Hanauer M Anzeiger
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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Sladl- «n» Landkreis Sana« yeaSÄ
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
Ak. 137
Mittwoch den 14. Juni
Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile Sanau a. M.' — Im Falle höherer Gewalt bat bet Bezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nach»
wird keine Gewähr geleistet.
1922
Das Neueste.
— 2m Erzbersermordprozeb wurde der Angeklagte Killinger ireigeivrochen.
— Der französische Senat bat den Gesetzentwurf leit. Gewährung eines Darlebns von 55 Millionen Franken an Deutsch-Oesterreich angenommen.
— Staatssekretär a. D. Bergmann erstattet« gestern dem Reickskaüinett Bericht über die Verhandlungen des Anleibekomitres.
— Vom 23—25. Juni wird in Berlin der tieichsausschub der Zentrumspartei zusammentreten and zwar am 23. zunächst der Vorstand der Partei und am 24. und 25. der Reichsauslchuh.
— Die sozialdemokratische Partei bat im Reichstag eine Interpellation über die Regimentsfeiern eingebracht.
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Was bedeutel die Vertagung
-er Bankiers-Konferenz?
Was bedeutet die Vertagung der internationalen Bankierskonferenz auf unbestimmte Zeit unmittelbar für Deutschland? In erster Linie das Bevorstehen einer ernsten kritischen Zeit. Wenn man sich auch in Deutschland darauf gefaßt gemacht hatte, daß die durch Gewährung einer Anleihe mögliche Stabilisierung der deutschen Mark schwere innere Wirtschaftskrisen zur Folge haben werde, so hatte man doch die Hoffnung nach Ueberwindung dieser Krise endlich wieder zu geordneten Verhältnissen kommen zu können. Diese Hoffnung muß für die nächste Zeit aufgegeben werden. Sie kann nicht erfüllt werden, ehe nicht die von der Bankisrkommission aufgestellten Voraussetzungen gegeben sind, und so müssen wir uns denn darauf gefaßt machen, daß weitere Markstürze kommen, daß das Sinken der Mark an den internationalen Börsen, das sofort nach der Vertagung der Bankierskonsereuz MseW^ä fortsetzen wird, daß wir neue Teuèrungs- und Lohnsteigerungswellen zu erwarten haben. Einen Vorgeschmack von den Wirkungen der kommenden Markstürze werden wir schon in der nächsten Zeit erhalten, denn morgen am 15. Juni ist gemäß dem am 31. Mai d. Js. bis zum Jahresschluß definitiv gemachten sogen. Zahlungsaufschub, der in Wirklichkeit ein solcher gar nicht ist, die nächste Reparationsrate von 50 Millionen Goldmark fällig. Diese Zahlung können wir natürlich nicht leisten, ohne neue schwebende Schulden aufzunehmen und die Notenpresse weiter arbeiten zu lassen. Als Folge solcher Zahlungen haben sich ja bisher regelmäßig Markkrisen eingestellt und so wird eine solche auch diesmal nicht ausbleiben. Aber die Möglichkeit, solche Krisen mit ihren Rückwirkungen auf die inneren Wirtschaftsverhült- Me durchzumachen, ohne den Bestand der Wirtschaft zu gefährden, schwächt sich nach jeder Krise mehr ab, und die Aussicht, auch die nächsten Monatszahlungen ausführen zu können — bekanntlich find in den kommenden Monaten weiter je 50 Millionen Goldmark fällig —, ist sehr zweifelhaft. Es läßt sich daher absolut nicht übersetzen, welchen Zuständen wir entgegengehen — sie sind fraglos katastrophal, wenn es der deutschen Regierung nicht gelingt, die Ententemächte, besonders Frankreich, zu Überzügen, die Bedingungen zu erfüllen, die von den Bankiers für. die Gewährung einer ^^^ seihe gestellt worden sind: Reduzierung der Neparationsschuld und damit gründliche Re- wdierung des Versailler Vertrages. Aufgabe der deutschen Regierung ist es also jetzt endlich mit allen Mitteln in dieser Richtung zu arbeiten, umsomehr, als sie in ihrer letzten Note vom
Mai der Entente allerhand Zugeständnisse gemacht hat, die geeignet sind, ungerechtfertigte Schlüsse auf die deutsche Leistungsfähigkeit zu ^ehen. Wir erwarten, daß sich die deutsche Negierung unverzüglich und nachdrücklichst auf die Bekundungen des Anleiheausschusses stützt und sich durch keine Einschüchterungsversuche s Franzosen, die kaum lange auf sich warten Men dürften, auf Irrwege abdrängen läßt, è dürfen nicht warten, bis durch ein gegne-
Diktat ein neuer Termin den organischen , ug der Dinge abschneidet und Regierung und Parteien zu jener berüchtigten Hetzarbeit oer letzten Stunden vor dem Verfallpunkt zwingt. Noch hemmt kein befristetes Ultimatum unsere Entschlußkraft — deshalb unverzüglich ’e Jnitative ergriffen!
