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General-Anzeiger

«millches Organ für Sla»l- und Landkreis Lana» ^^X^â

Erscheint täglich mit Aurnahm« her Smm» and Feiertage

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teil« Kanan a. M. 2» Falle höbet« Gewalt hat der

Bezieher keinen AnIvruL ans Litrerun, oder NaL-

wird keine Gewähr ««leistet.

Nr. 81

Mittwoch den 3. April

1922

Das Neueste.

Im Reichstag wurden gestern die neuen Steuergejetzetn dritter Lesung und damit end- gWèg angenommen.

. Die Reichsregierung will die letzten Rohm der Reparationskommission und Nollets iwch vor Genua beantworten.

Dr. Fehr, der neue Reichsminister für Lmährvng ' und Landwirtschaft, übernahm gestern sem Amt mit einer kurzen Ansprache M das Gefamtpersonak seines Restarts.

.. Der erste Strafsenat des Reichsgerichts hat gestern das Gesuch Kapps um freies Geleft mdgültig abgelehnt.

. »Pall mal ©lobe" versichert, Lloyd Ätzorge werde in Paris nicht durchfahren, son- sern sich dort am Freitag und Samstag auf» betten und sich mit PoincarL offiziell besprechen.

. Die Londoner Meldung, daß der ameri­kanische Botschafter Harvey nach Genua gehe, StP . vom Weißen Hause beantwortet, daß merika in Genua nicht vertreten sein werde und zwar nicht einmal durch einen nichtamt- Kchën Beobachter.

Wtz aus Genua mitgeteilt wird, haben die dort angemeldeten Vertreter der Konferenz- staaten bereits die Zahl 1658 erreicht.

Fori mil -e«Fereüens"- Derlrögen.

Der ehemalige Ministerpräsident Italiens Ritti fft uns Deutschen schon durch sein Buch ..Tas friedlose Europa" bekannt geworden als esin überzeugter Gegner der sinnlosenFrie- dens"-Verträge. In einer UMerredung mft.dem römischen Korrespondenten desNeuen Wiener TageblsttLâ" uufetftreibt .er nochnwls aufs yachdrücklichsie die Fordenum nach Aushebung der jetzigen Vertrage. Aus seiner Untere rehung teilen wir folgende Einzelheiten mit:

^ Europa hat durch den Krieg den Geist der Solidarität verloren; es ist meine Ansicht, daß Europa zugrunde gehen muß, wenn es nicht häld sich selbst findet. Zu glauben, daß ein Ge- wallfriede, wie der von Versailles es ist, der Welt Ruhe bringen könnte, ist völlig falsch. Europa kann den Frieden nur wiederfinden, Nenn esZch besinnt, daß der Krieg zu Ende -st- Das System von Friedensverträgen, die kigentlich Knegsverträge sind, wie es heute ge­handhabt wird, begründet einen andauernden Kriegszustand. Ein Hauptfehler in der Konfe- kenz von Versaille« war, den deutschen Kaiser wr ein Gericht bringen zu wollen. Ihn als den Meinschuldigen am Kriege hinzustellcn, ist ein­fach eine Absurdität.

Wenn her Kaiser wirklich der Alleinschuld- Tagende ist, warum erhebt dann Frankreich die mormsn Ansprüche an das deutsche Volk? Denn aber auch das deutsche Volk die Haupt- chuld am Kriege zu trogen hat, so gibt es doch "einen einzigen Staat der Entente, der nicht schuldig wäre. D e u t s ch l a n d i st e i n G e- maltfriede aufgedrängt worden, der ärger ist als jeder Krieg.

