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General-Anzeiger

AmMches Organ für Stad!- und Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermühl«.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil RichardSultsch:mr lokalen und provinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt, alle in Sanau a. Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Sanaa. Ferniorechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

Ar. 32

Dienstag den 7. Februar

1922

Der Eijenbahnerslreik.

Die DermMlungsaklion der Gewerkschaften. Die Möglichkeit einer Einigung in allen Fragen gegeben.

Die Verhandlungen in Berlin.

Gestern vormittag ^11 Uhr wurden in der Reichskanzlei die gestern bereits angekündigten Verhandlungen der Reichsregierung mit den Epitzenorganisationen eröffnet. Vertreten waren u. a. der Allgemeine Deutsche Gewerk­schaftsbund, die Christlichen Gewerkschaften, der Deutsche Gewerkschaftsring und der Deutsche Beamtenbund sowie der Afa-Dund. Ausdrück­lich wurde festgestellt, daß die Reichsgewerk- fchaft Deutscher Eisenbahnbeamten und Anwär­ter nicht vertreten war, doch erklärte später ein Vorstandsmitglied der Postbeamtenorganisation daß er als Mitglied des Deutschen Beamten- bundes sich gewissermaßen inoffiziell auch als Vertreter der Eisenbahngewerkscbaft betrachte, wenn er auch zu förmlichen Verhandlungen nicht legitimiert sei.

Reichskanzler Dr. Wirth eröffnete die Ver­handlungen mit einer Ansprache, in der er die Bedeutung der Eisenbahneraktion für die p o l i- sische Gesamtlage Deutschlands sowohl nach innen wie nach außen hervorhob. Don Anfang an sei es das feste Ziel der Politik der gegenwärtigen Regierung gewesen, die Erkennt­nis in der Welt zu verbreiten, daß die Welt­wirtschaft wieder aufgebaut werden muß. In diesem großen Kampfe um die politische Welt­atmosphäre habe die Reichsregierung unter Ein­satz aller Kräfte bereits den Erkolg erzielt, daß sich ein Teil der Welt zu ihrer Ueberzeugung bekehrt habe. Der beste Semeis üaM M Ne Einberufung der bevorstehenden Konferenz in Genua, die sich mit dem Wiederaufbau Euro- ms befassen werde. Voraussetzung für eine er- olgreiche Weiterführung dieser Politik sei aber elbstverständlich das Vertrauen der Welt zu Deutschlands Ordnung und zu Deutschlands wirtschaft­licher Leistungsfähigkeit, Vertreter eines Landes, das anarchischen Zuständen ent­gegenzugehen scheine, werden niemals als ver­handlungsfähig betrachtet werden. Alle Be­mühungen unserer auswärtigen Politik seien von vornherein zum Scheitern verurteilt, wenn die Welt zu der Ueberzeugung komme, daß es eine Staatsautorität in Deutsch­land nicht mehr gebe. Unter dem Ge­sichtswinkel dieses Kernproblems, müsse man auch die jetzigen Verhandlungen führen. Alle übrigen Fragen feien im Vergleich dazu von untergeordneter Bedeutung und, wenn man das Kernproblem richtig erfaßt habe, verhält­nismäßig leicht zu lösen.

Im Verlauf dèr Verhandlungen stellte ein Vertreter des Deutschen Beamtenbundes vor allem zwei Forderungen auf:

1. Sozialere Gestaltung des Ge­haltstarifs mit entsprechender Nivellierung in den Gehältern der unteren und oberen Beam­ten.

2. Aufstellung eines Arbeitszeitge- ! e tz e s für die g e s a m t e Beamtenschaft, nicht bur, wie es jetzt beabsichtigt sei, für die Eifen­bahnverwaltung allein.

_ Weiter behauptete er, daß im Bereich der Verkehrsverwaltuna auf Grund des Arbeits- Seitgesehentwurfes bereits neue Dienst - Pläne aufgestellt und teilweise sogar schon ein- Mährt worden seien, obwohl eine gele^siche Regelung der Arbeitszeit im Sinne des Ent­wurfes noch nicht vorliege.

