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Fernlvrechanlâlülle Nr. 1237 und 1238.
Nr. 306
Samstag den 31. Dezember
1921
Jahreswende
Schicksalswende
Rückblick unü Ausblick.
Und wieder steht eine neue Pforte der Zeitlichkeit vor unserem Blick. Erkenntnis und Bewußtsein heischt: Der Gang in den dunklen Zeitraum ist ebenso voll Ernst und Not, wie der hinter uns liegende. Mit diesen harten und kalten Tatsachen schickfalsdüsteren Lebens müssen wir rechnen. Gesunder Optimismus gehört zwar
an
die Ententestaaten zu zahlenden Entschädi- igen gefaßt hatten, Beschlüsse, die ein Atten-
jungen gefaßt hatten, Beschlüsse, die ein Atten- at auf die Existenz Deutschlands bedeuteten. War es bis dahin noch nicht geschehen^ so mußte an diesem Tage jedem Deutsch
kommen: Niemals durfte das deutsche Volk, so« ange der kriegerische Konflikt bestand, die Waffen fortwerfen, denn aus dieser großen
ien die Erkenntnis
ringste Aussicht auf Erfüllung haben können, ist zu verwerfen. Mühsal und Kampf, Not und Leid, wohin wir blicken. Schlimmeres noch sieht unser Auge: Dämonen des Haffes, der Rachsucht, der Grausamkeit halten in ihren Krallen den Erdball. Scham und Ekel tropft in die Herzen oller Redlichen. Und des Politikers Aufgabe ist es, die nackte, wenn auch noch so brutale Wirtlichkeit unserer Lage mit dem ganzen Ernst wahrhaftig und gewissenhaft zu zeichnen, den unsere Zeit fordert. Schönfärberei «t heute zu verdammen — unser Volk braucht Klarheit und die Wahrheit, nur wenn es beides hat, wird es sich in der Not und Schmach zusammenfinden in dem Geiste, der erfüllt ist von dem großen, starken Wort: Die Tat ist alles!
Torheit und diesem freventlichem Unverstand ist uns alle Not und alles Elend der stickigen Atmosphäre unserer Zeit erwachsen. Die Pariser Beschlüsse wurden auf der Londoner Konferenz (1. März), an der Deutschland teilnehmen „bürste*, in ein Diktat umgewandelt, trotzdem Deutschland durch seine Gegenvorschläge einen bis zum Selbstmord gehenden Derftändigungs- willen gezeigt hatte. Die Alliierten verließen London unter sofortigem Einsatz von wirtschaft- ichen und militärischen Zwangsmaßnahmen, ür die eine Rechtsgrundlage in dem Ver- ailler Vertrag nicht gegeben war. Die deutsche Regierung rief am 21. April den amerikanischen Präsidenten Harding als Vermittler in der
pruches gleichkam. Der Protest wurde, wie nicht anders zu erwarten war, von den Alliierten verworfn und wir traten in die Wirtschaftsverhandlungen ein. So ereilte einem großen Teil Oberschlesiens das gleiche Schicksal, dem bereits Posen, Westpreußen, Elsaß-Lothringen, Eupen- Malmedy, Nordschleswig und Danzig zum Opfer gefallen waren. — Nach der oberschlef. Abstimmung kamen Tage schwerer volitischer Abenteurerei: verkommunistischeAufstandin Mitteldeutschland (23. Marz), der große Opfer wilder politischer Leidenschaftlichkeit mit jenem Drang der Verwirklichung von Unzulänglichem, forderte. Der Kommunismus erzielte mit dieser auf russisches Geheiß hin einge- leiteten Aktion eine schwere Schlappe, die sich besonders in der Spaltung der kommunistischen Partei geltend machte. Mit welch gemeinen Mitteln dieser Putsch angezettelt, der blutige Kampf heraufbeschworen worden war, hat die jüngste Veröffentlichung von Dokumenten ge» zeigt. Die Schäden, die während des Aufruhres in der Provinz Sachsen verirrsacht wurden, betrugen, ganz abaesehen von Menschenverlusten, über 9 Milliarden Mark! — Eine jener Leidensstationen, die das deutsche Volk unter dem Kreuz des Versailler Vertrages passieren mußte pb noch passieren muß, bildete das Verfahren, das gegen eine Anzahl deutscher
