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Hanauers Anzeiger

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General-Anzeiger

Verlagsleituna: Ad. Jndermühle.

Verantwortlich: für volitischen und allgemeine« Teil Rickard Hultsch: für lokalen uyd vrovinziellenTeil sowie Svort Wilhelm Moritz: für Anzeigen und

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Lamm Reklamen August Stobt. alle in Hancm^^Main.

* ' Rotationsdruck der Waiienbausbuchdru«kerei Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme Her Sonn- und Feiertage

fiernlvreckanlcklulle Nr. 1237 und 1238.

Nr. 282 Freitag den 2. Dezember 1921

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Das Neueste.

DieChicago Tribune" schreibt, daß von MgNscher Seite aus alles geschehe, um Briand m einer Zusammenkunft mit Lloyd George An- ,ang nächster Woche zur Frage der Regelung der Kutschen Reparationszahlungen zu bewegen.

Der englische Vertreter der Reparations- tpmmission, Sir John Bradbury, ist nach Paris iersist, um die Pläne der englischen Regierung ! der Revarationskommission zu einer Erörte- rung -u stellen.

; Nach demHomme Libre" hat die bel- âische Regierung mit einer offiziellen Note gegen tzgs Wiesbadener Abkommen protestiert.

Rach einer offiziösen Mitteilung hat Dr. Hermes die meiste Aussicht, Botschafter in Rom zu werden.

In Wien kam es gestern zu Teuerungs­krawallen.

England und das Moratorium.

Bradbury in Paris.

Paris. 1. Dezbr. Der Vertreter Englands im Keparationsausfchuß Bradbury, der nach Paris Gereift ist, um mit den übrigen Mitgliedern der Keparationskommission zu verhandeln, leugnete einem Redakteur desIntransigeant" gegen­über, daß er feiner Regierung ein Memorandum überreicht oder eine Depesche geschickt habe, in Der er ein Moratorium für Deutschland vorgeschla- gen habe. Er habe auch weder in London noch anderwärts eine Konferenz mit Dr. Rathenau gehabt. Brcchbury erklärte ferner, daß es Auf­gabe der Reparationskommission sei, darüber zu wachen, daß Deutschland die vorgeschriebenen Zahlungen leiste. Nach dem letzten Besuch der Reparationskommission, der der Prüfung der Maßnahme,, gegolten habe,Lie,diedeutscheRe> gierung getroffen habe, um die Zahlungen, wenn möglich, sicherzustellen, sei offiziös (?) von tzer deutschen Regierung mitgeteilt worden, daß He unfähig sei zu zahlen, wenn sie keine ausländi­schen Kredite erhalte. Die Reparationskommission habe der deutschen Regierung 8 bis 10 Tage Zeit bewilligt, um Verhandlungen zu führen. 8s sei möglich, daß die deutsche Regierung die Reparationskommisston davon verständigen werde, daß sie diese Kredite nicht erhalten könne. In diesem Falle und wenn die deutsche Regie­rung immer noch der Ansicht sei, daß sie ohne Kredite nicht zahlen könne, glaube man, daß sie vielleicht Zahlungsaufschub verlangen werde. Aber es bestehe doch die Möglichkeit, daß die beuts-be Regierung unter gewissen Beding­ungen die gesuchten Kredite erhalten werde. Ünier diesen Umständen müsse die Reparations­kommission prüfen, ob sie diese Bedingungen an­nehmen könne. Die Lage sei also so, daß er, Bradbury, seiner Regierung vertrauliche und mündliche Mitteilungen gemacht habe, damit sie ihre Haltung bestimmen könne, wenn gewisse Eventualitäten eintreten. Die Frage des Mora­toriums könne nur gestellt werden, wenn die deutsche Regierung einen derartigen formellen Antrag bei der Reparationskommission stelle. Das fei bis jetzt noch nicht geschehen. Werde das Lerlangen erfolgen, dann müsse die Repara- tionstommiffion es nach dem Wortlaut des Frie- hensvertrages in Betracht ziehen.

Das Interesse Lloyd Georges.

