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General-Anzeiger

AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Lamm 'SLL«'^«S

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage

wird keine Gewähr geleistet

Sir. 134 Samslag den 10. Juni 1922

Das Neueste.

Das internationale Bankierkomitee wird

$ heute auf mehrere Monate vertagen. Eine internationale Kreditoperation großen Stiles gegenwärtig für ausgeschlossen.

5 Pariser Garantiekomitee beschloß,

hält man gegenwärtig für ausgeschlossen.

Das Pariser Garantiekomitee beschloß, anfangs nächster Woche nach Berlin abzureisen.

Wirth und Rathenau hielten gestern in Stuttgart politische Reden.

Ueber Königshütte und Beuthen wurde der Belagerungszustand verhängt.

Wirth und Rathenau in Stuttgart

Stuttgart, 10. Juni. Die anläßlich des Be­suches des Reichskanzlers Dr. Wirth und des Reichsaußenministers Dr. Rathenau bei der vürttembergifchen Regierung angesagte poli­tische Rede des Reichskanzlers ist gestern abend im Konzertsaale der Liederhalle vor etwa 800 geladenen Gästen gehalten worden, der neben den Mitgliedern der jetzigen und früheren würt- tembergischen Regierung eine große Anzahl Parlamentarier, Vertreter der Militär-, Staats- und Kommunalbehörden, der politischen Ver­einigungen rc. anwohnten.

Der Rede des Reichskanzlers ging eine kurze Ansprache des Staatspräsidenten Hieber vor­aus, in der er der Treue und Anhänglichkeit der Schwaben zum Reiche in beredten Worten Ausdruck gab. Dann ergriff, mit starkem Beifall begrüßt Reichskanzler Dr. Wirth das Wort. Er wies zunächst die Behauptung, daß die süddeutschen Politiker, die in Berlin an be­

rufenen Stellen stehen nach kurzer Zeit chre Zugehörigkeit zu Süddeutschland vergessen hätten, als unnützes Gerede zurück und dankte für die, durch den Staatspräsidenten zum Aus­druck gebrachte Reichstreue der Schwaben. Das Ziel unserer Politik, so führte er weiter ist das Wohl des deutschen Volkes und die Erhaltung feiner politischen und wirt- chastlichen Einheit.

I chastlichen Einheit. Die letzten Ge- I ehren für diese Einheit sind noch nicht ver- chwunden. Die große Aufgabe der Erhaltung JI des Reiches kann nur gelöst werden unter der 11 Mitarbeit der deutschen Beamtenschaft aller 1 Richtungen, die gewerkschaftlich denken und ge- ! verkschaftlich organisiert sind. Auch alle De­si amtenverbände müssen diesem Gedanken mit ganzem Eifer dienen. Der Redner ging dann zur Besprechung der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Lage über und erklärte, I daß das Teuerungsproblem nicht mit der Notenpreste gelöst werden könnte, sondern ; als große außenpolitische Aufgabe des deutschen Bölkes betrachtet werden müßte. Den Fort­schritt in den politischen Beziehungen des deut­schen Reiches zu den früheren feindlichen Staa­ten erkenne man am besten an der Sprache, die diese führen. Vor einem Jahre wurde noch im Tone des Ultimatums und der Diktatur mit Deutschland gesprochen. Ganz anders war es uuf der Konferenz von Genua. Man hat sich hier 3% Jahre nach Schluß des Welt­krieges an einen Verhandlungstisch gesetzt und * I begonnen, in ruhiger und nüchterner Form mit- einander zu sprechen. Das ist ein großer Fort­schritt in der Geschichte Europas, der nicht er« Ul zielt worden wäre mit der sogenannten Politik 31 der Ablehnung und passiven Resistenz. Die Ge­nueser Konferenz hat weiter gezeigt, daß die Vertreter des Reiches politisch wieder Boden unter den Füßen gehabt haben. Zur Bespre­chung des Vertrages von Rapallo übergehend gab der Redner der Ueberzeugung Ausdruck, daß durch diese wirtschaftliche Zusam- wenarbeit mit Rußland nicht nur uns, sondern dem ganzen dahinsiechenden Europa geholfen werde. Der Vertrag von Rapallo wird nicht der etzte der europäischen Völker mit der Ostwelt fein, sondern der erste, dem bald weitere nach- folgen werden. Aber auch damit ist die Bedeu- )O umg der Genuakonferenz nicht erschöpft. Es gab dort sehr wichtige Fragen, über die nicht offiziell ^sprachen wurde: die wichtigste Frage, die Butsche, kam nicht öffentlich zur Sprache, aber «° sich zwei vernünftige Menschen in Genua srafen, ist über das Reparationsprob- f das zum Weltproblem geworden ist, ge« fprochen worden. Die große Aufgabe der beut« 41 Politik ist es, die Frage der deutschen Re- * I Portionen, in Wirklichkeit sind es Kontri- B Witmen, allmählich aus dem politischen Hexen- 41» u 'ch das Reich wirtschaftlicher Erwägungen uoerzuführen. Der Reichskanzler streifte dann kurz die Anleihef r a g e und warf die »rage auf, ob die Anleihe etwa nur zur Ret- I nmg Deutschlands diene und ob Deutschland in m^ra9e das ausschlaggebende Wort habe. yB ^ Gedanke der Anleihe ist vielmehr ein gro-

