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(finrüdunaaaebübt: Die8gew. KoloneUeile oder Deren Raum 2.5» Mt^ die 4geio. Beile im Reklameteil »L"MI..F>nanttnierate2.7ttMk. Anierale werden nur . iazesoreisberechnet.OkiertgedübrAIPig. Bezug s» »reis Viertel iäbrl. 30.- Mk.. monatl. 10. Mk.. iüt Poktde,uav>erteliährl.3-i.5siMk..monatl.ltLl>Mk.Die Mummet 4043(8. Poiticheck»Konto2üüâ9.FrantkurtIM.

AmMches Organ für Stad!- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Snbetmüble. Verantwortlich: für volitilcken und allgemeinen Teil Richard L>u lisch: iür lokalen und vrovinzielleu Xetl sowie Snoti Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt, alle in Sanau a. Maia. Rotationsdruck der Wailenbausbuchdruckerei Hanau. Fernlorechanschlülle Nr. 1237 und 12W.

Ar. 43

Montag den 20. Februar

1922

08

Das Neuere.

- DerTefit Parillen" löst sich von seinem Berliner Korrespondenten melden, dah der 6am- bürget Bankier Mor Warburg zum deutschen Bot- ^gft« in Wachington ernannt werden soll.

- 8m Reichstag konnte am Samstag die Ab» Ummung über die Abgabe zur Förderung des Mnungsbanes wegen ungenügender Besetzung ur Hauses nicht statifinden.

- Nach Ablebnung eines Vorschlages desMans- lelbithcn Syndikats A.-G die Streitigkeiten dem èckiedsgrricht zu unterbreiten, sind die Mansfelder Bergarbeiter am Samstag in den Streik getreten»

Die Jnterallierte RheinIandkommiHion Hai XM (ruberen Kommandanten der. Emden".Kapitän ton Müller, verboten, im besetzten Gebiet Vor­träge zu Kalten.

Drei Eisen im Feuer.

Der zu viel dementiert, dementiert nichts, tonn man mit der Variation eines französischen Sprichworts sagen. Das Massenaufgebot von Ableugnungen des französisch-russi­schen Techtel-Mechtel wirkt umso ver­dächtiger, wenn man den gequälten Worlaut der Dementis näher prüft. Da heißt es u. a. die französische Regierung sei in keiner Weise mit der Sowjetregierung in offizielle Be­ehrung gekommen also doch in offiziöse. Da heißt es weiter, die ihr von der Sowjetregis- mng gemachten Anträge seien abgelehnt wor­den also ist doch verhandelt worden. In der lat konnte man sogar in der französischen Presse lesen, daß Skobelew in Paris mit den maßgebenden französischen Kreisen Fühlung ge­nommen hat, und die fünf französischen Bankier, die nach Moskau gegangen sind, werden das WErlick, zum Zweck einer Vergnügungsreise Zetan haben. Wenn die französischen Zeitungen die nachträglich geleugneten Verhandlungen trotz der konsequenten antirussischen Politik Frankreichs zunächst mit solcher Befriedigung begrüßten, so ist das natürlich vor allem auf das scyune Plänchen zurückzuführen, wonach an­geblich dierufsischenVorkriegsschul- den durch deutsche Lieferungen be­zahlt werden sollten. Bekanntlich verpflichtet der Artikel 116 des Versailler Terh-aeg Deutschland, die etwa von Rußland geltend ge- machten Entschädigungsforderungen anzuerken- nen. Aber einmal hat Sowseirußland aus leicht erkennbaren politischen Gründen derartige For­derungen niemals geltend gemacht, zweitens fönnte auch die kühnste Auslegung des Ver­sailler Diktats aus dem Art. 116 nicht die Ab­lösung des französischen Kriegsvorschusiss an Kußland auf Deutschlands Kosten Hercmskon- struieren, und drittens können die Alliierten zu tinem Zeitpunkt, wo sie bereits die Notwendig­keit eines Abbaues der Reparationsbelastung ^gegeben haben und Verhandlungen darüber ringeleitet worden sind, unmöglich daran denken, Deutschland neue Reparationen auszu­halsen. Offenbar hat man unterdessen in Eng­land den Haken bei Poincarès Forderung nach der Anerkennung der russischen Vorkriegsschul­den erkannt. Man ist nämlich in Moskau ent- m'vsten, falls diese Frage aufgeworfen wird, »an der Entente die Wiedergutmachung der Schäden zu fordern, die Sowjet- rußland durch dieJnterventionspo- tif erlitten hat, wobei vor allem die Cnt- siihning der sogenannten freiwilligen Handels- f^tte, der russischen Kriegsschiffe im Schwarzen Meer und der Raubbau in den Urwältern der Rardgouvirnements während der englischen Okkupation in den Jahren 1918/19 in Betracht kommt. Die Sache könnte also letzten Endes da- k»uf hinauskommen, daß nicht Deutschland, fon- °ern England für die Fordening Frankreichs

