SanauerS Anzeiger
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General-Anzeiger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- tmb Feiertage
Fernivreckanlchlülle Nr. 1237 und 1238.
Nr. 10
Donnerstag den 12. Januar
1922
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Das Reuefle.
— Briand ist nach Paris gereist, um dem Mnisterrat über die Canner Verhandlungen Bericht zu erstatten.
— Der französische Ministerrat hat u. a. be- schlossen, nicht auf die Besetzung des linken Rheinulers zu verzichten.
— Die deutsche Delegation wird jedenfalls heute nachmittag mit dem Obersten Rat verhandeln.
— Der Völkerbund hat den deutschen Ein- spmch gegen die Verfügung der Regierungskommission des Saargebietes über den Begriff „Saarbewohner" abgelehnt.
— Die deutsch-polnischen Verhandlungen über Oberschlesien sind in ein kritisches Stadium getreten.
Mcht Cannes, sondern . . .
Der Wust von Meldungen über die Konferenz von Cannes macht es dem Leser außer- »rdentlich schwer, sich zurecht zu finden und wenn die Nachrichten noch so gut redigiert werden. Das liegt in der Hauptsache daran, daß es Frankreich verstanden hat, die unmittelbare Zulassung der deutschen Presse zur Konferenz zu hintertreiben, wie ja auch die deutschen Delegierten, wie schon gestern gesagt, „nur zum Dessert" nach Cannes geladen wurden. Wir erhalten daher in der Hauptsache nur Meldungen ausländischer Journalisten und Blätter und diese mit einer Fülle von Widersprüchen, daß es mitunter große Mühe kostet, aus dem Wulst den wirklichen Kern herauszuschälen. Doch hat man den Balast beseitigt, und nimmt den übriggebliebenen Kern unter die Lupe, dann erkennt man, daß Cannes die gradlinige Fortsetzung ist all der früheren Zusammenkünfte der Mächte, die wir in Rücksicht auf die mit die-
noch heute Deutschlands Feinde
: Der Geist von Versailles wütet auch in Cannes [ weiter — darüber täuschen alle Beschlüsse wie Zahlur^saufschub, Wirtschaftskonferenz nicht i hinweg. Und wer sich wirklich täuschen lassen sollte, der wird bald sein blaues Wunder erleben. Gewiß, die wahnwitzigen Forderungen des Londoner Ultimatums, die unter anderem jährlich vom deutschen Volke die Zahlung von I zwei Goldmilliarden in bar in sich schloffen, j sollen für das Johr 1922 auf 720Millionen Goldmark ermäßigt werden. Welch großmütige Geste!
Welch tiefen Eindruck muß solche Geste auf die i Völker machen? Die Sieger gewähren dem Besiegten, „der so viel verbrecherisches Unheil auf der Well angerichtet hat", Entgegenkom
men, Atempause, Gnade!