London. 1. Dezbr. Wie das Reutersche Büro erfährt, ist man im Schatzamts noch immer mit der Frage der Reparationszahlungen Deutsch­lands beschäftigt. Sobald der jetzt der Erwägung untersiegende Plan, der ein Moratorium oder èinen hem Termeulenschen Schema ähnlichen Vorschlag einschließt, in end­gültiger Fassung aufgesetzt und für die Bera­tung fertig ist, wird das Kabinett zusammentre­ten, um die Vorschläge eingehend zu erörtern. Aovd George nimmt regen Anteil an den Be- inüyunaen zur Herbeiführung einer befriedigen­den Lösung der Schwierigkeiten. Wenn es ihm möglich ist, ungefähr Mitte Dezember nach Washington zu reisen, hofft er, dann mit Har­ding zu verhandeln und ihm das Ergebnis der Besprechungen der letzten Tage in greifbarer Form vorlegen zu können. Wie verlautet, wurde nur darum die Kabinettssitzung verschoben, weil gewisse Einzelheiten des Planes noch nicht fer­tig sind. Es ist jetzt nicht unwahrscheinlich, daß Lloyd George mit Rathenau zusammentreffen Miro, obwohl der Ministerpräsident mit den Ansichten Ratheyaus schon durch Vermittelung des Schatzkanzlers Horne genügend bekannt wurde.

Presseäußerungen.

London. 1. Dezbr. Die Abendpresse beschäf­tigt sich eingehend mit den Aussichten einer Neuregelung der Reparationsfrage. Das plötz­liche Steigen der Mark erregt großes Aufsehen. »Evening Standard" erblickt darin ein Zeichen für bae Vertrauen in die günstige Entwicklung

der zwischen der britischen Regierung und Ra­thenau geführten Besprechungen. Den Blät­tern zufolge besteht die Möglichkeit, daß Lloyd George Rathenau empfangen wird, bevor dieser nach Deutschland zurückkehrt. LautEvening Standard" wird die Frage erörtert, ob Frank­reich und Belgien der abgeänderten Politik gegenüber Deutschland günstig gesinnt sein wür­den, da ohne die Zustimmung dieser beiden Länder eine solche Colitis wirkungslos sein könnte. Dem diplomatischen Mitarbeiter des Evening Standard" zufolge, ist die Frage einer kurz- oder langfristigen Anleihe noch nicht weit gediehen. Man nimmt jedoch in maßgebenden politischen und finanziellen Kreisen Londons an, daß aus der augenblicklichen Lage eine neue Re- varationspolitik entstehen wird LautPall Mall and Globe" wird ein wirklicher Versuch unternommen, um die Reparationen auf eine feste und praktische gesetzmäßige Grundlage zu stellen. Von manchen Sachverständigen wird vorgeschlagen, daß die Londoner Banken Deutschland den Betrag vorstrecken, den es für die Zahlung der Januar- und Februar-Raten braucht.

Frankreichs Widerstand.

Paris. 1. Dezbr. DasJournal des Debats" schreibt, wenn die deutsche Regierung nicht aus­führe, hätten die Alliierten das Recht, alle Maß­nahmen anzuwenden, die der Friedensvertrag von Versailles zulasse und sie müßten von die­sem Rechte unmittelbar Gebrauch machen. Der Moratoriumsvorschlag für drei Jahre sei unter

gewissen Bedingungen zulässig. Aber diese Be­dingungen existieren augenblicklich nicht. Weit davon entfernt, durch die jüngsten Zahlungen ausgepumpt zu sein, habe sich Deutschland, dank der unglaublichen Schwäche, mit der man ihm einen Teil der 20 Milliarden erlassen habe, die es vor dem 1. Mai hätte bezahlen müssen, be­reichert. Die Reparationstommijfton u-ür0e ein Verbrechen begehen, wenn sie das Deutsche Reich

ermächtige, seine Zahlungen in dem Augenblick einzustellen, in dem Frankreich einen Teil an den ersten Milliarden erhalten könne. Frankreich sei dazu berufen, dieses Manöver zu vereiteln. Das ganze Geschrei, das man um den Mora­toriumsvorschlag mache, diene nur dazu, das Deutsche Reich in seinem Widerstande zu er­mutigen.

Der Sturz des Dollars.

Der Dollar = 204 Mark Die Mark 2,70.

