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General-Anzeiger

Verlagsleitung: Ad. Indermöble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil NichardHultsch:für lokalen und provinziellen Teil

ÄmWches Organ für SlaSl- und Landkreis Kanan Reklamen August Brod t. alle in Hanau cl Main.

7 Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Fernlvrechanschlüffe Nr. 1237 und 1238.

Nr. 291 Dienstag den 13. Dezember 1921

Das Neueste.

Die Stadt Hanau ist in die Ortsklasse A ungerecht worden.

Der Dollar ist gestern bis auf 163 Mark gesunken. Die Mark stieg heute von 2,77^ auf 3.20.

Dr. Rathenau, der aus London zurückge- kehrt ist, hatte gestern eine Unterredung mit dem Reichskanzler.

Der Hauptausschuß des preußischen Land­ings hat mit den Stimmen der Deutschnationa- ien, der Volkspartei und des Zentrums einen Antrag angenommen, bei Vollsitzungen die preußische Landesfahne zu hissen.

Die politischen Parteien der Rheinlande protestierten gestern gegen den Eingriff der Rheinlandkommission in die deutsche Gerichts­barkeit wie gegen die Sonderbündeleien.

Wie aus Washington gemeldet wird, wird sie Unterzeichnung des Viermäcyte-Abkommens cher den Stillen Ozean heute erwartet.

Die Ratifizierung des englisch-irischen Abkommens gilt als gesichert.

In höchster Not.

Der Vorstand des Vereins Deutscher Zeitungsverleger verbreitet folgende sereinsamtliche Erklärung:

Die deutsche Presse wird plötzlich vor die be­fürchtete, mit allen möglichen Mitteln bisher verhinderte Katastrophe gestellt. Die deut­schen Zeitungen haben von den bis aus das Hundertfünfzigfache gesteigerten Preisen der Materialien und Herstellungskosten nur einen Teil auf Leser und Inserenten überwälzen kön­nen. Nun war der Wagen Druckpapier, der im Frieden 2000 Mark kostete, bereits Ende No- vember wieder erheblich verteuert worden, so daß der Preis für Dezember auf 37 000 Mark gestiegen war. Plötzlich wird hierauf ein weite­rer sofortiger Aufschlag nochmals um mehr als das Doppelte des Friedenspreises verlangt und hierzu kommen die allgemeinen sprunghaften Verteuerungen und die enormen Erhöhungen der Löhne. So wachsen plötzlich die gesamten Produktionslasten in Riesensummen zusammen, zu denen auch eine Verdoppelung der bisherigen Bezugspreise in gar keinem Verhältnis stünde.

Ob und wie lange noch unter diesen Um­ständen überhaupt das Zeitungswesen aufrecht zu erhalten ist, darüber herrschen in den Kreisen der Sachverständigen die schlimmsten Befürch­tungen. Wir treiben aber offenbar in eine Krise hinein, in der die Aufrechterhaltung der Pkesse mehr als je auch die Aufrechterhaltung der Hoffnung, der Ordnung, des Staatslebens bedeuten wird. Nur Kurzsichtigkeit und Un­kenntnis kann das verkennen. Außerordentliche Verhältnisse erfordern außerordentliche Mittöl. Das muß verstanden und gewürdigt werden in dem Augenblick, wo es nun tatsächlich geht um Sein oder Nichtsein der deutschen Presse!

Wir erwarten daher zuversichtlich, daß die mbedingt notwendigen außergewöhnlichen Er­höhungen der Bezugs- und Anzeigenpreise nicht Metzt deshalb getragen werden, weil nur so die wirtschaftliche Unabhängigkeit der deutschen Presse und ihre Unabhängigkeit von ausländi­schen Einflüssen zu erhalten ist. Wir wollen, so- onge es irgend möglich ist, die deutschen Zei­tungen vor dem Erliegen schützen. Und wenn ^ leider bei der stürmischen Entwicklung zum Schlimmen nicht gelingen wird, manche altein- Zebürgerte und wertvolle Organe der öffent­lichen Meinung vor dem Zusammenbruch zu retten, so darf uns doch Pessimismus nicht da­hin bringen, daß wir widerstandslos den Bingen ihren Lauf lassen. Die Presse, die' jede Zei- füng in ihrer Richtung mehr als je kämpft für das Wohl der Volksgesamtheit in diesen Zeiten, bedarf auch in erhöhtem Maße der Ein- hcht ihrer Leser.

