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Samstag den 12. November

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I.

Der Verwaltungsbericht für die Stadt Hanau über die Zeitspanne von 1911 bis 1919 ist er­schienen und gibt in erschöpfender Weise über alles Geschehen innerhalb des ausgedehnten Benvaltungsapparates klaren Aufschluß. Bei Ausbruch des Weltkrieges im Herbst 1914 sollte der in dreijährigen Intervallen herausgegebene Bericht für die Jahre 1911 bis 1913 in' Druck gegeben werden. Durch die Mobilmachung und die daraus resultierenden vielseitigen Aufgaben für die gesamte Stadtverwaltung wurde jede weitere Arbeit an dem Bericht aber unmöglich.

Daß der Bericht, der sich über einen Zeit­raum ausbohnt, der so große Umwälzungen in materieller und geistiger Hinsicht in sich trua, der so wenig Vorausbestimmung zuließ, so übersichtlich gut geordnet auf nur 135 Druck­seiten untergebracht werden konnte, mag seinen Grund darin haben, daß er nur die die Ver­waltung angehenden Angelegenheiten unter Vermeidung jeder Erörterung der politischen Ereignisse in kürzester Form mit tabellarischen Beilagen bringt.

Ist aus di /m Aufstellungen auch die Kriegs- Wirkung augenfällig zu ersehen, so haben andererseits die wirtschaftlichen Wirkungen des Kriegs ausganges keine Berücksichtigung erfahren können.

An erster Stelle gedenkt der Bericht ehrend b:r im Kampf um das Vaterland gefallenen L städtischen Beamten, Angestellten und Ar­beiter.

Die vielseitige Betätigung unserer Stadt ist zu ersehen, wenn wir in den Folien der letzten Vergangenheit blättern. Wir begegnen da all den cus der Not geborenen Schmerzenskindern, bei denen man nicht auf die Prosperität, sondern auf den Sinn. den Zweck der Einrichtung sehen mußte. Die Etappe, die wir seit 7 Jahren durchleben, ist so reich an Aufregungen und weltbewegenden Ereignissen, daß wir kaum noch die Muse finden, uns auf das Vergangene zu besinnen, wir wollen deshalb hier erinnernd den Kriegs betrieb unserer Stadt andeuten, um so einen Maßstab für alles das zu bekommen, was damit unmittelbar zusammenhängt.

Als besondere Kriegsmaßnahmen sinden wir neben der Zusammenstellung der neun Kriegsanleihen, die in unserem Vcgirt 174 074 200 Mk. ausma^tcn, eine Serie von Sammlungen, die uns einen Lichtblick in die großen Kriegsnäte gestatten. Es find dies:

Corso-Diele

unter Mitwirkung der beliebtesten Kräfte des

Stadttheaters und Frankfurter Künstlern.

Ä Bunter Kabarettabend äteWÄtii ter Mitwirkung der beliebtesten Kräfte des n Handen der SäNikatskol

KÜNSTLERSPIELE

HOTEL ZUM ADLER

Abends 8 Uhr das erstklass. IV O Veill b CF-Programm

Samstag und Sonntag Gastspiel des Herrn R^iol^» Sorger

vom hiesigen Stadttheater

Soupers u. reichh. Abendkarte bis 1 PL Uhr Samstags bis 12*12 Uhr. Tischbestellung Tel. 1

Aus der Bühnengefchichle des »Son Carlos".

Anläßlich der Aufführung im hiesigen Stadt­theater. Von W i l h e l m L o tz.

(Schluß.)

Die folgende Zeit zeigt uns weniger einige besondere Aufführungen, sondern es treten uns die Rollen der einzelnen bekannten großen Virtuosen entgegen. Im Frühjahr 1816 verließ PiusAlexanderWolff mit seiner Frau Weimar um zu Brühl nach Berlin zu gehen. Durch viele Gastspiele verschaffte er der verach­teten Weimarer Technik Eingang auf den größeren Bühnen. In Berlin, wo man an Iff­lands scharf durchdachten mit jeglicher schau­spielerische Finesse ausgestatteten Philipp und an eines Beschorts feurigen, schwärmerischen Posa gewöhnt war, mag das ruhige, feste, ab­geklärte Weltbürgertum des Posas des Goethe­schülers zuerst Befremdung erregt haben. Wolfs war der rechte Posa der klassischen Zeit, die Romantik brauchte einen andern.

