SamueM Anzeiger
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General-Anzeiger
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Nr. 14
Dienstag den 17. Januar
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Verlassleitung: Ad. Indermüble. Verantwortlich: für ooliiischen und allgemeinen Teil Rickard bultiÄ: iür lokalen und orooinziellen Teil sowie Svort Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt. alle in Hanau a. Main. Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Sanou. Fernlvrechankchlüsse Nr. 1237 und 1238.
1922
Das Neueste.
. — Die Reichsregrerung wird sich in ihrer genügen Kabinettssitzung mit der Einladung nach Genua beschäftigen.
— Die Ministerpräsidenten der Einzellander find zur Aussprache über die äußere und innere Lage für Freitag nach Berlin geladen.
— Der Deutsche Beamtenb"nd hat eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, in der u. a. eine Revision der ganzen Gehälter der Beamten als notwendige Folge der Auswirkungen der neuen Steuertarifs verlangt wird.
— Die zwischen den Ministern von Frankreich, Großbritannien und Italien über die Orientangelegenheiten geplante Sanierens, die unmittelbar nach Cannes in Paris stattfinden sollte, ist bis aus weiteres auka^fchoben werden.
— Seit einigen Tagen ist an der Wiener Dorfe kein Handel mehr. Von ausländischen Noten werden nur noch die Devisen notiert.
— Die ungarische Nationalversammlung soll dis 16. Februar aufgelöst werden. Neuwahlen werden ausgeschrieben.
Frankreichs neue Regie.
Poincars — L’homme de la Lorraine — der „große Lothringer", hat sein Ziel erreicht. Er ist Ministerpräsident und sein Kabinett wird durch ihn selbst charakterisiert. Ihm zur Seite steht Lèon Varthou, der ebenfalls schon zur Genüge bekannt ist und bereits als Ministerpräsident genannt wurde. Was den neuen Finanzminister de Lasteyrie betrifft, so sind dessen Aeußerungen über den angeblichen bösen Willen Deutschlands, seine Verpflichtungen zu erfüllen, noch in unserer Erinnerung. Das üb» As sind alles Männer zweiten Ranges, die sich parteimäßig meist den Parteien zurechnen, viè den nationalen Block bilden. Abgesehen von den Ausläufern nach links ist das neue Kabinett Poincars also ein Kabinett des natio- bülen Blocks. Cs fragt sich nun: Wag wird Paincars tun, welche Politik wird er treiben $
Schon vor dem Kriege sang man in den Straßen von Paris zu dem gellenden Ton der Mandoline allerhand lustige Verse auf Poin- wrL. Eines der beliebtesten Couplets trug den Titels „Les poings carrés", was man etwa »geballte Fäuste" übersetzen könnte. Vielleicht wird dieses Lied in Frankreich wieder in Flor kommen. „Geballte Foulte" — Gewaltpolitik' Wem sie gilt, wissen die Franzosen, wißen die Deutschen, weiß die Welt. Poincars will die absolute Vormachtstellung Frankreichs in Europa und die völlige Zertrümmerung des Deutschen Reiches sowohl politisch wie wirtschaftlich. Wir erinnern an einen Artikel im „Matin", der unseres Wissens nach im vorigen Sommer erschien, in dem Poincars* ein Zukunftsbild aus dem Jahre 1935 gab. Deutfch- bnbs Entwaffnung war unvollständig. Die Deutschen waren unverbesserlich. Der Wiederaufbau konnte nicht durchgeführt werden. Keine andere Lösung gibt es, als das Rheinland weiter besetzt zu halten, die Reichswehr aufzulösen und zu erzwingen, das neue Waffenmaterial auszuliefern. Ja, das ist Poincarës Politik, sein innigstes Streben: der Rhein ist die republikanische Grenze Frankreichs, das deutsche Mlk das ohnmächtigste Europas.
