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Hanauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger

AmMches Organ für Slaöt- und Landkreis Kanan

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Nr. 262

Dienslag den 8. November

1921

Das Neueste.

An der gestrigen Börse erreichte der Dol­lar einen Stand von 298 Mark. Damit ist der Derk der Mark auf 1,41 Goldpfennige ge- junten.

Der preußische Ministerpräsident Ste- gerwald hat endgültig auf die Teilnahme am Kabinett verzichtet.

Die Besoldungsvorlage wurde gestern im Reichsrat angenommen.

Der Deutsche Beamtenbund hat neue Forderungen gestellt.

Der Kartellyorstand der Berliner Arbeit­nehmerorganisationen hat den Kellnerstreik auf Grund des gefällten Schiedsspruches für be­endet erklärt.

Die Firma Benz u. Co. in Mannheim hat den Betrieb ihrer Automobilfabrik stillge­legt und sämtliche 3 600 Arbeiter entlassen. Der Grund ist die fortgesetzte Bedrohung der Direk- tion durch die Arbeiterschaft.

Nach einer Meldung aus Lissabon hat oie portugiesische Regierung ihr Einverständnis mit der Internierung des Exkaisers Karl und feiner Familie auf der Insel Madeira erklärt.

Iugoslowakische Truppen haben erneut albanisches Gebiet besetzt, sodaß die britische Regierung auf unverzüglichen Zusammentritt des Völkerbundsrates drängt.

Markkataflrophe

un- Reparatèonswahnsinn.

Die Etatsziffern, welche der Reichs- finanzminister Dr. Hermes im Reichstage auf­marschieren ließ, machen mit ihrem Milliarden- musch einen geradezu unheimlichen Eindruck, und dabei bleiben die Berechnungen, soweit sie sich auf die Reporationslasten beziehen, erheb- W hinter dèr rauhen Wirklichkeit zurück.^ Wenn Ir. Hermes dabei die Goldmark gleich. 30 oder 40 Papiermark ansetzt, so ist das durch die Tat­sachen längst überholt, denn die Mark ist, am Dollar gemessen, zurzeit fast auf den siebzigsten Teil entwertet, sodaß das Reparationskonto sich in Wahrheit bereits auf weit über 200 Milliarden Papiermark stellen würde. Es ist ausgerechnet worden, daß um diesen Riesenetat wirklich zu balanzieren, Steuerbeträge aufge­bracht werden müßten, die auf jede Familie mehr als 20 000 Mark ausmachen würden. Es sollte da sehr ernsthaft die grundsätzliche Frage erwogen werden, ob es überhaupt einen Zweck hat, Steuern um Steuern auszubauen, ohne daß abzusehen ist, ob das zu einem praktischen End­zweck führen kann. Die gleichen Bedenken sind ja auch auf der Tagung des R e i ch s v e r b a n- o e 5 der deutschen Industrie bei den Verhandlungen über die Kreditaktion geltend gemacht worden, und es wurde übereinstimmend betont, daß der Gesamtertrag des Kredites bestenfalls für die Ueberbrückung einer Galgen­frist ausreichen würde.

Man muß sich vor Augen halten, daß als das deutsche Volk sich zur Zahlung der Kriegs­schulden verpflichtete, die Goldmark gleich etwa 3 Papiermark stand, während sie heute, am Dollar gemessen, nahezu 7 5 Papiermark bedeutet, wobei das weitere Sinken noch gar nicht abzusehen ist. Deutschland hat eben um den Preis der völligen Zerrüttung seiner Wäh­rung die erste Goldmilliarde aufgebracht. Stand doch der Dollar noch im Mai d. Js. um 60 Mark herum, ist also seitdem fast um das Fünf­fache gestiegen, wobei den letzten schwersten An­stoß die Z e r st ü ck e l u n g Ö b e r s ch l es i e n s gab. Die Folgen dieses Valutasturzes machen sich denn auch bei uns in geradezu vernichtender Weise fühlbar und zwar in Gestalt von ganz rapiden P r e i s st e i g e r u n g e n mit den dadurch bedingten Lohn- und Gehaltserhöhun­gen, und diese Preisschraube ohne Ende wird umso schärfer angezogen, werden, je mehr die ' durch die wachsende Valutadifferenz bedingte Schwierigkeit der Einfuhr aus dem Auslande unsere Warenbestände zusammenschmelzen läßt. Balutablockade!

