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AmMches Organ für Stadt. und Landkreis Sanao ää^^

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag«

wird leine Gewähr geleistet

Nr. 122

Freitag den 26. Mai

1922

Das Neueste.

3m Auswärtigen Ausschuß werden heute Dr. Wirth und Dr. Hermes über Genua und Paris Bericht erstatten.

Da» Anleihekomitee rechnet mit einer Be- latsngrdauer von sechs Wochen.

Zwischen Llo,d George und Poincare ist für gifana Juni eine Zusammenkunft vorgesehen

Der italienisch-russische Handelsvertrag ist tm Mittwoch unterzeichnet worden.

Zur Pariser Anleihekonferenz.

Am vergangenen Mittwoch ist in Paris das Anleihekomitee, das die Reparationskommission eingesetzt hat, zusammengetreten. Es ist bekannt­lich zusammengesetzt aus: De la Croix für Bel­gien, Danneglio für Italien, Kindersley für England, Sergent für Frankreich, Vissering für Holland, Dr. Bergmann für Deutschland und Morgan für Amerika. Zur Grundlage seiner Beratungen wird das Komitee die Resolution der Reparationskommission vom 4. April neh­

men, worin es heißt, daß eine Kommission die Bedingungen festsetzen solle, unter denen die deutsche Regierung eine Reparationsanleihe er­halten könnte. Man ist sich in Deutschland all­gemein darüber klar, daß wir eine Ausländs­anleihe brauchen, um uns zu erholen und man ist sich auch darüber klar, daß nur eine groß­zügige Beteiligung Amerikas eine Lösung der Anleihefrage bringen kann. Deshalb bringt man auch der Teilnahme Morgans an der Bankier- konferenz große Hoffnungen entgegen und man erwartet, daß^ diesem Amerikaner es gelingen werde, den Weg für eine wirtschaftliche Neu­orientierung zu ebnen.

Wir können uns nicht entschließen, diese Hoffnungen heute schon zu teilen. Wenn wirk­lich eine Atempause und eine Anleihe erreicht werden sollte, so betrachten wir diese Atempause, so lange keine Herabsetzung der deutschen Nepa­rationslasten eintritt, zunächst nur wieeinen gutem Tag" im strengen Arrest, wie eine Er­leichterung der Ketten für 24 Stunden. Auch in der Atempause würden wir nicht vergessen kön- daß nach ihrer Beendigung neue Sklaoen- it droht. Man gibt Schwerkranken, wenn

nen,

arbeit droht. Man gibt Schwerkranken, wenn das Herz nicht mehr mittun will, eine Kampfer­spritze. Der Arzt, der sie anwendet, ist sich aber bewußt, damit kein Herl- und Kräftigungsmittel zu geben, sondern einen verzweifelten Versuch zu machen, einen Organismus, der sonst sicher verloren wäre, über eine letzte Krife hinweg­zupeitschen. Mit der Anwendung dieser Kamp- serspritze können wir uns nicht befreunden und müssen nach wie vor die Forderung aufstellen, daß einer Anleihe und Atempause eine Herab­setzung der Reparationslasten auf ein gerade noch erträgliches Maß vorangehen muß. Nur so kann die Anleihe ein Mittel zu unserer Ge­sundung werden. Erfolgt die Herabsetzung unse­rer Leistungen nicht, dann bedeuten Atempause md Anleihe Erfüllungspolitik: Die Gesamtschuld des Londoner Zahlungsplanes soll auf uns asten bleiben. Wir sollen nur einige Jahre Er- mdjterungen erhalten, um später die ganze schuld besser abtragen zu können. Darüber dürfen wir uns nicht täuschen, daß, wenn jetzt keine Herabsetzung der Gesamtverpflichtungen auf ein erträgliches Maß eintritt, nach Ablauf des Provisoriums die gegnerischen Mächte, wenigstens Frankreich, auf dem Ultimatums- Ichein vom 10. Mai 1921 bestehen werden. Vor­aussichtlich wird bei der dann vorhandenen wirtschaftlichen und politischen Gesamtlage Europas der Druck auf die Entente zur Herab- Mmderung der deutschen Lasten weniger groß sein als heute.

