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Nr. 79

Monlag den 3. April

1922

Ein Bismarck-Geöenklag.

Der gestrige Sonntag stand fast überall im deutschen Reiche im Zeichen Otto v. Bismarck. Mit tragischer Gebärde traten wiederum alle die, die Bismarcks Größe und Schöpierwillen bewundernd erfaßt haben, vor das Bild des lebten groben Deutschen, der über die Gabe der Götter, Politik die höchste unter allen Künsten, verfügte. Und voll Schmerz und bangem Zweifel richteten sie an den Genius unseres Volkes die Frage: Ist der Schoß des geistigen Deutschlands zugangskräftig genug eine neue Persönlichkeit, die diese höchste aller Künste meistert, unserem Land und Volk wieder ein­mal zu bescheren? Der gestrige Tag war den vaterländisch fühlenden deutlern Männern und Frauen nicht nur ein Svim- und Feiertag, sondern vor allem Besinnungstag, ein Tag ge­eignet, sich darauf zu besinnen, ob denn das deutsche Volk noch Kräfte besitzt, die ihm^ ein Lebensrecht gewähren, und worin sie bestehen mögen. Ueberall im deutschen Lande fanden Feiern statt, die bestimmt waren, unserem Volk Gelegenheit zu geben, sich in die historisch­politische Ideenwelt des letzten großes Reprä­sentanten deutscher Staatskunst zu vertiefen, aus ihr unsere Irrtümer und Leidenschaften zu erkennen und auf Grund dieser Erkenntnis den Weg zu beschreiten, der uns aus dem Morast­und Sumpfgebiet unseres nationalen Elends wieder in das Land der Freiheit führt. Auch für den Stadt- und Landkreis Hanau fand eine solche Feier statt, die von der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei nach Wilhelms­bad einberufen worden war. Und mehrere

und Landkreis waren diesem Rufe gefolgt, wodurch die Feier sich zu einer imposanten Kundgebung für jenen Mann gestaltete, dem nichts heilig war als sein Gott und sein deut­sches Volk, für einen Mann, der feine ganze Persönlichkeit mit allen ihren leuchtenden Ga­ben nur unter die eine Frage stellte: Wie nütze ich durch das, was ich plane oder tue, dem deutschen Volke? Die Säle des Kurhauses konnten die Menschenmassen nicht fassen, die an dieser Feier teilnehmen wollten, Hunderte von Frauen und Männern mußten auf die Teilnahme an der Innenfeier verzichten und auf den Akt an der Bismarcksäule warten und sich mit diesen begnügen. Und sie warteten, da sie auch wie die, die in Sälen Platz bekommen hatten, das Bedürfnis hatten, sich zu erbauen, von jener Stimmung ergriffen zu werden, die neue Kräfte verleiht, um zu den Gestirnen hin- aufzuschauen, von denen sich das deutsche Volk feine Neuste herunterholen muß, well die Toren von Paris sie chm verweigern.

Die offizielle Feier in den Sälen begann

ier Weise ge-

nachmittags 4 Uhr und wurde eingeleitet mit dem Hohenfriedberger Marsch, der von der hiesigen Stadtkapelle unter Lettung des Herrn Kapellmeister Z ü l ch in schneidig,

spielt wurde. Alsdann folgte die Ouvertüre .Zampa", worauf Herr General a. D. Berger in kurzen aber markigen Worten die zahlreiche Teilnehmerschaft begrüßte. Er führte u. a. aus, daß der überaus starke Besuch Zeugnis ablege, daß die dankbare Verehrung des großen Staats­mannes Bismarck in unserem Volke noch nicht gestorben sei. Der Gedanke an Bismarck fei in

uns verbunden mit dem Gedanken an eine kraft­volle Regierung, an eine geordnete Wirtschaft, an eine zielsichere Politik, am Ansehen nach außen und innen. Heute in dieser traurigen Zeit» empfinde man, daß uns ein Bismarck während des großen Krieges gefehlt hat, und heute in der weniger großen Nachkriegszeit noch fehlt. Doch das deutsche Volk hoffe auf einen Bis­marck, der es aus dem Elend wieder heravs- und emporführt zur Höhe. Damit aber dieser Bismarck erstehe, müsse das Volk durchtränkt werden mit dem alten Bismarckschen Geist, da­mit derjenige, der einst kommen werde, ein Volk vorfinde, das gerüstet für feine Ideen, be- wttfet iDiüig zu folgen.

