Hanauer 8 Anzeiger
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag«
Verlagsleitung: Ad. Jndermühl«. Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil Richard öultf 6; für lokalen und provinziellenTeil sowie Sport Wilbelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Vrodt. alle in Hanan a. Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau. Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.
Einrückungsgebübr: Die 8geiv. Kolonelzeile oder deren Raum 2.50 Mk., die 4gesp. Zeile im Reklameteil 5.50 Mk.. Finanzinserate 2.70Mk. Inserate werden nur z.Tagespreis berechnet.Offertgebühr50Pfg. Bezugspreis: Vierteljahr!. 30.-Mk.. monatl. 10.— Mk.. für Postbezug DterteHS6rl.34.50 Mk^ monatl. 11.50 Mk. Die Nummer40 Pkg. Postscheck-Konto 26 659,FrankmrtiM.
________ _____________
Nr. 4 Donnerstag den 5. Januar 1922
Was Neueste.
— Gestern nachmittag fand in Cannes die erste Unterredung zwischen Briand und Lloyd George statt.
— Dr. Rathenau geht voraussichtlich nicht nach Cannes.
— Italien wird auf der Konferenz von Cannes den Vorschlag zur Einberufung einer neuen Konferenz über die Frage der Beziehungen zu Rußland machen. Diese Konferenz soll in Italien zusammentreten.
— Heute werden im Reichsfinanzministerium die Verhandlungen über die Regelung der Beamtengehälter beginnen. Sie dürften sich nur einige Tage hinziehen.
— Zwei Danziger Senatoren sind zu den Verhandlungen des Völkerbundsrates nach Genf abgereist, um dort gegen mehrere in letzter Zeit ergangene Entscheidungen des Obersten Kommissars Berufung einzulegen.
Am Vorabend von Cannes.
Briands erste Besprechung mit Lloyd George.
Paris, 5. Jan. Briand hatte gestern nachmittag um 4 Uhr seine erste Zusammenkunft mit Lloyd George. Dieser Zusammenkunft wohnten außerdem auch Loucheur und Sir Robert Horne bei. Die Eröffnung des Obersten Rates bleibt für morgen den 6. Januar festgesetzt.
Die französisch-belgischen Mindestforderungen.
Paris, 5. Jan. „Information" bemerkt, daß Frankreich und Belgien den englischen Vorschlägen ablehnend gegenüber stehen. Sie hatten auch höchstwahrscheinlich schon Abänderungen erfahren. Die neuen Garantien, die von Deutschland verlangt werden sollen, wären da-
1. Abänderung des Reichsbankinstikuks nach der Art der Bank von Frankreich oder der Dank von England. Ergänzung des Aufsichksrates durch einen Vertreter, der von der Reparations- kommifsion ernannt wird, aber des Argements durch die deutsche Regierung bedarf.
2. Verpflichtung Deutschlands zur Ordnung seines Budgets durch innere Anleihen.
3. Aufhören jeder Unlerstützungspolitik, aller Subventionen — als solche werden von der Entente bekanntlich auch die Zuschüsse für Post und Eisenbahn und für die Verbilligung der Lebensmittelpreise angesehen — und außer- »rdenklichen Ausgaben.
Die Verteilung der bisherigen und der nächsten deutschen Zahlungen wird zu sehr kompli- sierten Rechnungen führen. Es kommt vor allem darauf an, ob Belgien Zugeständnisse machen muß, oder ob England Opfer bringen wird. Ein Aufsatz des „Temps" erwähnt, indem er noch einmal in letzter Stunde für das Bündnis mit England eintritt, Deutschland könnte später an einigen der Abmachungen zwischen den beiden Ländern teilnehmen. Ein englisch-französisches Bündnis sei die einzige Art, Deutschland ohne Erschütterungen oder irgend eine Gefahr für die anderen in die Fragen der Völker ein- zuführen.
Lloyd George für Abbau der Gewaltpolitik.
