Hanauers Anzeiger
General-Anzeiger
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gr. 118 Samstag den 20. Mai 1922
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Das Fazil von Genna.
Nach fast sechswöchiger Dauer hat nunmehr Aftern die Konferenz an der sonnigen Küste des Ligurischen Meeres ihr Ende gefunden. Wirft man einen Rückblick auf die Konferenz, so ist junädjft festzustellen, daß sie die großen Worte flidjt gerechtfertigt hat, mit denen sie einberufen und mit denen sie eingeleitet wurde. Der Welt ten „wahren Frieden" wiederzugeben, hat sie sch unfähig erwiesen. Und das war ganz selbst- uerständlich. — Keine Konferenz könnte das, da p Mächte gibt, deren ganze Politik darauf ein* gestellt ist, den wahren Frieden nicht wieder- jerftellen zu lassen. Daß unter diesen Mächten Sie führende und wichtigste Frankreich ist, braucht nicht mehr bewiesen zu werden; Frankreich hat es selbst bewiesen durch seine Haltung gar und während der Konferenz, und es ist ein Verdienst des Derhinderungstcchnikers Barthou, den Poincars während der Konferenz fest an der Strippe hatte, daß in Genua rein garnichts gon irgend welcher Bedeutung erzielt worden ifl Jene englische Zeitung hat recht behalten, die da vor Beginn der Konferenz behauptete, daß das einzige greifbare Ergebnis der Konferenz das fein werde, daß sie den Ort der nächsten konferenz festsetze.
Alle klarschauenden Politiker erkannten schon bei der Einberufung der Konferenz, daß ihr ein Fiasko beschieden sein mußte, da laut Poincarès Befehl über die Grundprobleme der mropäischen Wirtschaft nicht gesprochen werden Surfte. Dieses Fiasko mußte kommen, nachdem die einladenden Mächte das Diktat Poin- :arés zähneknirschend hingenommen hatten. Denn es war nicht möglich über den Wiederaufbau Europas zu sprechen, ohne nicht jeden Ausblick auf die Kernfrage, die Reparations-
Aten war. Der Leitjag, den man zu Beginn der Konferenz proklamierte: Es gibt hier weder Sieger noch Besiegte, war nichts weiter als eine schöne Phrase, ja eine Lüge, nachdem man der deutschen Delegation bereits einen Maulkorb, der von allem anderen als von Gleichberechtigung zeugte, angelegt hatte. So kann Genua auch niemals den Anspruch erheben, daß es eine Mrtschaftskonferenz in seinen Mauern beherbergt habe. Machtgruppen haben sich dort be-
S Alle Mittel alter und neuer europäi- plomatenkunst wurden angewandt. Das Zentrum der Macht bildete die große Entente. Der Oberste Rat setzte sich mit seiner eigenen Politik auseinander, sodaß für die Erörterung des wirtschaftlichen Wiederaufbaues Europas, von dem man ja ursprünglich reden wollte, keine Zett übrig blieb, d. h. man wollte entsprechend dem Wunsche des Saboteurs Poin- carè hierzu keine Zeit finden. Man beschränkte sich deshalb auf die Besprechung der internatio- «alen Zusammenarbeit beim Wiederaufbau Rußlands und was noch nebenher ging an Eachverständigenberatungen über Pässe, Zölle, Tarife, war nur ein Beiwerk, das den Apparat der Konferenz in keiner Weise gerechtfertigt hatte, und das auch nach keiner Richtuno zu bindenden Entschlüssen, sondern durchweg nur Kl höchst unverbindlichen Vorschlägen geführt hat. Ein einziges Mal hatte es den Anschein, als ob in Genua Weltgeschichte gemacht werden sollte, als ob sich Lloyd George vor das Forum Europas stellen wollte, um ihm, wie einst die ^mischen Abgesandten vor dem Senat in Karthago, die Wahl frei zu stellen zwischen einer stetigen Entwickelung zu friedlichen wirtschaftlich gedeihlichen Zuständen, ober zu neuen kriegerischen Erschütterungen, die er in ungemein bewegten Worten zu schildern wußte. Dies war, als Poincars seine Hetzrede in Dar-le-Duc gehalten hatte. In jenen Tagen glaubte man, daß “Oij aller Warnungen Poincarës in Genua die Vanktionsfrage behandelt werden sollte — doch auch hier handelte es sich nur um leere Worte, om Phrasen. Lloyd George mußte dem Drängen voincarès nachgeben und die Besprechung der Versailler Signatarmächte fiel wieder ins Was- und damit auch die vielfach aufgetauchte Hoffnung, daß sich die Konferenz von Genua katsächkich zu einem weltgeschichtlichen Ereig- gestalten könnte.