Rußland aufkommen müßte, und davon wird man an der Themse nichts wissen wollen.

5m übrigen ist aus dem russischen Angebot w Frankreich ein solche, liegt ja mindestens ^r auch sonst klar zu erkennen, daß man ^! die Uneinigkeit zwischen England lind Fank- spekuliert, das eine gegen das andere aus- Vielen möchte. Schon damit man sich in Genua ""bl einer (Einheitsfront gegenüber sieht. Wäh- M der Volkskommissar Tschitscherin auf der Wng des allrussischen zentralen Exekutivko- »iteeg bei der Wahl der Delegation für Genua ^ Geneigtheit, mit England zusammen zu ar- x'ten, betonte und die Politik Frankreichs als ««such die Monarchie in Rußland wieder herzu- kennzeichnete, hat Lenin gleichzeitig sein Angebot an Frankreich gemacht, da» seine Ä doch offen gegen England richtet, und Mi ch hat Radek Deutschland gewarnt, mit ^»ud aemeiniam die Ausbeutung Rußland»

Katholiken volle Freiheit ihres p o l i t i - chen Glaubensbekenntnisfes ein, wenn sie es mit ihrem religiösen Gewissen ver­einbaren können. Er hält jedoch ausdrücklich an dem Grundsatz fest, daß die Priester ihren Bischöfen gehorsam sein müssen.

Lloyd Georges Prverrammpunkte für Genua.

Paris, 20. Febr.Daily Telegraph" ist in der Lage, die Programmpunkte, die Lloyd George für Genua ausgestellt hat, einiges be­kannt zu geben. Folgende drei Punkte wären demnach die wichtigsten:

1. Ein englisch-französisches Abkommen über die Hauvtfragen ist wefentliche Voraussetzung.

2. Die Genueser Konferenz ist nur als die erste einer Reihe von Konferenzen gedacht, die halbjährlich abgehalten werden sollen.

3. Als Richtlinien für die Beziehungen zu Rußland sind die langsame Entwicklung der Privatunternehmen und die offiziellen Trans­aktionen in Aussicht zu nehmen. Die Frage der Transaktionen kommt erst in Betracht, wenn die Privatunternehmen gelingen.

Inlernaiivnales Wirlschasts^yndikat.

Paris, 20. Febr. In London tritt heute ein Organisationsausschuß des internationalen Syn­dikates zusammen, das aus der interalliierten Pariser Jndustriellenkonferenz hervorgegangen und am 10. Januar in Cannes gegründet wor­den ist. Dieser Organisationsausschuß besteht aus zwei Engländern, zwei Franzosen, einem Italiener, einem Belgier und einem Japaner. Der Ausschuß ist ermächtigt, sich auch Vertreter anderer Länder anzugliedern. Dieses internatio­nale Syndikat mit dem Zsntralstb in London ist dazu bestimmt, den wirtschaftlichen Wieder­aufbau Europas zu unternehmen und die Ko­operation aller Nationen zu erzielen. At- S° dersqndikate des Zentraffnndikats sollen eremi Beschluß von Cannes nationale Syndikate er­richtet werden, deren Gründung ebenfalls zum Bereich des erwähnten Organisationsausschusses gehört.

Krststche Tage für das enzl. Kabinett.

