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wird keine Eewäir Geleistet
Sir. 78
Samstag den 1. Ayril
SS» 1922
GHS
Das Neueste.
— Im Reichstag wurden gestern sämtliche Desiit- Aeuern in dritter Lesung erledigt.
— Der preuhische Landtag protestierte gestern gegen die vom Feindbund beabsichtigte Abschnürung Ostpreussens.
— Die Zusammensetzung der deutschen Genua- Delegation ist dem italienischen Botlchaster mit geteilt worden.
4* Im Hâuvtausschuhdes Reichstages wurde vom Reichsvostmlnister eine neue Postgebührenrrhöhung SNgekündigè.
— Gestern unterzeichnete die deutsche Gesandt» schalt in Bern im Völkerbundslekreiariat im Aui- trage bet Rtichsregierung das Protokoll des neuen Abkommens zur Bekämokung des Frauen- und Kinderbandels.
— Wie gemeldet wird, wird der Präsident Ta- londer feinen Schiedsivruch in den deutich-volni» schen oberichlesischen Verhandlungen um Ostern herum abgeben, falls nicht bis dahin eine Einigung noch zustande kommt.
Bismarck.
Apriltage-— Dismarcktage! Die große Gestalt des Eisernen Kanzlers mit den gewaltigen Augen und den tiefgefurchten Zügen steht vor uns. Unbi tiefer Schmerz erfüllt jedes Deutschen Herz, be das Werk dieses Mannes mit Schimpf und Schände besudelt, an den Rand des Abgrundes gebracht worden ist. Aus Not und Trübsal schauen wir empor zu ihm, dem treuesten Deutschen, dem starken Wandler beut schen Schicksals, dem Schöpfer des Reiches und seine staatsmännische Größe, seine Kraftnatur, feine gewaltige Persönlichkeit, bie schon in den . Friebnes, als er nicht mehr unter uns mellte, durch Wort und Schrift in episches Aiüsenmaß sich reckte, wird in der Gegenwart mit ihrer grausam bitteren vaterländischen Er- niedriguna zum großen, ernsten Mahner, zum überragenden Erzieher, zum hehren Führer und Wegweiser.
Bismarck als Mahner! Der große Realfft, dessen Politik von stahlharter Energie orfüllt war, durch Einheitlichkeit, Tiefe und Klarheit stets sich auszeichnete und wo es nötig war, beherrschende Einsicht an den Tag legte, sah in der Reichseinigung des deutschen Volkes vchicksal, denn Einigkeit war für ihn die Bor« Hedinguyg unserer nationalen Unabhängigkeit. viA deutsche Einigkeit ist durch grausame Schicksalsfügung in Gefahr, ist für unsere Gegner im Westen steter Anreiz, sie zu er« schüttern, zu unterhöhlen, zum Zusammenbruch Iu bringen. Die Wühlarbeit der Franzosen in ieser Beziehung und die damit verbundenen Gefahren, sind an dieser Stelle wiederholt ein» gehend erörtert worden. Erst in Nummer 48 schrieben wir: „Was nach Loslösung der Rhein- ianbe für uns kommen würde, weiß jeher einigermaßen politisch unterrichtete Kopf: Weitere Loslosungen und Selbständigkeitserklä- rungen deutscher Gebietstelle. Das Ende: Zer- . M des Reiches." Wie jubeln die Franzosen? „BiSmarcks dynastisches Werk ist vernichtet worden." Aber ihr Jubel ist nicht vollkommen, tza sie erklären: Bismarcks völkische Einheit besteht noch. Und in diesem „noch" liegt die große Gesahr, die unserem Volk von außen dwht. Es ist eine alte historische Erkenntnis, daß Deutschlands geographische Lage sein historisck-polltisches Schicksal ist. Nur geschossene Einheit kann unser Volk und Land retten, Internationalismus bringt ihm Zerfall und Untergang, ist wahnwitzige Ideologie, ist tolle Unwirklichkeit. Ganz besonders möge Bismarck unserer, der deutschen Arbeiterschaft Mahner sein, die trotz der bitteren Erfahrungen in den letzten Jahren immer noch von Ver- hr .lerung fabelt. Sie sei an sein Wort erinnert: ^n der PolUik tut niemand etwas für den Anderen, wenn nicht zugleich er sein Jn- tereffe dabei findet."