Wenn auch die Auslandspresse die Absichten -Corgans in ein günstiges Licht zu rücken sucht und erfahren haben will, daß der amerikanische Mankier einen Druck auf die französische Sank- aonspolitik ausüben, d. h. die Garantie *on Frankreich verlangen will, kein weiteres deut- !ches Gebiet zu besetzen, so haben diese an sich zowiß lobenswerten Absichten von denen übrigens nur gerüchtweise aus der franzö- !>!chen Presse erfahren haben mit der notwendigen Herabfetzung der deut­schen Reparationsleistungen absolut nichts zu am und wir müssen daher den Anleihever- Aundlungen vorläufig noch mit gewissen Beden- 5" üegenüberstehen. Regierungsseitig ist kürz- lch die jährliche Verpflichtung Deutschlands in gemder Währung mit 226% Milliarden Papier- angegeben worden. Darin enthalten sind .0 Millionen Goldmark für Sachleistungen, ^eich 102 Milliarden Papier, und 720 Millionen woldmark gleich 50 Milliarden Papier in bar, vlange nämlich 1 Goldmark für 70 Papiermark haben ist. Die Zinsen für die Auslandsan- Eihe müssen im Inland erarbeitet werden. Und wenn wir die Jahresraten der Reparation nicht

aufbringen können wie sollen wir die Zinsen und Tilgung für eine Anleihe aufbringen, die uns gestattet, ein paar dieser Jahresraten zu­sammenfassend abzubürden? Denn billig wird solch eine Anleihe nicht. Optimisten rechnen mit 68 Prozent, Realisten mit 810 Prozent. Und wie hoch soll die Anleihe fein? Man meint 45 Milliarden würde das Weltkapital daran wagen, wenn es damit eine erste Hypothek auf die deutschen Zölle, die deutschen Eisenbahnen oder die deutschen Kohlen bekäme, was also zu­gleich die Finanzkontrolle auf Umwegen bedeu­tete. 5 Milliarden zu 10 Prozent würden 500 Goldmillionen jährlich erfordern, statt 720 Mil­lionen, die die Reparationskommission uns zu­diktiert hat. Und wie lange würden wir dafür Ruhe haben? Das käme darauf an, was die Regierung aus dem Erlös der Anleihe abzu­bürden gedenkt. Die Gesamtheit ihrer Goldver­pflichtungen berechnet die Regierung zurzeit auf 3 Milliarden. Weit würde sie also mit einer 5 Milliarden-Anleihe gerade nicht kommenl Aber die Regierung denkt wohl nur, sich b'r lästigen Barzahlungen in Gold zu entledigen und noch einiges für die Festigung des Mark­kurses übrig zu behalten. Also 4, 5 Iahte Ruhe würden bestenfalls mit der Anleihe zu erkaufen sein, um dann in neue Sklavenarbeit zurückzu­kehren, ohne die Gewißheit zu haben, daß die deutsche Wirtschaft sich inzwischen genügend ge­kräftigt hat, um zu dem Schuldendienst für die Anleihe die vollen Reparationszahlungen wie­der aufnehmen zu können.

Aus den angeführten Gründen und ferner um die zwingende Revisionsbedürftigkeit der Reparationsbedingungen, von der heute alle Welt überzeugt ist, nicht zu verschleiern, müssen wir vor Annahme der Anleihe die Herab­setzung der deutschen Gesamtleistungen fordern. Uns ist jetzt Gelegenheit gegeben, unsere finan- zielle Lage vor internationalen Bankleuten dar- iwleaen und da heim es. die uns hrütianueii Lasten fo zu beleuchten, daß sie von den Finanz­leuten verstanden werden. Geschieht diese Be­leuchtung im richtigen Sinne, dann muß das Anleihekomitee zu dem Entscheid kommen: Ent­weder Herabminderung der unsinnigen Repa­rationsforderungen und Beseitigung der Sank­tionspolitik oder keine Anleihe unter annehm­baren Bedingungen.

Die gestrige KabineNsfitzung.