Nach diesen mit Beifall aufgenommenen Worten ergriff der Hauptredner der Feier. Herr Prof. Dr. K ü n tz e l, der Historiker der Frank­furter Universität das Wort um feinen Zu­hörern in längeren tiefgründigen Ausführungen den deutschen Genius und dessen Kunst, die Politck in strahlender Helle in Erinnerung zu bringen Ausgehend von der Frage ob, nachdem vor^ einigen Monaten erst ein Franzose die Gründung Bismarcks als eine erledigte Episode bezeichnet habe, es noch berechtigt sei, Felle gu feiern, steifte der Redner unter Beladung dieser Frag» die in letzter Zeit erfolgte Rückkehr großer

Teils des deutschen Volkes zum Bismarckschen Geiste fest. Mit allen neuen Ideen der letzten Jahr" wolle sich die Praxis der Weltgeschichte nicht so recht abfinden. Der Internationalismus habe schweren Schiffbruch gelitten und könne keinen Glauben mehr finden. Heutigen Tages glaube kein verständiger, ehrlicher Mann mehr an die unsagbar lächerliche Legende von der deutschen Kriegsschuld und auch die Arbeiter­schaft sei davon abgekommen, in unserem letzten Kaiser Wilhelm den eigentlichen Führer zum Krieg zu sehen. Diese ungeschichtlichen Vor­stellungen seien verschwunden und damit sei endlich eingetreten, was einem Trostblick für die Zukunft gestatte, ein Sichfinden zu einer ruhi­gen Betrachtung der Vergangenheit. Noch nuten zwar die Schlagmorte, doch sie hätten ihre Zugkraft verloren. Wie unsere Vorfahren 1806/07 nach der schweren Niederlage Preu­ßens aufgerüPelt worden seien, so mache sich auch heute diese Bewegunn bereits bemerkbar. Redner führte dann seine Zuhörer hinein in das Leben Bismarcks, schilderte ibn als preußischen Ministerpräsidenten, der trotz der damaliom kritischen Zeit dank seinem eisernen Willen es fertig gebracht hat, ohne parlamentarische Mehr­heit sein Volk zum Siege zu führen. Bismarck habe das Problem aufgerollt: Ist Barlaments- mehrheit wirklich identisch mit wahrem Volks- wunsch, und die Frage, daß beides das gleiche sei, glatt weg verneint und die Geschichte habe ihm Recht gegeben. Bismarcks Politik habe nickt mit Parlamentsmehrheit gearbeitet, sondern die große Mehrheit des Volkes auf anderem Wege hinter sich bergezogen. Er sei ein populärer

gewesen und habe es verstanden, einen tiefen Blick in die Volksseele zu tun, was die damals führende Mehrheit des Parlaments nickt getan habe. Bismarck habe nickts auf Internationalis­mus gegeben, für ihn sei in erster Linie seine Nation maßgebend gewesen. Redner streifte dann die Frage, ob es einem Manne wie Bis­marck in der Gegenwart möglich sei, auch heute mit der Bismarckschen Politik nach mchen und innen auszukommen und erklärte ein Mann wie Bismarck, der ein ewig lernender gewesen sei, müsse den groben Wandlungen in unserer Volks­seele selbstverständlich Rechnung tragen. Den gänzlich neuen Bedingugen müßten gänzlich neue Mittel entgegengestellt werden. Dies fei gewiß das allererste, das Bismarck tun würde. Aber er würde nicht den Phantasten und Schwärmern, die von Weltverbrüderung faseln, jenen Illusionsmenschen, denen jeder historische Sinn abgehe, die an einem neuen Geist der Zeit geglaubt hätten Und nicht an den Vulkan im Westen, gefolgt sein, sondern er würde seinen Prinzipien treu geblieben sein: Hilf dir selbst, so hilft dir Gott! Kein Fremder hilft dem deut­schen Volke, wenn es sich nicht selber hilft.

