General-Anzeiger
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Amtliches Organ für SlaLl- und Lau-Kreis Lamm
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage
9fr. 93
Freika« den 21. Avril
1922
SG
EMWWW der Lage in Genua.
Ieutschlaod verweigert die Annullierung des RapaUv-Derlrages. — Freiwilliges Ausscheiden der Deutschen aus der russischen Kommission.
Die Genueser Krise scheint nach den heute vorliegenden Meldungen mit dem Ausschluß der Deutschen aus der die russische Frage behandelnden Unterkommission, mit dem sich die deutsche Delegation einverstanden erklärt, ihr Ende zu finden. Es ist hier fern von Genua schwer zu beurteilen, ob Deutschland durch diesen Ausschluß eine Benachteiligung widerfahren wird, da in Genua selbst anscheinend ein tolles Durcheinander herrscht, daß es Mühe kostet, den Wulst von Nachrichten durchzuarbeiten und den Kern herauszuschälen. Der Draht bringt täglich eine Unmenge unkontrollierbarer Gerüchte, Meldungen, von denen die eine von der anderen dementiert wird usw. Doch wie dem auch sei, mir glauben nicht, daß uns aus dem Ausschluß eine Benachteiligung erwächst, da die deutsche Delegation sich ja vorbehält, bei Erörterung von in dem deutsch-russischen Vertrag nicht enthaltenden Fragen hinzugezogen zu werden. Für uns ist viel wichtiger, bombte deutsche Delegation festgeblieben ist und den Abschluß des Vertrages von Rapallo aufrecht erhalten hat. Man mochte zu dem genannten Vertrag stehen wie man wollte — niemand im deutschen Lande aber konnte wünschen, daß die deutsche Delegation ein Verbrechen begehen würde, indem sie vor dem echten, aber unberechtigten Zorn Monsieur Barthous und vor dem unschlüssigen Unwillen Mister Lloyd Georges das Opfer ihrer Ueberzeugung bringen, die Sünde wider den Geist begehen und uns dadurch eine katastrophale Niederlage bereiten würde. Wir haben
gestern schon dieses Festbleiben als eine Selbst
«rstSttdllchkeit bezeichnet, da nur der Anucm(-«-^!M- ^' ^fN»ivÄWMÄN ÄM^M!-. waren, und sind, daß die deutsche Delegation die deutsche Delegation von der ersten vol.t.schen
bas Toben der Alliierten bereits bei dem Vertragsabschluß vorausgesehen und vorausgesetzt haben mußte. Ein Rückzug wäre für uns, abgesehen von einer neuen moralischen Selbstentmannung, fraglos von großem Nachteil ge« wesen.
Gewiß mag es für die deutsche Delegation nicht leicht gewesen sein, zwischen den zwei Stühlen, die ihr gestellt waren, herauszukommen, aber das ihr zur Seite stehende Recht konnte eine andere Stellungnahme nicht gut- heißen als die, die sie getroffen hat. Den Russen hat man es leichter gemacht, da man an sie eine Rügenote nicht geschickt hat. Die Alliierten haben hier mit zweierlei Maß gemessen, indem sie die ganze Flut der Anklage auf Deutschland häuften, Rußland aber völlig verschont ließen. Merkwürdig aber erklärlich, wenn man sich das energische Vorgehen der Russen Augen hält. Die russische Delegation hat verschiedene Trümpfe mitgebracht, vor deren Ausspielung die Alliierten die größte Angst haben. Paris und London sind wohlunterrichtet über jene die Kriegsschuld betreffenden Mate- rialien aus krn Kreml-Archiven, mit denen die Moskauer Vertreter in Genua aufzuwarten be» rett sind. Es liegt in Tschitscherins Hand, der ganzen Entente in jedem ihm zweckmäßig erscheinenden Augenblick die Maske vom Gesicht zu reißen und der Weltöffentlichkeit die Wahrheit über Kriegsbeginn und Kriegsschuld zu verraten, die bisher dank der immer noch fortwirkenden Propagandaarbeit der Gegenseite verhüllt und verschleiert geblieben ist. Aus den ausführlichen Berichten, die der Leiter der »~imes" über die geheimen Verhandlungen mit ( A Aussen in Lloyd Georges Villa der Oeffent- s'chkeit übergeben hat, ging deutlich hervor, daß im Beisein Barthous Lloyd George und Tschit- Icherin in Hachen der Kriegsschuldfrage recht hart aneinandergeraten sind. Lloyd George und «arthou hatten also alle Ursachen Rußland mit jyrcm Zorn zu verschonen, und ihn um so kräf- «3er über Deutschland niederprasseln zu lassen, va letzteres ja, Gott seis geklagt, trotz der gebo- ^"^^genheit, aus der Defensive nicht her-
Deutschland ist nun von der weiteren Teil- aayme an den Verhandlungen mit Rußland »usgeschlossen. 5Bir erblicken darin, wie schon ^iagt, keinen Nachteil, da Deutschland seinen vag mit Rußland besitzt. Dennoch heißt es lur de Deutschen auf der Hut fein, um nicht ausgeschaltet zu werden, bei Fragen, die für ^utfchland ein Interessen haben. Es wird da- wesentlich auf die Schärfe des Spursinns ver deutschen Delegierten ankommen.
