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Hanauer 8 Anzeiger

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General-Anzeiger

Verlagsleitung: Ad. Jadermühle.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil R i ch a r d ö u l t s ch: für lokalen und provinziellen Teil Amtliches Organ Kr SAN- und Lsâreis Seiten I Reklamen August Brodt, alle in Hanau a. Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Sanem.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feierlage

Fernsvrechanichlüsse Nr. 1237 und 1238.

Nr. 2

Dienstag Ken Z. Januar

1922

Das Merseste.

Heute werden die deutsch-polnischen Ver­handlungen in Oberschlesien wieder ausgenom­men. Calonder wird am 4. ds. Mts. in Ober­schlesien erwartet.

Ein Vertreter des russischen Wirtschafts­kommissariats trifft in Oberschlesien große Ein­käufe.

Briand sieht den Schlüssel zum Wieder­aufbau Europas in der Sicherheit Frankreichs.

Reuter meldet aus Washington, die Kon­ferenz nähere sich ihrem Ende. Man erwarte, daß nock zwei Vollsitzungen abgehalten werden.

Briand und Lloyd George werden am Mittwoch und Donnerstag in Cannes Vorbe­sprechungen haben.

Die Gründung einer französisch-polnischen Bank in Oberschlesien wird bestätigt, Für sie wird ein Kapital von 200 Millionen deutscher Mark aufgebracht, das zur Hälfte in französi­schem Besitz bleibt, zur Hälfte von Polen über­nommen wird. Die Mittel werden durch eine polnisch-französische Anleihe gegeben.

Das internationale Finanz- Konsortium.

Aus den Beschlüssen der sogenannten Pari­ser Wirtschaftskonferenz, die die Lloyd George- schen Pläne für die wirtschaftliche Rekonstruk­tion Europas prüfen und ihre Durchführung vorbereiten sollte, sind noch einige bisher unbe­kannte Einzelheiten nachzutragen:

Die Beteiligung Deutschland wird mit folgen­den Sätzen begründet:Allein auf feine Hilfs­mittel angewiesen, ist kein Land heute imstande sich wirtschaftlich zu erholen. Es ist deshalb not­wendig, daß alle Nationen und alle sozialen Mallett o^ne Vorbehalt an dem gemeinsamen Werk teilnehmen. Auch Deutschland muß heran- gezogen werden; denn in Zentraleuropa stellt es einen Kastor von allererster Bedeutung so­wohl in finanzieller wie in industrieller und kommerzieller Hinsicht dar. Seine Kenntnisse und Erfahrungen lassen es für ein Werk dieser Art besonders geeignet erscheinen.

Das Organisationsstatut des zur wirtschaft­lichen Sanierung Rußlands vorgesehenen in­ternationalen Konsortiums soll von einem eng­lisch-französischen Komitee ausgearbeitet wer­den, das auch die Höhen der Beteiligungen fest­zusetzen hat. In Aussicht genommen ist, daß Dreiviertel des Gesellschaftskapitals zu gleichen Teilen von England, Amerika, Frankreich und Deutschland, der Rest von Italien und Belgien und eventuell auch von Holland und der Tsche­choslowakei aufgebracht werden soll.

Die erste Aufgabe des Konsortiums soll die Reorganisation der Eisenbahnen, der Häfen und der Schiffahrt in den östlichen Ländern Europas sein, die die Vorbedingung ist für die Wiederin­gangsetzung der Industrien. Die auszuführen­den Arbeiten und die industriellen Lieferungen sollen auf die einzelnen Länder nach dem Maß­stabe ihrer Beteiligung andern internationalen Konsortium verteilt werden. Der Sitz der Ge­sellschaft soll London sein.

London, 2. Ian.Daily Telegraph" betont, daß das unscheinbare Kommunique der alliier­ten Wirtschaftsleute die prinzipiell wichtige Ent­scheidung enthalte, daß Deutschland und andere Freistaaten gemäß dem englischen Vorschlag in das beabsichtigte Finanzkonsortium ausge­nommen werden. Ferner stellt das Blatt fest, daß jede Bezifferung des projektierten Anfangs­kapitals vorerst verfrüht sei; übrigens sei eine spätere Erhöhung selbstverständlich. Das Blatt glaubt, daß die Donaustaaten zuerst das Ar­beitsfeld abgeben werden.

