Einzelbild herunterladen
 

Kanaue

Einrückungs gebühr:

Die8gesp. Kolonelzeile oder deren Raum 2.50 Mk., die 4gesp. Zeile im Reklameteil 5.50 Mk.. Finanzinserate 2.70 Mk. OffertgebührSO Pfg. Bezugspreis: Viertel- jährl. 18. Mk.,monatl. 6. Mk., f. Postbezug viertel- jährl. 22.50 Mk. monatl.7.50Mk. DieNummer25Pfg.

Postscheck-Konto Nr. 26659, Frankfurt a. M.

I Anzeiger

General-Anzeiger

AmWchrs Organ Mr SksL!- MS LanMreis Lam«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermühle. Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen Teil Richard Hultsch: für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt, alle in Hanau a. Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau. Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

»r. 292

Mittwoch Ls» 14 DszsmSer

1921

»3

Das Neueste.

Anfang Januar wird ein neutraler Aus­schuß zur Untersuchung der Kriegsschuldfrage zusammentreten.

DerJntransigeant" bestätigte die gestrige Nachricht desTemps", daß die Mission Dr. Rathenaus in London nicht nutzlos ver­laufen sei.

Der Reichstagsausschuß für Wohnungs- golitik hat § 1 bis 6 des Reichsmietengesetzes m wesentlichen gemäß den Beschlüssen der ersten Lesung mit einigen Zusätzen angenom­men.

Das Viermächteabkommen über den stillen Ozean ist gestern unterzeichnet worden.

Die österreichische Bundesregierung hat beschlossen, an der heute stattfindenden Oeden- burger Abstimmung nicht teilzunehmen und die Abstimmungskommissare zurückzuziehen.

Ein neutraler Ausschutz zur Untersuchung -er Schuldfrage

Die Zerteilung der Welt, die auf allen Halte­iellen zwischen Versailles und Washington mit )er größten Kaltblütigkeit vorgenommen wird, ;eht einzig und allein auf der Grundlage des berüchtigten Artikels 231 des Versailler Ver­lags vor sich, der Deutschland das Bekenntnis der alleinigen Schuld am Kriege abgepreßt hat. Und trotzdem hat niemand anders als Lloyd George vor rund einem Jahre, am 20. Dezem­ber 1920, in öffentlicher Rede bekannt, niemand habe den Krieg gewollt, und alle feien in ihn hineingestolpert ober hineingeschlittert! Dieses Eingeständnis des Juristen Lloyd George hat allerdings der Politiker Lloyd George am 3. März 1921 Wesentlich abgeändert, indem er auf der Konferenz, die das Londoner Ultimatum zur Mlge hatte, die Verantwortlichkeit Deutschlands ur den Krieg behauptete; er hat jedoch beige- iUU'bäfj der ganze Versailler Vertrag hinfällig ei in dem Augenblick, in dem diese Voraus- etzung hinfällig werde. Seit dem 3. März sind reichlich neun Monate ins Land gegangen, ohne daß man von der Verbandsseite auch nur den geringsten Anlauf gemacht hätte, diese Voraus­setzung nachzuprüfen, sondern man hat im Gegenteil auf diesem Treibsand munter weiter­gebaut und Deutschland immer weitere Ver­pflichtungen auferlegt, bis es jetzt nahe daran ist, der Last zu erliegen. Man hätte wenigstens von Washington her ein Wort des Zweifels in die Grundlagen des Bluturteils zu vernehmen hof­fen können. Statt dessen hört man nur hoch­tönende Phrasen von Recht und Gerechtigkeit und Menschenverbrüderung und andern schönen Dingen; der Satz von der Alleinschuld Deutsch­lands aber bleibt bestehen wie ein Bibelspruch. Leider findet es auch in Deutschland keine ver­antwortliche Stelle für angezeigt, einmal den vtier bei den Hörnern zu packen, einmal die Frage nach der Schuld am Kriege aufzuwerfen und die internationale Luft durch einen gellen­den Schrei zu erschüttern. Wenn nun die zu­nächst Beteiligten, die Richter und ihre Opfer, m Schweigen verharren, so muß eben jemand anders das erlösende Wort sprechen und die peinliche

peinliche Frage stellen; das verlangt das Knde Weltgewissen, das nicht ganz abge-