Diese echt deutschen Ausführungen wurden mit nimmer endenwollenden Beifall ausgenommen und als letzterer sich gelegt hatte, tönte wuchtig alle Herzen entflammend der Gesang:Deutsch­land, Deutschland über alles" durch den Saal. Nach der Rezitation von WildenbruchsUnser Bismarck" durch eine Dame sprach Herr Reichs­tagsabgeordneter Lind- Niederissigheim, der seiner Freude Ausdruck gab, daß sich Stadt und Land in treuer Einigkeit hier zusammcnge- funden haben, um den großen Kanzler zu ehren und zu geloben, sein Werk von neuem wieder aufzurichten. Bismarck habe es verstanden, in der Seele des Volkes zu lesen und ihm Ziele zu stecken, die geeignet gewesen seien, das Lott aufwärts zu führen. Zu diesen Zielen habe auch die Zusammenführung der Industrie und Land­wirtschaft als produktive Stände gehört, ein Werk, das leider nach Bismarck wieder zer­schlagen worden sei. Dieses Ziel müsse heute von neuem gesteckt werden und die Feier sei geeignet, zu geloben, das von Bismarck be­

gonnene Werk neu in Angriff zu nehmen, um die Wirtschaftsstände zusammen zu führen zur gemeinsamen Gesundung des Deutschtums. Red­ner kam dann auf die letzte Reparationsnote zu sprechen und erklärte, daß in Bezug auf die uns aufgebürdeten und uns noch aufznbürdènten Lasten nur der Dolkswille entscheiden könne und dieser müffe lauten: Hinweg mit dieser Erfüllungspolitik, zurück zu einer echt deutschen Politik. Ein Bismarck, und wenn er nur das kleine Söldnerheer hinter sich gehabt hätte, würde bestimmt Worte gefunden haben, um die deutsche Ehre zu verteidigen und einem Dis-

würde bestimmt Worte i deutsche Ehre zu verteidigen.._ -------- marck wäre cs nicht passiert, seinen eisernen Rücken vor der Räuberpolitik unserer Feinde au beuaen. Redner schloß mit dem Wunsch«, daß

dem deutschen Volke bald der Mann erstehen möge, der es herausführe aus dem Sumpf zur Freiheit, zu einem edlen Deutschtum.

Auch diese kernigen von deutschem Geist getragenen Worte wurden mit lebhaftem Bei­fall ausgenommen, woran sich einige weitere von der genannten Kapelle flott gesvielte vaterländische Musikstücke sowie Rezitationen über Bismarck schlossen. Alsdann marschierten die Festteilnehmer unter Dorantritt der Stadt- kapelle nach der Bismarcksäule, auf der bereits die Flammenzeichen zum Himmel emporloder­ten, weithin sichtbar verkündend, daß deutsche Männer und Frauen, die sich bewußt und mit Stolz zum Altreichskanzler bekennen, sich zu­sammengefunden haben, um die herrlichste Ge­stalt deutscher Geschichte in gebührender Weise zu ehren und gleichseitig zu geloben, sich im Unglück wieder zu sammeln, um das Erbe Bismarcksdie Einheit von Nord und Süd", das heiligste Vermächtnis zu bewahren und zu verteidigen. Die Säule geschmückt mit einem schlichten Kranz mit schwarz-weiß-roter Schleife, umsäumte eine schier unübersehbare Menschenmenge, als der MoralDie Himmel rühmen . . / ertönte, der von einem aus ver- 'ckiedenen Landaemeinden zusammena-'^'sten Chor unter Leitung des Herrn Lehrer Reuf - f u r t h - Roßdorf gesungen wurde. Herauf hielte Herr Plärrer Heyd e - Rosidors eine längere Ansprache, in der er der Forderung: Zurück zum Bismarckscken Geiste Ausdruck gab.

Inzwischen hatte sick der Abend niedergs- senkt feuchte Kühle straffte die Glieder als die eindrucksvolle Feier und zugleich macht­volle Kundgebung zu Ende war und die Teil- nehmer im pesckloffensn Zuge unter Abllnaen von vaterländischen Liedern ihren heimischen Benoten ymnnbertvn. Oden aber auf der Watt- form der Bismarcksäule loderte das Fe"sr ruhig wester ... R. H.

