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SanauerS Anzeiger

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General-Anzeiger

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Nr. 275

Donnerstag den 24. November

1921

M3

Das Neueste.

Vom Minister des Innern wurde eine Verfügung gegen den Wucher erlassen.

Im preußischen Landtag wurden gestern Cie Radauszenen fortgesetzt. Von kommunisti­scher Seite wurden Stinkbomben geworfen.

Dr. Stresemann hielt gestern in Offen­bach eine Rede über die politische Lage und bezeichnete den Wiederaufbau Rußlands als des größte Problem Europas.

Der bayerische Ministerpräsident Graf Lerchenfeld teilte im bayerischen Haushaltsaus- schuß mit, daß vor einer Entscheidung des Ztaatsgerichtshofes der Reichstags - Unter- fuchungsarrsschuß keinen Zutritt zu bayerischen Gefängnissen erhalten würde, da die bayerische Volksvertretung nicht befragt worden sei.

In einer Denkschrift der britischen In­dustrie heißt es, daß der Reparationsplan in feiner gegenwärtigen Gestalt undurchführbar sei.

Amerikas Abrüftungsvorschlag.

Admiral Scheer veröffentlicht in der Köln. Ztg." einen Artikel, in dem er seine Ansicht über den Abrüstungsvorschlag der Vereinigten Staaten kund tut. Wir entneh­men dem Artikel folgende Einzelheiten:

Der Vorschlag von Hughes über die künf­tige Stärke der Flotten ist eine durchaus ernst B nehmende Angelegenheit von größter Trag­weite, und es wäre sehr verkehrt, ihn von unse­rem Standpunkt aus mit dem Mißtrauen an- jusehen, das den so häufig vorgebrachten Phra- p von Humanität und Gerechtigkeit gegen­über allerdings berechtigt war.

Das Abkommen bedeutet, wenn es dem Vor- Nag ungefähr entsprechend zustande kommt, $*M^^ englischen Vorherrschaft zur See ein Gleichge- chÄt zur See treten soll. Das ist für das bri- iifche Weltreich eine so" gewaltige Veränderung, daß sie als ein Wendepunkt in seiner Geschichte angesehen werden muß. Daß andere Seemächte jetzt auf solcher Basis mit England verhandeln können, darf als ein erfolg unserer Seekriegs- führung angesehen werden, wodurch die Hohl- bsit des auf die Unüberwindlickkeit der eng- lii^èn Flotte gestellten Macktanspruches offen­bar wurde. Durch Prüfung des amerikanischen Vorschlags auf seine strategische Bedeutung hin wird man die Wirkung der Einschränkung im Bau der Großkampfschrffe und ihre Festlegung auf bestimmte Zahlen erkennen können.

Es sind, soweit aus den Preßnachrichten bisher ersichtlich, vorgesehen für Großbritan­nien 22, für Amerika 18, für Japan 10 Grotz- ^pfschiffe. Das Stärkeverhältnis der aus Großkampffchiffen bestehenden Hauptmacht ist zwischen England und Amerika also 22 zu 18

11 zu 9. Zum Vergleich diene, daß in der Äagerrakschlacht, der einzigen Gelegenheit, Er- sahrungen über den modernen Flottenkampf zu Zswinnen, das Verhältnis der beteiligten Großkampfschiffe wie 45 zu 27, gleich 15 zu 9 gewesen ist, und trotz dieser Ueberiegenheit der englischen Motte kein Erfolg erzielt wurde, sie vielmehr mit weit größeren Verlusten, als dem Gegner beigebracht waren, nach ihren Stütz­punkten an der englischen Küste abzog. Ein vtärkeverhältnis von 11 zu 9 ergibt anähernd gleiche Chancen für beide Flotten, wenn sie sich, gleich weit von den beiderseitigen Küsten ent- sirnt, auf der Mitte des Atlantischen Ozeans schlagen würden. Ein solcher Fall ist nur theo­retisch denkbar, in Wirklichkeit wohl ausge­schlossen, denn er setzt voraus, daß die strate- giscke Absicht beider Flotten die gleiche sei, oämlich offensiv vorzugehen. Die Entscheidung Mt dann bei dem inneren Wert der Flotte: Führung, Schießkunst, Geist der Besatzungen, Güte der Schiffe.

