Generm-Anzelger
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Nr. 126
Mittwoch den 31. Mai
1922
Des Kronprinzen Buch.
Dem deutschen Volke ist in diesen Tagen ein Such voll Erinnerungen und Bekenntnissen überreicht worden. Es ist das Buch eines Menschen, dem einst, wie nur wenigen Sterblichen, Glück und Glanz, verheißen war, und dem nun ein tragisches Geschick, das schwere, bittere Los des Lerbanntseins beschied. Es ist das deutsche Kronprinzenbuch*), das verdient, allgemein ge= lesen und ernst genommen zu werden und zwar just nicht in dem Sinne, als ob dadurch der Weg zur Rückgewinnung des Kaiserthrones geebnet werden sollte, sondern entsprechend seiner Art, der Art eines Schriftwerkes, in dem sich eine Persönlichkeit enthüllt. Wem? Natürlich, wenn man boshaft sein will, wie es auf einer gewissen Seite geschieht, denen, die des kommenden Herren harren. Aber das ist flüchtiger Schein und zeugt davon, daß das Buch nur oberflächlich gelesen worden ist. Wer sich einmal in stillen Stunden ernstlich in das Buch versenkt, wer sich völlig und ohne Vorurteil seiner Führung anvertraut, der wird von Seite zu Seite mehr erkennen, daß der Verfasser vor sich selbst und über sich selbst Rechenschaft zu gewinnen sucht. Das Wort, das sich auf den ersten Seiten findet: „Vielleicht wenn du es dir vom Herzen schreibst?!" sagt viel. Es verrät den in den schleichenden Tagen der Weltverlassenheit unter innerem Ringen gefaßten Entschluß, einmal frei zu werden von den oerstürmten Ereignissen und dem eigenen Anteile daran, um sein Wesen vor sich zu schauen, als sei es das eines andern, das sich so mit weniger Befangenheit prüfen läßt. Selbst beim eifrigen Suchen nach Stellen, aus denen man eine etwaige Vorbereitung oder Ebnung des Weges zur Rückkehr des Kronprinzen nach Deutschland konstruieren könnte, wird man bald erkennen müssen, daß man sich auf dem Holzwege befindet, wie es denn ja auch immer zu geschehen pflegt, wenn man eine vorgefaßte Meinung an den Anfang seiner Arbeit stellt. Wer das Schlußkapitel des Kronprinzenbuches gelesen hat, der muß zu der Erkenntnis gelangen — er mag einer Staatsform huldigen, welcher er will —, daß hinterlistige Gedanken bei der Niederschrift der Erinnerungen fern gelegen haben. Es sind leuchtende Worte, die der Kronprinz am Tage feiner Abdankung geschrieben hat. Nur Haß und Zynismus, nur schlimmer Sinn, der überall Schlechtes sieht, kann über dieses Bekenntnis schmähen: „Soll ich das Schauspiel geben, meiner deutschen Heimat als einer zu erscheinen, der auf ein. Recht be= harrt, an dem sie ihm vielleicht das Beste, die Liebe, das Vertrauen weigert? Soll ich durch ein starres Bestehen „auf meinem Schein" allen jenen, die im Reiche für den Monarchismus stehen, eine Kampfparole geben — zu einer Zeit, in der nach meiner tiefsten Ueberzeugung das Paterland von allen, ob sie nun sich zur Republik, ob sie sich zur Monarchie bekennen, nur eins fordert: JnnereEinigkeit gegen die raffgierigen Gelüste der „Sieger" rings um uns und Arbeit — Arbeit — Arbeit? Wiederum: Nein!"