Das Bekanntwerden des schweren Konflik­tes zwischen dem Reichskanzler Dr. Wirth und dem Finanzminister Dr. Hermes in der Frage der Verhandlungen in der Reparationskommis­sion in Paris - hatte in Berliner politischen Kreisen wie eine Bombe gewirkt. Der erste Eindruck ging dahin, daß Minister Dr. Her­mes seine Kompetenzen in Paris überschritten und dadurch seine Position unmöglich gemacht habe. In parlamentarischen Kreisen formu­lierte man gestern den Konflikt dahin: entweder geht Reichsfinanzminister Hermes oder Reichs­kanzler Wirth. Die Anwendung dieser Formel scheint jedoch nicht mehr nötig zu sein, nachdem Dr. Hermes gestern abend noch ausführlich über die Pariser Verhandlungen Bericht erstattet hat.

Ueber die gestrige Sitzung des Reichskabi­netts liegt uns folgender Bericht vor:

Berlin, 26. Mai. Gestern um 6 Uhr trat das Reichskabinett zu feiner angekündigten Sitzung zusammen. Den Vorsitz führte Dr. Wirth. In dieser Sitzung hielt der Reichsaußen­minister Dr. Rathenau einen zweistündigen Vortrag über Genua. Nachdem er im beson­deren über die Verhandlungen in den Kom­missionen berichtet hatte, besprach er den deutsch-russischen Vertrag von Rapallo. Er kam zu dem Schluß, daß man von großen Vor­teilen sprechen könne. Von Nachteilen, die dem Vertrag von verschiedenen Seiten angedeutet würden, könne keine Rede sein. Das Gesamt­ergebnis der Konferenz von Genua beurteilte der Außenminister durchaus positiv. Um 8 Uhr trat eine kurze Unterbrechung in den Bera­tungen ein. An der später fortgesetzten Be­sprechung des Kabinetts nahm dann auch noch der Reichsfinanzminister Dr. H e r m es teil. Hermes sprach ausführlich über die Pariser Konferenz. Die Sitzung wurde gestern in später Abendstunde dann auf heute nachmittag 4 Uhr vertagt. Im Anschluß an den Bericht des Finanzministers entwickelte sich eine sehr leb­hafte Debatte. Von zuständiger Stelle wird auf Anfrage, ob das Kabinett mit der Tätig­keit des Reichsfinanzministers einverstanden sei, erklärt, daß dis Mitglieder im großen und ganzen zustimmen dürften. Es handele sich nur noch um die Modifikation einzelner Punkte.

DasBerl. Tagebl." teilt mit, sicher fei, daß neben den lachlichen auch schwerwiean str per­

sönliche Differenzen zwischen Wirth und Her­mes bestehen. Der Reichskanzler ist indessen nicht geneigt, sich von persönlichen Momenten bestimmen zu lassen, sondern legt ebenso wie das gesamte Kabinett Wert auf die Klärung der sachlichen Meinungsverschiedenheiten. Die von einigen Zeitungen verbreitete Meldung, daß er mit dem Rücktritt gedroht habe, wird von ihm entschieden in Abrede gestellt. Die verschiedenen Parteien sind zur Stunde dabei, den Konflikt abzuwenden. Es läßt sich schon jetzt sagen, daß die Gefahr einer großen inner­politischen Krise überwunden zu fein scheint. Auch der Reichspräsident Ebert hat sich um den Ausaleich bemüht, da wir weniger denn je in den nächsten Tagen vor einer großen außenpolitischen Entscheidung eine innere Krise vertragen könnten.

Berkin, 26. Mai. DerVorwärts" betont, daß über den Verlauf der Kabinettssitzung voll­kommen Stillschweigen gewahrt werde. Es könne jedoch soviel gesagt werden, daß man auf dem Wege sei, die Mißverständnisse zu beseiti­gen. Schon der Umstand, daß in den Dispo­sitionen des Reichstages keine Aenderungen eintreten, die Regierung also heute vormittag geschlossen vor den Auswärtigen Ausschuß tre­ten werde, zeige, daß keine akute Krise vorhan­den sei.

DieVoss. Ztg." berichtet, eine Entscheidung werde erst herbeigeführt nach der heutigen Sitzung des Auswärtigen Ausschusses, in der der Reichskanzler über die Konferenz von Genua und Dr. Hermes über seine Pariser Ver­handlungen berichten werde. Nach der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses und vor der Fort­setzung der Kabinettsberatung am Nachmittag werde der Reichskanzler noch die Führer der Koalitionsparteien zu sich berufen.