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ßer Gedanke zum Wiederaufbau der ganzen Weltwirtschaft und das ausschlaggebende Wort haben nicht die, die um Geld nachsuchen, son­dern die, welche das Geld geben. Mit Befrie­digung stellte der Reichskanzler fest, daß in dem Cremium Männer der englischen und ameri­kanischen Hochfinanz sitzen, die schon im letzten Jahre das Anteiheproblem im Zusammenhang mit dem Reparationsproblem als lösbar ange­sehen hätten. Mit einem Appell zur Mitarbeit an der hohen Aufgabe der Erhaltung eines ein­zigen, unabhänigen deutschen Volkes beendete der Reichskanzler seine mit großem Beifall auf­genommene Rede.

Dann sprach noch A u ß e n m i n i st e r Dr. Rathenau., Er behandelte vor allem das Reparationsproblem. Wenn dasselbe auf der Konferenz von Genua offiziell nicht be­rührt werden durfte, so trat doch bei allen Be­sprechungen die Ueberzeugung von der wirt­schaftlichen Verflochtenheit der Interessen aller europäischen Staaten und von der Undurch­führbarkeit der Bestimmungen des Londoner Ultimatums zu Tage. Als einen wichtigen Schritt auf dem Wege zur Loslösung von dem Geiste des Londoner Ultimatums bezeichnete Dr. Rathenau die Beratungen des Bankierkon­sortiums von Paris. Es sei dies der bedeu­tendste und wichtigste Schritt, der seit dem Ulti­matum von London gemacht worden sei und durch nichts wieder rückgängig gemacht werden könne, denn die Anwort des Konsortiums auf die Frage, ob Deutschland die 132 Goldmilliar­den zahlen könne, sei ein glattesNein". Zum Schlüsse bezeichnete Dr. Rathenau die Politik der Versöhnung, die die deutsche Regierung eingeschlagen hat als die einzig mögliche und richtige. Wenn in späteren Jahren die Geschichte der jetzigen Epoche geschrieben werde, so werde auch anerkannt werden, daß nur Geduld Tat­kraft, Opfersinn und Idealismus das deutsche Volk aus seiner tiefen Erniedrigung empor­führen konnten.

Keule Entscheidung in der Anleihe­frage?

Paris, 10. Juni. Das Anleihekomitee, das mit einer kurzen Unterbrechung gestern von H4 Uhr bis gegen 9 Uhr beraten hat, vertagte sich auf heute Samstag 11 Uhr. Man geht wohl in der Annahme nicht fehl, daß in dieser Sitzung die Entscheidung fallen wird.

Paris, 10. Juni. Trotzdem auch über die gestrige Sitzung keinerlei Mitteilungen von be- teligter Seite gemacht worden sind, verlautete gestern abend in Ententekreisen, daß d i e Aus­sichten für die geplante große Anleihe für Deutschland nur noch sehr gering seien. Etwas aussichtsreicher dagegen erscheint es, eine kleine Anleihe unter zu bringen, die Deutschland zunächst über die Schwierigkeiten des Jahres 1922 hinweghelfen könnte.

