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General

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AmMches Organ für Stadl- «n» Landkreis Lamm

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flrT133 Freilag den 9. Juni 1922

Das Neueste.

Das Anleihekomitee hat noch keinen end­gültigen Beschluß in der Anleihefrage gefaßt.

Nach derChicago Tribune" beabsichtigt das Anleihekomitee, sich zum Studium nach Deutschland zu begeben.

Der Republikanische Reichsbund in Bay­ern stellte gegen die Nationalsozialistische Arbei­terpartei, welche neuerdings zur Vernichtung her Reichsflagge und zur Störung des Besuches des Reichspräsidenten aufforderte, Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft wegen Bedrohung eines Beamten zur Verhiderung seiner Amts- Wgteit. Der Reichspräsident trifft am Mon­tag in München ein.

Der österreichische Finanzausschuß be­willigte gestern die neue Kreditermächtigung für 220 Milliarden Kronen.

Der Solicitor General der Vereinigten Staaten, Beck, erklärte auf einem ihm zu Ehren gegebenen Esien:So lange Lenin und Trotzki das Schicksal des unglücklichen Rußland beherr­schen, wollen wir, so wahr Gott lebt, nichts mit ihm zu tun haben."

Die Wahrheit auf dem Marsch.

Die Wahrheit ist auf dem Marsch. Immer mchr werden die Schleier gelüftet, die bisher hie Ursachen des Weltkrieges verdeckten, immer unhaltbarer wird die Lüge von der deutschen Schuld am Krieg, auf die die Feinde ihren Ge- waltfrieden gründeten, immer klarer tritt zu­tage, daß Deutschlands Friedenswunsch von re­vanchelüsternen und neidischen Feinden zunichte gemacht wurde. Auf dem beschwerlichen, aber mit seinem Ziele gewiß lohnenden Weg zur Wahrheit sind jetzt zwei wichtige Etappen er­reicht. In München wurden in einwandfreier Gerichtsverhandlung die berüchtigten Münch­ner Kriegsschuld-Dokumente, die Kurt Eisner veröffentlichen ließ und die zugestandenermaßen die Grundlage für den Schuldspruch des Ver­sailler Friedens bildeten, als Fälschungen er­wiesen. Das hier gewonnene Material wird hoffentlich zur Kenntnis der Welt gebracht wer­den. Zum anderen aber hat bekanntlich das Deutsche Auswärtige Amt jetzt seine Archive geöffnet, seine jahrzehntelang geheimnisvoll ge­hüteten Dokumenten-Schätze' herausgeholt, Do­kument an Dokument, ein hochpolitisches Schriftstück an das andere, und bietet so der Welt eine Geschichte der letzten fünf Jahrzehnte, eine Geschichte der ganzen Epoche des neuen deutschen Kaisereiches, des Kaiserreiches des pnebens, wie sie auch der kundigste Geschichts­schreiber nicht liefern könnte. Die ersten Kapitel liegen uns vor. Die ersten sieben Jahre nach dem Deutsch-Französischen Krieg liegen aufge- ichlagen vor uns. Schon ein flüchtiger Blick m die zwischen Paris und Berlin, zwischen Reichskanzler und Botschafter, zwischen Kaiser und Kanzler gewechselten Schriftstücke läßt uns klar und deutlich zweierlei erkennen: auf der «nen Seite französischer Haß, französische Revanchelust, auf der anderen unendliche deutsche Langmut und eine Friedens- slebe die wirklich ihresgleichen kaum wieder huben bürste.

Noch während der Abwicklung der Cr- stllung der Frankfurter Friedensbedinguug.in beginnt das Revanchegeschrei in Frankreich, be- gmnen für die damalige Zeit ungeheure fran- 50hf4e Rüstungen. Im ersten Jahre schon nach dem Frankfurter Frieden beschäftigt sich' etn lebhafter Briefwechsel zwischen dem dama- ugen deutschen Botschafter in Paris, Graf Ar- nun, mit dem Altreichskanzler mit diesen- Mgen. Konnte doch schon am 7. Dezember ru Thiers in seiner Botschaft an die franzö-

