Hanauer W Anzeiger
SM
Einrückungsgebühr:
Die8seiv. Kolonelzeile oder deren Raum 2 —Mk„ die 4geiv. Zeile im Reklameteil 4.50 Mk., Finanzinserate 2L0Mk. Offertgebübr30 Psg. Bezugsvreis: Viertel- jährl. 18.— Mk..monatl. 6.— Mk., f. Postbezug viertel- Wrl. 22.50 Mk. monatl.7.50Mk. Die Nummer 25 Pfg.
Postscheck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.
General-Anzeiger
Verlagsleitung: Ad. IndermSble.
Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil RiSardSultsch:für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und
-, „ , -_ ... —j^jL« » n^it^J* ffAHAH lomte epon ^uuoeim luioit«; mr Anzeigen unv
AmMches Organ für Sla-l- und Lanökreis Kanan ^1™^^^
z ’ laotanonsDtua der LvmsenycmsouMormkEret
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
Fernsorechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.
Nr. 280 • Mittwoch den 30. November
1921
Das Neueste.
— Der Sonderberichterstatter des Pariser .Peuple" gibt eine Schilderung über die bei der Besichtigung des Werkes Wolfgang gesehenen Zerstörungen.
— Die Verhandlungen der deutschen Industrie über die Kreditaktion werden fortgs- sShrt.
— Die englische Regierung rollt in einer Note an die Botschafterkonferenz die Frage der Aufhebung der militärischen Sanktionen auf.
— Reuter erfährt, daß die britische Regierung die deutschen Reparationsfragen jetzt von sllrn Gesichtspunkten aus eingehend behandelt.
— Russische Agenten setzen in Berlin ihre Wühlereien fort.
— In Petersburg sind in den letzten Wochen epidemische Krankheiten, insbesondere Flecksieber, aufgetreten, die einen beträchtlichen Umsang angenommen haben.
Russische Wühlereien in Berlin.
Ein Rundschreiben des kommunistischen Aktionsausschusses.
Die Turkestaner sind wieder da. Moskaus Sendboten! Geschäftig reisen sie durch die deutschen Landei Ihre Haupttätigkeit entfalten sie in den Großstädten und Industriezentren. Sie hoffen diesmal auf Erfolg, denn des deutschen Rolkes Not ist groß, sie steigt zudem von Tag Si Tag. Moskau will die allgemeine Unzufrie- enheit der deutschen Arbeiter ausnützen und letztere zu einer neuen Aktion benützen, die Deutschlands Zusammenbruch verfolgt, um da- M den russischen Bankerott um eine Spanne Seit aufzuhalten. Das Vorspiel für die neue Aktion bildete bekanntlich die Inszenierung des Hungerstreikes und seine M aniMeßenüeu Radauszenen in den Parlamenten, wobei es galt, das Proletariat zu alarmieren. Da die Forderung: Freilassung der Gefangenen abge- kèhnt worden ist — die Herren Bolschewisten wußten selber sehr gut, daß eine Reaierung ein solches Verlangen unmöglich erfüllen konnte—wird nun die Propaganda weiter betrieben, trotz der Veröffentlichungen des „Vorwärts", die die Führer des deutschen Kommunismus in ihrer ganzen Erbärmlichkeit an den Pranger stellen. Ueber die neue Propaganda dürften nachstehende Miteilungen, die von besonders gut unterrichteter Seite stammen, von erheblicher Bedeutung fein.
Der Zentral-Äktionsausschuß der Kommunistischen Partei Deutschlands hielt am 26. November eine Sitzung ab, als deren Ergebnis das nachstehende Rundschreiben an die Reichsbezirksausschüsse 1—28 zu nennen ist. Es heißt da:
„In Anbetracht der zunehmenden Erbitterung des Gesamtproletariats über die Teuerung und Arbeitslosigkeit einerseits, sowie der machtvollen Resolutionen und Entschlüsse zur Unterstützung der im Hungerstreik befindlichen Genossen ist in den meisten Bezirken die Stimmung so, jeden Augenblick in Aktionen zu treten.