Bismarck als Erzieher! Wahrheit schafft Klarheit, Wahrheit ist berufen, Besserung und Heilung zu bringen. Wir betrachten das vor einigen Monaten erschienene Buch „Bismarcks Stürz" von Prof. Schüßler und das im vorigen Jahre erschienene Werk .„Der nicht verstandene Bismarck" von Ministe- Fialdirektor Hamann als Werke, die berufen sind, Klarheit über die Politik vor und nach Bismarcks Abgang zu verbreiten. Wir müssen aus den FehlerU der kaiserlichen Weltpolitik lernen, mag unser Schicksal noch so grausam sein. Die Zickzackpolitik, die bald nach der französischen/ bald nach der russischen Seite strebte, war fraglos falsch. Ein Festlandbund sollte erstellen, uyd dieser Bund wurde schließlich ein solcher, der Deutschlands Isolierung zuwege brachte. Bismarcks offene Politik wurde niajt innegehal- t<n. In feinen „Gebauten und Erinnerungen"
sagt er: In den meistenn Fällen ist eine offene und ehrliche Politik erfolgreicher als die Feinspinnerei früherer Zeiten, ober sie bedarf, wenn sie gelingen soll, eines Maßes von persönlichem Vertrauen,das letzter zu verlieren als zu erwerben ist Einheitlichkeit, Tiefe und Klarheit, das waren die starken Merkmale der Bismarck- schen Politik. Bleiben wir uns selbst treu, das lehrt uns Bismarck. Dieser Mann, der von sich sagen konnte, daß er auch als Diplomat das Lügen nicht gelernt hat, war durch und durch eine christliche Natur. Ein starkes Bekennerwort legt Zeugnis für sein Christentum ab: „Ich begreife nicht, wie ein Mensch, der über sich nachdenkt und doch von Gott nichts weiß oder wissen will, sein Leben vor Verachtung und Langeweile tragen kann." Und doch ftanb dieser Mann mit beiden Beinen im Leben wie nur einer. Am Ende des großen Krieges schrieb unser gegenwärtiger Außenminister Dr. Rathenau in seinem Büchlein „Kritik der dreifachen Revolution" den Satz: „Sei (Deutschland gemeint. D. Red.) gefaßt und hasse nicht, sei verhöhnt und verteidige dich nicht/ Und im vorigen Jahre kam aus dem Munde des damaligen Außenministers Dr. Simons das Wort: „Man soll nicht Böses mit Bösem vergelten." Was sagt uns der E r z i e h e r Bismarck? Im März des Jahres 1884 gab er im Reichstag kund: „Ich bin ein Christ, aber doch als Reichskanzler nicht so, daß, wenn ich eine Ohrfeige auf die eine Backe bekomme, ich die andere hinhalte und sage: Ist dir nicht die zweite gefällig? Wenn man mich angreift, sow« hreich mich." Lassen wir dieses Wort erzieherisch auf unser Volk wirken.
Bismarck als Führer. Wenn ein MaAn im Buche der Geschichte zu lesen verstand, bann war es gewiß des neuen Deutschen Reiches erster Kanzler. In unserer bitteren vater« ländischen Not, die durch den Schmachfrieden von Versailles gekennzeichnet ist, dürfen wir aus einem Bismarckwort Kraft und Glauben, Zuversicht und Stärke für die Zukunft gewinnen. Im März des Jahres 1887 sagte Bismarck: „Nichts in der Welt dauernd ist, weder die Friedensschlüße noch die Gesetze; sie kommen und gehen, sie wechseln: tempore mutantur nos et mutamur in illis." Bismarcks Geist, feine Kampfnatur, fein Löwenmut, feine Zähigkeit, fein stahlharter Wille erfülle heute unser Volk, da es gilt, sein heiliges Erbe, die Unversehrtheit des Reiches wiederherzustellen. Doktrinäre Schaumschlägerei und Reden weltfremder Träumer seien verbannt. Vismarckscher Realismus im Dienste heiliger Vaterlandsliebe muß in allen deutschen Herzen und Hirnenn Platz greifen. Bismarcks politisches Vermächtnis in seinen Reden und Schriften kann uns, wenn wir seinen Geist zum Führer erküren, in eine bessere Zukunft geleiten, uns die Möglichkeit geben, wieder ein freies, einiges deutsches Wolk zu werden.
