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General-Anzeiger

wer

Verlagsleitung: Ad. Inderm übte. Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil Richard Hultsch: für lokalen und vrovinzielle« Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen «ud

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sana» I Reklamen August Brodt. alle in Hanau L Main. a Rotationsdruck der Wailenhausbuchdruckerei Hamm.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

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Br. 288

Freikag den 8. Dezember

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1921

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Die nächste Sitzung des Reichstags findet im 13. Dezember statt.

Wie demB. T." gemeldet wird, ist das Zaale-Elektrizitätswerk in Rudolstadt wegen Kohlenmangels stillgelegt worden. Das Werk versorgt einen großen Teil der thüringischen Jn- buftrie mit Strom.

Gestenr hat in London eine Besprechung

1 zwischen Loucheur und Rathenau stattgefunden

In der gestrigen Sitzung der französischen Kammer hielt Andre Lefebre eine große Rede in welcher er auf die bevorstehende Mobilr fierurig eines deutschen Heeres von 7 Millione hinwies.

Am 2. Dezember ist der Abschluß eines Mtsch-portugiesifchen Handelsabkommens au

6er Grundlage der Meistbegünstigung erfolgt Der Abschluß ist als sehr erfreulich bezeichnet worden.

Die Einigung zwischen England und Ir­land scheint eine neue Verzögerung zu erfahren.

Der irische Friede.

Mit Kanada hat vor vielen Jahren die Reg­lung angefangen, die allmählich zu der Ord­nung geführt hat, in der die großen übersee­ischen Gemeinwesen des britischen Reichs ge­genüber dem Vereinigten Königreich als fast gleichberechtigte Staaten erscheinen, mit J r land, der ältesten Eroberung der Briten, fol sie nunmehr ihren Abschluß finden. Irland war bisher nur ein Nebenland in der Gemeinschaft mit dem Vereinigten Königreich, die ihm im Jahre 1800 gewährt oder vielmehr auferleg wurde. Es war nicht mündig, in Dublin schal­tete, mehr oder minder scharf, wie die allmäh­liche Milderung der politischen Sitten es aus- Bies, ein besonderer Statthalter der britischen

M

war, trotz des Scheins der Selbstverwaltung, eine MUchkuh für die Angelsachsen, wogegen sich natürlich die Einheimischen energisch wehr­ten. Es kam zu großen Aufständen, die bis in Sie letzten Monate sich erneuerten. Ob nun durch die Einigung zwischen England und Irland der jahrhundert alte Streit endgültig begraben sein wird, läßt sich noch nicht sagen. Bis jetzt steht nur fest, daß die Formel für eine äußere Einigung zwischen Irland und England ge­funden worden ist. Ihr zuliebe haben zweisel- . los die Sinnfeiner größere Zugeständnisse ge­

macht als die englische Regierung. Bekanntlich suchte Devalera, der Führer der Sinnfeiner, in einer der letzten Stadien der Verhandlungen, seine Forderungen auf die Spitze zu treiben. Er verlangte ohne weiteres die Anerkennung Eesamtirlands als freie unabhängige Republik. Von irgendwelchen Zusammen­hängen mit England wollte er nichts wissen und berief sich dabei auf das Selbstbestimmungs- recht der Völker, mit dem die Entente während des Krieges chre Propaganda getrieben hatte. Den Irländern gegenüber wollte die englische Regierung aber natürlich nichts gelten lassen und so wurde damals in einem wirklich kriti­schen Augenblick der Verhandlung dem Füh­rer der Sinnfeiner die Wahl gestellt zwischen der Anwendung äußerster englischer Milltär-

timuenuung uuperper engcucyer uHuuur« Zewalt oder der Anerkennung der Oberhoheit des Britischen Reiches.

