Einzelbild herunterladen
 

Hanauer »Anzeiger

Bezusspreir: Monatlich Mk. 23. ohne Träger- labn: Einzelnummer Mk.1.. Anzeigenpreise: Die 33 mm breite Zeile Mk. 3.; Finanzinserate Mk. 3.50; Reklame (68 mm breit) Mk. 8. I auch laufende, werden nur rum jeweiligen Tage«' preise berechnet. Offertengebühr Mk. 1..

General-Anzeiger

Ä AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan £ÄÄ

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Sr. 130

Dienstag den 6. Juni

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile Hanau a. M. Im Falle höherer Gewalt bat der Bezieher keinen Anspruch aus Lieferung oder Nach»

wird keine Eewahr geleistet.

1922

Das Neueste.

-««f den Oberbürgermeister Scheidemann-Cassel mutze ein Anschlag verübt.

Die Hoffnungen auf eine internationale Anleihe

M Deutschland schwinden immer mehr.

In Oppeln sind die Ratifikationsurkunden über de» Genfer Abkommen zwischen Deutschland und Polen getauscht worden.

Da» polnische Kabinett hat infolge Differenzen

dem Staatschcf Pilsuwski seine Demission ein- zneichh______________________________________________________

Englands Interesse an Deutsch­lands Gedeihen.

Der englische Arbeiterführer und Abgeord­nete H. Thomas veröffentlicht imBerliner Tageblatt" einen Artikel, überschriebenEng­land und die Wiederherstellungen". Er erklärt in diesem Artikel unter anderem:

Jn dem Maße, wie Deutschland dank seiner entwerteten Wahrung seiner Preise unter den in Europa herrschenden Stand bringt und in dem Maße, wie es die Druckpresse be­nutzt, um den Forderungen des Auslandes zu genügen, kann es den englischen Fabrikanten unterbieten und die Mittel zur Bestreitung der Wiedergutmachung um den Preis zusammen­bringen, daß der englische Arbeiter aus diè Straße getrieben wird. So sehen wir, daß letz­ten Endes der Mann, der für England in dem großen Krieg gekämpft hat, arbeitslos ge­macht wird, damit Deutschland die Rechnung bezahlen kann. Der Ge­dankenlose mag nun zu der Ansicht neigen, daß dies eine deutschenfreundliche Auffassung sei, ist dies durchaus nicht der Fall, und eine ganz kurze Prüfung dessen, was sich seit 1918 be- geben ya«,.. .âü inuhitttâtzch Mu* über­zeugen, daß das Argument von keinerlei Par­teigeist eingegeben ist. Man wird sich erinnern, daß der Wiederherstellungsausschuß, durch den Versailler Vertrag eingesetzt worden ist, und daß die Verbandsmächte sich im Juli 1920 in Spa über die Verteilung der Entschädigungen geeinigt haben, wobei Frankreich 52 v. H. zu- sielen. Im Januar 1921 wurde der zu zahlende Betrag auf 11300 Millionen Pfund festgesetzt, wozu noch eine Ausfuhrabgabe trat; im Mai 1921 setzte dann der Oberste Rat die Gesamt­summe auf 7 Milliarden Pfund, zu denen eine Awzentige Abgabe von der gesamten deut­schen Ausfuhr kam, fest. Eine weitere Revision wurde in Cannes im Januar d. Js. vorgenom- wen, und diese Abmachung ist im März schon wieder durch eine andere ersetzt worden. Es kann daher als bewiesen gelten, daß die Verbündeten emgesehen haben, daß die ursprünglichen For­derungen zu hoch waren, und daß deren be­ständige Nachprüfung unerläßlich geworden ist. Die deutschen Zahlungen in Sachleistungen haben, wo sie in Schiffen oder Kohlen erfolgten, lediglich auf das wirtschaftliche Gleichgewicht anderer Länder störend eingewirkt und Unruhe heroorgerufen. Bis zum Ende des vorigen Jahres hat Deutschland 'in bar oder in Waren oöOO Millionen Goldmark bezahlt. England hat Mr davon nichts erhalten, außer einer kleinen Abschlagszahlung auf die Besetzungskosten, gnd währenddessen ist die Lage der englischen Industrie durch den deutschen Wettbewerb im= mer flimmer geworden.