Die Lage ist keiner früheren vergleichbar. Möge das allenthalben erkannt werden, solange es noch Zeit ist.

*

Soweit die Erklärung des Zeitungs- ?erlegervereins. Ein Wort für sich selbst Mdet der Zeitungsmann nur außer­ordentlich selten. Jeder Zweig des Wirt­schaftslebens wird in der Zeitung mit rebevoller Sorgfalt behandelt, genaue Unter- luchungen werden angestellt, ob nun besonders günstige Verhältnisse vorliegen oder eine augen­blickliche Krisis eingehende Beschäftigung er­heischt. Nur in der Behandlung eigener Lebens- stagen übt die Zeitung eine Zurückhaltung, ob­wohl Tausende und Abertausende von Menschen Jaron interessiert sind. Aber es hilft alles nichts. Des das Herz voll ist, des läuft der Mund über ^nd es gibt Lebenslagen, in denen der Mensch gezwungen ist, auch das zu tun, was er in der ^egel abzulehnen pflegt. Jedermann weiß aus

feinem'eigenen Leben, daß die Teusrungsslut ihm bis zum Halse gestiegen ist und ihn zu ver­schlingen droht. So geht es auch den Zeitungen, wie âus der otzigen Auslassung des Zeitungs­oerlegervereins hervorgeht, aus der die furcht­bare Not der Zeitungen spricht. Es ist eine Not, die Tausenden von treu arbeitenden Menschen so auf den Nägeln brennt, daß sie geradezu zu einer Lebensfrage für diese Berüfsschicht ge­worden ist. Und dabei ist heute die Bedeutung der Presse für das deutsche Volk größer als je. Die Zeitung ist heute, wo immer noch um die Schicksale von Völkern und damit am letzten Ende auch um die Daseinsmöglichkeiten des Ein­zelnen gewürfelt wird, mehr als je ein Gegen­stand des täglichen Bedarfs und absolut kein Luxus. Das sollte eigentlich jedermann erkannt haben uyd dennoch scheint dies letztere nicht der Fall zu sein, denn sonst wäre es ja nicht möglich, daß gerade die Zeitungen vom StaZe mit Ausnahmesteuern belastet worden sind, die erdrückend wirken. Da ist die I n s e r aten­steuer, die die Aufgabe einer Anzeige als Luxus behandelt und dafür Sätze festlegt, die bis zu 10 Prozent betragen, die nicht etwa auf den Jnferatenaufgeber abgewälzt werden dürfen, sondern von den Zeitungen getragen werden müssen. Doch selbst wenn diese Abwälzung der Steuer möglich wäre, müßte festgèstellt werden, daß nichts dazu berechtigt, Zeitungsanzeigen, die Nachfrage und Angebot zusammenführen und so ein wesentliches Mittel zur Förderung des geschäftlichen Verkehrs sind, als Luxus zu behandeln. Der Anzeigenteil einer Zeitung stellt nichts anderes als einen Markt dar, ebenso unentbehrlich wre etwa die Märkte in den Städten usw. Erst der Inseratenteil der Zeitung macht es möglich, daß die wirtschaftlichen Güter da zur Verwendung gelangen, wo es nötig ist.

zahlen, erfährt das Zeitungsgsschäst eine Stei­gerung bis auf 10 Prozent und zwar ist die Steuer so gestaffelt, daß der Steuersatz mit der Größe des Umsatzes aufgebläht wird, d. h. je höher der Inseratenpreis gesteigert wird, desto höher ist die Steuerstaffel, die zur Anwendung kommt. Während im vorigen Jahre die Jn- seratensteuer bei einem mittleren Zeitungsbe­trieb für ein Vierteljahr ungefähr 6000 Mark betrug, hat sich diese durch die Erhöhung der Materialienpreise usw. bedingte Steigerung der Inseratenpreise in diesem Jahre für die gleiche Zeit auf rund 12 000 Mark erhöht.