Eine Rede Poinesrßs.

3« der französischen Kammer kickt Pamcarö am Samstag eine Rede, au« der wir folgende Einzelheiten wiederaeben:

Für Genua lammen zwei Punkte in Betracht:

f. Wird Deutschland ein Moratorium »nzeüanden, und im bejahenden Falle, welche Garantien wird man bezüglich der Finanren Deutschland« ncbmen? Da« sei der wichtigste Punkt für Frankreich« Zukunft.

2. Wie werden b« von Deutschland schon wählen Beträge verteilt? Unsere Alliierten glanben, fuhr PoincarS fort, daß in dieser Hinsicht eine feste 8er- pslichUing Frankreich« berliege. Es bandelt sich um ein Mißverstiudnik. Ick habe Vmstchtrmaßnakmen getroffen, um die Wiederkehr derartiger Zwischenfälle zu Verbindern. Wegen der Sachverständigen wurde beschlossen, daß ihre Arbeiten in keinem Falle in Zw fünft die Regierungen binden können. Außerdem wurde vereinbart, daß der Ministerbräfidtnt selbst nicht ad referendam verpflichtet werden könne, und daß die Rechte de» Parlaments m allen Teilen gewahrt bleiben.

Der Ministerpräsident kam dann auf ben Teil der Entschließung, der die Garantief»rdemnge» der Alliierten für die Zulassung Rußland« zu der Srnfcrenz betrifft, zu spitchcn. Briand habe einige Punkte biefer Ent­schließung näher aufklären lagen, da die Raffung ihn nicht bafriebigt habe. Peincarö geht dann nochmal» cuf die Angebote ein, die ihm Eowjetvertretcr in London, Berlin und Prag bezüglich Ur Konferenz von Genua zugebe» ließen. Er spielt auf dl« von bathen au im Reichstag oeiprochenen Warte an uns sagt besonder»: Ta» Commmuyus, da» an> dee Zusammenkunft von Boulogne folgte, mar eine tm »aeau« erteilte Antwort auf diele Rede.

Die französische Regiernn« hat keinen anderen Wunsch, al» mit ihren Alliierten die gemeinsamen und die eigenen Rechte zu verteidigen, und wünscht nicht, über sie eine« Vorteil zu erringen. Ein Vertrag, fegt Poincarä feierlich, wurde von Deutschland und den Silierten unterzeichnet, und er muß heilig fein. Wir haben verlangt, daß «r weder direkt noch inbirclr in Genua in Frage gestellt werde. In Genua kann Deutschland nicht über die Höbe unserer Rat. berungen diskutieren, nach versuchen, sich auf diese ober jene Macht zu nützen, um in irgend 'iner Weise auf die einstimmige Entscheidung der Alliierten mriiefjufammeit. Rathenau hat gesagt, das bedeute da« Herz der Kanftren; von trenne zu entfernen. Da« ist übertrieben. Iedenfall» sinnen wir um durch unsere Auwesenbèit in Genua nicht wichen Debatien aulchliefie«. In Genua werben wir vor die Rrparatwue» das in Deutschland so ver­breitete Schild setzen:verbaten". (Lachen unb Beifall).

Wirth hat« bitfer Ta« testet: Seit dem Eruaretleu

Frankreich« ist der Stern von Genua ein Irrlicht geworden, vielleicht. Aber ab Irrlicht oder Stern, Frankreich geht immer auf da« Licht zu. In 6eniti wird Frankreich der Finsterni» den Rücken drehen. El geht auf die Helligkeit zu.

SIS der Ministerpräsident die Tribüne verließ, See glüßt ihn langer und einstimmiger Beifall. Briand beglückwünschte Poincare exf der Regie runzdbrn!.