Wie die Blätter feststellen, steht die Frage, »elche Währung für das Kapital gewählt iverde, noch offen. Die Dienstbarmachung der hälfte der deutschen Anleihe für die Reparation -vird begrüßt, jedoch werden Bedenken gegen sine direkte Beteiligung der deutschen Regie­rung geltend gemacht, weil auch die übrigen Länder nicht direkt durch ihre Regierungen mit­wirken, sondern nur durch Privatlapstal betei­ligt seien.

Belgien unzufrieden.

Paris, 3. Jan. Nicht nur was die Repa- Wionsfrage anbelangt, sondern auch inbezug >uf die neuerdings angeregten Handelsbe- siehungen mit Rußland tauchen in Belgien ver­schiedene Befürchtungen auf. Bezugnehmend ruf die Besprechungen der internationalen Fi» Hanzkonferenz teilt der Brüsseler Korrespon- Echo de Paris" mit, daß man in Belgien wst dem Problem für den Wiederaufbau En- Sas nicht einverstanden sein könne. Die bel- ye Abordnung sei nach Paris gekommen.

zösische Seeprogramm in keiner Weise gegen England gerichtet sei. Diese Allianz wäre auch der Ausgangspunkt für den Wiederaufbau Europas. Man müsse zuerst zwischen England und Frankreich ein Bündnis schaffen und dann könnten nach und nach andere Bündnisse daran angeknüpft wer­den in der Form des Viermächteabkommens. Das französisch-englische Abkommen aber müsse den Schlüssel und die Basis dazu bilden.

Französisch japanische Geheim­abmachungen ?

Paris, 2. Jan. In Washington haben die Delegierten Rußlands mit Berufung auf Tschit­scherin eine angebliche geheime Entente zwi­schen Frankreich und Japan denunziert. Frank­reich und Japan sollen sich eine gegenseitige Unterstützung auf der Washingtoner Konferenz versprochen haben. Die französischen und die japanischen Delegierten haben diese Behaup­tung jedoch dementiert und die Behauptung aufgestellt, daß die von Rußland vorgelegten Dokumente falsch seien.

Haag, 3. Jan. Der Washingtoner Korre­spondent desHandelsblad" hat aus zuver­lässiger Quelle Nachricht bekommen, daß eine geheime Korrespondenz zwischen Frankreich und Japan in der Zeit zwischen dem Vorschlag Hardings zur Abhaltung einer Abrüstungs­konferenz und der Eröffnung dieser Konferenz ausgetauscht worden sei. Die Korrespondenz soll die f r a n z ö s i s ch e n und japanischen Interessen in Sibirien zum Gegen­stand gehabt haben.

Zur Beilegung des Eisenbahner- Konfliktes.

Berlin, 2. Jan. Die ausständigen Eisenbahn­arbester sind im Laufe des Vormittags zur Wie­deraufnahme der Arbeit in den einzelnen Werk- stötten erschienen: dennoch konnte der Verkehr bis zur Stunde nicht völlig in Ordnung gebracht werden. Die Lokomotiven standen am frühen Morgen meist noch ohne Feuerung da, vielfach waren auch die nötigen Kohlen nicht zur Stelle. In der 10. Morgenstunde waren die Vorberei­tungen auf den Bahnhöfen im allgemeinen be­endet, und von da an konnte die Zugfolge ver­mehrt werden. Nur auf dem Stettiner Bahnhof ruhte der Vorortverkehr heute vormittag noch. Bei der Wannseebahn war die Zugfolge heute vormittag noch recht unregelmäßig. Auch der Betrieb auf der Stadt- und Ringbahn ließ heute vormittag noch viel zu wünschen übrig. Im übrigen Reich ist der Verkehr wieder in Gang gekommen. Mit dem fahrplanmäßigen Betrieb ist also ab heute früh wieder zu rechnen.