Der Zwischenfall erledigt.
(Von unserem Sonderberichterstatter).
Genua, 21. April. Ich erfahre, daß
die
deutsche Delegation sich weigert, den Dertran von Rapallo zu annullieren, daß sie bereit ist, den Vertrag von Rapallo bis zur Deendi"nng der Arbeiten der Konferenz in Dispens zu lassen, und daß infolgedessen die Ententevertreter beschlossen haben, die in der bekannten Rote vor- gefebenen Sanktionen (Ausschluß aus der Ruß- landkommission) anzuwenden und daß Lloyd George am späten Rachmittaae beim Gn^fan-» der Pressevertreter erklärt hat, der Zwischenfall sei damit geschloffen erledigt worden.
Aus Einzelheiten hierüber ist folgendes mit« zu teilen: Heute vormittag hat Schanzer im Namen der Ententevertreter mit Rathenau eine Unterredung gehabt und ihm den Standpunkt in der alliierten Note bestätigt. Rathenau bot "chanzer gegenüber erk'ärt, die deutsche De'e- gation werde in keinem Falle den deutsch-russischen Vertrag annullieren, werde ihn ober bis zur Beendigung der Arbeiten der Konferenz zurückstellen lasten. Schanzer hat diese deutsche Antwort Lloyd George übermittelt, der in der Villa A'berti hierauf mit Schanzer, Barthou und Theunis frühstückte. Nachher fanden mit der deutschen Delegation neue Besprechungen statt. Angesichts der Weigerung der deutschen Delegation, sich vor der Aufforderung der Ententevertreter zu beugen, das heißt, den Vertrag zu annullieren, beschlossen dann die Ententevertreter, die vor-
Unterkommission, also von der sogenannten
russischen Kommission, auszuschließen. Um 4 Uhr nachmittags hat Lloyd George die Vertreter her internationalen Presse empfangen und ihnen den Entschluß der Entente-Vertreter mitgeteilt, die auf Grund der deutschen Antwort gefaßt wurde. Lloyd George schloß mit den Worten: Der Zwischenfall ist also erledigt, was so aufzufassen ist, daß, nachdem die Deutschen sich von der ersten Unterkommission zurückgezogen haben, die Meinungsverschiedenheiten gehoben sind. Von der Nachricht ist das wichtigste, daß Lloyd George er» klä.rt hat, der Zwischenfall sei erledigt, nachdem er mit Barthou über die deutsche Antwort verhandelt hat. Daraus kann geschlossen werden, daß Lloyd George diese Erklärung in Uebereinstimmung mit Barthou abgegeben hat.
Die deutsche Antwort.
Genua, 21. April. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, wird die deutsche Antwort an die Alliierten, die heute Freitag früh überreicht werden wird, folgendes ausführen: Deutschland überläßt es den Alliierten, ohne Deutschlands Zutun die Verhandlungen mit Rußland weiter zu führen, um diejenigen Fragen zu regeln, die im deutsch-russischen Vertrag geregelt wurden. Bei jeder russischen Fraae, die darüber hinausgeht, besonders den russischen Zukunftsfragen, wird Deutschland nach wie vor in der Kommission mitarbeiten.
