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General-Anzeiger

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Sk. 97

Mittwoch Sen 28. A-rll

1922

Das Neueste.

Nus Genua wird gemeldet, daß den Aussen ein 48stündiges Ultimatum gestellt wer­den soll.

Tschitscherin verlangt, nachdem Deutsch­land von den russischen Verhandlungen aus- geschaltet worden ist, auch Polens Ausscheidung.

Der amerikanische Bankier Pierpont Morgan wird Mitte Mai in Paris sein. Er er­klärte, der amerikanische Markt sei aufnahme- söhig für eine größere deutsche Anleihe, sofern ausreichende Sicherheiten gegeben werden und der Zinsfuß für amerikanische Zeichner ge­nügend Anreiz gibt.

Nach einer Meldung aus Washington, jeabsichtigt die amerikanische Regierung den Direktor der Generalreservebank in Neuyork, Strong in offiizöser Eigenschaft an der Konfe­renz der internationalen Banken teilnehmen zu lassen.

Poincars der Drahtzieher.

Nach der von uns gestern an dieser Stelle vkèdergegebenen Hetzrede Poincarës geurteilt, besteht kein Zweifel mehr darüber, daß die französische Politik zur Generaloffen- ssive übergegangen ist. Frankreich hält den Zeitpunkt für gekommen, an dem es das Werk der Zertrümmerung des Deutschen Reiches be­ginnen kann. Wer dies nicht glauben will, muß sich den Vorwurf gefallen lassen, daß er Frank­reichs Geschichte, seinen nationalen Ehrgeiz und seine maßlose Selbstüberhebung nicht kennt. Der französische Jmperalismus der Gegenwart kann nur von historischer Warte Kar erkannt werden. Darum ist es notwendig, tMtfer Volk sich Goethes Worte bewußt, : Der bleibt im Dunkeln, der lebt von Tog

ag, der sich nicht von der Geschichte Rechen- föaft zu geben weiß. Es herrscht im deutschen Solf die irrige Meinung, daß die Revancheidee von 1870/71 in Frankreich durch den Versailler Lertrag abgetan sei. Der französische Revanche- gedanke ist im Laufe der Jahre durch zahlreich Nationalisten zu einem System ausgebaut worden, das vier Hauptziele der französischen Politik enthält: Rückeroberung Elsaß-Lothrin- gens, der Rhein Frankreichs Ostgrenze, Wieder­herstellung der französischen Waffenehre, Zer­trümmerung des deutschen Reiches. Von diesen vier Zielen ist nur eines erreicht, zwei nur un­vollständig und das letzte überhaupt noch nicht. Der Ursprung der französischen Revancheidee geht bis in dis Zeiten Napoleons L, des Kardi­nals Richelieu und noch weiter zurück. Der Kern der Idee ist der Wahn des Herrscherberufs des französischen Genius, der durch den Sieg Frankreichs im Weltkrieg keine Grenzen mehr kennt. Die bisherige Revanchepolitik, die sich durch leidenschaftliches und zähes Wollen aus- zeici,nete und von ungeahnten, beispiellosen Erfolgen gekrönt wurde, wird für die nächste Zukunft nicht die geringste Minderung er­fahren. Im Gegenteil! Wir müssen uns auf die schwerste Bedrückung durch die Franzosen gefaßt machen Dies vorher zu sagen, dazu ge­hört keine politische Prophetengabe. Wir sehen es ja gegenwärtig täglich, daß das Fieber des französischen Nationalismus so stark ist, daß in Genua noch nicht einmal die Politik einer euro­päischen Solidarität Einfluß ousüben farm, ob­wohl doch wirtschaftlich der europäische Konti­nent von Tag zu Tag mehr zerfällt. Und wenn wirklich in Genua noch ein Burgstiede zustande kommen sollte, so wird sich Poincarè daran nicht stören; er hat breite mit vollendetem Zynismus erklärt: Macht ihr den europäischen Burgfrie­den, wir marschieren am 31. Mai in Deutsch­land ein.