Angesichts der trostlosen Zustände, die sich bei uns entwickelt haben, gehört wirklich ein gut Teil Verbohrtheit und Fanatismus dazu, um, wie es die französische Presse tut, den Rückgang der deutschen Valuta einem deutschenTrick zuzuschreiben mit dem Endzweck, uns von der Reparationszahlung zu drücken. Es kann nicht bestritten werden, daß die Devisenspekulation hierbei auch eine Rolle spielt, aber ihre Wirkung kann immer nur vorübergehend sein und wenn die Mark im letzten halben Jahre auf den vier­ten Teil gesunken ist, so muß das sachliche Gründe haben. Diese beruhen eben auf ihrer Entwertung durch die Ueberlastung mit Reparationszahlungen und der da­rauf beruhenden Pump- und Papiergeldwirt­schaft. Ist es doch bezeichnend, daß der Druck auf die Mark in den letzten Monaten hauptsäch­

lich durch die Ang st verkaufe der aus­ländischen Markbesitzer herbeigeführt wurde.

Der Reichsbankpräsident Havenstein hat auf der Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industrie erklärt, daß nach seinen im Auslande gewonnenen Eindrücken die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Revision des Ver- saillerVertragesin den letzten Monaten große Fortschritte gemacht habe. Hoffentlich ist das kein allzu rosenroter Optimismus, denn einen anderen Ausweg aus dem deutschen Fi­nanzelend gibt es nicht, während doch der finan­zielle Zusammenbruch Deutschlands den eines großen Teiles Europas nach sich ziehen müßte. Churchill hat den Weg zur Rettung angegeben: Alle internationalen Verpflichtungen, die aus diesem Kriege entstanden sind, sollen von neuem auf praktische Dimensionen herabgesetzt werden". Auch der Vertrag von Versailles sieht ja vor, daß die Reparationskommission je­weils die deutsche L e i st u n g s f ä h i g- keit zu prüfen habe. Besagte Kommission will sich, wie aus Paris gemeldet wird, dem­nächst nach Berlin begeben, aber leider nicht um unsere Leistungsfähigkeit, sondern um die Maß­nahmen zur Regelung der deutschen Zahlungen zu prüfen. Schreibt doch derMatin" zu der Abreise der Reparationskommission nach Berlin, die heute erfolgen soll, daß es außer Zweifel stehe, daß Deutschland sich anschicke, Bankerott zu machen. Das Blatt erklärt, daß es bereits vor Wochen auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht habe, und wirft der Reparationskom- mission vor, nicht die nötigen Vorsichtsmaß­regeln getroffen zu haben. Die von Herrn Ha­venstein angekündigte Erkenntnis wirkt sich also noch nicht praktisch aus.

In W a s h i n g t o n treten jetzt die Delegier­ten der alliierten Großmächte zusammen, um über die pazifische Frage und das Abrüstungs- Frage vorbeigehen, die das Problem der Stunde ist, an der S ch u l d e n a b r ü st u n g? 11 Mil­liarden Dollar schulden die Alliierten der Union an Kriegskrediten, und etwa zwei Drittel des beweglichen Goldschatzes der Erde haben sich in den Kellern des Washingtoner Schatzamts ange­sammelt. Das ist das Geheimnis des Dollar­steigens, und das des Markschwundes ist darin begründet, daß die Alliierten nicht nur ihre Schulden an Amerika aus den Resten des deut­schen Nationalvermögens bezahlen, sondern sich darüber hinaus auf unsere Kosten bereichern wollen. Will man mit der Erkenntnis, daß der Reparationswahn seine natürlichen Hemmun­gen am Markschwund findet, warten, b i s Deutschland unter der Repara­tionsaussaugungverblutet?

