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Nr. 102
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Dienstag den 2. Mai
—
1922
Das Neueste.
— Das Memorandum der Alliierten an die Russen ist fertiggestellt und angenommen. Ob es auch von den Russen angenommen wird, wird stark- bezweifelt.
— Tschitscherin hat an Polen eine scharfe Rate gerichtet.
— Der polnische Bevollmächtigte in Genf überreichte Calonder eine Note über die ober- Hlesischen Unruhen. Der Inhalt der Note ist wch nicht bekannt.
— Aus Polen werden militärische Vorbereitungen großen Umfanges gemeldet.
Vor der Antwort an die Russen.
Sarthous Antwort an Tschitscherin. — Englischbelgischer Zwischenfall. — Einigung über das
Memorandum.
Genua, 1. Mai. Nach Erledigung eines längeren Notenkrieges ist nunmehr die Antwort an die Russen zum Abschluß gekommen. Es fehlt nur noch,eine Schlußredaktion des am schärfsten umstrittenen Punktes über das nationalisierte Eigentum; sie soll morgen Dienstag erfolgen und dann morgen nachmittag das ganze Memorandum den Russen überreicht werden, wie es heißt, zu rühriger Durcharbeitung, aber mit dem Ersuchen um eine präzise Antwort.
Nach Eröffnung der Unterkommissionssitzung, an der außer den Vertretern der einladenden Mächte noch die Delegierten Polens, Rumäniens und der Schweiz teilnahmen, er- tlärte de Facta zunächst, daß er auf den letzten Brief Tschitscherins geantwortet habe und legte dar, daß die bisherigen Sitzungen ohne Teilnahme der Rusten keinen offiziellen Charakter hatten. De Facta fragte, ob Tschitscherin unter dieser Bedingung die Verteilung seines Menro- randun^ forüere. jhui^oiMifl^ die französische Abordnung bereits endgültig Stellung zur Frage des russischen Memorandums genommen habe. Dieses widerspreche der Resolution von Cannes und könne infolgedessen nicht in Beratung gezogen werden. Er habe gestern einen Brief.Tschitscherins (dessen Inhalt wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe erwähnten. D. Red.) erhalten, er halte es für loyal, diesen Brief zur Kenntnis zu bringen. Der Brief wurde verlesen, ebenso die
Antwort Barthous an Tschitscherin.
Diese hat solgenden Wortlaut:
»Ich habe in der heutigen offiziösen Sitzung der ersten Unterkommission wegen gewisser allgemeiner Anschauungen, die alle Mächte interessieren, den Brief vorgelesen, den Sie mir gestern abend übermittelten. Außerdem ließ ich ihn sofort telegraphisch dem französischen Ministerrat zukommen. Ohne die ernsten Absichten in Zweifel zu ziehen, welche den Brief der russischen Abordnung diktierten, muß ich die Stelle heroorheben, die Frankreich eine feindselige Haltung gegenüber Rußland zuschreibt. Im Gegenteil hat Frankreich für das russische Volk, welches sein loyaler Alliierter während des Krieges durch drei Jahre war, Gefühle der Freundschast bewahrt.
Sodann wurde die Debatte über A r t i k e l 2 des Memorandums fortgesetzt. Schließlich fand er in folgender Fassung Annahme:
»Entsprechend der Resolution von Cannes erkennt die Sowjetregierung alle Schulden und öffentlichen Verpflichtungen an, welche der russische Staat einging oder garantierte und zwar sowohl die kaiserlich Russische Re-! gierung wie die povisorische Regierung von Kerenski. Um Rußland wieder herzustellen und den Miederausbau seines Kredits zu erleichtern, erklären sich die Gläubigerstaaten bereit, für den Augenblick von Rußland weder die Zahlung des Kapitals noch die Zinsen von jenen Vorschüssen zu fordern, welche der russischen Regierung während des Krieges gemacht wurden. Die Alliierten können nicht zugeben, daß sie irgend eine Verantwortung für die Schäden zu tragen hätten, welche Rußland während der Revolution erlitten habe."