Rückblick! Als das deutsche Volk an der Schwelle des Jahres 1921 stand, ahnte es nicht, welch Tage voll schwarzer Schatten ihm bevor- stchen, welch schwere Knechtschaftsketten ihm als Folge des im vorangegangenen Jahre rati» ftziertèN. Mordfriedensvertrages von Versailles än^egt-merbemWwr-^
Konferenzen, auf denen über Deutschland verhandelt wurde, bald in Paris, bald in London. Die Beratungen hetzten einander nur so, immer stand Deutschland im Mittelpunkte, aber nie wurde es etwas gefragt, nie durfte es feine Meinung äußern, und wenn es doch dergleichen wagte, so glaubte ihm kein Mensch oder tat wenigstens so, als wenn er ihm nicht glaubte. War aber eine Besprechung zu Ende gegangen, erforschte man das Ergebnis — und Deutschland erforschte es immer mit der verzweifelten Lebenshoffnung des Ertrinkenden —, so waren es nur Steine, die uns statt des Brotes gereicht wurden. Ein harter Kampf, ein Leidensweg ist es, der hinter uns liegt, den wir um die Erhaltung unserer Existenz in schwerer Arbeit geführt, bezw. zurückgelegt haben, ohne daß wir in das so sehr ersehnte Freie gekommen wären. Die uns auf erlegten unmöglich erfüllbaren Re- varationsverpflichtungen brachten unserer Wirtschaft Erschütterung auf Erschütterung, Krise auf Krise, sodaß die Kurve nach unten in unaufhaltsamem Lro,ueg führte, bis schließlich, nach- "sisch-polnische Raubgier uns den Teil Oberichlesiens genommen hatte,
dem franzö
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das Reich das Unvermögen seiner Zahlungs- fähigkeit eingestehen mußte. Und während das Deutschland von außen her hart bedrängt Und ein auf das andere Mal vergewaltigt wurde, während Keulenschlag auf Keulenschlag niedersauste, gab es im Innern des Landes statt Einigkeit Zank und Zwietracht der Parteien. Das Steuerrruder des Reichsschiffes wurde hin Md hergeworfen, Gleichmut trat an die Stelle wahrer Polittk. Unsere Volksvertretungen, Reichstag wie preußischer Landtag, versagten gerade in den Stunden, in denen es auf Geschlossenheit der Parteien ankam. Während unsere Brüder und Schwestern in Oberschlesien den furchtbarsten Drangsalierungen und Ver- gewaltigungen von feiten der Polen ausgesetzt waren, während uns Deutschen das Wasser bis an dem Hals stand, boten sich den entsetzten Augen unseres Volkes jammervolle Schauspiele. In beiden Parlamen- ten wurden Skandal-Szenen aufgeführt, wie sie Parlamenten anderer Staaten fremd waren. Und so kam es, daß wir uns ollen Machtjprüchen unterwarfen, was nicht Nötig gewesen wäre, wentt alle Parteien unseres Volkes sich zu einer starken Arbeitsgemeinschaft, p> einer Volksgemeinschaft — ein Ziel, was an dieser Stelle im Laufe bes vergangenen Jahres Mmer und immer wieder gepredigt worden ist ~* zusommengeschlossen hätten. Die letztere Tat ist ausgeblieben, ein Fehler, der niemals wieder »ut zu machen fein wird.
