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Hanauer

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Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Hanau.

Fernivrechanichlülle Nr. 1237 und 1238.

Nr. 304

Donnerstag den 29. Dezember

1921

HBWrffi^

Das Neueste.

Der Reichsverkehrsminister hat es abge­lehnt, das Ultimatum der Eisenbahnbezirksorga- ntfationen von Elberfeld anzunehmen. Das Ultimatum ist bis Freitag verlängert worden.

Dr. Rathenau ist nach Paris gereist.

Das Programm von Cannes weift das Reparationsproblem und die Einberufung einer internationalen Konferenz auf.

In der U-Boot-Frage konnte eine Eini­gung nicht erzielt werden. Frankreich beharrt auf feiner Forderung.

Die Botschafterkonferenz hat die Zuer­kennung des Oedenburger Gebietes an Ungarn beschlossen.

Die Unruhen in Aegypten haben einen evolutionären Charakter angenommen.

Die Hoffnung auf Cannes.

Wie vor der Londoner Konferenz zwischen )loyd George und Briand macht sich auch jetzt Nieder angesichts der am 6. Januar beginnen­den Tagung des Ober ften Rates in Tannes in der deutschen Oeffentlichkeit ein starker Optimismus breit. Dieser wird dadurch begünstigt, daß die Reichsregierung über das im wesentlichen negative Ergebnis der Lon­doner Konferenz, sowie über die fortgesetzt statt­findenden Reparationsberatungen des Kabi­netts strengstes Stillschweigen beobachtet, sowie durch die Meldungen der Pariser Presse über weitgehende Zugeständnisse gegenüber Deutsch­land, die der in Cannes vorzulegende Zah­lungsplan enthalte. Im wesentlichen handelt es sich doch hierbei um Stimmungsmache, die fran- Msche Presse will die Oeffentlichkeit gegen Briand scharf machen, damit er umso zäheren Widerstand gegen Lloyd Georges Reparations- revsstonspläne leiste.

lieber biefe Pläne selbst steht nichts näheres fest, und was darüber aus französischer und eng­lischer Quelle in die Oeffentlichkeit dringt, ist mit größter Vorsicht zu genießen. Man weiß nur so viel, daß in Cannes die Frage der I a - nuar - und Februarzahlungen und möglicherweise auch die der Reparationslasten für das ganze Jahr 1922 geregelt werden soll. Bekanntlich beträgt die Januarrate 500 Millio­nen Goldmark und die Februarrate, die nach der 26prozentigen Ausfuhrabgabe berechnet werden soll, würde sich auf 325 bis 335 Millio­nen beziffern. Nach den Berechnungen der Regierung sind hiervon durch die bereits ge­tätigten Sachleistungen etwa 200 Millionen Goldmark beglichen. So viel man aus den Be­richten über die Londoner Konferenz entnom­men hat, will die Entente die auf Grund der Ausfuhrabgabe fällige Reparationsrate als ab­gegolten gelten lassen, und es scheint, daß man die 500 Millionen, die am 15. Januar fällig sind, bis zum 15. Februar stunden will. Aber auch an diesem Betrag fehlen noch weit über 100 Millionen Goldmark, deren Beschaffung auf dem Wege der Devisen zu einem neuen Druck auf unsere Valuta fuhren müßte.