Der französische Imperialismus geht heute geradeswegs auf sein Ziel los. Zunächst ver- iuchte er, die Genueser Konferenz gänzlich un­möglich zu machen, später, als er sah, daß die ganze Welt die Konferenz wünschte, erklärte er sich mit der Konferenz einverstanden, und als die Konferenz zusammengetreten war, arran­gierte er vom ersten Tage an sogenannte »Zwischenfälle", um so Unfrieden und Verwir­rung in die Verhandlungen hinemzutragrn und die Zeit nutzlos verstreichen zu lassen. Die Konferenz hât bisher lediglich aus Zwischen­fällen bestanden: die übrige Zeit wurde mit Einrenkungsversuchen ausgefüllt. Die franzö­sische Sabotage beherrscht das Feld und in dieser Sabotage liegt System. Der französische Imperialismus kann den gegenwärtigen Frie­denszustand nicht ertragen, ersterer mu\ wenn er sich erhalten will, darauf hinarbeiten, daß der Konferenz kein Erfolg beschieden ist, um so am 31. Mai ungehindert militärische Exkur- Swü&B-über den Dibein hinaus unternehmen zu

können. Darum die neue Hetzrede Poincarès, darum die Fülle unverschämtester Provokatio­nen, darum die verlogenen Nachrichten über das deutsch-russische Bündnis und die Marschbereit­schaft deutscher und sowjetrussischer Truppen in Polen einzufallen. Kein Wort hat Poincars gefunden von -dem Bestreben, durch eine inter­nationale Anleihe Deutschland die Erfüllung seiner Pflichten möglich zu machen. Kein Wort von der Notwendigkeit, den Markkurs zu festigen. Nur schamlose Hetzworte und nochmals Hetzworte. Muß da nicht jedem einigermaßen denkenden Menschen der Verstand sagen, daß Frankreich ja garnicht den Wunsch hat, daß Deutschland erfüllt? Frankreichs Wunsch liegt auf ganz anderem Gebiet, es hat ein Ziel, auf das es jetzt, wie schon gesagt, geradeswegs lossteuert. Seien wir Deutsche uns klar darüber, daß es in der Absicht der Herrn Militaristen in Frank­reich, an ihrer Spitze Foch, liegt, über den Rhein zu marschieren und daß die Herren Im­perialisten Poincars und Tardieu die nationale Einheit unseres Volkes jetzt vernichten wollen. Die letzte Poincarë-Rede ist hierzu als Auftakt anzusehen.

Erkennen wir den Ernst der Lage, schaden wir aber mit Ruhe den kommenden Ereigni^en entgegen. Gewiß kann über die schamlose, jeden Anstandes bare Art des Auftretens Voincarss die Zornesadsr schwellen, aber das Gebot der Stunde fordert: Lassen wir uns zu keinen über- etilgen Handlungen hinreißen. Seien wir Herr der Lage. Schließen wiruns als deutsches Volk eng zusammen und bilden wir eine einzige Front gegen die fran­zösischen Gewalthaber. Dann wird es dem französischen Imperialismus auch nicht gelingen, die Zertrümmerung des Deutschen Reiches wenn es Teile des DeutfAen Reiches besetzest' sollte, bald ein sehen müssen: Wo nichts zu haben ist, da hat der Kaiser sein Recht verloren. R. H.

Die Wirkung der Psincarè-Nede.

Dr. Wirkhs Antwort.

(3 e n u a, 26. April. Anläßlich eines Emp­fangs der deutschen Pressevertreter in Genua gab der Reichskanzler Dr. Wirth gestern fol­gende Erklärung ab: Wir liegt daran, eine Er­klärung in Ihrer Witte abzugeben. Soweit bis jetzt Zeitungsnachrichten zu uns gedrungen sind, ist in Frankreich die Frage an uns gerichtet worden: Ist der Vertrag von Rapallo vollstän­dig veröffentlicht worden? Enthält er geheime Bestimmungen? Dient er militärischen oder politischen Bestimmungen als Vorwand? Dazu lautet meine Erklärung: Der Vertrag ist vollständig veröffentlicht worden. Er enthält keinerlei geheime Bestimmungen politischen oder militärischen Charakters. Er ist nach unserer Auffassung als Friedensiu- st r u m e n t zu würdige« und er ist auch der erste wahrhafte Friedensvertrag zwischen zwei Böckern, die miteinander in blu­tigem Ringen gestanden haben. Er macht mit der Vergangenheit zwischen Deutschland und Rußland reinen Tisch. Worauf es ankommt, ist, mit dem russischen Volke in Frieden zu leben und es der Handelswelt zu ermöglichen, im Osten arbeiten zu können. Wer uns darin uach- kommt und nachfolgt, der ist uns willkommen. Wir können es nur begrüßen, wenn die West- mächie in Genua zu einem ähnlichen Vertrag wie den von Rapallo kommen, dec friedliche Wege ebnet.