_ ®ie Kriegsentschädigung stellt so irrsinnige Ziffern dar, daß sie nie beglichen werden onnen. DieF r i e d e n s" - B e r t r n g e sind die Verneinung aller Prinzipien und der Ideale, die die Entente während des Krieges verkündet hat. Cs ist heute außer jedem Zweifel, daß der Krieg ohne den Beitritt Ame­rikas niemals von der Entente hätte gewonnen werden können. So bitter das auch vom Stand- Wnkte eines Europäers fein mag, es ist doch ^ire^c na^e Wahrheit. Europa kann nun n^t eher zur Ruhe kommen, ehe nicht die Friedens -Verträge annulliert" und bessere und gerechter^ an ihre Stelle getreten sind.

Das Echo der Lloyd Gevrye-Re-e.

« ^p^ 3« der gestrigen Unterhaus- â°Ud Gemyes schreibtDaily T e l e - Lr ' * âoyd George habe den Eindruck eines ^"^ L-wacht. dessen politisches Leben in Gefahr W^rnr ^ habe in Bezug auf Ruß- ^.^Alu^Ä^ ^ Rr den Augenblick und für

> Erkennung der Sowjetregierung in stèm tottiti6, ih dem bös Wort im allgemeinen' -raucht werden nicht in Frage £mmT 8 éfi^sr äääe

N>Ä^ e^i M i it ff e x ® ü j 11 c* öedaneei sehr hnfi Mb Seoni» in Bezug e s Rußland «- für h- aus die Feinds-iqkriten eines großen Tei- ^ her Kanseroativen Rücksicht zu nehmen. Europa tat ni^ttb« auf btt Bein« kommen ohne die Verletzung bestehender Verträge. Es geb« wenig Kragen in dem Programm von Genua, an die man Iw h-ranmochen könne, ohne gegen die Mauer be» ilshend-r Vertrüge zu stoßen. Die Arbeit von Genua müsse, wenn sie Erfolg haben soll, in einem Geist in «(Mf genommen werden. der mit der Zaghaftig­

hört!). Ich mache Sie darauf oufârksam, baß all« unsere Nachbarn, abgesehen von ihren starken Heeresbeständen, eine Polizei, und zwar eine staat­liche Polizei, besitzen, die an sogenannter Zentrali­sation ich habe mir das wenigstens, was die Ver- bättniffe in der Tschechoslowakei anbetrifft, genau berichten lassen alles weit in den Schatten stellt, was wir in Deutschland besitzen. Es ist bekannt, daß die Reichsrealerung sich gerade in diesem Auarnblick in weiteren Verhandlungen mit General Rollet be­findet. Ich kann über das Ergebnis heute noch keine Mitteilungen machen, möchte aber schon hier fest­stellen, daß die Reichsreaierüng an sich schon aus finanziellen Gründen prinzipiell lieber heute als morgen sich bereit erklären würde, auch diesen 80 000 deutschen Schutzpolizeien den lebten Rest mili'Sri- schen Charakters zu nehmen. Wenn sie es heute noch nicht kann, so sind es unerbittliche Lebsnsnotwendiq- teiten, die sie dazu zwingen. Diese Lebensnotwendi-r- teiten haben nicht nur von einer Reihe Reai«runaen unserer ehemaligen Geairer, sie haben prin.iioicll auch von General Rollet anerkannt werben müssen. Eine Regierung, die biete ßebensnotwenbigfeiten vernachlässigen würde, würde sich einer Pjlichtver- gessenheit schuldig machen^ In den Debatten ' in der französischen Kammer über das neue französische Heeresaesetz fft behauptet worden, und der jetzige französische Kriegsminister Maginot hat diese Be- hauotung ausgenommen, daß wir innerhalb unseres Heeres und unserer Polizei irreguläre Verbände haben, die unter falscher Flagge segeln, im Grunde ebenfalls nichts anderes als ein verkavpies Militär und damit eine Bedrohung - Frankreichs seien. (Lachen.) Der französische, Kriegsminister bat unter den Organisationen der von ihm verdächtigten Art benannt: die Technische Nothilfe,, die deutschen Sn^rt- vereiNe und die Regimentsvereine. (Lachen.) Was diese letzteren anlantzt. darf sich doch im Auslands niemand darüber wundern, daß wie in England und Frankreich so auch in Deutschland Vereine enfftan- den sind, die die Pffege- der Geselliokeit und dèr Ka­meradschaft jum Ziele haben. Diese Vereine haben jedoch mit müitärischen Dingen.bei uns ebenso wenig zu tun wie bie gleiten Vereine im Ausland«. Hiv- jiagaaj der Technischen Jtoihilfs stelle, ich fesi, daß Oteje ursprünglich als Hie offefdings mMSrische Organisation von dem seinerzetiiasn Rechswehr- minister Roske eingerichtèt worden ist und sich aus diesem Gründe auch zu einem Teile an-die Eintei­lung der alten Armeekorps angelehnt hat, die im allgemeinen mit den für bie Technische Rothilfe in Frage kommenden Wirtschaftsgebieten überein» stimmten. Im Laufe der letzten Jahre sind jedoch in diesen Wirtschaftsgebieten " erhebliche Aenderungen vorgenommen worben, so daß schon feit einer Reihe von Jahren von einer Uebereinstimmung keine Rede mehr sein kann. Die Technische Rothilse hat übrigens mit ber Reichswehr auch nicht das geringste zu tün, und ist au* schon seit einer Reihe von Jahren,, dem Reichsminister des Innern unterstellt. Namentlich untersteht sie auch keinerlei militärischer ßettung. Wir stehen in schwie- rigen Verhandlungen mit der Kontrollkommission über den Zweck unserer Schutzpolzei. Wird sie noch weiter zerschlagen, so wächst damit bie Gefahr, daß die von regulärem Schutze entblößte« Gemeinden wieder zu dem irregulären Selbstschutz« greifen. (Sehr richtig! auf der Rechten.) Wir sind gerne be­reit, diese Gefahr mit allen Mitteln zr, bannen.