Zu den Anleiheverhandlungen stellte gestern abend derTemps" anscheinend offiziös folgende hoch beachtenswerte Betrachtungen an: Wir haben ein Programm; dieses umschließt das, was wir wollen und das, was wir nicht wollen. Das was wir wollen ist folgendes: Frankreich und Belgien sollen bis zum äußersten und alle Nationen, die am meisten im Kriege gelitten haben, zusammenarbeiten, um hie Reparatio­nen gedeckt zu sehen. Wir erraten jetzt sehr wohl, daß jetzt Versuche gemacht werden, um endgültig Frankreich von Belgien zu treten, indem man Belgien sofortige finanzielle Vor­teile anbietet. Aber Belgien wird dieses Linsen­gericht verschmähen, das ihm den Rest seines Erbes kosten würde. Außerdem wollen wir, daß Deutschland seine Finanzen in Ordnung bringt; zu diesem Zweck muß ein neuer Marksturz ver. mieden werden. Es sind die von der Repara­tionskommission vorgesehenen Maßregeln sofort zu ergreifen, besonders der Inflation zu steuern und die Finanzkontrolle in Kraft treten zu lassen. Wir würden also mit andern Worten einer internationalen Anleihe nur folgen, selbst wenn es sich nur um eine kleinere Anleihe han­delt, unter der Voraussetzung, daß der Betrag der Anleihe mit Rücksicht auf die belgischen und französischen Interessen berechnet und dement­sprechend eine Deckung des belgischen Gut­habens vorgenommen würde und ferner unter der Voraussetzung, daß die deutsche Inflation aufhört und die Finanzkontrolle Platz greift.

PariS. 10. 3uni. Die Mitglieder des An­leihekomitees stehen ausnahmslos auf dem Standpunkt, daß eine kleine Anleihe nur als ein Provisorium in Erwartung einer umfassen­deren Lösung zu betrachten ist. Die große An­leihe muß aber nach ihrer Ansicht wegen der

gegenwärtigen Widerstände um einige Monate vertagt werden. Ls ist anzunehmen, daß man erst die amerikanischen Hsrbstwahlen vorüber­gehen lasten will, um dann die Frage der Herabsetzung der deutschen Schulden in Verbin- du g mit einem etwaigen Schuldenerlaß unter den Verbündeten aufzurollen. Die heutige Schlußsitzung des Anleihekomitees wird voraus­sichtlich nur von kurzer Dauer fein.

Gegenwärtig eine große internationale Kredit- operation ausgeschlossen.

Paris, 10. 3uni. DasOeuvre" weist über die gestrige Debatte der Anleihekomitees zu be­richten. der englische und holländische Vertreter hätten darauf gedrungen, daß trotz des französi­schen Widerstandes ein Plan für die Mobili­sierung der deutschen Schuld au^*e?(f werde. Morgan, sowie der deutsche Vertreter hätten aber erklärt, daß angesichts der Uneinigkeit bei den Gläubigerstaaten auch diese Arbeit vergeb­lich wäre. Infolgedessen hätte sich das Komitee der Ansicht Morgans angeschlossen. Der Rap­port werde also nicht betauen, wie eine Mobili­sierung der Schuld möglich wäre, sondern er werde sich darauf beschränken, zu erklären, daß gegenwärtig eine internationale Kreditoperâklon großen Stiles ausgeschlossen sei. DerTRafin be­merkt, daß man die Dinge nicht mißverstehen dürfe. Die richtige Auffassung sei die, daß man gegenwärtig bei einer deutschen Reparations­schuld von 132 Goldmilliarden allerdings keine Geldlsiher für eine Anleihe finden könne, aber in zehn oder vielleicht schon in zwei Iahren könnten sich doch welche finden und deshalb sei nur richtig, wenn sich die Bankiers heute nicht weiter über diese Frage äußerten.