Diese brennende Frage wird also zunächst in Cannes geregelt werden müssen, wobei sich die englischen Sachverständigen auf den Stand­punkt stellen, daß der Verzicht auf einen Terl der Zahlungen leichter zu ertragen wäre, als die Fortsetzung der Zerrüttung nicht nur auf dem internationalen Geldmarkt, sondern im Zusammenhang damit (Dumping-Einfuhr) auf dem Weltwirtschaftsmarkt. Nun berichtet der Londoner Vertreter desOeuvre" ssiehe gestrige Nummer) von wesentlichen Zugeständnissen, Die England zu Gunsten Frankreichs zwecks Erleich­terung Deutschlands machen wolle. Sa wolle England angeblich seine Prioritätsrechte aus dem Abkommen vom 13. August abtreten und auf seinen Anteil an den deutschen Repara­tionszahlungen verzichten. Einmal sind diese Meldungen noch unbeglaubigt, und zweitens würde es im Enddeffekt auf dasselbe hinaus­kommen, ob Deutschland 132 oder 103 Gold­milliarden nicht bezahlen könnte. Weiter be­richtet das genannte Blatt, daß England geneigt sei, auf seine Forderungen an Frankreich m Höhe von 14 Milliarden Goldfrancs gegen Überlassung der deutschen Bonds der Serie E zu verzichten, wenn Frankreich auf die Rau- mung des linken Rheinufers sowie die Verringerung der französischen Streitkräfte Zu Wasser und»zu Lande eingehe. Was die Kon­zession Nummer 1, die Räumung des linken Nheinusers betrifft, so wird man leider Briands Erklärung, daß Frankreich in Cannes auf kei­nen Teil seiner Garantien vernichten werde, hierauf beziehen müssen. 2m übrigen hat es sap den Anschein, als ob auch die von englischer Aite angekündigten Geschenke Danaergeschenke » denn nach den Berichten der Londoner Glätter wollen die englischen Sachverständigen vM Na» des E r s a tz e s der G e l d 1 e i -

stungen durch die Sachleistungen in den Vordergrund stellen. Und zwar soll Deutschland danach nicht nur Sachleistungen für den Jnnenbedarf Englands aufbringen, son­dern auch für dessen Exporthandel mit den bri- tischen Kolonien, sowie mit Rußland, und ähn­liche Abmachungen sollen von Italien, Belgien und Japan angestrebt werben. Die Verwirk­lichung dieses Planes würde letzten Endes einer Uebernahmedes Welthandels durch die Entente, insbesondere durch England, nleichfommen, während Deutschland zum Lieferanten der Entente degradiert und sein Exporthandel vom Weltmarkt ausge­schaltet wäre, was gleichzeitig den Verzicht auf die für uns unentbehrlichen Devisen bedeuten würde.

Jedenfalls geht aus all dem, was man von der Konferenz von Cannes hört, hervor, daß wir, wie eingangs betont, keinen Grund zum Optimismus haben, ganz abgesehen davon, daß der Oberste Rat voraussichtlich nur über die dringlichsten Reparationsfragen entscheiden wird, während die Lösung des Kernproblems, der Reparationsrevision, der bereits in Aussicht genommenen internationalen Wirtschaftskonfe­renz vorbehalten bleibt, zu der man den Schuld­ner wohl oder übelvorladen" müssen wird.

*

Das Programm für Cannes.

Paris, 29. Dezbr. In Cannes werden die Vorbereitungen für die Konferenz getroffen Der amerikanische Delegierte fernen mit seinen Sekretären ist bereits gestern in Cannes einge­troffen. Am 1. Januar kommen die englischen Delegierten, am 4. und 5. Januar treffen die übrigen, Franzosen, Italiener, Belgier und Ja­paner, ein. Am 6. Januar wird dann die erste Sitzung stattfinden. Man rechnet mit einer acht­tägigen Dauer der Konferenz. Insgesamt wer­den etwa 200 Personen erwartet. ÄMMerprä^ sident Briand hat in seiner Eigenschaff als Prä­sident des Obersten^ lates die Einladungen zur Cannes-Konferenz' um 6. Januar abgesandt. Auf der Tagesordnung stehen zwei Punkte:

1. Reparation^frage,

2. Einberufutz^ einer internationalen Kon­ferenz. £

Rathenau in PÄis. Was Deutschland zahlen kann.

Berlin, 29. Dezbr. Dr. Rathenau ist gestern von Berlin nach Paris abgereist. Während sich Staatssekretär Fischer als offizieller Vertreter der deutschen Regierung in der französischen Hauptstadt aufhält, trägt Rathenaus Besuch inoffizieller Charakter. Man nimmt deshalb in hiesigen unterrichteten Kreisen an, daß Rathe­nau nicht an den offiziellen Beratungen zwi­schen dem Staatssekretär Fischer und der Re­parationskommission teilnebmen wird. Jedoch wird Rathenau mit der Reparationskommission in ständiger Fühlung bleiben. Man ist der An­sicht, daß von deutscher Seite im Ja­nuar beim besten Willen nicht mehr als etwa 200 Millionen Mark gezahlt wer­den können.

