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Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Lamm I Reklamen August Brodt. alle in Sanau a. Mai«.

Rotationsdruck der Waiienbausduchdruckerei beean.

Fernivrechanschlülle Nr. 1237 und 1238.

Verlagsleitung: Ad. Indermübte.

Verantwortlich: für volittichen und allgemein« Lett Richard Sultich: für lokalen undvrovin»iell«Teil

Etnriickunssgevübr: Die Seeln. Kolonelreile oder deren Raum 2.50 Mt die Igeln. Zeile im Reklameteil d^u Mt..Flnan»in!erate2.7<>Mt. Inierate werden nur ilaaesntei» berechnet. OffertgebübrSOMg. Bezugs, preis Bierteliäbrl.M.' Mk., monatl. 10. M. für Po»be,ugmerteliäbrl..'i4LUMkmonatl.11LNMk.Di« Numm«r4UBig. Poiticheck-Konto26659,FrankfurllM.

Erscheint täglich mit Ausnahme der 6mm» und Feiertage

srr. 48

Samstag den 25. Februar

1922

Das Neueste.

Die zwischen den Dergarbeiterorganisa­tionen und den Unternehmerverbänden geführ­ten Verhandlungen über neue Lohnforderungen der Bergarbeiter, haben zu keinem Ergebnis geführt Auch die Anrufung des Reichsarbeits- minifters brachte keinen Erfolg. Trotzdem will man die Verhandlungen am Montag fortsetzen.

Reichsverkehrsminister Gröner erklärte einer Eisenbahnertommission, daß er keinerlei Erleichterungen in der Frage der Diszivlinie- nmgen zusagen könne.

Die sächsische Regierung bereitet ein Gesetz vor, nach dem alle über 65 Jahre alten Beamten pensioniert werden sollen. Nicht be­troffen davon bleiben die Richter.

Lloyd George hat schon gestern London »erlassen, um mit Poincarè zusammenzutreffen. Der Ort der Zusammenkunft ist noch unbekannt.

Das englische Königspaar wird gegen ßftern Paris einen offiziellen Besuch abstatten, der offenbar als Besiegelung des Garantiever­trags gedacht ist.

Im englischen Unterhause wurde von der Regierung mitgeteilt, die britif*e Regierung beabsichtige, die internationale Kooperation für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas an­zuerkennen und mit ihr zusammen zu wirken.

Frankreich Rheinprovinz.

Poincarè wünchk »höfliche Beziehungen".

Frankreichs Politik steht an einem markan- ien Punkt. Sie steht vor den beiden Fragen: Soll sie der weltwirtschaftlichen und europä­ischen Solidaritätsidee Rechnung tragen, oder soll sie weiterhin ohne Rücksicht auf andere Völker dem französischen Imperialismus hul­digen, besten Linien ein Richelieu, ein Montes-

von dem Glauben erfüllt ist, daß der ftanzö- iische Genius letzten Endes berufen fei, auf die- er Welt zu herrschen, wird von der französi- chen Politik keine Einsicht für die Notwendig­keit weltwirtschaftlicher Solidarität erwarten dürfen. Beeinflussungen durch den gewaltigen Willen der in der Weltwirtschaft sich auswirken­den Kräfte kann sich Frankreichs Politik gewiß nicht entziehen, aber der französische Imperia­lismus in seiner bis zur nationalen Ver­zückung, bis zum Wahnsinn gesteigerten Art wird vorläufig seine Ziele nicht aufgeben. Eben erscheint am Vorabend von Genua inmitten der äußerst peinlichen englisch-französischen Verhandlungen über den Abschluß des Garan­tievertrages, über die kleinasiatischen Fragen und des Reparationsproblems eine Bro­schüre von 56 Seiten, deren anonymer Ver­fasser nicht weit von den Ministersesseln des Kabinetts Poincarè zu suchen ist, und die eine Art Zusammenfassung der gesamten französi­schen Politik darstellt, wie sie Frankreich zu ver- solgen gedenkt. In dieser Broschüre wird im- Per aufs neue darauf hingewiesen, daß man die französische Politik Deutschland gegenüber nicht ändern könne. Wie eine kriegerische Fan­fare hört es sich an, und tief i« die Seele rines leben Franzosen soll es bringen, daß, wenn man nach Genua zu gehen gezwungen sein sollte, man dort unter allen Umständen Deutsch- l°nd keine Konzessionen machen dürfe. Und Frankreich wird, das kann nach den Meldungen der letzten Tage kaum bezweifelt werden, in Genua auch das Spiel gewinnen. Ist dieses Spiel gewonnen, dann wird es fortfahren, seine weiteren Ziele zu verwirklichen.