Mit der Frage der Staatsform, mit der Frage, ob Monarchismus oder Republikanis- mus, hat das Buch absolut nichts gemein. Lediglich ein menschliches Bedürfnis hat hier die Feder geführt und so ist das Buch auch weit urehr ein menschliches als ein politisches geworden. Die menschliche Seite offenbart sich M erster Linie durch die Absicht, das richtige Verhältnis zu den Menschen und Dingen zu gewinnen. Man hat den deutschen Kronprinzen mmer nur nach seinem Aeußeren beurteilt, man hat ihn während des Krieges immer mit einem Schein auf den Lippen gesehen, obwohl dieses Kacheln immer nur ein solches ber zuversicht- Men Stimmung, der Aufmunterung des Ver- rauens fein sollte. Das Buch, d. h. die Ejgen- lchaft der Darstellung, liefert den Beweis dafür,
die im Umlauf befindlichen Schilderungen oièfes Hohenzollern der Wahrheit widersprechen und daß dieser Thronerbe kein leichtsinniger, uur dem Vergnügen ergebener, der gewaltigen -Verantwortung seines zukünftigen Berufes und Mner Stellung nicht bewußter Mensch, sondern , ° ar eine von tiefem Pflichtgefühl erfüllte und sittliche Persönlichkeit war. Wenn Bücher, Dokumente des Geistes und der Seele sind, dann h gewiß das Buch der Erinnerungen des Jw Kronprinzen. Hier offenbart sich schts was von sorgloser Heiterkeit Kunde gibt, laicht ein ernster, durch schwere, harte j-chule Les Lebens gegangener Mann. Ein Zapfen Bitterkeit hier und dort! Wer kann sie w *i Darlag der I. G. Gottas dien Buchhandlung Stuttgart und. Veâ
einem Menschen verargen, dem das Leben so grausam mitgespielt hat, der auf den Stufen eines Thrones stand, so mächtig und stolz, wie nur je ein Reich der Welt ihn besaß, und der nun durch ein unbarmherzig grausames Schicksal in tiefer, weltabgeschlossener Einsamkeit ein stilles Dasein führen muß.
In feiner äußeren Gestalt hat das Buch den Charakter von Tagebuchaufzeichnungen, die, von der traurigen Gegenwart und dem täglichen Leben auf der nebelumwallten Insel ausgehend, in die Bergangenheit bis zu den frühesten Kinderjahren zurückschweifen. Unter den Charakteristiken der Männer, mit denen den Kronprinzen Verwandtschaft und Beruf zusammenführte, nimmt naturgemäß die seines Vater, des Kaisers, die hervorragendste Stelle ein. Hier spricht der Kronprinz mit einer Freiheit, die zunächst Verwunderung erregt, von seinem Vater, er sieht dessen Schwächen und Unzulänglichkeiten — aber man darf beim Lesen dieser Stellen nicht vergessen, daß zunächst einmal die Zeiten sich von Grund auf geändert haben, daß sie überall im Volke die Zunge lösten, wo früher achtungsvolles Schweigen am Platze war, und daß weiter Kaiser und Kronprinz nicht nur Vater und Sohn sind, sondern daß sie Träger und Anwärter der kaiserlichen Krone, damit zugleich Vertreter zweier Menschenalter und aller in ihnen miteinander ringenden Weltanschauungen waren. Dies alles zeigt sich in den „Erinnerungen". Und doch, wie groß auch immer die Gegesätze waren, nirgends ist eine Stelle zu finden, die es an der Achtung des Sohnes für den Vater fehlen ließe. Was die Stellen anbelangt, wo der Kronprinz klagend von den „Kabinetten" spricht, die den Kaiser nicht nur vom frischen Hauche des naturwüchsigen Volkslebens, sondern auch von
Sohnè, der einst sein Erbe werden sollte, absperrten, so redet er in Wirklichkeit gar nicht abfällig von dem Kaiser, sondern von dem „System", das um ihn war. Aus diesen Stellen geht die frische Natürlichkeit des Kronprinzen hervor, mit der er so manches sah, wie es der gesunde Menschenverstand zeigte. Er sah die Schäden des Scheines und vermißte den warmen Blutstrom einer Persönlichkeit. So kommt es, daß seine Kritik gegenüber fast allen Trägern des allen Systems herb, ja sogar scharf geworden ist. Mit besonderer Klarheit zeichnet er die schwankende Schwäche Bethmann-Hollwegs, in dessen entschlußlosen Händen das
Ein Mitztrauensvotums-Antrag der Deutschnationalen
Im Reichstag wurde gestern nachmittag die Aussprache über die Regierungserklärung fortgesetzt.. Abg. Dr. Hötzsch (Dntl.) wies darauf hin, daß von der wichtigsten Angelegenheit, von der Reparationsfrage in Genua kein Wort gesprochen worden fei. Einen Tag vor dem Verfalltage wisse man noch nicht einmal, welche Vorschläge die deutsche Regierung der Reparationskommission unterbreiten wolle oder schon unterbreitet habe. Die deutschnationale Fraktion beantragt daher folgendes:
Der Reichstag mißbilligt bas Verfahren der Reichsregierung bei den Reparationsverhandlungen, da es mit den Rechten des Reichstages nicht in Einklang steht. Aus diesem Grunde versagt der Reichstag der Regierung das Vertrauen, dessen sie verfassungsgemäß bedarf.
