Hanauer S Anzeiger
General-Anzeiger
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Ar. 85
Montag den 10» April
1922
Das Neueste.
— Gestern um 8.10 Uhr ist die deutsche Delegation mit dem Reichskanzler und dem Außenminister in Genua angekommen. Sie wurden vom Minister Bessi empfangen. Die Aufnahme der Deutschen an der italienischen Grenze war mustergültig.
— Die Alliierten haben gestern in Genua eine Vorkonferenz abgehalten. Die Eröffnungssitzung findet heute statt.
— Der Londoner Korrespondent des ,Temps" spricht von einer möglichen Ueber- raschung in Genua. Er will wissen, daß Lloyd George den Vorschlag eines zehnjährigen europäischen Burgfriedens machen werde.
— Das Sachleistungsabkommen ist nach weiteren Verhandlungen zwischen dem Ministerium für Wiederaufbau und dem Vertreter der Reparationskommission unterzeichnet worden.
— Der Bundestag der Deutschen Beamten prach sich für die Aufhebung des Besoldungsperrgesetzes, für Beibehaltung des Umlagever- ahrens für Getreide aus und nahm eine Ent- chließung gegen die wucherischen Preiserhöhungen an.
— In Gleiwitz (Oberfchl.) ereignete sich gestern eine schwere Explosion, bei der mehrere französische Soldaten getötet wurden.
— General der Infanterie o. Falkenhayn ist am Samstag gestorben.
Genua. (Sonderbericht).
Genua, 9. April. Das,Spiel in Genua hat am heutigen Sonntag mit einer Vorbesprechung unter den Alliierten begonnen — über die Aussichten dieses Spieles läßt sich noch nichts be- stimmtes sagen. Sind doch alle Beteiligten, aufs Raten angewiesen, und erst, wenn sämtliche Delegierte zusammengekommen sein werden, wird man die Aussichten der Konferenz abschätzen können. Selten ist eine Konferenz mit so großer Unsicherheit und Planlosigkeit aber auch mit so wenig Charakter begonnen worden, denn es liegt in der Luft, daß auf dieser Konferenz ein gewaltiges Feilschen und Handeln anheben wird, und darum ist der Schauplatz der Eröffnungssitzung über dem Gewimmel des Hafenhandels von Genua nicht übel gewählt. Aber wie dieses kleine Volk der Händler und Käufer die Schiffe im Hafen immer vor Augen hat, die auf die hohe See und ins Freie fahren, so werden auch die großen Herren, die um Europa würfeln, sich doch nicht von der Erkenntnis frei machen können, daß die Völker den Frieden und die Verständigung von ihren Be- fölüffen erwarten. Sie sind trotz allem Gebundene, mit jeder Konferenz mehr, und sie können nichts voreilig abbrechen, sondern werden nach den Wegen suchen müssen, auf denen die Gerechtigkeit gefunden werden kann. — Die
Vorbesprechungen an Ort und Stelle unter den französischen, englischen, italienischen und belgischen Vertretern begannen heute vormittag 11 Uhr und dauerten bis 1 Uhr. Eine zweite Sitzung wurde um 4 Uhr nachmittags abgehalten. In dieser hielt Facta eine Begrüßungsansprache in italienischer Sprache, die ins Französische und Englische übersetzt wurde. Sodann wurde S ch a n z e r zum Präsidenten der Vorbesprechung gewählt und hielt auf französisch eine Ansprache. Man unterhielt sich hauptsächlich über die bei der Konferenz zu befolgende Methode. Die Delegierten äußerten den Wunsch, daß man so rasch wie möglich zu praktischen Ergebnissen kommen möge. In der Vormittagssitzung wurde die Frage, ob alle eingeladenen Staaten durch Annahme der Einladung von vornherein das in Cannes aufgestellte Programm für die Konferenz von Genua anerkannt hätten, nicht erörtert. — ^lls Lloyd George den Sitzungssaal verließ, gab er seiner Genugtuung über die erzielten Ergebnisse Ausdruck, indem er erklärte: »Alles ist gut gegangen; es hat keine Verwundeten gegeben. — Außer obigen Besprechungen hat heute morgen im königlichen Palast eine
Vorbesprechung mit Tschitscherin stattgefunden, an der d e F a c t a und S ch a n- zer einerseits und Tschitscherin, Lloyd ® e o r g e und Barowski, dem bolschewistischen Gesandten in Rom, andererseits teil- aahmen. Außerdem wohnte der Konferenz, die von 9% bis 10 Uhr dauerte, der italienische Hauptsachverständige Giannini bei. Die Italiener waren von der Zusammenkunft mit den Bolschewisten sehr befriedigt und betonten haft biete ihren guten Willen bekun
deten, an dem Werk der Konferenz nachdrücklich mitzuarbeiten. Man sprach nicht über die Frage der Anerkennung der Sowjetregierung, sondern erörterte nur die Methoden, die von der Konferenz eingeschlagen werden sollen, um ein nützliches Ergebnis zu zeitigen. Als sich das Gerücht über die Anwesenheit der Bolschewisten im königlichen Palast in der Stadt verbreitete, sammelte sich eine ungeheure Menschenmenge an. Es kam zu keinerlei Zwischenfällen.