Es wäre falsch, der deutschen Oeffentlichkeit bisse von dem neuen französischen Ministerprä- Wenten geäußerten Absichten vorzuenthalten und erstere im Dunkeln tappen zu lassen und einfach nur die Frage aufzuwerfen: Wird Poin- «ré in Wirklichkeit die Politik Shylocks trei-
Wir müssen vielmehr schon jetzt mit die- str Politik rechnen, zum mindesten mit einer Wien, die sich auf den brutalen, nur auf Haß und Vergeltung gerichteten Geist von Ver- 'aiües stützt. Und da wir diese Politik, bei der «r um unser nationales Dasein oder Nicht- busein geht, erkennen, ist es auch unsere Pflicht, °uf die Notwendigkeit hinzuweisen, die uns Deutsche in dieser Stunde beherrschen muß: die Nroenbigteit des engen Zusammen- Flusses. Wir brauchen in diesen Tagen T^r die Parteigrenzen hinaus eine einheit- “^e Stellungnahme des deutschen Volkes, Men einheitlichen Willen. Fort mit der Zerrung im Innern, der gegenseitigen Bekamp- Ung! Jetzt gilt es, auf dem Boden des Vater- lindes fest zusammenzustehen und sich gegen Raubtiertatzen des französischen Chauvinis- Uws zu schützen. *
die bevorstehende Programmrede Poincarvs.
Paris, 17. Jan. Nach dem „Journal" wird w der Erklärung, die Poincarè über sein Re- kllerungsprogramm abgeben wird, der Haupt» W der Außenpolitik gewidmet sein, nament- Uch in Fragen, die auf der Konferenz von "a«nes angeschnitten wurden. In innerpoiui«
scher Beziehung soll besonders das Finanzoro- gramm in der Regierungserklärung erörtert werden. Desgleichen wird c:— Auslassung über die militärischen Fragen erwartet. Man sagt daß die bisher vom Kriegsminister Varthou vorgslegten neuen militärischen Gesetze nicht die Zustimmung Poincares gefunben hätten.
Eine Interpellation Deschanels.
Paris. 17. Jan. Deckm-el, der frühere Eintagspräsident der frsn-rnsilchen Renublik und fetziges Mitglied des Senates, hat bereits eine Interpellation singebracht, in der Poincarè höchst freundlich ersucht wird, im Senat die unentbehrliche Aussprache über die auswärtige Politik Frankreichs herbsizukühren. Auch Deschanel tritt als Redivius auf, und seine politische Laufbahn soll noch nicht als abgeschlossen gelten dürfen.
Besprechung zwischen Lord Curzon und poin- cars.
Paris, 17. Jan. Die gestrige Besprechung zwischen Lord Curzon und Poin- caré war ziemlich kurz. Sie hat kaum mehr als eine Stunde gedauert. Beide haben sich gegenseitig vorsichtig abgetastet Jedenfalls hat Poincars auch gegenüber Lord Curzon erreicht, daß die eigentliche diplomatische Unterredung vor der Hand ausgeschaltbt wird unter dem Vorwand, daß zuerst das Rs- gierungsprogramm vor dem Parlament auseinandergesetzt werde und Poincars erst die Akten der türkischen Frage studieren muffe. Es scheint sicher zu sein, daß auch die Erledigung der englisch-französischen Mei- nungsverschiedenhsiten in der Orientfrage nach der Manier Poincarès vor sich gehen soll, d. h. durch Besprechungen
..den. Botschaftern in Paris und Lon- gelegen^ eit des Vertrag esvonAngoro ist jedenfalls der, daß diese Angelegenheit bereits der Vergangenheit angehört und praktisch erledigt ist. Der italienische Standpunkt würde ebenfalls durch den Gedankenaustausch von Botschaft zu Botschaft zum Ausdruck kommen. Darüber, inwieweit auch die Frage von Tanger angeschnitten werden soll, verlautet nichts. Es ist in Cannes zwischen Curzon und Briand über die Tangerfrage vereinbart worden, daß der Hafen von Tanger internationalisiert werden soll, und daß zu diesem Zwecke eine englisch-spanisch-französische Konferenz in London abgehalten werden soll. Es fragt sich nun, ob Poincarè diese Entscheidung einer Londoner Konferenz für die Tangerfrage ratifiziert. Das ist kaum anzunehmen und auch über die Tangerfrage werden die diplomatischen Kanzleien, auf dem umständlichen Wege miteinander verhandeln.