Die Regelung dieser Fragen ist mit den AM- ierten besprochen, die Einigung hoher gesichert. Damit haben die Alliierten auf die vorgestern noch verlangte Annullierung oder Vorlegung ^es Vertrages zur Genehmigung oder stillschweigenden Beseitigung des Vertrages verzichtet.
Rathenau über den Verlransah'chlutz.
Genua, 21 April. Rathenau empfing den Vertreter des ,.Gorriere della Sera" in Genua und erklärte, Deutschland habe den Vertrag nicht eher unterzeichnet, um nicht mit gebundenen Hängen nach Genua zu kommen. Als die deutsche Delegation sah, daß die Hauptmächte si ) mit Rußland zu verständigen bemühten, ohne Deutschland hinzuzuzieben, fragten wir wiederholt England und Italien, ob das Verständigungsprogramm, auf Grund dessen die Hauptmächte verhandelten, in Hinsicht auf Deutschland verbessert werden könnte. Die Antwort lautete ausweichend. Was nun? Sollten wir die Dinge hingehen lassen auf die Gefahr hin in der Konferenz erklären zu müsten, daß wir dem unter Ausschluß Deut'cblan^s z«stande- gekommenen Abkommen ni^t betreten könnten? So haben wir uns entschlossen, den längst paraphierten Vertrag zu unterzeichnen. Ec be-
einträchtigt niemanden. Der Verzicht auf die Kriegsschulden ist gegenseitig. Die Sntere^en und Rechte Dritter sind ausdrücklich vorbehalten. Der Versailler Vertrag bleibt unversehrt. L_.r verzichten nicht auf fRe^fe, die uns zu» "ehrn. Illoyal wäre es gewesen, wenn mir die Rechte Dritter ausichalteten. England und 3*0» sien waren ebenfalls von uns unterrichtet und hatten keine Bedenken. Mit der UnterieP'rung hes Vertrages haben wir niemanden zuv"rkom- men wollen. Was uns bestimmte, war die Rat und die E^w^gung der deutschen Interesten, die vor dem Zusammenbruch standen, wenn wir nicht Mittel und Wege gefunben hätten, sie zu schüren.
(Aus dieser Erklärung ist erneut zu nehmen, daß nichts anderes oesckehen ist. als daß zwei Staaten, die trotz aller Diktate ihre Souveränität, wenn auch mühsam und eingeschränkt au^rechterhallen haben, mit einander einen Vertrag eing-nanaen sind, durch den keinerlei Re' te einer drillen Macht verletzt oder nur berührt werden. Wenn irgend etwas am Ver- T*tner Vertrag in M'tlcide-Ecbast aezagen wäre, wa- Poincarè immer noch trotz der Verneinung durch die alliierte SuriftenfommifHon behauptet, so könnte -s böchlt-ns der Geist der l'eberhebung sein, der sich m jenem berüchtigten Artikel 116 über ein Volk bc- moct, das mit d-m Vertrag als cvg-zem überhaupt llchts zu tun hat. Wir bedauern nur, daß die russische Neuerung noch keine geharnischte Erklärung an die Entente zustande gebracht Hot. D. Red.)
Emphase nochmals Sa! Ich glaube daran, daß aus dieser Konferenz ein glückliches, friedliches Europa hervorgehen wird, eine größere Entente, ich glaube, daß sie endlich die volle Harmonie zwischen den Völkern bringen wird. Ich wäre schon nicht mehr in Genua, wenn ich dar nicht fest glaubte."
Sie französische Presse unbefriebipL
Paris, 21. April. Die französischen Morgen- blätter gehen mit der Ansicht Lloyd George«, daß der Zwischenfall erledigt sei, nicht einig Das „E ch o d e Paris" schreibt: Wirth und Rathenau sind zu dem Schluß gekommen, daß sie aus der Untcrkommission der Konferenz aus* scheiden, da sie dann von Rußland unterstützt stärker sind, als wenn sie um den Preis der Trennung von Rußland wiederum in die Un- kerkommission zurückkehren können. Die deutsche Delegation vertritt die Ansicht, daß übrigens lebe internationale Erledigung der russischen "trage ohne die deutsclze Mitwirkung unmöglich ''L Die Pariser „DailyMail" schreibt, d i e Alliierten sind wiederum genarrt roor» den. Die deutschen Delegierten sind ausge» stoffen und behalten den Vertrag mit den Rusten. In der Hand der deutschen Delegation zeigt sich die Hand von Stinnes. Wirth empfahl eine Verständigung, aber Rathenau war für öffentliche Herausforderung.
