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Hanauer« Anzeiger

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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Lamm

Erscheint täglich Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Str. 270

Freilag den 18. November

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Verlaasleitung: Ad. Zndermübl«.

Verantwortlich: für politischen und allgemeine« Teil Richard Hultsch: für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt, alle in Hanau a. Main. Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Hancm.

Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

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1921

Das Neueste.

; In der gestrigen Sitzung des preußischen Landtags wurde dem Kabinett Braun das Ver­trauensvotum ausgesprochen. Es wurden 297 Stimmen abgegeben, 198 für ja und 99 für nein. Die Minderheit fetzte sich aus den Deutsch­nationalen, Kommunisten und Unabhängigen zusammen.

die offiziellen Verhandlungen der Repa- rationskommifsion mit der deutschen Regierung haben gestern begonnen. Es heißt, daß die Kommission nicht abgeneigt sei, Deutschland ein Moratorium zu gewähren.

Die deutsch-polnischen Wirtschaftsver­handlungen werden voraussichtlich am 23. No­vember in Genf beginnen.

Internationale Arbeiter- und Regie- mngsoertreter werden demnächst eine Rund­reise durch Deutschland unternehmen um die wirtschaftliche Lage kennen zu lernen.

3m weiteren Verlaufe der Verhandlungen des Reichsausschusses der deutschen Zentrums- partei wurde dem Reichskanzler von dem Reichsausfchuß einstimmig das Vertrauen aus­gesprochen.

Italien und Frankreich haben jetzt, dem Beispiel Englands folgend, die Selbständigkeit Albaniens anerkannt.

Geldpolilik und Wirtschafls- poMik.

Der Marksturz darf nicht nur geldpolitisch gedeutet und gewertet werden. Damit ist schon ausgesprochen, daß sich das Uebel durch geld- volürsche Maßnahmen allein nicht heilen läßt. Wenn der Reichstag beschließt, künftig keine Ausgabe ohne Deckung mehr zuzulassen, wenn ras Reich gezwungen wird, die Schatzanwei­

Wertung damit noch nicht beseitigt. Es ist etwas Wahres daran, wenn vor einseitigen geldpoli­tischen Maßnahmen gewarnt wird, wozu auch gehört, eine neue Goldmark als Grundlage für eine neue Bank- und Münzgesetzgebung zu chaffen. Die Geldpolitik und das Münzwesen ind kein Ding an sich. Sie sind vielmehr Teile >er Wirtschaft und als solche also auch von die- er abhängig. Wenn die Wirtschaft krank ist, o wird auch das Geldwesen krank. Die Geld- zeiten sind, theoretisch und praktisch, nur Hilfs­mittel der Wirtschaft, dazu bestimmt, in der großen organisierten Tauschwirtschaft den Warenverkehr zu erleichtern. Dieser Aufgabe müssen die Geldzeichen wieder zurückgegeben werden. Voraussetzung dazu ist, daß die Geld- Men im Bedarfsfall von der Wirtschaft ge- chöpst werden, daß ihr Mehr oder Weniger an lmlauf davon abhängt, ob die Erzeugung ge­seigert wird, oder ob sie sinkt. Die Entwertung bes Geldes ist in der Hauptsache eine Folge der Me^ichöpfung von Geldzeichen über die Wa­renerzeugung hinaus. Das russische Beispiel foiue doch wirklich gelehrt haben, daß mit der Zerrüttung der Währung der Kapitalismus sticht erledigt und beseitigt wird. Geldzeichen lind an sich kein Kapital, sondern nur eine An­weisung auf Kapitalgüter. Die Sowjetregie- rung ließ im vorigen Jahre durch ihre dienst­willigen Organe im Auslande mitteilen, daß sie nunmehr die Geldzeichen endgültig und für immer abgeschafft habe. Heute muß sie be­sorgt sein, den Rubel wieder mit Kaufkraft aus- y^atten, well die Wirtschaft Rußlands sonst überhaupt nicht in die Höhe zu bringen ist. Der Prozeß der Geldentwertung hat in Deutsch­land schon während des Krieges begonnen. Immerhin war er untermischt mit einer echten Teuerung, da die Waren ja allgemein knapp wurden. In großem Stil entwickelte sich der Prozeß dann nach dem Zusammenbruch im November 1918, als Geld- und Wirtschaftsvoli- äk von einander losgelöst wurden, als Aus­gaben auf Ausgaben erfolgten, ohne daß man ich viel um die Deckung kümmerte. Das alles oüte durch neue Steuern nachgeholt werden, äe dann bei entsprechendem Aufbau sich selbst regulierend aus der Wirtschaft herausfließen würden. Gerade nach dem Zusammenbruch hätten wir die Grundregeln einer soliden Fi- nonzpolitik nicht mißachten dürfen. Waren neue Ausgaben notwendig, so war es erforderlich, sie für die Wirtschaft durch die Steigerung der Erzeugung tragfähig zu machen. Der Hinweis darauf, daß ja die Wirtschaft heute voll be­schäftigt ist, daß aber trotzdem der. Geldwert sinkt, wirst unzusammenhängende Dinge durch­einander. Was wir heute als Hochkonjunktur bezeichnen, ist in Wahrheit nur eine Verftmeu- derung unserer wirtschaftlichen Energien. Denn wese Hochkonjunktur ist nur dadurch möglich, daß das Ausland wohlfeil bei uns kaufen kann. Es deckt seinen Bedarf, um uns dann wieder

