Hanauer 8 Anzeiger
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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Slaöl- und Landkreis Sanou
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Verlagsleitung: Ad. Jndermühle.
Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil R i ch a r d H u l t s ch: für lokalen und provinziellen Teil sowie Svort Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt. alle in Hanau a. Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau. FernivrechanschlMe Nr. 1237 und 1238.
Nr. 287
Donnerslag den 8. Dezember
1921
Das Neueste.
— Loucheur ist nach London gereist.
— Am 15. Dezember wird in Berlin eine politische Kundgebung der gesamten deutschen Landwirtschaft stattfinden.
— Die Vecgarbèiterverbände des Ruhrgebietes haben die ab 1. November gültige Lohn- ordnung zum 31. Dezember 1921 gekündigt.
— Die Dotfchafterkonfsrsnz hat beschlossen, daß die Abstimmung in Oedenburg spätestens am 13. Dezember stottfinden soll.
— Ulster ist mit dem zwischen der englischen Regierung und Irland getroffenen Ueberein- tommen nicht zufrieden. Der König genehmigte bfe Freilassung aller politischen Gefangenen in Irland.
— Der Großwesir Said Halin Pascha, der während des Krieges Premierminister war, ist auf offener Strctße in Rom ermordet worden. Es handelt sich nach Meinung der türkischen Botschaft um einen politischen Mord. Von dem Mörder fehlt jede Spur.
Anleihe - Moratorium - Revision.
Es geht etwas vor, aber man weiß nicht was. Man weiß nur, daß einmal mit der Industrie über den Geldkredit, zweitens mit aus- wârten Finanzkonsortien über eine Anleihe ver- handell wird, und daß drittens zumindest Erwägungen wegen eines Moratoriums schweben, wenn auch nicht feststeht, ob Dr. Rathenau, der seinen Aufenthalt in London verlängert hat, dort lediglich über Nummer 2 oder r' Nummer 3 verhandelt. Der briti'
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kanzler hat behauptet, die deutsche Regierung erkläre, daß sie die Reparationsraten vom 15. Millionen Goldmark) und vom
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die Reparationskommission noch nicht abgegangen sei; doch wird aus Paris gemeldet — wir erfahren über diese Dinge überhaupt mehr aus Lonoon oder Paris als aus Berlin — daß die Absendung eines solchen Moratoriums be- »orftehe. Endlich wird versichert, daß auf der freilich wieder hinausgeschobenen Orientkonferenz in Paris auch die Reparationsfrage erörtert werden soll.
Aus alledem erhellt jedenfalls eines: in den Kreisen der Alliierten, allerdings außer Frankreich, was die letzte Rede Briands wieder beweist, wächst die Erkenntnis, daß Deutschland die phantastischen Reparationsbeträge nicht auf- aringen kann. Freilich hat die Reparationskommission dekretiert, daß Deutschland die im 3a- Mar und Februar fälligen Raten zahlen könne Mb müsse. Die erste Behauptung hat sie jedoch tost dementiert, indem sie uns" den freund- aßen Rat erteilte, einen Pump zwecks Zahlung M Auslande aufzunehmen. Demgegenüber hat
Reichskanzler Dr. Wirch mit Recht hervor- gchoben, daß es fraglich fei, ob irgend welche Geldgeber geneigt fein werden, ihr Geld in den ßroßen Topf der Reparationen ohne Boden" Meinzustecken. Vor allem aber ist es, so muß hinzufügen, fraglich, ob ein solcher Kredit N erlangen wäre, ohne daß zumindest durch ein Moratorium ein notdürftiger Bodenersatz geschossen wird. Weiter muß beachtet werden, daß 'Urch einen Kredit, selbst durch einen lang- totigen, die trostlosen Finanzen Deutschlands W verbessert werden können und sogar für NN Moratorium gilt das nur sehr bedingt. Denn W diesem Wege könnte günstigsten Falls die Grundlage für einen Versuch geschaffen werden, unterdessen an einer Sanierung der Finanzen M arbeiten, was, wie Dr. Wirth mahnend be- Dnte, nicht ohne weitere schwere Opfc Mißlichen ist. Aber es wäre von buu^uem Ersuch mit untauglichen Mitteln, wenn man nns durch Bedingungen, wie sie von London aus lanzrert wurden, noch mehr wirtschaftliche finanzielle Fesseln anlegen wollte, als sie »ns ohnehin schon bedrücken.