Weiter erklärte Dr. Wirth: Unter den heu­tigen delikaten Verhällnissen ist Zurückhaltung empfehlenswert, ja sogar notwendig. Ich be­absichtige nicht, mit sowieso unfruchtbaren Aeußerungen eine neue Polemik zu eröffnen. Es ist falsch, wenn man glaubt, daß der Ver­trag dazu dienen soll, Deutschland und Rußland als feindlichen Block den Westmächten gegen­überzustellen. Der Vertrag beeinflußt das Er­gebnis der Konferenz in keiner Weise.

Lloyd Georges Ansicht.

Genua, 26. April. Lloyd George hat gestern in öffiziöser Weise eine Antwort auf die Rede Poinearès erteilt und zwar durch Sir Eduard Grigg, seinem Sekretär, der bei einer Zusam­menkunft der englischen und amerikanischen Journaiisten im Hauptlager Lloyd Georges die Ansicht des englischen Premiers ausrinander- setzte. Er erklärte, der englische Premier be­trachte die Erklärungen Poincares als sehr ernste Worte, die man überdenken und genau in Erwägung ziehen müsse. Was Lloyd George besonders ausgefallen sei, sei der Passus, wo Poincars davon spreche, daß F c a n k > e i ch elbststündige Maßnahmen er- weifen will. Es falle dem englischen Premier« minister auf, das Poincars yo« einer isolierten

Haltung Frankreichs spreche im gleichen Mo­ment, wo er zugebe, daß die Alliierten gemein­sam bestimmen sollten. Die englische Regierung habe immer nur den Gedanken gehabt, mit den Alliierten in enger Zusammenarbeit zu handeln. Nun erkläre Poincarè zu Lloyd Ge­orges großem Erstaunen, daß Frankreich allein vorgeben werde. Lloyd George müsse zugeben, daß Frankreich um das Reparationsproblem sehr große Sorgen habe und durch die Haltung der russischen Abordnung in Genua beunruhigt sei. Auch Lloyd George gebe zu, daß seine eigene Haltung gegenüber Rußland und Deutschland Frankreich zu gewissen Zweifeln Anlaß geben könnte. Seine Politik gegenüber Deutscbland und Rußland entsvringe aber nur dem einen Wunsch: dem Frieden. Nur dieser eine Wunsch sei es gewesen, der ihn auch bei Inner Eröff- nunasrede inspiriert habe. Lloyd George bebe die Ueberzeugung, daß er selbst in dem beißen Wunlch. für die Verwirklichung vieles Zieles zu arbeiten, niemals etwas getan habe, was als unkorrekt gegenüber den Alliierten bezeichn net werden müsse. Er müsse die Anschuldigung von Illoyalität, die in der ausländischen S^We gegen ihn erhoben sei, energisch zurückweisen. Solche Anklagen seien nur einer NortbcM- Presse würdig. Der englische Premierminister werde sich aber keinesfalls der Verantwortlich­keit seiner bis fe^t verfolgten Bastek entheben. Er werde diese Politik auch vor seinem Parla­ment offen verteidigen. L^ovd Gso-ge wolle verhindern, daß Deutschland und Ruß­land durch Hunger dazu getrieben wer­den. die westlichen Staaten anruareifen. Man dürfe auch nicht vergossen, daß Rußland ebenso wie alle anderen Länder sehr unter dem Krieg ge^l-n hab». Allerdings ret diehH^"na der russischen Abordnung in Genua nicht sehr usibsMmmt panoteuffiro*nMkM hèrnmMrrkère. Aber trotz dieser Haltung der ^örHabnrhrhnm habe man keinen Grund, Rußland im Stich zu lassen. Ganz im Gegenteil müßte man den Standvunkt, der Alliierten Rußland gegenüber klarstellen.