Lloyd George über das rusf. Problem.

London, 26. Mai. Die große Sensation der Erklärungen Lloyd Georges tm Unterhause ist ausgeblieben. Lloyd George hat am Ein­gang seiner Rede sofort ausdrücklich erklärt, er würde über das außenpolitische Verhältnis zu Frankreich und über die Frage der Sanktio­nen kein einziges Wort verlieren. Er behalte sich vor, in einem besonderen Zeitpunkte darauf zurückzukommen. Die Reserve, die sich Lloyd George damit auferlegt hat, ist im Grunde ge­nommen allzuverständlich, denn sie ist ihm durch die Pariser Verhandlungen Morgans auferlegt.

Die Konferenz von Genua, so sagte Lloyd George, trat in vollkommen ruhiger Eintracht zusammen und erörterte bis zum letzten Augen­blick die strittigen Fragen in durchaus freund­schaftlichem Sinne. Was die Frage betreffe, ob die Konferenz erfolgreich gewesen sei, wolle er lediglich Tatsachen anführen und es den Mit­gliedern überlassen, sich selbst über diese Tat­sachen ein Urteil zu bilden. Bezüglich des deutsch-russischen Abkommens erklärte der Premierminister, er wolle dessen Inhalt nicht erörtern, betrachte aber das Ab­kommen als einen großen Irrtum im Urteil und als einen Fehler Deutschlands. Das Haus möge erwägen, was das Abkommen bedeute.Hier haben Sie zwei der größten Nationen der Welt. Beide stehen nicht in Gunst. Jede von ihnen hat etwas getan, was sie bei den anderen Nationen in Mißkredit gebracht hat. Zwischen ihnen besteht eine Gemeinschaft im Unglück und in der Erniedriguna sowie eine Gemeinschaft in dem, was sie als schlechte Be­handlung betrachten; etwas, was zu einer wirk­lichen Freundschaft ausreifen könnte. Deutsch­land ist entwaffnet und könnte noch weiter entwaffnet werden. Man könnte aber nicht verhindern, daß Rußland wieder bewaff­net wird, wenn die beiden Nationen zur Ver­zweiflung getrieben werden. Deutschland könnte Rußland nicht wirtschaftlich neu aus- statten; aber dies ist nicht der Fall mit der Be­waffnung, da das eine Land alles technische Können und das andere alle natürlichen Hilfs­mittel hat." Lloyd George sagte weiter, es fei nötig, daß man alle Möglichkeiten der Lage ins Auge fasse. Er hoffe aber, daß sich keine Gelegenheit ergeben werde, an diese Warnung zu erinnern. Die britischen Vertreter in Genua seien zu dem Schluß gekommen, daß es, was man auch von der Sowjetregierung denke, für den Weltfrieden notwendig sei, daß man zu einem Abkommen mit Rußland komme, um Rußland selbst zu retten und es in den Stand zu setzen, zur Befriedigung der Be­dürfnisse der Welt beizutragen. Es sei vor allem notwendig, die Uebel a-zuwÄdep. die in Zu­kunft drohten, wenn nichts nm'i^e, um die Wurms von T'ißverständnisien zu entwirren.

Lloyd George erwähnte dann die Haager Kon­ferenz und sagte, er hoffe, wenn man so weit fei, die Fragen praktisch zu prüfen, daß dann et­was geschehen würde. Inzwischen sei aber zu erwägen, was zu tun sei, um einen Zusammen­stoß in ^"-opa zu verhindern. Er betonte den Wert des Gottesfriedens-Paktes und sprach die Hoffnung aus, daß er auf einen wirklichen und dauernden Frieden hinauslaufen werde, wenn erst die Sachverständigen der Haager Konferenz feine Möglichkeiten geprüft hätten. Wenn diese Vorschläge machten, die die Nationen annähmen, werde dauernder Friede in Europa herrschen. Er wolle nicht sagen, ob Genua sich schließlich als ein Erfolg erweisen werde. Wenn dies aber nicht der Fall, werde die Lage in Europa tragisch sein. Wenn Genua aber auch nur teilweise ein Erfolg gewesen sei, würde damit schon Großes erreicht sein. Wir haben so bemerkte Lloyd George bereits Stellungen erobert, von denen aus ein wei­teres Vorrücken möglich ist.