Reparationsfrage an, der die Reparationssumme festsetzen sollte, die die deutsche Regierung ohne Vorbehalt zu zahlen sich bereit erklärte. Harding lehnte diesen ihm blindlings erteilten Auftrag ab — es kam jedoch innerhalb des Obersten Rates zu neuen Derhandlunetzn in London (30. April), die zu dem folgenschweren bis zum 13. Mai befristeten Ultimatum führten, das am 4. Mai den Rücktritt des Reichskabinetts Fehrenbach zur Folge hatte. Dr. Wirth über« ^y ^â -*' ^ M “ i. di*. ckââuA ^er-RfUie- rung, die aus Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten, also von Koalitionen der Nationalversammlung, zustande kam und die am gleichen Tage noch die Annahme des l-ondoner Ultimatums empfahl. Die Regierung fand sich zur Erfüllung der in diesem Dokument enthaltenen Forderungen bereit — sie Hot erfüllt, bis sie kurz vor Ende des Jahres erklären mußte, daß Deutschland nicht mehr zahlen könne. — Zwischen den Konferenzen von Paris und London fand ein Wahlkampf zur preußischen Landesversammlung statt, der in Anbetracht der gemeinsamen schweren Sorge, vor der äußeren Gefahr, vor der Existenzbedrohung des gesamten Volkes, ziemlich ruhig geführt wurde. Das Ergebnis der Wahl (20. Februar), mit der eine der letzten der in der Revolutionspsychose gewählten deutschen Körperschaften verschwand, war ein erheblicher Zug nach rechts, wenn er auch nicht ganz so stark wie bei den Reichstagswahlen zu Tage trat. Die Kabinettsbildung verzögerte sich außerordentlich, sie erfolgte erst zwei Monate später, nämlich am 22. April, nachdem am 9. April Stegerwald < Minijterpräsidente» teitaktische und parteiegoistische ( ten die Mehrheitssoziallsten, die im vorangegangenen Kabinett den Ausschlag gegeben hatten, mit der Deutschen Volkspartei in die Regierung einzutreten; man schuf den Ausweg eines Geschäftsministeriums, bestehend aus Zentrum und Demokraten. — Lon einem Hoffnungsstrahl etwas aufgemuntert wurden wir in jenen trostlosen Tagen des März durch den deutschen Sieg in Ober- schlesien. Die oberschlesische Bevölkerung sprach sich in ihrer übergroßen Mehrheit trotz des polnischen Terrors am 20. März dafür aus, daß die wirtschaftliche und kulturelle Zusammen«
Kriegsbeschuldigte vor dem Leipziger Reichsgericht (23. Mai) stattfand. Mit gi scbwollener Zornesader und zusammengebissl
nett Zahne Unritterlich auf^unsere
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mußten wir diesen von größte» ifr. der Feinde zeugenden Angrisi ihre ertragen. Wir haben die Ur
teile hingenommen, haben sie aber nicht vergessen und werden dies auch nicht tun, in der Hoffnung, daß die Zeit einst kommen wird, die diesen Makel, den uns Ehrlosigkeit angehângt hat wieder auswetzt. — Eine weitere Kabinettskrise
in Preußen trat am 1. November ein. Nachdem âUe 15é™bun§^f^gft^^ UuMikbung des Ge chästsministeriums eine neue Regierung zu schaffen, die sich auf möglichst weite Kreise stützen ollte, fehlgeschli nifterium zurück. Und i
in jenen trostlosen Tagen zu begrüßen und als erstes Zeichen einfetzender Besinnung zu deuten war: Die Bildung der großen K in Preußen, von den Mehrhe
agen hatten, trat das Mi-
nun folgte ein Schritt, der
o alition
ehrheitssozialisten
bis zur Deutschen Volkspartei (5. November). „Die ungestüme Presserin, die Not, der nicht mit
____r.„,____,___________April Stegerwald zun: Ministerpräsidenten gewählt worden war. Parteitaktische und parteiegoistische Gründe Hinder-
im
gehörigkeit Oberschlesienr mit Deutschland er« ,alten bleiben solle. Nach den von den Alliierten elbst angeführten Selbstbestimmungsrecht«» war omit Oberschlesien unteilbar und dennoch wurde am 12. Oktober vom Völkerbundsrat in Genf