Teilstundung! Um eine solche handelt » sich nur, denn die Gesamtsumme der festgesetzten Reparationen wird nicht ermäßigt. Im Gegenteil, die sichere Einziehung der Gesamtsumme soll gewährleistet werden. Wie viele mögen sich bei dem Wort „Zahlungsaufschub" in Hoffnungen wiegen. Ihnen allen muß doch das wirtschafllick)e Gesetz vor Augen stehen, daß ein Schuldner durch Zahlungsverschleppungen nur tiefer in das Elend der Schuldknechtschaft
verstrickt wird. Michel, begreifst du, um welches Danaergeschenk es sich harrdelt, merkst du, wie trügerisch die Freundschaften sind, auf die man hierzulande nur zu gerne Häuser bauen möchte? Wir brauchen keinen Zahlungsaufschub — mir wollen leben und dazu bedarf es einer ehrlichen, gründlichen Aenderung des Versailler Mordver- tsages und damit natürlich erst recht der seine Lasten noch erheblich übersteigenden Be- mngnngen des Londoner Ultimatums. Von der Teilstundung können mir nicht leben, umso mehr nicht, weil durch diese uns anderweitige Lasten auferlegt werden, Lasten und Bedingungen, die für unseres Volkes wirtschaftliche Zukunft und Ehre erschütternd sind. Jeder Deutsche darf sein Haupt verhüllen. Die Kelche öes Leidens und der Schande sollen bis zur Neige geleert werden. Wir erinnern nur an
Wort Finanzkontrolle. Dette Publique nennt es der Franzose. Er hat m der Türkei, in China und in Griechenland diesem Gebiet einige Erfahrung gesammelt, ^eute ist man dabei, in Oesterreich etwas ähn- uches einzurichten. Dort wird beabsichtigt, durch eine „europäische Handelskorporation", ®n der natürlich an erster Stelle das englische Kapital beteiligt ist, die Bundesbahnen veralten zu lassen. Die „Neue Züricher Ztg." Achtet darüber, indem sie u. a. schreibt: «Senn ein Einverständnis mit der österreichi-
Regierung erzielt wäre, müßte neues mollmatcrial für die Bahnen beschafft werden, "°5 »an der Industrie der in der Korporation getretenen Länder geliefert werden müßte."
Korporation würde sämtliche Aufträge ver- ^n und wäre für die Dealeichung der Rech»
nungen haftbar. Selbstverständlich würde die Korporation auch die Tarife festsetzen und zwar nach ihrem Gutdünken, nicht nach den Erfordernissen der Volkswirtschaft. Sollten die Franzosen in Cannes mit ähnlichen Plänen für uns sich tragen? Wir wissen es noch nicht — möglich ist alles. Doch wenn dieser teuflische Plan auch nicht zur Wirklichkeit werden sollte, so bedeuten allein die Forderungen wie: Eisenbahn- und Posttarife müssen erhöht, der Preis für Kohlen muß dem Weltmarktpreis angeglichen, der Papiergeldumlauf eingeschränkt werden, Maßnahmen, deren Folgen klar zutage liegen. Die deutsche Industrie würde erdrosselt, Deutschlands Dumping, das größte Aergernis der britischen und französischen Wirtschaftsführer, unterbunden, Deutschlands Industrie wäre nicht mehr exportfähig, würde vom Weltmarkt ausgeschaltet. Und ohne Beteiligung am Weltmarkt können wir nicht leben. Alles, was wir bisher schaudernd erlebt haben, verschwände vor diesem unsäglichen Jammer der Arbeitslosigkeit und des Hungers, den die Unmöglichkeit der Rohstoffbeschaffung, der Ausfall der ferneren Gütererzeugung und der Mangel an Zahlungsmitteln Heraufbeschwören müßten. Wir haben die Papiergeldflut nicht zum Vergnügen, sondern aus bitterer Not, weil das Gold fehlt. Und auch wir missen, daß hier einmal eine Wandlung herbeigeführt werden muß, aber jedes Gebot verdirbt, was nur die Entwicklung gutmachen kann.
Wir können nach alledem nicht den Optimismus teilen, der in den letzten Tagen in verschiedenen Kreisen unseres Volkes Platz gegriffen hat — solange nicht, als man nicht daran geht, den Schandvertrag von Versailles zu beseitigen. Um aber dieses Ver- failler Machwerk zu vernichten, bedarf es zunächst der ^Beseitigung der deutschen Wein
haben. Nicht Cannes, sondern eine Konferenz über die Schuldfrage kann das deutsche Volk und mit chm Europa aus dem Unglück heraus zur Gesundung führen. Nur aus dieser Richtung kann uns Rettung kommen, weshalb wir nicht müde werden dürfen, unentwegt unsere Stimme zu erheben und das Gewissen der Welt anzurufen. Letzteres gilt auch für unsere Regierung, die eigentlich in diesem Wahrheits- und Befreiungskampf furchtlos und verantwortungsbewußt voranschreiten sollte. Wir haben nichts zu erwarten von Cannes, sondern ... R. H.