Dabei ist die Jnseratensteuer nur eine von den schweren Lasten, die das Zeitungsgewetbe bedrücken. Ueber die neuerliche Erhöhung der Papierpreise enthält die Auslassung des Zei- tungsverlegeroereins das Nähere. Doch damit ist's noch nicht genug. Für Januar ist bereits eine abermalige Erhöhung vorgesehen, mu) der der Eisenbahnwagen Papier von 40 000 Mark auf 70 000 Mark gesteigert wer­den soll, und nicht etwa so, daß diese neue Summe nun einen ruhigen Pol in der Erschei­nungen Flucht vorstellte, sondern, daß sie, wenn man auf die sprunghafte Entwicklung des Va- pierpreises zurückblickt, beinahe die E wahr der Unnckerhert in f»* Dazu kommt ferner die bevorstehende erhebliche Heraussetzung der allge­meinen Postgebühren für Briefe, Telephon usw. Bisher hatten die Zeitungen bei der Post verschiedene Vergünstigungen, so wurden die dringenden Pressegsspräche, die in einem Zei­tungsbetrieb unbedingt nötig sind, zum einfachen Preise berechnet. Aber auch hier soll eine gründ­liche Aenderung herbeigeführt werden, ohne daß für eine Leitung Aussicht vorhanden ist, die Postbenutzung einzuschränken und so die Ver­teuerung auszugleichen. Weiter kommen hinzu, die auch am Zeitungsgewerbe nicht vorüber­gehenden Lohn- und Gehaltserhöhungen, ferner die Steigerung der Materialkosten usw.

Die Presse kämpft gegenwärtig um ihre Existenz. Es liegt nicht in ihrer Absicht, sich den Stcuervflichten zu entziehen, aber sie muß vor allen Dingen fordern, daß die einseitige ungerechte Behandlung beseitigt wird, und dies so bald wie möglich. Die Zeitung kämpft den Kampf aber nicht nur für sich, sondern auch im Interesse des Volkes, dem sie jede aus dem Boden ihrer politischen und kulturellen Weltanschauung dient. Eine dauernde lieber- belastung würde zur Folge haben, daß neben dem Zusammenbruch vieler mittlerer und klei­ner Zeitungen sich eine Korruption breitmaaien würde. Ferner weiß man, daß das fetnulmje Ausland nür darauf lauert, Geld in die deut­schen Zeitungen und in die deutschen Nachrich­tenstellen hineinstecken zu können, um dadurch die deutsche Oeffentlichkeit selbst zu beeinflussen und das aufgewendete Kapital aus ihr mit Zms und Zinseszins zurückholen zu können. Die Presse isk ein ideales Gut, nicht nur für sich, son­dern für die Gesamtheit des deutschen Volkes.

Darum aber bedürfen die Zeitungen, wenn 'ie nicht untergeben sollen, auch des Verständnisses der Regierung wie der Allgemeinheit für ihre Lage. Die Erhaltung einer von jeglichem Ein­fluß freien deutschen Presse, die lediglich auf ihr Pflichtgefühl und ihre Verantwortung vor der Gesamtheit des Volkes gegründet ist, ist notwendig und das sollte auch an den zustän­digen amtlichen Stellen erkannt werden, ehe es zu spät ist. R. H.

Die Reparationsfrage.

Rathenau beim Reichskanzler.

Dr. Rathenau hat gestern vormittag dem Reichskanzler Bericht über seine Londoner Be­sprechungen erstattet. Am Nachmittag fand unter dem Vorsitz des Reichskanzlers in der Reichskanzlei eine Besprechung der Repara­tionsfrage statt. An der Besprechung nahmen die Minister und die Vertreter der beteiligten Resorts teil. Dr. Rathenau berichtete über die von ihm in London geführten Verhandlungen. Die Besprechung war streng vertraulich. Sie soll heute abend fortgesetzt werden. DemBerliner Tageblatt" zufolge liege kein Grund vor, die Londoner Verhandlungen Rathenaus als er­gebnislos zu bezeichnen.

Der Reparationsausschuß bes- Reichswirt­schaftsrates tritt heute vormittag zu einer ver­traulichen Sitzung zusammen. Der Reichskanz­ler wird dieser Sitzung beiwohnen. Es steht aber noch nicht fest, ob er in dieser Sitzung das Wort ergreifen wird. Eine Sitzung der vom Reichs­kanzler berufenen Kreditkommission ist bisher noch nicht festgesetzt.

