »werden.

| Der Hansabund stellte gestern zu dem IZwangsanleihegesetz verschiedene Forderungen I auf.

I Das Kampfspiel um die Deutsche Fuß- kballmeisterschaft NürnbergHamburg mußte gestern nach dreistündiger Dauer mit 2:2 als k unentschieden abgebrochen werden.

Die irische Regierung wird in der näch- I ften Sitzung des Parlaments einen Gef.etzent- Ipurf vorlegen, nach dem jeder Brandstifter mit Ilern Tode bestraft werden soll.

Wiens Warnung.

In Oesterreich und im besonderen Wien er- Itot man, wie es scheint, in diesen Tagen die letzten Zuckungen eines zu Tode erschöpften I Mrtschaftskörpers. Die ausländischen Zahlungs- Imittel, von denen Oesterreich bei dem Ankauf I mn Rohstoffen und Lebensmitteln abhängig ist, I sind für Wien in eine unerreichbare Höhe I emporgeschnellt. Das österreichische Geld hat I tast jede Kaufkraft im Auslande verloren. Die lichten Stürze der Krone haben das öster- Ireichische Geld zu einem wertlosen Stück Pa- I pier gemacht. Wenn man über 20 000 Kronen I aufwenden muß, um dafür einen Dollar zu er» » halten, so sinkt auch der Mann mit einem mo-

«

lnüfiirfjen Millioneneinkommen zu einer küm- I merlichen Existenz herab, dann ist das Ende I «reicht, das der ausreichenden Bekleidung und I Ernährung der österreichischen Bevölkerung ein I natürliches Ende setzt. Denn die Krone, die im f Nslandenichttz wehr wert ist, schließt auch im 1 Mlande die Türen der Vorratskammern nicht I mehr auf, weil niemand mehr èin wertloses I 6tü(t Papier gegen Ware eintauscht. Die ge- I MvssenenWiener Kaufläden geben der Bevölke- I «W darüber einen ebenso eindringlichen wie 11 schmerzlichen Anschauungsunterricht. Ji Oesterreich steht nach den Nachrichten, die I aus Wien zu uns gelangen, vor schweren inne- »I Erschütterungen, und teilnahmslos, als ob ! hier ein ganz natürliches Schicksal vollziehe, schaut Europa zu. Und doch sitzen in den Haupt­städten der Entente die Schuldigen, die das surchtbare Los des österreichischen Volkes zu g verantworten haben. Der französischen Macht- 8ser zuliebe hat man das deutsche Oesterreich °>s verstümmelten Körper auf dem Schlachtfeld w sogenannten Friedensverträge liegen ge- ° sen. Man kann wohl ein Volk feistem Schick- Ich überlassen, das in sich selbst die Kraft und bodenständige Fähigkeit besitzt, sich wenig­stens einigermaßen zu erhalten. Ein Bauernvolk von den Erträgnissen seines Bodens leben kann, ist auch dann nicht verlassen, wenn man 65 Quf sich selbst zurückwirft. Aber die Bevölke­rung des Landes, das schließlich nach den ^lummsten Verstümmelungen als Deutschöster- rcich übrig geblieben ist, lebt in den ehemaligen Grönländern der Alpen meist auf dürftigem Edm und zählt in Wien in seiner Mitte eine ! ar.e Ärbeiterbevölkerung, die nur dann ihren Lebensunterhalt findet, wenn sie auf dem Welt­markt ihrer Hände Arbeit absetzen kann/Wenn vin solches Land aus seinem natürlichen wirtschaftlichen Wachstum loslöst, wenn man es eigenen genügenden Vorrat an Rohstoffen ^^nsmitteln politisch und wirtschaftlich smisrt, so spricht man damit über dieses Land Todesurteil aus. Das ist in dem sogenann- strisdensvertrag von St. Germain ge- SL h^r^ ^on dem Abschluß dieses Friedens an das österreichische Volk trotz seiner Er- M nun rn$ durch) den Krieg und die Entschädi- '» Z ugleistungen des sogenannten Friedens gikergeschleppt, von allen Quellen seiner frühe- I abgeschnitten und von allen seinen M kchtlichen und natürlichen Verbindungen I i Wenn jetzt der vollkommene wirtschaft- I man âgarmenbruch eintreten sollte, so könnte I . . Mr darüber wundern, daß die Kraft I b rreichs noch so lange ausgehalten hat.