Marnrierende Nachrichten aus Paris.
Plötzliche Reise Briands nach Paris.
Um die aufgeregten Gemüter im französischen Ministerrat, ferner im Senat sowie in der Kammer zu beruhigen, ist Briand gestern nach Paris gereist. Er wird sicherlich im Minister- rat Erläuterungen über die Canner Verhandlungen abgeben und neue Instruktionen von Paris nach Cannes mitnehmen. Wie diese Instruktionen lauten werden, kann man sich denken, wenn man das unten folgende Telegramm des Senatsausschusses zu Grunde legt. Und das Ende vom Lied wird sein: Lloyd George wird, wenn er es nicht schon getan hat, nachgcben und die Canner Konferenz wird sich zu einem neuen Siege Frankreichs gestalten.
Paris, 12. Jan. Briand hat sich plötzlich entschlossen, nach Paris zu reifen, mn persönlich bei der hsutiaen Mmffter---fsübunq anwesend zu sein. Freitag mittag will er rolebet in Cannes fein.
Ein Telegramm der Senatskommission.
Paris, 11. Jan. Die Senatskommission für auswärtige Angelegenheiten hat folgendes Telegramm an Briand gesandt:
Der Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten hat auf Verlangen einer großen Anzahl seiner Mitglieder und mit Rücksicht auf das allgemeine Gefühl, das sich gestern in den Gruppen des Senats gellend gemacht hat, mich beauftragt, Simen eiligst Kenntnis von der Tagesordnung zu geben, in der ungeordnet wurde: Der Ausschuß ist der Ansicht:
1. daß der wirtschaftliche und finanzielle Wiederaufbau Frankreichs eine wesentliche Bedingung des Wiederaufbaues Europas ist,
2. daß die Reparationen, auf die Frankreich Anspruch hat, unantastbar bleiben müssen, daß also weder eine neue Reduktion noch eine Abänderung des Zahlungsplanes vom 5. Mai angenommen werden kann. Es ist auch unzulässig, die belgische Priorität im mindesten zu erschüttern,
3. Frankreich kann sich zu der geplanten in- teruatianalen Wirschaftskoufernz vur
begeben, wenn es im voraus die effektive Versicherung erhält, daß alle feine Rechte respektiert werden,
4. der zwischen Frankreich und England diskutierte Pakt muß vollkommen die Garantien, die Ausführungsmittel und die Pfänder, die Frankreich aus den Verträgen empfangen hat, bestätigen und ihm für Gegenwart und Zukunft zusagen. Der Ausschuß ist infolgedessen der Ansicht, daß nichts verwirklacht werden kann, ohne den Geist, welcher die Mittel dazu vor-
(gez.) Raimond Pâincarâ.
zeichnet.
Das Telegramm ist einmütig von sämtlichen 25 Senatoren gebilligt worden.
Aus dem französischen Minisierrat — Frankreichs Recht auf Sanktionen.
Paris, 12. Jan. Aus dem gestrigen Ministerrat berichtet die „Liberte", daß er sich auf drei Prinzipien geeinigt habe:
1. Keine Reduzierung der deutschen Schuldzahlungen.
2. Nicht auf die Besetzung der Rhein- l a n d e zu verzichten.
3. Das Recht Frankreichs zu wahren, wirtschaftliche und militärische Sanktionen aufzunehmen, je nachdem die Umstände es verlangen.
In diesem^ Sinne ist ein offizielles Telegramm nach Schluß des Ministerrats abgefchickt worden.
Briand befriedigt. — Englische Zugeständnisse.