Die Kommendegroke" Konferenz.

London, 28. Dezbr. Der Plan einer großen internationalen Konferenz zur Wiederherstellung Europas unter Teilnahme Deutschlands und Rußlands wird in der Presse ausführlich be­sprochen.

LautE v e n i n g Standard" hat sich Rußland dem Standpunkt der alliierten Natio­nen allmählich genähert. Es bestehe die Mög­lichkeit, daß die Konferenz von Cannes zu einer Annäherung der Sowjetregierung sowohl an die Alliierten, als auch an die Vereinigten Staa­ten führen werde.

Manchester Guardian" gibt in einem Leitartikel der Hoffnung Ausdruck, daß die Meldung über eine bevorstehende Einladung an Tschitscherin und Litwinoff, nach London zu kommen, im schlimmsten Falle verfrüht sei. Rußland und Deutschland, sagt das Blatt, hal­ten die Schlüssel zu dem wirtschaftlichen Durch­einander in Europa in der Hand, und Rußland nach Ansicht vieler Leute den Hauptschlüssel.

Pall Mall and G l o b e" schreibt, England hätte Rußland als Kunden nötig. Wenn England sich nicht beeile, die offiziellen Beziehungen mit Rußland wieder herzustellen, so würde Deutschland das russische Wirtschafts- leben mit seinem eigenen verketten, den russi- schen Handel abhängig von sich zu machen, England einen Kunden wegnehmen und sich ein Monopol auf die russischen Rohstoffe sichern. Lloyd George werde vielleicht innerhalb seines Kabinetts einen Kampf zu gewärtigen haben. Minister Churhill stünde, wie es heißt, dem Willen der Konferenz keineswegs wohlwollend gegenüber.

Stimmungsmache gegen Deutschland.

Französische Blätter teilen mit, daß die Re­parationskommission sich heute mit einem an­geblichen Verzug Deutschlands in der Lieferung von Koks zu beschäftigen habe. Die regelmäßige Lieferung von 15 000 Tonnen pro Tag sei seit dem 15. Dezember auf 9 bis 10 000 Tonnen zurückgegangen. Die Mitteilung spricht von einer dritten Verfehlung Deutschlands, die hier­durch festgestellt werde. Die erste Verfehlung datiere vom Juni 1920 vor der Konferenz von Spaa, die zweite gehe auf den Monat März 1921 zurück, als die deutsche Regierung die erste Milliarde Goldmark, die auf Grund des Ver­sailler Vertrages als Abschlagszahlung der Summe von 12 Milliarden verlangt wurde, nicht bezahll habe. DasEcho de Paris" fügt die Nachricht hinzu, es erscheine ihm angebracht, am Vorabend der Konferenz von Cannes den schlechtenWillenDeutschlands noch einmal feierlich festzustellen.