Berlin, 3. Jan. Auf sämtlichen Berliner Bahnhöfen ist gestern nachmittag die Wieder­aufnahme des Güterverkehrs erfolgt. Allerdings werden sich im Verkehr nach Westdeutschland die Folgen des Streikes noch längere Zett be­merkbar machen. Zunächst wird in den nächsten Tagen noch der Transport lebenswichtiger Gü­ter in erster Linie durchgeführt werden müssen.

Kommunistische Skrelkpropaganda.

Berlin, 3. Jan. In einzelnen Gebieten des Westens, wo der Streik mit großer Entschieden­heit durchgeführt worden war, versuchen jetzt die Kommunisten für die Weiterführung des Streb kes Propaganda zu machen. Die kommunisti­schen Zestungen bezeichnen die Derhandlungs- ergebniffe als Verrat an den Eisenbahnern.

An die Asichswehrmachl.

Das Heeresverordnungsblatt vom 30. De­zember 1921 gibt folgende Glückwünsche des Reichswehrministers Dr. Geßler an die Wehrmacht bekannt:

Zum Jahreswechsel spreche ich allen Ange­hörigen des Heeres und der Marine meine besten Wünsche und meinen Dank für alle im Dienste für das Wohl des Vaterlandes im ab* gelaufenen Sabre getane Arbeit und Hingabe aus.

Meine vor einem Jahre ausgesprochenen Wünsche haben sich voll erfüllt. Mit Stolz kann das Vaterland auf die junge Wehrmacht blicken mit besonderem Donk und hohen Vertrauen an- gesichts unserer sonst so schweren und traurigen Lage.

Wir wollen auch im neuen Jahre unsern Weg in treuester Pflichterfüllung weiter gehen.

Lin kommunistischer Anbiederungsver­such. DerVorwärts" schreibt: Die kommu­nistische Rote Hilfe plant Lie Bildung von Hilfskomitee», die durch je ein Mitglied der K. P. D., der U. D. P. D. und 6. P. D. ge- bildet sein sollen. Kein Sozialdemokrat wird seinen Namen, seine Arbeit und sein Geld dazu hergeben, die Geschäfte von Eberlein und Co. xu fördern.

als der Plan von England und Frankreich be­reits ausgeasbeitet gewesen fei. Auch was die Handelsbeziehungen mit Rußland anbelangt, hätte Belgien seine Zustimmung nicht geben können. Die belgische Abordnung hätte er­klärt, daß man bedenken solle, daß vor dem Kriege das belgische Kapital, das in russischen Unternehmungen investiert gewesen sei, drei Milliarden betragen habe, während die eng­lischen Interessen keinesfalls so hoch gewesen seien. Wenn jetzt England, Frankreich und Deutschland an dem Wiederaufbau zu gleichen Teilen interessiert werden sollen und Belgien einen weit kleineren Anteil hätte, würde sich ein Mißverhältnis ergeben.

Dor Cannes.

Paris, 2. Ian. Aus Cannes wird gemeldet, daß die englischen Delegierten in Cannes ein­getroffen sind. Briand wird am 3. Januar vor­mittags in Cannes eintreffen. Am 5. Januar wird die japanische Delegation, aus 13 Per­sonen bestehend, und die belgische Delegation mit 11 Personen, dort erwartet. Marcel Huti teilt demEcho de Paris" mit, daß Finanzmi­nister Doumer heute nach Cannes abreift, um an den Beratungen der interalliierten Kon­ferenz teilzunshmen.

3 m Schatten Eduards VII.

Paris, 2. Jan. Poincarâ erinnert imMa- tin" daran, daß in Cannes ein Denkmal Edu­ards VII. steht, in dessen Schatten der Gedanke an die Entente immer lebendig bleiben werde. Nie werde an diesem Ort ein Engländer von einem Franzosen verlangen, daß er auch nur um einen Zollbreit seine Rechte aufgebe. Andere Politiker sind weniger davon überzeugt, daß die Entente in Cannes nicht gestört werden könnte. Aber sie glauben ebenso fest daran, daß Frankreich bei den Beratungen nicht zu kurz kommen wird. Wenn es sich Betätige, daß Lloyd George auf die englischen Forderungen ganz oder nur teilweise verzichten werde und wenn Belgien in der Abänderung der Zahlungen ein­verstanden sei, dann würde Frankreich eine solche Summe in einer Höhe erhalten, auf die es nach dem Londoner Abkommen nicht rechnen könnte. Auch die Haltung der italienischen Re­gierung sei keinesfalls sicher.