Der wahrscheinliche strategische Fall ist der, baß eine Partei offensiv vorgeht, die sich nach Zahl und Güte starker fühlt, die andre, eines «ngriffs gewärtig, sich den Vorteil der Nähe ber heimischen Küste mit all ihren Hilfsmitteln, Aie z. B. Nachrichtendienst, Dockgelegenheit, Brennstoff-Ergänzung, Küsten-Verteidigungs- wittel, U-Boot- und Minenverwendung, sichern will. Diese Vorteile sind so erheblich, namentlich wenn der Angreifer eine weite Seestrecke zu- chckzulegen hat, wie es beim Atlantik der Fall wäre, wo die beiden Parteien durch einen sechsmal fv breiten Seeraum voneinander ge= tonnt find wie Deutschland und England durch b>e Nordsee, daß ein Angreifer, dem keine größere Ueberiegenheit zur Verfügung steht als 11 zu 9, überhaupt nichts ausrichten wird, es !fi denn, daß er sich in seinem Können gewaltig überlegen fühlte. Tritt der Fall ein, daß aus WM Ueberlegung heraus beide Parteien es

ten jedem beliebigen Dritten wirkungsvoll ent­gegentreten können. Voraussetzung für die Richtigkeit der Folgerungen aus diesen kurzen strategischen Erwägungen ist natürlich die, daß Kombinationen zweier Flotten gegen eine dritte nicht stattfinden können, und geheime Verpflichtungen zu Bündnissen in solcher Ab­sicht nicht eingegangen werden dürfen. Wie weit Verträge den wechselnden Bedürfnissen in der Entwicklung der Völker Einhalt gebieten können, hat die Geschichte genugsam erwiesen. Deshalb kann der amerikanische Plan, so schätz­bar er auch erscheint, um die Seekriegsgefahr zu beschränken, noch nicht als die endgültige Lösung angesehen werden, dem Weltfrieden näher zu kommen.

Frankreichs Flottenprogramm.

Paris, 23. Novbr. Nach einer Havasmeldung aus Washington ist das Flottenprogramm, das von Frankreich vertreten werden soll, von den Blättern wie folgt gekennzeichnet. Frankreich verlange die gleiche Tonnage an großen mo­dernen Einheiten wie Japan, nämlich 300 000 Tonnen und eben so viele U-Boote wie Eng­land. Aus den eingezogenen Erkundigungen gehe hervor, daß die französische Delegation sich bemühen werde, die Annahme des franzö­sischen Programms von 1922 als Grundlage für die Einschränkung der französischen Flotte zu erreichen. Dieses Pro­gramm hätte seine Verwirklichung gefunden, wenn der Krieg nicht eingetreten wäre. Die französche Regierung werde zum allerminde­sten verlangen, daß die Flottenstärke Frank­reichs auf der Grundlage von 1914 b e- ziffert werde. Hinsichtlich der großen modernen Einheiten sei Frankreich zu ernst­lichen Konzessionen im Sinne des Hughes'schen Planes bereit, denn sein Wunsch richte sich vor allem auf eine Defensivflotte. Es werde infolge- dessen freie Hand o^Waen^lue ä&mwcw M ihm zugestanden werde, auch in U-Booten und leichten Kreuzern anzulegen.

Paris, 23. Novbr. Nach dem Washingtoner Sonderberichterstatter desNewyork Herald" veranlaßte der Umstand, daß Frankreich hart­näckig auf dem Bau einer großen Flotte be­steht, zusammen mit der unveränderten Hal­tung der Japaner den Sachverständigenaus­schuß die Arbeiten zu beenden. Die größeren Fragen werden von den Führern der verschie­denen Delegationen weiter bearbeitet. Man er­fahre jetzt, daß Italien sich den französischen Forderungen anschließen und eine ebenso große Flotte wie die französische und die japanische verlangen werde.

Briand denkt nicht an eine Rüstungsein- schränkung.