I äaU^ Schicksal Oesterreichs zeigt in grauen- Deutlichkeit Zweck und Ziel der franzö- I 'off»? Gewaltpolitik: das Opfer verbluten zu I n Oesterreich hätte, als die Doppelmonar- Ä tor. ,?U5 den Fugen ging, einen natürlichen An- M unhh "" die deutsche Wirtschaft finden können M - wäre es zunächst wenigstens vor dem ^gM bewahrt geblieben. Aber Frank- Cen Anschluß nicht haben wollen und deiner phrasenreicher Reden über das Selbst- wmungsrecht der Völker haben sich die

(Staatsmänner der Entente dem französischen Gewaltspruch gefügt. Wir sollten dieser War­nung vor allem zwei Lehren entnehmen. Keine Scheinblüte der Wirtschaft kann darüber hin­wegtäuschen, daß die Geldentwertung eines Landes, wenn ihr nicht Einhalt geboten wird, in den Abgrund führen muß. Auch Oesterreich hat eine Zeit lang recht ansehnliche Exportge­winne gehabt. Es hat noch im vorigen Jahre in Wien eine Messe veranstaltet, - die die öster­reichische Industrie in einer äußerlich günstigen Entwicklung zeigt. Aber schließlich setzt die steigende Entwertung des Geldes, aus der Han­del und Industrie eine Zeit lang wohl Nutzen zu ziehen vermögen, jeder Konjunktur, ein Ziel. Und wenn der Wirtschaftskörper durch eine mehr fieberhafte als gesunde Lebhaftigkeit seine letzte Kraft hergegeben hat, so bricht er um so rettungsloser zusammen. Wenn wir auf Ruß­land und Oesterreich blicken, fo wissen wir, wi? auch bei uns die Entwicklung einmal auslaufen könnte. Und hier fügt sich die zweite Lehre ein. Mit einer Politik, die immer wieder wirtschaft­lich Unmögliches verspricht und zu leisten ver­sucht, gibt es auf der schiefen Ebene der Ab­wärtsentwicklung keinen Halt. Die Wirtschaft kann sich auf diese Weise nicht aufrichten, weil sie niemals richtig zu Kräften kommt und durch die Aufbürdung ungeheurer Lasten immer tie­fer abwärts gezogen wird. Es gibt kein anderes Mittel, als endlich einmal entschlossen und kon­sequent alles zu verweigern, was über die wirt­schaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands hin­ausgeht. Wir sind in Deutschland, wie jeder­mann fühlt und empfindet, wieder an einem kritischen Wendepunkt angelangt, an dem sich unser Schicksal für die nächste Zeit entscheidet. Sollen wir jetzt zu Atem kommen und uns auf­richten können, so muß die Regierung die For- derung erheben und durchsetzen, die durch alle Darlegungen der Pariser Finanzkonferenz durchklingt: Herabsetzung unserer Schuldenlast auf ein vernünftiges Maß. Das österreichische Beispiel sollte uns warnen, ehe es zu spät ist.

Eine Halten, Anleihe für Oesterreich.

Men^18. Juni. Aus Rom wird berichtet, daß am Samstag der Auswärtige Ausschuß sich mit der Frage einer italienischen Anleihe für Oesterreich beschäftigt hat. Die Mehrheit des Ausschusses stimmte für die Gewährung einer solchen Anleihe, doch machte der sozialistische Abgeordnete Lazzari darauf aufmerksam, daß eine Anleihe keine Hilfe bedeute, da sie nur die Leiden Oesterreichs verlängern würde und bod) keine endgültige Abhilfe bringen könnte.

Poèncar« in London.