Aufgabe der deutschen Regierung die in Washington leider nicht mitzusprechen hat, ist es, in diesen Tagen alle Hebel in Bewegung zu setzen, und auf die auf dieser ^Konferenz vertre­tenen Mächte einzuwirken versuchen, daß neben der Heeres- und Flottsn-Abrüstung auch das Weltwirtschaftsproblem, das Weltfinanzproblem verhandelt wird, und gleichzeitig muß be­wiesen werden, daß beide Probleme nicht zu lösen sind, ohne eine, Neu­regelung der Reparationsfrage, daß die Weltwirtschaftskrisis nur zu bekämpfen ist, wenn die Alliierten sich, zugleich auch im eigenen wohlverstandenen Interesse, zur Behebung der Reparationskrisis, der der deutsche Wirtschafts­körper zu erliegen droht, entschließen.

Steuerdebatte im Reichstag.

Präsident Löbe eröffnet die Sitzung des äußerst schwach besetzten Hauses erst gegen halb 2 Uhr, mit geschäftlichen Mitteilungen. Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Branntweinmonopols in Verbindung mit den Steuergesetzen. Auf Vor­schlag des Aeltestenrates soll eine deutschnatio­nale Interpellation über den Stand der Valuta mit der Beratung verknüpft werden. ' Abg. Edler von Braun (deutschnatl.) be­gründet die Interpellation und verlangt eine Erklärung der Regierung, was sie zu tun ge­denkt, um aus dem gegenwärtigen Dilemma herouszukommen.

Abg. Braun- Franken (Soz.) , kritisiert die Rede des Finanzministers, die eine allge­meine Enttäuschung gewesen sei Es fehle auch an jeder Spur eines Programms und die ge­radezu beispiellose Bescheidenheit des Ministers schrtzie zum Himmel. Aufgabe des Reichstags fei es. ein Programm zu schaffen, wenn es die Regierung nicht könne. Wenn die Industrie sich gegen ein Eingreifen sträube. so müsse es Sache des Reichstags sein, ihr solche Eingriffe plausibel zu machen, sanft müsse sie sich den Vorwurf der Gewissenlosigkeit gefallen lassen. Redner hält es für möglich, die Mark wenig­stens zu stabilisieren. Mit den bisherigen Me­

thoden fei aber das Problem nicht zu lösen. Energische Eingriffe in den privaten Kapital­besitz seien nötig. Der Minister habe dazu bis­her nicht den Mut gefunden. Möge er doch die Bande zerreißen, die da- Privatkapital um ihn geschlungen habe. Das P^ioatkapital müsse in viel höherem Maße zu den Kosten herange­zogen werden.

Abg. Herold (Ztr.) sieht keine Veran­lassung, von vornherein dem jetzigen Finanz­minister mit Mißtrauen zu begegnen. Die Rede machte direkt den Eindruck, als sollte sie eine Aufforderung an Frankreich sein, seine For­derungen rücksichtslos einzutreiben. (Zustim­mung rechts u. im Zentrum). Redner nimmt sodann den Minister gegen den Vorwurf zu großer Bescheidenheit bei der Besteuerung des Besitzes in Schutz. Man sollte nicht immer jedes Gesetz für sich allein ansehen, sondern ihre ganze Summe. Redner warnt vor dem Experiment, die Ertragswerte als Grundlage für die Besteuerung treten zu lassen. Für eine gesunde Steuerentwicklung sei Kontinuität er­forderlich. Die Umsatzsteuer gebe ebenso Anlaß zu Bedenken wie alle übrigen Steuern- Man müsse schließlich die Industrie auch nicht mit Steuern ertränken, da sie die Zahlung der Re­parationen möglich mache. Redner hofft, daß die Parteien sich schließlich alle hinter die Re­gierung stellen werden, auch die Partei, deren Redner vorhin abseits stand. (Bravo).

Abg. Böhm (Bayr. Volksp.) bedauert, daß die Regierung nicht den Mut habe, der Entente einmal offen über unsere Verhältnisse Auf­schluß zu geben. Die Steuervorlage sei jeden­falls e i n B e w e is dafür, daß wir am Ende unserer Kraft ständen. Um so schlim­mer sei es, daß auch jetzt noch die innere Zer­rissenheft nicht verschwinden wolle. Wir müß­ten uns selber helfen. Das solle nun die Steuer- öorlage . betauen- ââ?M Üâ.â- Ansicht, daß der Ausschuß hier noch viel Arbeit haben wird.