Die Reparationskommission, an ihrer Spitze u^unkreich, wird jetzt zweifellos den Versuch "An, die in der letzten deutschen Nöte ge- r Zugeständnisse auszunutzen und es Zeigen, wie unvorsichtig es war, an e Jtepto jo große Zugeständnisse zu machen, gestützt auf die Hoffnung, daß sie nach al» . dieser Zugeständnisse ihrerseits das Ent- v^üenkommen zeigen würde, das notwendig
war, wenn die deutschen Versprechungen erfüllt werden sollten. Es ist zwar selbstverständlich, daß manche dieser Versprechungen nun nicht mehr gelten können, nachdem die Anleihe, die in der Note ausdrücklich als Voraussetzung bezeichnet war, unmöglich geworden ist, aber man kennt ja die Repko und die Entente schon zur Genüge, daß man annehmen kann, daß sie fi* an solche juristische Selbstverständlichkeiten nicht halten werden, und so besteht die Gefahr, der allerdings ungerechtfertigten Ausnützung der deutschen Zugeständnisse — eine Gefahr, die nicht eingetreten wäre, wenn man vor der Uebernahme neuer Verpflichtungen zunächst einmal der Gegenseite das Entgegenkommen überlassen hätte. Vor allem bestehen diese Bedenken hinsichtlich der von uns, allerdings unter dem ausdrücklichen Vorbehalt der Gewährung einer internationalen Anleihe, ausgesprochenen Verpflichtung, 60 Milliarden an neuen Steuern einzuführen. Es besteht die Möglichkeit, daß die Repko die Einführung dieser neuen Steuern verlangt, ohne eine Gewähr dafür zu geben, daß dem deutschen Volke ihre Aufbringung möglich gemacht wird, weil sie aus der Tatsache dieser unter ganz anderen Voraussetzungen eingegangenen Verpflichtung den Schluß zieht, eine so große Steuervermehrung liege im Bereiche der deutschen Leistungsfähigkeit, und daß man in Paris deutschen Wirtschaftsgutachten nicht zugänglich ist, wenn man einmal eine bestimmte Meinung gefaßt hat, wissen wir ja aus Erfahrung. Das gleiche steht für das Zugeständnis hinsichtlich der Ententekontrolle über das deutsche Finanzwesen, zu befürchten. Auch auf diesem Gebiete besteht die Möglichkeit, daß die Verpflichtung, deren Eingehen wir an dieser Stelle unter allen Umständen im Interesse der Erhaltung der deutschen Finanzhoheit abgelehnt haben, nunmehr ausgenützt und die Kontrolle eingeführt wird. Letzteres ist umso eher wahr- jchenuâ Müa.iuM
der Anleihe die weitere Verpflichtung, die deutsche Notenausgabe einzustellen, und vom 31. März ab keine ungedeckten Banknoten und Schatzanweisungen mehr auszugeben, hinfällig geworden ist. Dieses Recht zur Notenausgabe, das die deutsche Regierung dadurch wiedererhält, da ihr keine auswärtigen Mittel zur Festigung der deutschen Währung zur Verfügung gestellt werden, wird die Repko durch Einführung der Finanzkontrolle zu beschneiden wissen. Gegen dieses Trachten ist natürlich entschieden anzukämpfen — die Regierung muß frank und frei erklären, daß sie durch das von den Franzosen absichtlich herbeigeführte Scheitern der Anleiheverhandlungen wieder freie Hand gegenüber den in der Note vom 30. Mai gemachten Zusagen gewonnen hat und sie muß diese Freiheit so ausnützen, daß trotz aller französischen Ränke die Reparationsfrage endlich einer Regelung zugeführt wird, die den Alpdruck hinwegnimmt, der jetzt auf dem deutschen Volke und dem Weltfrieden lastet. In dem Gutachten des Anleiheausschusses heißt es, „daß die Wiederaufnahme der normalen Beziehungen des Verkehrs zwischen den Ländern und die Wiederherstellung der Valuten vollkommen unmöglich sind, solange keine endgültige Lösung des Reparationsproblems erfolgt und solange auch nicht die Frage der andern auswärtigen Schulden gelöst ist." R. H.