. Reichskanzler Dr. Wirth erwiderte, daß wegen solcher Forderungen seines Erach- 'ns ein Streik unnötig gewesen pf- Verhandlungen über das Arbeitszeitgesetz durchaus möglich, da die ganze Behand­lung dieser Frage über einen Rcferenten-Ent- W hinaus noch nicht vor^^ntten fei; weder 3 Reichgverkehrsministerium noch das Kabi­nett habe b^ber darüber irgendeinen Beschluß gefaßt. Eire weitere Nivellierung der Samten gehälter bezeichnete her Reichs­adler schon aus dem Grunde für ausge- Mofsen, weil sie einer Wirtschaftlichmachung svEisenbabn im Wege stehe. Man dürfe es dahin kommen lassen, daß die tüchtigen

*n den Privatdienst abwandern, sodaß ^^^eisenbabn nnwirtschastsich bleibe und w Gefahr in die Nähe rücke, daß von der Cn- ^.ute eine Kontrolle über die Reichsb-t'jcbe »'gerietet werde. Jedoch stellte der Reichs- "uz'er ^efnre^ungen über eine Aende -

der B e f o l d u n g s n r d n u n g in Aussicht, nm die unteren Beamten "lrtjchaftltch zu heben. Sie asaenwär.

tig zur Beratung stehende Vorlage über die Ueberteuerungszufmüsse enthalte bereits ein Entgegenkommen in diesem Sinne.

Alsdann bestätigte der Reichsver­kehrsminister, daß der Referentenentwurf über das Arbeitszeitgssetz in keiner Weise zu Aenderungen des Arbeitsplanes bei der Reichs­eisenbahn geführt habe. Die Zurückziehung eines solchen Referentenentwurfs, der noch kei­nerlei gesetzliche Grundlage habe, könne deshalb gar nicht in Frage kommen. Daß jedoch sveziell bei der Reichseisenbahn eine Neuordnung der Arbeitszeit unerläßlich sei, zeige schon die Feststellung, daß von der G esamt- dienstzeit der Lokomotivführer gegenwärtig nur 35,4 Prozent auf der Lokomo­tive zugebracht werden. Bei dem knappen Lo­komotivenbestand könne sich die Reichseisenbahn eine solche Verschwendung nicht leisten.

Nachdem Ministerialdirektor v. S ch l i e b e n vom Reichsfinanzministerium über die Höhe der Ueberteuerungszuschüsse berichtet hatte es handelt sich um etwa 6 V 0 0 M a r k jährlich pro Kopf verlangte der Be­auftragte der Postbeamtenschaft, der sich zu- gleich als inoffizieller Vertreter der Reichseisen­bahnergewerkschaft bezeichnet hatte, von neuem Aufhebung aller bereits getroffenen Aen­derungen des Arbeitsplanes der Eisen­bahnverwaltungen. Die Dienstpläne dürften erst im Zusammenhang mit einer allgemeinen Neuregelung der Arbeitszeit bei der Beamten­schaft geändert werden. . ^-^WM Reichskanzler Dr. Wirth gab hierauf namens des Kabinetts eine Er­klärung ab, er fei durchaus bereit, den Re­ferentenentwurf über das Arbeitszeitgesetz und die damit zusammenhängenden Fragen vor Einbringung einer Vorlage mit den Spitzenor­ganisationen zu beraten: außerdem sei der Reichsfinanzminister ermächtigt worden, Ver­handlungen über die Ueberteue­rungszuschüsse zu führen. Dr. Hermes habe sich bereit erklärt, diese Besprechungen heute nachmittag um 4 Uhr im Finanzministeri­um zu eröffnen.

In der Aussprache ergriff noch ein Vertre­ter des Deutschen Gewerkschaftsbundes, dem die christlichen Gewerkschaften an­gehören, das Wort: er verurteilte den Streik der Eisenbahnbeamten aufs schärfste und wandte sich auch gegen die mechanische Anwendung des Acht- stundentages in den Reichsbetrieben. Er behauptete, daß die Leitung und Finanzierung des Streiks in linksradikale Hände überge­gangen fei und wandte sich sehr s^arf gegen die in kommunistiscken Versammlungen erhobenen Forderungen, daßalle Streikbrecher entlassen würden". Streikbrecher gebe es bei der Eisen­bahn nicht, sondern nur pflichtgetreue Beamte und solche Beamte, die ihre Pflicht durch Arbeitsniederlegung ver­letzt hätten. Ein Vertreter des Beamten- bund es erklärte, daß durch die Erklärungen der Reichs" 'gierung, die in der Aussprache ge­macht worden seien, die Aussichten für die Bei­legung des Eisenbahnerstreiks günstiger gewor­den seien.