Die Lage zwischen uns und Frankreich y l° einfach, wie sie ernst ist. Frankreich »raucht seinen Anteil an der Entschädigung, um eine Zahlungsfähigkeit zu erhalten; aber es auch leben, wenn es zahlungsunfähig ist, Frankreich von jeher über eine hochent­wickelte Landwirtschaft verfügt. Mit anderen ârten, wenn Frankreich seine Rechnung nicht zahlen könnte, würde es doch nicht verhun- »ern. Bei uns zulande ist die Sache anders. ~lr erzeugen nur gerade genug Lebensmittel, âr den Samstag und Sonntag zu er- für die Woche sind wir auf fremde ^?5^^"8ewiesen. Wir haben jetzt unge- n v 2 Millionen Pfund für den Tag für unsere eoensmittelanküufe auszugeben und können "ur durch unsere Fabrika'tausfuhr .festen. Wenn man 1250 deutsche Mark rU um einen englischen Sovereign zu kau- «cA5 augenblicklich der Fall ist, dann ist klar, daß der Deutsche für den Gegen- e^5 Sovereigns viel mehr eintaufen q(5 der englische Fabrikant.

S Eam billigen Wettbewerb kann nicht ^"' Klänge nicht der Bedarf an aus- "uaischen Rohstoffen, die die Deutschen natürlich an s^arteter Währung bezahlen müssen, einen icknkn"^ kerott grenzenden Zu st and ,<r sollte Deutschland bankerott gehen, und g>,i'. ^ohl.zu beachten, daß es nichts von seinem Mum im Lande selbst behält, io ist es un­

ahig ist, hochent-

vermeidlich, daß Frankreich nachfolgen wird, und in diesem Fall ist schwer zu sehen, wie Italien durchhalten könnte, oder wo, wenn sich Westeuropa nicht mehr durchhelfen kann, England den Warenabsatz zu finden vermöchte, den es zur Bezahlung seiner Lebensmittelein­käufe haben muß. Man sieht hieraus, wie ernst die Entschädigungsfrage geworden ist, und wie sinnlos es war, diese Frage absichtlich von der Behandlung in Genua auszuschließen. Das Ziel für England ist Wiederversöhnung in ganz Europa, die Stabilisierung der Währungen und die Zahlung angemessener Wiedergutmachun­gen durch Deutschland in einer Form, die Deutschland nicht zur Lohndrückerwerkstatt Eu­ropas herabdrückt. Der ganze Kontinent braucht ein gedeihliches Deutschland, ein Deutschland, das sowohl zu kaufen, als zu ver­kaufen imstande ist, und, da im Bereich des Handels die ganze Welt eine Einheit ist, ist das wirtschaftliche Wohlbefinden Europas eine wesentliche Vorbedingung für einen gedeihlichen Zustand in As i e n, namentlich in Indien, wo so große britische Interessen liegen.

ZweiSieZer"-^eJen Poincarss.

Paris, 5. Juni. Bei der ©ntbüüuM einer Sel- dateudenkmal» in Metz hielt Poincarè eine Rede, in der er unter anderem auriüörte:

Während 28 langen Jahren stand ein verfluchtes Denkmal hier auf diesem Platze, die Reiterstatne Friedrich Wilhelm» I. (!) Sie erinnerte die Bewoh­ner von Metz immer daran, daß sie unter dem Schrecken der Invasion lebten. Bereits einige Tage nach dem Waffenstillstände war jedoch der Kaiser von seinem Sockel heruntergeworfen und Deutschland war e» nicht gelungen, seine Sporen auf den Boden von Metz aufzudrücken. Jetzt erhebt sich auf der gleichen Stelle das schlichte Denkmal eines französischen Soldaten. Wenn man das Denkmal betrachtet, so hat man den Eindruck, daß er nicht mehr in den Schützengraben sondern daß er gesiegt bat und entschlossen ist, sich riefen Sieg setzt auch nicht mehr entreißen zu lasten. Wenn vielleicht doch jemand daran denken sollte, ihm diesen Sieg strittig zu machen, so würde er noch viel furchtbarer werden, als er in den Stunden der Gefahr war. Der französische Soldat (impfte für die Gcrech- tigkeit und für die Freiheit. (?) Jetzt, nachdem er seine Aufgabe erfüllt hat, handelt cs sich nur darum, den sicheren Sieg sich nicht mehr fortnebmen zu lassen. Das Denkmal, das sich in schlichter Einfachheit hier erhebt, bedroht «iemaud und verkörpert nicht den Geist des Angriffs und der Eroberung. (?) Es will viel­mehr nur wachen über unsere Unabhängigkeit und über unser Recht.

Bei einem Bankett int Rathause zu Metz hielt Poincarö eine zweite Rede, in der er unter anderem augführte:

Während der Befreiung war Frankreich nur von dem Geiste der Gerechtigkeit (!) erfüllt, und als ich nach dem Waffenstillstände zum erstenmale in Metz eintraf, fand ich ein begeistertes Volk, das seiner Freude Ausdruck gab, daß er jetzt nach Jahren dek Zwange» wieder zu Frankreich gehört. Ich hatte den Eindruck, daß die schreckliche Zeit für immer vorbei sei. Deutschland kannte die Lothringer schlecht, als cs sich einbildeie, sie unterdrücken zu können. Es schmeichelte sich, daß es das Bewußtsein der Lothringer eine zeitlang unter seiner schweren Disziplin unter­drücken und ersticken konnte, doch war dies eine Ber­kennung der Rechte der Lothringer und eine Herau»- forderung an die Freiheit und an btt Gerechtigkeit. Die Lothringer verzweifelten auch niemals und hatten Geduld, und heute gehören sie wieder zu Frankreich, wofür ihnen die Regierung der Republik nicht dankbar genug sein kann.

Eine Herabsetzung der Rcparatianrsummtn nicht möglich.

Paris, 5. Juni. Der amerikanische Botschafter' Herrick überbrachte am 4. Juni im Auftrage des Kongresse» der Stadt Verdun die amerikanische Kriegs- medaille. In seiner Rede erklärte er, trotz aller Miß­verständnisse werde die Freundschaft zwischen Frank­reich und den Vereinigten Staaten andauern, da el leicht möglich sei, in .einer offenen Besprechung den Weg -zu notwendigen gegenseitigen Zugeständnissen zu finden.

Der anwesende Ministerpräsident Poincarè benutzte die Gelegenheit, eine Rede über die Reparationsfrage zu halten. Der gute Sinn des amerikanischen Volkes werde bald die Legende vom französischen Jmperiali»- mu» beseitigt haben. Angesicht» der Gefahren, denen Frankreech stet» au»,csetzt gewesen sei, und nach den erduldeten Leiden müsse jedermann von gutem Glauben verstehen, daß die für die Reparationen festgesetzten Summen nicht mehr herabgesetzt werden könnten. Wenn der gerechte Schadensersatz, der versprochen worden sei, nicht bezahlt werde, müßten sich Männer guten Glauben» davon Rechenschaft «bgcbcn, daß Frankreich gezwungen sei, eine Macht zu unterhalten, um sie in den Dienst seiner Forderungen zu stellen. Frankreich halte sein Heer nicht aufrecht, um Parade- zwecken, zu dienen oder Ruhm zu suchen. Man hätt« recht, Frankreich streng zu beurteilen, wenn e» unge­rechte Forderungen unterstützen würde, wenn e» an­dere Ration«» unterdrücken wolle oder wenn e» sich allen friedlichen Abkommen widersetzen würde. Derartig Ab­sichten habe Frankreich nie gehabt. E» habe gegenüber Deutschland Beweise außerordentlicher Mäßigung ge­geben (?). Bisher hätten die Franzosen schon 24 Milliarden Franks für den Wiederaufbau der ver- müsttt-n ««Bitte bezahlt. Die zerstörten Dörfer in