r»muttsze«e« im prouh. Lanvlag.

Im preußischen Landtag kam es gestern ge­legentlich der Debatte über die Lichterfelder Primaner zu widerwärÜgen Turnültszenen, die wieder einmal zeigten, mit welcher Art von Volksyertretern wir es zu tun haben. Nach Aus­führungen des Kommunisten Charpentier sprach der unabhängige 2lbg. Dr. Cohn über die Bil­dungsziele der früheren Kadettenanstalt in Lichtetfèlde und rief damft eine sehr erregte Stimmung im Hause hervor. Cohn äußerte schließlich:Wie kann man als Eigenschaft der Lichterfelder Kadetten ihren Bekennermut rühmen? Die bekamftesten Schüler der Ka­dettenanstaft. Hindenburg und Ludendorff, haben in ihren Schriften bas Gegenteil von Be- kcnnermut, sie haben Feigheit bewiesen." Nach diesen Worten ertönten von den Bänken der Rechten lebhafte Pfuirufe und Entrüstungsrufe, während die äußerste Linke in stürmischen Zu­rufen den Redner unterstützten. Unabhängige Abgeordneten drängten hinüber zu den Siffen der Deutschnationalen, unter ihnen der Dbg. Meier-Berlin. Er versucht etnen der Hauptrufer zu ohrfeigen. Seine Freunde versuchten zwar ihn zurückzuhalten, Meier drängte aber immer wieder vor und es bedurfte großer Anstrengungen seiner Partei­freunde, um ihn von Tätlichkeiten abzuhalten. Alles ballte sich vor der Rednertribüne zusam­men. Unter andauerndem Lärm und Sck'impf- worten versuchte Präsident Ltinett vergebens, burrh Läuten mit der Glocke sich das Wort zu oerfd'-^en. Die kommunistische Abgeordnete Schulz-Neukölln nahm vom Tisch des Hauses einen Ballen Protokoll-e.ü nd warf ihn nach einem deutschnationalen Gegner. End­lich gelang cs dem Präsidenten, nachdem der Abgeordnete Meier von einem neuerlichen An­griff abgehaften worden war, bk Abgeordneten zu veranlassen, wieder ibrè Dlkike einzu nehmen.

keit, die der Premierminister gestern zeigte, nichts zu tun habe.