Das französische Parlament befolgt nach wie vor die Politik Poincarès, die auf eine vollständige Zerstörung Deutschlands abzielt. Die unverkennbare Schwenkung Poincares ist nur eine Folge in der Verschiebung in der auswärtigen Politik anderer Länder, aber nicht eine Folge der deutschen Erfüllungspolitik. Die Drohung mit den Sanktionen bedeutet einen glatten Bruch des Versailler Vertrages und demgegenüber bedeutet die deutsche Note vom 9. Mai den Beginn des Umfalls. Dr. Helfferich hat im Auswärtigen Ausschuß unsere Stellungnahme dazu und die verkehrte Stellung Englands bereits dargelegt. Das ganze Problem darf nur unter dem einen Gesichtspunkte betrachtet werden: Herabsetzung der Sanktionen auf ein erträgliches Maß. Wie denkt sich denn die Regierung die Aufbringung von 50 Milliarden neuer Steuern? Sie hat doch selbst erklärt, daß eine größere Anspannung der Steuerschraube nicht mehr möglich sei. Die Richtlinien für die Vorschläge der Regierung in Paris müssen grundsätzlich abgelehnt werden.
Schicksal des deutschen Volkes in seiner schwersten Zeit gelegen hat, ebenso findet er kein entschuldigendes Wort für General Gröner, dessen ganze in jenen Tagen vor dem Umsturz sich offenbarende Weltanschauung durch eine unüberbrückbare Kluft von der (einigen getrennt war.
Manches helle Licht werfen die „Erinnerungen" auf die militärische Geschichte des Krieges auf Stellen, an denen noch Dunkel herrschte. In ihrer ganzen verhängnisvollen Tragik erscheinen die Tage der Marneschlacht vor unseren Augen, und naturgemäß spielen die Kämpfe um Verdun in diesen Schilderungen eine große Rolle. Plötzlich stehen die Geschehnisse des furchtbarsten aller Kriege wieder wie schmerzende Erlebnisse vor uns. Prächtig, wie der Kronprinz jeden Mann seiner Truppe schätzt und liebt, wie er das Denkmal ehrfürchtiger Erinnerung über den Gräbern der Hunderttausende errichtet, die in Feindesland schlafen! Hier werden die über das Leben des Kronprinzen verbreiteten Verleumdungen am klarsten durch die Tatsachen wiederlegt, daß feine Armee zum überwiegenden Teil noch bis zum endgültigen Zusammenbruch trotz aller Ent- behrungm treu zu ihm hielt.
Wenn wir die Kronprinzen „Erinnerungen" als ein menschliches Werk werten, so tun wir es vor allem darum, weil der Verfasser ehrlich und offen über sich und die Menschen spricht, denen er im Brennpunkt des geschichtlichen Geschehens der letzten Jahre begegnet ist. Ein menschliches Buch! Das schließt Schwächen ein, und ohne solche Schwächen sind auch die „Erinnerungen" selbstverständlich nicht. Wer zum Beispiel erwartet, eine Art geschichtlichen Quellenwerkes vor Augen zu bekommen, der be= denke, daß das nur mit Einschränkungen möglich sein kann. Auch läßt sich nicht mit Sicherheit über die äußere Politik in der Vorkriegszeit darlegt, nicht erst durch den Krieg geklärt worden sind und ein Urteil, das erst die Gegenwart gereift hat, vielleicht unbewußt in die Vergangenheit verlegt wird. Doch diese Schwächen werden aufgehoben durch die Vorzüge, die das 8uA enthält, aus dem ein tapferer Mensch, ein vornehmer Mensch voll Geist und ein sein Vaterland glühend liebender Deutscher spricht. „Nicht zur Revanche rufe ich und nicht zu Waffen und Gewalt. Den deutschen Geist rufe ich auf, den laßt erstarken: denn der Geist schafft die Tat und das Schicksal, und sinnlos ist das Werkzeug ohne ihn." R. H.
