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SanauerS Anzeiger

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Nr. 274 Mittwoch den 23. November 1921

Das Neueste.

Reichskanzler Dr. Wirth sprach gestern m Steuerausschuß über die Kreditaktion.

Im Preußenparlament wurden gestern die Lärmszenen fortgesetzt.

Der in Halle proklamierte Genev'^reik für die Freilassung der Lichtenburger Gefange­nen scheint zu Wasser geworden zu sein. In allen Betrieben wird gearbeitet.

Die Arbeiterschaft der Metallindustrie in der Altmark ist wegen Lohnstreitigkeiten in den Streik getreten. Von dem Streik werden Amtliche Maschinenfabriken und Eisenwerke be­troffen.

In den Badischen Anilinwerken bei Lud­wigshafen ereignete sich gestern eine neue Ex­plosion. Zwei Arbeiter sind tot, weitere sind mehr oder weniger schwer verletzt worden.

Auch Aegypten.

Das britische Imperium hat, wenn es auch illes in allem aus dem Weltkrieg gestärkt her- porgegangen zu sein schien, doch manche schwache Seite aufzuweisen, von denen zur Zeit drei besonders in die Augen fallen: Irland, Indien und nicht zuletzt Aegypten, jene Stelle, wo nach einem alten Wort das Weltreich feine Wespentaille hat. In der irischen Frage wird zwar, noch immer verhandelt, aber die Aussich- kn auf ein glückliches Ende find angesichts der Unzufriedenheit der Sinnfeiner mit der den ören eingeräumten Autonomie und der Oppo­sition. von Ulster äußerst gering, und in Lon­don rechnet man sichtlich mit der Möglichkeit des Scheiterns, wie man sich ja auch bereits auf die Ausschreibung von Neuwahlen vorbereitet. ti^Äf^b^ toen Vorbehalte militarisier und maritimer Wservanz so viel Haken auf, daß De Valero rund heraus erklärt hat, diese Autonomie sei für die Iren unannehmbar.

Das ägyptische Problem hat man nach ähnlichen Rezepten lösen wollen, wobei man jedoch die Vorbehalte und Einschränkungen noch wesentlich verstärkte. Die Verhandlungen, welche seit zwei Jahren zwischen dem britischen Auswärtigen Amt und der ägyptischen Dele­gation geführt wurden, sollten nach Meldungen, die vor 2 Wochen von den Londoner Blättern gebracht wurden, zu einem befriedigenden Ab- Muß geführt haben. Es zeigt sich jetzt, daß man in London zu früh triumphierte, denn das Reuterbüro muß wehmütig bekennen, daß die Besprechungen zwischen dem Foreign Office und der von Adly Pascha geführten Delegation a b - gebrochen worden sind.

Von englischer Seite hat man das den ^yptern gewährte Zugeständnis als B e - !eitigung des britischen Protek- i o r a t s und seinen Ersatz durch einen B ü n d- ^is zu stand bezeichnet. Der Zustand dieses Bündnisses verdient aber die Kritik, mit der rmst Karl Peters das Verhältnis zwischen Eng­land und Aegypten bedacht hat:Genossenschaft der Löwen und des Esels". Von britischer Seite lüpfte man nämlich en dieses sog. Bündnis Zwei Bedingungen von durchaus kautfchukar- ügem Charakter,

1. die Sicherheit der Verbindungen und

2. der Schutz der Fremden in Aegypten.

Was Punkt 1 betrifft, so sollen zurSiche- wng des Suezkanals" im Innern des Landes, vor allem in Alexano rien und Kairo, englische Garnisonen bleiben. Punkt 2 dient zur Begrün- duna dieseshier bin ich, hier bleib ich". Man webt wieder einmal den Schutz der Fremden obwohl offenbar schon in Anbetracht der internationalen Schwierigkeiten garnicht an eme Aufhebung der Kapitulation gèdacht wird. . Der Sinn dieses Bündnisses ist eben der, ?tto England, welches Aegypten nach dem Auf­tand Arabi Paschas im Jahre 1882, also vor ?ernahe vier Iab^hnten,vorübergehend" be- lebte, nicht daran denkt, es zu räumen, was nebenbei bemerkt in Frankreich sehr schmerzlich berührt, wo man ja alte Ambitionen inbezug auf das Land der Pyramiden hegt. Seit der vrrßglückten Erhebung Arabi Paschas haben die "Usstände sich in gemessenen Zwischenräumen wiederholt und neuerdings hat das Erwachen »es Mo ^ammedanismus auch eine Erb - ch a f t d e s Weltkrieges! die Situa« uon für England wesentlich verschlimmert. Die «MKemalPascha entfachte Bewegung, die