Die Beratungen Les Beichskabrnett s»
Der drohende Marksturz. — Neue Steuern?
Berlin, 14. Juni. Gestern nachmittag um 5 Uhr hielt das Reichskabinett im Reichstg eine Sitzung ab, an der außer den Reichsministern und mehreren Staatssekretären auch der Reichsbankpräsident Havenstein mit einer Anzahl Finanzfachleuten teilnahmen. Die Versammel-, ten nahmen zuerst den Bericht des Staatssekretärs a. D. Bergmann über die Verhandlungen des Anleihekomitees in Paris entgegen. Einstimmig kam das Bedauern darüber zum Ausdruck, daß das Anleihekomitee sich infolge der augenblicklichen politischen Verhältnisse genötigt sah, seine Arbeiten vorläufig zu vertagen. Es wurde aber mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, daß der Bericht des Komitees wichtige Hinweise für eine praktische Lösung des Reparationsproblems gibt. Von besonderer Bedeutung ist nach Auffassung des Kabinetts, daß das Komitee sich ausdrücklich bereit erklärt hat, zwecks Beratung einer Reparationsanleihe wieder zusammenzutreten, sobald die gegenwärtigen Hindernisse beseitigt sind und daß das Komitee die finanziellen Verhältnisse der wichtigsten Weltmärkte für eine deutsche Anleihe z. Zt. günstiger als je zuvor bezeichnet. Die deutsche Regierung wird im Interesse der Festigung der deutschen Wirtschafts- laae und des deutschen Kredites nach wie vor
alles tun, um die Reichsfinanzen auf eine gesunde Grundlage zustellen und der Vermehrung der schwebenden Schulden mit allen Mitteln entgegenwirken, soweit es unter den jetzt geschaffenen erschwerten Verhältnissen möglich ist. In den bevorstehenden Verhandlungen mit dem Garantiekomitee wird Gelegenheit geboten sein, der Reparationskommission die nötigen Aufschlüsse hierüber zu geben. Die Zahlung der am 15. Mai fälligen Monatsrate von 50 Millionen GoldiAark für die Reparationen ist angewiesen. Bis zur Wiederaufnahme der Anleiheverhandlungen wird die Regierung ihre Aufgabe darin sehen, einschneidenden Veränderungen der Valutaverhältnisse vorzubeugen. Es müßten Mittel und Wege gefunden werden, um eine weitere Inflation zu verhindern oder doch wenigstens einzuschränken. Das gegebene Mittel hierzu fei, die Steuernschärfer als bisher e i n a u • treiben und die neuen indirekten Steuern, die in der Note an die Reparationskommission angekündigt wurden, einzuführen. — Der Kanzler erwähnte eine Reihe von Vorschlägen, die dazu dienen sollen, dem bevorstehenden Marksturz entgegenzutreten. Aus den Ausführungen der übrigen Kabinettsmitglieder trat im allgemeinen die Befürchtung hervor, daß der neue Sturz des Markkurses mit ziemlicher Si - cherheitzu erwarten fei und alle Schutzvorrichtungen der Reichsregierung überflüssig machen könnte. Neue Steuern würden durch das ständige Sinken der Markwährung vollständig wertlos werden und es sei zweifelhaft, ob man längere Zeit noch mit Aussicht auf Erfolg überhaupt Währungsschutz treiben könne.