Daraus geht hervor, daß uns letzten Endes Moer mit einem langfristigen Kredit, noch auch einem Moratorium zu helfen ist, wenn sich dieses nicht auf etliche Jahre, nicht blos »Vf eine Atempause erstreckt, und wenn smei- Uns diese Pause nicht dazu benutzt wird, um die Separationen auf eine neue, Halbwegs erträg- Nche Grundlage zu stellen. Das heißt, der An- und dem Moratorium muß die R e p a r a- 'tonsreuifion folgen, wenn nicht die an« »erenfalls unvermeidlille weitere Entwertung unserer Valuta leben Sanierungsversuch unter« ^nden, jede Reparationszahlung unmöglich kochen soll. Daß diese Einsicht sich auch bei un« leren alliierten Gläubigern Bahn bricht, geht um deutlichsten daraus hervor, daß die Repara- schnskammission die Serie Ä der deutschen '-MUbDerfchreibungen über 12 MiLarden Gold- M* stillschweiaend in die Safes des Hotels
e Opfer zu er- vornherem ein
Astoria, wo die Kommission tagt, versenkt hat, und daß der Serie B in Höhe von 38 Milliar- den dasselbe Schicksal blüben wird. Offenbar ist man auch in England von der Notwendigkeit der Reparationsrevision durchdrungen, nicht aus Sympathie für uns, sondern weil, wie der Schatzkanzler Horne offen erklärt hat, daß man erstens auf den deutschen Kunden nicht verzichten kann und zweitens der englische Markt durch den Dumpingexport völlig zerrüttet wird.
Eben deshalb ist auch darauf zu rechnen, daß auf der bevorstehenden Pariser Konferenz diese Dinge zur Erörterung gelangen. Aber die Verschiebung des Schwerpunktes nach Paris und die Verquickung mit der Orientfrage ist bedenklich, denn nach den bisherigen Erfahrungen besteht die Gefahr, daß dis britische Politik dabei wieder einmal Zugeständnisse imOrientaufKosten Deutschlands cherauszuschlagen versucht. Man möchte daher eher auf die von Harding angeregte zweite Washingtoner Konferenz rechnen, wenn nicht die Gefahr bestände, daß die Hilfe dann zu spät kommt. Jedenfalls hat das Reichskabinett, nachdem Dr. Wirth eingefehsn hat, daß er als „Erfüllungskanzler" sein Ziel nicht zu erreichen vermag, nunmehr die dringliche Verpflichtung, die Initiative in der Frage des Moratoriums und zugleich der Reparationsrevision zu ergreifen und zwar bevor die Reste des deutschen Besitzstandes durch den bodenlosen Rsparationstopf sickern.
Loucheurs Reife nach London.
Paris, 7. Dezbr. Wie die Havas-Agentur mitteilt, wird Minister Loucheur heute Mitternacht m Begleitung der Finanzsachverständigen Petze und Ceysson nach London abreisen, um dort mit den Mitgliedern des englischen Kabi- ^legenftani^eT^^
tür weiter mit, daß Loucheur mit dem englischen Schatzkanzler über die Ausführungen des Abkommens von Wiesbaden verhandeln würde. Nach dem „Temps" schließlich werden sich die Verhandlungen auch auf Die nächsten Reparationszahlungen, die Möglichkeit eines Moratoriums und andere Punkte beziehen.
Paris. 8. Dezbr. Minister Loucheur erklärte einem Vertreter des „Echo de Paris", daß er zwei bis drei Tage in London bleiben werde. Es könne aber auch möglich fein, daß er Ende dieser Woche noch nicht nach Paris zurückkehren könne. Loucheur erklärte weiter, es sei wahrscheinlich, daß er im Laufe seiner Anwesenheit in London auch Dr. Rathenau begegnen werde. Er sei überzeugt, daß aus seinen Unterhandlungen eine Lage hervorgehen werde, die zu einem Einverständnis zwischen England und Frankreich über die Fragen führen werde, die augenblicklich zur Debatte stünden.