Cannes, 12. Jan. Während der Abwesenheit Briands in Paris wird Lloyd George die Sitzungen des Obersten Rates in Cannes präsidieren. Vor der Abreise erklärte Briand Journalisten, er habe bei seiner Ankunft in Cannes nicht geglaubt, daß die Verhandlungen einen so glänzenden Verlauf nehmen würden. Er sei vollkommen befriedigt. Briand nimmt den Text ür den Entwurf für das französisch-englische
______,___Jan. In der H_____a_.t Sitzung des Obersten Rates gab Lloyd George die formelle Erklärung ab, daß die Resolution vom 6. Januar, wonach die Mächte verpflichtet sind, ihre Grenzen gegenseitig zu respektieren, keines
epara-
wegs die Rechte der Alliierten in Frage Sanktionen zu verhängen und daß die R, tionsfrage auf keinen Fall auf der Konferenz von Genua zur Sprache kommen werde. Der Oberste Rat hat weiterhin beschloßen, daß die Konferenz von Genua nur dann stattfinden werde, wenn sämtliche Staaten im voraus die Bestimmungen der Resolution vom 6. Januar
anerkennen.
Die deutschen Delegierten in Cannes.
Lannes, 12. Jan. Die deutsche Delegation ist gestern um 10.30 Uhr vormittags eingetroffen und wurde im Namen Briands und Loucheurs von deren Kabinettschefs empfangen. Briand schlug in der gestrigen Morgensitzung des Obersten Rates vor, daß die Deutschen der Reparationskommiffion die Gründe auseinan- dersetzen sollen, weshalb Deutschland die Januarrate nicht bezahlen könne. Lloyd George erklärte sich sofort damit einverstanden.
Lannes, 12. Jan. Die ersten Verhandlungen der Reparattonskommission mit den deutschen Delegierten war auf gestern nachm. 5 Uhr festgesetzt. Die auf heute nachmittag angesetzte Vollsitzung des Obersten Rates, an der die deutsche Delegation teilnehmen wird, wird trotz der W- wesenheit Briands abgehalten werden.
Lannes, 12. Jan. Bei der gestrigen Besprechung mit den Deutschen scheint es sich n u r u m Informationen über h-m Verhandlungsmodus gehandelt zu haben. Don anderer Seite wird behauptet, daß die Beratungen von Wichtigkeit gewesen seien und daß das Resultat von den Mitgsieoern der Reparationskommission den Regierungschefs mitgeteilt worden sei. Der Oberste Rat erwartet jedenfalls erst am D o n - nerstag die offizielle Erklärung der Deutschen.
Die angebliche Antwort an Deutschland.
Paris, 11. Jan. Einer Meldung des Sonderberichterstatters des „Journal" in Cannes zufolge haben die Alliierten die Antwort an die deutschen Delegierten bereits in Vorbereitung, die man ihnen erteilen wolle, falls die deutschen Delegierten, wie vor der Reparationskom- Mission auch hier vor der Konferenz erklären sollten, bah Deutl-bland nicht imstande wäre, mehr als 240 bis 300 Millionen Goldmark zu bezahlen. Man würde den deutschen Vertretern erklären, daß man Deutschland gegenüber bereits große Nachsicht walten lleß, denn es hätte sich ja nachträglich herausgestellt, daß Deutschland mehr als 800 Millionen zahlen könnte. Man begnüge sich aber mit 720 Millionen Goldmart. von Strafmaßnahmen wäre, wie der
Berichterstatter meldet, bisher nicht gesprochen worden. Die Frage der Saargruben wäre neuerdings zur Debatte gestellt worden. Loucheur verlangte, daß der Betrag hierfür Frankreich erst im Jahre 1923 angerechnet werde. Bisher konnte er in dieser Hinsicht keine Genugtuung erhalten, gab es aber noch nicht auf, wenigsten- eine teilweise Befriedigung seiner Ansprüche z» fordern.
BerfSumnisstraken für veuksrstland.
Lannes, 12. Ian. Die halbamtliche Bekanntgabe der Bedingungen, unter denen Deutt^tand das Moratorium bewilligt wird, enthält noch folgenden Ansatz: Die Fristen für die Zahlungen mv""v ^stiert werden. 3m Falle der Versäumnis der Fristen werde« Sanktionen festgesetzt und die Total summe von 2 Milliarden Goldmark wird gefordert.