London, 20. Febr. Für das englif*e Kabi­nett beginnt heute Montag im Unterhaus mit der Eröffnung der Finanzdebatte eine gefähr­liche Periode. Die Parlamentarier sind sich be­wußt, daß das Publikum über die enormen öffentlichen Ausgaben alamiert ist und gespart wissen will. Die Abgeordneten misten, daß ihre Haltung aufmertfam verfolgt wird und da^ ihre Wiederwahl von ihrer Stimmohgabe für die Einschränkung abhängt. Die Regierung kann deshalb nicht mehr so sicher auf die allgemeine Unterstützung rechnen und die Einpeitscher der Koalitionsvarteien machen besorgte Gesichter. Bekanntlich ergab schon die letzte Abstimmung über den Vertrag mit Irland im vergleich mit ser ersten Abstimmung vom Dezember einen Rückgang der Regierungsmehrheit um nmd 100 auf 300. Dieser Rückgang der Regierungsmehr­heit wird den vermehrten Stimmenthaltungen der Unionisten zugeschrieben. Es ist bereits da­rauf aufmerksam gemacht worden, daß die Ab­teilung der extremen Konservativen aufgelöst wurde durch den Konflikt in Ulster, als unioni- stischen Interessen entspringt. Diese konservative Minderheit wird sich aber auch aus weiteren Gründen zu einer allgemeinen Unzufriedenheit gegen die Liberalen der Koalition auswachsen.

Der Grund der Krists.

In den nachstehenden Ausführungen ent­wickelt der Führer der Deutschen Volkspartei Dr. Stresemann rückschauend noch ein­mal den Gang der Ereignisse der letzten poli­tischen Mac' e. Dadurch wird dem Leser man­che» klarer, als es durch das Miterleben in der Ferne geschehen konnte. D. Red.

Das von der Deutschen Volkspartei gegen den Kanzler eingebrachte Mißtrauensvotum nahm Bezug auf die Haltung des Kanzlers mährend des Streiks, und zwar insbesondere hervorgerufen durch die zweite Rede des Kanz­lers, die sich den Ausführungen unseres Frak- tivWkollegen Scholz anscbloß. Diese Kanzlerrede fano bereits im Reichtstags lebhaften Wider­spruch innerhalb der Deutschen Dalkspaltei. Die Stellungnahme der Fraktion ging dabei von rein sachlichen Gesichtspunkten aus. Es waren namenuid) die der Fraktion angebörenden Ver­treter großer Gewerklckafts- und Bea-'tmo^aa- nifatinnen, die sich entschieden in dem Sinn aus- sprachen, daß die Staatsautorität d'wch -as Verhalten der Kanzlers und durch die Rede einen starken Stoß erlitten habe, namentlich deebalb, weil die Rede im Wl^ mcb ui den Grundsätzen stand, die in dem Erlaß des Stein»»«

zu betreiben. Man ersieht aus alledem, daß man in Moskau die Methode desteile und herrsche" befolgen möchte; man will für Ge­nua nicht nur zwei, sondern d r e i E i s e n i m Feuer haben, indem man einmal Frankreich und England gegeneinander auszusvielen und sich drittens eine Rückendeckung an Deutschland zu verschaffen sucht. Haben doch gerade in die­sen Tagen mit Unterstützung der deutschen Re­gierung Verhandlungen zwischen den Vertretern der Sowjetregieruna Krassin. Radek und Stomamakoff mit deutschen Indu- striekonsortien ftatfgehm^en, die freilich an sich rein wirtschaftlicher Natur sind und im Verfolg einer schon früher eingeleitef»n Aktion die Ergießung Rußlands durch deutsches Ka­pital und deutsche Arbeit bezwecken. Diese Be­sprechungen haben freilich noch zu keinem Ab­schluß geführt, besonders infolge der Forde­rung Rußlands, einen bestimmten Betrag als Regierungsanleihe in Form von Warenliefe­rungen an die staatlich betriebenen Industrie­zweige zu erhalten. Jedenfalls geht auch aus diesen Verhandlungen, die sich auf cuttern Wege befinden, hervor, daß die Sow-etreaierung schwerlich ernstlich daran denkt, es für ein fran­zösisches Linsengericht mit seinen deutschen Nachbarn zu verderben, ohne den der Wieder­aufbau Rußlands ein frommer Wunsch bliebe, und auf den es aus wirtschaftlichen wie aus po­litischen Gründen in Gegenwart und Zukunft angewiesen ist.

Eine Reichs-Amnestie.