DasEcho de Paris" zieht den Schluß, daß man dafür sorgen müsse, die Reparationen in Form von Sachleistungen zu. beziehen. Frank­reich sei im Vergleich zu anderen Nationen direkt im Nachteil geblieben. Es hänge alles davon ab, daß endlich die Zollpolitik ge­ändert werde und die Regierung für die Sachleistungen aus Deutschland den Zollsatz ändere.

Hauplverfammlung des Reichs- bürgerrais.

Bremen, 9. Juni. Hier tagt heute und mor­gen die vierte Hauptversammlung des Reichs­bürgerrates. Der Präsident des Reichsbürger­rats, Staatsminister a. D. Dr. v. Loebell, be­tonte in seiner einleitenden Ansprache, daß das deutsche Volk auf keine Lösung der internatio­nalen und der innerstaatlichen Probleme rech­nen könne, solange es sich noch selbst im Strudel der politischen und wirtschaftlichen Meinungs- verschiedenheiten befindet. Deutschland drohe noch immer auf den Weg des Abstiegs zur völligen politischen und wirtschaftlichen Ohn­macht zu geraten. Wenn das deutsche Volk binnen kurzem vor die entscheidende Frage: An­nahme oder Ablehnung der Bedingungen einer internationalen Anleihe gestellt werden sollte, dann handle es sich nicht nur um die Ueberwin­dung wirtschaftlicher Schwierigkeiten für einen kurzen Zeitraum, sondern um die grundsätzliche Frage, ob Deutschland wieder ein politisch und wirtschaftlich freier Staat werden soll. Es habe sich gerade in der Freiheit der bürgerlichen Be­wegung immer mehr herausgestellt, daß der Vertrag von Versailles nicht nur direkt, sondern auch indirekt oberstes Grundgesetz des gesam­ten öffentlichen Lebens in Deutschland sei. Des­halb gebe es nur ein Ziel für die bürgerliche Bewegung: Hinlentung des gangen Volkes auf die Aufgabe des deutschen Staatsbürgertums, dieRevisiondesVertragsvonVer- failles durchzusetzen und bis zur Er­füllung dieser Ausgabe alle Auswirkungen des Vertrags gegen den Staat durch Kleinarbeit zu überwinden.

Dann erhielt Reichstagsabgeordneter Dr. Gildenmeister -Bremen das Wort zu sei­nem Vortrag über die Wirkungen des Versailler Vertrags. Er führte u. a. aus: Wir müssen in der Welt die Revision des Vertrags von Versailles durchsetzen. Das kann nur gelingen, wenn wir' von unserem Recht überzeugt sind. Diese Ueberzeugung darf nicht auf der Schuldfrage allein fußen, zumal der Vertrag mit dem Abkommen vom 5. November nicht übereinstimmt. .Unsere wichtigste Waffe ist, daß der Vertrag auf dem Bruch eines.ge­gebenen Wortes beruht. Wir haben lernen müssen, daß wir noch nicht reif waren, ein Welt-, voll in großem Sinne zu sein. Wir leiden heute unter dem Zustand eines Staates, der seines Rechts vollständig beraubt ist und sich seiner be­sonderen Merkmale entäußert hat.

Es folgte dann Geheimrat v. Bietsch, Lei­ter des Arbeitsausschusses deutscher Verbände,

mit einem Reserat über die erzieherische Wirkung der Schuldfrage. Er er« klärte, der Arbeitsausschuß beabsichtige eine überparteiliche Front gegen den Versailler Ver­trag zu bilden. Die Bekämpfung des Vertrags fei nur möglich, wenn auch der Verstand des einfachsten Mannes dafür erschlossen werde, daß der Vertrag von Versailles vom volkssitt­lichen Standpunkt aus geradezu ungeheuer sei.