Washington, 22. Rovbr (Havas). Der Sonderberichterstatter der Havasagenlur mel­det: Die Delegationen der fünf Großmächte haben heute vormittag die Frage der Ab­rüstung 3 u Lande einer Prüfung unter­zogen. Dabei zeigte sich das Bestreben, eine Diskussion über die Einzelheiten zu beginnen. Briand sprach sich entschieden dagegen aus und erklärte, daß Frankreich wegen dèr unbe­streitbaren Gefahren, die es bedrohten, sein Heer nicht vermindern könne und daß eine Einschränkung der Rüstungen unmöglich sei mangels einer von den ande­ren Brächten geleisteten Bürgschaft für seine Sicherheit. Die Frage wurde schließlich einer Rschkskommission, die aus den Führern der Delegationen der Großmächte besteht, über­wiesen, welche einen Bericht verfassen soll.

Die Delegationen der fünf Großmächte haben ferner beschlossen, drei Unterkommissio- nen zu ernennen, die die besonderen Punkte zu prüfen habe bezüglich derKontrolleder neuen Kriegsmethoden. Die erste Unterkommission soll sich mit der Luft­schiffahrt befassen, die zweite mit den Gasen und Gasgeschosien. Die dritte Unterkommission 'soll auf Antrag Root die zu schaffenden Mittel prüfen, um die Grundsätze des Völker­rechts, die auf den Krieg anzuwenden seien, aufzustellen

Die Rechtskommission soll heute nachmittag nach Beendigung der Sitzung der Kommission für den fernen Östen zusammentreten.

Ein Ersatz zur Bekämpfung des Wuchers.

Der preußische Minister des Innern Seve­ring hat an die Regierungspräsidenten und an den Polizeipräsidenten von Berlin einen Er- gerichtet, in dem er es als Pflicht der Po- 'Zei bezeichnet, der weiteren wucherischen Aus­beutung der Bevölkerung entgegenzutreten und die schamlosen Du derer und Schieber aus

vorziehen, ihre Hauptflotte zurückzuhalten, so muß die Seekriegsführung zu andern Hilfs­mitteln greifen, wie es auch im Weltkrieg der Fall war. Kreuzer und U-Boote treten in den Vordergrund.

Man kommt zu dem Schluß: Ueber große Entfernungen hin können Großkampfschiffe nickt bekämpfen, seien es 40 gegen 40 oder 10 gegen 10. Darin liegt der praktische Gedanke des amerikanischen Vorschlags: Der Angriff wird unmöglich gemacht, wenn das Stärke­verhältnis annähernd gleich ist, und deshalb ist es unnötig, die Ausgaben bei den ungeheuren Kosten eines einzelnen Schiffes jetzt etwa 10 Millionen Pfund Sterling noch zu stei­gern, indem man viele dieser problematischen Einheiten anschafft.