„ (Die Reife Loucheurs hängt zweifellos mit den dieser Tage in London stattfindenden Besprechungen über die durch die Zahlungsschwierigkeiten Deutschlands aufgeworfenen Probleme eng zusammen. Bekanntlich lauteten die seitherigen Meldungen^ immer dahin, daß England, bevor es endgültig für den einen oder anderen der in den letzten Tagen diskutierten Pläne sich entschließen werde,' Frankreich erst zu Rote ziehen werde. Die in unserem heutigen Leitartikel erwähnte große Pariser Reparations- Konferenz bekommt somit ein anglo-französischss Vorspiel, in dem man sich erst über die schwebenden Fragen imb Probleme einigen will. D. Red.)
Der Verkehr mit der Bank von England.
Wie aus Berlin gemeldet wird, sind die Verhandlungen zwischen dem Präsidenten der Reichsbank, Havenstein, und der Bank von England abgeschlossen. Sie haben zu dem Ergebnis geführt, daß die vor dem Kriege zwischen den beiden großen Zentralnotenbanken bestehenden Beziehungen wieder hergestellt worden sind. Wie die „Voss. Ztg." mitteilt, hat die Reichsbank ein Konto bei der Bank von England eingerichtet und sich dort ein Guthaben geschaffen. Der gesamte offizielle Zahlungsverkehr Deutl-blands mit England wird künftighin bei der Bank von England konzentriert sein. Diese Neuerung sei als eine große Er- leichterung des gesamten Zahlungsverkehrs mit England zu betrachten. — Nach einer weiteren uns aus Berlin zugehenden Meldung hat man auch mit anderen Zentralnotsnbanken die gelösten Beziehungen wieder aufgenommen. Es steht zu hoffen, daß auch hierüber bald ein Resultat gemeldet werden kann.
Neue Kundgebung der Landwirtschaft.
Wie unser Berliner Mitarbeiter von unterrichteter Seite hört, wird am 15. Dezember zu Berlin im großen Saal des Herrenhauses eine politische Kundgebung der gesamten deutschen L a n d wst r t s ch a f t stattfinden. Der Reichsausschuß der deutschen Land
wirtschaft hat, einer Anregung des Reichslandbundes und der Vereinigung der deutschen Bauernvereine folgend, beschlossen, die deutsche Landwirtschaft zu dieser Kundgebung aufzurufen. Gegenstand der Tagung ist das Reparationsproblem und die damit zusammenhängenden (Steuerfragen. Ferner soll zur Frage der Lebensmittelversorgung des deutschen Volkes Stellung genommen werden.
Ein polnischer Aufruf.
Beulben, 7. Dezbr. Das polnische Komitee für Oberschlesien erließ als Vertretung der Polen in dem bei Deutschland verbleibenden Teil Oberschlesiens einen Aufruf in dem es heißt: Infolge der Abzweigung von einer Million Menschen, in der Hauptsache Polen, vom bisherigen Oberschlesien, haben wir Polen in Oberschlesien die überwiegende Majorität, die wir gehabt haben (??), im Lande verloren und bilden jetzt nur noch eine mit den Deutschen gleiche (?) Anzahl von Menschen. Trotzdem bleiben wir eine Macht, wenn wir den Geist der Einigkeit und Eintracht in uns erwecken. Der Genfer Schiedsspruch hat über die Zukunft der oberschlesischen Polen in staatlicher Hinsicht entschieden', und diejenigen, die er bei Deutschland beläßt, hat er zu Bürgern des deutschen Reiches gemacht und die deutsche Staatlichkeit zur Grundlage ihres politischen Seins bestimmt. Diesen tatsächlichen Zustand hat sowohl Deutschland als auch Polen als bindend anerkannt und somit erkennen wir ibn ebenfalls als bindend an. Wir tun dies in Ueberzeugung und Hoffnung, daß eine ehrliche Erfüllung der Pflichien gegenüber dem Staate uns nicht nur berechtigen wird, von seinen Gesetzen und Einrichtungen