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General-Anzeiger

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V

Nr. 86

Dienstag den 11. April

1922

Sie WWW W M M AW.

Nssprachen der Vertreter von Italien,

(Sonderbericht).

Genua, 10. April. Heute nachmittag kurz nach 3 Uhr wurde im Palazzo Reale die Konfe­renz von Genua eröffnet. Der italienische

Ministerpräsident d e F a c l a

begrüßte die Erschienenen und wies auf die» große Bedeutung der Konferenz hin. Insbe­sondere betonte er, daß die Länder in Mittel­und Osteuropa, besonders Rußland, das feine wichtigen Funktionen im europäischen Wirt­schaftsleben wieder gewinnen müsse, nicht länger mehr aus dem Umkreis der europäischen Wirtschaft ausgeschaltet bleiben könnten. Wie : durch die Washingtoner Konferenz die großen

Wolken des Stillen Ozeans verschwunden seien, so müsse auch in Genua auf den Frieden hin ge­arbeitet werden. Italien sei bereit, die Hinder­nisse zu bekämpfen, die der Entwicklung des Handels durch eine Politik der Verbote ent­gegengestanden seien. In finanzieller Hinsicht sei Italien geneigt, mit den andern Staaten alle Lösungen zu prüfen, um den allgemeinen Zustand der Finanzen zu bessern, den Geldum­lauf einzudämmen und die Wechselkurse auszu­gleichen. Die Ansprache wurde ins englische und französische übersetzt. Lloyd George sprach darauf in kürzeren Worten seinen Dank aus und schlug vor, de Facta zum Präsidenten zu wählen. Nach ihm ergriff

der französische Delegierte Darlhou

das Wort. Er führte aus:

Ich bringe dieser Konferenz, woraus eine Neuorientierung der Welt hervor- <*e»rfumi, die überlegt Httlmue HA lpHâh- Mitarbeit Frankreichs entgegen. Als Lloyd Ge- Urge in Cannes die edle Initiative ergriff, die Konferenz einzuberufen, wurde die Zustimmung Frankreichs sofort gegeben und wenn Frank­reich seitdem einen nützlich angewandten Zeit­aufschub forderte, so geschah dies in der Absicht, um durch eine vollkommenere Vorbereitung die Resultate zu erzielen, auf welche Frankreich sein Vertrauen und seine Hoffnung setzt. Die Welt ist leerer Worte und feierlicher Erklärungen müde, denn diese sind nur fruch tlose D e» k l a m a t i o n e n. Die Welt leidet in ihrer Ge- sundheit, in ihrer Sicherheit, in ihrer Tätigkeit und sie fordert, daß eine Methode und eine wirksame Aktion ihr endlich das wiedergebe, dessen sie bedarf. Wir sind hierher gekommen, um zu verhandeln. Wir sind nicht bloß Beobach­ter. Wir sind mit Sympathie hier bereit, unsern Anteil an dem Wei-k und an der gemeinsamen Verantwortlichkeit zu übernehmen. Wir ver­heimlichen uns nicht die Schwierigkeiten und die Hindernisse dieser Aufgaben. Aber die Pessi­misten sind ohnmächtig. Nur das Ver­trauen, das stete Vertrauen, kann die Welt retten. Europa ist mit Ruinen bedeckt. Es wäre verrückt zu glauben, daß ein Zauberstab mit einem Schlag aus all diesen Rui­nen ein Zauberschloß errichten könne. Er wäre eine noch ungeheuerlichere und noch mörde­rischere Torheit, sich auf dem Wege mit gekreuz­ten Armen niederzusetzen und nichts zu tun, well zu viel zu tun ist. Europa, um nicht zu sagen die Welt, ist eine wirtschaftliche Einheit, welche der Krieg gelähmt hat. Selbst jene Völ­ker wurden geschädigt, die am Kriege nicht teil nahmen. Von jedem dieser Völker, welches auch die politische Form seiner Regierung sein möge hängt es ab, ob es an diesem gemeinsamen Werke mitarbeiten will. Ohne diese Mitarbeit gibt es keine Zivilisation. Die französische Ab­ordnung will niemals ein Wort des Hasses, sie will niemandes Erniedrigung und will in vollem Lichte handeln, da sie nichts von ihrer Ideen und nichts von ihren Absichten zu ver­bergen hat. Sie ist beseelt von dem besten Dillen und deyr Vertrauen, ohne welches es Mrtzlos und vielleicht gefährlich wäre, an dieses Werk zu gehen. FriedenundArbeit find das Programm und die Tagesordnung Frank­reichs.