Von unterrichteter Seite wird hierzu folgen­des bemerkt: Im Verfolg des Ende November einsetzenden starken F r o st e s sind bekanntlich erhebliche Störungen in der W a g e n g e st e l - l u n g im Ruhrrevier eingetreten, die zu einem ungewöhnlichen Anwachsen der Haldenbestände und zu außerordentlichen Erschwerungen der laufenden Kohlenversorgung auch des Inlandes geführt haben. Hiermit hängen auch die trotz des Weihnachtsverkehrs in einigen Bezirken ge­troffenen Einschränkungen im Per­sonenverkehr zusammen. Die Rückwir­kung dieser lediglich durch höhere Gewalt her­beigeführten Verhältnisse auf die Pflichtkohlen­lieferungen an die Alliierten konnte nicht aus­bleiben. Es mußten davon auch die auf Wunsch der französischen Industrie seit dem Herbst in verstärktem Maße angekorderten Koksliefe- rungen betroffen werden. Die taisächüchen Koks- lieferungsn seit öem1 'Dezbr.' erreichen jedoch fast 12 000 Tonnen neben rund 30 000 Tonnen Kohlen täglich. Die zuständigen Reichsministe­rien haben sofort eingegriffsn. Die getroffenen Maßnahmen, namentlich die Zurückstellung an­derer Lieferungen auf die Gefahr von Arbeits­einstellungen in der heimischen Industrie, Ge­stellung von Transportmitteln, Feiertagsarbei­ten usw. haben nach den heute vorliegenden Meldungen den Erfolg gehabt, daß das Liefer­soll an Koks im Durchschnitt des 25., 26. und 27. Dezember voll erreicht ist. Am 27. Dezember sind nicht weniger als 43 298 Tonnen Koks ver­laden worden. Die Reparationskommission ist durch die deutsche Kriegslastenkommission über die Bemühungen der deutschen Regierung, die vo Legenden Schwierigkeiten zu überwinnden, fratlaufenb unterrichtet worden. Cs wird über» As Gelegenheit fein, auf den für den 3. Ja­nuar in Aussicht genommenen Verhandlungen über die weiteren Lieferprogramme und über die Ausfuhrfrage noch etwa von der Repara­tionskommission gewünschte Aufklärungen zu geben. Die Versuche, eine vernünftige Lösung der Reparationsfragen, um die sich gegenwärtig alle beteiligten Mächte bemühen, nach dem Dor- bilde von Spa durch Schaffung von Schwierig­keiten in der Kohlenfrage zu stören, dürften da­her ohne Erfolg bleiben. Von Deutschland sind auch die beiden ersten angeblichen Ver­fehlungen niemals anerkannt wor­den. Von einer dritten Verfehlung kann somit weder sachlichnochformell die Rede sein.

Der Cisenbahnerkonflikk.

Das Reichskabinett hat sich gestern mit der Arbeitsniederlegung der Eisenbahnarbeiter in einzelnen Bezirken des rheinisch-westsälischen Industriegebietes beschäftigt. Der Reichsver­kehrsminister berichtete über die durch das Ulti­matum der Funktionäre des Deutschen Eisen­bahnerverbandes der Dirsktionsbezirke Elber­feld, Köln und Essen geschaffene Lage. Das Kabinett hat sich auf den Standpunkt ge­stellt, daß die ultimativ gestellten Forderungen nicht zu bewilligen seien, und daß die Regelung der Besoldung der Eisenbahnarbeiter, die vor Weihnachten ge­troffen worden ist, mit Rücksicht auf die gesamte Lage des Reiches weiter aufrecht erhalten blei­ben müsse. Die Bewilligung der Forderungen würde für das Reich eine Mehraufwendung von mehreren Milliarden bedeuten. Die Blätter be­tonen, daß die Reichsregierung nicht zuletzt aus Erwägungen außenpolitischer Natur um jeden Preis durch Tariferhöhungen die Staatsbetriebe rentabel zu machen bestrebt ist. Die ganze An­strengung aber würde vergeblich sein, wenn eine neuerliche Belastung des Eisenbahn­etats von mehreren Milliarden er­folgen würde.

Die für gestern nachmittag angesetzten Be­sprechungen der ELsiuchlchsorganjjationen mit

dem Reichsverkehrsminister sind infolge des Druckes, den die Eisenbayner in Westdeutschland durch das Ultimatum und die Teilstreiks aus­üben, vom Reichsverkehrsminister abgesagt worden. Um die Weiterführung der Verhand­lungen zu ermöglichen, haben anscheinend auf Anregung des Berliner Hauptvorstandes des Eisenbahnerverbandes die Werkstätten­funktionäre des rheinisch-westfälischen Indu­striegebietes ihre ursprünglich bis gestern nach­mittag befristeten Forderungen b i s F r e i t a o verlängert. Es sollen heute die Verhand­lungen im Reichsverkehrsministerium fortge­führt werden.