Zentrum in Angora hat, erstreckt ihre '^aden einmal nach Indien und des weiteren nach Aegypten. Auch hier liegen die Zusammen- yange klar zu Tage. Indische Truppen haben un Weltkrieg das britische Imperium im Lande Oer Pharaonen schützen müssen, aber sie haben ?ortaufklärend" gewirkt. Und die Front der tsiamitlschen Bewegung.hat sich seitdem außer­

ordentlich ausgedehnt: die grüne Fahne des Propheten weht in der Türkei wie in Indien und Aegypten und Indien.

Im letzteren Lande hat man der nach irischem Muster organisierten Homerule-Bewegung durch gewisse Zugeständnisse (Wahlen zu einer gesetzgebenden Versammlung usw.) zu begegnen gesucht; aber die von britischer Seite verbreite­ten Nachrichten über die Pazifizierung Indiens haben sich als eitel Humbug erwiesen, und die jetzt anläßlich der Ankunft des Prinzen von Wales in Bombay ausgebrochenen Unruhen haben zweifellos einen sehr ernsten Charakter. In Indien wie in Aegypten spielen bei der Los- von England-Bewegung b o l s ch e w i st i s ch e Strömungen mit, wie ja die Sendboten der Sowjetrepublik längst Fühlung mit dem Mohammedanismus genommen haben. Wenn das britische Imperium zur Zeit stark genug ist, der Homerule-Bewegung in Jndieen wie in Aegvvten militärisch noch Widerstand entgegen­zusetzen, so bedeutet doch das Schitern der Ver­handlungen mit Aegypten eine Ermutigung der Inder wie der Iren, und dieser revolutionäre Dreiklang stellt immerhin eine ernste Sorge für die englische Politik dar, bindet ihr besonders auch bei den jetzigen Verhandlungen in Wa - shingtonin weitgehendem Maße die Hände.

Pvltlik und Teuerung.

Die kommunistischen Hungerstreiks.

Berlin, 22. Novbr. Wie der amtliche preu­ßische Pressedienst mitteilt, befinden sich zur Zeit in T o r g a u nur noch 13 und in Lich­te n b u r g nur noch 11 Gefangene im Hunger­streik. eine Verschlimmerung des Befindens ist nicht eingetreten. In Wittenberg begannen ^^^myito|i^Sefßnaemi^n3iebei^ni^er Nahrungsaufnahrne.

Berlin. 23. Novbr. Nach einer Mitteilung derRoten Fahne" traten in der Strafanstalt Tegel bei Berlin über 100 politische Ge­fangene in den Hungerstreik. Auch die politi­schen Gefangenen der Strafanstalt N a u g a r d verweigerten die Nahrungsaufnahme. Hier­zu meldet derLokalanz.", daß es sich in Tegel nicht um 100 Hunkerstreiker handelt, sondern nur um 6 von einer Belegschaft von 1500.

Wie der Hungerstreik durchgeführt wurde.

Berlin. 23. Novbr. Die Abordnung des Reichstages, die die Zustände in Lichtenburg untersuchen sollte, hat dort feststellen können, daß, wenn auch nicht alle, so doch die meisten der Hungernden die Aufnahme von Nahrung nur aus dem Grunde verweigern konnten, wen sie sich von Paketen mit Nahrungsmitteln, die sie von außerhalb in der letzten Zeit erhielten, nähren konnten. Da jedoch einer der Gründe der Sträflinge für ihren Hungerstreik ausge­rechnet die Notlage ihrer Angehörigen war, so ist nicht anzunehmen, daß die Pakete, die sie vielfach erhielten, von ihren Angehörigen stammten, sondern, wie jetzt auch festgestellt werden konnte, daß die Pakete aus den gleichen Kreisen gekommen sind, die die Aktion in Szene gesetzt haben, und die sie hinterher für politische Zwecke ausbeuten wollten. Scharf und entschei­dend charakterisiert wird die Situation da­durch, daß sich die ü berwiegende Mehr - zahl derheroischen Toren einem harten Terror fügen mußte. Es war z. B. nicht gestattet, sich dem Arzt anziwer- trauen oder mit einem Wärter zu sprechen. Wen dieser Verdacht der Beeinflussung traf, erwar­teten schwere Prügelstrafen durch dre Mtthun- gernden.