Paris, 4. Jan. Der Berliner Korrespondent der „Information" hat von einer diplomatischen Persönlichkeit, die hohen politischen Kreisen sehr nahe steht, über die Verhandlungen der Konferenz in Cannes folgendes erfahren:
Die Reise Rathenaus hatte zunächst einen informatorischen Zweck^aber es scheint ihm gelungen zu sein, Lloyd George für seine Auffassung zu gewinnen. Seine Auffassungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Wenn die wirtschaftliche Lage gebessert werden soll, muß der Wert der deutschen Mark gehoben werden. Man behauptet, daß Lloyd George in Cannes fest für die A u f h e b u n g der Sanktionen und für die Unter- drückung aller Zwangsmittel BenDeutschland eintreten werde, weil Maßnahmen nur dazu führen können, chland noch mehr zu desorganisieren. Es läge aber im Interesse der Entente, für die wirtschaftliche Erhebung Deutschlands zu sorgen. Der Korrespondent bemerkt mit Recht, daß dieser Plan mit äußerster Vorsicht beurteilt werden wüsse. Es heißt dann weiter, dem Ausgang der Konferenz in Cannes sehe man trotz dieses Planes mit größtem Pessimismus entgegen. Man glaubt nicht, daß Lloyd George und Dri- zu einer Verständigung kommen können, wenn Deutschland Nicht zahle.
Die Reparation-kommission geht nach Lannes.
Paris, 4. Jan. Der Korrespondent der „Oi> mß° Tribune."_in Cannes meldet, daß die Mit
glieder der Wiedergutmachungskommission mit Ausnahme des nichtoffiziellen Vertreters Amerikas gestern früh von ihren Regierungen den dringenden Auftrag erhalten haben, heute sofort nach Cannes abzureisen. Die Kommission soll nicht offiziell an den Sitzungen teilnehmen, sondern in Cannes abwarten, was vom Obersten Rat über die nächsten Zahlungen beschloffen wird, um dann die neu zu vereinbarenden Bestimmungen über die Januar- und Februarzahlungen mit dem Londoner Zahlungsplan zu verbinden. Durch die Abreise sind die Verhandlungen mit der deutschen Kriegslastenkommission überflüssig geworden.
Rathenau unerwünscht?
Paris, 5. Jan. Rathenau, besten Abreise von der Presse verfrüht gemeldet worden war, befindet sich noch immer in Paris. .
Berlin, 5. Jan. Wie der „Tag" aus informierten Kreisen erfahren hat, ist die Hoff- nung aufeinengünstigenAusgang der Verhandlungen in Cannes stark herab- gedrückt. Von amtlicher Seite wird sogar schon offen zugegeben, daß noch gar nicht feststehe, ob Rathenau nach Cannes reisen werde oder nicht. Wenn man bedenkt, daß man bisher bestimmt mit der Reise Rathenaus nach Cannes rechnete, so könnte man zu dem Schluß kommen, daß die Franzosen eine Teilnahme Rathenaus an den Verhandlungen zu Cannes gar nicht wünschen.
Besprechungen in Berlin.
Berlin, 5. Jan. Gestern vormittag 10 Uhr hielt die Reichsregierung eine Kabinettssitzung ab, in der sie sich hauptsächlich mit der Reparationsfrage und mit dem Finanzproblem beschäftigte. Die Sitzung dauerte bis um ^12 Uhr. Um 12 Uhr empfing der Reichskanzler eine Apche .f1Lr.e2b.er Parlamentarier.
mit ihnen über die politische Lage und ihre Folgerungen zu beraten. Die letztere Aussprache dauerte bis in die späten Nachmittagsstunden.
Zwei Richtungen in der italienischen Politik.
Rom, 5. Jan. Dem „Mestagero" zufolge scheiterte die Mission des Generaldirektors des englischen Schatzamtes Faas, der von Lloyd Georgs zur italienischen Regierung entsandt worden war, um ihr die englischen Wirtschaftsvorschläge zu unterbreiten. Fass konnte nur fellstellen, daß die italienischen Minister über die Wirtschaftspolitik nicht einig waren. Bonomi sowie die Minister Soleri und Denava hätten zwar den Plänen Lloyd Georges zugestimmt, dagegen stünden Della, Torretta unter dem Einfluß der Mitglieder der Reparationskommission der Schaffung eines großen finanziellen Organismus zum Wiederaufbau Europas feindselig gegenüber.