Eine neue No!e der Reparetivns-- kommiffipn.
Paris, 14. Juni. Die Repurarionskommis- sion verhandelt seit gestern über eine Ergän- zungsnote zu der Antwortnote der Reparationskommission vom 31. Mai, worin das Moratorium für Deutschland als definitiv erklärt und gewisse Punkte, besonders über die Finanzkontrolle und die zu ergreifenden Maßnahmen gegen die K a p i t a l f lu ch t, offen gelassen werden. Die Note wird wahrscheinlich heute zum Abschluß gebracht und der Berliner Regierung übermittelt werden.
Krisengerüchte in Paris?
Paris, 14. Juni. Nach den für Frankreich unzweifelhaft sehr ungünstigen Folgen der resultatlosen Anleiheverhandlungen spricht man in französischen Parlamentskreisen neuerdings wieder lebhaft von einer bevorstehenden Mini- sterkrife, und zwar wird diesmal als der kommende Mann nicht Tardieu, sondern Briand oder Barthou bezeichnet. Die größten Chancen soll jetzt Barthou haben, nicht zum mindesten auch vielleicht deshalb, weil seine auf der Konferenz von Genua verfolgte Haltung Belgien gegenüber dieser Tage durch das Abspringen Belgiens in der Anleihefrage eine gewisse Rechtfertigung gefunden hat.
(Diese Gerüchte müssen mit Vorsicht ausgenommen werden. Es darf nicht vergessen werden, daß Poincar« die Politik einer überwältigenden nationalistischen Kammermehrheit macht. Dies haben die letzten Kammerdebatten bewiesen, in denen Poincarë eine in außenpolitischen Fragn selten erzielte Mehrheit erhalten hat. Die Kammermehrheit würde also zugleich mit der Politik des Ministerpräsidenten ihre eigene Politik öffentlich verurteilen, wenn sie den Ministerpräsidenten desavouiren würde, eine Entwicklung, die trotz der Mißstimmung, die durch die Reparations- und russische Politik des Ministerpräsidenten veranlaßt wurde, nicht so rasch zu erwarten sein dürfte.)
Eine Interpellation Tardieu's.
Paris, 14. Juni. Tardieu läßt sich die augenblicklich heikle Lage, die für das Kabinett Poincarè aus der Isolierung Frankreichs in der Reparationsfrage und in der russischen Frage entstanden ist, nicht entgehen, um seinen politischen Widersacher, Herrn Poincarë vor der Kammer zu einer unvermittelten Erklärung über das Reparationsproblem möglichst schon am kommenden Donnerstag aufzufordern. Tardieu hat dem Ministerpräsidenten in folgendem Schreiben diese Interpellation angekündigt: Ich möchte auf der Kammertribüne eine Frage über die gegenwärtige Lage des Reparations- Problems an Sie richten. Wenn Sie, wie ich nickt bexmeifte. mit mir darin sinia geben. daß
nach den Ereignissen der letzten Woche übet dieses Thema Erklärungen ausgetauscht werden sollen, gestatte ich mir den Vorschlag, Sie möchten dies in der übermorgigen Sitzung vom Donnerstage tun.
Der Triumph der poltu RaubpoNNK.