Es folgten dann kurze Reden der Vertreter Japans und Belgiens, worauf

Reichskanzler Dr. Wirth das Wort ergriff und zunächst der italienischen Regierung den Dank für die freundliche Auf­nahme in der berühmten und altehrwürdigen vtadt Genua, an dem gesegneten Strande des Ligurischen Meeres, an dem zu allen Zeiten die Kranken aus aller Welt Linderung und Hei­lung ihrer Leiden und Genesung von ihren Krankheiten gefunden haben, aussprach. Dr.

Frankreich, Deutschland und Ruhland

Wirth fuhr dann fort: Auch wir suchen hier Heilung von einer anderen Art von Krankheit, die nicht einzelne, sondern ganze Völker und die ganze Welt ergriffen hat, denn die ganze Welt ist heute wirtschaftlich krank und in der Gefahr, einem Siechtum zu unterliegen, das viel ver­hängnisvoller wäre für die Zukunft der Mensch­heit als jene Krankheiten, die non Zeit zu Zeit die Menschen heimsuchen. Wir müssen uns entschließen, die wirtschaftlichen Probleme als rein rvirtschastliche zu erkennen und sie von den politischen Zielen und Differenzen loszulösen. Alle Völker der Erde bilden, wirtschaftlich ge» 'ehen, eine große unlösbar verbundene Einheit. Auch das kleinste Glied in der großen Kette der Weltwirtschaft kann nicht verletzt sein, ohne daß die Kette reißt. Darum muß ein Grundsatz der Gleichberechtigung aller Völker bei unserer ge­meinsamen Arbeit herrschen. Die Reichsregie- rung hat eine schwere Verantwortung auf fi^ geladen, bei der jetzigen unsicheren Lage unse­res Landes und Volkes das Schwergewicht ihrer politischen Tätigkeit vielleicht auf Wochen hin­aus außerhalb des Landes zu verlegen. Aber noch schwerer wäre die Verantwortung ge­wesen, von dieser Konferenz fern zu bleiben und sich an der Aufgabe der gemeinsamen Lösung der europäischen Probleme nicht zu beteiligen. Die deutsche Regierung ist im vollsten Sinne bereit, an den der Konferenz gestellten Arbeiten mitzuwirken, in der Hoffnung, daß auch die anderen hier versammelten Mächte im gleichen Geiste Mitarbeiten werden. Dieser Geist muß getragen sein von der Bereitschaft, dasMi ß - trauen z u beseitigen, das seit vielen ^'ren die Weltatmosphäre trübt, und von der -Bereitschaft aller,,wenn es möglich ist, für das Wohl des Ganzen auch O pf er au bringen und auf eng gesehene Interessen zu verachten. Die Auffassung, daß es der wirtf^astsiche Vor­teil eines Landes ist, wenn es den anderen Ländern schlechter geht, ist durch die weltwirt- 'chaftliche Einsicht bereits längst überwunden worden, die erkannt hat, daß die Blüte eines Landes allen anderen Ländern zum Vorteil wird und daß ein allgemeiner Wohlstand den Frieden verbürgt. Die europäischen Staaten müssen daher mit Entschlossenheit und Mut auf dem gegenwärtigen Wege halbwachen, zu dem System des ungehinderten Han­de l s zurückkehren und den Wirtschaftsverkehr von allen Fesseln freimachen. Ueberall wartet man daraus, ob oonGenuaeine Heils­botschaft in die Welt gehen wird.