Gebrauch machen, sondern daß sie Mndeütfchsn MrârMn, Me è M'fetzkât genossen haben (?), zu erlangen. Diese Gleichberechtigung erachten wir als die größte Notwendigkeit und unerläßliche Vorbedingung, wenn in Oberschlesien die dringendste, keinen Aufschub duldende Arbeit, die uns erwartet und zu der wir uns bereit erklären, geleistet werden und allseitige Befriedigung des Landes und feiner Bewohner herrschen soll. Der Aufruf zitiert sodann eine Rede, in der Reichskanzler Wirth VersöhnungsPolitik als b e st e L ö s u n g der oberschlesischen Frage bezeichnete und fährt fort: Daß die oberschlesi- sche Frage dringend einer Regelung bedarf, hat die preußische Regierung und der preußische Landtag anerkannt, indem sie Oberschlesien nach dem Plebiszit Autonomie zu geben versprachen. Die Reichsregierung und der Reichstag haben sehr wohlwollend ihr Einverständnis mit diesem Vorhaben kundgetan. Große politische ^--rteien, insbesondere die Zentrumspartei, haben diese Forderung zum hervorragenden Punkte ihres politischen Programms, ja beinahe zu einer Ehrensache gemacht. Auch wir erachteten die bundesstaatliche Autorwmie für Oberschlesien als einzige wirkliche Garantie für die Gleichberechtigung der polnischen Bürger mit den deutschen.'
) Zur Grenzführung in Oberschlesien.
Berlin, 8. Dezbr. Die Kommission zur Festsetzung der deutsch-polnischen Grenze hat, dem dringenden Wirtschaftsbedürfnis der Kreise Gleiwitz und Ratibor Rechnung tragend, die vorläufige Grenzlinie so gezogen, daß die Kleinbahn Gleiwitz-Rauden-Ratchor in ihrem ganzen Verlaufe auf deutschem Boden gelst.
Von der Washingtoner Konferenz.
Die chinesischen Delegierten kündigen ihren
Rücktritt an.
Washington, 7. Dezbr. Die drei Mitglieder der chinesischen Delegation haben infolge Uneinigkeit über die zukünftige Politik ihre Entlassung eingereicht. Es handelt sich um den chinesischen Gesandten in Kuba, Tyau, Vizeadmiral Tsai und Generalleutnant Hweng. Die chinesischen und japanischen Delegierten ver- handelten erneut über die Rückerstattung des Staatseigentums des Gebietes von Kiautfchou an China. In den Kreisen der chinesischen Delegation wird erklärt, daß diese entsprechend den Weisungen der Regierung in Peking sich von der Konferenz zurückziehen würde, wenn die Verhandlungen mit den japanischen Delegierten über Schantung nicht zu einer den Interessen Chinas günstigen Lösung führten. Die Anweisungen aus Peking gingen dahin, daß in Bezug auf die bedingungslose Zurückerstattung Kiautschous in keinem Punkte nachgegeben werden solle. Augenblicklich habe die Delegation allerdings in keiner Weise die Absicht, die Konferenz zu verlaßen-
Newyork, 8. Dezbr. Wie der „Newyork Tri- , bune" aus Washington gemeldet wird, ist mit dem Verlangen Chinas nach unbedingtem Nachgeben seitens Japans und dem angekündigten Rücktritt dreier Berater der chinesischen Delegierten eine kritische Lage eingetreten. Jetzt haben die chinesischen Delegierten, nachdem sie die Regierung in Peking befragt hatten, beschloßen, auszuhalten, doch deutetemsie an, daß die Verhandlungen scheitern würden, wenn Japan darauf bestehe, fünfzig Prozent der Kontrolle über die Schantung-Eisenbahn zu behalten. Die amerikanische Regierung gab die freundliche WarUung, China solle nicht fein Aussichten dadurch verscherzen, daß Rücktrstir zur Regel werden; sie ließ die Chinesen missen, daß ihre Interessen gut gewahrt seien.
Die Reulralltak Chinas im Falle eines Krieges.