In EmilDevrient fand dann der süß­lich sentimentale Geschmack der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts feinen eigentlichen Posa. Der feine, edle Schnitt des Gesichtes mit den Hellen blauen Augen, umrahmt von dem ge­scheitelten. lockigen Blondhaar erinnerte an die Idealbildnisse Schillers. Mit den Vorteilen seiner schlanken jugendlichen Gestalt, vereinte er eine bestechende Virtuosität und ein klang­volles Organ. Eine gewisse Rührseligkeit der Deklamation ließ ihn nie in allzustarke Ausbrüche der Leidenschaft geraten. Sein Posa opferte sein Leben nicht aus Staatsklugheit oder des großen Beispiels wegen, sondern Otto trunkener Freundschaftsschwärmerei für den Königssohn. Diese ewige Glut der Jugend er­hielt ihm stets die Gunst des Publikums, zumal

Gold gab ich für Eisen", deren Erlös 22 855.20 Mk. erbrachte;

dieReichswollwoche", deren endgültiger Ueberschuß 5016.12 Mk. war;

dieMetallsammlung", in die u. a. Haus­haltartikel, Kupferkessel, Orgelpfeifen, Bronzeglocken einbegriffen waren, die 80 881 Kg. Metall ergab, für die 353 431 Mark verausgabt wurden;

bei derPapiersammlung" vom 15. Mai bis 2. August 1916 kamen 36 450 Kg. Papier zusammen, sie schloß mit einem Reinertrag von 2036.40 Mk. ab;

dieGoldsammlung" in 19151918 ergab insgesamt 1220 800 Mk. Dieses Resultat wurde hauptsächlich durch die rührige Arbeit der Schuljugend erzielt. Wieviel davon auf unsere Stadt entfällt, ist nicht mehr festzustellen, jedoch dürfte die Hälfte vom Postamt Hanau angeliefert worden sein usw.

Aus der intensiven Sammlung von Metallen erwuchs durch die Einziehung des Nickels allerwärts ein so fühlbarer MangÄ an Scheidemünze, daß man allgemein zurSchaf - fungvonNotgeld griff. Am 1. Mai 1917 wurde der Druck von 50 000 Mk. in 10 Pfg - Scheinen und 50 000 Mk. in 50 Pfg.-Scheinen vonseiten des Magistrats beschlossen. Dieser Maßnahme schloß sich auch der Landkreis Ha­nau mit der gleichen Summe an. Die Hanauer Notgeldscheine kamen am 29. Juni 1917 zur Ausgabe. Die Verhältnisse auf dem Geldmarkt verschlechterten sich immer mehr. Anfang Ok­tober 1918 kam vom Reichsbankdirektorium die kaum faßbare telegraphische Mitteilung, daß bei dem zu erwartenden außerordentlich starken Be­darf an Zahlungsmitteln die Reichsbank nicht in der Lage sei. diesen Bedarf zu befriedigen. Die Stadt mußte sich am 7. November 1918 trotz aller Bedenken zur Herausgabe von 5-, 10= und 20-Markscheinen bis zum Betrage von 2 Millionen Mark entschließen. Außerdem wurden im Dezember 1918 noch einmal 100 000 50 Pfg.-Scheine gedruckt.

Von den Vereinigungen, die während des Krieges gemeinsam und "im gegenseitigen Ein­verständnis arbeiteten, sind besonders der Zweigverein vomRoten Kreuz". derVaterländischeFrauenverein" und der Nationale Frauendienst zu erwähnen, welch letzterer erst durch den Krieg entstanden ist.

DasRote Kreuz" betätigte sich im beson­deren auf dem Gebiete des Transportwesens. Der Transport der Verwundeten und Kranken

vom Bahnhof zu den Lazaretten und umgekehrt, und von einem Lazarett in das andere, sowie

Kreuz". Insbesondere trafen hier und in Auheim 245 Lazarettzüge und ein Schistszug ein, aus denen 30 967 Deutsche und 382 Feinde abtransportiert wurden. An sonstigen Trans-

Porten wurden geleistet 5911 Einzeltransporte (Auheim 41), in die Heimat 392, Privat und Stadt 485 (Auheim 4). Auf der Sanitätswache und Verbandstation am Ostbahnhof wurden 6388 Verbände und in 4114 Fällen sonstige Hilfe geleistet.