Dailn Herold" schreibt, Lloyd Georges Hände seien gebunden. Auf Befehl Poincarès und der englischen Konservativen habe der Premier- minister aus dem Programm ton Genua die beiden wesentlichen Vünkte, nämlich die Revision der brut­schen Reparationen und angemeiien« Anerkennung der Sowjetreaieruna hervorgehoben.

Daily Mail" fa-ü, Lloyd George scheine alles auf die Möglichkeit des Handels mit Rußland zu setzen. Wenn man ihn recht verstehe, so solle Ruß­land mit Zustimmung Englands durch Deutschland ausgebeutet werden unter der Voraussetzung daß Engtoyd einen Teil der Beute erhalte.

DieTimes" sagt. Lloyd George habe im llnetr^aus den allmählichen Prozeß erklärt, durch den er nach einer kurzen Probezeft hoff«, der Sowjetregierung eine volle und zeremonielle diplo­matische Vertretung in England zuteil werden zu taffen. Die Vollständigkeit dieser Beschreibung mache den Eindruck, daß die Frage vielleicht schön mit Lenin und seinen Vertretern geregelt worden sei.

Die f r a n z 8 s i s ch e P r e s s« ist im großen und ganzen zufrieden.

G " " l o i s" meint, Llond George habe gellern einen guten Tag gehabt, er habe sich von der Seite gezeigt,, von der Poincarè vor kurzem in Boulogne den besten Eindruck gewoimen habe. Llond George habe vor einer Versammlung, in der Frankreich nicht nur Freunds zähle, die französischen Rechte mit Wärme, Ber'^mkeit und Enticheiduna-kraft ver­teidigt. Es sei nur zu hoffen, daß seine Taten seinen Worten entsprechen und daß er sich in Genua selbst ni*t von dèr Linie entferne, die er gestern bezeichnet Hobe.

Avenir" stellt mit Befriedigung fest, daß Lloyd George in Fragen der Revision der Verträge und der Reparationen von einer erfreul'-^en Be­stimmtheit und Unzweideutigkeit gewesen sei.

Oeuvre" rühmt die außerordentliche Mäßi­gung und Klugheit der Rede, die von den besten Absichten für Frankreich diktiert.gewesen sei.

DerT e m p s gibt ein Gerücht wieder, wonach Lloytz Georg« die Absicht Habey .M, m -MßM außerhalb des offiziellen Pahmens der Konferenz eine Aussprache zwischen den Delegierten der Entente und ben Vertretern Deutschlands herbeizuführen. Das Blatt versichert, daß eine solche Inlliative nicht nur auf den heftigsten Widerstand Frankreich« und Belaiens stoßen, sondern auch von Seiten der Klei­nen Entente und Polen die energischsten Proteste her­vorrufen würde. In ähnlichem Zusammenhang be­hauptet dasJournal", bie von englischer Seite vorgesehene Vorbesprechung zwischen den Alliierten gelte außer der Einigung über gewisse technische Fragen vor ollem dem Ziel, über gewisse Fragen, die von, offiziellen Konferenzprogramm ausge­schlossen seien, eine Verständigung unter den Ver­bündeten herbeizuführen. Es sei nicht ausgeschlossen, daß dazu auch das Projekt Vrodbury-Gianini über die Kompensation der interalliierten Schulden im Zusammenhang mit den, Reparationsproblem ge­höre, ein Projekt, das unmittelbar nach der Zusam­menkunft von Boulogne entstanden sei.

Reichsminister Köster über die Schutz­polizei.

Im Reichstag wurde gestern nach endgültiger Annahme der Stcuergesetze einschließlich des Mantel- gesetzes in dritter Lesung in der zweiten Lesung des Haushaües des Reichsministers des Innern fort» gefahren.