m sein kann und darf, sofern man noch an ein Nebeneinanderleben der Völker in der Zu­kunft glauben soll. An einzelnen Stimmen hat 65 ja seit dem Unheilstag von Versailles nicht gefehlt, aber es waren Einzelstimmen. Nun­mehr scheint sich jedoch so etwas wie ein Ge­richtshof aufzutun, der die Richter von Ver­sailles und Spa und London und Washington vor seinen Richterstuhl zu laden sich anschickt, um das Urteil der nötigen Durchsicht zu unter­ziehen. Es hat sich nämlich ein neutraler unparteiischer Ausschuß gebildet, der bmnen kurzem, Anfang Januar, in Christi- Unia sich versammeln wird, um die Verant- Aortlichkeit für den Krieg und die Art der striegsführung und des Kriegsschlusses zu unter­suchen. Eine Anzahl angesehener Männer auf dem Gebiet der Ethik, der Geschichte und der Politik hat aus verschiedenen der im Kriege neu- isal gebliebenen Länder je zwei Mitglieder in diesen Ausschuß gewählt, um die ganze Frage zu prüfen, und zwar in einer Weise, die ein ge- ^chtes, wissenschaftliches und vorurteilsfreies Ergebnis, das nach Ansicht der Veranstalter des unternehmens infolge der Kriegserregung bis futzt noch nicht erzielt werden konnte. Ein Blick 'n die Liste der Männer, die hinter der Be- wegung stehen, zeigt zur Genüge, daß die Ver­unstaltung nicht gut übersehen oder überhort werden kann. Die Liste enthält die Namen von Erzbischöfen und Bischöfen, von Rektoren der ältesten Universitäten, von ehemaligen Staats­sekretären und Ersten Ministern, von Nobel­preisträgern, Parlamentsmitgliedern, Sena-

unter-

toren und Generalen, von Zeitungsleitern und Schriftstellern, von Adligen und Sozialisten und von Finanzmagnaten, hauptsächlich in den neu­tralen Ländern, aber auch manche Völkerrechts­und Geschichtsprosessoren in den Sisgerstaatsn.

Der Gedanke scheint von denkenden Leuten in England, Amerika, Frankreich und Italien ausgegangen zu sein, die sich von der Gerechtig­keit des Versailler Friedens nicht zu überzeugen vermochten und die deshalb führenden Histo­rikern in den neutralen Ländern die Bitte vor- trugen, eine wissenschaftliche Untersuchung der Kriegsursachen vorzunehmen.

Die Bewegung war in allen Ländern spon­tan und entbehrte jeglichen amtlichen Charak­ters, trotzdem die Listen, die wir folaen lassen, die besten Namen enthalten. Dem neutralen unparteiischen Ausschuß gehören an:

Für Norwegen: A. C. Drolsum, Oberbiblio- thekar der Universität Christiania, und Dr. Hjalmar Christensen, Schriftsteller in Christiania; für S ch w e= den: Dr. A. C. Reuterskiöld, Völkerrechtslehrer an der Universität Upsala, und Dr. Helge Almquist, Professor der Geschichte in Göteborg, früher Sekre­tär der schwedischen Gesandtschaft in Petersburg; für Holland: Dr. Japikse, Direktor des Aus­schusses für geschichtliche Veröffentlichungen des Königsreichs, und Dr. Steinmetz, Professor der Völ­kerkunde an der Universität Amsterdam; Vertreter: General van Tervisga, Kommandeur der Armee

Auck Nacl ßäni

a. D., Dr. van der Meulen, Historiker. In der Schweiz, in Spanien sind Ausschüsse in der Bildung begriffen und Mitglieder für den neutralen Ausschuß werden binnen kurzem gewählt werden.

h aus Chile und Argentinien kommen hrichten, die darauf schließen lassen, daß diese ider sich anschließen wollen.

Der neutrale Ausschuß wird, wie gemeldet

wird, am 5. Januar 1922 oder schon früher zu seiner Eröffnungssitzung im Nobel- institut in Christiania zusammentreten und dann mo^^einliä) nach dem Haag übersiedeln. Für besondere Untersuchungen werden Sachverstän- dige verwandt werden, und alle R e g i e r u n - gender L ä nder, die in den Krieg verwickelt waren, werden eingeladen werden, ihre Ar­chive zu öffnen und Vertreter zu senden, um mit dem Ausschuß zusammenzu­arbeiten, sofern sie den Wunsch dazu haben. Es ist bereits eine große Menge von Materidl, da­runter bisher Unveröffentlichtes, zur Verfügung des Ausschusses. Geldmittel sind in ziemlich an­sehnlichem Umfang sichergestellt und gehen fort­gesetzt weiter ein, besonders aus Amerika. Da­gegen wird von irgendeinem Mitglied d.er be­siegten Länder irgendein Beitrag nicht ange­nommen werden.