In diesem Geiste werden wir hier alle Vor­schläge prüfen, sie nicht allein nach unseren eigenen Interessen erwägen, sondern darauf­hin, ob sie geeignet sind, uns dem gemeinsamen Ziele nâherzubrigen. Wir werden aber auch von uns aus diejenigen Vorschläge machen, von denen wir glauben, daß sie allen Völkern den Weg zu einer glücklicheren Zukunft ebnen werden. Wenn ich in diesem Kreise vieler Völker heute das Wort ergriffen habe, so be­rechtigt mich dazu die besondere Lage meines Landes. Deutschland ist infolge seiner geographischen Laos in Mitteleuropa, infolge seiner engen Verflechtung mit der ge­samten, auch mit der überseeischen Weltwirt­schaft. durch die Not unserer Zeit mit am mei­sten betroffen worden. Das Problem der deut­schen Wir^aft ist untrennbar verbunden mit len Schwierigkeiten, über welche die anderen Nationen zu klagen haben. Die deutsche Not. ist die eine Seite, die Not der übrigen Völker die andere Seite der Weltkrise. Die Ver: dandlunqen, die wir zu führen haben, werden die verschiedensten Gebiete des Wirtschafts- ebens, des Verkehrs, Handels und der Finanz­wirtschaft wie überhaupt alle Fragen der durch gemeinsame Zivilisation verbundenen Volker u behandeln haben. Die Größe dieser Aufgabe : uns ein Ansporn sein, daß die Derhand- 'unqen der Konferenz von allen Seiten mit wnem gewesen Optimismus geführt werden, der alle großen Werke beflügeln muß. Ick bm lewiß. mit diesen meinen Worten keinem Son- Vergefühl Ausdruck zu geben, sondern die ge- meinsame Ueberzeugung aller hier vertretenen Nationen auszusprechen.

Die Rede des Reichskanzlers wurde mit grobem Beifall ausgenommen. Dann kam es bei der

Rede Tschillcherins zu einem Zwischenfall. Der Ruffe, mit der größten Spannung erwartet, warf die Frage der Ä b r ü st u g auf, die Rußland befürworte, wenn finanzielle Reziprozität und Sicherung gegen Angr'"? gewährleistet sei. Der Franzose Ä a r t h o u protestierte und erklärte, daß die Fra-» e der Entwaffnung nicht akut sei. Sie ranzösil^" Delegation mäste sich bestimmt wei­gern. sie bel-ondeln zu lassen. Lloyd Ge­orge versuchte, zwischen Tschitscherin und Barthou zu vermitteln. Tschitlckerin habe es nickt bäte gemeint. Die Abrüstung sei eine Frage der Zukunft, der Genua die Bahn frei­machen müsse, wenn nicht bie Konferenz zu

die sckematsiche Cinfühning des Achtstunden­tages, durch Beseitigung desGedingelohnes und des Lohnsystems, das auf Berücksichtigung der Verantwortlichkeit und Schwere der Dienst­leistungen sowie der Altersunterschiede beruhte.

Die Pläne der Regierung, die im Arbeits- Acitgefeß und im Roicksbahnfiyanzgesetz gipfeln, können die Fehler nicht beseitiaen. Vielmehr 'ei zur Trennung der Eifenbahnfinanzen von dem Reichshoushalt die Schaffung eines selbständigen R i s i k o t r ä g e r s not­wendig. Auch die Cntpolitiüerung läßt sich nur dadurch erreichen, daß die Reichsbahnen vom Reich losgelöst werden. Den einzigen Ausweg sieht die Denkschrift in der Ueberführung der Eisenbahnen aus dem Besitz des Reiches an ge- meinwirtschaftlich orientierte Faktoren, also an bie Volksgemeinschoft, vertreten durch die Be­rufsstände, die unabhängig von parteipolitischen Grundsätzen und Strömungen für die sachliche ^örberuna des Unternehmens eintreten werden. Aus der Kritik erwachst zwanasläuffa der Vor­schlag, eine gemeinwirtsckaftlichc Aktiengesell­schaft zu schaffen, mit überwiegender Beteiti- gung der freien Wirtschaft und unter unbe­dingter Ablehnung des ausländischen (Einflusses auf unser deutsches Cifenbahnroefen.

Als Hauptträaer der Gesellschaft sind ge­dacht: Landwirtschaft, Handel einschsteßlich Vank-n, Industrie und Handwerk, außerdem die Gewerkschaften, Gemeinden. Weiter ist eine Beseitigung der Beamten- und Arbeiter­schaft der Reichseifenbabnen, sowie des Reiches und der Länder vorgesebew Dem Reiche wie den Ländern bleibt Aussichtsrecht und Gewinn- antet! gesichert.