Seit ungefähr einer Woche befindet sich der Dollar auf einem sprungweisen Abstieg von sei­ner Höhe, auf einem Abstieg, der fast zu einer Panik an der Börse geführt hat. Ein Sturz von rund 280 auf 185, dem gestern abend allerdings ein leichtes Anziehen auf 204 gefolgt ist. Im :, daß die in Lon-

ein leichtes Anziehen auf

allgemeinen nimmt man man,

don gepflogenen Verhandlungen die unmittel­bare Ursache für den Rückgang des Dollars und für das Steigen der Mark sind. An amtlicher Stelle betont man jedoch, daß die Regierung im Augenblick durchaus nicht in der Lage fei, zu den Vorgängen an der Börje irgendwieStellung nehmen zu können. Es ist das um so erklärlicher, als die Verhandlungen in London bisher nicht als positive Ergebnisse zu bewerten sind, son­dern lediglich Fühler darstellen, wie dem deut­schen Wirtschaftselend abzuhelfen sei und auch die Finanzen Europas neu geregelt werden können. Solche Vorverhandlungen mit allen ihren Schwankungen und Stimmungen könnten zwar ein so empfindliches Instrument wie die Börse schwer in Mitleidenschaft ziehen. Vom po« litH'hen Gesichtspunkte aus aber üt es für das Reichskabinett nicht möglich, sie schon jetzt als Faktoren von dauerndem Wert in unsere Rech­nung einzustellen. Man betont amlli* nochmals, daß sowohl Stinnes wie auch Dr. Rathenau pri­vatim nach London gefahren sind, also nicht als regierungsseitig beglaubigte Persönlichkeiten eingeschätzt werden dürften. Jede neue Phase in den Londoner Besprechungen vermag in einem UNS günstigen oder ungünstigen Sinne auch die Weiterentwicklung der Dinge an der Börse zu beeinflussen. Es ist daher wohl vorläufig kaum damit zu rechnen, daß irgendwelche Stabilität zu erwarten iff Vielmehr werden w i r a u ch für die Folgezeit noch mit Schwan- kungen zu rechnen haben, bis sich das augenblickliche noch ganz unklare Bild des Lon­doner Vorstoßes in fester umriffenen Konturen zeigt.

DerBerl. Lokalanzeiger" schreibt: D,e Eventualität, ob der gestrige Kurssturz sich er­weitern wird, hängt in der Hauptsache davon ab, inwieweit sich die Großbanken zu einer allge- meinen Stützungsaktion bereit finden werden. Daß der gestrige Tag zu schweren Erschütte­rungen mancher Firmen, Die sich in der Kremt- gewährung zu weit vorgewagt hatten, beige­tragen hat, steht außer Zweifel. Hierüber wird die nächste Montags-Börse bereits volle Auf­klärung bringen»

DieDeutsche Allg. Zeitung" erklärt: Fallende Valuten wirken exportfördernd, da- gegen hemmt die steigende Valuta die Ausfuhr, die Beschâftigungsmöglichkett der Industrie geht zurück und das Arbeitslosenproblem nimmt sofort wieder schärfere Formen an. Aber Krisen müssen schließlich durch Krisen überwunden werden.

DerVorwärts" erklärt: Niemals wird eine finanzielle Gesundung möglich sein, wenn das Reich nicht die Sachwerte steuerlich erfaßt. An­dernfalls zahlt das Reich die Zeche, bei anhal­tender Valutabesserung durch Verringerung der Warenausfi'br und geringere Steuereingänge, bei anbaltender Verschlechterung durch die stei­gende Not der Lohn- und Gehaltsempfänger, durch steigende Lebensmittel- und Material- preife. Das ist der verderbliche Kreislauf. Es ist höchste Zeit, daß er unterbrochen wird.

Steigen der Mark in Zürich.

Zürich, 2. Dezbr. An der heutigen Börse mubbe die Mark mit 2,70 gegen 1,75 in den letzten Tagen notiert. Die Tendenz ist weüerhin steigend.

Das preutz LandWirlschaflsprogramm.