In dieser Beziehung ist noch folgende Fest­stellung interessant, die der Herausgeber der amerikanischen WochenschriftThe Freemann", und der Verfasser der zehn Artikel, betiteltDie Mythe von einer schuldigen Nation" Mr. A Jay Nock jetzt am Schluß seiner Artikelserie macht:

Ich wünsche mich aber keineswegs der Verantwortung zu entziehen, zu erklären, daß ich dafür hatte, daß der Schuldanteil der deut­schen Regierung in dieser Sache äußerst gering ist, so klein in der Tat, daß er im Vergleich zu dem der gegen Deutschland alliierten Mächte gar nicht in Betracht kommt. Das ist mein Glaube, wie er nach meiner ^bvW durch das bisher zur Verfügung stehende Beweismaisria? jedem aufrichtigen Menschen bewiesen werden kann."

Das ReparKtionsProblem.

Das Reichskabinett beschäftigte sich gestern nachmittag mit dem Reparationsproblem. Dr. Rathenau machte ausführliche Mitteilungen über das Ergebnis feiner Londoner Reise. Im Anschluß daran wurde der gesamte Komplex der Reparationsfrage eingehend besprochen. Die Verhandlungen waren streng vertraulich.

Wie uns aus Berlin gedrahtet wird, wird Reichskanzler Dr. Wirth nähere Mitteilungen über die Londoner Besprechungen erst machen, wenn die Beratungen über die Reparations­frage zu einem gewissen Abschluß gekommen sind. DasBerl. Tagebl." glaubt allerdings sagen zu können, daß der allgemeine Eindruck, den der Bericht Rathenaus hervorgerufen hat, nicht ungünstig fei. Auch eine sozialdemokra­tische Parlamentskorrespondenz will wissen, daß die Londoner Verhandlungen zu einem vor­läufigen Abschluß gekommen seien, der, unter den Gesichtspunkten der augenblicklichen wirt­schaftlichen Lage Deutschlands betrachtet, für uns nicht als ungünstig betrachtet werden könne.

Eine Milliarden-Dollar-Anleihe?

Paris, 14. Dezbr. Der »Jntransigeant" glaubt zu wissen, daß infolge der Reue Dr. Rathenaus demnächst in vollständiger Ueberein­stimmung zwischen den Alliierten eine inter­nationale Anleihevont Milliarde

Dollars, d. h. etwas über 4 Milliarden Goldmark, aufgelegt werde. Diese Anleihe solle 7 Prozent Zinsen bringen, steuerfrei und inner­halb 50 Jahren rückzahlbar sein. Sie würde vor der Reparationskommission begeben, kon­trolliert und überwacht. Jedes alliierte, asso­ziierte, neutrale oder ehemals feindliche Land könne sich daran beteiligen. Man würde noch jede Regierung fragen, welchen Anteil an der Anleihe sie übernehme, mit anderen Worten, welchen Teil sie bei ihren Staatsangehörigen unterbringen zu können glaube. Ein Achtel würde sofort begeben, um die notigen Mittel zu erhalten, die den Zahlungen entsprechen, welche die Alliierten von Deutschland am 15. Januar und am 15. Februar 1922 erwarten. Die An­leihe würde durch die gesamten Einnahmen der deutschen Zollerträgnisse sichsrgeflettt. Deutsch­land wurde bei der Ausgabe dieser Anleihe und unter der Voraussetzung, daß sie erfolgreich sei, nach der Zahlungsaufsiellung und der Abrechnung für die Sachlieferungen die An­sprüche der Alliierten für ungefähr zwei Jahre befriedigen. Der Ertrag der Anleihe würde nach dem festgesetzten Schema verteilt, wonach Frankreich 52 Proz. zukommen. Die Frage der Sachlieferungen nach dem Wiesbadener Ab­kommen und die Frage der französischen Priori­tät würde den Gegenstand von Sonderab­machungen zwischen den Beteiligten und der Reparakionskommission bilden. Eine Entschei­dung stehe nahe bevor. Das grundsätzliche Ab­kommen zwischen den Hauplbeleiliglen sei fast fertiggesiellk.