Bei Artikel 3, welcher die Verpflichtung der Sowjetregierung, das Privateigentum zurückzustellen fordert, hatten die juristischen Sachverständigen beantragt, daß dieses Privateigentum grundsätzlich zurückgestellt werden soll. Aber eine aus Alliierten und Russen zusammengesetzte Kommission soll prüfen, ob die in Rußend bestehenden Gesetze diese Rückgabe gestatten. Falls dies nicht der Fall ist, soll die Kommission Entschädigungen für Ne Besitzer des Privateigenbims festlegen. Die Entschädigung soll in fünfprozentigen Schuldverschreibungen mit 50jähriger Laufzeit initbezahlt werden. Ueber diesen Punkt entlohn sich
eine außerordentlich erregte Debatte bei der der Kampf nicht wie seither von den ««nzösischen. sondern von den betaiicben Dele
gierten geführt wurde. I a s p a r legte einen Abänderungsantrag vor, worin er fordert, den Vrivateigentümern ihre Rechte vollkommen zurückzuerstatten, sobald deren Güter identifiziert sind. Belgien habe auf der Konferenz stets den Geist der Versöhnlichkeit walten lassen. Es beiße große Jntereffen in Rußland. Ein Teil seiner Ersparnisse sei in Rußland angelegt. Im Interesse beider Länder liege es, daß die Handelsbeziehungen zwischen Rußland und Belgien wieder ausgenommen werden. Jaspar erinnerte an die Resolution von Cannes, die von Sowjetrußland die Zurückstellung des Privateigentums fordert. Infolgedessen könne der Bor- s: .tag der Sachverständigen auf Kompensationen unb Entschädigungen nicht angenommen werden. Jaspar beantragte, den Nießnutz des Privateigentums den früheren Eigentümern wieder zu überlasten und ihnen alle die Rechte, die sie besaßen, wiederzugeben in dem Augenblick, wo das Privateigentum identifiziert werden könne. Der Belgier erklärte, er habe diesen Antrag nicht gestellt, um Schwierigkeiten zu bereiten, sondern er spreche als Kaufmann. Von seinem Standpunkt aus müsse die Konferenz die Angelegenheit in seinem Sinne lösen.
Lloyd George bat Jaspar, seinen Standpunkt nicht aufrecht zu erhalten. Wenn der belgische Antrag angenommen würde, so bedeute dies einen Mißerfolg der Konferenz Llond George bestritt, daß in Cannes der Sowjetregierung die Verpflichtung auf erlegt wurde, das Privateigentum einfach zurückzustellen, vielmehr sähen die Beschlüsse von Cannes ein Snstem der Kompensationen vor. Der englische Premier fügte hinzu, er glaube zu wissen, daß die Sowjetregierung geneigt sei, das Privateigentum bis zu 90 Prozent den früheren Eigentümern in natura wieder zuzustellen. Bar - t h o u erkannte an, daß der Antrag I a s - pars begründet sei. Er entspreche dem Geiste und dein Buchstaben der Resolution von Cannes. Infolgedessen wünsche er, daß der Vorschlag Jaspars der Juristenkommission zur Beratung überwiesen werde. LloydGeorge widersprach energisch. Er erklärte, daß die Resolution von Cannes keinen Zweifel darüber lasse, daß ein System von Kompensationen möglich sei. De Facta sprach zugunsten der Anschauung Jaspars und Barthous. Jaspar wiederholte energisch seinen Antrag. Lloyd George lehnte ebenso energisch ab. Varthou behauptete, daß die Ablehnung des Antrages Jaspars eine Erniedrigung für Belgien sein würde, was man nicht zulasten dürfe. Lloyd George erwiderte, daß er diese Absicht nicht hätte. Infolgedessen stimme er zu, daß der Antrag Jaspars der Juristenkommission zur Begutachtung überwiesen werde.
In der Nachmittagssitzung der Unterkommission wurden die sämtlichen Artikel des Memorandums durchberaten und angenommen. Der Vorschlag Jaspars betr. die Rückstellung des privaten Eigentums wurde abgelehnt. Deshalb unterzeichnete der belgische Delegierte das beschlossene Protokoll nicht. Barthou stimmte dem Protokoll zu, allerdings unter der Voraussetzung, daß die französische Regierung den Vorschlag billige.