Reichsminister Dr. Köster wendet sich gegen die Ausführungen in der französischen Kammer über die deutsche Schutzpolizei. Eine so­fortige Antwort darauf fei notwendig. Nach über- einstimmenden Pressemeldungen ist in der franzö­sischen Kammer behauptet worden, daß Deutschland über eine Macht von 250 000 Mann verfüge, ohne die regulären Truppen zu rechnen. Ich stelle folgen» des fest: Deutschland hat nach dem Friedensvertrag ein Friedensheer von 100 000 Mann. Auf der Kon­ferenz von Spa sind Deutschland an Polizei insge­samt 150000 Mann bewilligt worden. In dieser Ziffer waren alle Polizeikräste enthalten, bie bie deutschen Länder und Gemeinden unterhalten sollten. Nun sind von Anfang an nur 92 000 Mann als so» genannte Ordnungspolizei von Deutschland in Aus­sicht genommen worden. Im Augenblick sind nur rund 80 000 Mann Schutzpolizei in den deutschen Ländern vorhanden uno melden vom Reiche sub­ventioniert. (Aörtr hörtl) Wenn man also in der französischen Kammer zwischen der Reichswehr imb der Schutzpolizei schon keinen Unterschied machen will, soll man auf jeden Fall sich an bie richtigen Ziffern, bie auch der hiesigen Kontrollkommission be­kannt sind, halten. (Hört, hört!) Diese 80 000 Mann deutscher Schutzpolizei sind aber in Wirklichkeit mit der Reichswehr gar nicht zu vergleichen. (Sehr richtigl) Seit der Konferenz von Boulogne ist die ©Aufvolyei ihres hier und da militärischen Cha­rakters immer mehr entkleidet worden. Ich frage Sie und ich nage die europäische Oefsentlichkeit, ob die 80 000 Mann deutscher Schutzpolizei, die auch des letzten militärischen Restes entkleidet werden, den sie vielleicht noch gehabt haben, von irgend einem ernsthaften ob« über die Situation nur genügend orientierten Mann als eine militärische Bedrohung für Frankreich angesehen werden kann. (Lachen.) Man muß auch bedenken, dah augenblicklich und, wie ich befürchte, noch auf Jahre hinaus im Rheinlande, also tief im deutschen Territorium, 135 000 bis an die Zähne bewaffnete französische, belgische, englische und amerikanische Soldaten stehen (Höri, hört!), Soldaten, deren Unterhalt uns heut« schon mehr kostet als ein beuHdtes Ministerium. (Erneutes Hört,

Nachdem die Ruhe wieder hergestellt war, wollte Cohn zunächst aus einer SchriftSie Tragödie Deutschlands" über die Lichterfelder Kadetten einige Sätze verlesen. Als Präsident Leinert dies ablehifte, drangen die Kommunist«* geschlossen auf ihn ein und riefen unausaesstzi Schukmann, Schutzmann". Als Präsident Lei­nert sich nertebigte, rief ihm der Abg. Katz (Kom.) zu:Achten Sie lieber auf die fortgt fetzten antisemitischen Zwischenrufe." Sie Uw ruhe legte sich erst nach einer Weile.

Neue Derhaudluuqen über Ober« schleste«.

SSntgshütte, 4. April. Es verlautet, daß Präsident Calonder an die Dotschasterkonferen; eine Anfrage gerichtet habe, über die Aus­legung einiger Punkte des Versailler Vertrages, die in Zusammenhang mit den deutsch-polni­schen Verhandlungen in Genf stehen. Calonder hat den Wunsch ausgesprochen, mit Dr. Schiffer wieder in Gens zusammenzutreten und hat ent­sprechende Schritte bei der deutschen Delegation getan.