(Unsere gestern ausgesprochene Vermutung, daß die Nachricht desTemps" über die Lösung des Reparationsproblems aller Wahrscheinlich- feif nach von Loucheur rührt, dürfte sich nach der obigen Meldung bestätigen. D. Red.)

Stresemann über die pvMsche Lage.

warnte vor einem Optimismus hinsicht­lich eines Entgegenkommens unserer Vertrags­gegner. Er sei der Ansicht, daß uns eine An­leihe nur unter Bedingungen gewährt werden würde, die den Rest der finanziellen Selbstän­digkeit Deutschlands zerstören würden. Was augenblicklich geplant werde, fei noch nicht zu übersehen. Bei der Schilderung der außen­politischen Lage ging er davon aus, daß das ganze Volk schuld an dem Zusammenbruch sei. In unserer heutigen Lage erklärte er einen be­waffneten Widerstand für töricht und unaus­führbar, die einzig mögliche Politik fei der moral i s ch e Widerstand eines in natio­nalem Bewußtsein einigen Volkes. Die Deutsch­nationale Volkspartei erkenne entweder die realpolitische Lage noch nicht oder habe noch nicht die Folgerungen aus ihr gezogen, wäh­rend die Demokraten den Zusammenbruch ihrer Politik erlebt hätten. Die erste Aufgabe sei, -das Reich in seiner Einheit zu er­halten. Alles andere sei eine spätere Sorge. Die Deutsche Volkspartei werde im Ausland als Partei der Wirtschaft angesehen, und das sei ihre Stärke gegenüber dem Ausland. In Amerika dringe die Auffassung immer mehr durch, daß bei der Vornahme einer Aenderung unserer wirtschaftlichen Lage die Deutsche Volks­partei in der Regierung sein müsse. Deswegen habe die Deutsche Volkspartei auch

das Londoner Ultimatum und das Diktat über Oberschlesien ablehnen

müssen, weil sie dann auch, da sie die Partei der Wirtschaft sei, Bürge für das Abkommen ge­worden wäre. Stresemann ging dann weiter auf die unhaltbare Lage ein, die durch den deut­schen Niederbruch in den feindlichen Ländern entstanden sei, und wies daraus hin, daß bisher Vernunft nur in den Wirtschaftskreisen des Auslands zu spüren sei. Diese Entwicklung sei aber durch das Abkommen über Oberschlesisn unterbrochen worden und finde auch die schärfste Ablehnung niD beim französischen Volk, son­dern bei den französischen Politikern. Er bat eindringlich, endlich den Streit über die Schuld am Zusammenbruch zu begraben und alle Kraft bar auf zu verwenden, daß das Rheinland und Bayern allen Verlockungen her Segnet wider st ünden, und wenn die Bayerische Königspariei heute mit dem Ge­danken einer Wisderäufrichtung der Monarchie spiele, müsse man ihr zurufen: Laßt das um Gotteswillen, ihr legt die Art an die Wurzel der deutschen Reichseinheit. Ihr betreibt nur französische Politik! Das Problem der Gegen­wart sei, ob esAmerika gelinge, mit seiner wirtschaftlichen Auffassung durchzudringen, denn E n g l a n d sei noch nie so ohnmächtig auf dem Kontinent gewesen wie jetzt, da nur Frankreich die Geschicke des europäischen Festlandes bestimme. Amerikas Stellung sei besser, weil Amerika der Geldgeber Frankreichs

fei und dieses wirtschaftlich in der Hand habe. Stresemann hält einen

vorbehaltlosen Zahlungsaufschub für aus­geschlossen

und ein Zurückschrauben der Kriegsentschädi­gung auf die wirkliche Leistungsäfhigkeit für Deutschland für besser als das Damoklesschwert eines Zahlungsaufschubs und dessen Bedin­gungen.

end.