Der Zusammenschluss Ler evangelischen

Landeskirchen Leulschlanös.

In der Lutherstadt Wittenberg wurde gestern vormittag der von den beiden Kirchen­tagen in Dresden und Stuttgart vorbereitete und von den zuständigen Organen sämtlicher Landeskirchen gutgeheihene Zusammenschluß der evangelischen Landeskirchen durch die Gründung desDeutschen Evangelischen Kir­chenbundes" feierlich vollzogen. Zu dem Kirchengeschichtlich bedeutsamen Akt hatten sich bereits am Mittwoch die bevollmächtigten Ver­treter der 28 verschiedenen Landeskirchen und eine Reihe von Ehrengästen in Wittenberg ein­gefunden. Die preußische Regierung wurde d^rch den Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung Dr. Boelitz repräsentiert; auch big theologischen Fakystäten der Uniper" Ken Halle und Leipzighairen Vertreter entsandt; ebenso waren hervorragende Mitglieder des Evangelischen Oberkirchenrates und der ver­schiedenen Oberkonsistorien anwesend. Am Vormittage war die Versammlung im Rat­haus durch den Oberbürgermeister Wurm von Wittenberg und Buggenhagen-Haus durch den Superintendenten D. Orthmann namens der Wittenberger Kirchengemeinde be­grüßt worden. Den kirchlichen Auftakt gab eine Vesper, in der Stadtkirche, der alten Pre­digtstätte Dr. Martin Luthers, bei der General- superintendent D. Wessel (Detmold) auf die Bedeutung des eigenartigen Kirchenfestes hin­wies.

Am Himmelfahrtstage fand nach einer kur­zen Feier im Lutherhause, dem ehemaligen Augustinerkloster, bei Glockengeläut gemein­samer Kirchgang statt. Beini Festgottesdienst in der Schloßkirche hielt der Kirchenpräsident der bayerischen lutherischen Kirche D. Veit, eine nach Form und Inhalt gleichermaßen be­deutende Festrede, in der er den Zweck der Gründung des Deutschen Evangelischen Kirchen­bundes und dessen Aufgabe darlegte. Aus­gehend von der in ihrer Entstehung und ihrer Geschichte begründeten Vielgestaltigkeit der verschiedenen Landeskirchen und Bekenntnisse betonte er insbesondere folgendes:Mit dem Kirchenbunde, der nunmehr rechtliche Gestalt gewinnen soll, wollten wir nicht künstlich eine Einheitskirche herstellen, aber auch nicht einen bloßen Zweckverband für einige gemeinsame Aufgaben, sondern in der Auswirkung der Per­sönlichkeit unseres Herrn und Meisters Christus soll die Mannigfaltigkeit und der Reichtum seines Lebens zu seiner Ehre, zum Bau seines Reiches, zum Dienst der Brüder sich darstellen."

Am Grabe Luthers wurde sodann die Unter­zeichnung der Bundesakte, die einen Bundes- vertrag und die Verfassung des Bundes in sich schließt, vorgenommen. Im Namen aller Unter­zeichner bekräftigte der Präsident des Deut­schen Evangsl. Kirchenausschusies, D. Moel- l e r, das Gelöbnis der Treue zum Werke der Reformatoren; als äußeres Zeichen wurden am Grabe Luthers und Melanchtons Kränze niedergelegt. Feierliches Glockengeläut von allen Türmen der Stadt bezeichnete den Ab­schluß des wichtigen Ereignisses, das in gleicher Weise zur selben Stunde allenthalben im Lande kundgegeben wurde.

Durch die eherne Tür der 95 Thesen beweg­ten sich dann die Versammelten abermals ir feierlichem Zuge zum Marktplatz, wo von den Altan des Rathauses der Vorsitzende der baye­rischen Generalsynode, Freiherr v. Pech­mann (München), das Gelöbnis der Treu« zum neuen Kirchenbunde nochmals wiederholte, wobei er den Kirchenbünd als ein Werk bet Einigung, der Treue und der Liebe pries«