un rückkehren. Die erste Garantiezahlung ist am 15. November gezahlt und zwar 45 000 000 Goldmark, die zweite ist am 1. Dezember sättig und wird ungefähr 85 000 000 Goldmark be­tragen. Diese beiden Posten werden auf die am 15. Januar fällige Wiedergutmachungsrate ver­rechnet.

Der Reichstagspräsident über die Reparationen.

Berlin, 17. Novbr. (Privattelegr.): Die Blätter melden aus Breslau: Gestern hielt auf dem Bezirksparteitag der Sozialdemokratischen Partei Mittelschlesiens Reichstagspräsident Löbe ein Referat über die politische Lage. Er erklärte, die jetzt vorliegenden Steuervor­schläge als ein so unzureichendes Mittel gegen die Drohungen der Entente zur Erzwin­gung der Reparationsforderungen, daß die Sozialdemokratie sie ablehnen müsse, wenn nicht gleichzeitig ein Zugriff auf Gold und Sachwerte erfolge. Nach der Reds des VolkspartsUers Dr. Becker gegen die Erfassung der Sachwerte käme eine Koali­tion mit der Volkspartei im Reiche nicht mehr in Frage. Der Wucher der Stahlwerke und Kohlengruben, auf dem die Notlage der Reichs- eifenbahnen hauptsächlich zurückzuführen, sei, müsse durch die Sozialisierung der Schwerindustrie endlich beendet werden. Im anderen Falle sei der Platz der Sozialdemo­kraten auf den Bänken der Opposition.

Löbe rechnet mit der Möglichkeit einer Reichstagsauflösung und Neuwahlen, um dem deutschen Volke die Entscheidung über die Re­parationen und Steuerfragen zu überlasten.

Die Kredilhilfe der InSuslris.

Die Vertreter des Reichsverbandes der deutschen Industrie sind gestern mit den Ver­tretern der Spitzenverbände Vr Arbeitnehmer in der Zentralarbeitsgemeinschaft zur Beratung über die an die Kredithilfe geknüpften Beding­ungen, insbesondere die Umformung der Reichseiscnbahnen, zusammengetreten. Wäh­rend der Verhandlungen erklärten die Arbeit­geber, daß ihre Erklärungen betreffend die ileberführung der Eisenbahnen in privatwirtschaftliche Form nicht als Aus­lieferung der Bahnen in privates Kapital an­gesehen werden dürften. Auch die in der Presse aufgetauchten Behauptungen, daß die Arbeit­geber beabsichtigen, den Achtstundentag wieder abzuschaffen, seien falsch. Die Vertreter der Gewerkschaften erkannten die Notwendigkeit an, Mittel und Wege zur Sanierung der Eisen­bahnen zu finden. Die Vertreter der Arbeit­geber stellten in Aussicht, daß sie einen Plan für die Umstellung vorlegen wollten, der in kurzer Frist auch den Gewerkschaften bekannt­gegeben werden soll. Die Verhandlungen sollen morgen fortgesetzt werden.