Auf die inner

betonte er, daß mir die innere Politik über­schätzten, die Auslandspolitik unterschätzten. Aus den Fehlern der Vergangenheit müßten wir lernen, daß das Anstreben eines Rechtsblocks sine törichte Politik sei. Wer an Deutschlands Zukunft glauben wolle, müsse vorher die Enig- keit des deutschen Volkes wiederherstellen. Du schlimm ste Selbsterniedrigung de«

Volkes sei

die Riederholung der alten deutschen Flagge gewesen. Er tadelte an der Revolution, daß sie jedes nationalen Gefühls bar gewesen sei. Aber die sozialistischen Ideale der Vorkriegszeit seien zusammengebrochen, und diese Erkenntnis ent­wickle sich nicht nur in Führerkreisen, sondern auch im Volk selbst. Darum sei e i n R e ch t s - block falsch, weil diese Entwicklung damit unterbrochen würde. Zu der Kritik über den Austritt der Deutschen Vokspartei aus der Re­gierung bemerkte er, daß die letzten Diktate nicht das Signum der Deutschen Volks - Partei hätten tragen dürfen, da sie als die Wirtschaftspartei angesehen werde, und sie als solche nicht hätte die deutsche Wirtschaft verpfänden dürfen. Im übrigen könne auch eine Partei, die nicht in der Regierung sitze, sachliche Mitarbeit leisten. Ein Eintritt der Deutschen Volkspartei in die Regierung könne nur dann ____Rutzen sein, wenn die Geister dazu reif

____ins einige Gewähr für eine lange Dauer der Koalition gegeben sei. Bis Stuttgart sei bei â der..... Mehrheit

von Nu

seien ui

'spartet

emokrane u

der Koalitionsgedanke umstritten gewesen, jetzt sei jedoch nach jeder Richtung hin Klarheit ge­schafft. Im einfachen Volk fei der Gesundungs- vrozeß weiter fortgeschritten, als mancher ahne. Heute werde in keinem Lande mehr gearbeitet als in Deutschland, und diese Entwicklung würde nur teilweise durch parteipolitische Verbohrtheit gehindert. Große Zukunftsmöglichkeiten böten sich für Deutschland im russischen Osten, für dessen Wiederaufbau wir das Menschenmaterial zu liefern hätten. Zum Schlüsse feiner mit stürmischem Beifall aufgenommenen Ausfüh- rungen betonte Dr. Stresemann nochmals, daß alle Zukunstshoffnung in dem modernen Ge­danken der Volksgemeinschaft, der nationalen Volksgemeinschaft und der nationalen Erneue­rung liege.

Das Viermächteabkommen unterzeichnet.

London, 14. Dezbr. Reuter meldet aus Wa» shington: Die Unterzeichnung des Abkommens der vier Mächte war um 11 Uhr 20 Minuten vormittags beendet. Das Schriftstück wurde gleich zum Weißen Hause gebracht und wird dem Senat vorgelegt werden.

Varis, 14. Dezbr. Der Sonderberichterstat­ter der Agentur Havas meldet aus Washington: Außer dem Viermächteabkommen haben die Delegierten heute noch eine Zusatz klau- f e l unterzeichnet, in der es^heißt: Es ist der Wille und die Absicht der Signatarmächte:

1. daß das Abkommen auf die Mandats- inseln des Stillen Ozeans Anwendung findet unter dem Vorbehalt, daß die Zustimmung der Vereinigten Staaten zu dem Mandat als in dem Abschluß des gegenwärtigen Abkommens einbegriffen betrachtet werden kann und daß sie den Abschluß von Verträgen über die Man- datsinseln zwischen den Vereinigten Staaten und den Mandatsmächten nicht verhindern,

2. daß unter den im zweiten Paragraph des ersten Artikels erwähnten Streitigkeiten seine Fragen verstanden werden, die nach dem inter­nationalen Recht ausschließlich von dem Sou­veränitätsrecht der betreffenden Macht ab­hängen.

Tokio, 14. Dezbr. Der japanische Minister- Präsident Takahashi sagte in einer Rede, das Viermächteabkommen über den Stillen Ozean bedeute einen unzerstörbaren Schutzwall gegen jeden Angriff und sei der größte Dienst, der jemals der Sache des Weltfriedens in der Ge­schichte erwiesen wurde.

DieRole Fahne" in Frankreich verboten. Berliner Blättern zufolge verbot der französische Minister des Innern das Zentralorgan der kom­munistischen Partei Deutschlands, dieRote Fahne", für das Gebiet der französischen Re-