Die Kosten der Rheinlandbesatzung.

Brüssel, 3. Ian. Auf der Konferenz von Can­nes wird die Frage der rheinischen Desatzungs­truppen aufgeworfen werden. Man will bean­tragen, daß die Unterhaltungskosten auf 40 Millionen Goldmark festgesetzt werden. Die Länder, die diese Summe überschreiten, werden diesen Fehlbetrag aus ihrer eigenen Tasche zahlen müssen.

Foch als Scharfmacher Briands.

Brüssel, 3. Jan. Wie hier verlautet bemüht sich der Marschall Foch, Briand für alle Fälle scharf zu machen. Eine Nachgiebigkett Englands auch in der Frage der Deutschland aufzuerle­genden Kontrolle erwartet man hier für den Fall des französischen Verzichtes auf seine Angorapolitik und der Herabsetzung der französischen H e e r e s st ä r k e; ebenso erhofft man eine Einigung im Flugzeugwesen im Der- hältnis 1:1.

Reue Sanktionen?

Oppeln, 3. Jan. In hiesigen Ententekreisen gewinnt in den letzten Tagen die schon vor eini­ger Zeit aufgetauchte Vermutung feste Gestalt, daß zu den Sanktionen, die Frankreich bezüg­lich Deutschland in Cannes beantragen wird, auch diejenige sich befindet, den Deutschland zu­gesprochenen Teil Oberschlesiens solange besetzt zu halten, bis Deutschland seinen Schuldver­pflichtungen nachgekommen ist, bezw. genügend Bürgschaften für die Zukunft gegeben hat.' Je­denfalls läßt sich aus der Handhabung von Quartierfragen und Maßnahmen auf polizeior- gamsatorischen Gebiete schließen, daß die inter­alliierte Kommission mit der baldigen Räumung noch nicht rechnet.

Rathenau nach Cannes,

Paris, 3. Jan. Wie aus bestunterrichteter Quelle bekannt wird, gedenkt Dr. Rathenau sich heute nach Cannes zu begeben.

Briand für eine englifch.franz. Allianz.

Paris, 3. Jan. Briand hat vor seiner Ab­reise nach Cannes einem Korrespondenten der Daily Mail" erklärt, daß der Schlüssel für eine Regelung der eropäischen Lage in der Sicherheit Frankreichs liege. Eine Anianr m- , Großbritannien und Frankreich, wie sie Frankreich bereits vor- gekblagen, bisher aber noch nicht erreicht habe, märe der beste Beweis datür. dal» das statt'

Eine Zeilstalistik.

Die Lohnbewegungen usw. im Jahre 1921.

Emil Kloth schreibt in der National­liberalen Korrespondenz:

Wie alljährlich, so hat auch über das Jahr 1920 der sozialistische Allgemeine Deutsche Ge- wsrkschaftsbund eine Statistik über Lohnbe­wegungen, Streiks und Aussperrungen im Jahre 1920 berausgegeben. Wir wollen nach­stehend die wichtigsten Zahlen und Bemerkun­gen daraus wiedergeben. Die Verbände der Buchdrucker und Landarbeiter haben sich an dieser Statistik nicht beteiligt, weil sie die not­wendigen Angaben nicht rechtzeitig zu machen vermochten. Von den 38 an der Stattstik be­teiligten Verbänden wurden 1920 zusammen 38 547 Bewegungen ohne und mit Arbeitseinstellung geführt, die sich auf 54 808 Orte und 642 567 Betriebe erstreck­ten und an denen 13 043 928 Personen, da­runter 2 612 779 weibliche, beteiligt waren. Die Statiftit des Jahres 1919 weist dagegen nur 26 433 Bewegungen mit 7 435 709 Betei­ligten auf. Hierzu ist aber zu bemerken, daß in bezug auf Orte, Betriebe und beteiligte Per- sonen sehr viele Doppelzählungen vorliegen, weil jede Lohnbewegung für sich gezählt wird und im Laufe des Jahres ein und dieselben Personen an verschiedenen Lohnbewegungen beteiligt waren. Don den gesamten 38 547 Be­wegungen wurden 33 001, gleich 92,8 v. H., friedlich durch Vergleichsverhandlungen er­ledigt, an denen 12 103 847, gleich 92,8 v. H., der Gesamtzahl beteiligt waren. Von diesen Bewegungen waren 32 754 Angriffsbewegum gen und nur in 247 Fällen mit 50 305 Betei­ligten handelte es sich um Abwehr verschlech­terter Arbeitsbedingungen.