Paris, 19. Juni. Die französischen Blätter enthalten ausführliche Berichte über die zu Ehren Poincarës in London gegebenen Feier­lichkeiten. Auf einem ihm zu Ehren gegebenen Festessen derLiga für das Hilfswerk für Ver­dun" sowie auf einem von Lord Burnham, dem eigentlichen Besitzer desDaily Telegraph", ge­gebenen Frühstück hat Poincarè zwei Reden gehalten. Ihr Inhalt war im wesentlichen be­stimmt durch den äußeren Anlaß, der Poincarè nach London geführt hat. Er sprach in her Hauptsache über das Schicksal von Verdun und gab in großen Zügen eine Geschichte der Ver­teidigung der Stadt. Während seine erste Rede völlig unpolitischer Natur war, ist er in der zweiten auf das politische Gebiet überge­gangen. So erinnerte er u. a. daran, daß der anfangs August 1914 von dem deutschen Bot­schafter im Auftrag seiner Regierung unternom­mene Schritt, in dem von Frankreich die Aus­lieferung von Toul und Verdun gefordert wurde, keinen Zweifel darüber lasse, daß die Deutschen, wenn sie es in ihren Besitz gebracht hätten, es niemals wieder herausgegeben hätten. Aus der Erinnerung an die gemein­samen Kämpfe, so meinte Pojncarè, müsse auch in alle Zukunft die Gemeinsamkeit der Ziele zwischen beiden Völkern hervorgehen. Wie im Kriege, so müßten auch im Frieden England und Frankreich zusammenmarschieren.

London, 18. Juni. Reuter erfährt: Mon­tag nachmittag wird zwischen Lloyd George und Poincarè eine Besprechung nach dem Früh­stück stattfinden, das Lloyd George gibt und an dem Poincarè mit seiner Gattin und mehrere britische Minister teilnehmen. Es ist anzüneh- men, daß irgendeine Zusammenkunft der bei­den Premierminister vor Montag stattfinden wird wegen der vielen anderweitigen Ver­pflichtungen Poincarès. Für die Besprechung ist noch kein endgültiges Programm festgesetzt. Wegen der wahrscheinlichen Rückkehr,Poin- carès am Montag abend wird die Unterredung notwendigerweise einen sehr begrenzten Um­fang haben. Es wird angenommen, daß einer

von England in Aussicht genommene Der- öffentlickung habe unter der Bedingung, daß diese Veröffentlichung auch alle Protokolle der Konferenz enthält.

Ein lschechisch-polnischer Vertrag.

Wien, 18. Juni. Die Warschauer Blätter veröffentlichen den Wortlaut eines zwischen der Tschechoslowakei und Polen abgeschlossenen Vertrages. Darin garantieren sich die beiden Staaten die gegenseitige Integrität ihres terri­torialen Besitzstandes. Die Tschechoslowakei ver­pflichtet sich weiter zu einem Desinteressement in der Frage von Ostgalizien zur Auflösung der ukrainischen Formationen, die in der Tscheche! interniert sind, sowie zur Bekämpfung einer jeden auf die Abtrennung eines Teiles der pol­nischen Republik ausgehenden Propaganda. Die gleiche Verpflichtung übernimmt auch Polen gegenüber der Tschechoslowakei. Die beiden Staaten nehmen weiter zur Kenntnis, daß einerseits zwischen Polen, Rumänen und Jugo­slawien, und auf der anderen Seite zwischen Polen, Frankreich und Rumänien politische, militärische und wirtschaftliche Abmachungen getroffen worden sind. In allen strittigen Fra­gen haben die beiden Mächte ein Schiedsgericht anzurufen. Verträge mit anderen Mächten, die vielleicht diesem Vertrag zuwiderlaufen könn- ten, dürfen von keiner der beiden Mächte abge- schlossen werden.

Sicherung bewealicher Sachen in Oberschlesien.