Die Sinlaöung nach Genua.
Berlin, 17. Jan. Gestern abend wurde durch den italienischen Botschafter in Berlin der Reichsregierung die offizielle Einladung für die Konferenz non Genua überreicht. Die Einladung an die Reichsregierung für die am 8. März stattfindenden Konferenz hat folgenden Wortlaut:
Herr Reichskanzler! Nach einer Entscheidung des Obersten Rates der AlliiGten Mächte in Cannes beehre ich mich. Ihnen die Abschrift einer Entschließung zu übermitteln, die am 6. Januar 1922 durch die Alliierten Regierungen auf der Konferenz von Cannes angenommen wurde. Im Einklang mit dieser Entschließung und auf Wesiung meiner Regierung hin, beehre ich mich, die deutsche Regierung zur Teilnahme an der Wirtschafts- und Finanzkonferenz ernzuladen, die in Genua am 8. März eröffnet werden wird. Ich bitte Sie, mir die Namen Ihrer Delegierten und ihrer Begleiter mitzuteilen. Genehmigen Sie, Herr Reichskanzler usw.
Dem Einladungsschreiben ist der Text der bereits veröffentlichten Ew-bsießung beigefügt, die durch die Konferenz am 6. Januar angenommen wurde. Unter den in der Entschließung zur Teilnahme ausdrücklich aufgeforderten Mächten befinden sich außer Deutschland auch Oesterreich, Ungarn, Bulgarien und Rußland.
Poincarv als Hemmschuh in Germa?
Paris, 17. Tan. Der Pariser „Renmark Herold" will von einem hervorragenden Der- treter des nationalen Blocks erfahren haben, daß poincaré ebenfalls persönlich nach Genua fahren werde, falls Lloyd George und Bonomi persönlich an der Konferenz keilnehmen sollten. Wahrscheinlich ist diese persönliche Teilnahme Poincars» analog der Briands in Washington gemeint, um als Hemmschuh an dem R«ü« der Geschichte wirken zv könne«.
Die Zahlung der ersten 31 Millionen.
Nach einer Meldung des „Excelsiar" aus Paris sollen bereits heute durch die Krieas- lastenkommission, die am 18. Januar fälligen 31 Millionen Goldmark auf Grund der Antwort der Reparationskommission auf die deutsche Bitte um Zahlungsaufschub übergeben werden. Wie man hört, ist der Sackoerhalt etwas anders. Die Krisaslastenkommission hat der ReparationskouimsiNsin ^t# Mitteilung gemacht, daß die nächste fällige Zahlung von 31 Millionen Goldmark von Berlin ans ^"ssis überwiesen worden sei. Im übrigen werden die Vorbereitungen zur schriftlichen Einreichung der späteren Zahlungsfristen getroffen.
Am Sie Währung in Oberschlesien.
Berlin, 17. Jan. Die Beibehaltung der deutschen Währungsgrundlage in den an Polen abgetretenen oberschlesischen Gebieten führte wie der „Deutsche Kand-sdiensi" erfährt, zwischen den Voten unh her Reichsbank zu Gegmsäben ^ie Polen erbf"*en in her fem^ett nah-offenen Bestimmung, die deutsche Währung in Ober- schlesien als gesetzliches Zahlungsmittel bmi e» halten zu müssen, «men ti»*-’*«Afen Ansvruck darauf zu haben, daß die Reichsbank ihre in Ratto mit; befindliche Filiale bestehen läßt. Ihre Forderungen geh-m fsaar noch weiter, indem sie verlangen, daß die Reichsbankfiliale in Kattowitz mit einer von Pc^en in Oberfchlesien zu errichteten Bank in Giroverkehr treten muffe und daß der Reichsbanksisiale ein pol» nischer ,Renfro Obeawfer Mgeceben werden muffe. Dem gegenüber haben siG die deutschen Unterhändler auf den Sèandvunkt gestellt, form die Reichsban^^-' übsrhsuvt nicht im Rahmen des Wirtschaftsabkommen, sondern in
SSN sei. Tiefe- Ng Raben sich die polnischen Unterhändler nur sehr schwer und erst nach verschiedenen Winkelzügen ge- fügt.