Nationalversammlung verkünden, daß das ^rk der Reorganisation der französischen llrmee fast vollendet sei; Frankreich bekam da- ourch mehr Regimenter als je zuvor, 3738 ^wiswnen, die, immer organisiert, niemals im Augenblick eines Feldzuges einer Neuformie- ^ung^bedürften; schon drei Monate vorher war bas Iahreskontigent der Rekruten auf 120 000 tonn festgesetzt worden, während unter Napo- «on die höchste Ziffer nur 100 000 Mann be-

Und Hand in Hand mit dieser Rüstung x^ll eine maßlose Hetze gegen Deutschland, an f* uch '" hervorragendem Maße die französi- Kirchenfürsten, der Erzbischof von Paris fei* ^p^- beteiligten. Fortab atmet Frank- ^ Haß und Rache, und was man immer ^ Paris vernimmt, ist nichts als wüstes Freien nach Revanche. Am 3. Oktober 1872 rei*- * Gr^ Arnim dem Kanzler über Fr'cmk-

>,Was aber das Land und seine Meinung in aus Krieg und Frieden angeht, so kann

kein Zweifel darüber sein, daß unter den 38 Millionen Franzosen, welche zwischen Nordsee und Mittelmeer wohnen, keine Hunderttausend den jetzigen Territorialzustand für definitiv hal­ten. Mehr noch! Das Rachebedürfnis geht bei der großen Mehrzahl der Franzosen so weit und so tief, daß die ungünstige diplomatische u. mili­tärische Situation, in welcher sie sind, bei ihnen richt in dem Maß zum Bewußtsein kommt, daß sie nicht einmal ganz urplötzlich von ihren Lei­denschaften überrascht und fortgerissen - werden könnten."

Und in demselben Brief heißt es dann zu­sammenfassend über die Gesamtlage:

Den Eindruck, welchen mir die Lage macht, würde ich falsch wiedergeben, wenn ich verschweigen wollte, daß Herr Thiers die Zeit seit dem 1. Oktöber 1871 benutzt hat, um alles, was in Frankreich noch von Vitalität übrig ist, soweit als möglich für den Dienst der nationalen Leidenschaften und der Rache an Deutschland zu organisieren und zu elektrisieren."

Am 2. Februar 1873 schreibt der Reichs­kanzler an den Botschafter:

. . . Die Offenheit, mit welcher seit dem Frie­densschluß in Frankreich der Nationalhaß gegen die Deutschen von allen Parteien geschürt und prokla­miert wird, läßt uns darüber keinen Zweifel, daß jede Regierung, welcher Partei sie auch angehören möge, die Revanche als ihre Hauptaufgabe betrach­ten wird. Cs kann sich nur darum handeln, welche Zeit die Franzosen brauchen werden, um ihre Armee oder ihre Bündnisse so weit zu reorganisieren, daß sie ihrer Ansicht nach fähig ist, den Kampf wieder aufzunehmen. Sobald dieser Augenblick gekommen ist, wird jede französische Regierung dazu gedrängt werden, uns den Krieg zu erklären."

Zu Beginn des Jahres 1875 hatte der Wille zum Krieg in Frankreich solchen Umfang ange­nommen, daß man ernstlich mit einem neuen Waffengang rechnen mußte. Die Alarm-Ar­tikelKrieg in Sicht", die damals dieKöln. Ztg." und diePost" wider Bismarcks Willen brachten, waren nur zu sehr be> iÄfeMWÄ W V 'M ^' Presse-Alarm zu danken, daß damals Kriegsgefahr gebannt wurde.

Was aber tat angesichts dieser ständigen Kriegsdrohungen und Herausforderungen Bismarck, den erst dieser Tage wieder die unabhängigeFreiheit" der Wahrheit zuwider desS ä b e l r a s s e l n s" beschuldigte, und wie verhielt sich der K a i s e r? Aus allen da­maligen Briefen des Reichskanzlers wie des Kaisers spricht nichts als der aufrichtige Wunsch nach Frieden, nach ruhiger Entwicklung.

In einem langen Brief des Reichskanzlers an den Botschafter in^Paris, datiert vom 20. Dezember 1872, sagt Bismarck:

Unser Bedürfnis ist, von Frankreich in Ruhe ge­lassen zu werden und zu verhüten, daß Frankreich, wenn es uns den Frieden nicht halten will, Bundes­genossen finde. Solange es solche nicht hat, ist uns Frankreich nicht gefährlich, und solange die großen Monarchien Europas zusammenhalten, ist chnen keine Republik gefährlich."