Belgischer Ministerrat.
Paris, 1. Mai. Infolge des Zwischenfalls Loyd George-Jaspar trat der belgische Ministerrat sofort zu einer Beratung zusammen, um hierzu Stellung zu nehmen.
Russische Ablehnung?
Wie wir bereits gestern berichteten liegt es in der Absicht der russischen Delegation das nunmehr fertiggestellte Memorandum der Alliierten abzulehnen. Diese Absicht geht auch aus folgender Meldung neueren Datums hervor:
Genua, 2. Mai. Der tschecho-slowakische Ministerpräsident Benesch hatte gestern vormittag eine lange Besprechung mit Tschitscherin. Dieser soll ihm mikpeteilt haben, die KatersNe- rung werde die Bedinaunaen der in Vorbereituna befindlichen Denk'chrifk der Alliierten kaum als Grundlage für ein Verstör di-zup^sabkom- men annehmen können. Soweit ihm diese Be- binnttngen bekannt seien, erschienen sie ihm unannehmbar. (ütei^eifig vernimmt man aus ar beren Quellen, daß d e RSkedeleqation faf- iâfNid) beabsichtige, die Bedingungen der Alliierten ab»uleh>-en und mit den einM-m Staaten aelrennk Sonderverträae abzulchlie^en, die die Anerkennung de jure der bottchewiffü^r Regierung zur Voraussetzung haben müßten.
Eine scharfe Nole T chitscherins an Polen.
Genua, 2. Mai. In der Antwortnote Tschita erins auf bit Note der polnischen Delega ion vom 25. April beißt es u. a.:
Der Vertrag von Rapallo ist auf den aeaenieitiaen Verricht aller A n.
spräche aufgebaut. Wenn gewiße Verträge Deutschlands mit dritten Mächten durch den Vertrag von Rapallo verletzt wurden, so bleibt diesen Mächten der diplomatische Weg offen. Die Unterzeichner der Roten v»m 18. und 23. April unterließen es Rußland von ihrer Absicht zu verständigen und maßen sich das Recht an, Verträge einfach 311 annullieren. Auf diele Weile verhindern sie andere Mächte. mit Ruhland Verträge abzuschliehen. durch die die gegenseitigen Ansprüche annulliert worden wären. Durch diese Ansprüche will Polen den wirt- schattlichen Wiederausbau Rußlands verhindern. Polen will Rukland den einzigen Weg verschlieken, aus dem es zur Ueberwindung der gegenwärtigen Krise gelangen kann. Dadurch stellt sich Polen inWiderlvruch zu dem Vertrag von Riga, der freundliche Beziehungen zwischen den beiden Staaten verlangt. Die vol- nische Note vom 25. Avril enthält keine be« friedigende Ausklärung des polnischen Standpunktes, wonach Deutschland an der Prüfung der russischen Frage nicht mehr teilnehmen dürfe, weil es den Vertrag von Rapallo abichloh. Aber Polen behauptet, daß der Vertrag von Riga kein Hindernis wäre, daß Polen weiterbin an den Arbeiten der Kommission teilnehme. Die rusmche Regierung »st der Ansicht, bau dieser Stanbpuutt auch für die anderen Mächte o-rltuna habe. D>^ Auslegung des Protokolls von Riga durch die polnische Regierung ist eine Verletzung bet darin enthaltenen Abmachungen. Während Rußland pam besten Willen beseelt ist. mus es zu seinem Bedauern feftiteUen, das die letzten Schritte der polnischen Abordnung nicht geeignet sind, die Beziehungen zwilchen Polen und Rußland zu verbessern.
Polens militärische Vorbereitungen.