Wie dasBerliner Tagebl." erfährt, ist die Antwort der Bank von England auf die An­frage der deutschen Regierung, ob die Bank ge- ^ilihjiiiijijii^

nunmehr eingetroffen. Ueber dre Art der Ant­wort verlautet nichts.

Ein französischer Vorschlag

Paris, 12. Dezbr. DerTemps" gibt in feinem heutigen Leitartikel Anregungen zur Lösung des ReparationsProb­lems, die aller Wahrscheinlichkeit nach von Loucheur rühren, die dieser in London gemacht hat. Danach würden die Alliierten für 1922 und 1923 nur die Bezahlung der alten I a h - resratevonzweiMilliardenGold- m a r k von Deutschland fordern. Nur wenn der Markkurs den Wert des amerikanischen Cent überschritte, würde dieser Beschluß widerrufen werden. Sie uaricbhm Jahresraten würden von Deutschland durch Paturallieferungen abge­tragen, die unter den Alliierten verteilt würden gemäß dem Prozentsatz, den sie von den Ent- schädigungszcZungen zu erhalten haben. Frank­reich behielt sich das Recht vor, Lieferungen zu fordern, die seinen Prozentsatz an den deutschen Zahlungen überschreiten, ohne daß es von die­sen Lieferungen den übrigen Alliierten etwas abg be. Den anderen Alliierten stände es nach ihrM eigenen Wünschen frei, von Deutschland keine Naturaflieserungen zu fordern. In das Garantiskomitee würde ein neutrales Mitglied ausgenommen werden- das vor allen Dingen die W e hätte, über die von der Reichsbank zu fordernden Garantien zu wachen. Die Reichsregierung muffe ein Gesetz bnm eßen lassen, wonach die Schuldverschreibungen durch A nle ivc n, deren Zeichner von allen S t L u e r k l ä r u n g e N z u r E i N k o m M e n- steuer befreit seien, die niemals beschlag­nahmt werden könnten, getilgt würden. Ein zweiter Gesetzentwurf würde bestimmen, daß die Reichsbank die gleiche Freiheit wie die Bank non Englünd genieße, daß aber ein Neutraler in den Aufsichtsrat ausgenommen würde, um den B a n k n v t e n u m l a n f De u t sch­lau d s z u ü b e r w a ch e n. Dann würde das Reich eine Anleiheoon einer Million Dollar aufnehmen, welche 7 Prozent Zinsen trüge, und die in 50 Jahren abzutragen wäre. Diese Anleihe würde zu einem Kurse von 95>5 Prozent einer internationalen Bankengruppe übergeben werden, die gegen eine gewisse Ver­gütung die Anleihe in kleineren Abschnitten ausgeben würde. Ein Achtel des durch die Anleihe erzielten Kapitals würde Deuncyland für die Reparationszahlung vom 15. F e b r u a r bekommen, einen zweiten Anteil für die Bezahlung vom 15. April und so weiter alle drei Monate. Dadurch könnte Deutschland alle drei Monate 500 Millionen Goldmark be­zahlen. DerTemps" ist überzeugt, daß die deutschen Kapitalisten und das Reich dadurch alle notwendigen Vorteile finden würden, die Mark würde nicht mehr fallen, doch würde auch verhütet, daß sie allzuschnell stiege, was den deutschen Export unaünftig beeinflussen würde.

Auch die Beziehungen der Alliierten würden durch dis Annahme dieser Vorschläge verbessert werden, weil der Bankerott Deutschlands ver­mieden. und die erste Goldmilliarde nicht die letzte Zahlung Deutsch­lands bilden würde.

Loucheur in Brüssel.