So ging Bismarcks Politik dahin, die Drei­kaisermächte und Italien zu Friedensbündnissen zusammenzuschließen, um das ewig unruhige Frankreich im Zaun zu halten. Wie ihm das gelang, ist bekannt. Die Kapitel über die deutsch-rufsifch-österreichische Kaiser - Entrevue *1872, die deutsch-russische Militär-Konvention und das Dreikaiser-Abkommen von 1873 geben darüber weiter Aufschluß. Unmöglich ist aus all den Schriftstücken, die darüber gewechselt wur­den, auch nur die geringste Angriffsabsicht herauszulesen, einzig der Erhaltung des Frie­dens sollten alle Abmachungen der genannten Mächte gelten Nur noch einige Aeußerungen, die des Fürsten Bismarck Stellungnahme kenn­zeichnen. seien erwähnt. An den Botschafter in Petersburg, Prinzen Heinrich VII. Reuß, schreibt Bismarck aus Berlin unter dem 23. Januar 1874:

Für uns ist die Rachobefümmung in Frankreich nicht erwünscht, wir haben den Ernst und die Leiden jedes Krieges, auch -eines jüegreichen, würdigen ge- '(ernt.unb sind entschlossen, denselben zg vermeiden, solange sich uns nicht die Ueberzeugung aufdrängt, daß er unvermeidlich ist."

Und demselben Adressaten schreibt Bismarck kurz darauf in einem alsgeheim" bezeichneten weiteren Brief:

Meinem Erlaß Nr. 94 beehre ich mich ausschließ­lich zu Ihrer persönlichen Information noch einige Bemerkungen hinzrzujüg«". Ew.. pp. wollen selbst 'ermessen, ob es unserem Interesse entspricht, die Erstarkung Frankreichs beschleunigt zu sehen. Jeden­falls ist uns die französis' e S^meo an unserer Grenze stets gefährlicher als etwaige Gombettistischen Expe­rimente in Paris. Daß andere Regierungen auf die Entwicklung der Dinge- in Frankreich mit anderen Augen sehen,, ist nicht zü,perwundern; sie sind nicht dke' Nachbarü^ Franzosen, während Deutschland" gleichsam dar. Stoßoakstor Europas gegen. hie ' Invasionen einer krie- -Aschen Völker­schaft bildet. Niemand taten sich darüber täuschen, daß. menn Krankreick wieder

stark genug ist, den Frieden zu brechen, der Fried« zu Ende sein wird; und es ist möglich, daß andere Regierungen, die nicht Nachbarn von Frankreich sind, auf die Eventualität, ob Deutschland von Frankreich zum 20. Male in zwei Jahrhunderten wiederum angegriffen wird, mit mehr Ruhe als wir, vielleicht auch nicht ohne ein gewisses Behagen, blicken. Der Fürst Gortschakowtreibt russische Möcht- sondern eine

wiederum angegriffen wird, r vielleicht auch nicht ohne et blicken. Der Fürst Gortschakor

Politik; wir verfolgen keine Macht-, sondern eine Sicherheitspolitik. Gambetta ist uns nicht so gefähr­lich wie eine das ganze Frankreich zusammenfassende und für andere Mächte bündnisfähige Organisation dieses Nachbarstaates, der uns feit 250 Jahren in jedem Menschenalter mindestens einmal überfallen hat. Dies ist der deutsche Standpunkt. Daß die­jenigen Russen ihn nicht teilen, die weniger Sym- pathie für Deutschland haben als Seine Majestät der Kaiser Alexander, ist einleuchtend, und wir werden von den anerkennenden Aeußerungen russischer Staatsmänner über die gegenwärtige französische Regierung abziehen müssen, was sich an Hoffnungen auf sein künftiges wirksames Gewicht Frankreichs gegen Deutschland an die.Entwicklung Frankreichs knüpfen kann. Wer die Raublust der Franzosen durch ihre zweihundertjährige Geschichte verfolgt und ihrem Einfluß auf alle europäischen Händel und Kombi­nationen nachgeht, muß einräumen, daß es solchen Hoffnungen einer Politik unserer östlichen oder süd­östlichen Nachbarn nicht an Anhalt fehlt. Ich brauche kaum zu wiederholen, daß diese Erwägungen nur für Ew. pp persönlich bestimmt sind. v. Bismarck.