Danzig, 1. Mai. Von einem zuverlässigen Gewährsmanne liegen folgende Nachrichten über Militärische Vorbereitungen Polens vor:
Ziehung etwas im Gange. In Posen Zirkulieren hartnäckige Gerüchte, die auch von Polen bestätigt werden, daß eine Anzahl von Jahrgängen einberufen würden. In Polen stehen 3 bis 4 Panzerzüge, in Soßnowiecze einer zur Abfahrt bereit. Nach Bromberg soll Artillerie abgegangen sein. In Lublin ruht der Güterverkehr auf der Eisenbahn seit einiger Zeit fast vollständig. Nur militärische Transporte Werden dort abgefertigt. In Lublin werden Rekruten und Reservisten ausgehoben und eingekleidet. Auch in Marschau sind tätlich Truppen von Eingezogenen zu beobachten, die unter mili- kärischer Begleitung durch die Straße ziehen. Das Schützenregiment Nr. 28 wurde nach der russischen Grenze abtransportiert und zwar nacheinander in kleineren Abteilungen, um Aufsehen zu vermeiden. Auch umfangreiche Pferdeauskäufe für Artilleriebespannungen finden statt. Aus allen diesen Meldungen ist der sichere Schluß zu ziehen, daß Polen irgendwelche militärischen Vorbereitungen trifft. Nun erklärt sich auch der Lärm, den die warschauer Presse in letzter Zeit über angebliche militärische Vorbereitungen Deutschlands in Orf «reuten erhoben hak. Offenbar ist es nur geschehen, um die Aufmerksamkeit von den militärischen Vorbereitungen im eigenen Lande abzulenken.
Sie Aeparoironskommi-sèvn «Md der Vertrag non Rapalis.
Paris, 1. Mai. Die juristische Abteilung derNenaratisnskammijsion hat, wie her „Demps" mitteiU, ihren Bericht eingereicht über die ihr aufgetragene Untersuchung der Frage, ob uno inwieweit der deutsch-russische Vertrag von Rapallo gegen denFrievcnsvertrag von Versa llc; verpößt. Die Reparationskommysion wird, dem Blarre zufolge, unoerz''glich über die Schlnz- soigerungen der Bericht» beraten. Das „Jsuraal des Döda.s" ergänzt die Nachricht durch die Mitteilung, daß Wahrscheinlich morgen die Kommission Beschluß jagen und sofort der deu id)tn Regierung hierüber Mitteilung machen wird.
Der Betrug am èeulsche« Volke.
Mkucheu, 1. Mai. Nach den Ausführungen des Geschichtsprofessors Geheimrat Hans Del- brück im Münchener Kriegsschuldprozeß (Eisner) wurde nochmals Graf M 0 n t g e l a s vernommen, der die Aussagen Delbrücks bekräftigte und besonders betonte, daß bereits fünfzehn Jahre vor Beginn des Weltkrieges die französische Politik darauf ausging, den Anschluß Oesterreichs an Deutschland zu verhindern. Oberarchivrat Dr. Striedinger besprach dann die Fälschung vom Standpunkt des Archivars. Wie sehr die Gegner gelogen, davon höre man bei Fechenbach nichts. Es sei b e •
amen d, daß es D e u t s ch e g e b e, die nur auf die eiatntK Staatsmänner las*
dreschen. Der Bericht Eisners sei falsch. Er sei auch falsch in objektivem Sinne. Es sei zwar möglich, daß Eisner in einem dunklen Drang Stellen weggelasten habe, aber aus der Darstellung Dr. Muckles gehe hervor, daß Eisner während des Diktierens gestockt und lange Pausen gemocht habe; er müsse also nachgedaH haben. Ich bin der Ueberzeugung, daß die A b - sicht in ihm geherrscht hat, den Text in seinem Sinne zu andern. Hätte diese Absicht nicht geherrscht, dann wäre nichts im Wege gestanden, das ganze Aktenstück !y extenso abzudrucken. Das eine wie das andere seien Taten von Dilettanten, die sich zu Staatsleitern aufgeworfen haben, ohne die Fähigkeiten dazu zu besitzen.
Der Sachverständige Dr. D i r r erklärte, die Motive Eisners seien zweierlei gewesen: Inner- politische, um die frühere Regierung so zu belasten, daß dadurch jede Gegenrevolution zerschmettert worden wäre, und außerpolitisckze, denen die Absicht zu Grunde lag, durch das Schuldbekenntnis auf die Entente zu wirken, und so Clemenceau — ausgerechnet Clemenceau! — für die Eisnerschen Ideen zu gewinnen. Die innerpolitische Zmeckeinstellung habe insofern noch besonderen Schaden angerichtet, als Eisner bamit auch die M. S. P. treffen wollte, deren leitende Männer et in der Regierung sehr ungern sah.