Die einzige Leistung in Genua, von der sich zu reden lohnt, der Abschluß des deutsch-russi- scyen Vertrages, ist nicht auf der Konferenz, fonbern neben der Konferenz zustande g-kom- Ven. Dennoch wirbelte dieser Abschluß einen derartigen Staub auf, daß man glaubte, die Konferenz sei, noch nicht richtig angefangen. MN am Ende anoelangt. Die Urberralckung. «re ber Vertragsabschluß in den alliierten Längen hervorgerufen hatte, und besonders der 3o*n, dar dar-cmshin mehr ober Minder gut ge«
spielt in der französischen öffentlichen Meinung aufflammte, ließen deutlich erkennen, wie peinlich es die Oberhäupter der Ententestaaten empfanden. aus der Rolle von Führern der politischen Geschicke Europas herausgedrängt zu sein und sich mit einer politischen Tatsache abzufinden, die nicht von ihnen geschaffen worden war. Blitze zuckten und Donner grollten. Die deutsche Delegation blieb jedoch fest zu ihrer Ostertat stehen und da erstere in den Russen eine Stütze fand-, verzog sich das Gewitter wieder. Doch Strafe mußte sein — die Deutschen sollten ihren „eigenmächtig" getanen Schritt büßen, indem sie von der weiteren Behandlung der russischen Frage und somit für den Rest der Konferenz- dauer ausgeschlossen wurden. Fiir den Rest der Konferenzdauer erfolgte der Ausschluß insofern, als von jenem Zwischenfall ab bis zum Schluß der Konferenz ausläiließlich nur die Russenfrage behandelt wurde. Mit dieser Buße war jedoch die deutsche „Dreistigkeit" noch nicht abgetan: Deutschland, das beim r"ssischen Wiederaufbau praktisch nach Lage der Dinge zur wertvollsten Mitarbeit berufenste Land, bleibt auch im Haag ausgeschieden, wo bekanntlich am 26. Juni das russische Problem von Grund auf neu in An. griff genommen werden soll. Genua hat sich auch als unfähig erwiesen, eine Klärung der russischen Frage herbeizuführen — auf Genua soll nunmehr der Haag folgen.
Genua ist aber nicht nur unfähig gewesen, der Welt den „wahren Frieden" wiederzugeben,
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europäische Wirtschaftsfragen und das russische Problem zu lösen, es ist auch nicht gelungen den zehnjährigen Gottesfrieden abzu- schließen. Gewiß hängt der letztere Mißersolg mit der Nichtlösung der russischen Frage zu-
fammen, aber wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn wir behaupten, daß auch bei rage Frankreich ein-n
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der Genueser Konferenz erklärt hat, daß
Die Genueser Schlußsitzung
Eine Aeöe Nathenaus
Die vier unausgesprochenen Wahrheiten
Frankreich heuchel! Friedensliebe.
Genua 19. Mai Heute ist der Schlußtag der Konferenz. Der Palazzo San Giorgio ist in weitem Umkreise von starken Militärwachen abgesperrt. Kurz vor 9 Uhr betreten Reichskanzler Dr. Wirth und Reichsminister Dr. Rathenau den Saal. Ihnen folgen die übrigen Mitglieder der deutschen Delegation. Ziemlich spät, nach der Begrüßungsansprache des Präsidenten Facta, erscheint Lloyd George. Der erste Punkt der Tagesordnung: Zustimmung zu dem Sitzungsprotokoll der zweiten Vollsitzung, zu dem Präsident Facta das Wort ergreift, wird nach kurzer Geschäftsordnungsdebatte angenommen.