Das Ergebnis des Reichstagsausschuß.

Berlin, 23. Novbr. Der durch den Reichs­tagbeschluß vom 19. November 1921 eingesetzte Untersuchungsausschuß zur Prüfung der Zu­stände in den Strafanstalten gezeichnet: Brod­auf (Dem.), Bruhn (Dntl.) Dr. Grotjahn (Soz.) Dr. Herzfeld (Kom.), Derek (Dvpt.), von Reh­binder (Ztr.), Rippler (Dvpt.) und Dr. Risen- feld (U. S.) stellt als Ergebnis bei der Unter­suchung an der Strafanstalt Lichtenburg fest:

Von keinem Gefangenen sind Klagen über die Anstaltsverwaltung oder schlechte Behand­lung durch das Anstaltspersonal oder über die Verpflegung und Unterbringung geäußert worden. Die danach Befragten erklärten, daß der Hungerstreik sich nur gegen das gefällte Urteil richtet, dem sie die Erklärung Freiheit oder Tod entgegensetzten, und gegen die Not, die ihre Familien leiden. Wenn auch manche von den Nahrungsverweigernden blaß und geschwächt aussahen, und einige Störungen der Magen- und Darmfunktion, sowie der Herz­tätigkeit aufwiesen, so bestand doch nach An­sicht des ärztlichen Mitgliedes des Unter­suchungsausschusses eine ernstliche Lebensgefahr für keinen. Der abends vorher erfolgte Abtrans­port der nach Torgau verlegten 31 Gefange­nen, sowie die Verlegung der übrigen in das

Lazarett und die Aufenthaltsräume für 2 und 3 Gefangene in Lichtenburg hat nach Angabe der Anstaltsbeamten ohne jede Gewaltanwen­dung und mit größter Schonung sich vollzogen. Am Tage des Besuches hatte bereits ein er­heblicher Teil den Hungerstreik aufgegeben.

(Das Bemerkenswerteste an diesem Bericht ist, daß dieRote Fahne" von einem ihrer eigenen Partei­genossen aufs schwerste desavouiert wird. Mit keinem Wort ist in dem Bericht, der auch von dem Kommu­nisten Herzfeld mit unterzeichnet ist, von dem Todeskampf" der Gefangenen die Rede, den die Rote Fahne" in sensationeller Aufmachung zu schil- der» wußte. D. Red.)

Die gesamte Arbeiterschaft soll zum Kampfe aufgerufen werden.

Berlin, 23. Novbr. Die in Berlin an- wesenden Arbeiterdeleaakionen. die bei dem Reichssustizminister Radbruch wegen der Frei­lassuna der politischen Gefangenen vorstellig ge­worden sind, haben sich noch derRoten Fahne" als provisorische Körperschaft konstituiert,' um die gesamte deutsche Arbeiterschaft zum Kampfe aeoen das herrschende politische System aufzurufen. Die Konferenz beschloß, mit den sozialdemokratischen Parteien und dem allgemeinen deutschen Gewerksckaflsbund in Verbindung zu treten. Ferner sollen die Ber­liner Betriebsräte zu einer Konferenz zusam- menberufen werden, in der von der Delegation beantragt werden soll, einen allgemeinen deut­schen Betriebsrätekongreß oder einen Kongreß von Betriebsvertretunoen aus dem ganzen Reiche und sämtlicher Arbeiterparteien und Ge­werkschaften in kürzester Frist nach Berlln ein- zuberufen.

(Daß diegesamte" deutsche Arbeiterschast diesen Dr"l'tzièhern nicht Folge leisten wird, geht schon daraus hervor, daß z. B. in Halle die Betriebsvertrauensleute der S. P. D. ein­stimmig eine Entschließung angenommen haben, l^^tohjtj|^^yäitiajM^Hi»nvfö»nernIftreif^ns qâr die Beteiligung an einer Abstimmung da­rüber mit Entschiedenheit ablèhnt.)