der Gegend von Verdun könnten nicht wieder aus- gebaut werden, die Felder seien zur Unfruchtbarkeit verdammt, die Bevölkerung aber zeige sich ebenso mutig im Frieden wie während des Kriege». Sie habe also recht, zu verlangen, was Deutschland ihr versprochen habe. Die besiegten Völker dürfen nicht ungestraft ihre vor der Welt angenommenen Verpflichtungen verletzen. Wenn der Friede Deutschland gestatten wurde, sich auf Kosten Frankreichs zu bereichern, dann würbe dies der von den Vereinigten Staaten und Frankreich gemeinsam unterstützten Sache einen un­ermeßlichen Schaden zufügen. Das würde aber für Frankreich Erniedrigung und Ruin bedeuten. Frank­reich habe zu viel Vertrauen in seine alten Waffen­gefährten, um zu befürchten, daß sie eine Mißbilligung «uSdrücken oder e8 verleugnen. Am alle Fälle sehe er in der heutigen Feier ein kostbares Unterpfand der Freundschaft der Vereinigten Staaten, denen er seine tiefe Dankbarkeit bewahren werde.

Amerikanische Truppen am Rhein.

Paris, 6. Juni. Nach einer Meldung der .Chicago Tribune" au» Koblenz hat derBefchl»haber der amerikanischen Truppen am Rhein vorgestern vom Kriegsdepartement telegraphisch hie Mitteilung erhalten, 1000 bik 1200 Mannschaften und Offiziere auf unbe­stimmte Zeit am Brückenkopf Koblenz zurückzubthalten.

Attentat auf Scheidemann.

Cassel, 6. Juni. Auf den Oberbürger­meister von Castel, den sozialdemokratischen Führer Scheidemann wurde am ersten Pfingsttage ein Attentat verübt. Scheidemann setzte sich gegen den Täter sofort zur Wehr und feuerte mehrere Revolverschüsse ab, worauf Scheidemann niederfiel und bewußtlos zu­sammenbrach. Der Polizei ist es bisher nicht ge­lungen, des Täters habhaft zu werden.

Ueber das Attentat erfahren wir folgende Einzelheiten: Scheidemann ging mit feiner Tochter und feinem Enkelkinde im Walde bei Wilhelmshöhe spazieren. Plötzlich trat ein Mann auf ihn zu und hielte ihm einen roten, r^ÄÄ 12 ZMrmMr großes . Gummihall mit auslaufender Strahlsprttze vor das Gesicht und bespritzte dieses mit stark ätzender Flüssigkeit. Scheidemann zog seine. Mehrladepistole und schoß zweimal auf den jungen Mann ohne ihn zu taffen. Nach Abgabe des zweiten Schusses brach Scheidemann zusammen. Durch die Be­mühungen eines zufällig im Wald spazieren­gehenden Arztes kam er wieder zur Besinnung. Der Arzt stellte fest, daß der Inhalt des Gummi­ballen nur Blausäure sein konnte, die keine ätzende Wirkung ausübte.

Cassel, 6. Juni. Zu dem Attentat Scheide­manns wird noch gemeldet: Nachdem Scheide­mann auf einer Tragbahre in seine Wohnung gebracht worden war, erholte er sich bald wieder und erstattete ausführlichen Bericht bei der Kri­minalpolizei über seine Eindrücke während des Attentats. Daraufhin wurde ein junger Mann, auf den die Beschreibung paßte, festgenommen, jedoch erwies sich die Verhaftung als irrig. Der Festgenommene mußte wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Nach Mitteilung der Aerzte ist die Verwundung des Oberbürgermeisters Scheidemann ungefährlich.