P a r i s, 8. Dezbr. Nach dem Sanderberichl- erstakker der „Chicao Tribüne" in Washington hat der Ausschuß für den Fernen Osten gestern eine Entschließung angenommen, in der doc- geschen wird, daß die Neutralität Chinas respektier! werden soll, falls es in Asien zu einem Kriege kommt, an dem China nicht beteiligt ist.
Der Friede mit Irland.
Ulster unzufrieden.
London, 7. Dezbr. Die Proste stimmt begeisterte Töne an über den Abschluß des Friedens mit Irland. Man betrachtet die Ratifizierung des Vertrages in den Parlamenten ass sicher und erwartet auch von Ulster keine Schwierigkeiten. Nur die ..Morning Post" steht abseits. Für die allgemeine Stimmung ist der Ausspruch der „Westminster Gazette" bezM- betonen die Zeitungen die Befestigung ver englischen außenpolitischen Machtstellung, wenn jetzt die durch Irland verursachte Militärlast in Wegfall kommt, und stellt die große Befriedigung besonders Amerikas Wèr die Lösung fest. Lloyd George habe jetzt die Hände frei für alle großen europäischen Fragen. Die Börse redgierte auf das Ereignis durch Anziehen der Kurse insbesondere der Staatspapiere.
London, 8. Dezbr. Ulster ist mit dem zwischen der Regierung und den Sinnfeinern getroffenen Uebereinkommen nicht aufrieben. Der Haupteinwand bezieht sich auf die Einmischung in die Rechte Ulsters. Ein Ulsterblatt spricht von „Judas-Verrat", ein anderes schreibt,dis Urheber dieser Regelung seien Leute ohne Ge-wissen, ein drittes spricht von einer elenden Erniedrigung.
Neues Papiergeld iu Rußland.
Moskau, 6. Dezbp. Ein Dekret des Rates der Volkskommissare kündigt die -Ausgabe neuer Gèlvschsine an, deren Zwèck es sein soll, die Durchführung des neuen Wirtfchafts- und Finanzsystems zu ermöglichen. Die neuen Geldzeichen werden die Bezeichnung „Staatsgeld- zeichen der russischen föderativen Sowjet-Republik, Emission 1921" führen und im Werte von 50 Kopeken, 1, 2, 3, 5, 10, 25, 50, 100, 250, 500 und 1000 Rubel ausgegeben werden. Alle bisher bestehenden Geldzeichen, Kreditbillete, usw. sollen gegen bas neue Geld einAetauscht werden, und zwar im Verhältnis von 1:10 000. Man hofft, auf diese Weise wieder den Friedenswert des Rubels wenigstens im Innern Rußlands einführen zu können. Begründet wird die Maßnahme unter anderem damit, daß bei den jetzigen Geldverhsiltniffen das Finanzkommiffa- riat zur Bezahlung der staatlichen Beamten und Angestellten monatlich eine Trillion Rübel ausgeben muß. Das neue Papiergeld würde noch dem Plan der Sowjeiregierung den Silbkrru" beln aus der Zarenzeit gleichwertig fein, bü ebenfalls im Verhältnis von 1:10 000 ausge geben wurden.
— Don dcr Hungersnot in Rußland Das Oberkommissariat des internationalen Hilfs- qusschusses für das hungernde Rußland teilt mit, daß Nansen am 6. Dezember ein Telegramm aus Rußland gesandt habe, in dem mitgeteilt werde, daß die Lage sehr ernst sei unb von Tag zu Tag infolge des zunehmenden Verbrauches aller vorhandenen Vorräte schwieriger werde. Vor einigen Wochen zöblte man in Saratow täglich 30—40 Todesfällen, heute fei infolge der durch den Hilfsausschuß eingerichteten Küchen die Sterblichkeit auf 2—3 Todesfälle zurückgegangen. Wenn jedoch nicht sofort Hilfe in großem Maßstabe ergehe, werde die Lage verhänanisvoll. Während eines Reisetages habe er an einer Straße 14 tote Pferds liegen gesehen. Nansen ersucht um sofortige Hsifsmaß- nahmen.