Weitere Plünderungen.

Berlin, 22. Novbr. Die Plünderungen, die gestern wiederum in Berlin verübt wurden, veranlaßten den preußischen Minister des In­nern und den Polizeipräsidenten die Alarm- b e r e i t s ch oft der Schutzpolizei zu verstärken. Sämtliche Beamte sind stets in Be­reitschaft, um auf telephonische Weisung hin bei Plünderungen sofort einzugreifen. Neben dieser Bereitschaft ist ein verstärkter Straßen­patrouillendienst eingerichtet, der von mit Ka­rabinern ausgerüsteten Beamten ausgeübt wird.

Berlin, 22. Novbr. Heute vormittag wurde ein Zug von rund 300 Erwerbslosen, die un­verkennbar neue Plünderungen beabsichtigten, von der Polizei zerstreut. Ebenso erging es in Pankow 200 Personen, die vergebens in das dortige Rathaus einzudringett versuchten und mit Gewalt Geldunterstützung holen wollten, um dafür Lebensmittel zu kaufen.

Berlin, 22. Novbr. Infolge der polizeilichen Sicherheitsmaßnahmen kam es heute nur ver­einzelt zu Plünderungen. Die Demonstrations­züge der Erwerbslosen am Wörtherplatz, vor dem Rathause in Neukölln und auf dem Wege nach Weißensee wurden zerstreut. In einer Bäckerei in Weißensee erzwangen die Demon­stranten die Auslieferung der Backwaren: eine andere Bäckerei wurde ausgeplündert. Nach einem weiteren Telegramm wurde in Weißen­see eine Großschlächterei vollständig ausgeraubt. 40 Plünderer wurden von der Polizei ver­haftet.

Umbau der Prisprüfvngskommissionen.

Berlin, 23. Novbr. Wie dasBerl. Tagbl." mitteilt, wurde gestern sowohl im Reichswirt­schaftsministerium wie auch in der Reichs­kanzlei die durch die Teuerung und die Plün­derungen von Geschäftsläden in Berlin ent­standene Lage besprochen. An den Beratungen nahmen der Reichskanzler, der Reichsminister des Innern Dr. Köster, der Reichswirtschafts­minister Schmidt und der Reichsjustizminister Radbruch teil. Von den preußischen Staats- ministern waren erschienen: Ministerpräsident Braun und der Minister des Innern Severing. Das Reichskabinett wird, dem Blatt zufolge, vermutlich jetzt auf Grund der gestrigen Infor­mationen die zu ergreifenden Maßnahmen geaen den Wucher erwägen. Nach Informatio­nen des Blattes soll ein U m b a u der bestehen­den Preisprüfungskommissionen beabsichtigt sein. Sie sollen durch Institutionen abgelöst werden, in denen den Konsumenten eine stärkere Mitwirkung gesichert wird als bis- )er. Auch sollen diese Institutionen im Zu- ammenhang mit den Polizeiorganen größere kxekutivmöglichkeiten verliehen erhalten, damit ie bei Fällen von wucherischen Preistreibereien ofort einschreiten sonnen»

Dr. Wirth über die Reparationsfrage

Im Steuerausschuß des Reichstages be­richtete gestern der Reichskanzler über die Re­parationsfrage und führte aus:

Die Reparationskommission kam ausschließ­lich nach Berlin, um die Sicherheiten für die Goldzahlungen vom Januar und Februar fest­zustellen. Alle diejenigen, dazu zählen auch wir, die meinten, daß das große Problem der Re­paration welches das Weltwirtfchastsproblem ist, erörtert werden müßte, sind enttäuscht. Auch über ein Moratorium zu verhandeln, lehnte die Reparationskommission ab und zwar auch über die Frage eines bedingten SKoratorb um, wenn die Januar- und Februarzahlungen geleistet wären. Ueber alle diese große Fragen wurde nicht verhandelt. Die Reparationskom­mission verfolgte mit außerordentlicher Auf­merksamkeit die Kreditaktion der deutschen In­dustrie. Sie wünschte wiederholt Definitives darüber zu erfahren. Die Erklärung, daß eine positive Aeßerung noch nicht gegeben werden könnte, wirkte auf die Reparationskommission enttäuschend. Der Reichskanzler wies auf die überaus große Tragweite hin, welche die Re parationskown'i'N-'n der Aktion der deutschen Industrie beilege. Er erwähnte die von der In­dustrie gestellten Bedingungen, wozu die Re­gierung in wenigen Tagen Stellung zu nehmen gedenke, Es sei unmöglich, die Bedingungen Mit der Bemerkung abzutun, sie seien politische Unmöglichkeiten. Die Regierung werde positive Maßnahmen mitteilen, am liebsten in einer Plenarsitzung des Reichstages. Die Regierung habe auch die Kreditaktion nach zwei Seiten gefördert: nämlich durch ihre Bereitwilligkeit gewisse Bürgschaften zu übernehmen und durch die Sondierung des Geldmarktes bezüglich eines .chuairürwwr K^Mie-. DièlL Schritte ieien_m ch nicht abgeschlossen. Die 'Kreditäktion werde durch die Betonung und die Vertiefung der Be dingungen, die die Industrie stellte, nicht er leichtert. Die Regierung stelle das Positivs, nämlich das Rsparatiostsproblem. in den Vor­dergrund. Die Kreditfrage fei verknüpft mit dem Ausgange der Washingtoner Konferenz. Es handle sich darum, daß die freien Gelder aus dem Weltmärkte nicht in den großen Abgrund des Wettrüstens hineinrutschten. Weiter er­klärte der Reichskanzler, daß,er aber der Kre­ditaktion auf lange Sicht mit gewisser Zuver­sicht entgegensehe. Falls in Washington eine Klärung möglich sei, sei die Regierung bereit, auch einen Mittelweg zu gehen zwischen lang­fristigen und kurzfristigen Krediten. In Frage komme, daß die Industrie vielleicht unter gleich­zeitiger Förderung der Kreditaktion auf lange Sicht einen Vorschuß erhalten könne> der zur Abdeckung der Januar- und Februarverpflich­tungen herangezogen werden könnte. Der Reichskanzler rechtfertigte "?sf daß die Regie­rung in der Vergangenheit einen kurzfristigen Kredit von 270 Millionen ausgenommen habe. Gerade diese Aktion habe die ErkenMnis der weltwirtschaftlichen Folgen vertieft. Für die Zukunft fei dieser Weg der kurzfristigen Kre­dite nach der eingetretenen großen Katastrophe für die deutsche Mark jetzt nicht mehr möglich. Wenn wir Kredit zur Zahlung der Januar- und Februarrate, falls sic in Gold gezahlt werden müßte, mit einer Rückzahlungsfrist von nur zwei bis drei Monaten aufnehmen müßten, wäre das für unsere Wärung absolut ruinös. Die Erkenntnis, daß ein solcher Kredit nichts bedeute, sondern im Gegenteil nur Ruin schaffe, sei av* bei der Reparationskommission vor­herrschend. Der Reichskanzler erklärte, er sehe den Entscheidungen und Besvreckmngen mit großer Spannung entgegen und er wolle die Kreditaktion mit der Industrie gemeinschaftlich führen. Er sei Nicht in der Lage, das Problem der Kreditaktton mit den übrigen der Industrie gestellten Fragen in Verbindung zu bringen. Die Reichsregierung werde ihren Weg "eben, auch wenn die Industrie nicht folgen sollte. Die Regierung nehme aber an, daß die Industrie neben ihr marschieren werde auf dem Wege zu einem Kredit, wenn auch nicht auf lange Si$i so doch zu solchen Bedingungen, die nach menschlicher Voraussicht eine ökonomische Grundlage haben. Die Regierung werde daMr die Polittk fortsetzen, die sie bisher betrieb.

Streif der Kartoffelgroßhändler in Pom« ment. DerLokalanz." meldet aus Stettin: Die Drohung der Kartoffelgroßhandelsver­bände, bei Fortdauer der Beschlagnahme und der Einleitung von Strafverfahren gegen den legitimen Kartottelgroßhandel die Verladung von Kartoffeln einzustellen, ist heute zur Durch­führung gekommen. Seit gestern wurden fast in ^gauz Pommern keine Kartoffeln mehr verlade«