Abg. Dietrich- Vaden (Dem.) sieht die einzige Schuld in unserer Finanzmisere in der Reparationslast. Solange die Entente daher an ihrer Forderung festhält, muß sie auch die Verantwortung für unseren Zusammenbruch tragen. Dazu kommt die zunehmende Arbeits- losigkeit im Auslande. Auch daran trägt die Ententepolitik die Schuld. Bei dieser Schuld muß namentlich angesichts der Entscheidung über Oberschlesien unsere Agitation eingesetzt werden. England und Amerika leisten in ihrer gedankenlosen Unterstützung des französischen Hauses das Unglaublichste. Was die Sozial­demokratie hier von der Notwendigkeit einer Erfassung der Sachwerte vorbringt, zeugt von gänzlicher Unkenntnis und Verkennung der Tatsachen. Die Regierung sollte ober nicht so viel Papier verschreiben und Anordnungen er­lassen, die doch kein Mensch behalten kann. Eine Anordnung hebt die andere auf, und so kann schließlich nicht eine einzige Steuer zur Veranlagung kommen. Hier wäre eine Gene- ralreform am Platze. Wir wollen der Regie­rung keine unnötigen Schwierigkeiten in den Weg legen. Auch uns erscheint die Stabil?» fierung der Mark als das wün­schenswerteste Ziel. Aber wir sind da­gegen, die letzten Restbestände unserer Reichs­bank an dieses Experiment zu wagen. Wenn die Reparationskommission uns

die Reparationszahlungen eine Zeitlang stunden würde, könnten wir unsere inneren Schwierig­keiten in Ordnung bringen.

Reichsarbeitsminister Robert Schmidt. Wir wollen unseren guten Willen bei der Er­füllung des Ultimatums zeigen. Mehr haben wir auch bei feiner Annahme nicht versprechen können. Wenn die Entente damals das Ruhr­gebiet besetzt hätte, stünden vE heute auch vor dem industriellen Zusammenbruch. Wir müssen die Auskuhr fördern. Aber auch darin sind wir d"rch die Entente beschränkt. Ungeheuere Mengen französischer Luxusartikel werden ein- geführt. Entweder wir trinken nun den fran­zösischen Champagner und Kognak und pfeifen auf die Reparationen oder wir erschweren den Zugang zu den Wein- und Likörstuben. , fiter treffen wir freilich auf Verständnislosigkeit. Wir wollen einen Gesetzentwurf einbringen, der das freie Spiel in den Devisen einschränkt und die maßlose Svekulation einengt. Es ist verständ­lich, daß Kaufleute Devisen zurückhalten, um Rohstoffe kaufen zu können. Aber wir müssen vielleicht doch an das Ausland herantreten, da­mit diese? uns hilft. die von Deutschen im Ww- land deponierten Devisen herauszuholen. Für eine Anleibe i Auslese sind V-mbandlunaen mit der Industrie gepflogen worden, die aber zu keinem Resultat geführt haben. Bleibt der

Dollar auf der jetzigen Höhe, so sehe ich sehrschwarz, auch für die inner poli­tische Lage.

Abg. Dr. Helfferich (Dntl.) Es ist be­zeichnend, für unsere Verhältnisse, daß der Reichstag in dieser eigenartigen finanziellen Lage sich einem Minister gegenüber befindet, der seinen Posten nur im Nebenberufe ausübt Wir find ja solche Zustände gewöhnt. Speziell der Reichskanzler hat ja bisher das Finanz­ministerium mitoerwallet, genau so wie er jetzt das Auswärtige so nebenbei mit erledigt. Wir verlangen als Reichskanzler einen ganzen Mann, ebenso wie für jeden Ministerpostsn. Der Redner geht sodann auf den Steuererft- wurf ein und sagt: Ich habe festgestellt, daß das Defizit 182 Milliarden beträgt. Unsere eigenen inneren Bedürfnisse verlangen 104 Milliarden im Jahre. Dazu kommen noch die Reparationen mit 74 Milliarden. Mit den Gehaltserhöhungen, welche bevorstehen, müssen wir aber mit inne­ren Ausgaben von 120 bis 130 Milliarden rechnen, ohne die Reparationen, und werden schon hieraus ein Defizit von etwa 30 Milliar­den haben. Wenn wir die Beamtenschaft nicht auf das Maß des Allernotwendigsten beschrän­ken, können nur den Reichswagen nicht aus dem Sumpfe des Bankerottes herausziehen, selbst wenn die Entente auf alle Forderungen verzichtet. Für dieses Jahr verlangen die Repa­rationen 77 Milliarden. Für 1922 berechnet der Minister bereits 90 Milliarden. Der Mi­nister rechnet aber mit einem Dollarkurs von 84. Heute steht er über 200. Nun kommen noch die Besatzungskosten mit 1,6 Milliarden Gold­mark hinzu. Ich hoffe, daß