S-' -e Stellungnahme znsommenfaffend, erklärt Dr. Dirr, die bayerischen diplomatischen Borkriensakten, in ihrer Gesamtheit betrachtet und in Zusammenhang gebracht mit den deutschen und österreichischen Akten, bestätigen das Gesamtbild der lel’seren und liefern den Beweis gegen die These von der Schuld D e u t s eb l a n d s. Bei solcher Sachlage war es ein überaus schweres Unglück für Deutschland, ein Keulenschlag von WimmKer W'^"ng (noch einem Worte Sehet* .bemann^ ums MlGM-War fick Eisner der Tragweite seiner Handlung nicht bewWk, dann war er jedenfalls nicht ant Platze: war er sich der Tragweite bewußt, dann ist der stärkste Ausdruck zur Kennzeichnung seiner Handlung nicht zureichend.
Von der Maifeier.
Berlin, 2. Mai. Die Maifeier wie« trotz bet UnnunTt des Wetters eine starke Beteiligung aus. Da die drei sozialdemokratischen Parteien sich vereint an der Maileier beteiligt hatten, mochten etwa 300 bis 400 000 Personen sich im ^uftoarten, auf dem Schloßplatz und in der Scbloßsreibeit sich eingefunden haben. Die Kundgebung verlief ohne jede Störung. Von etwa 25 Stellen aus wurden Ansprachen an di« Menge gehalten. Als Vertreter bes Inter- nationalen Eewerkschaftsbunde, sprach Oudegeest- Amsterdam. Die Redner wiesen auf bie Bedeutung des 1. Mai hin, forderten zum Kampf gegen die Bedrohung des 8-Stundentages auf und traten 'üt die Herstellung der Einheitsfront der Eozialiüen ein. Jnkolge des starken Regen« ’iirtten die Redner ihre Ansprachen erheblich ab. »eir-er wurd-n auf Seiten der Ordner die Aus, chrcitfir 0 -n ■ emiffer unverantwortlicher Element« nicht per hindert. Die Straßenbahner unb Droschkenfii^rer wurden auf das gröblichste b» 'chimpü. Sonst verlief die Kundgebung ohn« jede Störung.
Leipzig, 2. Mai. Nach der Beendigung bet Maiiesiver a nm^ rüg zogen die demonstrierenden Arbeiter nach dem Auqusiusplatz. Während der Reden ereinnete sich ein Zwischenfall, der bie an nnglich harmlos Demonstration zu einer erregten S^ene gestaltete. In Befolgung bes "ragoerlasses des sächsischen Ministerpräsidenten Buck holte der Rektor der Universität angeordnet, sie 0 friede Fa ne der Universität (jchwarz- '«lb mit kleinem Reichsadler) zu hiffen. Durch ein B-Beben wurde die schwarz-rot-golden« Reichs'apne an dem mittleren Fahnenmast ans« ir tonen. Bei dem Harten Winde geriet bit Aufüebvornchtun z in Unordnung,sodaß dieFahn« nicht ganz bis hinauf zum Knauf der Siang« o"'qe:sgen werden konnte. Dadurch enthalt# bi ist Demonstranten d.« Mißverstänoni«, ja t die Universitätsfabne am Halbmast gezogen >"äre. Eine Schar halbwüchsiger Burschen drang « 'altsam in bie Umoersirät ein, ritz die Fahne e.unter und warf sie auf die Straße, wo fi« zerrißen wurde. Daraufhin wurde auf Be» anlauung bes Rett »r, auf den beiven äußer« Ma'^en die schwarz-rol-goloene und die weiß, grüne Fahne aufgezogen. Al» bie in bas Unb oersitätsgebäude eingebrungenen Arbeiter sich wieder auf die Straße zurückbegeben wollten, wurden sie im Innern der Unioerität vo» Schutzleuten ungehalten. Er kam dort zu einem Handgemenge, wobei die Schutzleute vo» der blanken Waff« Gebrauch machen mußte, wodu-â etwa Anradi Arbeit»« veracht wu$»^