der
Notwendig ist eine definitive Festsetzung Reparationsleistungen im Rahmen des Mög-
lichen und unter Sicherung gegen alle Sanktionen. Die Regierung hat jedoch nur auf eine Galgenfrist hingearbeitet. Der amtliche Pressedienst hat vollständig versagt auf der Konferenz von Genua. Die Konferenz ist viel weniger eine Zusammenkunft von gleichberechtigten Nationen als vielmehr eine Konferenz von Gläubigern gewesen. Daß sich die wirtschaftspolitische Kommission für das Meistbegünstigungsrecht ausgesprochen hat, ist an sich zu begrüßen. Dem Gesichtspunkt Lloyd Georges mit Bezug auf das russische Problem können wir durchaus zustimmen. Man muß mit der Sowjetregierung einen modus vivendi finden. Die Rolle des Vermittlers zwischen der russischen und der französischen Regierung ist eine sehr gefährliche. In dem gegebenen Augenblick den deutsch-russischen Vertrag abzuschließen, ist nach meiner und meiner Fraktions Meinung durchaus richtig gewesen. Jede bolschewistische Agitation in Deutschland muß jedoch auf alle Fälle unterbleiben.
Die Abstimmung für das deutscbnationale Mißtrauensvotum findet am Mittwoch statt.
Abg. Er i s p i e n (USP.) machte der deutschnationalen Politik zum Vorwurf, daß sie zum Zusammenbruch geführt habe und daß auch der Vertrag von Versailles auf ihr Konto zu setzen sei. Mit der Politik des Herrn Hermes hat man schlechte Erfahrungen gemacht. Eine neue Wirtschaftspolitik ist notwendig.
Abg. Dr. Becke r-Hessen (D. Pp.) erklärte, ohne Mehrerzeugung von Gütern könnten die Reparationsverpflichtungen nicht erfüllt werden. Wenn der Reichskanzler einen sogenannten Erfolg darin sähe, daß man deutsche Vertreter in den Kommissionen habe mitarbeiten lassen, so zeige das nur, wie genügsam hier ein Großstaat mit 60 Millionen Einwohnern geworden sei. Für das Revärationsproblem seien doch
höchstens einige theoretische Grundlagen gewonnen worden. Gegen den Vertrag von Rapallo müsse man ernste Bedenken äußern. Immerhin sei er ein Weg, auf dem allein die Gesundung der Welt herbeigeführt werden könne. Durch die Vorbesprechungen, die Minister Hermes in Paris geführt hat, seien nicht nur dieser und die Regierung gebunden, sondern auch das Parlament, dessen Ausschuß ja das Ministerium nur sei. Es sei bedenklich, daß man einen zweiseitigen Vertrag erstrebe, bei dem aber nur die eine Seite ihre Karten offen auf den Tisch lege. Wir haben heute noch kein Mittel, der Inflation! den Garaus zu machen. Alle die Besatzungskosten, die Ausgleichszahlungen, die Liquidationszahlungen, die in die Milliarden gehen, alle diese Papierleistungen würden wir für dieses Jahr decken können durch die Zwangsanleihe; aber für die Zukunft kann man nicht ohne schwebende Schulden auskommen. Wer do glaubt, daß nach einer Zwangsanleche noch eine Zwangsanleihe oder vielleicht gar eine freiwillige Anleihe möglich wäre, den beneide ich um feinen Optimismus. (Rufe links: Neue Steuern!) Glauben Sie denn, daß wir uns auf das Gebiet der Zwangsanleihe begeben haben würden, wenn die Steuern nicht schon auf das äußerste angestrengt gewesen wären? Die Zwangsanleihe ist sehr viel härter für den Besitz als die neuen Steuern. (Lachen links.) Als wir die Verhandlungen über die Steuervorlaae am 4. April abgestylosien hatten, erklärte Reichsfinanzminister Dr. Hermes: Dies ist das hü ' ■ Maß an Steuern, das jemals einem Volke auferlegt worden ist. Daß diese Grenze erreicht ist kann keinem zweifelhaft sein, der Einblick in die deutschen Verhältnisse hat. (Hört, hört! rechts.)