Exkaiser Karl gestorben»

Dien, 1. April. Nach einer heute nad> mittag hier eingetroffenen Meldung ist Exkaiser Karl heute vormittag in Funchal verschieden^ ohne das Dewutzksei« wiedererlangt zu habe«- Exkaiserin Zita, die seit einigen Tagen eben­falls zu Bett liegt, ist ganz gebrochen. Bon dem Hinscheiden des Exkaisers Karl wurde« 'osork alle Höfe telegraphisch verständigt. Die Leiche Karls soll nach Wien zur Beisetzung in der Kapuzinergrufl überführt werde«. Die Legi­timisten werden sich verpflichten, daß das Leichenbegängnis ohne jeben Bomp statifindet. Karl war in ben letzten lagen stark abgemagert und fein Bart ergraut Er hat ein umfang- zeieb's Testament hinterlassen.

Paris, 3. April. Der Botschasterrat in Paris hätte sich heute, Montag, auf Drängen der Bu­dapester Regierung mit der Frage beschäftige« sollen, wer, d. h. welcher Ententestaat für di« Kosten der Internierung des Exkaisers Karl in Madeire aufzukommen habe, ferner wer dem verbannten Monarchen Geld geben muß, um fein und seiner Familie Auskommen zu sickern. Nachdem der Botschasterrat nun dieser Frage enthoben ist, wird er sich mit der Frage be­schäftigen. ob die Ueberführung des verstorbe­nen Monarchen nach Ungarn möglich ist oder nicht. Man hat Bedenken gegen gefährliche karlistische Demonstrationen, besonders weil Zitas plötzliche Reife nach Zürich mit dem Plan in Verbindung stand, die Abdankung Karls IV. an die Bedingung zu knüpfen, daß der älteste Sohn, der zehnjährige Otto, der nächste Herr­scher wird.

Nettes VlulbaL kn Belfast»

Loudon. 3. April. Die Hoffnung, daß in Bel­fast nunmehr Frieden herrschen werde, hat sich nicht erfüllt In der vorletzten Nacht narbe wieder ein Polizeibeamter erschaffen und die Folge hiervon waren schreckliche Repressalien. Vier Katholiken wurden aus ihren Betten ge­holt und in ihren Mahnungen niedergeschoffe». Zwei Kinder wurden in ihren Betten verwun­det. In der Stadt herrschte große Panik. Frauen rannten nur halb bekleidet durch di« Straßen und viele Familien verließen in bet Nacht ihre Wohnungen. Erst gegen Mitternachi konnte die Ruhe einigermaßen wieder herge­stellt werden.

Ei» argenkittikÄer Kredit für Deulfchiand?

paris, 3. April. Aus Buenos Stires wich gemeibet, daß die argentinische Regierung Deutschland einen Kredit für ben Ankauf von Getreide und Schlachtvieh einräumen wird.

Schweres GrubenuvglLch in Ober­schlesien.

Breslau. 3. April. Im Anselm-Schacht in Petershof, Kreis Ratibor, ist unter Tage ein Brand ausgebrochen, ohne daß man seiner bis­her Herr werden konnte. 16 Bergleute wurde« tot, 38 mit leichteren und schwereren Brand­wunden gefunden. 382 Mann der Belegschaft sind von der Außenwelt abgeschloffen. Die Rettungsaktion ist im Gange.

IRüiuhen, 1. April. Ueber ein Beispiel selbst­loser Hilfsbereitschaft in unserer Zeit krasser Selbstsucht wird denM. N. N." berichtet, daß am Mittwoch vormittag ein ländlich gekleideter Mann seinen etwa 17jährigen Sohn, der nicht en konnte, mit vieler Mühe durch die Halle des Münchener Hauptbahnhofes trug zum Drofchken-Warteplatz, von wo aus der Sohn tu eine Klinik gebracht werden sollte. Der Lat« und die mitgekammene Tochter oerhandeste« mit dem Chauffeur wegen des Fahrpreises, da derselbe für sie sehr hoch war. Diesen Dorgan, beobachtete ein jüngerer, aut gekleideter Herr, der daraus mit dem Chauffeur sprach und ihm dann 100 Mark bezahlte, worauf der Krank­ing Auto gebracht werben konnte und mit sei­nem Vater abfuhr; die Tochter weigerte sich, m.lzufahren; mit Dankestränen in den Rügen setzte sie zu Fuß den Weg zur Klinik fort«