Aus diesen Pariser Blätterstimmen, die mehr oder weniger bestimmt gegen die von Ll0"d George und schanzer gefundene Lösung sich aussprechen, geht noch nicht genügend hervor, wie sich die französische Regierung zu der Forderung der Annullierung des Vertrages von Rapallo weiterhin stellen wird.
Aus den Kommissionen.
Eine Rede der Reichswirtschafksmlnister» Schmidt.
Genua, 20. April. In der Sitzung der Unter» kommission des Wirtschaftsausschusses hielt ^HfoSBMJCifÄa|to^ O d) mich t HMLâßâ in der er u. a. austührte:
Cs ist richtig, daß in den niedrigvalutarischen Ländern die Produktionskosten geringer als in den hochvalutarischen Ländern sind. Dieser Zustand hat ür uns nichts Er'reuliches. Jedes meltere Sinken der Mort in Deuts (land beantwortet der In- landsmartt sofort mit einer Warenpreiserhöhung Deshalb steht das Währungspro- 6 l e m an erster Stelle, und es entscheidet über den Erfolg aller rein wirtschaftspolilischen Maßnahmen, die hsä)valutarischen Länder sperren die Einfuhr durch Zölle und Verbote, wir tun das Gleiche, aber die Gründe sind verschieden. Für die hochvalutarischen Cänber bedeutet es vielfach einen Schutz für die Industrie, für Deuts' land speziell ist es die Sorg« um eine Beff-rung der Zahlungsbilanz. Wir f i n 1 gar nicht dle bösen Konkurrenten wi« angenommen wird. Im Cinzelfall kann di« Konkurrenz schwer empfunden werden, in der Ge- famtwirkung liegt eine gewal igeU eberschätzung vor. Deutschland z. B. hatte im Jahre 1313 an bet gesamten Fabrikaienaussuhr der Welt einen Anteil von 8 Prozent, im Jahre 1921 ungefähr 5 Prozent. Unter Abrechnung der Kohlenaussuhr ist die Meng« der deutschen Ausfuhr von monatlich 2% Millionsll Tonnen im Jahre 1913 auf monatlich rund 1 Million Tonnen im Jahre 1921, also auf 4 0 Prozent gefallen
Die wirtschaftlich schwachen Staaten sind nicht nur die Gebenden, sondern auch die N e h m e n d e n. Der zerrüttete Markt in Osteuopa nimmt vor allem den Rohstoffe ai'sführenden Ländern einen großen Teil ihres Absatzmarktes, rüttelt an den wirtscha,t< lichen Grundfesten aller Staaten und treibt den Schwachen immer tiefer in den Verfall. Aber es ist ja nicht nur der Markt in Mittel- und Osteuropa, der geschwächt ist.
In Dcutsasta.ch istderDerbrauchanBrot- getreibe um 24 Prozent, an Fleisch um 60 Prozent zurückgegangen. Spricht nicht der Rückgar-z in der Wcltproduk.ion für meine Auffassung? Eisen und Stahl, Kohle und Laümwolle sind weit unter die Wcltproduklion von 1913 aefunfem So komme ich zu dem Ergebnis: Wir müssen die Produktion erhöhen durch gesteigerte Kaus» traft des Volkes und zugleich für die Zufuhr von Rohsto fen den Wea frei machen. Aber wenn die Veriretsr ron Südslawien neuen großen Antest an der Reparation verlangen, so sage ich, « kann nicht der Au'bau des wirtschafstich schwachen Staates mit der Bedrückung eines zahiungsunsähigen erreicht werden.
Die Rede wurde mit großer Aufmerksamkeit angehört.