Bersin, 18. Febr. Bei dem im Reichssustiz- ministerium zur Zeit in Ausarbeitung befind- lt jen Amnelstegesetzes für politische Vergehen handelt es sich um den Plan, hochverräterische Unternehmungen und im Zusammenhang mit 'ende Handlungen, soweit sie nachdem 4. August 1920, dem Tage des früheren Am­nestiegesetzes, begangen worden sind, straffrei zu lassen. Die Amnestie soll lediglich solche Straf­taten umfassen, die zur Zuständigkeit von reichs­gerichtlich eingesetzten Behörden gehören, die also von den Ausnahmegerichten oder vom Reichsgericht abgeurteilt sind oder bei letzterem noch schweben. Ein Eingriff in die Landesjustiz soll vermieden werden. Ausgenommen von der Amnestie sollen alle gemeinen Verbrechen sein, insbesondere die aus Eigennutz oder Roheit be­gangen sind, aber auch alle Sprengstoffdelikte.

Eine bedeutsame Rede eines Franzosen.

Paris, 20. Febr. Die französische Liga für Menschenrechte hat gestern zu Ehren Anatole Frances ein Bankett abgehalten, um den Nobelpreis des französischen Dichters zu feiern. In einer Rede kritisierte Anatole Frances die gegenwärtigen diplomatischen Methoden und verlangte den Kampf gegen den Krieg. Auf das Reparationsproblem über­gehend, sagte der Redner, mit Schmerz müsse man sehen, daß der Geist des Krieges den Krieg überlebe. Durch Gewalt sei nichts zu erreichen, Frankreich hätte mit dem Frieden nichts anzu­fangen gewußt. Gewiß müßten alle Schulden an Reparationen bezahlt werden, aber man dürfe nicht den gefährlichen Zwang einer einzelnen Nation gegenüber anwenden. Es fei U n möglichesverlangtworden.Ich rufe dem französischen Volke zu", so sagte Anatole Frances am Schluß,hasset nicht, sondern suchet zu vergessen! Das Elend, das uns umgibt, nähert sich und bedroht uns. Es gibt nur ein Mittel: den Frieden, nicht den, der in hoch­klingenden Verträgen auf totem Papier steht, sondern den wirklichen Frieden, der im Herzen liegt und der Europa wieder aufbauen kann. Wenn wir wirklich die erste Ration sein wollen, dann müssen wir es sein durch unsere Kraft und unsere Einsicht und durch unser Verständnis dessen, was möglich ist um nach dem schönen Worte Goethesgute Europäer" zu sein."

Der Papst für einen wahre« Frieden.

Rom, 20. Febr. Die Mitglieder des diploma­tischen Korps im Vatikan haben dem Papst ihre Beglaubigungsschreiben überreicht. Der spani­sche Gesandte hielt eine Rede, in der er die Freude der ganzen Welt über die Wahl des Papstes ausdrückte und seine hohen Tugenden pries. Der Papst dankte. Er nahm mit befände- rem Vertrauen die Wünsche für das große uni­verselle Friedenswerk entgegen. Nichts sei not» wendiger als die Schaffung des wahren Frie­den» der Welt. Der Papst erteilte sodann den apostolischen Segen. Die erst mit Spannung er- wartete Enzyklika des Papstes wird die Stellungnahme des Papstes zu den innerpoli- tischen Broblenren klären. Der Passt räumt den

träfibenten zum Ausdruck gekommen roaren. Die Fraktion konnte sich den von anderer Seite eingebrachten Mißtrauensvoten wegen bereit Motivierung nicht anschließen. Das galt auch von dem deutschnationalen Mißtrauensvotum, das ficy gegen die gesamte Regierung richtet«, Aus diesem Grunde geschah die Einbringuns eines eigenen Antrages, und ewar auf fast ei* mütigen Beschluß der Fraktion.