Die Eröffnungssitzung
findet morgen Montag statt und wird nachmittags 3 Uhr beginnen. Lloyd George wird der povisorische Präsident sein und zwar deshalb, weil er der einzige Minister ist, der auch an den Beratungen von Cannes teilnahm. Er wird eine kurze Begrüßungsansprache halten und wird de Facta zum definitiven Hauptpräsidenten vorschlagen. Der Antrag wird angenommen werden, worauf de Facta seine Begrüßungsansprache halten wird. Auf diese werden Lloyd George, Barthou und Tschitscherin erwidern. Sodann wird sich die Eröffnungssitzung der Konferenz mit der Regelung der technischen Einzelheiten über den einzuschlagenden Verhandlungsgang beschäftigen. Die Grundsätze für die Arbeitsmethode sind heute von den Alliierten festgesetzt worden. Die Eröffnungssitzung wird von 3—7 Uhr dauern. Sollte es nicht möglich sein, die Tagesordnung vollständig zu erschöpfen, so wird am Dienstag über dasselbe Programm weiter verhandelt werden. Außer der Wahl des definitiven Präsidenten wird namentlich morgen die Einsetzung des Generalsekretärs, sowie die der verschiedenen Kommissionen erfolgen. Außerdem wird man die Absendung eines Begrüßungstelegramms an den König Viktor Emanuel beschließen, der übrigens den Wunsch äußerte, persönlich im Laufe der Beratungen nach Genua zu komMn. Richt ganz sicher ist, ob de Facta wirklich endgültiger Präsident sein wird, oder ob diese Würde «chanzer zufällt, da de Facta vielleicht gezwungen sein würde, im Laufe der Konferenz nach Rom zurückzukehren.
Die Sitzordnung für die morgige Tagung erfolgt in der Weise, daß an einem Quertisch die Vertreter der einladenden Machte, an zwei Seitentischen nach alphabetischer Reihenfolge die anderen Vertreter Platz nehmen werden Deutschland figuriert nach dem italienischen Alphabet unter dem Buchstaben E (Germania). Nach dieser Reihenfolge befinden sich die Plätze der deutschen Delegierten cm oberen Ende eines der Seitentische, dicht bei den Sitzen der Engländer, von denen sie durch einen schmalen Gang getrennt sind.
Genua: der eursPmsche Burgfriede.
Paris, 10. April. Der „Temps"-Korre- spondenk in London spricht von der Möglichkeit, daß die Konferenz von Genua wie die von Washington seinerzeit mit einer großen Ueber- raschung beginnen könnte, indem Lloyd George wie Hughes, der in Washington die Ab- rüslungsfrage in Lie Diskussion geworfen hatte, den Vorschlag eines europäischen Waffenstillstandes von zehnjähriger Dauer machen werde. Dieser Wasfen- siillsiand sei als Vorläufer für alle Abrüstungs- Vorschläge gedacht. Es fei auch möglich, daß eine andere Delegation diesen Vorschlag eines europäischen Burgfriedens erheben werde. Ein Fingerzeig dafür sei das Abkommen von Riga vom 30. März, worin Sowjetrußland, Polen, Esthland und Lettland sich bereit erklärten, in Genua praktische Vorschläge zu machen, um gegenseitig gegen Angriffe und jede Rechtsverletzung zu wahren. Der Londoner Korrespondent des „Temps" glaubt, daß man in London der Ansicht fei, daß ein solches Vorspiel zur Konferenz dank der pazifistischen Inspiration ein gutes Vorzc. en wäre und eine günstige Atwolphäre vorher eilen würde.