Als Aktienkapital werden fünf Miliar- denMark vorgesch'agen. Den Anteilseignern soll eine mäßige Kapitalabfindung von 6 o. H gemehrt und der ihnen als Tränet des Risiko gebührende Gewinn auf dix Hälfte beschränk-, werden. Für die Uebergangsgeit ist mit Be- triebszuschüssen zu rechnen."

- ärlislen-Krawark in Wien.

Wien, 8. April. In der Kapuzinerkirche fand heute um 9 Uhr vorm. ein von der Partei der schwarzgelben Legitimisten veranstaltetes Requiem für den verstorbenen Exkaiser Karl statt. Nach der Trauerfeier begab sich eine Ab­ordnung der Legitimisten unter Führung des Herausgebers der Staatswehr, Obersten Wolff, zum Vizekanzler, um ihm die Wünsche der Legitimisten vorzutragen. Diese Abordnung mürbe, von einer Gruppe von Gegnern der Le­gitimisten verfolgt, und in der Spiegelgasse kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den beiden Gruppen. Es entstand ein heftiger Wortwechsel, der schließlich in Beschimpfungen ausartete und eine Menschenansammlung zur Folge hatte. Die Wache schritt ein und zerstreute die Menge nach einigen Identitätsfcststellungen- Sie Ab­ordnung ersuchte den Vizekanzler, die Regie­rung mochte es ermöglichen, daß die Leiche des verstorbenen Exkaisers in Oesterreich bestattet werde und daß es im Gesetzeswege möglich ge­macht werde, daß die Familie des Verstorbenen in Oesterreich Aufenthalt nehmen könne. Der Vizekanzler erwiderte, daß er die vorgebrachten Wünsche im Schoße der Regierung vortragen werde. Gestern abend legten die Mitglieder der Partei der sckwarzgelben Legitimisten unter geistlicher Assistenz auf die Parteifahne den Treueid für Kaiser Otto ab.

Volksentscheid in Sachsen.

Sie deutschnationale Landtagsfraktiost Sach» sens hat sich noch am Mittwoch an den Hanbes' vorstand der Deutschnationalen Partei gewen­det, um die erforderlichen Schritte für ein Volksbegehren und anschließenden Volksent­scheid über bie Frage der Erklärung des 1. Mat und 9. November als gesetzliche Feiertage zu veranlassen. Der Landesoorstand hat bereits alle notwendigen Schritte in die Wege geleitet, um der Regierung den Antrag auf Volksbe­gehren baldmöglichst zugehen zu lassen. Die in dem Gesetz über Volksbegehren und Volksent­scheid vorgeschriebenen Summen brauchen nicht beigebracht zu werden, da die Deutschnationale Partei glaubhaft machen kann, daß 20 006 ihrer Mitglieder den Antrag unterstützen. Es ist also für eine möglichste Beschleunigung des Verfahrens gesorgt und es wird nunmehr an der Regierung und am Oberverwaltungsasricht sowie später am Landtag liegen, ob der Volks­entscheid noch vor Beginn der Sommerseries und der Ernte vor sich gehen kann. Fest scheint schon heute zu stehen, daß vor dem 1. Ma, der Volksentscheid nicht mehr durchgesührt werden kann, so daß also der 1. Mai bereits gesetzlicher Feiertag ist. Volksbegehren und VolksentschsK, haben keiocrlri auffchisbende Wirkuvy,

einer Neerlage werden solle. De Facta wußte hiernach Ts^itscherin und Barthon zu bestimme, nickt mehr d"- ^»"rt zu ergreifen.

Heute werden um IOK Uhr in der Fort­setzung der Konferen»Verhandlungen die kleinen Staaten at nt^tneife durch je einen Redner zu Worte kommen.

Annahme der Lanner Bedingungen durch die Russen.

Genua, 11. April. Die russische Delegation für Genua hat die in Cannes für ihre Teil­nahme aufgestellten Bedingungen bedingungs­los und restlos angenommen. Dieses Vorgehen der russischen Delegation hat in allen Konfe­renzkreisen einen guten Eindruck gemacht und man sieht infolgedessen den Arbeiten der Kon­ferenz wieder mit mehr Optimismus entgegen.