Es sprach dann Dr. G e r l i ch, Hauptschrift- leiter derMünchener Neuesten Nachrichten", über Staatszweck und Staatsfornu Er wies darauf hin, dgß die Revolution von 1918 anfangs weniger eine politische und soziale war, als vielmehr eine militärische Revolte. Erst allmählich trat eine anarchische Bewegung hinzu und löste die sozialistische Konjunktur aus. Die neuen Machthaber wählten als Rechtsboden die das Gleichgewicht der Kräfte von rechts und links als einzig mögliche Staatsform erscheinen ließen. Der alte Bismarcksche Staat war ein guter Staat, der den größten Teil der Fürsorge für die Staatsbürger übernahm. Er dachte vor allem außenpolitisch. Der Staatsangehörige war Mündel, der Staat Vormund. DieseStaats- form war ethisch hochstehend und nur in der Form einer mehr oder weniger absoluten Mo­narchie denkbar. Die Revolution befreite das Mündel von dem Gehorsam, entkleidete den Vormund seiner Rechte und beließ ihm nur Pflichten. Ist das Demokratie? Es hat in Deutschland bisher überhaupt noch keine Demo­kratie gegeben. Demokratie und Woblfahrts- staat lassen sich schwerlich vereinigen. Der heu­tige Staat ist brüchig im Charakter. Die Par­lamente tauchen ebenso wenig wie die Wähler. Wie früher, werden Jnteressenvertreter ins Parlament geschickt, aber nicht der Treuhänder und große Könner. Es fehlt das Gleigewicht eines autonomen, aus innerer Kraft handelnden Staates. So haben wir das Raufen um den Staaistrog, was mit Demokratie

hat. Wollen wir Demokratie, dann müssen wir den Staatsapparat abbauen. Wollen wir den Wohlfahrtsstaat, dann müssen wir zurück zur absoluten Monarchie. Die Monarchie durchzu­führen, fehlen Deutschland heute die Macht­mittel. Anderseits werden die Arbeiter einsehen lernen, daß sie von ihren Führern um die sozia­len Gedanken betrogen sind, als sie den Bis- marckschen Staat zerschlugen. Wir kommen aus der Not nur heraus, wenn jedermann sich zum selbstbestimmenden Faktor macht. Vaterländische Pflicht der Staatsbürger ist es, all diese Dinge durchzudenken. Vielleicht kommt einmal ein Anderer und Größerer, der uns auf einen ver­nünftigen Weg führt.

Neue französische Hetzreden.

Paris, 10 Juni. In einer Festversammlung in Metz bei Gelegenheit der Denkmalsweihe während der Pfingsttage hat auch General Foch eine kurze Ansprache gehalten. Foch sagte, die Zukunft Frankreichs hänge von der Erziehung der französischen Jugend ab. Frank­reich sei durch den Krieg sehr geschwächt, daß es fast ein Menschenalter benötige, um sich wieder zu voller Stärke aufrichten zu können. Gefah­ren drohten, wenn auch unsichtbar. Aber die Jugend müsse darauf vorbereitet werden. Poin- carës System sei das richtige, das einem starken Nationalgefühl entspringe. Ein anderer Red­ner der Versammlung, ein Metzer Gemeinde­ratsmitglied, erinnerte an die Worte, welche Lesevre im Dezember 1921 imEcho de Paris" geschrieben hat:Die Quelle aller Gefahren, welche Frankreich zwingt, auf der Hut zu sein, ist die deutsche Einheit." Der Vertrag von Ver­sailles habe die Einheit des Deutschen Reiches nicht angetastet. Frankreich sei aber nicht ge­bunden, ruhig zusehen zu müssen, wie sich Deutschlands nationale Einheit wieder voll auf­richte. Die Redner fanden begeisterte Zustim­mung.

Der Polenkerror in Oberschlesien.

Breslau, 10. Juni. Eine aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzte Abord­nung wird bei der I. A. K. vorstellig werden, daß in viel weitgehenderem Maße, als bisher geschehen ist alle notwendigen Schritte zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ergriffen werden. Insbesondere wird eine Er­weiterung des Belagungszustandes auf sämt­liche Ortschaften des bedrohten Gebietes ge- fordert.

Deuthen, 10. Juni. Gestern nachmittag wurde über den Stadt- und Landkreis Königs- hütte und gestern abend über den Stadt- und Landkreis Beuchen der Belagerungszustand verhängt.

(Weitere Politische Nachrichten Seite 4.)