— Die Operation Lapps. Nach der Einlieferung Kapps in städtische Krankenhaus mußte die Operation vorgenommen werden, da das Geschwulst hinter dem linken Auge stark zuge» nommen hatte. — Den „Leipziger Neuesten Nachrichten" wird aus Saßnitz gemeldet, daß Kapp bei seiner Festnahme den Kriminalbeamten gefragt habe, ob auch General Lüttwitz schon in Deutschland eingetroffen sei. Kapp rechnet nämlich mit der Selbststellung der übrigen Mitschuldigen am Kapptlnteroehme« schon für die nächste Seit
$Me Grosse de L'vn" Gevr-e. (Von unserem Sonderberichterstatter).
Genua, 20. April. Heute nachmittag 4 Uhr versammelten sich die gesamten Pressevertreter Genuas in dem bekannten Festsaale, der schon die Eröffnungssitzung gesehen hatte. Lloyd George gab hier nach einer Rede, in der er, wie schon berichtet, den deutsch-russischen Zwischenfall für erledigt erklärte, auf verschiedene Fragen, von wem und wo sie auch kommen mochten eine Antwort.
Erste Frage: „Wußten Sie etwas von dem Vertrag von Rapallo?" — „Absolut nichts."
Zweite Frage: „Worauf gründen Sie Zhke hoffnungsvolle Aeßerung. daß der ZwfschenfaÜ überwunden sei?" — „Weil ich hoffe, daß die Deutschen die ihnen gestellten Bedingungen an» nehmen werden, daß sie also darauf verzichten, fortan in den Sitzungen der russischen Kommission teilzunehmen, und so den Fortgang der Konferenzarbeiten nicht stören werden."
Dritte Frage: „Es gab in den letzten Tagen viel Lärm um nichts. Man fürchtete, daß die Konferenz durch den Zwischenfall gestört werden könnte." — Das war ein kleiner Zwischenfall. Wir waren auf dem Fuße der Gleichberechtigung zusammengetreten, um die gemeinsamen Fragen zu erledigen, welche die Welt beunruhigen, aber die Deutschen haben es vorgezogen hinter dem Rücken ihrer Kollegen einen Separatvertrag zu schließen. Wenn wir es so gemacht hätten, würde die Kritik in gleichen: Maße eingesetzt haben. Es handelte sich nicht um einen kleinen Zwischenfall, sondern um eine sehr ernste Sache."
Vierte Frage: „Glauben Sie, daß es die Absicht der Deutschen und Russen war, die Konferenz zu sprengen?" — „Diesen Eindruck habe ich nie gehabt."
Fünfte Frage: „Ist nach diesem Zwischenfall die Arbeit der Konferenz beeinträchtigt?" —„Ich glaube nicht, daß zu viel kostbare Zeit verloren gegangen ist. Wir werden die Arbeiten fortsetzen und ich erkläre in feierlicher Form, daß wir da sind, um den Frieden zwischen den Völkern zu sichern, da die Konferenz sonst ihren Zweck verfehlt hätte."
Sechste Frage: „Wer ist die zweite Gruppe, die die Konferenz in die Luft fliegen sehen möchte?" — „Diese Gruppe besteht aus denjenigen, die den Haß und die Konf.ikte verewigt sehen wollen "
Siebente Frage: „Sind persönliche und private Verhandlungen auf der Konferenz zulässig?" — „Sie sind auf der Konferenz nicht nur zulässig, sondern sogar notwendig, aber sie dürfen nicht ausarten."
Achte Frage: „Liegt dem deutsch-russischen Vertrag die Absicht zugrunde, die Konferenz zum Scheitern zu bringen?" — „Ich glaube nicht, daß dies die Absicht des Vertrages gewesen ist, aber der Vertrag wäre geeignet, den Schiffbruch berbeizuführen."
Neunte Frage: „Werden die Arbeiten der Konferenz vom Völkerbünde fortgesetzt und werden dann Deutschland und Rußland in den Völkerbund ausgenommen?"—■ „Beides ist anzunehmen. Der Völkerbund kenn seine Ziele nur dann verwirklichen, wenn ihm alle Nationen tm.ie Unterschied angehören. Ich wünsche daher sehr, daß dies bald der Fall sein wird."
Die letzte Frage: „Glauben Sie an einen Erfolg der Konferenz?" — „3a 1 SÄ sage mit