Für die beiden Hauptseemächte am Atlantik scheidet gegenseitige Angriffsmöglichkeit durch Großkampfschiffe aus. Wie steht es dagegen im Var-lecken Ozean, wo das Stärkeverhältnis Amerikas zu Japan wie 18 zu 10 ist? Das be­deutet, daß eins japanische Flottenoperation gegen die amerikanische Küste ausgeschlossen erscheint. Die Entfernungen sind dort noch viel bedeutender. So z. B. liegen die Philippinen von der Mitte der japanischen Inseln rund 1000 Seemeilen ab, die nächste amerikanische Flottenstation im Stillen Ozean, Hawai, ist von den wbisippirten um das Viereinhalbfache (4500 Seemeilen) entfernt, während sie von der amerikanischen Westküste sogar um 7000 See­meilen abliegen; Truppentransporte brauchten von Formosa, den Japanern gehörig, nur über 300 Seemeilen verschifft zu werden. Somit liegt in den Philippinen eine Schwäche der strategischen Position für Amerika. Ein ameri­kanischer Angriff auf die japanischen Haupt­inseln wäre, solange auf den Philippinen kein sehr leistungsfähiger Stutzpunkt für eine große Flotte eingerichtet ist, ebenfalls wenig aus- chtsvoll, da die Strecken noch weiter sind als f^sthwierigsrrverden Mttfuhrung "" teurer Fahrzeuge (Torpedoboote) zur U-Bootsicherung und Beteiligung an dem bevorstehsmden Flot­tenkampf, die Srenn^fergeugüng, die Rege­lung des Nachschubs und der Schutz des Trosses gegen U-Bootgesahr. Die Einrichtung eines großen Stützpunktes auf den Philippinen würde eine starke Bedrohung Japans dar­stellen, während ohne einen solchen die Ueber- legenheit der amerikanischen Flotte als ange­messen gelten kann, um das Gleichgewicht zur See zwischen beiden Flotten so auszugleichen, daß keine der beiden Rüstungen den Charakter der Herausforderung trägt. Die Lage der ja­panischen Inseln vor dem chinesischen Hinter­land, aus dem sie lebenswichtige Zufuhr an Kohlen, Eisen und Lebensmitteln brauchen, ist von dem südwestlichen Eckpfeiler Formosa bis hinaus zu den Kurilen zur Verteidiguna be­sonders günstig. Durch diese Schranke in das dahinterliegende Meeresgebiet einzudringen, um die rückwärtigen Verbindungen Japans abzuf^neiden und die Insel wirksam zu blockieren, würde angesichts der für die Ver­teidigung noch hinzukommenden Untersee­kriegsmittel ebenso schwierig sein, wie es den Engländern erschien, in die Ostsee einzudxingen ohne vorher die deutsche Flotte vernichtet zu haben. Und die japanische Flotte ist bei der oor- geschlagenen Normierung auch in derselben Lage wie die deutsche, einer etwaigen Heraus­forderung unter günstigen Verhaltn. ^en ent­gegenzutreten und sie deshalb nicht scheuen zu brauchen.

Eine Vermehrung der japanischen Flotte, um ihr Stärkeverhältnis dem der beiden an­dere Hauptflotten zu nähern, würde Amerika benachteiligen, dessen Handelsbeziehungen nach China sowie der Besitz der Philippinen einen weiter reichenden, also stärkeren Schutz erfor­dern, als es Japan zur Wahrung feiner In­teressen nötig hat. Esne Vermehrung der japanischen Flotte würde automatisch das Ver­hältnis der Flottenstärken Amerikas und Eng­lands mit beeinflussen.

Die strategische Lage zur See von England und Japan baut sich auf ähnlichen Erwägun­gen auf wie zwischen Japan und Amerika. Das englische Mutterland liegt noch weiter zurück, seine gesamte Flottenstärke von 22 Schiffen gegen die 10 von Japan ansetzen zu können, ist bei der weiten Verzweigung der englischen Seeinteressen unwahrscheinlich, also sind auch hier die Angriffschancen für beide Teile gering. Man könnte einwenden, wenn den Schlacht­flotten die Angriffsmöglichkeit, genommen wird, so wäre es richtiger, auch die Kosten für die eingeschränkte Zahl zu vermeiden und sie ganz abzuschaffen.

Ohne Machtmittel lassen sich Abkommen auf die Dauer nicht halten. Jetzt wird die Ge­währ dadurch geboten, daß zwei der beteiligten Hauptseemächtè durch Vereinigung ihrer Mot­

den Kreisen der reellen Erzeuger und Händler zu entfernen. Der Erlaß regelt die Art, in der die Beamten der Schutzpolizei zur Duckerbe- kämpfung herangezogen werden können. Bei Ermittelungen in Ladengeschäften sollen die Be­amten möglichst unauffällig einschreiten, dabei aber mit der nötigen Bestimmtheit vorgehen. In Zweifelsfällen soll eine gründliche Geschäfts­revision durch berufene Kräfte unter Hinzu­ziehung von Vertrauensleuten aus den Kreisen des reellen Handels erfolgen. Falls die Ein­kaufspreise der Kleinhändler in ihrer ^ohe zu Bedenken Veranlassung geben, sind die (Er­mittelungen nicht nur gegen diese, sondern auch gegen die Vorbesiher der Waren wie auch aus die Erzeuger oder Importeure zu erstrecken. Bei diesen Ermittelungen ist auch auf den Gesichtspunkt der Zurückhaltung der Waren in der Absicht der Erlangung eines übermäßi­gen Gewinnes zu achten. In solchenfällen ist die Beschlagnahme der noch am Lager befind­lichen Vorräte rücksichtslos durchzuführen und der allgemeinen Verwendung zuzuführen. Die Wucherbskämpfung soll auch in den Klein­städten sowie auf dem Lande durchgeführt wer­den. Anderseits ist Akten von Selbsthilfe der Verbraucher und gegebenenfalls VlündcrunM» von Geschäften mit Nachdruck entgegenzu treten.