Die Schlußfolgerung, die sich bei der Lektüre dieser Londoner Meldung ergibt, ist jedenfalls die, da^ man bereits o^en.daran denkt, daß die große Wirtfchaftskonfcrenz auch politische Fragen erörtern werde und auch politische Folgen haben könnte.
Eine Kundgebung des Papstes.
Rom, 8. April. Die Agenzia Stefani meldet: Papst Pius XI. richtete an den Erzbischof von Genua ein Handschreiben anläßlich der Konferenz von Siegern und Besiegten, der sich alle gemeinsamen Hoffnungen der Völker zuwenden. Als Vertreter des Gottes des Friedens und der Liebe hofft der Papst vertrauensvoll, daß die Abgesandten der Mächte die traurige Lage aller Völker nicht nur offenen Sinnes, sondern auch mit der Neiauna an einigen
Opfern auf dem Altar des allgemeinen Wohles betrachten möchten, was die erste Bedingung fei, um eine wirkliche Besserung herbeizuführen, und der erste Schritt zu der von der ganzen Welt so heiß ersehnten allgemeinen Befriedigung. Wenn selbst im Waffenlärm die christliche Liebe herrschen solle, so müsse dies noch mehr gelten, nachdem die Waffen niedergelegt seien und der Friedensvertrag unterzeichnet sei, um so mehr, als der Völkerhaß, diese traurige Erbschaft des Krieges, sich auch gegen die Sieger wende und der ganzen Welt eine schreckliche Zukunft varbereite. Man dürfe nicht vergessen, daß Ruhe und Friede nicht so sehr durch die Sicherheit der Bajonette verbürgt werden wie durch gegenseitiges Vertrauen und Freundschaft. Auch wenn man von der Konferenz nicht nur jede Erörterung der vorher geschlossenen Verträge, sondern auch die auferlegten Entschädigungen ausschließen wolle, so scheine dies nicht jeden späteren Meinungsaustausch zu hindern, der den Besiegten die schnelle Erfüllung ihrer Verpflichtungen erleichtern könnte, was schließlich auch zum Vorteil der Sieger dienen würde. Der Papst fordert die Gläubigen auf, mit ihm für einen glücklichen Erfolg der Konferenz und dafür zu beten, daß der Segen des Herrn auf ihr ruhe und aus ihren Beschlüssen für die arme Menschheit die so sehr gewünschte Eintracht hervorgehe, die die Völker einander vertraut mache, und sie wiederum nach acht Jahren der Schmerzen und Verwüstungen auf den erleuchteten Weg der Arbeit, des Fortschritts und der Zivilisation führe.
Für einen Dreibund mit Deutschland.
Paris, 10. April. Der englische Minister C h u r ch i l l hat am Samstag in Dundee eine Rede gehalten, in der er von seiner Lieblingsidee, von einem englisch-französisch-deutschen DMund _jprââ" W^^^ noch kein positives Angebot.gemacht, aber die erste Etappe zu dem neuen Dreibund sei der Abschluß des englisch-französischen Paktes.