Wie aus Kattowitz gemeldet wird, sollen im Laufe dieser Woche Eisenbahn, Post und Polizei an die neue polnische Verwaltung übergeben werden, und vermutlich wird auch die deutsche Justiz ihre Tätigkeit in den nächsten Tagen einstellen. Man rechnet damit, daß die Uebergabe der Polizei in Kattowitz am 15. Juni erfolgt, daß am 16. Juni das interalliierte Militär abzieht und daß die militärsche Besetzung der ersten Zone am 17. Juni erfolgt. Der gesamt« Eisenbahnbetrieb in Polnisch-Oberschlesien wird am Mittwoch nachmittag 5 Uhr von dem Beamtenapparat der neuen polnischen Eisenbahn- direktion übernommen. Von diesem Zeitpunkt an haben die sämtlichen deutschen Eisenbahn- beamten bis auf die zurückbleibenden Heberlei- tungs- und Leihbeamten den Dienst einzustellen. Die Amtstätigkeit der Ueberleitungsbeamten ist auf zunächst drei Monate vorgesehen. Die Leih- beamten, 127 Personen, dürften noch etwa 14 Monate in polnischem Dienst bleiben. Da nur ein kleiner Teil der oberschlesischen Eisenbahnbeamten in polnischen Dienst übertritt, ist die Heranziehung eines größeren Teils aus dem früheren Polen und Kongreßpalen notwendig geworden. Es ist mit Schwierigkeiten im Eisenbahnbetrieb zu rechnen, weil zu wenig eingearbeitetes Personal zur Verfügung steht. Für den Einzug der polnischen Truppen werden in einigen Tagen Ehrenpforten errichtet. Die Ankunft Calonders wird für den 15. Juni erwartet.
Gestörtes Kriegersest.
Berlin, 13. Juni. Zu verschiedenen Pressemeldungen wird amtlich mitgeteilt. Am Samstag abend begann mit einem Zapfenstreich ein Kriegervereinsfest in Zoss e n. Die Stadt war zum Teil mit Girlanden und schwarz-weih- roten Fahnen geschmückt. Ein Zug von etwa 50—60 jungen zumeist aus Neukölln gekommenen Leuten zog durch die Straße, riß Girlanden und Fahnen ab und verbrannte einige davon. Nachtwächter, die sich ihnen entgegenstellten, wurden bedroht, darauf wurden die Landjäger benachrichtigt, die 14 von den jungen Leuten verhafteten. Auch das Publikum beteiligte sich an diesen Verhaftungen und schlug aus die jungen Leute ein. Das polizeiliche Verhör hat ergeben, daß die jungen Leute auf Veranlassung von Zossener Kommunisten herübergekommen waren. Nach erfolgter Vernehmung wurden alle bis auf zwei, die bereits wegen Landfriedensbruch vorbestraft sind, entlassen.
Interpellation über die Regimentsfeiern.
Berlin, 14. Juni. Die S. P. D. im Reichstage hat folgende Interpellation eingebracht:
Ist der Regierung bekannt, daß die sogen. Regimentsfeiern, die von Angehörigen der alten Armee, vorwiegend Offizieren, veranstaltet werden, sich iinmermehr zu antirepublikanischen Kundgebungen auswachsen. Ist ihr bekannt, daß von sog. Traditionskompagnien der Reichswehr die Verbindungen mit den Veranstaltern solcher Kundgebungen dauernd aufrecht erhalten werden, daß sich die Reichswehrtruppen an diesen Kundgebungen beteiligen und was gedenkt die Reichsregierung zu tun, um die innen- und außenpolitischen Schädigungen des Reiches, die aus den sog. Regimentsfeiern und aus den militärischen Veranstaltungen drohen, abzuwenden, den republikanischen Charakter der Reichswehr aufrecktzuerhalten und den inneren Frieden zu schützen?
Preußischer Landtag.
Im preußischen Landtag brachte der gestrig« Wiederbeginn der Beratungen nach den Pfingstferien einen stürmischen Auftakt. Präsident Leinert eröffnete die Sitzung mit einer Kundgebung für das uns entrissene Oberschle- sien. Die Kommunisten und Unabhängigen unterbrachen mit den üblichen Lärmszenen. Sie brachten im Anschluß daran einen Antrag auf sofortige Besprechung der bekannten Vorgänge, die sich in Königsberg aus Anlaß der Anwesenheit Hindenburgs abgespielt haben, ein. Da» Ergebnis einer sich anschließenden lebha tsa Geschäftsordnungsaussprache war die Ablehnung des Antrags. Nachdem die Entrüstungs- mache überstanden war, wandte sich das Haus der zweiten Beratung kleinerer Etats zu und erledigte in schneller Aufeinanderfolge die Haushalte der Preußischen Zentralgenosfenschafts- kasse, der Staatsschuldenverwaltung und der Oberrechnungskammer.
OBeiter» Politikus Ncubricktea Sâcâ.