Zusage des Reichsfinanzminislers.

Berlin, 7. Febr. Nach den Besprechungen in der Reichskanzlei konzentrierte sich das ganze Interesse zuerst im Reichsfinanzministerium. Dort fanden Verhandlungen zwischen dem Reichsfinanzminister Dr. Hermes und den Spitzen der Gewerkschaften unter persönlicher Anwesenheit des Reichsverkehrsministers Grö­ner statt. Sämtliche Fragen der Beamtenbe- soldung. einschließlich der Ueberteuerungszu- Ü u|fc wurden eingehend besprochen mit dem Ergebnis, daß bei den Führern der Gewerk­schaften kein Zweifel mehr war, daß i n allen Fragen eine Einigung er­zielt werden könne. Reichsverkehrsminister Gröner sprach dabei auch vom Arbeitszeitgesetz, ohne daß die Zurückziehung des Referentenent- wures zugesagt worden wäre.

Mnisler Dr. Hermes erklärte, daß die Regierung zu der gesordcrlen Nachprüfung der Grundgehälter der Beamten prinzipiell bereit sei. Er habe diese Bereitwilligkeit bereits am 21. Januar im Reichstage ausgesprochen und auch der 23. Ausschuß des Reichstages habe ins Avne gefaßt, bei der in Aussicbt genomme­nen Prüfung der automatischen Anpassung der ««kält« an die Gcldeulwertuna auch die Re­

form der Grundgehälter zu erörtern. Er sei bereit, alle Schritte zu tun, um die Reurege- lu"" der Grimd^ebâller zu beschleunigen.

Um 6 Uhr waren die Parteiführer zum Reichskanzler gebeten. Anschließend daran fand eine Kabinettssitzung statt, in der die Be­sprechung im Reichsfinanzministerium beraten wurde. Das Resultat der Kabinettssitzung liegt zur Stunde noch nicht vor.

Die Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahn­beamter ließ sich durch einen Kurier über die schwebenden Verhandlungen unterrichten. Ihr Hauptvorstand teilt mit, daß er alle wesentlichen Entschlüsse in der Streikangelegenheit nie wie­der allein fassen werde. Der bisherige Aktions­ausschuß werde von sich aus keinen Schritt mehr unternehmen.

Die Streiklage km Reich.

Berlin, 7. Fcbr. Tie Streiklage im Reich ist im allgemeinen unverändert geblieben. In Sachsen ist die Lage gleichgeblieten. In Freiberg itnb und anderwärts sind aber die Lokomotivführer und in Themnitz auch die Werkstattbeamten in den Aus­stand getreten. In Magdeburg ist ebenfalls mit einem Streik der städtischen Arbeiter und Angestellten zu rechnen. Auch in Stettin bat sich die Lage verschärft und ist dir Zahl der Streikenden gestiegen.

Im Bezirk Hannover ist die Lage unverändert. In Oldenburg haben sich die Lokomotivheizer ge­schlossen zurückzemeldct. Im Bezirk Essen hat auch der Deutsche Eisenbahnerverband zur Wiederaufnahme der Arbeit aufgefordert. Sonst hat sich die Lage nicht verändert. An mehreren Stellen sind wieder Sabotageakte verübt worden. Go bat man in Osnabrück auf einen der diensttuenden Aufsichts- beamten scharf geschossen. Da» Personal der Haupt- werkstatt Lingen im Direktionsbezirk Münster ver- I binderte den Zugverkehr mit Sewalt. Auf der Strecke von KottbuS bis Niederfchöneweide sieben zehn Kohlen­züge, die wegen der Berliner Wassermangels nicht nach Berlin hineingefabren werden können.

Berlin, 7. Febr. Die Technische Nothilft hat in den einzelnen Direktionsdezir'en folgende Aurhilfrkräste zur Verfügung gestellt: Ueber 800 Lokomotivführer, über 1000 Heizer und Fahrpersonal, über 300 Arbeiter, Hilfspersonal. Im Elsenbahndirektisnsbezirk Berlin ist die Technische Notbilfe mit 160 Lokomotivführern, 270 Heizern und sonstigem Fahrpersonal und 1200 Arbeitern, Hilfspersonal, eingesetzt worden.