Eine neue KsnferenzLrffe.

48stündiges Ultimatum an die Russen.

Genua, 25. April. In der gestrigen Sitzung der alliierten und der russischen Sachverständi­gen, in der die Frage der Entschädigung für das beschlagnahmte Eigen- t u m zur Sprache tarn, wurde russischerieits er­klärt, eine Rückerstattung oder ein Ersatz des beschlagnahmten Eigentums könne nicht erfol­gen, da alles nationalisiert fei. Dagegen ver­lange Rußland die Auslieferung des Geldes der vormaligen russischen Regierungen, das sich noch in französischen und englischen Banken be­finde. Auf den englischen Einwurf, wie man denn Rückerstattung fordern könne, wenn man selbst keinen Ersatz leisten wolle, erwiderten die Russen, das sei darin begründet, daß es in Ruß- iani) kein Privateigentum mehr gebe, wohl aber in England und Frankreich. Die Russen schlugen vor, daß die Alliierten sich an staat­lichen Aktiengesellschaften mit iyrem Kaptal be­teiligen sollten, die binnen kurzem gebildet wer­den würden; Prioataktiengefellscha;Len seien da­gegen in Rußland nicht zulässig.

Der französische Vorsitzende erklärte darauf, die Diskussion sei sehr nützlich gewesen, man verstehe jetzt den russischen Standpunkt. Für Sen AugenbUdt halte er eine Fortsetzung der Erörterung für zwecklos. Die Sitzung wurde darauf vertagt mit der Begründung, daß dieFrageohnedieRussenerörtert werdenmüsse.

In französischen Kreisen wird behauptet, die Rusten verlangten eine Anleihe von 5 Milliar­den Goldrubel, ferner ein övjähriges Diorato­rium und lehnten den Ersatz der Kriegsschulden ab. In englischen Delegationskreisen ist man dagegen der Ansicht, daß es sich bei den russi­schen Forderungen um Höchftforderungsn handle. Von einem russischen Ultimatum sei feige Rede. Es sei gewiz ein ernster Umstand, daß die Russen so viel verlangten, aber man müsse Geduld haben, sie würden'schon von ihren Forderungen zurückgehen. ,

Genua, 26. April. Die Alliierte« haben geiletu eine Sondersitzung abgehalien, in der erstere beschlossen haben sollen, Heuke den Russen ein Ultimatum zu stellen mit den zwei Fragen, ob sie, ja oder nein, 1. die vor- triegsschulde«, Kriegsschulden u. Zinsen anerkennen unb ob sie 2. das nationalisierte Privateigentum von Ausländern herausgeben wollen. Don Russen sollen 4 8 Stunden Zeit ge- taifen werden, um ihre Antwort auf bU poli­tische» Bedingung«« abzugeben,

Ein Finanzkonsorlium tum Wieder- aufbau Aufwands?

Paris, 26. April. Aus Genua wird gemel­det: Im Laufe des heutigen Tages finden offi­zielle Verhandlungen statt, an denen je ein Ab­geordneter der alliierten Mächte teilnimmt. Man wird über finanzielle Maßnahlnen und die Gründung eines Finanzkonfortiums ver­handeln, dessen Kapitalien teils von Privaten, teils von den verschiedenen Staaten zu liefern sind. Wenn man so weit ist, werden auch die Russen zur Teilnahme an diesem Konsortium eingeladen werden, was aber von Garantien abhängig ist. Jede andere Lösung kommt nicht in Frage. Der deutsche Abgeordnete Berg­mann ist eingeladen worden, an diesen Ver­handlungen, die keinen offiziellen, sondern nur offiziösen Charakter haben, teilzunehmen. Die­ses Finanzkonsortium wird wohlverstanden nur dann funktionieren, wenn die Alliierten auf die Vorschläge des an Rußland zu stellenden Ulti­matums eine bejahende Antwort erhalten. Die­ses Konsortium wird von den Alliierten die Vollmacht erhalten, je nach Belieben für b en Aufbau Rußlands tätig zu sein.