Devalera scheint jetzt nach längerem Parla- shentieren die zweite Möglichkeit vorgezogen zu daben. Mit dieser Anerkennung der britischen Oberhoheit sind natürlich auch gewisse Maß­nahmen verbunden, die sich England damals rusbedungen hat und die sich in der Hauptsache auf. eine Einbeziehung Irlands in den englischen Militärbereich beziehen. Wenn Irland sich" in das Britische Reich eingliedert, so wird es sich 'n Zukunft auch die Unterstellung unter alle diejenigen Schutzmaßnahmen gefallen lassen, ie England zur Abwehr feindlicher Angriffe für nötig hält. Das bedeutet die Landung oder Sarnifonierung englischer Truppen auf irischem «öden und die Anwesenheit englischer Kriegs­schiffe in den irischen Gewässerm Die englische Gegenleistung besteht in der vollen Gewäbrung dessen, was man seit den Zeiten Gladstones die homerule nennt. Irland erhält fein eigenes -Parlament und seine eigene Verwaltung und wird in seiner äußeren Unabhängigkeit im Großen und ganzen den übrigen Domi­nions g l e i ch g e st e ll t. Sein Verhältnis

England erhält aber dadurch eine eigene ^ote, daß es nicht der imperialistischen Spitze des englischen Weltreiches unterstellt wird, d. h. N'cht den englischen König als Oberhaupt anzu- Wennen braucht, sondern als Republik ^ eigenes Dasein führen kann.

Wie weit dieses Abkommen der praktischen Probe standhält, muß sich erst noch zeigen. Die Verhältnisse, die durch das Abkommen ge­schaffen werden, sind zweifellos einigermaßen kompliziert. Der oft bewährte staatspolitische Sinn der Engländer hat aber immer noch den Hauptnachdruck auf das praktische Leben ge­legt, und es ist wohl möglich, daß sich bei' ge­genseitigem guten Willen manche Bestimmun­gen einleben, die sich auf dem Papier verwickelt ausnehmen. Bei alledem sind aber die Schwie­rigkeiten unverkennbar, die der Durchführung des englisch-irischen Abkommens noch im Wege stehen. Die englische Regierung hat wieder­holt versprochen, daß sie ein etwaiges Abkom­men mit den Sinnfeinern dem Parlamente zur Annahme vorlegen werde. Wie sich hier die Dinge gestalten, ist noch nicht ganz gewiß. Als weitere Schwierigkeit muß die Haltung der irischen Ulsterprovinz in Rechnung ge­stellt werden. Wir hoben gestern schon ge­meldet, daß das Uebereinkommen zwischen England und Irland die Ulsterleute nicht be­friedigt. Stimmen wieJudasverrat" und Gewissenlos" werden laut. Man kann diese Unzufriedenheit einigermaßen verstehen, denn das Abkommen wird in der Hauptsache a u f Kosten von Ulster geschlossen, das be­kanntlich rein englisch besiedelt ist und das nicht nur durch diesen Rassengegensatz, sondern auch durch den Protestantismus und die industrielle Tätigkeit seiner Bevölkerung dem ländlichen übrigen Irland völlig entfremdet worden ist. Wie bekannt, stand kurz vor dem Kriege die Bevölkerung von Belfast und der ganzen Ulster­provinz unter der Leitung von Sir Edward Carson fast vor dem Aufstand gegen die engli­sche Regierung, die damals schon das irische Problem durch die Homerule lösen wollte. Inzwischen hat Ulster von England sein eigenes Parlament und seine eigene Regierung erhal-

soll, so bäumt es sich doch unter der Führung seines Ministerpräsidenten Sir Craig gegen die Lösung auf, die die bereits gesetzlich anerkannte Zweiteilung Irlands wieder rückgängig macht und Ulster der irischen Republik eingliedert.

Wie die Dinge sich nun weiter gestalten werden, ist abzuwarten. Heute und mahnen dürfte die Einigung noch nicht zustande kom­men, wie die folgenden Drahtnachrichten zeigen.

Reue Verzögerung des Friedens?

London, 9. Dezbr. Rach einer längeren Beratung des irischen Kabinetts in Dublin hat Devalera eine Erklärung veröffentlicht, in der es u. a. heißt: Die Bedingungen des Ueberein­kommens stehen im scharfen Gegensatz zu den Wünschen der Mehrheit des irischen Volkes. Er halte es, so heißt es weiter, für feine Pflicht, unverzüglich zu erklären, daß die Annahme des irischen Vertrages weder dem Dail Eixeann noch dem Lande empfohlen werden könne. In dieser Halkung werde er von dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten und dem Ver­teidigungsminister unterstützt. Eine öffent­liche Sitzung des Dail Eireann wird für näch­sten Mittwoch einberufen.