.Cassel, 6 Juni. Die bisherigen Untersuchun­gen blieben ohne Erfolg. Am Ort der Tat hat der Täter einen schweren Eichenstock hinter­lassen. Es ist weiter festgestellt worden, daß er am Bahnhof Wilhelmshöhe eine Fahrkarte nach Wabern gelöst hatte. Obi er aber den Zug be­nutzte, ließ sich bisher nicht ermitteln. Der Poli­zeipräsident hat zunächst eine Belohnung von 5000 Mark ausgesetzt. Man nimmt an, daß der Täter aus politischen Motiven gehandelt habe. Die sozialdemokratischen Parteien haben bereits für Mittwoch große Demonstrationsversamm­lungen angesetzt.

Die Matzregelungsfrage wiederum aufgeroM.

. Nachdem bereits eine grössere Anzahl bau Dirziplinarfällen aus dem Eisenbahnersireik vor den ordentlichen Gerichten oder den Disziplinarkammern ihre Erledigung gefunden haben, ist jetzt von gewerk­schaftlicher Seite ein neuer Vorstoß gemacht worden, um die noch schwebenden Verfahren in einer für die Betroffenen möglichst erträglichen Weise zu erledigen. Der Reichskanzler wurde von der Reich»ge»erkschaft deutscher Eisenbahnbeamter »ach dem Streik wieder­holt angegangen, die Zahl der eingeleiteten Di»ziplinar- verfahren f» zu verringern, daß nur noch die Anklage gegen die Vorstandsmitglieder der Reichrgewerkschaft bestehen bleiben feilte. Die Reichrgewerkschast berief sich dabei, wie schon wiederholt gemeldet, auf Zusiche- ntngtn der R«ich»kan,ler». Inzwischen hat sich »i« Reichtgewerkschaft »achtem ihr« wiederholten Gesuch« vom Kanzler dahin beantwortet wurden, daß sie yew«rk- schaftlich mit dem Reich»»erkthr»minist-r i» V«rbmdun, treten solle nunmehr an d«n Deutsche» Beamtenhund und de» Allgemeinen Deutlchen Gewerkschaft»t«nd gewandt. Nach einer gemeinsamen «»«sprach- wurde eine Kommission aus Vorstandsmitgliedern der drei genannten Organisationen gebildet, die sich zum Reich». lanzler begab, um ihn zu bitten, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß weitere Disziplinarverfahren nicht mehr burcbaefiibrt würden.

Der Reichskanzler hat den Empfang der Abord­nung abgelehnt und den Gewerkschaftsmitgliedern erklären lassen, daß in der Disziplinarfrage die vom Kabinett beschloffene Maßnahme in Geltung bleibe, und daß in einzelnen Fällen lediglich der Reicks- verkebrsminister eine Entscheidung fälle» könne und solle

Wie wir böre», wollen der Deutsche Beamtenbund und der Allgemeine Deutsche Gewerkschaft»b»nd, nun« mehr ohne die in scharfem Kampfe gegen den Minister Gröner stehende Reichsgewerkschaft versuchen, sie die bereits Gemaßregelten itnb die noch unter Anklage stehenden Beamten einzutreten.

Ein Aufruf des Relchspräfideuten für den Oberfchtefifchen Kilfsbund.

Der Reichspräsident Ebert erläßt folgenden Aufruf:

Wie schmerzlich für uns auch die Trennung von unseren Brüdern und Schwestern im polnisch werdenden Oberschl-sien ist, so erwächst uns doch in diesen Tagen die nächste Pflicht, mit der Aufbauarbeit in dem Teile Obcrschlesiens zu beginnen, der jetzt mit dem deutschen Vaterland wieder vereinigt werden soll. Bei dieser Arbeit will der O b e r s ch l e s i s ch e H i l f S- bnnd ein wichtige» Werkzeug fein. Er will helfen, die Wunden jeglicher Art zu heilen, die in der Ver­gangenheit bent oberschlesischen Volke geschlagen worden sind, er will helfen, daß in der Zukunft unsere Brüder und Schwestern an ihrer deutschen und oberschlesischen Art festigten können. Da» deutsche Volk wird nie vergessen, daß die Obcrschlcsicr in diesen schicksal». schweren Jahren st «ndhaft und treu für ihre Heimat eingetreten sind. Der Oberschlesische Hilfs­bund braucht noch Mith elfer, Freunde und Gönner. Hier ist eine Gelegenheit, durch di« Tat zu danken und zu helfen.