die Teilung beschlossen. Hin war unsere Hoffnung. Betrogen und nochmals be- trogen! Dieser Beschluß, der sich weder an die Sprache, noch an die Sitte, noch
M Der erste Tag, der dem deutschen Volke seine Versklavung offenbarte, war der 29. Januar 1921, jener Samstag, an dem die Pariser Konferenz beendet wurde. An diesem Tage fußten wir erfahren, welche Beschlüsse die. •Sieger* inbezug auf die Entwaffnung und die
die Sprache, noch an dis Sitte, noch ____ie wirtschaftlichen Verhältnisse eines Volke, kehrte, bedeutete eine neue brutale Vergewaltigung des deutschen Volkes, die zwar eine große nationale Leidenschaft emporflammen ließ, ine dennoch nicht ausreichend war, um da« gesamte Volk zu einem Block zusammenzuschmieden. Dr Wirth trat am 22. Oktober mit seinem Kabinett zurück, er bildete aber am 26. Oktober eine neue Regierung, bestehend aus Zentrum und Sozial- demokraten unter Beteiligung von einigen Fachministern. Diese Regierung legte zwar Rechtsverwahrung gegen den Genfer Macht- spruch ein, stimmte jedoch der Forderung des Bölkerbundsrate», auf Abordnung von Delegierten zu den deutsch-polnischen Wirtschoftsvcr-
an die
hohlen Namen, Figuranten, gedient ist, die die Tat will, nicht das Zeichen . . sie hatte den Zusammenschluß der Parteien der Mitte im Preußenparlament vollbracht in der Hoffnung, daß auch bald das Reich folgen würde . . Ein großer Aktivposten des Jahres 1921 wäre es gewesen. Doch leider hat sich die Hoffnung bis heute noch nicht erfüllt, obwohl besonders von Seiten der Deutschen Volks^artei wiederholt Anläufe zur ZusamkNenschweißung der zweiten Sroßen Arbeitsfront gemacht wurden. Dieser
Mißerfolg ist sehr bedauerlich, denn wenn wir im letzten Jahre immer wieder neue Schläge aus uns niedersausen lassen mußten, so hat das nicht zuletzt daran gelegen, daß war, den nationalen Einh
', sie hatte den »er Mitte im
zuletzt daran gelegen, daß es un, nicht gelungen war, den nationalen Einheitswillen zu schäften, der dar ganze Volk einigte in dem festen Willen, sich durch die schwerste Zet seiner Geschichte durchzwingen, und in dem festen Glau-
den an
t. — Zum Schluß seien noch er letzten Wochen vor Jah-
kurz die Ereignisse
resschluß erwähnt, die fiTa shingtoner und Londoner Konferenz, die beide nicht auf die Kreditseite gehören. In Washington ist die Frage der Landrüstungen ein Blümlein Rühre-mich-nicht-an geblieben, auch in der U-Dootfrage ist es zu keiner Enigung gekommen, und so ist der Abbau de» französischen Militarismus, der nicht nur eine Erleichterung für Deutschland, sondern für ganz Europa bedeutet hätte, noch immer Zukunftsmusik. Desgleichen hat man in Washington, obwohl Deutschland seine Zahlungsunfähigkeit erklärte, ror der brennenden Frag« einer Sanierung der internationalen Finanz- und Wirtl^afttlage Halt gemacht, welche eben mitten in die Repa- rationsfrage hineingeführt hatte. London war ergebnislos und in Cannes wird man vermut- lich auf die europäische Konferenz verweisen. Wenn es auch den Anschein hat, al» ob auf jener angekündigten Konferenz bas Reparationsproblem neu aufgerollt werden soll, so ist übergroßem Optimismus zu warnen, och in Frankreich Kräfte walten, die
men, und
doch von
solange noch in Frankrei , Deutschland» Niedergang fordern, solange Frankreich der mächtigste Staat Europa» ist und den Aueschlaa bei allen Beratungen und Verhandlungen über Deutschland und damit über eine Revision der Reparation und des Frieden» von Versailler gibt.