L o n d o n, 9. Dezbr. Die Erklärung De- valeras wird allgemein besprochen.Daily Ex­preß" sagt, es fei wahrscheinlich, daß der Friede wieder verzögert werde.

London, 9. Dezbr. Dem politischen Vericht- âstatter derDaily Mail" zufolge herrscht hier der Eindruck, daß Ulster finanzielle Zugeständ­nisse wünsche. Sir Craig werde heute mit Lloyd George Zusammentreffen.

Französische Lügen.

Aus der französischen Kammer.

Paris, 8. Dezbr. In der Nachmittagssitzung )er französischen Kammer, in der das Kriegs­budget durchberaten ward, ergriff Andre L e - eure das Wort zu einer heftigen Anklage­rede gegen Deutschland. Er habe ehemals er» lärt, daß Deutschland die Mobilisierung von Millionen Mann vorbereite. Diese Ziffer sei von Briand aufgegriffen worden. Das hätte gar nicht anders fein können, weil sie der Wahrheit ntspreche. Jenseits des Rheins sei die Mobili- ierung von 7 Millionen vorbereitet. Die Zahl )abe sich übrigens seither vergrößert. Andre Lefevxe verließt die Liste sämtlicher sagenann- er müitärischen geheimen Organisationen und leschwert sich darüber, daß der Friedensvertrag ste Kasernengebäude in Deutschland habe be- tehen lassen. Die Reichswehr sei im Falle der Mobilisierung nicht dazu bestimmt, sofort ein» ugreifen. Sie werde sich verteilen, um die- ; 'gen Cadres für alle die Freikorps zu liefern, die in Deutschland vorhanden seien, wie sie zu : den Zeiten des dreißigjährigen Krieges bestan- .

den hätten. Die A u s m a r s ch l i n i e sei h i n - ter dem Schwarzwald. Von Stuttgart nach der Schweiz seien die Linien verdoppell worden. Deutschland führe bedeutende Arbeiten aus. Man bereite eine Mobilisie­rung und Konzentration vor. Wie viele Menschen hätten Waffen, die man allmäh­lich entdecke. Die Kommission Rollet entdecke von Zeit u Zeit Waffen und Munitionslager. Lefevre erzählt die Geschichte von dem Jagd­karabiner, der in 30 Minuten in ein Infanterie- gewehr umgewandelt werden könne. Er er­wähnt die Anklageartikel derTimes" sowie ferner die Kanonenrohrfunde. in Sachsen, Die großen Kanonen von Modell 77 habe man nicht entdeckt. Das deutsche Heer habe sogar ein Re­glement veröffentlicht, dem ein Vorwort des General Seeckt beigegeben sei. Darin werde ge­sagt, daß das Heer alle die Mittel besitzen müsse, die die deutsche Armee vor dèm Waffenstillstände besessen habe, damit sie zur Offensive schreiten könne. General von Seeckt schreibe also offiziell, daß das deutsche Heer sich für eine Offensive mit allen modernen Mitteln vorbereite.

Es entsteht infolge eines Zwischenrufes des Abgeordneten Blum eine Zwiesprache zwischen verschiedenen Abgeordneten. Im Laufe dersel­ben stellt der Abgeordnete richtig, daß das Do­kument vorsehe, daß die Funktion des deutschen Heeres so erfolgen müsse, als ob das jetzige Heer die Mittel eines großen Heeres besitze. Es sage aber nicht, daß es sie besitze. Der Abge­ordnete de Moro-Giafferi ruft dazwischen: Die­ses Dokument sieht die Offensive vor, das -ist ernst. Erinnern sie sich doch an Bernhardi.