Auf die letzte Note der Reparationskommis« Sn hat die deutsche Regierung erklärt: Die ehrfordeningen sind praktisch undurchführbar. Die steuerliche Belastung durch das Steuerkom- uromiü ist das Höchste, was dem deutschen Volk«
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rechts.) Wenn wir zu solchen Erklärungen nachher nicht feststehen, dann bringen wir ja gerade manchen auf die abschüssige Bahn der sinkenden Steuermoral. (Sehr richtig! rechts.) Nützt uns eine Atempause überhaupt
etwqs? Für die Dauer nützt uns eine Atem- pause, die Angst vor dem 31. Mai und die Angst vor jedem Verfalltag doch nichts. Dadurch ermutigen wir ja die Erpresser immer mehr. (Lebhafte Zustimmung rechts, Widerspruch links. Rufe: Wollen Sie vielleicht den Einmarsch in das Ruhrgebiet?) Nein, Gott bewahre uns vor weiterem Uebel und erlöse uns von dem Uebel, das schon aus uns liegt; aber ich ziehe dieses Uebel dem völligen Ruin des deutschen Volkes vor. Im besetzten Gebiet gibt es sicher viele Leute, die in Ihren Kreisen auch diesen Standpunkt vertreten. Die Zeit war noch niemals so günstig für die Aufr^llung der Reparationsfrage wie heute. Wir müssen auch die Schuldfrage einmal lösen. (Erneuter Beifall rechts und Unruhe links.) Die Besetzung von Duisburg und- Düsseldorf besteht noch immer, obgleich wir das Londoner Ultimatum angenommen haben und obgleich wir es erfüllt haben. Wir müssen eine Herabsetzung der Besatzungstruppen verlangen, denn dies ist eine vollständig unproduktive Ausgabe. Wir verlangen auch eine vernünftige Regelung der Berhällnisse im Saargebiet. Endlich müssen wir auch eine Herabsetzung der Reparationsleistungen auf ein erträgliches Maß fordern. Vor einer vorläufigen Regelung warnen wir auf das dringendste, denn wir halten sie für verhängnisvoll für unser deutsches Vaterland; deshalb lehnen wir entschieden jede Verantwortung ab.
Abg. Dr. Dernburg (Dem.) erklärte, in der Frage der auswärtigen Politik sollte es Parteien überhaupt nicht geben. (Zustimmung.) Das Mißtrauensvotum sei nicht nur unangebracht, sondern lächerlich. (Beifall in der Mitte.) Genua sollte die Grundlage für einen gemeinsamen Wiederaufbau geben. Leider konnten die Hauptfragen dort nicht behandelt werden. Wir wollen mit allen Nachbarn in Ruhe und Frieden leben. Bei unserm 100 000 Mann-^eer kann von einer militärischen Politik mit Rußland gar keine Rede sein. Die Bedingungen einer Anleihe bestimmen die Finanzleute. Die Prüfung der deutschen Leistungsfähigkeit wird nicht durch Angehörige der Reparationskommission, sondern durch vorsichtige Finanzleute er» fo’yn. Nur eine langfristige Anleihe kann uns nützen. Durch die Erklärung der.. Reichsregierung sind wir nach keiner Richtung hin gebunden. Die Regierung muß endlich dafür sorgen, daß die infame Schyldlüge aus der Welt kommt.
Nach weiteren Ausführungen der Abg. Böhm (Bayr. Vpt.) und Fröhlich (Kom.) wurde die Aussprache geschlossen.
(Weitere Politische Nachrichten Seite 53