Soweit derSäbelraßler" Bismarck! Seine

Politik war ater auch die des alten Kaisers Wilhelm. Mit einem guten Wort, das der greise Monarch in einer Randbemerkung für Deutsch­lands Friedensliebe fand, möge der knappe Uebetblick über den ersten Band der deutschen Dokumente geschlossen sein. Es lautet also:

Unglückliche Kriege zu führen, muß dem Angrei­fenden die Sympathie aller edelgesinnten Menschen und Länder zur Seite stehen und dem, der ungerecht den Krieg zuträgt, die öffentliche Stimme den Stein werfen. Dies war das Geheimnis des Enthusiasmus in Deutschland 1870! Wer ungerechtfertigt zu den Waffen greift, wird die öffentliche Stimme gegen sich

tralen, wohl aber Gegner. Dieses' Raisonnement habe ich dem Kaiser Alexander vorgehalten, und er erfaßte meine beiden Hände und sprach seine volle Uebereinstimmung aus!"

Wobei der alte Kaiser freilich die Hetz- und Lügenarbeit der feindlichen Presse, die im WeUkrieg Weiß in Schwarz verkehrte, nicht in Erwägung z^g, die Lügenarbeit, die es fertig brachte, uns trotz der bis zum letzten Augenblick bewahrten Friedensliebe selbst das Wohlwollen der Neutralen zu erckziehen, jene Lügenarbeit, gegen die mir kämpfen müssen, wie um unsere Existenz.

Noch kein Entscheid in der Anleihe- srNFe.

PröfusiZ einer großen Anleihe.

Paris, 8 Juni. Das Anleihekomitee, das gestern nachmittag ^4 Uhr zu einer Sitzung zusammentrat, in der die sämtlichen Mitglieder anwesend waren, wollte heute , eine Entschei­dung darüber treffen, welches seine zük füge Haltung sein soll angesichts Her g-ftrigen, von Frankreich nichl gebilligten Antwort der,Re- parationskommilsjon über eine evtl. Herab­setzung der deutschen Schulden. Die Sitzung ist äußerst lebhaft verlaufen und dauerte bis gegen 7 Uhr, ohne daß ein Beschluß gefaßt wurde. Auf Freitag nachmittag wurde eilte neue Sitzung anberaumt, in der die Debatte.weitergeführt werden wird. Das belgische'Mitglied des Anleihekomitees, Delacroix, erklärte beim Ver­lassen des Sitzungssaales Zeitungsvertretern:

Ich bin nicht Mimisch. Wir haben mehrexe Projekte als unbrauchbar ansgaschiè- den und nur die Prüfung eines ein- zigen Projektes ins Auge gefaßt. Diese Prüfung wird lange dauern und wir werden bis Montag oder sogar Dienstag beraten müssen.

Weitere Auskünfte lehnte Delacroix ab, je­doch hatte man dèn Eindruck, daß das Anleihe- komitee ausschließlich das S t it Ö t u m einer großen Anleihe verfolgt, durch die die gesamte' Höhe der Reparationsschuld aufge­bracht werden könnte.

Paris, 9. Juni. Trotz der den Mitgliedern des Anleihekomitees auferlegten und von den meisten auch streng geübte Schweigepflicht, sind die Pariser Morgenblätter in der Lage Einzelheiten über' den Verlauf der gestrigen Auseinand e' jetzung innerhalb des Anleihekomt- teès ' zu veröffentliche«. Nach demPetit Pa- rifteh" scheine man zwar damit zu rechnen, daß Has Prinzip einer großen Anleihe zur Liqui­dation des ReparatwnsprobleMS in seiner Ge- jamtheit für denMugenbiick aufgegeben sèi, je­doch dürfe mdn: ertodrten, daß Vorschläge posi­tiver Natur die Lösung -einer- Anleihe für- die Zukunft dorbereiten. -. Einige Mitglieder des Komitees hätten zwar die Auffassung, ver-