— Belriebsräkewahlen im Ruhrbergbau. Die Ergebnisse der Vetriebsrätewahlen im Ruhrbergbau liegen jetzt bis auf einen geringen Bruchteil vor. Bekannt sind die Ergebnisse von 256 Zechen; die Ergebnisse von 20 Zechen stehen noch aus. Es haben erhalten: die freien Gewerkschaften 138 970 Stimmen: 1159 Betriebsräte; der Gewerkverein . Christlicher Bergarbeiter 77 026 Stimmen: 551 Betriebsräte; der Hirsch- Dunkersche Gewerkverein 6617 Stimmen: 24 Betriebsräte; die Polnische Berufsvereinianng 16 091 Stimmen: 96 Betriebsräte; die Freie Arbeiterunion 106138 Stimmen: 762 Betriebsräte; die Syndikalisten 17 788 Stimmen: 128 Betriebsräte, die gelben Gewerkschaften 1254 Stimmen: 8 Betriebsräte; Sonstige 5599 Stimmen: 26 Betriebsräte.
ExplvfionsunMck in Gleiwitz.
Gleiwitz, 10. April. Der Hüllenfriedhof der staatlichen Hülle Gleiwitz war am gestrigen Sonntag gegen Mittag der Schauplatz eines furchtbaren Unglücks. FranzM^e Defehungs- kruppen, die dort in der Kapelle bezw. den nahe gelegenen Grüften ein Waffenlager vermuteten, hielten eine Durchsuchung dieser Stätte ab. Wie verlautet, sollen hierbei die durchsuchenden Truppen auf einen Explosivkörper gestoßen sein, der unter furchtbarer Detonation explodierte und dabei den Friedhof und die Grüfte in ein Trümmerfeld verwandelte. Die die Kapelle und die Grüfte durchsuchenden Soldaten mürben fast sämtlich ein Opfer des Unglücks. Wie wir erfahren, sollen bis jetzt aus den Trümmern 23 koke und 10 schwerverletzte französische Soldaten hervorgezogen worden sein. Auch der franzosischer- seits zur Führung der Truppen Herbeigeholte Bohrmeister soll ums Leben gekommen sein. Das Gelände wurde sofort von Apobeamlen abgesperrt. Ebenso werden die Ausräumungsarbeiten durch diese Beamte durchgeführt. Angesichts dieses Vorfalles hak der Kreiskonlrol- leur von Gleiwih-Skadk sofort Sondermaßnahmen getroffen und die Schließung sämtlicher Lokalitäten abends 8 Uhr angeordnet. Sämtliche Theater mußten Wietzen und die musikalischen Veranstaltungen mußten abgebrochen werden. Wie verlautet, sieht zu erwarten, daß von heute ab der Belagerungszustand über Gleiwitz-Stadt und Land neuerdings verhängt wird. Es handelt sich um ein polnisches hc bgr^r.atenlagev.
Verwegener Raubmord im D-Iun.
In der Rähe von Halle in einem Zuge der Halle-Hettstedter Eisenbahn wurde bei der Station Cöllme bei Halle ein verwegener Raubmord verübt. bei dem drei Personen er
schossen wurden. Als der Zug sich in bet Rähe von Cöllme befand, traten zwei junge, dem Arbeiterstande angehörende Männer, etwa 18—22 Iahre alt, in ein Abteil zweiter Klasse, in bem Frau Rittergutsbesitzer Rette aus Schwittersdorf saß, und verlangten Geld. Die Dame sprang aus, rief um Hilfe und lief in da« Rebcnabteil. Die Räuber liefen hinter ihr her. In dem Rebenabteile sahen Frau Stadtral Köhler aus Gerbstadt mit ihrem erwachsenen Sohu und Frau Bahnhofsvorsteher Schulz aus Gerb- stadt. Der junge Köhler suchte Frau Rette zu schützen, wurde aber sofort durch einen Schuh in den Kopf gelötet. Die Räuber eröffneten fo- dann eine wilde Schießerei und streckten sowohl Frau Schulz wie Frau Rette nieder. Die Mutter des erschossenen Köhler flüchtete in« Rebenabteil und zog die Rotbremse. Darauf stand der Zug, und die Räuber flüchteten nun eilends in den Wald. Die Schüsse sind aus einer Selbstladepistole, 7,85 Kal., abgefeuert worden. Es ist noch nicht gelungen, der Räuber habhaft zu werden. Die Verwandten der Erschossenen und die Elsenbahnverwaltung haben eine Belohnung von HO 000 Mark für die Ergreifung der Täler ausgesehk.