Schwindende Kossnung auf eine Anleihe.

(Letzte Meldung.)

Paris, 6. Juni. Das von der Repara- tionsfommiffion mit Sem Studium der Repara- tionsanlcihe beauftragte Komitee internatio­naler Bankiers hatte sich bekanntlich bis morgen Mittwoch vertagt. Der Grund lag darin, daß man sich Rechenschaft dgrüver gegeben AM daß eine internationale Anleihe an Dcukschlmtv solange unmöglich ist, als die deutschen Schul­den auf der im Londoner Ultimatum festgesetz­ten Höhe von 132 Milliarden Goldmark auf­recht erhalten werden. Die Reparakiorrskommis- sion sollte heute zujammtreèen, um über diese grundlegenden Fragen zu beraten. Der Repa­rationskommission wurde klipp und klar die Frage gestellt, ob Deutschland wirklich an die in London am 5. Mai 1921 festgesetzte Summe in Zukunft gehalten sei, d. h. ob das Morato­rium, das Deutschland provisorisch gewährt und noch kürzlich von der Reparcktionskommission am 13. Mai bestätigt wurde, auch fernerhin nur provisorischen Charakter beibehalken soll. Selbstverständlich- wird durch dieses Morato­rium solange es von einem Tag zum andern wieder aufgehoben werden kann, um den Be­stimmungen des Londoner Ultimatums Platz zu machen, jede Garantie Deutschlands für eine internationale Anleihe in Frage gestellt. Die Reparationskommission hat nun bekannt gege­ben, daß die auf heute festgesetzte Sitzung nicht stattfinden wird. Die französischen Morgen- blätter sehen in dieser Absage bereits eine Ver­tagung der Kommission auf Rimmerwiederzu- sammentritt in dieser Frage. Es wird auch aus­geführt, daß Morgan, der sich gegenwärtig in London befindet, erklärt habe, er erachte es als unnützlich wieder nach Paris zurückzukehren.

Paris, 6. Juni. Der Korrespondent der Morningpost" in Paris schreibt: Die schwerste Frage für das Anleihekomitee sei die, ob die Höhe der deutschen Schuld reduziert werden könne. Der Korrespondent glaubt, daß Italien und England bis morgen Mittwoch eine be­jahende Antwort geben werden, daß aber Frankreich und Belgien auf ihrem unnach­giebigen Standpunkt verharren werden. Der Wiedergutmachungsausschuß habe keine Voll­macht, die beutfdfe Wiedergukmachungsschuld zu reduzieren, wohl aber sonnte er Deutschland ein Moratorium oder ein Teilmoratorium bis 1930 für die bis 1926 zu leistenden Zahlungen gewähren und zwar mit einfacher Stimmen Mehrheit.

Demission frei polnischen ««Kinett», Nach V»rheri,er RabinettSütuxg begab sich her pol­nisch- Ministerrat in corpore nach bem Belv-dere, wo unter bem Vorsitz beS Staatschcf» eine Sitzung statt« faub, auf ber bie allgemeine politisch« Lage im Sufammenhaug mit ber «enuefer Konfer«»; erörtert mürbe. Wie her Surfer Polski mitteilt, nahm bie 6i|ux| einen stürmischen Verlauf unb führte zu Differenzen mit be* etaatldfef, worauf ber Mimster- präfibent P.»ik.»»ki bie Demission bei Gesamt- tabmettl überreichte.

Die veratnngen »er «Stterli-e« in Prag. Die Vereinigung der Völkerbuntzlligen in Prag hielt am ersten Pfingstfeiertag ihre Eröffnungssitzung ak 200 Delegierte, barunter Ruffini (Italien), Benesch (Lschechoslowakei), Graf Bernstorff (Deutschlaub) unb Lv»-ll ISrantreüfi) nahmen au ihr teil.