Der Zentralausschuß hat deshalb neuerdings zur politischen und wirtschaftlichen Lage Stellung genommen. Hierzu lagen aus vielen Reichsbezirken schriftliche Anträge vor, die den Vorstand und Aktionsausschuß auffordern, schnell stens eine Aktion für die bekannten Forderungen e i n 3 u l e i t e n. Da es das Bestreben aller wahrhaften Revolutionäre fein muß, in dieser kritischen Zeit unbedingt eine Einheitsfront herzustellen, müssen aus diesem Grunde, um die Einheitsfront verwirklichen zu können, alle Einzelaktionen unterbleiben. Das höchste Gebot dieser Stunde ist Zusam- wenfassung aller Proletarier in die Einheitsfront, um dann in kurzer Zeit durch den Aufmarsch des Gesamtproletariats unsere Forderungen verwirklichen zu können. In allen Mitgliederversammlungen (legalen und illegalen) ist in diesem Sinne zu berichten. Gefaßte Beschlüsse früherer Versammlungen sind durch die Presse den weitesten Kreisen besannt zu machen."
Die treibende Kraft für dieses Vorgehen Radikalen ist, wie schon oben erwähnt und wie aus Berlin bestätigt wird, das Moskauer Exekutivkomitee, das seine gefährlichsten Agitatoren nach Berlin geschickt hat. Hierzu gehört insbesondere K a r a ch a n (bisher Sowsetver- kreier in Warschau), der angeblich zu Sur= Hecken nach der Reichshauptstadt kam, in Wahrheit aber vonMoskau zum Haupt- suhrer der deutschen Aktion be = nimmt ist. Zu seiner Unterstützung hat er oen ehemaligen Leiter des Märzaufstandes in
Mitteldeutschland mitgebracht. Beide sind mit ihren Agenten an der Vorbereitung des Aufstandes eifrig tätig. Von Interesse in dieser Beziehung ist der Beschluß der Komitees der größeren polnischen Städte wie Lodz, Kalisch usw., der deutschen Aktionsleitung mehrere Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Um.die für die Aktion notwendige innere Einigkeit im radikalen deutschen Lager herzustellen, bat Sinowjew die Zentrale der K. P. D. ersucht, alles zu tun, um die Anhänger der Levi-Gruppe (Kommunistische Arbeitsgemeinschaft) mit Ausnahme von Levi selbst wieder mit der K. P. D. zu vereinigen. Im cheichen Sinne hat Radek an Däumig geschrieben.
Weitere Nachrichten aus Berlin besagen, daß die Eisenbahndelegation der Russen unter Leitung des Ingenieurs Stra- kow 40 Mann stark in Berlin tätig ist. 20 wirken ständig als Agitatoren in den deutschen Eisenbahnwerkstätten, wo sie als Interessenten Zutritt haben. Als Hauptagenten sind zu nennen Mendelssohn, Lundt, Borowski und Kirijew. Die Sowjetregierung unterhält in der Eisenacher Srraße in Berlin eine Unterabteilung unter der Firma „Wissen und Technik", Leiter sind der Rüste Stankewitsch und die Studenten Rabinowitsch, Hatzkin u. a. m. Fernerhin gehören dazu noch 30 russische Studierende, die sämtlich von Moskau unterstützt werden.
Berlin ist also die Zentrale der bolschewistischen Spionage für ganz Deutschland und die angrenzenden Länder geworden.
Die Fäden des Dienstes laufen ist erster Linie bei Krestinski zusammen, außerdem noch bei den vorgenannten russischen Größen wie Starkow. Es erscheint dringend an der Zeit, daß die Reichsregierung sich mit diesen Zuständen ein- gehend befaßt. Unser wirtschaftliches Zusam- mengehen mit Rußland darf, so nützliches für uns auch erscheinen mag, doch erst dann ernstlich erwogen werden, wenn die russische Regierung aufhort, Deutschland als den Brandherd zu betrachten, an dem sie ihre kalt werdende bolschewistische Suppe glaubt erneut aufwärmen zu können.
Ein hochverräterischer Aufruf.