Zu Punkt 2: Vorlegung der
Beschlüsse der Wirtschaftskommission ergreift der Berichterstatter der Wirtschaftskom- Mission, C o l r a t, das Wort. Er führt aus, daß die augenblicklichen Probleme der Weltwirtschaft von einer derartig großen Bedeutung sind, daß sie in der Kommission selbst zu großen Resolutionen geführt hätten. Die Wirtschaftskommission hätte nicht die Absicht gehabt, irgendwelche Orakel in die Welt zu setzen. Unter allen Uebeln, unter denen die Welt leidet, sei die Störung des Gleichgewichts der Produktion das verhängnisvollste. Der Krieg habe in allen Ländern Industrien erstehen lassen, die nicht lebensfähig seien und habe die Produktion ins Riesenhafte, weit über das Rationelle hinau», gesteigert. Die Kommission habe geglaubt, auf dieau^erordentlichsBedeutungder landwirtschaftlichen Produktion Hinweisen zu müssen. Die Steigerung der industriellen Produktion, die Kräfte vom Sande in die Stadt gezogen habe, habe die Verminderung der landwirtschaftlichen Produktion be- wirkt. Die landwirtschaftliche Unter- voduktion sei gleichbedeutend mit der Hungersnot. Es käme darauf an, die landwirtschaftliche Bevölkerung zu verehren. Gleichfalls hohe Bedeutung käme der Frage der Rohstoffe zu. Die Schutzmaßnahmen der einzelnen Staaten hätten einen aggressiven Charakter angenommen und es sei dazu gekommen, daß die Rohstoffe zur Verarbeitung zu Bedingungen geliefert würden, dir jede Konkurrenz stille gen. Die Kommission alaubt hiergegen ein Sy^em wirksamer Garantien gefunden zu haben. Der Redner weist darauf hin, daß die umgesetzte Tonnage seit 1913 auf die Hüstle ge-
„Frankreich glühend und leidenschaftlich den Frieden wolle", so können wir an diese „Friedenssehnsucht" nicht glauben und erinnern dabei an die Rüstungsausgaben Frankreichs, an fein Riesenheer, an feine Hartnäckigkeit, mit der es zu Beginn der Konferenz jede Erörterung der Abrüstungsfrage abmies. Frankreich denkt garnicht daran, durch Abschluß eines Gottesftiedens feine Machtinteressen weltwirtschaftlicher Vernunft unterzuordnen. Und wenn trotzdem gesagt wird, daß ja ein achtmonatlicher Friedenspakt geschlossen worden sei, so antworten wir, daß dieser Abschluß nur ein Stückwerk, ein „Schaumfrieden" ist und zwar insofern als Deutschland, das zwischen Ost- und Westeuropa liegt, von die- em Friedenspakt nicht mit betroffen wird und o keinen Schutz für seine Grenzen gegenüber ranzösisch-militarischen Sanktionen genießt. Deutschland ist also weiterhin den Machtgelüsten Frankreichs ausgeseht und diesen Gelüsten wird es nunmehr umso leichter freien Lauf lassen, als es weiß, daß ihm von anderen Mächten nichts geschehen kann. Frankreich hat durch den achtmonatlichen Friedenspakt mit Osteurpa erreicht, haß es mit Deutschland machen kann was er will, ohne daran gestört zu werden. Wir verweisen dabei auf die letzte Drahtnachricht in
dieser Nummer, aus der hervorgeht, daß man jetzt mit aller Macht darauf hinarbeitet, am 31. Ltai marschieren zu können.