Die VvrderAUge« Ser Leamlen.
Bersin, 17. Jan. Der beutle Beamteubund hat in Verfolg des Beschlusses seines Dorttandes vom 14. Januar am 16. Januar eilte Eingabe an den Reichstag gerichtet, in der eine Revision der ganzen Gehälter der Beamten als notwendige Folge der Auswirkungen der neuen Steuertarife verlangt wi-d. A^'-erdem wird eine weitere Erhobn"" des Steuerzuschlages .für die ersten Einkommenteile durch Ausbau des vom Deuffrhen Beamtenbund immer ac» forderten und jetzt auch von der Regierung übernommenen sozialen Programmes als not» wem 1 verlangt, wobei eine Verdoppelung des von der R""'enmg in Au-s-cht genommenen Betrages von 2000 Ma^k in Frage kommen müßte. Diese Forderungen sind schon im Hinblick darauf gerechtfertigt, als die Teuc-nngs« statistiken seit der letzten Besoldungsregelung eine Steigenmg um 97 Rezent auf:" 'tfen und weiter Steigerungen, und be°""'^ms eins Preissteigerung des Brotes um 75 Prozent bevor- stehen. Die wirtschaftliG Schwächsten, Diätare, Beamten im Vorbeireitungsdienst, die Ruhe- aehaltsemr-mnarr und ^mmtenbinterbliebenen sind in vollem Umfange mit zu berücksichtigen.
Forderungen des Deutschen Gewerkscbafts- bundes.
Bersin, 16. Jan. Der dem Deutschen Ge- werkfchaftsbund angehörigen Gesamtverband deutscher Beamten- und Staatsangestellten- Eewerkschaften hat, wie die Tel.-Union erfährt, dem Reichstag eine Eingabe zugehen lassen, in der es u. a. heißt:
- Die Verhandlungen zwischen dem Reichs- finan’, minister und den Spitzenorganisationer der Beamten, Angestellten und Arbeitern des Reichs haben zu elftem Einvernehmen geführt das in feinern grundsätzlichen Teil von den Unterhändlern der Organisationen nur unter Protest eingenommen wurde. Der Gesamtver- Vand weist darauf bin, daß die Grundaebölter wie sie durch die Regelung vom November v. I,. festgesetzt wurden, nicht mehr haltbar sind, schon wegen der inzwischen erfolgten Neufestsetzung der Einkommrnsteuerltanclung. Dei Reichstag wird deshalb gebeten, eine Aenderung der Grundgehälter vorzunehmen, mindestens aber, wenn das jetzt nicht möglich sein sollte, der Regierung gegenüber die Bitte auszusprechen, daß eine solche Neuregelung bei nächster Gelegenheit erfolgen soll. Der bei dem Teuerungsz'ischlag neu beschrittene Weg wird gnmdsätzlich gebilligt, aber die vorgesehenen Aafbesserungsbeträge (1875 Mk. für Arbeiter und 2000 Mk. für Beamte pro Jahr) werden als zu gering bezeichnet im Hinblick auf die vor der Tür stehende weitereerhebliche
Verteuerung der Lebenshaltung. Als Mindestbetrag einer erträglichen Ausbesserung werden 3600 Mk. genannt und vorge- schlagen, daß für einen Anfangsbetrag von 12jCO Mk. ein weiterer Teuerungszuschlag von 30 statt 20 Prozent eingeräumt wird. Für die Arbeiter wäre dieser Betrag in ’nhnftunben entsnrechend umzurechnen. Sodann wird geltend gemacht, daß es nicht angeht, daß in denjenigen besonders teueren Orten, in denen den Arbeitern Ueberteuerungs- zuschüffe gewährt werden, die Beamten auf dem nivellierten Satz des Reichsdurchschnitts zu halten. Es wird vorgefchlaqen, in solchen Orten den Beamten im Etat nachzuweisende Zulagen zu gewähren und hinsichtlich ien Festsatz dieser Zulagen dem Reichsrat ober dem Reichskabinett Vollmacht zu geben. Des weiteren wird eine Erhöhun" des Kinderzuschlags. die einheitliche Gestaltung derselben, hie Erweiterung aller Verbsyerunaen auf die "^lâtare, die Beamten im Vorbereitungsdienst, hie Pensionäre, die Sozialrentner der Reichs- hetrie^«. >;e Hmterbsiebensn, ferner sie künftige direktionells Lohnfestsetzung für Arbeiter empfohlen.