Mit welch großen Anstrengungen die Kommunisten arbeiten, geht aus folgendem hochverräterischen Aufruf hervor, wegen dessen Verbreitung zwei kommunistische Zeitungen verboten worden sind. Es heißt darin:
„Zerschlagt alles, was Euch im Wege steht! . . . Zertrümmert die Gewerkschaften und den bürgerlichen Staat, die demokratische Zuchthausrepublik! Durchbrecht das Gesetz des kapitalistischen Privateigentums! . . . Errichtet den Rätestaat des revolutionären Proletariats. Handelt nach den Gesetzen des proletarischen Gemeineigentums! Es geht um Leben oder Tod. Das Ende des Privateigentums ist der Tod der Bourgeoisie! Der Tod der Bourgeoisie ist das Leben des Proletariats! Auf zum letzten Gefecht! Kommunisten vor die Front! Es lebe die Diktatur des Proletariats! Es lebe die Wellrevolution!"
Deutsche Arbeiterschaft merkst du noch immer nicht, welches verbrecherische Spiel man mit dir treiben will? Die Augen aufgemacht!
Der »»Ehrenmann" Kölz.
Berlin, 29. Novbr. Im Untersuchungsausschuß über die Vorgänge in Mitteldeutschland wurde über den Inhalt von verschiedenen Strafakten, insbesondere derjenigen von Hölz, Bericht erstattet. Es wurde sestgestellt, daß von
Sund Genossen die fürchterlichsten Mißlungen an Geiseln vorgenommen wurden. Die erste Begrüßung waren Faustschläge ins Gesicht und Fußtritte, denen Erpressung von Geld und Bedrohung mit Erschießen folgten. Daraus sei die Erbitterung bei den Schupobeamten zu erklären. Der Ausschuß beschloß, am Donnerstag nächster Woche noch mehrere Zeugen zu vernehmen. — Nach der Beschlagnahme der kommunistischen Akten bei Klara Zetkin befragt, erklärte der Regierungsvertre- ter, daß das Material dem Untersuchungsausschuß in der nächsten Sitzung vorgelegt werden würde.
(Wie bezeichnete der kommunistische Abgeordnete Menze l-Halle am 21. November tm preußischen Landtag diesen Hölz? Richtig: „Auch Max Hölz ist ein Ehrenmann! — So sehen also, kommunistisch gesehen, die Ehrenmänner aus, wie oben geschildert! D. Red.)
Aeichskablnett und Teuerung.
Das Reichskabinett beendete gestern nachmittag unter Teilnahme der peußischen Munster seine Beratungen über die durch die Teuerung geschaffene Lage. In Ergänzung und Verschärfung der bereits bestehenden gesetzlichen Vorschriften zur Bekämpfung des Wu-t
chers wird den gesetzgebenden Körperschaften unverzüglich eine Vorlage unterbreitet werden, welche die Veröffentlichung sämt- licherVerurteilungen wegen Schleichhandels und Preistreiberei durch die Preste vorschreibt. Bei Verurteilung wegen schwerer Fälle (Gefängnis über 3 Monate) ist außerdem Veröffentlichung durch Anschlag vorgesehen. Ferner beschloß bas Kabinett, die bestehenden Preisprüfungsstellen durch Kommissionen zu ergänzen, wie sie sich in manchen Städten bereits gebildet haben. Diesen Kommissionen sollen neben Vertretern der Verbraucher auch Vertreter der Gewerkschaften angehören. Die Preisprüfungsstellen werden alsdann Anweisungen zu entschiedenem Vorgehen gegen den Wucher erhalten. Zur Besserung der Milchversorgung werden in dem Haushalt des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft für 1920 auf 1921 4 0 0 Millionen Mark bereitgestellt werden und zwar für solche Gemeinden, in denen die Milchversorgung besonders notleidet, das heißt, der Milchbedarf nur bis zu einem bestimmten noch festzufetzenden Bruchteil gedeckt ist. Von den 400 Millionen Mark sollen je ein Drittel die in Betracht kommenden Länder und Gemeinden aufbringen. Soweit die Gemeinden hierzu nicht in der Lage sind, soll das Reich auch die von den Gemeinden nicht aufzubringenden Mittel übernehmen. Den Gemeinden soll in der Verwendung der Mittel innerhalb der gesetzlichen Bestimmung freie Hand gelassen werden, doch sind die Gemeinden darauf hinzu- weisen, daß sich als Weg zur Befferung der Milchversargung, soweit sie unter ungenügender Anlieferung leidet, insbesondere der Ankauf von Futter" vor allem von ausländischem Kraft- futter und die verbilligte Abgabe solchen Futters an die Kuhhalter empfiehlt, welche die Gemeinden beliefern und bei denen, wie zum Beispiel bei den gemeindlichen Abmelkewirtschaften, eine Sicherheit dafür geschaffen werden kann, daß die Mehrerzeugung von Milch auch den Gemeinden zugute kommt.