Lloyd Oevraes PISve.

Genua. 11. April. Rach Gerüchten, die in Genua umlaufen, trägt sich Lloyd George mit der Absicht, das Reparationsproblem in Genua unbedingt in Verbindung mit den Kriegsschul­den der SMiierten zur Sprache zu bringen. Er werde sich dabei an die bekannten Pläne des engl. Schahkanzlers Sir Robert Horne halten, die darauf ausgingen, einen Schuldenausgleich zwischen den Alliierten und Deutschland herbei­zuführen. England würde darin Frankreich den größten Teil seiner Schulden Nachlassen unter der Bedingung, daß Frankreich einen ebenso­großen Abkrennungsskrich unter seine Repara­tion-Forderungen gegenüber Deulschland vor­nehme. Gleichzeitig heißt es, wie schon gestern gemeldet, daß Lloyd George auch für eine zehn- ^ige Ruhepause in den europäischen Rüstungen Eintreten werde.

Frankreich will das Rheinland erheiraten.

Kreuznach, 8. April. Vom Oberkommando

Kommandobehörden eine geheime Anweisung ergangen, bei Heirat von Angehörigen der fran­zösischen Besatzungstruppen mit einer Rhein­länderin, deren Herkunft als Rheinländerin einwandfrei feststeht, in Zukunft keinerlei Schwierigkeiten mehr zu machen, sondern im Gegenteil derartige Heiraten nach Möglichkeit zu begünstigen. *

Das ist der neueste Weg in die Herzen der Rhein­länder, den Frankreich einschlügt. Kann es das Rheinland nUt mit Gewalt oder List erobern, so will es jetzt mit Hilfe der Soldatenliebe das Land erheiraten. Dazu gehören aber nicht nur liebebedürf­tige Poilus, sondern auch die nötigen Rheinlände- rinnen. Die aber werden den Landesfeinden auf ihre Werbungen die Antwort nicht schuldig bleiben, die in solchen Fällen eines deutschen Mädchens wür- dig ist. *

Der Reichsverband der Deutschen Industrie über die Etsenbahnsrage.

Eine Kommission von Sachverständigen, be­stehend aus Unterstaatssekretär a. D. Franke, Generaldirektor Henrich, Geh. Baurat Martiny, Abg. Quaatz und Eisenbahndirektionspräsident a. S. v. Schaewen, hat in den letzten Wochen auf Wunsch desReichsverbandes der Deutschen Industrie" eine eingehende Untersuchung über die wesentlichen Ursachen des Zusammenbruches der deutschen Eisenbahnen und über die Mög­lichkeiten chrer Gesundung angestellt. Das Er­gebnis wurde der Regierung als Unterlage für die Verhandlungen in Genua übermittelt In der Denkschrift wird festgestellt, daß es den deut­schen StaatseisenbahneN während des Krieges gelang, ihre Finanzen in Ordnung zu halten, daß erst im Jahre 1917 die Betriebszahl, das Verhältnis der Bruttoausgaben zu den Brutto­einnahmen, auf dieungewöhnliche Höhe" von 82 v. H. stieg, gegen 70 v. H. in der Vorkriegs­zeit, daß abererst mit dem allgemeinen Zu­sammenbruch des Jahres 1918 der finanzielle Zusammenbruch eintrat". Die Ursachen der Verluftwirtfchaft führt die Untersuchung im wesentlichen auf folgende Umstände zurück:

1. die mangelhafte Ausnützung des mechani­schen Apparates und den stark gesunkenen Verkehr, ,

2. oas übermäßige Anwachsen der Personal­bestände,

3. das zu späte Einsetzen von Tarifer­höhungen. , , _

Die Denkschrift kommt dabei zu folgendem Ergebnis: Die übergroße Beanspruchung des mechanischen Apparates hat keinen oder nur ge­ringen Einfluß auf die laufenden Fehlbeträge. Es i^ auch nicht richtig, daß die Anforderungen nach Sm Kriege die Ursachen des Fehlbetrages sind. Im Gegenteil wurde 1919 nur der halbe Betrag für die Beschaffung von Fahrzeugen auf­gewendet wie in den Vorjahren. Die zu ge- imge Leistungsfähigkeit wurde gesteigert durch