Ausblick! So steht dar deutsche Der Schwelle eines neuen Jahres, sie
Volk
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salsschwere Fragen auf den Lippen: Wird es uns Besseres als das vergangene, wird es uns die Erfüllung wenigstens eines Teiles der Hoffnungen bringen, die wir im Jahre 192t begraben mußten? Wird das neue Jahr endlich eine neue Aera der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Europas einleiten? Werde» wir in ihm das „kleine, zarte Licht" erblicke«, von dem der Vertrauensmann des Präsidenten Harding, der vor einiger Zeit in Europa wellte, nach der Möglichkeit der Gesundung Deutschlands befragt, sprach? Wird es auch kein Irrlicht sein? Die Antworten auf all diese Fragen zu geben, ist unmöglich. Nur das eine steht fest, daß auch das neue Jahr einen schweren Kampf für uns bringen wird. EiA jeder, der die Zeichen der Zeit zu deute« vermag, fühlt es: dieses neue Jahr wird von einer furchtbar ernsten Bedeutung für alles fein, was den deutschen Namen trägt. Deshalb giß es unter äußerster Anspannung aller Kräfte das Höchste zu leisten, was wir leisten können. Dir können, wenn nur der gute Wille dazu vorhanden ist. Und dieser Wille kann zwei Ausdrucksformen finden, einmal die rein geistige der Erkenntnis des innigsten Derflochtenfeins jedes Deutschen mit dem ganzen deutschen Volke und dann die äußerliche Anwendung in der richtigen Ausnutzung des einzigen Machtmittels, das uns noch zu Gebote steht, der d e u t f ch e n Wirtschaft. Eines ohne das andere hat keine Lebensfähigkeit, eines mit dem anderen macht uns noch nicht unüberwindlich, aber es verbürgt uns den Zwang für die fremden Völker, uns trotz alles Wehrens doch einmal wieder als zugehörig und allmählich sogar als gleichberechtigt anzuerkennen und uns fchließsich, weil wir nun leben und lebenskräftig sind, auch unser Recht wieder werden zu lassen, und nichts mehr in der Welt ohne Deutschland zu unter- nehmen. Die Wirtschaft zu hegen und zu Pflegen, -mutj w>*ne^m#ÄÄ^ieI4^ utschen sein, sie darf nicht als Experimentalprojekt, als Beutestück, sondern als kostbarstes Nattonalgut betrachtet werden. Eine Gesundung der politischen Verhältnisse ist nur möglich, wenn die wirtschaftlichen Kräfte zur Führung herangezogen werden. Wir sehen es ja fast alle Tage: Das Auslandsvertrauen gilt dem deutschen Unternehmer — dieser hat auf Grund seiner Leistungen und Fähigkeiten ein Ansehen, da- die politische Führung des Reiches leider nicht besitzt. Deshalb muß es heißen: Wirtfchafts- führer an die Front! Die Wirtschaft muß im neuen Jahre den Vorrang erhân, nicht das Parteiprogramm.
Der wirtschaftliche Wiederaufbau setzt aber wie gesagt, sittkkchen Wieveraufbau voraus. Sittliches Streben macht den bösen Geist der Zwietracht zunichte, mißachtet den Zank, duldet keinen Streit. Die deutsch« Seele muß wieder dem hohen sittlichen Jdea-
i s m u s Altäre errichten. Denken wir an ^enes Goethewort: „Laß der Sonne Glan^ ver- chwinden, wenn es in der Seele tagt, wir im eigenen Herzen finden, was die ganze Wett verjagt." Dieser deutsche Idealismus ist verschüttet, ihn gilt es wieder fteizumachen. Einer heiligen Opferflamme gleich führe er unser Dollk durch Rot und Leiden, Trübsal und Entbehrungen der Zeit einer neuen Wiedergeburt entgegen. Wir haben zu beweisen, ob mir unser Vaterland lieb haben. Es ist wahrhaftig leim Kunst, sein Vaterland in Zeiten starker Macht und satten Wohlsein» zu neben, auf sein Volk stolz zu sein. Aber es zeugt von sittlicher Größe, von Charakter, in Zelten der Armut, des Leidens, der Demütigung, kurz, schweren nationalen Unglücks, für sein Volk und Vaterland alles zu geben. — Zu dem sittlichen Wiederaufbau gehört weiter auch unverbrüchliche» Gottvertrauen, eine Vorbedingung, ohne die er nur ein Ende in Verzweiflung geben kann. Der Wiederaufbau unseres Volke» geht über menschliche Kraft. Das Werk kann deshalb nur gelingen, wenn wir uns wieder als da» berufene Werkzeug eines Höheren fühl««.
In der Stunde de» Jahreswechsels möge die innere Einkehr zu solcher Selbsterkrnntni» führen. Sie möge uns auch dar eine erkenne« lassen: wie immer, so wäre auch diesmal das deutsche Volk ganz und «ar verloren, wollte es seine Hoffnung auf die Hilfe und den Beistand der anderen setzen. Solch Hoffen wäre wahrhaft aus Sand gebaut. 3läM dem Herrgott hat da» deutsche Volk nur einen Helfer: sich selbst! „JndeinerBrustsinddeinesSchiL 1 a l s 6 t e r n e!" Je stärker unser Geist und Wille ist, um so größer und machtvoller wird di» Wirkung sein! Solchen Sinne« und solche« Geiste» voll wollen wir die Klinke bes neuen Jahre« drücken und eintreten in das Jahr, da« für uns zu «o« Schicksalswende werde« soS^ , Rich. Kults ah.