Elberfeld, 28. Dezbr. Seit heute vormittag ruht der gesamte Personen- und Güterverkehr. Die Züge werden in den Vorort-Bahnhöfen von den Streikenden abgefangen und nicht wei­tergelassen. Auch heute abend war der Verkehr noch nicht wiederhergestellt und es ist noch nicht vorauszusehen, wann der Betrieb wieder durch­geführt werden kann. Die Schupo ist aufgeboten worden, um die Ordnung wieder herzustellen. Der Eisenbahndirektions-Präsident von Elber­feld hat einen Aufruf erlassen, in dem es heißt: Die Arbeitseinstellungen, die sogar zu gewalt­tätigen Eingriffen in den Betrieb geführt haben, sind als wilde Streiks anzu- fehen, die mit allen Mitteln zu bekämpfen sind. Im Interesse der Aufrechterhaltung eine« wenigstens notdürftigen Betriebes erwarte ick dis Unterstützung aller besonnenen Bediensteten Ich setze dabei voraus, daß die Beamten in Gc- meinschaft mit den arbeitswilligen Arbeitern alles aufbieten werden, um die eingetretener Störungen zu beseitigen.

Elberfeld, 29. Dezbr. Die streikenden Eisen­bahner gaben nachts oie Parole aus, den Streik mit aller Schärfe durchzulühren. Nur Trans­porte der Interalliierten Kommission sollen von den Streikenden bewerkstelligt werden.

^Sollte ber Streik- allgemein werben, ss droht uns eine ernste Gefahr in der Kohlenver- forgima. D. Red.)

Berlin, 29. Dezbr. DerVorwärts" schrei.: zu dem drohenden Eisenbahnerstreik: Ergeben die Verhandlungen mit der Regierung nichts w wird der Streik kommen. Es wir> Dann die Sache der Eisenbahner sein, ihre Bewegung mit weitestgehenden Mitteln zu ekt.i.i raschen Er- folge zu führen, wobei sie die gesamte Arbeiter­schaft hinter sich haben werden. Einstweilen ist aber zu wünschen, daß die Arbeiter im Westen noch warten und daß die Regierung in Berlin sich beeilt.

Keine Einigung in der U-Dook-Frage.

Frankreichs Programm eine Bedrohung für England.

Paris, 29. Dezbr. Der Marineausschuß bet Kammer hat gestern eine Sitzung abgehalten, um eine Erklärung des Marineministers über die Verhandlungen mit Washington entgegen­zunehmen. Die Kommission hat einmütig auf den Vorschlag des Abgeordneten Cels hin be­schlossen, das Ministerium zu verpflichten, ener­gisch die maritimen Interesse Frankreichs zu unterstützen, das eine entsprechend starke Flotte nötig habe, um seine Küsten, seine Kolonien und die Freiheit seiner Verbindungen zu sichern.

Paris, 29. Dezbr. Nach einer Havasmeldung aus Washington hat der französische Delegierte Sarraut'die offizielle und definitive Er­klärung abgegeben, daß Frankreich keine ge- ringere Tonnage als 330 000 Tonnen für die großen Schiffe und 90 000 Tonnen für bit Ü-Doote annehmen werde. Die britischen uni japanischen Delegierten hatten erklärt, daß fit angesichts des Verlangens Frankreichs sich ihr« Haltung hinsichtlich der Tonnage der großer Schiffe Vorbehalten müßten.

Paris, 29. Dezbr. Havas meldet aus Wa­shington: Nachdem 5 arraut seine Erklärung 'etrcsfend die Haltung Frankreichs in der U- Bootfrage abgegeben hatte, ergriff Hughes das Wort und dankte Frankreich, daß es bezüg­lich der Großkampffchiffe Opfer auf sich genom­men habe. Er sprach aber fein Bedauern i u s, daß Frankreich keine großen Opfer be­treffs der U-Boote und der Hilssschiffe auf sich genommen habe. Balfour sprach sich im ähnlichen Sinne aus und wiederholte, daß nach rmffaffuna der britischen Delegation die U« Boote nicht den praktischen Nutzen hätten, der ihnen von der französischen Delegation zuge- schrieben werde. Die U-Boote hätten gegen Nliegsschiffe keine offensive Bedeutung. Sie bildeten lediglich eine Gefahr für die Handels­flotte. Das von Frankreich ins Auge ge­süßte Programm erscheine als eine Be­drohung für England. England werde deshalb eine Verleidigungsstreilmacht gegen diè Flotte von U-Booten bilden müssen, die . itt nächster Nähe seines Gebietes errichtet werdevs