Aus dieser Situation hat der Kanzler durchs feine Erklärung am Samstag eine Politik>st« Frage ersten Ranass geschaffen, indem er btt Einbringung eines Vertrauensvotums erzwang Noch der Erklärung, dis der Reichskanzler böl dieser Ge^"oenbeit abgab, war der Wortlaut bei non den Regierunosvarteien einasbrachten An» träges für feine Bedeutung belanglos. Es han» Mte sich nach dieser Erklärung nur noch um die Billigung der gesamten Politik des Kabinette und des Kanzlers. Daß eine derartige Billig«^ angesichts des Mißtrauensvotums, das die Fraktton der Deutschen Volkspartei aus AnloH der Streikverhandlunoen eingebracht hatte, für unsere Partei unmöglich war, stand von vor»- Herein fest. Die Stimmen der Fraktion sonnten nicht anders als gestossen gegen den Kanzler abgegeben werden. Wenn daher einzelne Zei­tungen es beklagen, daß man eine große Reichs­krisis hervorgerufen habe, so mögen sie sich mit den Ratgebern aussinanderfetzen. die den Kanz ler veranlaßt haben, die Situation der Mitt wochakutimmüng herbeizuführen.

Es scheint auch, als wenn in den Kreisen her Regierungsparteien selbst nicht überall Ver­ständnis für diese Aktion vorhanden war, den« nur so ist es wohl zu verstehen, daß jene poli« ttsche Aussprache am Dienstag stattgsfunde« hat, zu der neben den Regierungsparteien auch die Deutsche Volkspartei eingeladen war. Der ..Vorwärts" muß schlecht unterrichtet sein, rottet er seinem Erstaunen über das Erscheinen der Vertreter der Deutschen Volkspartei Ausdruck -ibt, denn die Einladung zu dieser Besprechung war doch wohl von den Regierungspartei«« mtsaegangen, und die Vertreter der Deutschen Bolksvartei waren der Einladung, die offiziell »on der Reichskanzlei ausging, gefolgt, ohne ' sie die Tagesordnung für diese Besprechung kannten. Der Zweck der Zusammenkunft, mit sich dann hermirstellte, war die Aussprache über die Frage, ob durch die Bildung der großen Ko­alition der Wirrwarr der Parteiverhâltnisie aus dem Wege geräumt und die Bahn zu neuem Schaffen geebnet werden könnte.

Es war klar, daß eine neue Situation füt das Verhältnis der Parteien zueinander nur gegeben sein konnte, wenn eine andere Regie­rungskoalition am Mittwoch vor dem Parla­mente ftattfand. Der Wunsch nach einer solchen Entspannung der fettigen dauernden Krisis war bei den verhandelnden bürgerlichen Parteien vorhanden und mürbe besonders von Demokra­ten und Zentrum als deren einmütige Auf­fassung betont. An dem heutigen Zustande einer Mindecheftsregierung, die sich bei jeder Aktion entweder links oder rechts Hist« suchen muß, um frh überhaupt halten zu können, hat, vom Standpunkte des Staatswohles aus gesehen, gewiß we^er die Regierung noch die Opposition ein Interesse. Man muß aber auch in den Krei­sen der Regierung verstehen, daß die Deutsche Volksvarte? es müde ist, sich einfach als bie offiziöse Regierungspartei mißbrauchen zu lasten, daß man über ihre 85 Stimmen bei wich» tigen Gesetzen glaubt verfügen zu können, f gleichzeitig aber vor der Sozialdemokratte beugt wenn diese erklärt, sie könne mit der Seutidien Volkspartei nicht in eine Regierung eintreten.

Die Deutsche Volkspartei nimmt für sich m Anspruch, daß sie als außerhalb der Regierung stehende Partei volle Freihett des Handelns bef^t, und das Mißtrauensvotum hat barüber volle Klarheit geschaffen. Nachdem die sozial­demokratische Fraktion am Dienstag erneut M dem Gedanken der großen Koalition eine ab­lehnende Haltung eingenommen hatte, die vom Vorwärts unterstrichen wird, wurde erneut bet Zustand einer deutschen MinderheitsrcgiermG vor der Entscheidung über wichtige ^aiißenpo» tische Fragen geschaffen. Wer diesen Zustanob«* klagt, der möge sich mit seinen BescbwcrdeH über diese Lage an die Sozialdemokratie wen» den. Für die Deutsch« Volkspartei kann ein ver» handeln über eine Erweiterung der heutigen Regierungsbasis nach den letzten Vorgang« und Beschlüssen der Sozialdemokratie überhaupt nur in Betracht kommen, wenn innerhalb b« heftigen Regierungsparteien Einmütigkeit ubtS die Notwendigkeit der Herbeiführung der groß« Koalition geschaffen ist.

(Setter« vsttttsche Nachrichten Seite 44.