die Regierung endlich einmal diesem Stand J ein Ende macht.

Daß die Regierung dagegen nichts tut, ma ? ich ihr zum Vorwurf. Der ganze Etat maxi 255 Milliarden an Reparationen aus. Die Shi regitng Rathenaus, an die Stelle der Go > lieferung Sachleistungen treten zu lassen, war gut. Aber dieses Programm hat er umbiegen lassen und ich bedauere nur. daß er nicht hier ist, um vor dem Hause sich zu verantworten. Wir protestieren, daß das Wiesbadener Ab­kommen zustande gekommen ist, ohne vorher den Reichstag zu befragen. (Zustimmung). Von dem Abkommen mit Polen über den Kohlen­export über Antwerpen zum Inlandspreis hat der Auswärtige Ausschuß keine Kenntnis ge­habt. Das Wiesbadener Abkommen ist eine Verletzung der Weimarer Verfassung. Finanziell wird das Reichsbud­get durch das Abkommen um noch rund 30 Milliarden verschlechtert. Selbst bei mäßigster Veranlagung dürften sich die Gesamtausgaben auf 400 Milliarden im Jahre stellen. Dieser Parteiregierung können wir die neuen Steu­ern umso weniger bewilligen, als keine Steuern ausreichen würden, den Wahnsinn von Ver­sailles zu entsprechen. Der Redner pro­testiert gegen die Besitzsteuern und sortiert nochmals eine Vereinfachung der Steuergesetzgebung. Den ehrlichen Steuerzahler wollen wir schützen. Nur so kön­nen wir die deutsche Wirtschaft fördern. Die neuen Verbrauchsteuern beruhen auf bestirn­ten Wünschen der Entente. (Große Unruhe und Protest). Wir werden uns hier nicht von der Entente einschüchtern lassen. Wir werden uns auch von der Sozialdemokratie nicht dazu bringen lassen, auf unseren Schultern diese Frage entscheiden 31t lassen. Wir wehren uns dagegen, daß die Sachwerte erfaßt werden, um der Entente ausgeliefert zu werden. Die fest- verzinslichen Papiere, die Kriegsanleihe, müssen von der geplanten Besteuerung frei­bleiben. Die Erfüllung? rUH? her Regierung ist in allem und jedem g': eitert. Keine einzige von all den Aussichten, die viele von uns zur Annahme des Ultimata ns bestimmt haben, ist erfüllt worden. Die Pol ' ^r. Wirths jagt dem Abgrunde zu. (Lärm links).

Die Erfüllung ist unmöglich.

Die Regierung hat sich ihren, Verschleierung-? und rechnerischen Versuchen nicht nur ihren Kredit, sondern auch den deutschen Privatkredet aufs schwerste geschädigt. Wir werden in weni­gen Monaten für die dringendsten Lebensbe­dürfnisse Beträge zahlen müssen, die uns heute noch phantastisch erscheinen. Arbeitslosigkeit und Hunger werden unser Volk zur Verzweif­lung treiben. Die Ehre gebietet, der Entente offen mitzuteilen, daß Deutschland . den Er- füllungsplan nicht innehalten kann. Wir müssen uns entschließen können, in Ehren unterzu­gehen. (Starker Beifall rechts, Lärm und Zischen links). Hierauf vertagt sich das Haus auf Dienstag den 8. November«