Andre Lefevre fragt, ob man denn -einer Gendamerie, wenn sie nicht dazu bestimmt fei, einen Bestandteil eines zahlreichen und ausge­bildeten Heeres zu bilden, ein derartiges Re- glement gebe. Von Seeckt und Ludendorff hätten zur Grundlage die Effektivbestände

Hierauf ergreift K r i e g m i n i st e r B a r ! t h^o u das Wort: Als Andre Lefevre Kriegs ' minister gewesen sei, habe er immer erklärt daß er nicht dazu berufen fei, den Friedensver trag von Versailles ausführen zu lassen. Die­selbe Sprache müsse er als Kriegsminister eben­falls führen. Aber er zögere nicht, heute unter Vorbehalt der Folgerungen, die man daraus ziehen werde, zu erklären, daß es keine Tat fache, kein Dokument gebe, das Andre Lefevr vorbrachte, was nicht von strengster Richtig­keit wäre. Er füge in Anwesenheit des Mi nisterpräsidenten, der mit der Kontrolle de Ausführung des Friedensvertrages beauftrag fei, hinzu, daß er in Washington keine ander Sprache als die Andre Lefevres geführt habe. Dre meiste» Tatsachen und Dokumente nament­lich das Zirkular des Generals von Seeckt seien vom Ministerpräsidenten * angeführt worden. ®r sei sicher, daß Lefevre mit ihm, der wachsamen Aufmerksamkeit und dem Mute des General Rollet Anerkennung zolle. Gegenüber dem Abgeordneten Blum müsse er erklären, daß er den Ernst des Dokuments nicht ab- sprechen könne. Der Ernst liege nicht nur in

. ,iaWun9 des Dokuments, sondern in der ^HtbecEung von Maschinengewehren und der Kanonen, die der interalliierten Kontroll­kommission verborgen worden seien.

der Fortsetzung der Debatte sagt Var- thou, die modernen Mittel, von denen Lefevre gesprochen habe, seien tatsächlich vorhanden. Einzelne Panzerzüge habe man in Oberschle- ften an der Arbeit gesehen. Seit 1918 habe Deutschland zwei neue Maschinengewehre kon­struiert. Es entsteht eine Aussprache zwischen Lefevre und dem Abg. Klotz, ob vor Beginn oes Krieges genügend Mittel vorhanden waren, um die militärische Ausrüstung sicherzustellen. Lefevre verneint das. Klotz widerspricht. Lefevre sagt, ein Volk habe nicht das Recht, seine Sicher- heiten auf Hypothesen aufzübauen. Frankreich könne seine Politik nicht auf der Voraussetzung eines in Deutschland vorhandenen pazifistischen Geistes aufbauen, besonders nicht nach der Ent- deckung von verborgenen Kanonen und Ma- jchlnengew Lefevre hält der äußersten Linken vor, daß ihre Genossen 500 Kanonen verborgen hätten, um sie für die Revanche auf- Piheben. Man befinde sich einer Ration von ö0 Millionen, ja sogar von 70 Millionen gegen- uber, wenn man die Deutsch-Oesterreicher Hin- zrizählt. Deutschland sei die einzige Ration in Europa, die bezahlen könne, aber sie schaffe sich jetzt Waffen, um nicht zu bezahlen. Wenn man von der moralischen Entwaffnung Deutsch­lands spreche, dann dürfe man nicht vergessen, daß die Arbeiter von Heidenau Kanonen fabri- zrrt und sie verborgen hätten, um sich derselben

gegen Frankreich zu bedienen. Schließlich ergreift im Laufe der Debatte Abg. Castel- nau das Wort und stellt in Aussicht, daß, wenn demnächst die Reorganisationspläne des französischen Heeres zur Debatte stünden, er das Wort in der von Lefevre angeschnittenen Sache ergreifen würde. Hierauf setzt die Kammer die Beratung über die einzelnen Dud- gettitel fort.

(Die unverschämten Lügen, die Briand in Wa­shington ausgesprochen hat, werden jetzt in Paris weitergesponnen. Kein Wuyder ist doch in ganz Deutschland kein einziger Minister aul-Gestanden, der diesen schamlosen Lügen erklärt hätte, wie lächerl

wäre, 6er

, , bösartig dumm er­logen diese Märchen von einem in Deutschland ver­steckten militätischen Koloß sind. Die Wut muß einen über das unverständliche Schweigen der Re­gierung packen. Sind wir denn tatsächlich schon so weit, daß wir uns, wie der geprügelte Hund nicht mehr zu bellen wagen? Jetzt sehen wir, wie diese Lügen weitergetragen werden, welch verhängnis­volle Folge dieses Weitertragen haben kann, werden wir vielleicht sehr bald verspüren. D. Red.)