Karlsruhe, 7. Febr. Amtlich wird mitgeteilt: Der regelmäßige Betrieb ruht auf allen badische» Strecken vollständig. Der No tbe, trieb ist ausgenommen würden. Auf der im Kanton Schaffhausen gelegenen Strecke der Oberrhcin- talbabn wird der regelmäßige Schrieb durch schweizerisches Personal aufrecht er­halten.

Stuttgart, 7. Febr. Die Württem­berg i s ch en Lokomotivführer haben der Eijenbahndirektion ihre endgültige Stellung- nanme zum Streik noch nicht mitgeteilt. Durch das Uebergreifen de» Eisrnbahnerstreiks auf Baden ist Württemberg von jeder Brennstoff­zufuhr abgeschnitten. Es sind dc»halb die vor­handenen Brennstoffvorräte für die besonder» ledentwichtigen Betriebe beschlagnahmt worden, und dar Landesbrennstoffamt wird, wenn nötig, auch die Brennstoffvorräte bei der In­dustrie beschlagnahmen.

München, 7. Febr. Ab heute fallen wegen Kohirnnst sämtliche Schnellzüge einschließlich der Luxurzüge auf den d'ayrifch-rechtrseitigen Strecken aus, mit Ausnahme der Schnellzüge MünchenBamberg und MünchenHof, die noch weiter abgefertigt werden. Der Personen­zugoerkehr wird gleichfallr stark eingeschränkt werden.

Limburg, 7. Febr. Eine Sabotage ist hier in der letzten Nacht verübt worden. Streikende ließen eine Lokomotive an die Drehscheibe fahren und brachten sie dort zum Absturz. Die Eisenbahndirektion setzte eine Belohnung von 10 000 Mark auf die Ergreifung der Täter aus.

Der «emeindearbelterstreik in Berlin.

Berlin, 7. Febr. Die Streillage in Berlin ist unverändert. Der Oberbürgermeister hat nach Der- bandlungen mit den Spigenorganisationen einen Ausruf erlassen, der alle der Arbeit ferngebliebenen Arbeite, «assortiert, bi» spätestens Dienstag nachmittag 2 Uhr zum Dienst zurückzukedren, widrigenfalls da» Arbeitsvelbältni» al» gekündigt anzusehen sei. Man hofft, » dieser Aufforderung neAgefommen wird.

Ber:in, 7. Febr. Nach Ueberwindung anfäng­licher Schwierigkeiten hat die Technische N»tHilfe die i8a«-, Wasser- und Elekteizitättwerkc übernommen, sodaß die Lcrsorgung der Bevölkerung mit Wasser »ad Lickt 1 normaler Eru»«â bare all neirLe« teidieiut

Streikbeschluß der Berliner Post- und Telegraphenbeamkev.

Berlin, 7 .Febr. In einer Frakkionsver sammlung der Post- und Telegraphenbeamlen des Reichsverbandes, Bezirtsverein Berlin, wurde befdjfoffen, heute mittag 12 Uhr in den Streik zu treten, falls bis heute mittag 12 Ahr keine Einigung zwischen der Regierung und den Streikenden über die Forderungen der Reichs- pewerkschaft Deutscher Eijenbahnbeamter und Anwärter erfolgt ist.

Aus dem Bezirk Frankfurt.

Frankfurt a. R!., 7. Febr. Nach dem Abend» bericht der Eisenbahndirektion sind am Montag im ganzen Bezirk der Direktion 6 Güterzüge, darunter 2 Kohlenzüge, ferner 80 Personenzüg? und 2 Ententezüge gefahren worden. Den Eil- güterbahnho^ Frankfurt hat 1 Eilgüterzug nach Mainz verlassen. Für das Frankfurter städtischs Elektrizitätswerk sind 15 Waggon Kohlen ein« gegangen, weitere Sendungen stehen in Aus­sicht. Die Zufuhr lebenswichtiger Güter und Rohstoffe für Frankfurt hat eingesetzt.