Rach dem zuletzt vorliegenden Zahlungs- vorschlag, der mit größter Wahrscheinlichkeit den Deutschen als Ändend vorgelegt wird, sind dis 720 Millionen Goldmark in folgender Weise zu zahlen: 150 Mill. Goldmark am 15, März 1922, 150 Mill, am 15. Juni 1922, 20C Mill, am 15. September 1922, 220 Mill, am 15 Dezember 1922. Es wird versichert, daß aud jetzt noch keineswegs sicher ist, ob die Deutscher wirklich zur Erstattung vou Vorschlägen kom men werden.
Kritisches Stadium deroberschlesifchev Derhondlunge«.
Berlin, 11. Jan. Nach einer in der Deutschen
der Warschauer Regierung angewiesen worden sein, keinerlei Vereinbarungen zuzustimmen, die der polnffchen Regierung das Recht nehmen würden, das deutsche Eigentum in Obers ch l e s i e n zu liquidieren. Sollte oiese „ .... ... V—™M, so dürsten, wie dem „Berl. Lokalanzeiger" von maßgebender Seite mitge- teilt wird, die deutsch-polnischen Wirtschaftsverhandlungen in ein kritisches Stadium eintreten. Deutschland dürfte nicht in der Lage sein, einen Vertrag zu schließen, der Polen das von ihm beanspruchte Liquttationsrecht einräumt
Ad.ehnung des Saar-Prolestes.
Bafel, 12. Ian. Der Völkerbundsrat lehnte gestern den Protest der deutschen Regierung gegen die Schaffung einer besonderen Saar Rationalität durch die Regiernngskommifsio« des Saargebiets ab.
Eine neue bayerische Frage.
München, 12. Jan. Unter der Ueberschrift „Etna neue bayerische Frage" wendet sich der „Bayerische Kurrer" dagegen, daß rückwirkend ab 1. Dezember, auf böhmische Kohlen di« deutsche Kohlensteuer, die gegenwärtig 20 Proz. beträgt, aber voraussichtlich bald auf 40 Proz. erhöht wird, vom Reichsfinanzministerium erhoben werden soll. Dadurch werde die bayerische Industrie, die in hohem Maße auf böhmisch« Kohlen angewiesen ist, mit jährlich 250 Millionen Mark belastet, sodaß ihre Konkurrenzfähigkeit stark eingeschränkt werde. Das Blatt stellt die Frage: Ist mit der bayerischen Regierung diese Maßnahme besprochen worden? Wenr nicht, was gedenkt die bayerische Regierung zr tun, nachdem sie einen solchen Faustschlag erhalten hat?
— Das neue Milikärgefetz in Polen. In erster Lesung wurde vom polnischen Parlament gestern das Gesetz über die allgemeine zweijährige Wehrpflicht in Polen angenommen. Das stehende Heer soll 250000 Mann betragen. Nur die Sozialisten waren Gegner des Entwurfs, sie sprachen aber nur gegen die Länge der aktiven Dienstzeit und gegen die dadurch erwachsenden Kotten, die sie auf 150 MMarden jährlich berechnen.
— Niederlage des Afabundes. Die Wahlen für die Vertrauensmänner und Ersatzleute der Reichsversicherungsanstait für Angestellte endete in Berlin mit einer Niederlage des Afabun- des. Es wurden nach amtlichen Ermittelungen folgende Stimmen abgegeben: Liste A (Deutschnationaler Handlungsgehllfenoerband) 10 36-5. Liste B (Frauenberufsverband) 6536, Liste C (Gewerkschaftsbund der Angestellten) 13 819, Liste F (Verein junger Kaufleute von Berlin) 205, Lifte G (Deutscher Bankbeamtenverein) 123 Diese fünf Listen waren miteinander verbunden und erzielten insgesamt 31 048 Stimmen, während für die Liste D (Afabund) 21558 Stimmen und außerdem noch aus Liste E. (Verstche-