Furchtbare Schreckenstat eines Irrsinnigen.
Eine furchtbare Tragödie h^t sich am Samstag in den frühesten Morgenstunden in Berlin, in der Tilsiter Straße 1 zugetragen. Der Galvaniseur Otto Ehrhardt versuchte in plötzlich ausbrechendem Wahnsinn seine Frau mit einem Hammer zu erschlagen, verletzte seinen 15jähr. Sohn durch einen Revolverschuß, tötete seine 17jähr. Tochter und erschoß sich dann selbst. Ueber die Einzelheiten dieser grausamen Tat wird folgendes berichtet: Einen furchtbaren Ab- schluß fand am Samstag in früher Morgen- stunde eine Familientragödie in der Tilsiter Straße. Hier wohnte im Dachgeschoß des Vorderhauses der 45 Jahre alte Metallpräger Otto Ehrhardt mit seiner Frau, einem Sohn und einer Tochter. Die Ehe des Paares war schon längst zerrüttet. Auch in der vergangenen Nacht gerieten Mann und Frau Hart aneinander. Jetzt verrrammelte Ehrhardt, ohne daß seine Angehörigen dies merkten, die Flurtür, augenscheinlich in der Absicht, den unerquicklichen Verhält- nissen mit Gewalt ein Ende zu machen. Um 5 Uhr früh wurden der 15 Jahre alte Sohn Robert und die um zwei Jahre ältere Tochter Martha durch Hilferufe der Mutter aus dem Schlafe geweckt. Zu ihrem Schrecken sahen sie, wie der Vater, der von der Familie getrennt schlief, in das Schlafzimmer der Frau und Kinder eingedrungen war nud mit einem Hammer unbarmherzig auf die Mutter einschlug. Beide sprangen auf und liefen, nur mit dem Hemd bekleidet, an die Tür und die Fenster, um Nachbarn und Leute von der Straße zu Hilfe zu rufen. Da griff Ehrhardt zum Revolver und schoß auf seinen Sohn, der durch eine Kugel an der linken Kopfseite getroffen zusammen-, brach. Als die Tochter sah, daß. auch die Mutter bereits durch Hammerschläge niedergestreckt war, riß sie ein Fenster auf und rief gellend auf die Straße hinaus um Hilfe. Leute, die sich auf dem Wege zur Arbeit befanden, liefen vor dem Haufe zusammen. Ehrhardt hatte sich jedoch mit Stricken von innen gegen jedes Eindringen gesichert. Die Draußenstehenden wurden nun Zeugen einer furchtbaren Szene. Ehrhardt hatte von seiner Frau abgelassen und fiel jetzt über di« Tochter her, die hilflos am offenen Fenster stand. Er schlug in sinnloser Wut mit dem Hammer auf sie ein, gab dann noch einen Schuß auf sie ab und warf sie endlich aus dem Fenster auf die Straße hinab, wo sie vor den Füßèn der Menge tot liegen blieb. Unterdessen hatte man das Ueberfallkommando herbeigerufen. Jetzt trat Ehrhardt auf den Balkon hinaus und er« wartete, den Revolver in der Hand, die Beamten der Schutz- und der Kriminalpolizei. Sobald sie anrüdtén, schoß er vom Balkon hinab. Die Beamten erwiderten das Feuer, und es fielen ungefähr 20 Schüsse von hüben und drüben, ohne daß jemand getroffen wurde. Endlich stieg Ehrhardt auf das Geländer des Balkons und schoß sich, auf ihm stehend, eine Kugel in die rechte Schläfe, so daß er tot hinabstürzte. Unterdessen war Frau Ehrhardt soweit wieder zu sich gekommen, daß sie sich erheben und die Wohnungstür öffnen konnte. Ein Arzt legte der Mutter und dem Sohne Verbände an und ließ den Sohn nach dem Krankenhause bringen, während die Mutter in der Wohnung bleiben konnte. Es handelt sich bei den furchtbaren Vorgängen, die in ihrer Grausamkeit kaum übertroffen werden können, um die Tat eines Wahnsinniae»-