Das Reparallonsproblem.

Verhandlungen zwischen Rakhenau und Lou cheur. Günstige Aussichten auf ein Mora­torium.

Paris, 9. Dezbr. Loucheur hat gestern eine Besprechung mit Sir Robert Horne über die Reparationsfrage und die Verhandlungen der englischen Behörden mit dem deutschen Ve - treter gehabt. Am Nachmittag statteten sich Loucheur und Rathenau, die beide in einem Hotel wohnen, einen Besuch ab. Nach dem Petit Journal" dauerte die Unterredung eine Stunde. Rathenau habe Loucheur den Zweck seiner Reise auseinandergesetzt und ihn über seine arbeitsreichen Verhandlungen unterrichtet.

London, 9. Dezbr. Der politische Bericht- erstaller derDaily Mail" schreibt, der Vor­schlag, daß Deutschland ein Moratorium ewährt werden solle, habe die Billigung ruLabiuetls erhal.lem

tische Anmerkungen gemacht. ome wünsche von Deutschland ole Ianuarrate von 25 Millio­nen Pfund Sterling zu erhalten, um diese Summe im Budget zu verwenden. LautDaily Marl" besteht Grund zu der Annahme, daß Deutschland diese Zahlung zu leisten gewillt ist und daß dann ein Moratorium folgen wird Ein anderer Plan sei die Beschaffung eines großen internationalen Kredits durch die Alli­ierten für Deutschland.

L o n d o n, 9. Dezbr.Pall Mall Gazette" meldet, Minister Rathenau wird nach Deutsch­land die Versicherung milnehmeu können, daß das Moratorium seitens der Entente bewilligt wird.

(Die letzte Nachricht, die uns kurz vor Stebaf« tionsjchluß zugeht, ist sicher verfrüht, obwohl auch in der vorangehenden Meldung ebenfalls von dem Moratorium in bestimmter Form gesprochen wird. Immerhin kann die Feststellung gemacht werden, daß sich die Moratoriumsaussichten bedeutend ge­bessert haben. Nach einerMatin"-Melduna, die uns soeben zugeht, hat sich Rathenau entschlossen, Lon- don^nicht vor der Abreise Loucheurs zu verlaffen.

Die KreSttaktion der Industrie.

Dresden, 8. Dezbr. In einer Veranstaltung der deutschen Volkspartei in Dresden hielt der Präsident des Reichsverbandes der deutschen Industrie Dr. Sorge, einen Vortrag über die Kreditaktion der deutschen Industrie, wobei er nochmals ausdrücklich feststellte, daß die An­regung hierzu vom Reichskanzler Dr. Wirch und nicht von der Industrie ausgegangen wäre. -Seinen weiteren Ausführungen war zu ent­nehmen, daß gegen den Grundgedanken dieser Kreditaktion sich eigentlich niemand von der deuliazen Industrie gewandt habe, sodaß man durchaus von einer Einstimmigkeit in der )eutschen Industrie sprechen könnte. Dr. Sorge treifte auch die Kreditoerhandlungen mit Eng- and und teilte mit, daß der englische Bankier Rothschild während feines Aufenthalts in Ber­lin im Oktober dieses Jahres die Mögllchkeit

eines englischen Kredites für Deutschland in Aussicht gestellt habe, unter der Bedingung, daß dieser Kredit nicht kurzfristig sei und Deutch- land keine längere Zahlungsruhe gewährt werde. Die brennende Frage, die England aber zuerst zu lösen hätte, sei Irland. Um die Be» Handlungen mit England hätten sich fast zu gleicher Zeit drei Persönlichkeiten bemüht, näm­lich Stinnes, Rathenau und Dr. Ha­venstein, der Präsident der Reichsbank. Die Ianuarrate müsse unter allen Umständen an üe Feinde bezahlt werden. Augenblicklich seh­en an ihr noch 270 Millionen Goldmark, für )ie nach der persönlichen Ansicht Dr. Sorg« der Goldbestand. der Reichsbank verwerchS Werden könnte