Deshalb deutsches Volk, trete heute, am 107. Geburtstage Bismarcks, in Andacht und Ehrfurcht. in Hingabe und Liebe vor deinen Genius und bekenne vor ihm mit tiefster Inbrunst die Heiligkeit des Reiches, gelobe, dich endlich zusammenzufinden, eingedenk des Ausspruchs Bismarcks vom 19. Juli 1870: „Hat Deutschland derartige Vergewaltigungen seines Rechts und feiner Ehre in früheren Jahrhunderten schweigend ertragen, so ertrug es sie nur, weil es in feiner Zerrissenheit nicht wußte, wie stark es war." R. H.
Die Festsetzung der Weichselgrenze.
(Aus dem preußische« Landtag.)
Im preußischen Landtag wurde gestern die große Anfrage Dr. v. C a m p e s (D. Vvt.) und Antrag Winkler (Dntl.) über die Festsetzung der Weichjelgrenze durch die interalliierte Grenzfestsetzungskommission behandelt.
Abg. Lawin (D. Vpt.) begründet die große Anfrage -seiner Partei und spricht die Erwartung aus, daß sich in dieser Frage alle Parteien, die sich Deutsche nennen, einig sind. Der Zu- gang zum Meere kann nicht entbehrt werden. Durch die Festsetzung wird die fruchtbare Marienwerder Niederung der Versumpfung preis- gegeben. Die Entscheidung bedeutet eine Vergewaltigung. Die Absicht der Entente geht dahin, ganz Ostpreußen einzukreisen.
Das Wort nimmt darauf Ministerprä- s i d e n t B r a u n, um bprauf hinzuweisen, daß das preußische Staatsministerium sich eins fühlt mit der durch die Entscheidung schwer betroffenen Bevölkerung in der entschiedenen Ablehnung dieses erneuten Vergewaltigungsver- svches. (Lebhafter Beifall.) Der Ministerpräsident legt die einschlägigen Bestimmungen des Friedensvertrags und die Folgerungen daraus dar. Sachverständige sollten über bie Frage des Zugangs zur Weichsel Vorschläge
machen. Bevor die Beratungen aber ausgenommen werden konnten, erging bereits der Beschluß der Grenzfestsetzungskommiffion, der in allen deutschen Gauen Bestürzung und Entrüstung auslösen mußte. (Lebhaftes: Sehr richtig!) Die neue Grenzziehung ist für das Wirtschaftsleben der Weichselniederung von den nachteiligsten Folgen. An mehreren Stellen wird durch die neue Grenze der Deich durch- schnitten und somit die Deichunterhaltung und der Schutz der wertvollen Weichselniederung und Leben und Eigentum von mindestens 25000 Einwohnern in hohem Grade gefährdet. Ostpreußen wird vollständig von der Weichsel abgetrennt und verliert den direkten Zugang zu diesem wichtigen Wasserweg.
Der Beschluß ta ein eklatanter Brach bes Versailler Vertrags.
Dieser bestimmt ausdrücklich, daß die Mächte, die den Vertrag diktiert haben, gleichzeitig mit den Grenzfestsetzungsvorschritfen Vorschriften zu erlassen haben, die der ostpreußischen Bevölkerung den Zugang zur Weichsel und die Benutzung des Stromes für sie selbst und für ihre Güter und ihre Schiffe unter angemessenen Bedingungen und unter vollständiger Rücksichtnahme auf ihre Interessen sichern. (Hört! hört!) Diese Vorschrift hat die Grenzfestsetzungs- kommission nicht festgelegt. Dazu kommt, daß General Dupont, ihr Präsident, den beteiligten Kreisen ausdrücklich versprochen hatte, vor der endgültigen Festlegung der Grenze die Bevölkerung zu hören. Das ist nicht geschehen. Man hat auch ohne die vorgeschrisbene Sachverständi- genprüfung die Entscheidung getroffen. (Zuruf: unerhört!) Auf dèn einmütigen Protest hat die Botschaftsrkonferenz die Ausführung des Beschlusses vorläufig aüsgèsètzl uüd u«: Mitteilung der Begründung ersucht. Wenn auch dieser Beschluß keinen Antaß zu übertriebenem Optimismus geben darf (sehr wahr! recht) so steht doch zu hoffen, daß die interalliierten Mächte eine so offensichtliche Verletzung des Friedensvertrags nicht gutheißen können. (Na, na! rechts). Die preußische Staatsregierung wird weiterhin nichts unversucht lassen, eine gerechte Lösung herbeizuführen und der Bevölkerung Ostpreußens in deren wirtschaftlichen Nöten zu helfen und gegen Bedrückung zu schützen. (Starker anh. Beifall.)