Berlin, 19. Juni. Auf der Tagesordnung bet heutigen Reickstagssitzung steht neben der Ber«tung bei Gesetzentwurf« über die Getreidenmlage all erster Punkt ein von den Abg. Müller-Franken, Becker- Hessen, Hergt, Crispien und Erkelenz, Leicht und Genossen eingebracbter Entwurf über die Sicherung beweglicher Sachen in Oderschlesicn. Rack dem Ent­wurf ist das Reich bemüht,' diejenigen beweglichen Sachen, die aus Anlaß der Abstimmung oder der Besetzung Schlesien» ganz oder ,. T. au« öffentlichen Mitteln für Zwecke der im Abstimmungsgebiet unter­gebrachten interalliierten Kommissionen und Truppen­teile und für Zwecke bei Reich» der Länder, der schlesischen Gemeinden oder sonstigen Selbstverwaltnngl- körper oder Organisationen geschaffen worden sind, einstweilen in Besitz zu nehmen und eine Sicher- stellung durch die Polizeibehörden bi« zur Klarlegung der Eigentumsverhältnisse zu veranlassen. Da» Ver­fügungsgebot endet mit dem Eigentumserwerb durch da» Reich, mit der Freigabe ober mit der rechtr- kräftigen Fcstfe' nng bei Eigentumranspruches. Da» Reich kann zur Anmeldung von Eigentum,ansprüchcn an den von ihm in Besitz genommenen Sachen mit einer Anmeldefrist von einem Monat auffordern. Wird ein Eigentum-anspruch ver- später angemeldet, so steht dem birherigen Eigentümer gegen da» Reich lediglich ein Anspruch auf Ent­schädigung in Gold zu. Ueber die Höhe dieser Ent­schädigung enscheidet int Streitfälle die Fcststellung,- bchörde in Oppeln. Der Reichsschatzminister ist ermächtigt, Aursührungsbestimmuugen zu diesem Gesetz zu erlassen. Da, Gesetz tritt mit dem Tage seiner Verkündigung in Kraft und tritt mit dem 31. März 1923 außer Kraft.

Der Kansabund u. die Zwangsanleihe

Berlin, 18. Juni. Der Hansabund hatte heute Wirtschaktrsachverständige, ferner Vertreter der Reichs- und Staatrbehörden und der Presse sowie Abgeord­nete zu einer Aussprache über den Gesetzentwurf betr. die Zwang,anleihe geladen. Der Vorsitzende Reich,- tagsabgcordneter Dr. Fischer faßte da» Ergebn,» der sich an da» Referat von Dr. Smteru», Geschäft», inhaber der Berliner HandetSgesellschaft, anschließenden Dirkussion in folgenden Forderungen zusammen: Die ZwangSanIeche soll nur 60 Milliarden einbrtngen; ihre volle Einzahlung in diesem Kalenderjahr ist nicht möglich. Die Tarifsätze müssen zum Tccl ermäßigt werden. Die juristischen Personen können nicht in dem vorgescbencn Maße herangezogen werden; Schachtklgesellschastcn müssen frei bleiben. Die Ver­zinsung nach Ablauf einer dreijährigen Periode muß einheitlich auf einen vernünftigen Zin,satz gebracht werden. Die Lonibardfähigkcit muß zu dem für Staatâpapicrc geltenden Satz« im Gesetz festgelegt werden. Este Vorau»cinschätzung kann vernünftiger­weise nur erfolgen auf Grund von Merkmalen, die in der Vergangenheit liegen. El misse ferner dafür gesorgt werden, daß nicht praktisch unhaltbare Bc» limmungen im Gesetz über zusätzliche Abgaben für licht zutreffende Vorau,emschätzungin dazu führen, noch mehr Reste der ©teuermoral zu zerstären. Diese Forderungen seien, so betonte der Vorsitzende Dr. Fiicher-Köln, keine Schonung der Besitzenden, sondern entsprangen der Pflicht aller praktischen Wirtschaftler, tatkräftig mitzubelfen, damit Staat und Wirtschaft über die jetzige Krise leben«- und entwicklunarfahig hiuwcgkommen.

der Hauptgegenstände der Besprechung die Frage des Nahen Ostens sein wird. Sicherlich wird auch die Haager Konferenz und die Frage der deutschen Reparationen, wie sie sich nach der Entscheidung des Bankierausschusses darstellt, besprochen.

Die Konferenz im Kaag.

Wendung in der französischen Politik?

Paris, 18. Juni. Der Mitarbeiter desMa- tin" im Haag erklärt, daß der erste Gedanken­austausch zwischen den einzelnen Delegationen bewiesen habe, daß die Engländer alle An­strengungen machen, um die Franzosen zu einer Teilnahme an den Kommissionsarbeiten zu be­wegen. Um dies zu erreichen, werden die Eng­länder sogar zustimmen, daß eine Unter- suchungskommission nach Rußland geschickt wird. Sie werden dieser Absendung auch dann zu­stimmen. wenn die Russen dieserhalb die weite­ren Verhandlungen ablehnen sollten. Nach eng­lischer Auffassung seien die Ansicht $er Russen und ihre Forderungen klar: Ohne Kredite keine Konzessionen.