Eine scharfe Noie Tschilscherins an Polen.

Genua, 23. April. Tschitscherin hat gestern im Namen der russischen Delegation eine sehr heftige Dtote an Polen gerichtet. Die Note macht Polen darauf aufmerksam, daß zwischen Polen und Rußland ein regelrechter Friedensvertrag bestehe, der Polen auf die de jure-Anerkennung der Sowjetregierung verpflichtet. Der Rigaer Friedensvertrag verbinde Polen gegenüber Rußland mit mehreren Bestimmungen wirt­schaftlichen und politischen Charakters. Diese Bestimmungen seien dazu geeignet, Polen aus den Verhandlungen mit den Westmächten aus« die Resuektieruug des Rigaer Friedensvertrags und daß es an den Verhandlungen der pofiti« schen Kommission über die russischen Frage» nicht mehr teilnimmt.

(Tschilscbkrw vertritt den Standpunkt, daß, nach­dem Seutfr'lanb infolge Abschlusses des deutsch- rustü^en Vertrages von den Verhandlungen mH Rußland ausgestoßen worden ist, auch Polen au* zuscheiden hat. D. Red.)

Das einzige Resullal von Genua.

In der schwedischen Presse beginnt man alt mählich sich über die Konferenz von Genua lustig zu machen, da man nicht glaubt, daß außer dem deutsch-russ. Vertrag von Rapallo noch Sonstiges dabei herauskommen werde. Die außerordentlich schwankende Haltung Lloyd Gebrges wird besonders lebhaft kritisiert.

NyaDoglightAllehanda" schreibt beispielsweise:Die ganze Politik Loyd Ge­orges ist Aprilwetter. Sonnenschein, Regen und Sturmwind wechseln unaufhörlich mitein­ander ab. England empfindet das Dasein einer allzu stark werdenden Kontinentalmacht als eine Gefahr. Bei den vielen schweren Kämpfen des englischen Weltreiches wagt es aber seinen Bruch mit Frankreich. In der Weltpresse kann man jetzt eine immer respektloser werdende Hänselei über die mächtigen Herren im Ober­sten Rat lesen. Nicht einmal das fürchterlich« Rasseln mit dem Säbel Fochs scheint mehr die Welt in Schrecken zu versetzen. Wie will man» sonst erklären, daß die Valuta des unglücklichen Deutschland jetzt von Tag für Tag ihr Steigen fortzusetzen scheint? Die Deutschen werden ichließüch dir einzigen sein, die etwas wesent­liches von Genua mitbringen, nämlich di« Rettung vor dem fürchterlichen Artikel 116 der Versailler Vertrages. Ein solches Faktum ver­steht natürlich die Geschäftswelt gut abzuschätzen. Amerika scheint wohlwollend Beifall zu niesen und erhöht gleichzeitig die Distanz zwischen sich und denen, welche in Genua das große Wort führen. Für die Neutralen wäre es wohl am besten, wenn sie sich in der amerikanische» Richtung orientieren würden."

Stockholms Dagbladet" nennt in einem sehr spötischen Artikel die,Konferenz eine große volitische Farce und spricht gleichzeitig die Ansicht aus, daß der Rapallovertrag wohl das einzige bedeutende Ergebnis bleiben werd«.

Die Befol-ungsordnung.

Berlin, 26. April. Wie derLokalanz/ hört, beginnen die neuen Sonderverhandlunger über die Besoldungsvorlage mit den Gewerk- schaftsvertretern am 1. Mai vormittags 1k Uhr im Reichsfinanzministerium unter Hinzu Ziehung der Mitglieder des Reichstagsaus- schusses für Beamtenangelegsnheiten.

^Weitere Politische Rachrichte» Seite Sji