Die Forderungen der Gewerkschaften.

Berlin, 24. Novbr. Der Allgemeine deutsche Gewerkschaftsbund, der Afabund und die Ver­treter der beiden sozialistischen Parteien haben gestern vormittag in einer gemeinsamen Sitzung sich über die bekannten zehn Punkte des Allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes ausgesprochen. Einige Kommunisten, die gleich­falls zu der Sitzung erschienen waren, wurden nicht zugelassen, nachdem sich sowohl die Sozialdemokraten wie auch die Vertreter der beiden gewerkschaftlichen Organisationen aus »vâukMWMLâu gegen eine Verhandlung mit den Kommunisten ausgesprochen hatten. Reichstagsabgeordneter Hermann Mül - l e r führte in der Sitzung aus, man müsse den Gewerkschaften dankbar sein, daß sie als Gegen­gewicht gegen die Industrie sofort den Stand­punkt der Arbeiter dem Reichskanzler gegen­über betont hätten. Er wies auf die großen Schwierigkeiten hin, mit dem industriellen Flügel des Zentrums, dem die Herren ten Hompel, Klöckner usw. angehörten, in Fragen der Sozialisierurm und ähnlichen Angelegen­heiten zu einer Einigung zu gelangen. Ihm scheine die Auflösung des Reichstags als Folge der Meinungsverschiedenheiten in der Steuerpolitik über die eine Einigung unter dem gegenwärtigen Ministerium ausgeschlossen zu sein scheine, sehr wahrscheinlich. Ein Minssterium der Rechten nach dem Kabinett Wirth werde sich kaum halten können. Der Appell an die Wähler sei wahrscheinlich in Kürze zu erwarten. Die Aussprache ergab, daß sich die beiden sozialistischen Parteien im großen und ganzen auf den Boden des Steuer- programmes der gewerkschaftlichen Spitzenor­ganisationen stellten und daß sie versprachen, in diesem Sinne bei der Beratung des Steuer­programmes im Reichstag zu wirken.

Ein Berriebsrökekongretz.

Die Großberliner Betriebsräte sind gestern auf Veranlassung der in Berlin weilenden Ve- triebsdelcgierten aus dem Reich zusammenge­kommen. Ein Versuch der Kommunisten, die Berliner Arbeiterschaft für eine Aktion zu ge­winnen, schlug fehl. Es wurde eine Resolution angenommen, nach der der Allgemeine deusscke Gewerkschaftsbund und die Afa aufgefordert werden, innerhalb von 14 Tagen einen allge­meinen Betriebsrätekongreß nach Berlin einzu­berufen. Dieser 5kongreß soll sich u. a. befassen mit der Erreichung einer Amnestie für die politischen Gefangenen, der Durchführung der Forderungen des Allge­meinen deutschen Gewerkschaftsbundes zum Steuerprogramm und der Sicherstellung der Volksernährung durch Erfassung der Lebens­mittel durch die Organisationen der Gewerk­schaften, der Betriebsräte usw. Wenn der Ge­werkschaftsbund in 14 Tagen keinen Kongreß einberufen sollte, so werden die in Beilin ver­sammelten Betriebsräte selbst einen Aufruf zu dem Kongreß erlassen.

kein Generalstreik in Mitteldeutschland.

Nach einer Meldung derFreiheit" an- Halle hat das dortige Gewerkschaftskartell be­schlossen, daß eine Generalstreiksparole, die nur die Verausgabe der politischen Gefangenen ordert, nicht zugkräftig genug ist, um die brat­en Massen zur Niederlaguno der Arbeit M gewinnen.