Paris, 12. Dszbr. Wie derTemps" von feiten feines Brüsseler Korrespondenten erfährt, hat Minister Loucheur heute vormittag eine zweistündige Unterredung mit dem Finanzmi­nister Theunis und mit dem Minister des Aeußeren Jaspar gehabt, in der er sie von dem Inhalt seiner Unterredungen in London mit Lloyd George und Sir Robert Horne in Kennt­nis setzte. Die belgische Regierung ist nach dem Korrespondenten der Ansicht, daß Deutschland unter keinem Vorwand ein Moratorium ge­währt werden könne. Auf die Erklärungen Loucheurs hin soll sie bereit sein, die gegen das Wiesbadener Abkommen und die Nichk- ratifizierung des Finanzabkommens vom 13. August erhobenen Einwände fallen zu lassen. Der von Lloyd George angestrebte wirtschaft­liche und finanzielle Wiederherstellungsplan wird dem Korrespondenten zufolge in offiziellen Kreisen in Brüssel mit einer gewissen Skepzis ausgenommen.

Briand verleumdet weiter.

Paris, 12. Dezbr. Im Laufe der Kammer­debatte über das Budget der auswärtigen An­gelegenheiten hat Abg. Marcel S a m b e t auch die Washingtoner Konferenz, sowie die Frage der Entwaffnung zu Lande ange­schnitten. Für diese müsse man sich auf den Völkerbund stützen können: der Völkerbund könne Frankreich irgend eine Versicherung geben. . .^f - '-^'-.^ ,-'

Ministe rvrcisident B rian d antwortet Sam- bet, seine Aufgabe in Washington sei es ge- wesen, die Vereinigten Staaten, in denen einè verwickelte Propaganda unternommen worden sei, aufzuklaren und jenen die Lage Frank­reichs vorzuführen. Man habe die Lage Frank­reichs vollkommen verstanden. Der Völkerbund sei eine Institution, die schon das Beste geleistet habe. Bei einer jünoft stattgefundenen Er­klärung habe sich der Völkerbund wunderbar der ihm gestellten Aufgabe entledigt. In Wa­shington seien Resultate von internationaler Bedeutung erzielt worden. Mit Befriedigung sehe er, daß Frankreich in die Entente mit den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Ja­pan eintreten könne, um den Frieden im Pazi­fischen Ozean ausrecht zu erhalten. Wenn man entwaffnen wolle, genüge es nicht, daß man allein sei. Die zwei, die sich gegenüberstehen, müßten den gleichen Geisteszustand haben. An­dre L e f e v r e habe in der Kammer Tatsachen vorgebracht, die derReichskanzler be­stritten habe. Diese Ableugnung hindere nicht zu sagen, daß in Deutschland Verheim­lichungen stattgefunden hätten. Der Beweis werde durch die Entdeckungen der Kontrollkom- mistion geliefert. Daß man versuche, die Bedeu­tung dieser Entdeckungen herabzusetzen, verstehe sich. Aber Frankreich sei verpflichtet, sie in Rech­nung zu stellen. So lange diese Lage andauere, so lange Europa nicht den Friedenszustand wie- bergcfunben habe, so lange Deutschland b ö s e A b s i ch t e n k u n d g e b e, sei es die Pflicht Frankreichs zu wachen. (Beifall.) Er sei der Ansicht gewesen, diese Demobilisation zu unternehmen. Die ganze Welt habe das be­griffen.

Schließlich erklärte der Berichterstatter Abg. N o b l e m a i r e, wenn dex Völkerbund der Ansicht sei, daß Deutschland in genügender Weise seinen Willen kundgegeben habe, die Friedens­bedingungen zu erfüllen, dann werde er vielleicht seine Zulassung anempfehlen, und als- dann würden die Regierungen entscheiden. Was die Entwaffnung anbetreffe, so könne man sich erst dann über diese aussprechen, wenn Deutsch- land genügend Beweise seines guten Willens gegeben habe.

Das Zelkimnalerial. Im Untersuchungs» ausschuß des Landtages über die Vorgänge in Mitteldeutschland wurde das der Abgeordneten Frau Klara Zetkin bei Ueberfchreitung der russischen Grenze abgenommene Aktenmatertal besprochen und zum Schluß der Aussprache der Antrag Dr. Meyèr-Ostpreußen (Kom.) auf Zu­sammenstellung der veröffentlichten Erklä­rungen über das sogenannte Zetkinmaterial angenommen. Der Kommunistische Antrag die Akten des Reichsgerichts über die Strafver­folgung auf Grund dieses Materials einzufor«! dern, wurde abgelehnt, «<

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