Der Vaterländische Frauenverein betätigte sich in der Kranken- und Wöchnerinnenpflege, Flickschule, Weihnachtsbescherungen usw. .Die jährlichen Anforderungen in den Berichtsjahren hierfür betrugen durchschnittlich 67000 Mark. Seit dem Jahre 1912 wurde die Pflegearbeit des Vereins ergänzt durch die Tätigkeit desHaus­pflegevereins", der jährlich etwa in 120 Fällen in Anspruch genommen wurde. Diese regel-

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des weiblichen. Zwischen 1830 und 60 war er der Liebling des ganzen deutschen Theaterpub­likums. Auf vielen Gastspielreisen trug er seinen Posa durch ganz Deutschland, und 1839 auch nach Frankfurt a. Main, sowie 1852/53 sogar nach England.

Bei diesem Ueberblick können wir nicht an den Leistungen des Wiener Burgthea­ters vorübergehen, wo unter Schreyvogels zielbewußter Leitung das Stück nicht nur eine sehr hohe Aufführungsziffer sondern auch eine beachtenswerte künstlerische Höhe erreichte. Hier glänzte ein Korn als Posa und als Carlos und hier gastierte Anschütz und fand die Rolle der Eboli eine gute Darstellerin in Sophie Schröder. Die Aufführungen im Burg- theater bedeuten im Vergleich mit dem, was sonst in jener Zeit an anderen Bühnen geboten wurde, eine bedeutende Leistung. Vor allem war ein fester Boden von Darstellern und Material da, auf dem man aufbauen konnte, besonders aber ist es das Verdienst der Persön­lichkeit Schreyvogels, daß er alle Zügel fest in der Hand hielt. Das Ende der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte unter der Leitung der Bühne von Deinhartstein und Hol­bein einen gewissen Verfall, auf den aber mit dem Revolutionsjahr 1848 ein neuer Auf­schwung unter Laubes und Dingelstedts Lei­tung folgte. Damals feierten Zerline Gabillon als verführerische Eboli und Joseph Wagner als Posa chre Triumpfe. Unter Dingelstedts Leitung kamen noch weitere Sterne an der Burg zum Erscheinen, wie Adolf Sonnenthal, der 1856 als junger Anfänger engagiert wurde, Friedrich Mitterwurzer, der 71 debütierte und Stella Hohenfels. In Mitterwurzer erstand der Burg ihr berühmter Philipp. Vor seiner Dar­stellung verschwand ein Carlos und ein Posa im Hintergrund, und das Stück wurde zu einer Tragödie des Menschen Philipp.

mäßige Tätigkeit trat im Kriege weit zurück hinter die Leistungen für Kriegsfürsorge und Heer. Davon seien erwähnt die Erfrischungs­station am Ostbabnhos für durchfahrende eob daten und Verwundete und für eintreffende Ver­wundete und die Einrichtung einer Liebes- gabenftene im Stadtschloß.

Die unter dem NamenNationaler Frauen­dienst" bekannten Einrichtungen für Kriegs­und Heimathilfe entwickelten sich aus der im August 1914 gegründetenFreiwilligen Näh­stube I". Daraus entstanden im Laufe der Kriegszeit:Freiwillige Nähstube II", einebe­zahlte Nähstube", dieFamilienfürsorge",Klei­derfürsorge",Schuhfürsorge" undLebens­mittelfürsorge". Ferner erwuchsen aus dieser Arbeit folgende Lehrkurse für die Allgemein­heit:Schuhkurs",Aenderstube" und Strumpfflickkurs" und die sogenannteKoch­kiste-

Im folgenden seien einige Emrichtungen und Kommissionen erwähnt, um darzutun, mit wie­viel Umsicht gearbeitet wurde, um die Folgen der unseligen Blockade in ihrer Wirkung zu brechen. Ob diese Kommissionen sich bewährten oder nicht, ob die Erinnerungen an sie süß oder sauer sind, soll dahingestellt bleiben. Wir wollen heute den guten Willen maßgebend sein lassen und beim Vorüberziehen uns stets der be­drückenden Zeitverhältnisse erinnern, die wie Zentnerlast auf uns lag.