Alles in allem: Genua hat keine Wandlung in der europäischen Atmosphäre gebracht. Es konnte infolge des steifnackigen Bestehens Srankreichs auf den Versailler Schein keine Wandlung bringen, — daran ändern alle wohlklingenden Schlußreden nichts, die gestern in G nua gehalten worden sind. Genua war ein schweres Fiasko beschieden und für den Haag sind die Aussichten nicht besser. Nur eins tr ' Genua gezeigt, nämlich wer der Störenfried des europäischen Friedens ist: Frankreich.
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fallen sei. Weiterhin meist er auf dieArbeit s- l»s i g f e i t und die Stockungen auf dem Markte der Rohstoffe hin. Dos Prohibitiv- S y st e m in den einzelnen Staaten sei Haupt- sachlich schuld daran. Die Kommission schlage den Rationen vor, sich auf dem Wege eines g e- meinschaftlichen Abkommens zu einigen. Weiterhin weist er auf das Hindernis der Grenzen für den Handel hin sowie auf die Zwangswirtschaft in den eirrzelnen Staaten. Es fei daher Zeit, zu einer gesunden Wirtschaft zurückzukehren. Mr gemeinschaftliche Zusam- menarbeit aller Völker fei das Win^chsns- werteste.
Hierauf sprach Handelsminister Rossi, der folgendes onsführte: Wenn man den Borkriegszustand und den Zustand nach dem Kriege mit. einander vergleiche, so müsse man peinlich berührt feftfteâen, wie überall heute noch die Kriegsmaßnahmen tn Anwendung seien. Der Protektionismus um jeden Preis bindere die neue Entwicklung der schlummernden Kräfte. Es fei nötig, die Fesseln zu zersprengen, die Schuldner und Gläubiger an das gleiche Schicksal ketten. Die italienischen beruhten
auf der Forderung einer wirtschaftlichen Solidarität. Italien betrachte mit großer Sympathie die Entwicklung der internationalen Gesetzgebung und sehe nur in der Rückkehr zur Freiheit des Handels die Râng der W«Ü.
Sodann erhob sich
Minikler Dr. «alheuau
und hielt in französischer Spreche seine Rede über das Wirtschaftsleben Europas, über die Gründe der heillosen Verwirrung und über die Möglichkeit des W'-dersuf-aus. Der Redner führte aus, daß die Vorschläge der ita« tieni^en Delegation daraus hingezielt hätten, die jetzt wirtschaftlich getrennten Staaten zu einer wirtschaftlichen Solidarität zusammen zu schließen. Er betonte, daß der Geist, der alle Entschließungen beseele, der Seist der Freiheit und der Handel» sei und daß der Geist aller wirtschaftlichen Revolutionen die soziale und moralische Ausrichtung der arbeitenden Klauen bedeute. Der Abschluß der prsvilorischen Arbeiten der Konferenz, fuhr Dr. Rathenau fort, gestattet uns einen Urberblick über ihre welthistorischen Leistungen, die erst in den kommenden Jobreu mehr -nd mehr heroortreten mer« dorr und kür die Suren« der Genueser Konfe
renz Dank schuldet. Es ist ein unberechtigter Optimismus zu hoffen, daß durch den Abschluß dieser Arbeiten die Weltkrise sofort eine gewaltige Linderung erfährt. Eine solche allgemeine Besserung der Weltlage wird erst dann eintreten, wenn eine Reihe von Prinzivien erfüllt sind, die in den Beratungen der Kommissionen mit immer wachsender Deutlichkeit her- vortraten, wenn sie vielleicht auch nicht einen vollen Ausdruck in den niedergelegten Leitsätzen gefunden haben. Indem ich mich an die durch die Genueser Konferenz gezogenen Grenzen aus das Festeste halten werde, will ich versuchen, die auf der Konferenz ausgesprochenen Grund- und Leitsätze darzulegen, die mir aus den Beratungen heroorzugehen schienen, und die meiner Ueberzeugung nach bi' unbedingten Voraussetzungen für eine E fund'mg der Westwirtschaft bilden.
Di« erste dieser Richtlinien lautet:
Die gesamte Verschuldung -er Länder ist zu
groß Im Verhältnis zu ihrer Produktionskraft.