Eines der nächsten Z'ele, das Frankreich mit allen Kraftanstrengungen erstrebt, ist die Zerschlagung des Deutschen Reiches und die Einbeziehung des linken Rhein- users in die französische Interessensvhäre, letzten Endes die Einverleibung. Poincarè, «erstarke Mann" Frankreichs, hat, wie wir gestern berichteten, in der Kammcrdebatte vom Donnerstag erklärt, es sei sehr wünschenswert, ° die höflichsten Beziehungen Frankreichs zu den Rheinlanden hergestellt würden. Worauf must diese Herstellunghöflicher Beziehungen" Mnaus? Auf nichts anderes, als die Rhein- mnder zu kapern und eine rheinische Republik schaffen, um dann bei der ersehnten Ein­verleibung umso leichteres Spiel zu haben. Schreiber dieses hatte während des Krieges in °er Champagne Gelegenheit, mit einem Fran­ssen über die Geschichte Frankreichs zu spre- chen, wobei die Rede u. a. auch auf die Grenz- Myrung dieses Landes kam. Der Franzose wies zunächst mit einem gewissen Nachdruck auf das politische Testament des Kardinals Richelieu M. das jedem Franzosen heilig ist. In diesem Postament heißt es:Ich war immer bestrebt, yrankrsichg von bet Natur bei.immte Grenzen,

die Grenzen des alten Galliens, wieder herzu­stellen." Im Zusammenhang damit machte her Franzose dann auf den berühmten Tages­befehl Carnots, der im Jahre 1793 Mainz er­oberte, aufmerksam, in dem es heißt:Die ehe­maligen und natürlichen Grenzen Frankreichs sind Rhein, Alpen und Pyrenäen." Auf Grund solcher und ähnlicher historischen Zeugnisse, die noch durch die Geschichte der altrömischen Kaiser, sowie der Karls des Großen eine Art Patina erhalten soll, sprach dieser Franzose von einem geschichtlichen Recht Frankreichs, das linke Rheinufer zu besitzen. Diese geschicht­lichen Zeugnisse sind dem ftanzösischen Volke nach Beendigung des Krieges erst recht einge­impft worden und so Allgemeingut des gesam­ten Volkes geworden. Diesen historischen Grund hat man noch einen der sogen, politischen Ver­nunft beigesellt, nämlich die Lehre vom poli­tischen Gleichgewicht. Das Gleichgewicht Frank­reichs ist gestört, wenn die deutsche Grenze am Oberlauf der Mosel verläuft, denn dann sind die Boches zu nahe an Paris. Und Frankreichs Hauptstadt ist nicht nur die Stadt, die ein ein­ziges graziösesLächeln" sein soll, ist nicht nur der Mittelpunkt der ftanzösischen Kultur, sie ist die Zentrale der europäischen Kultur, mehr noch die der ganzen Welt. Nicht nur die französischen Historiker, nein, alle jungen Diplomaten und Volkswirtschaftler vertreten den Standpunkt von der politischen Theorie: Ohne den Rhein kein französisches, kein europäisches Gleichge­wicht und somit auch keines der Welt.

Die Rheinländer haben daher alle Ursache, auf der Hut zu sein und sich aus das darge­reichte Zuckerbrot, diehöflichen Beziehungen" nicht einzulasten. Hochverräter gibt es in ihrer Provinz genug, die mit den Franzosen Hand in Hand arbeiten. Wir erinnern nur an Dorten, der erst kürzlich bei Poincarè vorge­sprochen und diesen wahrscheinlich auf die Not

selle Smeets zu nennen, der daran ist, Frank, reich in der konsequenten Durchführung der imperialistischen Politik, die Rheinlands vom Deutschen Reich loszureißen, zu unterstützen. Wir dürfen daher nicht müde werden, auf die schweren Gefahren, die uns in dieser Beziehung drohen, immer und immer wieder hinzuweisen. Was nach Loslösung der Rheinlande für uns kommen würde, weiß jeder einigermaßen poli­tisch unterrichtete Kopf: Westere Loslösunge und Selbständigkeitserklärungen deutscher @i bietsteile. Das Ende: Zerfall des Reiches. Wir haben die eiserne Pflicht, in nationaler Ge­schlossenheit dem französischen Imperialismus den härtesten Widerstand entgegenzusetzen, auf