Das Werks Wolfgang.
p a r i s, 29. Rovbr. Der Sonderberichterstatter des „Peuple", der die von den deutschen Gewerkschaften eingeladene Deleaation der Genfer Arbeilskonserenz auf ihrer Reise durch Deutschland begleitet, erklärt in seinem heutigen ersten Bericht aus Hanau, Briand stellte die Rüskungsfrage in seiner Rede in Washington falsch dar. Was die deutschen Fabriken noch besäße-, genüge höchstens für einen kleinen RÜstungsartikel. Für die Herstellung des gro- -hen Materials komme diese Ausrüstung nicht mehr in Betracht. Der Berichterstatter schll- dert dann die Zerstörungen. die die Delegation in den Fabriken vorgefunden habe und sagt schließlich, wenn man das gesehen und sich von den unerhörten Schwierigkeiten Rechenschaft gegeben habe, denen die deutsche Industrie trotz aller Hilfsmittel begegne, so dürfe man feft- neHen, daß die Behauptung, diesplben Fabriken könnten in einigen Wochen wieder zu voller Tätigkeit in den Dienst des Krieges umgestellt werden, uichkernst zunehmensei, denn die moderne Technik sei für solche Phantasien nicht zu haben.
Reichsverban-der deutschen Ju-uslrle
In der gestrigen Sitzung des Präsidiums des Reichsverbandes der deutschen Industrie erstattete Hugo Skinnes eingehend Bericht über seine Londoner Besprechungen. Es schloß sich daran eine eingehende Aussprache über die Sreditaktion der Industrie im Zusammenhang mit der Frage einer ausländischen Anleihe. Den, „Berl. Lokalanzeiger" zufolge kam mau schließlich dahin überein, den qeschästs- führenden Vorsitzenden des Verbandes, Geheimrat Bücher, zum Reichskanzler zu entsenden, um ihm mitzuteilen, daß der Reichsver- band mit dem Vorschläge Dr, Wirchs einverstanden sei, einen aus Mitgliedern der Industrie und der Finanz gewählte Kommission von sechs Herren mit den eugllsch-ame- rlkanischen Wirtschaftskreiseu über die Lreditfrage in Verbindung treten zu lassen. Die Kommission selbst soll von Dr. Wirth bestimmt werden.
Die Verhandlungen mit dem Ausland sollen also fortgeführt werden. Den deutschen gndu- triellen kommt es nicht allein auf den Kredit ür den 15. Januar an, sondern vor allem darauf, einen neuen Zahlungsmodus zu finden, bamit wir nicht nach diesem Termin alsbald wieder in die gleiche Notlage geraten. Ueber die Wege, die dazu führen können, ist in London ausführlich gesprochen worden. Daß hier noch sehr große Hinoermsse zu überwinden sind. ver- stebt sich von selbst.
Besprechungen Rakhenaus in London.
Wie der Londoner Korrespondent der „Bost Zeitung" erfährt, haben zwischen Dr. Rathenau und dem Direktor der Bank von England, Sir Robert Kindersley, zwei Konferenzen stattgefunden. Weitere Konferenzen mit den ersten englischen Finanzfachmännern und dem Schatzminister Sir Robert Horne sollen sich unmittelbar anschließen. Der Korrespondent hält es für möglich, daß Rathenau auch mit Lloyd George zusammentreffen wird.
Die Londoner City für ein Moratorium.