Paris, 19. Juni. Ein offenbar offiziös in­spirierter Artikel desTemps" läßt auf eine bevorstehende Schwenkung der französiscben Politik gegenüber Rußland schließen. Im Widerspruch mit ihrer früheren Haltung und den zahlreichen Erklärungen in der französi­schen Presse scheint die französische Regierung sich neuerdings entschlossen zu haben, nunmehr doch an den direkten Verhandlungen mit den Vertretern der Sowjets im Haag teizunehmen. DerTemps" schreibt, Frankreich könne sich nicht abermals in einer rein negativen Haltung isolieren, andererseits sei es auf die Dauer un­möglich, sich bei den Verhandlungen im Haag lediglich durch offizielle Beobachter vertreten zu lassen: obwohl die direkten Verhandlungen mit den Russen mancherlei Gefahren in sich bergen, bleibt der französischen Regierung doch kein anderer Weg, als an den Verhandlungen im Haag teilzunehmen. Sie müsse sich aber gegen das Risiko, von anderen Mächten majorisiert zu werden durch Vorsichtsmaßnahinen schützen. Insbesondere müsse sie auf das neue erklären, ,daß auf der Konferenz im Haag keinerlei poli- 'tische Fragen zur Diskussion gestellt werden dürfen und daß die Befugnisse der Konferenz lediglich den Charakter von Sachverständigen­gutachten haben, durch die die beteiligten Re­gierungen nicht gebunden werden. Sie muß außerdem darauf Hinweisen, daß der in Genua in Aussicht genommene Burgfriedensvertrag, der die Entente auf 4 Monaten gegen jeden Angriff von russischer Seite schützen sollte, noch immer nicht zum Abschluß gelangt sei und daß andererseits unter keinen Umständen im Haag hierüber verhandelt werden solle, da es sich hier um eine rem politische Frage handle. Endlich müsse sie sich vorbehalten, daß wenn das in Rußland gelegene Privateigentum von Staats­angehörigen irgend einer Macht durch Unter­nehmungen von Staatsangehörigen einer an­deren Macht bedroht oder gefährdet würde, die Regierung der ersteren Macht das Recht habe, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln ihre Staatsanghörigen zu schützen und nötigenfalls auch Sonderverträge mit Rußland abzu­schließen.

England und der Orient

Paris, 19. Juni. Die englische Regierung hat dieser Tage erneut versucht, sich mit Frank­reich über eine gemeinsame diplomatische Ak­tion zur Beilegung der Feindseligkeiten im nahen Orient zu verständigen. Sie hat zu diesem Zweck eine gemeinsame Demarche Eng­lands, Frankreichs und Italiens in Athen, Konstantinopel und Angora vorgeschlagen, mit dem Ziel, die beiden kriegführenden Parteien zur Annahme der auf der Pariser Orientkonfe­renz in den Grundzügen festgelegten Bedin­gungen zu veranlassen. Nach der Darstellung der französischen Blätter soll der Zweck des eng­lischen Schrittes vor allem der gewesen sein, Frankreich zu einem Schritt bei der Regierung in Angora zu veranlassen, die sich bisher wei­gerte, den ihr von den Mächten vorgeschlagenen Friedensentwurf anzunehmen und statt dessen die Einleitung direkter Verhandlungen mit Griechenland vorgeschlagen hat. Die englische Note soll u. a. drohen, daß, wenn Frankreich sich der gemeinsamen Aktion nicht anschließe, die englische Regierung sich das Recht vorbehält, die diplomatischen Schriftstücke der Konferenz zu veröffentlichen. Die französische Re­gierung hat gestern auf diese Note g e - antwortet und, wie dasJournal des De­büts,, meldet, darin die von England ge­wünschte Demarche bei den Kemalisten abge- gelehnt. Sie erklärt, daß sie nichts gegen die