Kein Staat kann auf eine gesicherte Stabilisierung seiner Zahlungsbilanz und damit auch feiner Wechselkurse verzichten, mit Ausnahme jener einen großen Rem"s, das niemanden schuldet und Gläubiger aller ist, nämlich Ame- rifa, ohne -efs-m Beteiligung der Wiederaufbau Eurovas unmöglich wird. Vor allem aber können den verschuldeten Ländern neue Mittel, deren sie bedürfen, nicht angeführt werden. Die heutigen Schulden belaufen sich auf mehr, als sämtliche Staaten in zehn Jahren ersparen und abzahlen können. Diese Verschuldung ist somit eine finanzielle Realität; eine wirtschaftliche Realität aber ist si<- insofern, als sie den Produktionsprozeß hemmt. Es bleibt somit nur der Weg der So- nier-ng unh l es Schuldenabbaues übr'a.
Die z w eite der unausgesprochenen Genu- Lehren scheint mir zu liegen in dem Lärz'-,
bah kein Gläubiger feinen Schuldner «m
Bezahle« feiner Schuld hindern sollte.
Jedes Land, das Zahlungen zu empfangen wünscht, sollte seinen Schuldnern solche Erleichterungen oder Eins ^"'vergünstigimaen gewähren, die es ihm ermöglichen, den geschuldeten Betrag ohne willkürliche Erhöhungen zu leisi"N.
Die d r i t t e der Lehren würde vielleicht am deutlichsten zum Ausdrucke kommen in dem Satze, daß die Volkswirtschaft erst dann wieder hergest-llt werden kann, wenn ein imu-mdera- biler Faktor wiedergewonnen ist, nämlich
das gegenseitige Vertrauen.
Dieses kann aber nur wiederkebren, wenn dir Welt in wahrem Frieden lebt. Der heutige Zustand der Welt ist nicbt Frieden, sondern ein Zustand, der d e m K r i e g e ä h n- l i ch ist, jedenfalls kein vollkommener Frieden, ßeibc.' ist in den einzelnen Ländern die öffentliche Meinung noch nicht demobilisiert Die Ueberrefte der Kriegs- pron«aama belasten die Atmosphäre. Jeder, der seine Mittel und seine Arbeit einem Lande anvertraut, hat mit der Gafahr zu rechnen, daß dieses Land binnen kurzem durch verschiedene höhere Gewalten, die in den politischen Greig» nissen liegen, gefährdet und überrascht wird, Vor allem ist die Erkenntnis noch nicht durch- gedrungen, daß ein Schuldner, zumal wenn er verarmt ist, der Schonung bedarf und daß er aufhören wird zu leisten, wenn ihm der Gläu- biger nicht Erleichterungen gewähren und ihn drangen, ja feines Kredites berauben. Daß biefe Faktoren tatsächlich die Imponderabilien sind, die den Austausch der Produktion und Konsumtion hemmen, geht schon aus der Tatsache hervor, daß die Produktionsmittel bei West nahezu vollkommen erhalten sind.
Selbst wenn man alle wirksamen Zerstörungen des Krieges und der Nachkriegszeit in Rechnung stellt, darf man annehmen, daß im ganzen Verkehrs- und Produktionsapparat selbst mehr als 99 Prozent erhalten sind. Die gewaltigen und beklagenswerten Zerstörungen innerhalb de» russischen Reiches greifen in den Welthandel höchstens mit drei Prozent ein. Trotz der großen Menschenverluste im Kriege find die menschlichen Produktionskräfte fast »•Uftänbig erhalten. Wenn die Geldmaschinerie nicht arbeitet, wenn auch auf der einen Seite Millionen von Händen ruhen, auf der anderen Seite Millionen Menschen hungern, wenn auf der einen Seite unzählige Mengen von Gütern sich unverkäuflich aufstapeln, auf der anderen Seit« an Den gleichen Gütern der größte Manzel herrscht, so liegt das daran, daß die wechselseitigen Verschuldungen chronisch geworden sind. Alle weiteren ^Fortsetzung des Sitzungsberichtes auf Seche 5,1