Pariser Scharfmacher.
Berlin, 5. Jan. Der „Petit Parisien" schreibt zur Konferenz von Cannes, das französische Volk wünsche zu wissen, ob und wann Deutschland bezahle und ob Frankreich noch länger seine 800 000 Mann unter den Fahnen halten müsse. Verschiedene Blätter stehen dem Gedanken einer englisch-französischen Allianz sehr ablehnend gegenüber. Das „Journal" schreibt: Eine solche Allianz bedeutet für Frankreich eine vollkommene Abhängigkeit von England, das Frankreich seit dem Waffenstillstand um alle Erfolge gebracht hat.
Zur Anfrage der Reparakionskommission.
Berlin, 4. Ian. Eine sozialistische Korrespondenz bringt die Nachricht, daß die Reparationskommission auf die schriftliche Beantwortung der bekannten an Deutschland gerichteten Fragen verzichtet habe. An amtlicher Stelle liegt keine Bestätigung dieser Nachricht vor und man hält es auch für unwahrscheinlich, daß ein solcher Verzicht erfolgen könnte.
Paris 5. Jan. Das „Journal" schreibt, daß Dr. Fischer von seiner Regierung neue Instruktionen erhalten habe, die ihm erlauben, nunmehr in Paris selber die offizielle deutsche Antwort auf die Note der Alliierten abzufassen. Das gleiche Blatt erklärt, daß das Verweilen Dr. Rathenaus in Paris daraus zurückzuführen sei, daß die deutsche Regierung nicht eingeladen worden sei, an der Konferenz von Cannes teilzunehmen und daß sie befürchte, bei den Alliierten Mißstimmung her- vorzurusen, wenn sie allzusehr darauf bestehen würde, Rathenau zu entsenden.
(Soweit sind wir schon, daß sogar französisch« Blätter die Angst der deutschen amtlichen Stelle^ konstatieren. D. Red.)
Die Frage der französch-en^ische« Allianz
Pari», 5. Jan. Der von Briand vorgeschlagene Allianzplan wird zweifellos in Cannes zu^Lveacke lammen. „Daily Mall" schreibt
hierzu, daß dadurch alle Mißstimmigkeiten zwischen Frankreich und England geregelt würden. Man müsse besonders an die Frage der Besetzung der Rheinlande denken. Kein
englischer Ministerpräsident könne einer Allianz zustimmen, die die französischen Ansprüche herabsetzen würde, auch keine Allianz erstreben, die Frankreich veranlassen könnte, die Rheinlands zu räumen oder neutral zu erklären. In französischen militärischen Kreisen sei Ansicht, daß Frankreich die Sanktion»
man der
_ _ , Sanktionen für die
Garantien der Reparationen nicht aufgeben könnte, wenn es seine Truppen aus dem besetzten Gebiet zurückziehen sollte. Man erklärt, daß. ein von England, Frankreich und Deutschland neutral erklärtes Rheinland nur
ein Volk befriedigen und Deutschland inbezug auf seine Nachbarn größere Sicherheiten geben würde.
Amerikas Anskchi über eine Finanz- und Wirlschaftskonferenz.
Jpu. Washington, 5. Jan. Die Blätter kören von Regierung-seite, daß es nicht in der Absicht der Regierung siegt, an einer internationalen Finanz- oder Wirtschaftskonferenz offiziell teilzunehmen. Alle« was mit tiefen Fragen Zusammenhänge, müßte von privater Seite geschehen, weil eine Normalisierung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage nicht von den Staatsregierungen durchzuführen sei. Der privaten Industrie und dem Privatkapital sei es leichter möglich, die Ursachen zu finden, welche hindernd im Wege stehen und eine internationale Konferenz sei das Brot für den Handel, der nur auf freier Grundlage feine Interessen verfolgen könne.
Deutsche Fonds in Amerika.