Der preußische Landwirtschaftsminister Dr. Wendorff erklärte einem Mitarbeiter des Berl. Tageolatts" über sein Programm, daß eines feiner Hauptziele die Hebung der landwirtschaftlichen Produktion fei. Eine Vermehrung der Anbaufläche und die

Kultivierung von Oed land werde zu Erreichung dieses Zieles dienen. Der Minister werde im Landtag einen Gesetzentwurf ein­bringen, in dem ein 100 MilNonen-Kre- d i t dafür gefordert werde. Weiter will der Mi­nister die landwirtfchaftliche Siedelung dadurch unterstützen, daß ein Teil der Pachtsumme von r-,ürde ein otaJUultfani kl tyorm

"'s von Naturalien aufgebracht werden fob^ Zur

Frage der Getreideablieferung er­klärte der Minffter, daß für die Erfassung und Verteilung der landwirtschaftlichen Erze"anisse das Reichsernährungsministerium und auf preußischem Gebiet der preußische Staatskom­missar für Volksernährung zuständig sei. Es sei jedoch beabsichtigt, den Staatskommissar dem Landwirtschaftsministerium zu unterstellen, so­daß die Zuständigkeit in dieser Hinsicht für Preußen dann auf den Landwirtschaftsminister übergehen werde. Hinsichtlich der Frage der Zwangswirtschaft führte der Minister aus, er glaube nicht, daß heute mit einer Er­neuerung der Zwangswirtschaft etwas zu er­reichen sei. Er glaube vielmehr, daß M em Wege von Verhandlungen zwischen Landwirt­schaft und Verbraucher durch Lieferungsver- träge die Versorgung und Ernährung gebessert werden könne.

Die Aktion der Landwillschaft.

Berlin, 2. Dezbr. lieber den Verlauf der zweitägigen Besprechung im Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft zur Vorbereitung weiterer Verhandlungen mit der Reichsregie­rung, erfährt die T.-Ü. von maßgebend--r land­wirtschaftlicher Seite folgeres1 Bei äußerst re­ger Beteiligung aus allen Kreisen der deutschen Landwirtschaft herrscht volle Einigkeit über die beschleunigte Inangriffnahme einer sehr be­deutenden Produktionssteigerung trotz des da­mit verbundenen großen privatwirtfchaftfichen Risikos und der sehr erheblichen technischen. Schwierigkeiten. Nur auf diesem Wege erwar­tet man neben der im Vordergrund des Inter­esses stehenden Devisenersparnis eine für die -Allgemeinheit erträgliche Preisgestaltuna und Besserung der Lebenshaltung der arbeitenden Bevölkerung. Der bekannte bayerische Bauern­führer Dr. Heim war ungeachtet seines leiden­den Gesundheitszustandes persönlich erschienen und legte beachtenswerte eigene Vorschläge vor. Große Aufmerksamkeit fanden auch die finanz­wirtschaftlichen Darlegungen des ehemaligen preußischen Finanzministers Samisch. Sodann wurden neben der Beschaffung großer Mittel aus der Landwirtschaft selbst zur Erhöhung der Ertragsfähigkeit .und einer sofort emmiypen« den umfassenden Moorkultur die staatlichen Kredite und die (5fi(fftnffae besprochen. Dem Vernehmen nach sollen bie Oppau er Werke im Januar wieder voll leistungsfähig lein. Damit sind der Landwirtschaft 350 000 Tonnen Stickstoff sichergestellt.

Teuerungskrawatte in Wien.

Dien. 2. Dezbr. Im Laufe des gestrigen Nachmittags haben hier Demonstrationen we­gen der Teuerung stattgefunden. Kleinere Trums, meist jugendlicher Demonstranten ver­teilten sich in die Gefchäftsviertel und Haupt­straßen der inneren Stadt, zertrümmerten die

Fensterfcheiben der Waffenhäuser und Karch läden und plünderten die Lebensmittelgefchäfte und Hotels aus. Einzelne Passanten wurden mißhandelt. Sämtliche Kaufladen wurden schon um 4 Uhr geschlossen. Die meisten großen Be­triebe haben die Arbeit eingestellt. Die Zahl tkr Streikenden beläuft sich auf vorläufig 20000, dürfte sich aber noch vermehren. Die Gewerk« schaftskommffsion und das Parlament verhan­deln mit den Streikenden. Die Nachricht vo« einem Generalstreik ist aber verfrüht. Gut i» formierte Personen bringen die Demonstratio« nen indirekt auch mit den una^rtf^en Be* mühungen der letzten Tage zusammen, durch große Verkäufe österreichischer Kronen die öfter» reichische Valuta zu stürzen. Gestern wurde gegen abend die deutsche Mark mit 48 Kronen bezahlt. Im Abstimmungsgebiet arbeiten die Ungarn andauernd mit dem Ar« gument. daß Oesterreich binnen kurz« zem bankerott werden würde. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß gewisse Zusammen­hänge vorhanden sind.