Abg. Dr. v. K r i e s (D. N.): Die wirtschaftlichen Folgen der Abtrennung sind furchtbar. Die 5 Weichseldörfer bedeuten ein Einfalltor mehr nach Ostpreußen. Bei der Unvernunft der Entente rechnen wir nicht darauf, daß die Pwteste etwas nützen werden. Unsere Feinde werden rücksichtslos darüber hinweg gehen. Zur Duldung können wir gezwungen werden, aber nicht zur Anerkennung dessen, was gegen unser Nationalgefühl geht. (Lebh. Zustimmung rechts.) Das Jasagen hat uns noch nie gutes Wetter gebracht. Wir müssen auch einmal nein sagen können. (Lebh. Beifall bei den D. N.)
Abg. Stamer (Soz.): Die Arbeiterschaft aller Länder wird einmütig diesen Gewaltakt ablehnen. Die Staatsregierung muß alles daransetzen, den Beschluß illusorisch zu machen.
Wg. Pingel (Ztr.): Der Akt ist ein Hohn auf die Selbstbestimmung der Völker. Auch hier wird wiederum das deutsche Volk auf das schwerste vergewaltigt. Dieser Schamlosigkeit müssen Rdichs- und Staatsregierung mit allen Mitteln entgegentreten. (Beifall.)
Abg. Obuch (U. S.): Die Grenzfestsetzungs- kommiffion hat allerdings falsch entschieden. Aber daraus kann man der Botschafterkonferenz nicht einen so starken Borwurf machen, wie es hier geschieht. Wir haben keinen Anlaß, mit in den Protest emzustimmen. (Lebhafte Zurufe rechts.) .
Abg. Dr. Meye r-Ostpreußen (Kom.): Auch wir wenden uns gegen die Vergewaltigung des Selbstbestimmungsrechtes. Die Par- teien aber, die für den Antrag sind, haben das Selbstbestimmungsrecht anderer Völker selbst vergewaltigt.
Ministerpräsident Braun: Dem Abg. Obuch erwidere ich: Es kann nicht Aufgabe einer deutschen Volksvertretung sein, den Alliierten das Konzept zur Begründung ihrer Entscheidungen zu liefern. (Lebh. Sehr richtig! — Unruhe bei den U. S.) Durch Aufschiebung der Ausführung des Beschlusses hat die Boffchatferkonferenz auch eine Vertragsverletzung anerkannt. Auch jemand, der die Anweisungen für die politische Betätigung aus Moskau bezieht.... (ungeheurer Lärm bei den Kommunisten, minutenlange Unterbrechungen.) Trotz aller Verschiedenheit der Weltanschauung muß man sich ein ge- miffes Nationalaefühl bewahren. (Stürmische
Zustimmung bei der Mehrheit, ironische Hurrarufe bei den Kommunisten). Für die Ari der Bekämpfung des Chauvinismus, wie sie von den Kommunisten geübt wird, habe ich als Deutscher kein Verständnis. (Erneute Zurufe bei den Kommunisten). Jetzt ist doch am allerwenigsten Zeit, den deutschen Imperalismu» zu bekämpfen. Ich hoffe, daß das gesunde Ratio» nalgsfühl sich auch in Zukunft durchsetzt. Zur Abwehr des ausländischen Chauvinismus und Imperialismus. (Stürmischer anh. Beifall bet den bürgerlichen Parteien und bei den Mehr» Heitssozialisten. Lärmende Gegenkundgebungen bei den Kommunisten und Unabhängigen.)