treten, daß es angesichts des französischen Widerstandes gegen eine Diskussion über die Höhe der deutschen Entschädigungsverpflich. tungen das beste sei, auf die Erstattung eines Berichtes berhaupt zu verzichten, schließlich sei aber Morgan mit seinem Vorschläge durch- gedrungen, trotzdem wenigstens die Bedingun­gen für das Zustandekommen einer Anleihe in Form eines Gutachtens aufzustellen. Unter die- sen Umständen dürfe man hoffen, daß der von dem Komitee erstattete Bericht, der zwar für die Gegenwart wenig ermutigend sei, doch nütz­liche Arbeit für die Zukunft enthalte. Wenn auch die Herabsetzung der deutschen Zahluygen gegen den Erlaß der interalliierten Kriegs­schulden im Augenblick noch unmöglich er­scheine und von Morgan mit Rücksicht auf die öffentliche Meinung Amerikas nicht empfohlen werden könne, so bedeute doch das Gutachten der Bankiers einen großen Schritt nach vor­wärts auf diesem Wege, der sicher dazu bei­tragen werde, die-Atmosphäre zu reinigen und die Vorbedingungen für ein früheres ober spä­teres Gelingen einer Anleihe zu schaffen. Nach demOeuvre" ist von einer Seite ein neuer Kompromißoorschlag gemacht worden, der ohne den Gesamtbetrag der deut­schen Schulden zu verringern, die von Deutschland zu leistenden Zahlungen auf eine Reihe von Jahren ermäßigt. Dieses Projekt habe jedoch wenig Aussicht auf Annahme, es fei denn, daß Frankreich durch Erhöhung seines Anteils positive Kompen­sationen ereiche. Im übrigen bestätigt das Blatt die Informationen desPetit Parisien", wo­nach das Gutachten eine Art Kateschis­mus für das Problem der deutschen Schulden aufstellen werde Nach demJournal" ist die Mehrheit des Anleihekoi^tees entschlossen trotz des Widerstandes des französischen Vertre-

rTS^ Md) ert

Vorbedingungen für das Gelingen einer Kreditoperation in dem Gutachten in den Vordergrund zu stellen.

Schweizer pressestimmen.

Basel, 8. Juni. Die,,Nationalzeitung" sagt zu dem gestrigen Beschluß der Reparationskom­mission u. a.: Jedenfalls hätte Frankreich er­kennen müssen, daß ein Staat, der besiegt und verkleinert ist nicht die Kosten eines Welt­krieges von 5 Jahren und des fast eben so lange nachfolgenden Chaos bezahlen kann. Nicht der französische Schaden, sondern die deutsche Zah­lungskraft ist ausschlaggebend. Der gestrige Beschluß zeigt, daß diese Selbstverständlichkeit jetzt anerkannt wird. Frankreich sagt einst- weilen neiy, aber sein Nein ist bereits perplu- ralinert. Es will sich von seinen Gläubigern befr-Hy sind ihnen die unaufbringbaren Schul­den sushalsen. Das Wort hat nun die Union; sie Hat den Krixg entschieden, sie wird auch ge- nötstl sein, den Frieden zu entscheiden. Die Baseler Nachrichten" sagen, die Wurzel alles Uebels in Europa sei die Unsicherheit der ame­rikanischen Politik.

Rückgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland.

Berlin, 9. Juni. Nach Blättermeldungen ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland so sehr zu­rückgegangen, daß sie heute geringer ist, als in den Zeiten vordem Krieg. In Ber- (in beziehen nur noch etwa 19 000 Personen Arbeitslosenunterstützung und in ganz Deutsch land zusammen nur noch etwa 39 000.

Der Casseler Sittentäter verhaftet?

Cassel, 9. Juni. In einer Wirtschaft wurde gestern ein junger Mann, der sich durch Re­densarten verdächtig machte, unter dem Ver­dacht, das Attentat auf Scheidemann ausge­führt zu haben, verhaftet. Der Verhaftete be­streitet die Täterschaft. Oberstaatsanwalt Dr. Nötzel (früher Landgerichtsdirektor in Hanau) hat die Leitung der Fahndung nach dem Täter übernommen.

Zur Dienstentlassung verurteilt. Das gegen die Magdeburger Haupträdelsführer im Eisenbahnstreit eingeleitete Disziplinarverfahren hat mit einer Verurteilung des Eisenbahn-Ober­ingenieurs Heinemann, des Eisenbahnassisten­ten Heibrock und des Lokomotivführers Stapel geendet. Nach mehr als zwölfstündiger Ver­handlung wurde das Urteil dahin gefällt, daß die drei Angefchuldigten wegen fystemati- scher Streikhetze zur Dienstentlassung ohne Pension verurteilt wurden. Außerdem wurden ihnen die Kostendes Verfahrens auserlegt.

(Weitere Politische Nachrichten Seite 43