In den ersten Mobilmachungstagen wurde dem Beigeordneten Glaser mitgeteilt, daß die jüdische Gemeinde eine Volksküche zur Speisung Armer zu errichten beabsichtigt. Die­sen Gedanken aufgreifend, lud er am 10. August 1914 zu einer Beratung im Stadtverordneten- saalc ein, an der Damen aus allen Bürgerkrei­sen teilnahmen. Schon am 17. August wurden zweiVolksküchen" eröffnet, die eine im jüdi­schen Schulhause in der Nürnbergerstraße, die andere in der früheren Kochschule in der Bangertstraße. Für 10 Pfg. wurde in den Volks­küchen an jedermann, ohne Prüfung der Be- dürftiqkeit entweder eine Suppe oder Gemüse und Kartoffeln sowie ein Stück Brot abgegeben. Als aber die Rationierung von Brot und Mehl einsetzte, mußte die Brotabgabe eingestellt wer­den. Beide Volksküchen waren bis Dezember 1917 in Betrieb, mußten aber dann, des immer stärker werdenden Besuchs wegen in die grö­ßeren Räumlichkeiten der Turnhalle der Bez.- Scyule 1 übersiedeln, welche ausreichten, täglich 2000 Portionen zu liefern. Es wurden ausge­geben in den Jahren 191419 39 400, 148 717, 193 098, 157 513, 382 912 und bis Ende März 1919 149 520 Portionen. Die Barmittel zum Betriebe der Volksküchen wurden bis November 1916 lediglich aus der Famllienfürsorge be­stritten.

Im Sommer 1917 mußten täglich 5060 Doppelwaggons am Nordbahnhof für das Ha­nauer Proviantamt entladen werden, wozu noch etwa 120 Landfuhren kamen. In Ermangelung von Arbeitskräften wurden Schüler der Ober­realschule und des Gymnasiums zum Hilfs­dienst herangezogen. Angesichts der Notwendig­keit, die Be- und Entladung der Eisenbahn- waggons einheitlich zu regeln, beschloß man die Gründung eines selbständigen städti - f ' en Fuhramtes, das am 3. Dezember 1917 in Tätigkeit trat und seine Aufgabe glück- lk) löste.

Der Verkehr mit Futtermitteln wurde im Verlaufe des Krieges in der Weise ge­regelt, daß die Bezugsvereinigung deutscher Landwirte die Vorräte den Kreisen überwies. Die Einzeloerteilung übernahm dann im hie­sigen Stadt- und Landkreise die Ein- und Ver­kaufsgenossenschaft.

Zur Sicherung des Bedarfs der Bevölkerung an Web-. Wirk- und Strumpfwaren wurde eine

So sehr man sich an größeren Bühnen Mühe gab, bei den historischen Dramen einen stärkeren Werr auf die Ausstattung und histori­sche Treue zu legen, so blieb das doch ohne Ein­wirkung auf die kleineren Bühnen. Erst die Meininger brachten hierin eine Wandlung, indem sie die Aufmerksamkeit auf diese Fak­toren lenkten und durch ihre Gastspiele eine starke Einwirkung auf die Darstellungskunst erreichten. Jede Gruppenbildung, jede Haltung und Stellung wurde einstudiert. Die Echtheit der Kosttüme erstreckte sich bis auf die Art des Stoffes, so daß die Statisten selbst in Samt und Seide auftraten.

Aus dieser Schule ging Ludwig Bar­na y hervor, der den Hanauern ja auch durch Gastspiele bekannt geworden ist. Sein Name ist mit der Bühnengeschichte des Stückes unlös­bar verknüpft durch die berühmte u n g e - strichene Aufführung am 9. und 10. November 1883 im Deutschen Theater in Berlin. Das Bemerkenswerte dieser Auf­führung, ein Ereignis in der deutschen Theater­geschichte, ist, daß hier einmal mit ganz großen Mitteln und ganz durchgreifend versucht wurde, das Stück nicht zur Tragödie eines einzelnen Menschen, sei es Philipps, Posas oder Carlos, werden zu lassen, sondern es seiner Wirkung als Ganzes herauszubringen im Schillerschen Sinne, als Drama der Zeit, der Inquisition, umdie prostituierte Menschheit zu rühren".

Eine ungeheure Schwierigkeit für den tech­nischen Apparat bilden die 20 notwendigen Schauplätze mit 13 verschiedenen Dekorationen. Reinhard hatte schon begonnen die Klassiker für die Shakespeare-Bühne einzurichten, Hage­mann folgte der Anregung mit der Darstellung desCarws". Er begrenzte das Bühnenbild rechts und links durch Pfeiler, die immer stehen blieben und wechselte nur den einfach stilisier­ten Hintergrund aus, und paßte die stehenge­

Reichsbekleidungsstelle errichtet, die ab 4. August 1916 den Verkehr mit Textilien nur noch gegen Bezugsscheine regelte; ' matt gründete eine Bezugsschein-Ausfertigungsstelle, welch letztere mehrfach erwc ^ert und in erwei­terte Räume verlegt werden nutzte. Insgesamt wurden von Augull 1016 bis 1. Mai 1919 Be« zugscheine erteilt auf 35 51114 Meter Stoffe zur Oberkleidung, 129 437 Meter Wäsche und Futterstoffe, 24 463 fertige Bekleidungsstücke für Männer und Knaben, 14 372 Oberkleidungs. stucke für Frauen und Mädchen, 45 966 Stück fertiges Unterzeug und 40 182 Paar Strümpfe und Socken.