Wf-m, 2. Dezbr. Eine andere Meldung über die Wiener Krawalle besagt: In Wien kam es gestern zu großen Arbeiterkundge- bungen gegen die Teuerung. 6tne grosse Anzahl Kaufhäuser und Läden wurde fast vollständig ausgevlundert. Erst in den fnäteti Abendstunden gelang es der zahlreich aufgebo­tenen Polizei, auf dem Ring einigermaßen Ruhe zu schaffen. Die Florisdorfer Fabrikbe­triebe sandten eine Abordnuna zum Bundes­kanzler, dem sie im Beisein des Finanzministers folgende Forderungen zur Bekämpfung der Teuerung vorlegte: Verwirklichung des sozia­listischen Finanzylanes, insbesondere Anforde­rung der ausländischen Valuten und staatliche Kontrolle des Devisenbandels, strenge Strafen SÄWÄ

neue Besitz steuer, Schaffung einer progressiven Vermögenssteuer, verbot der Einfuhr affe?» Luxusartikel. Abbau des staatlichen Lebensmfi- telzulchusses.

Mien, 2. Dezbr. Das8 Uhr-Abendblatt" berichtet üb-r die Ausschreitungen, daß an der Börse die Wagen der Straßenbahn, die den Berkebr nicht einstellte, angehalten und die Fahrgäste berausgeb^lt und verprügelt mürben. In der Nähe des ParlamM« versuchte man dem Insassen eines Autos eine Schlinge um den Hals zu legen um ihn dann aufzubânaen. Es gelang ihm zu flüchten, doch die Mengs bolte ihn ein und schlug ihn blutig. Nur mit Mühe a^ang es der Bosizsi ihn zu retten. Auf dem Ring und in anderen Straßen, die die Menge durchzog, siegen die Scherben der zerschlagenen Scheiben in Haufen und werden von der Kru- erwehr fortgeschafft.

Politische Tagesberichte.

Sein BetriebsrSkekon-reß. Die Gewerk» schäften haben die Fordeung der Bersiner Bs- trisbsobleute, einen Betriebsrätekongreß einzu­berufen, abgelehnt. In dem Absagebrief heißt es: Die Gewerkschaften müssen es ablehnen, die Verantwortung für Aktionen zu tragen, W von irgend welchen fliegenden Stommifftonen eingeleüet werden.

Aus dem Reichscat. Der Reichsrat nahm einen Gesetzentwurf über den Ersatz der durch den Krieg verursachten Personenschäden an. Grundsätzlich sollen danach alle Reichsange­hörigen, die durch den Krieg innerhalb und außerhalb des Reiches Schädtgungen an Leib und Leben erlitten haben, und nicht unter das Reichsversorgungsgesetz vom 12. Mai 1920 fallen, entschädigt werden. Der Reichsrat ge­nehmigte ferner einen Gesetzentwurf über Die Pfändbarkeit von Gehallsansprüchen. Danach sind Pensionsansprüche von Beamten, Offizieren und Angehörigen der Wehrmacht bis zum Be­trage von 8000 Mark, bisher 2000 Mark, un- pfändbar. Gänzlich unpfändbar sind Teuerungs­zulagen und Klnderbelhilfen. .

Hungerstreik der Hedwig Krüger. Nach einer Meldung desBerl. Lokalanzeigers" aus Halle ist die kommunistische Führerin Hedwig Krüger, die wegen Beteiligung am diesjährigen Märzputsch zu sechs Jahren Zuchthaus ver­urteilt worden ist, in Sagan in den Hungerstreik getreten.

Die deutsch-polnischen Wirtschaflsver- Handlungen. DerDeutschen Allgemeinen Ztg.^ zufolge haben die Deutschen Bevollmächtigten für die deutsch.polnischen Wirtschaftsverhand« [ungen über Oberschlesien in einer Reickskabi« nettssitzung, zu der auch die preußischen Mi­nister zugezogen waren, Bericht über die Be« sprechungen in Genf erstattet. Der Bericht fandst di« allgemeine Zustimmung der Teilnehnre« der ÄabinettLfitzrwg» '