Jpu. Washington, 5. Jan. In entente- WÄn «aM^eifen w& ««Me«, daß Deutschland die Januarzahlung leisten könne, wenn es die deutschen Fonds, die sich in den letzten Monaten in den Vereinigten Staaten angesammelt haben, zur Zahlung heranziehen würde. — Der „New American" bemerkt jedoch hierzu, daß Deutschland diese Gelder aufsparte, um den Bedarf an Rohstoffen und Lebensmitteln bezahlen zu können. Diese Ankäufe müßten notgedrungen sehr bald wieder ausgenommen werden, weil Deutschland schon seit Monaten fast nichts gekauft hätte.
Das Sleuerkompromitz.
Um die Mitte dieses Monats etwa wird der Reichskanzler, wie wir hören, die Führer der Mittelparteien des Reichstages zu einer Ver- ständigung über die neuen Steuergesetze zu bestimmen suchen. Rach den bisherigen Versuchen, die in den Steuerausschüssxn über diese Vorschläge stattgefunden haben, wird, wie wir vor einigen Tagen andeuteten, eine derartige Verständigung für möglich gehalten, vorausgesetzt, daß dabei die Frage der Erfassung der sogenannten Sachwerte ausgeschaltet wird. Um zu einer Verständigung zu gelangen, müssen die Sozialdemokraten außerdem ihre Haltung bei der Umsatzsteuer und bei der Zuckersteuer ändern. Im Gegensatz zu den Forderungen der Regierung haben die Mehrheitssozialisten bei der Umsatzsteuer statt für 2K v. H. für 2 v. H. gestimmt. Bei der Zuckersteuer sind sie entgegen dem ausdrücklichen Verlangen der Regierung für einen erheblich niedrigeren als den verlangten Steuersatz eingetreten. Die Mehrheitssozialisten haben dies hauptsächlich wohl deshalb getan, um von den Bürgerlichen Zu- aeständniffe bei den Besitzsteuern zu erzwingen. Was diese Zugeständniffe der Bürgerlichen anbelangt, so handelt es sich vor allem um die Frage, nach welcher Bewertung, ob nach dem Rutzungswerte oder nach dem gemeinen Werte, Grundstücke zur Steuer herangezogen werden sollen. Ueber diese besonders wichtige Frage hat man bereit» in einem Unterausschuß eine Verständigung zu erzielen gesucht. Man war dabei auf dem besten Wege indem man sich sagte, daß es darauf ankomme, den gemeinen Wert au einem Wege zu ermitteln, den auch die bürgerlichen Parteien betreten könnten.
Die Verständigung über diese Frage wäre wahrscheinlich schon in dem Unterausschuß erzielt worden, wenn sich nicht der Vertreter des Zentrums, der Abgeordnete Herold, hartnäckig ablehnend verhalten hätte. Abgesehen von der Frage, ob Rutzungswert oder gemeiner Wert, spielt eine besondere Rolle die Frage, welcher Zuschlag zur Vermögenssteuer erhoben werden soll, um das wegfallende Reichsnotopfer zu ersetzen. In der Regierungsvorlage wurde ein Zuschlag von 300 ». H. verlangt, die Bürger- kichen haben einstweilen für 200 v. H. gestimmt. Hier werden die Sozialdemokraten wahrschein
lich eine Erhöhung fordern. Außerdem sind noch verschiedene andere Punkte bei den unmittelbaren Steuern vorhanden, über die man sich zu einigen haben wird. Die angeführten Punkte aber sind die wesentlichen. Bei Zugeständnissen von der einen wie von der anderen Seite wird die Verständigung kaum ausbleiben.
— Roch keine Einigung in den Steuerträger». Der „Vorwärts" meldet, daß die Besprechungen der Koalitionsparteiführer mit dem Reichskanzler und dem Reichsfinanzminister bisher noch zu keiner Einigung in den Steuerfragen führen konnten.
Politische Tagesberichte.