Durch Bundesratsverordnung vom 28. Febr. 1918 wurde auch der Bedarf an Schuh, warenfür die Bevölkerung durch Einführung von Schuhbedarfsscheinen geregelt. Durch Ver­ordnung des Magistrats vom 15. Oktober 1918 mußten als Folge von Mißständen sämtliche Gewerbetreibende, Händler sowohl wie Schuh­macher, welche Schuhwaren verkauften, die Be­steller der Reihe nach eintragen und sie auch dementsprechend beliefern.

Alle diese Maßnahmen zur Streckung der geringen Vorräte reichten bei weitem nicht an den Bedarf heran. Aus diesem Grunde lief des­halb noch nebenher die Bewirtschaftung der A l t k l e i d e r, die 3670 Einzelstücke ergab; die Bewirtschaftung der getragenen Schuh- waren, die 1875 Paar Schuhe einbrachte; die Beschaffung von Ersatzschuhen und von sog. Kriegsschuhen, von welch letzteren 2987 Paar angefertigt wurden, jedoch der plumpen Form wegen schwer verkäuflich waren und tell- weise unter Selbstkostenpreis abgegeben werden mußten; auch der Verkehr mit getragene« Uniformen war zur Pflicht gemacht und er­brachte 416 Stücke und schließlich gingen durch die allgemeine Sammlung 926 getragene Männeranzüge ein. Es sei hier ehrend erwähnt, daß auch viele nicht in glänzenden Verhältnissen lebende Einwohner aus reiner Oniersreudigkeit noch brauchbare Anzüge ab­lieferten. Neben diesen Betätigungen der Reichsbekleidungsstelle lief die Regelung der Schuhausbesserung, die Verteilung von Nähgarn und vieles andere, genug um sich eine Vorstellung davon zu machen, wie viel Rei­bungsflächen es gab und wieviele Mißverständ­lich einnifteten im Verkehr des Publikums mit den dort Bediensteten.

Weitere aus dem Mangel an allem Möglichen geborene Stellen waren die N o t st a n d s k o m.

Feinschmecker

rauchen nach wie vor

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bitebenen Teile mit Hilfe der Beleuchtung der Gesamtstimmung an.

Ein Bierteljahrhundert nach der berühmten ungestrichenen Darstellung fand auf derselben Stelle wieder eine denkwürdige Vorstellung desDon Carlos" statt. Reinhards Erft« aufführung des Stückes zum 150. Geburtstage Schillers "1909. Die bedeutendsten Größen deutscher Schauspielkunst teilten sich in die Rollen. Bassermanns grausamer, einsamer Philipp gab die Basis ab. Stark traten daneben die anderen Darsteller hervor. Weich und träumerisch Harry Walden als Prinz, voll hin« reißender Rede und Feuer Alexander Moiffi, Else Heims als Königin und Tilla Durieux als Eboli.

Es ist hier in aller Kürze versucht worden, die Wandlung der Auffassung des Stückes und der einzelnen Rollen im Verlaufe des letzten Jahrhunderts zu zeigen. Zugleich haben wir dabei gesehen, wie geradeDon Carlos"-Auf« führungen bedeutende Marksteine in der deut­schen Theatergeschichte abgeben.

Drittes Äonzerl des Frankfurter Orcheftersereins.

Der Frankfurter Orchesterverein (Sinfonie- Orchester), im ersten Konzert des hiesigen Ora- torienvereins als vorteilhafter Tonkörper sich

präsentierend, gab am vorigen Montag mm« mehr sein drittes Konzert. Wie im ersten auch in diesem Generalmusikdirektor M i cha e l Balling aus Darmstadt die Leitung inne, In seiner kerngesunden und natürlichen Auf« fcfsung brachte er da» Meutersingervorspiel festlich strahlend und aÄiuexb heraus. Beet­hovens Violinkonzert m D-dur wurde durch

honens Violinkonzert m D-dur wurde durch Karl Flesch etwas weich, aber do^ meisterlich und höchst fesselnd gespielt. Beobachtete hierbei das begleitende Orchester die Forderung subc iektiver U ntermalung, so türmte es in Vxucknerr