Der Notverkehr ist im verstärkten Maße im Bezirk ausrechterhalten worden. Am Montag verkehrten von früh bis 4 Uhr nach­mittag 1 für die Industrie bestimmter Kohlen» zug von Bebra nach Hersfeld, ferner 4 Per­sonenzüge in Friedberg, 18 Personenzüge uni 1 Güterzug in Dillenburg, 21 Personenzüge in Gießen, 28 Personenzüge und 3 Güterzüge in Betzdorf, 6 Züge in Cronberg, 12 Personenzügr und 1 Cuterzug in Limburg. Vom Hauptbahn­hof Frankfurt ging nur der Parlamentarier­zug ab.

Frankfurt a. 21L, 7. Febr. In der Fort­setzung der Generalversammlung des D e u t« scheu Eisenbahnerverbandes, die am Sonntag nicht zu Ende geführt werden konnte, wurde am Moniag abend im ScrfenjaOi einstimmig beschlossen, heute Dienstag von 10 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags im Saale des Eewerkfchaftshauses eine Urabstim­mung über die Frage vorzunehmen: Abbruch oder Fortsetzung des Streikes? Das Ergebnis der Abstimmung wird heute abend 8 Uhr bekanntgegebn werden.

Zufammenlritt des Reichstages.

Berlin, 7. Febr. Der Aelkestenrat des Reichs­tages wird heute mittag 12 Uhr zusammenlre- ten und von ihm wird es abhängen, ob Heuke nachmiktag das Plenum lagen wird. Auf der Tagesordnung stellt u. a. ein Antrag der Unab­hängigen und ein Antrag der Kommunisten, dis beide die sofortige Aufhebung der Verordnung des Reichspräsidenten gegen den Beamfenffrei: fordern. Zn parlamentarischen Kreisen erwartet man, daß in der Sitzung des Plenums eine Re­gierungserklärung über die Slreiklage gegeben wird.

Der neue Papst.

Rom, 6. Febr. Heute vormittag 11 Uhr ist nach vielen vergeblichen Wahlgängen endlich die Pavttwahl zustande gekommen. Gewählt wurde Kardinal A ch i l l e s R a t t i, der Erzbischof von Mailand, der den Namen: PapstPiusXI. führen wird.

Der neue Papst Pius XL, ehemals Kardinal Raid, ist Lombarde und war Kanoniku» an der Smbroftul« KirSe in Mailand, al» er 1907 jum SauSprälaten dr» Papstes ernannt wurde. Als Kanonikn? war et seit 1912 «täfelt der berSkmtcu Ambrosiur-Bibliotbrk und gleichzeitig auch Vizcprättkt her Dankanischni Bibliotbek, bis er fpSter die Leitnng der Vatikaniscdcu Bibliotbck als «täfelt übernahm. Nach dem Weib krieg fand er kurze Zett Verwendung im diplomatischen Dienst der Kurie und zwar als Nuntiu» in Warschau. Nach bem im Jabre 1921 erfolgten Tode der Erz­bischofs Ferrari von Mailand wurde er zu dessen Nachfolger ernannt uxb erhielt bald die Kardinal s- wtrde. ' Der neue Papst ist am 8. März 1857 in Desio geboten.

Siom, 6. Febr. Die Verkündigung dcr Wabl des Papstes brachte ein bemerkenswerte» Novum: der Papst spendete den Segen nicht mehr, wie seit 1870 (seit dc« Konflikt mit der italienischen Regierung) üblich, im Innern der «eterSfirdbe, sondern erschien auf der äußeren Mittelloggia im weißen «apRtleib. B s zum andern Ende bei Petersplahe» sichtbar, spendete er mit weithin schallender Stimme den Segen, während die Menge reipondicrte. Italienische Truppen zu Fuß und Pferd präsentierten.

Die römischen Blätter stimmen dari» überein, daß bei heutige Tag, an dem ei» Papst zum ersten Male seit 1848 den Segen wieder von der äußeren Loggia erteilte, historisch fei.Popolo Romano" erwartet den Fortgang der tatsächlichen Aursödnuiig zwischen dem Cnirinai und Vatikan, die auch die italienisch- ; Orientuitcresjen fördern könne. Da»Giornolc d'Jtaüa" erwartet eine Ausllârung über He vom Papste einzuschlagcnde Polirik von bet (Ernennung bei «taatkiekrclâr», glaubt aber ebenfalls an die Fort» iegung der Richtung «asparri.Sleinondo" erinnert an die versöhnlichen Tendenzen, »u beiten sich Aarti un leeren SarbS pW» SWUS & SUMfc M«WU