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daß es Frankreich nicht gelingt, seine Zersplitte­rungspläne zu verwirklichen. R. H.

Genua.

Lufgeschoben, nicht aufgehoben.

Berlin, 25. Febr. Entgegen dem in der Presse aufgetauchten Gerücht, daß die Konfe­renz von Genua überhaupt nicht stattfinden wird, erfährt die Telsgraphenunion, Lloyd Ge­orge habe sich einer maßgebenden deutschen Persönlichkeit gegenüber dahin geäußert, daß an eine Aufgabe der Konferenz nicht gedacht werde. Es handle sich lediglich um eine Ver­tagung bis etwa in die ersten Apriltage. Eng­land sei mit den Vorbereitungen fertig, Frank­reich dagegen noch nicht. Es sei aber auch ehr­lich gewillt, die Vorbereitungen zu fördern. Lloyd George hofft, die Schwierigkeiten bei der Zusammenkunft mit Poincarè zu beseitigen. Als Hauptschwierigkeit sieht er die unterschied­liche Auffassung von Frankreich und England gegenüber Sowjetrußland an. England will die sofortige Anerkennung der Sowsetregierung, Frankreich dagegen wünscht die bekannte sechs­monatige Probezeit. Es ist denkbar, daß Frank­reich und England sich auf einen neuen Vor­schlag Poincarès einigen, daß die Anerkennung de jure fakultativ sei, also im Belieben der ein­zelnen Mächte liege. Poincarè soll bei seiner Zusammenkunft auch den Garantiepakt erörtern und zum Abschluß bringen.

Eine russische Bote.

Riga, 25. Febr. Tschitscherin bereitet eine Note vor, die Anfang nächster Woche an sämt­liche Ententeländer außer Frankreich gerichtet werden soll. Der Inhalt dieser Note wird sich im wesentlichen mit den Ausführungen der amt­lichen MoskauerPrawda" decken, in der es heißt: Die Vorkonferenz, an der auf Betreiben Frankreichs auch die Sachverständigen der kleinen Entente teilnehmen sollen, verfolgt den Zweck, Rußland in Genua vor vollzogene Tat­sachen 3« stellen. Wenn der ftanzösischen Re­gierung dieses Zugeständnis gemacht werde so

würden die europäischen Staaten sich ohne Teil­nahme Rußlands auf Kosten Rußlands einigen und die Konferenz von Genua wäre sinnlos. Sie würde sich in eine Komödie verwandeln, an der teilzunehmen für Sowjetrußland keinen Zweck hätte.

Die russisch-franz. Verhandlungen.

Paris, 25. Febr. Der Pariser Korrespondent derWestminster Gazette" kommt in einer langen Meldung, die nicht geringes Aufsehen erregt und übrigens sofort vom Außenmini­sterium dementiert wurde, auf die von Frank­reich bereits gründlich dementierten französisch- Wssischen Verhandlungen zurück. Er behauptet glatt, daß Jim offiziellen Sinne" die Berliner Nachrichten über solche Verhandlungen doch der Wahrheit entsprechen. Der Berichterstatter be­hauptet, daß für die französische Regierung oder durch die französische Regierung selbst der Ver­such gemacht worden sei, vor der Konferenz von Genua zu einem Vorvertrag mit Rußland zu gelangen. Krassin habe einen Vertreter in Paris, der mehr als einmal mit höchsten Per­sönlichkeiten verhandelt habe.Ich gehe noch weiter", sagt der Korrespondent derWest­minster Gazette",und behaupte, daß Frank­reich erst dann nach Genua geht, wenn zwischen Paris und Moskau ein Vorabkommen erzielt worden ist. Ich glaube, daß, wenn ein solches Uebereinkommen existiert, die französische Re­gierung keine Einwände mehr gegen das Er­öffnungsdatum der Konferenz geltend machen wird." Der Korrespondent erklärt die ftanzösi­schen Ziele damit, daß von der Vereinigung der französisch-russigen Gläubiger der französischen Regierung ein Plan unterbreitet worden sei, worin verlangt wird, daß Rußland seine Schul­den anerkennt und für eine Summe von 40 Milliarden Bons ausgebe, die dann durch ein

iu^MuUgnd M- winnb ringend angelegt würden. Dann sollten nach und nach die ftanzösischen Gläubiger be­zahlt werden.