London, 30. Rovbr. „Daily Mall" berichtet, daß die Londoner City ein Moratorium für Deutschland gukheiße.
England für die Aufhebung der Rhein- sankkionen.
Paris, 30. Rovbr. Außer den beiden Rotes über die Differenz, die der Vertrag von Angora hervorgerufen hat, und über die Rüstungsbe- schränkungen ist laut „Temps" noch eine Rote an die Botschafterkonferenz geschickt worden, in welcher England empfiehlt, die Sanktionen am Rhein aufzuheben. England schlägt in der gleichen Rote die Organisation einer weniger umfangreichen Soutrollbehörde zur Ueberwachung der deutschen Abrüstung vor.
Das Problem -er Eisenbahn« Privatisierung.
Frankfurt a. M., 29. Novbr. In einer heute abend im Börsensaal abgehaltenen Versammlung des demokratischen Vereins hielt der Tarifdezernent der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M., Regierungsrat Dr. Spieß,.eine Rede,
Stellung nahm. Redner knüpfte an die berste seit über einem Jahre in der Presse geführte - Kampagne über die Sanierung der Reichsbahnen an, als deren Resultat er bisher ein Einverständnis über die Forderung angemessener Tarife und die Neuorganisation der Reichseisenbahnverwaltung im Sinne rnögllchst freier kaufmännischer Behandlung gemäß Art. 92 der Reichsverfassung zu erkennen glaubt. Die damit gewonnene Grundlage für die im Gang befindliche Reformarbeit werde durch das neue Verlangen oer Industrie bedroht, ohne daß dieses mehr als nur recht vage Anregungen 1 gäbe. Die Reichsbahn habe eine kulturell-nationale, eine sozialpolitische (personalpolitische) und eine handelspolitische (tarif- und Verkehrs- politische) Bedeutung. Die Entreichung sei abträglich in der national-kulturellen Richtung. Nach der finanzpolitischen Seite würden die derzeitigen Verhältnisse zu pessimistisch beurteilt: Redner betonte hierbei das zahlenmäßige Sinken des Fehlbetrages im laufenden Jahre und die Tatsache, daß alle mitteleuropäischen Bahnen mit Defizit arbeiteten. Daß die Pri- vatbabn sich billiger werde mit Material eindecken können, bestritt Redner in Ausführungen über die Derrechnungs- und Bilanzierunqs- methode der privaten Großbetriebe. Sozialpolitisch betonte der Redner das große Verdienst der Reichsbahnverwaltung und ihres Personals, durch drei Jahre schwerster Wirtschaftsverhält niste die Bahnen ohne Streik hindurchgeführt zu haben. Der Privatindustrie feT das kaum gelungen. Dabei seien die Reichsbahnen trotz Demobilmachungsvorschriften, Achtstundentag und den dem Bahnbetrieb naturgemäß eigenen Erschwerungen sozial nicht überlastet worden. Sonst hätte der Fahrplan-usw.-Betrieb nicht wieder zur heutigen Höhe gelangen können. Das Personal arbeite lieber mit dem ihm wesensverwandten Beamten als Vorgesetzten als mit kapitalistischen Unternehmern. Tarif- und verkehrspolitisch könne der Privatbetrieb nie dasselbe wie der Staatsbetrieb leisten. Jedenfalls fei das Staatsmonopol dem privaten Monopol vorzuziehen.
— Ein kurzer Lichtstreik in Berlin. Infolge Lohndifferenzen der Angestellten der Berliner städtischen Elektrizitätswerke kam es gestern mittag zu einem Licht- und Stromstreik, der die gesamte Groß-Berliner Industrie, sowie den Straßenbahnbetrieb lahmlegte. Zwischen den Vertretern des Magistrats und den Verbänden der Werksangestellten fanden sofort Verhandlungen statt und es gelang, eine Einigung zu erzielen. Der Schiedsspruch von 23. November 1921 wurde mit erheblichen weiteren Zugeständnissen für die Arbeitnehmer angenommen. Auf Grund dieser Einigung wurde die Elektèk- zitätsoersorguna wieder in Gang gesetzt. . Uns «Mitternacht gab es wieder Lichts-—'—