Ein Arbeikszeikgesetz für die Reichspost.
Berlin, 17. Jan. Am 26. Januar tritt, wie die T-legravben-U^ou hört, der Derkehrsbeirat des Reichsvosiminikteriums zusammen,' um sich mit allen schwebenden Fragen besonders aber mit der in Aussicht Genommenen Reform besassen soll. Mit der Frage der Detriebsverein- kachung besaht r-A ferner eine noch in der Ausarbeitung befindliche D-nfschrift des Reichspost» miniffertums, die nach ihrer Fertia^ellung dem Reichstag vorgelegt werden fyll. Wie die T-U weiter hört, ist :m Reichsvoftministerium her Sniamr/ eines Lrbsirszcugejetzcs, aymuy ient» ienigen für die Rèichssffenbahn im Werdet» begriffen.
Dom ßetifatmsparteifag.
Bersin. 16. Jan. Am Montag fand sich der Parteitag des Zentrums zu einer geschloffenen Litzung zusammen. In ihr sprach Generalsekretär D. Katzenberg über die politische Organisation und erstattete den Rechenschaftsbericht über die Arbeiten des Sekretariats. Alsdann berichtete der Generalsekretär über die Beiräte für Standes- und Derufsintereffen, wobei er warme Worte für die Notlage der fresse fand. Im Anschluß an das Referat wurde eine Kommission von Sachverständigen und Mitgliedern der Parteileitung gebildet, die einen Weg finden soll, der Presse durch wirtschaftliche Erleichterungen die ihr gebührende Stellung zu verschaffen. — In der ebenfalls vertraulichen Nachmittagssitzung sprach Redakteur Ritter als Berichterstatter der Programmkommission über die neuen Richtlinien der deutschen Zentrumspartei. Die Richtlinien der Partei wurden den Ereignissen vom Juli 1918 bis in die Gegenwart hinein angepaßt und gipfeln in dem Bekenntnis der Zugehörigkeit z, christlichen deutschen Volksgenreinschaft.
Berlin, 17. D^br. Gestern nachmittag hielt der Vorstand des Reichsoerbandes der Deutschen Windthor st bünde eine Sitzung ab. In ihr referierte der Geschäftsführer des Reichsverbandes der Deutschen Windthorstbünde Dr. Boesel über Jugend und Partei. Der Redner erklärte, daß sich die Windthorstbünde folgendes Ziel stecken: 1. Sie wollen eine Abwehrpropaganda treiben gegen die politische Verhetzung der Jugend. Sie wollen eine Tatpropaganda treiben für die große Idee der deutschen Volksgemeinschaft. Die Masienpropa- ganda für den Gedanken der Volksgemeinschaft temmt zuerst für den Teil der Jugend in Betracht, der politisch lau und gleichgültig ist und nicht in die Fangarme einer ertremen Propaganda gerät. Es gibt aber in Deutschland auch eine Jugend, die sich ihrer ernsten.Pflicht gegenüber Volk und Vaterland bewußt ist und eine Einstellung auf politische Dinge sucht. Uns interessiert vor allem die konfessionell« Jugendbewegung und zwar die katholische. Ich bin überzeugt, daß die neue Reform, die unsere Richtlinien erhalten haben, gerade unter dieser Jugend eine begeisterte Anhänger« ichaft finden werde. Der Redner schloß: Bleiben wir redliche Parteianhänger, die mit de» Grundsätzen unserer Partei über alle Widerstände hinweg das Ziel der großen deutsche« -Hausgemeinschaft im Auge haben. Dann können die Alten eine glück!ichere Zukunft für unser krankes Volk und Vaterland erhalten, bann können auch unsere Lungen eine bessere Zukunft erlangen. (Lebh. Beifall.) — An diese« Referat schloß sich eine kurze Aussprache. Dan, wurde die Sitzung vertagt.