Das französische Außenministerium erklärt diese Behauptungen derWestminster Gazette" als vollkommen falsch und wahrscheinlich seien sie auf eine irrtümliche Auffassung folgender Tatsache zurückzuführen: Graffin habe tatsäch­lich einmal bei der französischen Regierung um die Reiseerlaubnis nach Paris nackgesucht, um mit der französischen Regierung über die Hilfs­aktion für die russische Hungersnot zu verhan­deln. Die Regierung habe aber durch Skobeleff das Ersuchen Krassins abgeschlagen.

Paris, 25. Febr. Trotz der Dementis des I französischen Außenministeriums behauptet der Pariser Korrespondent derWestminster Ga­zette", daß die Berliner Nachrichten über fran­zösisch-russische Verhandlungen der Wahrheit entsprechen. Frankreich werde erst dann nach Genua gehen, wenn zwischen Paris und Moskau ein Vorabkommen erzielt worden sei. Die Vereinigung der französisch-russischen Gläubiger habe der französieren Regierung einen Plan unterbreitet, worin verlangt wird, daß Rußland seine Schulden anerkennt und für eine Summe von 40 Milliarden Bons ausgebe, die dann durch ein internationales Konsortium in Rußland gewinnbringend angelegt würden. Dann sollten nach und nach die ftanzösischen Gläubiger bezahlt werden.

PartelpoliNK in Grotzbrilannleru

Der Landesrat der unionistischen Partei, etwa 300 Personen, war dieser Tage in London vereinigt, um eine Rede Chamberlains, des Führers im Unterhause, über das Verhalten der Parteifreunde bei den nächsten Wahlen anzu­hören. Es kann nach seinen Worten kaum mehr zweifelhaft sein, daß die Flitterwochen der Koalition vorüber sind, denn der Redner er» klärte, bie beiden Flügel des Kartells würden mit getrennten Programmen und Aufrufen in den Kampf ziehen, ^o wie einst der ältere Chamberlain und Valfour ihre beiderseitigen Folger zum Siege geführt hätten. Der Ver­gleich ist nicht glücklich, denn zu der Zeit, auf die Austen Chamberlain anspielt, hatte die ge- meinschastltche Politik der Unionisten einen Schwung, der nicht durch gesonderte Aufrufe geschwächt werden konnte, wo gerade die Ge­meinschaftlichkeit des Hauptzieles, der Erhaltung der Reichseinheit mit Irland, die Möglichkei! getrennter Auffassungen in andern Fragen als nebensächlich erscheinen ließ, wogegen heute offenkundig ist, daß ein Teil der Unionisten, die man wieder in der Polemik als hartgesottene Tortes bezeichnet, des Kartells überdrüssig sind und für sich allein und, wenn es darauf an« kommt, gegen die jetzigen Verbündeten kämpfen mürben. Die Stimmung, bk 1918 vorhanden