zurückzustoßen. Dann aber sind wir außer­stande, neue Rohstoffe zur Versorgung des inneren Marktes und Bedarfes hereinzubekom­men. Hieraus wird sich die schwerste Krise, die wir bisher erlebt haben, entwickeln. Wir über- fhhen sie nur, wenn wir unsere Erzeugung nachhaltig steigern, die Arbeitsleistung verdich­ten, um so vor allem den inneren Markt wieder mit Kaufkraft auszustatten. Um was es sich handelt, zeigt klar der Ausfall der Ueberschich- ten im Kohlenbsrabau, der sofort zu einer Min­derförderung führte, während gleichzeitig die Kosten der Förderung unverhältnismäßig muffen.

Die ReparaNonskommission bei -er Reichsregierung.

Berlin, 18. Novbr. Die offiziellen Verhand­lungen der Reparationskommission mit der deutschen Regierung haben gestern nachmittag begonnen und werden in den nächsten Tagen zum Abschluß gelangen. Wie verlautet, ist die Reparationskommission auf Drängen des Pa­riser nationalen Blocks nicht abgeneigt, daß Deutschland für den Fall einer baldigst eintre­tenden Zahlungsunfähigkeit ein Moratorium gewährt wird unter folgender Sicher­heit:

1. Eingehende Kontrolle der Finanzwirt­schaft,

2. Kontrolle der Produktion der Hauptin­dustriezweige, die sich besonders auf das Ruhr­gebiet beschränken soll.

Auf alle Fälle wird die Reparationskommis­sion auf Zahlung der Januar- und Februarrate bestehen. Voraussichtlich wird sich der Reichs­kanzler heute im Stsuerausfchuß über die Re­parationsfrage ausführlich verbreiten.

Paris, 18. Novbr. Wie derTemps" meldet, hat die Revarationskommission die Unter

Die Vertreker der Industrie beim Reichskanzler.

Berlin, 18. Novbr. Gestern empfing der Reichskanzler die Vertreter der Industrie. Im Verlauf der Verhandlungen wies der Reichs­kanzler eingehend auf die Folgen hin, die für die politische Lage Deutschlands entstehen kön­nen, wenn die Industrie an ihren Forderungen in der Frage der Kreditaktion festhalten wolle.

Die Konferenz von Washington.

Falls keine freundschaftliche Lösung keine Entwaffnung.

Paris, 17. Novbr. Der Sonedrbsrichterstatter der Havas-Agentur meldet aus Washington vom heutigen Tage:

Die maritimen Sachverständigen setzten in geheimer Sitzung die Prüfung des Abrüstungs­programms Hughes fort, in der Absicht, zu einem Einverständnis zu gelangen. Man faßte nicht nur die Herabsetzung der Flotte von Groß­britannien, den Vereinigten Staaten und Ja­pan ins Auge, sondern auch der von Frankreich und Italien. DerAusschuß der Neun" hat das Programm desFernen Ostens" ange­schnitten, das, obzwar zweiter Ordnung, nichts­destoweniger d.er Angelpunkt der Konferenz sein werde. Es sei nicht zweifelhaft, daß, wenn die Konferenz nicht eine freundschaftliche Lösung des augenblicklichen Jnterestenkonfliktes im Fer­nen Osten finde, die alliierten Mächte darauf verzichten würden, zu entwaffnen. Staatssekre­tär Hughes habe keinen präzisen Plan unter­breitet, er habe sich auf ein allgemeines Exposes über die Notwendigkeit beschränkt, die bis­herigen Ursachen des Konfliktes, die besonders im fr-nen Osten bestehen, zu beseitigen. Er habe die alte Kultur Chinas und seine Arbeitskraft aelnbt. auch feine Wiedererbebung in Aussicht gestellt. Hughes habe auch Japan gelobt und frine erstaunlichen Fortschritte. Er habe die feit der offenen Tür im fernen Osten ommen nsma-Ishii enthalten seien. Da Amerika außer diesen Allgemeinheiten fein Urogramm vorgelegt habe, habe die chinesische Delegation sich entschloßen, die Grundsätze für eiv. Diskussion zu schaffen.