Ende März beschäftigte sich die deutsch-polnischc Slbrrbnung in Genf unter dem Vorsitze des Schwei­zers Calonder besonders mit der Frage der Liqui­dierung des beutfefjen Eigentums in Oberschlesien Während dieser Verhandlungen nahm der Post Olszewski eine Haltung «in, bie einer Sabotage b« Zusammenkunft gleich kam. Die Einigungsbe mühunaen blieben auch bann erfolglos, als Calonder den polnischen Abgeordneten Olszewski gebeten hatte, die Verhandlunnen wieder auszunehmen; der Pole weigerte sich und erklärte überdies, die Gènser Kon­ferenz sei imzustöndiq in ber Liqurdierungsfrage. Reichsminister a. D Schisser sah sich daher genötigt, Gens zu verlassen. Der neue Versuch des Schweizers Calonder erfüllt insofern mit Genugtuung, als « des Präsidenten ehrliches Bestreben nach Ster» 'ölmung beweist Hsttenrstch scheitert Calonders gutz Absicht nicht nochmals an der Widerspentzigkev Offzewskis, die mit Recht als' ein Verschleppüntzè versuch bei Einigung angesehen wird.

Moskaus offene La«-»

Bettin, 4. April. Die sozialdemokratische« P. P. N.verbreitet eine längere Darlegung über die finanziellen Beziehungen zwischen der kom­munistischen Partei Deutschlands und der Mo»-- sauer Exekutive der dritten Internationale. Nach der Darstellung soll die kommunisttsch« Partei Deutschlands im Jahre 1921 monatlich fünf Millionen Mark aus Rußland als Beihilfe bekommen haben. Davon feien monatlich 400 000 Mark zur Deckung des Defizits der kommunifttschen Zenttalorgans derRoten Fahne" verwandt worden. In letzter Zeit feien liefe Unterstützungsgelder etwas herabgesetzt worden. Auch der Zuschuß derRoten Fahne" habe sich auf 300 000 Mark monatlich ver­ringert. Die Darstellung behauptet weiter, daß das von der Moskauer Exekutive in Berlin unterhaltene westeuropäische Sekretariat mit den oaran angeschlossenen kommunistischen Dor< lagen Unterstützungssummen von vielen Millio­nen Mark erhalten habe. In den Jahren 191$ und 1920 habe Rußland die Mittel für bie Unterstützung des Kommunismus in Deutsch land hauptsächlich in der Form von Perlen unk Diamanten geschickt. Gegenwärtig würden bi* Hilfsgelder meist in Dollar oder anderer aus ländischer Währung bezahlt.

Neue JurLckweiÄuug vor Soffest

Bettin, 5. Avril. Von parlamentarischer Seite wird dem Tag geschrieben: Am heutigen 5, April läuft die Frist ab, in der bie deutsch« Regierung eine Antwort auf die Note des Ge­nerals Rollet über die Schutzpolizei erteilen muß. Die Regierung hat die entscheidenden Be- ratungen über den Inhalt der Rote bis auf bie letzten Tage verschoben. Seit Wochen lag eine Denkschrift des Reichsministeriums des Innern vor, in der die Forderungen der Note des Se nerals Rollet ziemlich allgemein angenommen werden. In den Besprechungen des Reichsmi­nisters des Innern mit den Vertretern ber Län­der wurde eine Denkschrift zweier Regierungen der Länder vorgelegt, nach der die Not« bes Generals Nollet mit einem Rein beantwortet werden soll, soweit die völlige Umorgani­sierung der Schutzpolizei in Betracht kommt. Nach längeren Verhandlungen scheint es infolge des fast einmütigen Widerspruchs der Regierungen der Länder gegen die Denkschrift des Reichsministers bes Innern gelungen zu sein, eine Antwortnote zusammenzftstellen, dir wenigstens die völlige Nachgiebigkeit vermeidet. Die Regierung ist aber entsprechend dem ganze« Charakter der Ersüllungspolitik auch bei Beant­wortung dieser Note von der Absicht ausge» gangen, vor der Konferenz von Genua durch möglichst weite Nachgiebigkeit Frautrrich neaen* über an SBebe* M aeniiimtB»