war, ist gänzlich abgeflaut, und die Gegner bet Koalition gewannen Oberwasser. Richt west sie nacheinander einige Unterhaussitze bei Er* satzwahlen erobert haben: solche Wahlen haben seit 1918 53 stattgefunden, und davon hat die Koalition 2 gewonnen und 18 verloren, während sie 33 Sitze behauptet hat. Er ist in großen und kleinen Fragen, welche die Zu­kunft für die von Lloyd George begrünbete Gemeinschaft gefährdet, und die Gegner, na­mentlich im unabhängigen liberalen Lager, haben dabei leichtes Spiel. Sie weisen in einem fort auf die unleugbaren Widersorüche hin, welche die Verschiedenheit der Auffassung unter den Koalitionsgenossen im Laufe der letzten Jahre über die wichtigsten Fragen her» vorgerufen hat, so bei Aegypten, Irland und den vielen Fragen der europäischen G«» sundungspolitik. Sie können weiter darauf pochen, daß die Regierung sich nicht mit An­gaben über den Inhalt des Gesetzes hervorwagt, das die Lords wieder auf eine festere Grutch- lage als Teil der gesetzgebenden Gewast stellen wird, wie denn auch Chamberlain in seiner Rede den Unionisten weiter nichts versprechen konnte, als daß eineVerständigung" mit den Koalitionsliberalen über diesen Punkt zustande kommen würde. Es ist so weit gekommen, daß der Redner sich wider die Schutzzölle wehren mußte, die durchaus eine Zollreform verlangen, während die öffentliche Meinung sich unzwei­deutig dagegen wendet. Er sagte, er selbst sei nach wie vor für eine solche Reform, halte aber den Zeitpunkt dafür nickt geeignet. Nach ihm hielt Lord Derby eine Rede, die nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt war. Man ermangelt nicht, diesen Umstand als ein weiteres Zeichen eines kommenden oder möglichen Zerwürf- nisses zu deuten. Das Hauptübel, an dem das Kartell leidet, ist eben der Mangel eines Haupt­zieles, wie es 1918 gegeben war, als di« Ab» Wicklung des âiiLgesâckgtech. «es^. NS solcher Kitt fehlt, und da wird es ein Wunder fein, wenn die Koalition fortbesteht, zumal fif durch ihre Fehler ihre Gegner in namhafte« Maße fördert.

Lloyd George und der DölLerduud.

Paris, 25. Febr. Der LondonerTemps"» Korrespondent berichtet über dir Haltung Lloyd Georges gegenüber dem Völkerbund und dessen Rolle auf der Genueser Konferenz, daß diese sich in der letzten Zeit sehr geändert zu haben scheine. Lloyd George habe eingesehen, daß er den Obersten Rat nicht über den Völkerbund stellen könne, ohne in der englischen öffentlichen Meinung Mißstimmung zu erwecken. Di« Unterredungen mit Benesch und mit Balfour seit dessen Rückkehr aus Washington hatten ihm zu verstehen gegeben, daß es doch vorteilhafter sei, sich des Völkerbundes zu bedienen. In Ver­bindung mit dieser neuen internationalen ober vielmehr intereuropäischen Methode, bei der dem Völkerbund eine bebeutfame Rolle ,zu­komme, werde Lloyd George dann wahrscheinlich die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund verlangen und zwar in der nächsten Sitzung des Völkerbundes im Monat September. Um auf der andern Seite bei Frankreich durch diesen Schritt nicht zu enttäuschen, werde Lloyd Ge­orge das englisch-französische Allianzabkommen zu einem guten Abschluß bringen und er hoff« dadurch den Grund zu legen für eine europä­ische Verständigung.

Die Frage der Sachleistange«.

Berlin, 25. Febr. Wie derLokolanz." zur Frage der Sachleistungen hört, hat die Reichs­regierung durch die Aussprache im auswärtigen Ausschuß des Reichstags nun einige Richtlinien gewonnen, nach denen sie weitere Verhand­lungen mit der Reparationskommission führen kann. Diese Richtlinien dürften ungefähr so aussehen, daß eine gewisse Kontrolle bei der Durchführung der Sachleistungen eingerichtet wirb. Sei der Besprechung im auswärtige« Ausschuß kam weiter zum Ausdruck, das Liefe­rungsprogramm nur für 1922 gelten zu lasten. Bei den Lieferungen kommt Frankreich nicht in Frage, sondern vor allem Belgien, Südslavis» und Italien.

Verschlimmerung der Virstckastslage im Saargebiet. Eine neue Teuerungswelle ist mit dem Marksturz über das Saargebiet hercinge- brachen. Kaum zeigte sich die neue Kursmn«» rang des Franken, als auch sofort die Lebens» mittelpreise sprunghaft in die Höhe gingen. Gleichzeitig mit dem Steigen des Frankey haben sich auch wieder die Gäste aus Loth«j ringen eingestellt. Ausländer schlepp«« mitW massenweise Ware von dam»««,