(Es handelt sich hier um einen sanften Druck Amerikas. Wir erinnern an unsere gestrige Meldung, daß Amerika für den Fall der Ablehnung des Hughes'schsn Vorschlages entschlossen sei, weitere 14 Grotzkampsschifte zu bauen. D. Red.)

Rüstung statt Abrüstung.

Paris, 17. Novbr. Nach einer Meldung der Ehcago Tribune" aus Washington gelangten die französischen und italienischen Sachverstän­digen zu der Auffassung, daß ihre Seemacht eher verstärkt, als herabgesetzt werden müsse. Der italienische Standpunkt sei, Italien müsse eine Kriegsmarine haben, die derjenigen Frankreichs gleichkomme, schlimmstenfalls aber üch zu ihr verhalte wie 8:10. Italien habe 4000 Kilometer Küste zu beschützen und eine sehr dichte Bevölkerung; außerdem importiere es seine gesamte Kohle, ein Drittel seine Getreides und fast seine gesamten Rohstoffe. Es bestehe eine starke "alienscke Strömung zu Gunsten eines regelrechten Abkommens mit Frankreich, das die militärische Last beider Nationen er­leichtern würde. Bereinigt würden beide Flotten. die das Mittelmeer beherrschen und beiden Ländenr den Widerstand gegen jeden Angriff ermöglichen. Die italienische öffentliche Meinung sei auch für eine BeschränkUW der Rüstungen in Osteuropa und auf dem Balkan.

Leine Rüstungs-Einschränkung zu Lande.

London, 15. Novbr. Eine Meldung aus Washington besagt, die gegenwärtige Ab­rüstungskonferenz werde sich wahrscheinlich nicht mit der Einschränkung der Rüstungen zu Lande befassen, sondern es wird eine neue Lon- ierenz für nächstes Iahr einberufen werden, um die Frage zu behandeln.

London, 18. Novbr. Der Berichterstatter der Associatea-Preß" meldet aus Washington, daß die amerikanische Regierung nicht beabsichtige, wahrend der Konferenz irgend ein endgültiges Programm über Oie Vermlncdrung der Land streitkräste zu, unterbreiten. Soweit bekannt ist, brachte keine der auswärtigen Delegationen derartige Vorschläge mit. Briand äußerte sich bereits, daß Frankreich ein Heer haben wolle, das genügend groß sei, um sich gegen seine Nachbarn zu schützen. Die gesamte Frage der Heere wird voraussichtlich dem Aus­schuß der gesamten Lonserenz überwiesen werden.

Von maßgebender Seite wird erklärt, daß das amerikanische Heer bereits so vermindert sei, wie es mit der Sicherheit der Vereinigten Staaten vereinbar wäre. England sei in der gleichen Lage und außerdem fei eine weitere Verminderung des englischen Landheeres nicht möglich, weder Amerika noch Enalaad wänim.

ten von sich aus irgendwelche Verminderung der Heere anderer Mächte vorzuschlagen.

In dem Bericht heißt es weiter, daß man von Seile Großbritanniens und Amerikas end

«ge Zusicherungen geben solle, für den Fall.

es von Deutschland angegriffen würde. Mit voller Ermächtigung könne erklärt werden, daß ein solcher Wunsch Frankreichs enttäuscht wer­den würde. Die Vereinigten Staaten widerfeß- ten sich jedem derartigen Uebereinkommen. Die amerikanischen Delegierten erhielten in diesem Punkte erhebliche Unterstützung Großbritan niens und Sanadas zugesichert.

Am die Relchseifenbahnen.