— Zu dem Schutzparagraphen. Don einet den Regierungskreisen nahestehenden Korre- spondenz wird besonders darauf aufmerksam gemacht, daß der gestern mitgeteilte repubsika- nische Beleidigungsparagraph aus dem Entwurf des Reichsjustizministeriums herstammte. Er dürfte nicht mit dem im Reichministerium des Innern bearbeiteten Gesetzentwurf zum Schutze der Republik verwechselt werden, dessen Veröffentlichung erst in der nächsten Zeit zu erwarten ist.
— Die Ententeprâfung der Leipziger Urteile. Auf seiner letzten Tagung im August 1921 hatte der Oberste Rat beschloffen, eine Kommission zu ernennen, die ihm ihr Urteil über die reichsgerichtlichen Entscheidungen in den Leipziger Kriegsbeschuldigtenprozessen abgeben soll. Diese Kommission ist jetzt gebildet worden und tritt am nächsten Freitag zum ersten Male in Paris zusammen.
— Eine unerwartete Erklärung. In der Moskauer Prawda erklärt Radrk, eine Sühne für die Ermordung des Grafen Mirbach sei für dis Sowjetregierung indiskutabel und somit für
sie erlebtgti — Es fragt üch nur, ob auch dir deutsche Regierung die Ermordung ihres Gesandten als eine erledigte Frage zu betrachten geneigt ist.
— Polen duldet keinen kommunistischen Ab geordneten. Wie die Warschauer Zeitungen be
richten, hat das Lodzer Bezirksgericht nach der Verhaftung des kommunistffchen Abgeordneten Dombal die Auslieferung des zweiten kommunistischen Abgeordneten Lauchcki verlangt, der die Errichtung einer Sowjetrepublik anstrebc. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Mehrheit des Sejm, die für die Verhaftung des Dombal gestimmt hat, auch den letzten kommunistischen Abgeordneten aus dem politischen Leben ausschalten wird.
— Ein ukrainischer Handeldelegierker in Berlin. Der Vertreter der ukrainischen Sowjetrepu- blik Nowakowsky ist in Berlin eingetroffen, um die Möglichkeit der Aufnahme von Handelsbeziehungen mit Deutschland zu prüfen.
— Aussichten für Ratifizierung des irischenglischen Abkommens. Der Dail Eireann hat gestern seine Beratungen über die Ratifikation des irisch-englischen Abkommens fortgesetzt. Der Vertreter des Bezirkes Balfb hielt eine Rede, in der er sagte, daß von 10 Wählern 9 für die Ratifikation seien. Der Handelsminister Dlych sprach sich ebenfalls ausdrücklich zu Gunsten des Vertrages aus.
— FranzSsisch-japanifc^s Scheimabkommen. Sarraut hat dem Staatssekretär Hughes einen Brief übersandt, worin er erklärt, daß die von der Regierung von Tschita veröffentlichten Dokumente über ein angebliches französisch-japanisches Geheimabkommen in der Frage Sibirien voll und ganz erstürben seien. Laut „Daily Expreß" hat die Veröffentlichung des angeblichen Geheimabkommens zwischen Frankreich und Japan das Mißtrauen der Vereinigten Staaten gegenüber Frankreich vermehrt. Amerika sei durch die Erklärungen der französischen und japanischen Delegierten, daß die veröffentlichten Dokumente Füllungen seien, nicht überzeugt worden. Auch der Berichterstatter der „Times" in Washington schreibt, diese Dokumente würden, trotzdem ihre Echtheit bestritten werde, zur Vergiftung des Vertrauens beitragen. Der „Daily Telegravh" sagt, es fei ungünstig für Frankreich, daß die sensationelle Enthüllung über das angebliche Geheimabkommen mit Japan gerade jetzt veröffentlicht werde, wo Frankreichs internationale Deziehmigen sehr gespannt seien.
— Line französische Handelskammer für Handelrbezlehunaèn mit Rußland. Aus Paris wird berichtet: Die Handelskammer von Marseille verlangt in einem Bericht, der dem Ministerpräsident vorgelegt werden soll, die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen mit Rußland. Sie betont, daß England diese Beziehungen vielleicht etwas verfrüht aufgenomm«« habe, daß es aber bedauerlich wäre, wer« Frankreich zu lanae damit warten tnürbé.