Abg. von Plehwe (Dntl.) hebt in einem Schlußwort hervor, daß der Protest im Einklang mit dem ostpreußischen Provinziallandtag steht, an dem sich auch die Unabhängigen tmb Kommunisten beteiligten. Die Ausführungen der Abgg. Obuch und Dr. Meyer zeigen, daß der schlimmste Feind im eigenen Lande sitzt. (Lärm bei den Kommunisten.) Wir sehen deutlich das System Brückenköpfe vorzuschieben. Ostpreußens Geduld ist zu Ende. Wir begrüßen es, das der Ministerpräsident dem Protest auch in diesem Hause den nötigen Nachdruck verliehen hat. (Lebhafter Beifall rechts — Erneuter Lärm bei den beiden Parteien der äußersten Linken.) — Unter Ablehnung der Anträge der Unabhängigen wird der deutsch- nationale Antrag angenommen.
Der neue lNeichsernShrungsmtuffler.
Berlin, 31. März. Das Mitglied der Daye» rischen Volkspartei, Anton Fehr, ist zum Er» nährungsminister ernannt worden.
Fehr ist gegenwärtig im 42. Lebensjahre» -Mkch-i-mgsker Tätigkeit in der Landwirtschaft arbeitete er mit großen Erfolgen als Landwirt» fchaftslehrer im Allgäu. Auf Grund feiner Lehrtätigkeit und praktischen Erfahrungen erhielt er 1917 einen Ruf als Dozent für Milchwirtschaft an die Hochschule Weihenstephan. Seit Oktober 1915 steht er im Nebenamt der bayerischen Landesfettstelle in München vor. Er zählt zu dem linken Flügel des Bayerischen Bauernbundes und hat schon seit Jahren einen engeren Anschluß an die Demokraten angestrebt.
Ueber das künftige Programm des neuen Reichsernährungsministers weiß uns unser Münchener Mitarbeiter zu drahten: Professor Fehr hat einem Mitarbeiter der „Münchener Neuesten Nachrichten" sein Programm ent* wickelt. Er vertritt den Standpunkt, daß die öffentliche Bewirtschaftung in der Landwirt» schaff in engem Rahmen aufrecht zu erhalten sei, jedoch nicht zur Fessel für die Landwirtschaft werden und vor allem nicht produktionshemmend wirken dürfe. Es käme hauptsächlich ein verbessertes Getreideumlageverfahren in Betracht, das mehr auf die Leistungsfähigkeit der eizelnen Landwirte Rücksicht nehmen müsse. Noch wichtiger fei die Förderung der Nahrungsmittelproduktion auf jede Weise. Eine der wichtigsten Vorbedingungen für die Förderung sei intensivste Kunstdüngererzeugung.
Friedensschluß in Irland.
London. 31. März. Die irische Friedens» konferenz, die auf Einladung der britischen Re-
Mittwoch in London zusammen-
gierung am
getreten war, hat zu einem Ueberetnfommen geführt, durch das der Friede zwischen dem irischen Freistaat und Ulster erklärt wird. Beide irische« Regierungen verpflichten sich, in jeder Weis« nad) besten Kräften zusammen zu wirken, um in den Gebieten Irlands, wo Unordnung
Herriot friedliche Verhältnisse zu schaffen. Sie Spezialpolizei in Belfast wird in den Stadtteilen, wo die Bevölkerung gemischt ist, zur einen Hälfte aus Kotholiken, zur anderen Hälft« aus Protestanten bestehen. Alle Durchsuchungen nach Waffen finden durch gemischte Streitkräfte statt. In Belfast wird ein Ausschuß geschaffen, der zu gleichen Teilen aus Protestanten und Katholiken besteht, um die Klagen über die vergangenen Verbrechen zu untersuchen. Die politischen Gefangenen werden in Freiheit gesetzt. Beide irische Regierungen werden an alle Iren den Ruf richten, im Interesse des Friedens Mäßigung zu zeigen.
Die Türkei «n» »it Darb«»netten.
London, 1. April. Im Oderdau« erklärt L»r» 6 u r 16 x betreffend die Meerengt'Fsage, der Türkei werde auf keinen Fall d-e Srberrfdsung der Itter der Dardanellen gewährt werden körnen. D'« Räumung Konstantinopels werde hallmögU^ft â folge«, jeboft der neue Friede ratifiziert sei.
(Weitere VolitUcke Larbricktrn auf Seite L.^