Zur Arbeitseinstellung kam es in 5546 Fällen, davon wurden betroffen 813 477 männliche, 126 604 weibliche, zusammen 940081 Personen. Die Durchsührung der g^saulle» Be­wegungen verursachte den beteiligten Gewerk­schaften eine Gesamtausgabe von 98 032 996 Mark. Für 780 200 Streikende und Ausge­sperrte konnte der Verlust an Arbeitszeit und der Ausfall an Verdienst festgestellt werden, und zwar betrug der Verlust an Arbeitszett 12 716 093 Tage und der BerbienftausfaD 270 061 928 Mk.

Die Erfolge der Bewegungen werden wie folgt angegeben: Es wurde erreicht für 131 787 Personen eine Arbeitszeitverkürzung von zusammen 765 307 Stunden und Lohner­höhungen für 11357 313 Personen im Gesamt­betrags von 608 159 858 Mk. pro Woche. Der auf jede Person entfallende Durchschnittsantell an Lohnerhöhung betrug je Woche 53.55 Mk., doch muß hierbei berücksichtigt werden, daß unter Berücksichtigung der Doppelzählungen der Anteil weit höher ist. Man braucht sich nur zu vergegenwärtigen, daß der sozialistische Ge» werkschaftsbund nur rund 8 Millionen Mit­glieder zählt, während über 13 Millionen Per­sonen an den Lohnbewegungen beteiligt waren. Es wäre sehr lehrreich, zu wissen, wieviel an Lohnerhöhung auf den Einzelnen entfallen ist. Emil Kloth, der, wie wir oben erwähnten, obenstehenden Auszug in der Nationalliberalen Korrespondenz veröffentlicht, knüpft daran folgende Bemerkungen:

Der sozialistische Gewerschaftsbund hat es selbst vor einiger Zett in einem öffentlichen Aufruf ausgesprochen, daß der Wettlauf um die Lohnerhöhungen eigentlich nur ein unge­sunder Kreislauf sei, weil die Lohnerhöhungen naturgemäß Preiserhöhungen nach sich zögen, ja, daß die Preiserhöhungen längere Deine hätten, als die Lohnerhöhungen. Das wir- auch in dem begleitenden Text zu der Statist® zugegeben. Es heißt darin:

Dringt man jedoch in bie Zahlen tiefer ein, zieht man insbesondere einen Vergleich zwischen den gestiegenen Kosten der Lebenshaltung und d« erreichten Lohnsteigerungen int einzelnen, ft kommt man zu dem Schluss«, daß trotz der immer­hin gewaltigen Erfolge an erreichten Lohner­höhungen diese nicht Die gestiegenen Kosten bei Lebenshaltung auszugl«ich«n vermochten.

So lange Der Friedensvertrag von Ver­sailles besteht, so lange er mit all seinen Be­gleiterscheinungen das beste Mark aus her deutschen Volkswirtschaft heraussaugt und die deutschen Arbeiter zu Lohnsklaven des feind­lichen Imperialismus macht, so lange wird die Rahrungs- und Bedarfsmitteldecke zu kurz und zu schmal sein, um dem deutschen Volke eine menschenwürdige Lebenshaltung darzubiete«. Das ist die Hauptlehre, die aus der Lohnde- wegungsstatistik der sozialistischen Gewerkschqj- ten gezogen werden muß. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß die LohnbewegungsstatiM über das Jahr 1920 überhaupt die letzte ist, die von den Gewerkschaften selbst ausgenommen wird, da sie zukünftig vom Reichsarbeitsmink- ktsrium amtlich bearbeitet werde« ML