Berlin, 17. Novbr. Ueber die Forderung des Reichsverbandes der deutschen Industrie,

dem Reichsvev

die Reichseisenbahnen in privatwirtschaftliche Formen zu bringen, fanden in den letzten Tagen Besprechungen zwischen kehrsministerium und den Gro

en Großorganisationen

des Eisenbahnpersonals statt, die zur vollen Einigung führten. Besonders bedeutsam ist das unbedingte Festhalten des Personals am Reichs- besitz der Eisenbahnen und die baldige Inan­griffnahme einer Neuorganisation durch ge­meinsame Beratungen der Verwaltung und des Personals. Im einzelnen lauten die Verein­barungen:

1. Die Vertreter der Großorganisationen erklären, an dem seitherigen Verhältnis des direkten Besitzes und Betriebes der Eisenbahnen durch das Reich unter allen Umständen festzu­halten:

2. die Rechte des auf einem öffentlich- rechtlichen Dienstvertrag beruhenden Berufs­beamtentums, zu deren Wahrung die Reichsre­gierung verfassungsmäßig verpflichtet ist, gelten den Großorganisationen als unverletzlich;

3. die Großorganisationen erklären sich be- re n der Reuord der Verwaltung und

der Wirtschaftlichkeit der Reichsbahnen unter Doranstellung der Interessen der Allgemeinheit mitzuwirken;

4. die Neuorganisation der Eisenbahnvev waltung wird beraten und zur geschäftsmäßi­gen Beratung durch den Minister spruchreif gemacht in einem zu gleiä n Teilen aus Ver­tretern der Verwaltung und der Eisenbahn- organisationen zu bildend«: Ausschuß. Der Ausschuß erhält die Berechtigung, Sachver­ständige nach eigenem Ermessen zu dieser Ar­beit heranzuziehen;

5. die Beratungen über die am 16.11. von den Großorganisationen mündlich vorgetrage­nen Gegenstände werden mit dem Zehneraus­schuß mit aller Beschleunigung weitergeführt.

Dke Kruppschen Arbeiter gegen Die Zerstörung.

Berlin, 17. Novbr. (Privattelegr.): Dem Vorwärts" zufolge hat der Arbeiterrat der Krupp-Aktiengesellschaft in Esten an General Nollet ein Schreiben gerichtet, in dem die feste Entschlossenheit der Arbeiter zum Ausdruck ge­bracht wird, jede Anfertigung von Kriegsma­terial zu verweigern. In den letzten Tagen sollten aber ein erheblicher Teil der zur Be­arbeitung von reinem Friedenmaterial im Be­trieb befindlichen Maschinen auf Befehl der In­teralliierten Kommission zerstört werden, durch die Zerstörung der in Frage kommenden Ma­schinen würde nicht nur die Arbeiterschaft des Betriebes, sondern auch das Stahl- und Walz­werk aufs schwerste geschädigt. Die Arbeiter­schaft protestiere schärfstens dagegen, daß ihr aus unverständlichen Gründen Maschinen zer­stört werden sollen, die ausschließlich zur An­fertigung hoher volkswirtschaftlicher Werte be­nutzt würden. Die Arbeiter betrachteten die Anordnung der Zerstörung als eine unverant­wortliche, vom wirtschaftlichen Egoismus dik tierte Maßnahme, die geeignet sei, die deutsche Wirtschaft und damit die deutsche Arbeiterschaft aufs schwerste zu schädigen. Die Kruppsche Arbeiterschaft werde bei einer eventuellen Zer- störung ihrer Produktionsmittel nicht Mit­wirken.

Sommunlslifcher Hungerstreik. In bet Strafanstalt Lichtenburg im Kreise Torgau haben etwa 100 Kommunistische Gefangene einen Hungerstreik begonnen. Sie erklären, keine Nahrurw zu sich zu nehmen, bis die Re­gierung eine Amnestie für ihre politischen Ver­gehen erlassen. Unabhängige und kommu­nistische Landtaasabgeordnete forderten gestern von dem preußischen Justizminister die vorläu­fige Entlastung der Haftunfäbigem Der Mi­nister versprach derFreiheit" zufolge, sich mit dem Direktor der Anstalt noch am Abend tele-^ nhejoUA i» Verbindung $u ^d^</x***^