Einzelbild herunterladen
 

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Slaöl- uns Landkreis Sanaa Reklamen August Brodt. all/ in Sanau"a^Maim z 3 Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Hanau.

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen Teil Richard Hultsch: für lokalen und vrovinziellen Teil

Einruckungsgebubr:

Die8gesv. Kolonelreile oder deren Raum 2.Mk., die 4geio. Zeile im Reklameteil 4.50 Mk., Finanzinserate 2.20 3Rt Offertgedübr 30Pfg. Bezugso reis: Viertel- jährl. 18. Mk..monatl. 6. Mk f. Postbezug viertel- jäbrl. 22.50 Mk. monatl.7.50Mk. Die Nummer 25 Pfg.

Postjcheck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Fernivrechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

Nr. 255

Montag den 31. Oktober

1921

SS

Die Zerstörungswut öer Gegner

Das Reichswerk Wolfgang bei Kanau in Gefahr.

Berlin, 30. Okkbr. Die Befürchtungen, daß der Versailler Vertrag die Handhabe zu immer neuen Gewaltakten gegen das deutsche Virkschafksleben bieten werde, erweist sich von neuem als Tatsache. Unter Aufficht und mit Zustimmung der Entente sind unsere ehemals der Htaffen- und Munilionsherstellung dienen­den Betriebe, die in denDeutschen Decken" vereinigt sind, zu Friedensbetrieben umgewandelt worden. Man sollte denken, daß diese mit Missen und Villen bet Entente voll­zogene Umwandlung auch dem Zersiörungs- drana Frankreichs genügen mühte. Ein neu angedrohter Gewaltakt Frankreichs zeigt aber, daß es ihm wirklich um die völlige V e r - nichtungderdeukschenJndustrlezu hm ist. Die neuesten Forderungen der Inter­alliierten Kommission, an deren Spitze General Holtet steht, lassen, obwohl alle bisherigen Vorschriften mit vollkommener Loyalität durch­geführt wurden, ganz klar erkennen, daß es sich bei der Entente nur noch um die reine Zer­störungswut handelt. So ist u. a. auch

das Reichswerk Wolfgang bei Hanau in Gefahr, vernichtet zu werden. Das genannte Werk ist auf Verlangen der Entente, wie dies ohne weite­res begreiflich war, sehr starken Zerstörungen ausgesetzt gewesen, für die bisher ein Betrag von nahezu 10 Millionen Mark verausgabt worden ist Es wurde dann, nachdem die En­tente benachrichtigt war, die Herstellung von Schmirgelpapier und Schmirgelleinen einge-

Gleichfalls unter Mikwiffen der Entente *M ÄS âx^ kenke hat für diese Zwecke 50 Tonnen Schietz- wolle freigegeben. Ferner beabsichtigte man, wie der Entente ebenfalls bekannt war, die Herstellung von Kunstleder aufzunehmen, wofür als Rohmaterial 150 Tonnen amerikanisches Pulver freigegeben wurden, nachdem es im Ein­vernehmen mit der Entente durch Vermahlen für ballistische Zwecke unbrauchbar gemacht war. Ietzk kommt plötzlich die Nachricht, daß die Interalliierte Kommission in Frankfurt a. M. sich genötigt sehe, die erteilte Erlaubnis zurückzuzie- h e n. Gleichzeitig wird gefordert, daß die 50 Tonnen Schießwolle und die 150 Tonnen ? fafoet verbrannt würden. DasMerkselbst el zu zerstören, die Eebäude bis aufdenErdbodenzuvernicht,en, alle elektrischen und Dampfleitungen hecauszuneh- wen, sogar die unterirdische Kanal!- sationseizuzertrümmern. Die Roh­materialien sollten bis zum 15. Oktober ver­bräunt werden. Die Fortführung des Betriebes wurde erst bis zum 31. Oktober und dann bis zum 30. November genehmigt, mit dem Zu­satz,um zu gestatten, die laufende Fabrikation zu beenden und sich darnach umzulun» wie man das mit dieser Arbeit beschäftigte personal am besten verwenden könnte". Die Folge dieser Vorschrift ist natürlich, sofern die Entente auf ihrer Forderung besteht, daß das Werk Wolfgang einfach geschlossen wer­de n m u ß.

Aehnlich liegt es beim Werk Erfurt, wo Schreibmaschinen und Jagdwaffen Herge- ftellt wurden. Jetzt kommt plötzlich die Vor­schrift, daß die Fabrikation aller Sport- und Jagdwaffen mit dem 31. März zu beenden sei. Das bedeutet naturgemäß, da eine Umstellung auf andere Fabrikationszweige in so kurzer Seit nicht erfolgen kann, ebenfalls die Still­egung, aus der dann nach dem Friedensver­trag die völlige Zerstörung des Werkes folgt.

Auch den Werken Spandau droht die gleiche Gefahr. Auch dort wurde die Herstellung von Jagd- und Sportwaffen neuerdings ver­boten und die Aufftellung neuer Apparate untersagt. Die Leitung des Werkes hat die Er­füllung dieser ungeheuerlichen Forderung ab« gelehnt und die Interalliierte Kommission an die Reichsregierung verwiesen. Es handell sich bei diesem Vorgehen nicht mehr um direkte Folgerungen aus dem Friedensvertrag, son­dern ausschließlich um den Konkurrenzneid der ausländischen Massenfabrikation. Man hat be­obachtet. daß die Vorschriften der Kommission immer schärfer wurden, je geringer der Ein­fluß der englischen und italienischen Mitglieder in dieser Kommission wurde. Es besteht die Gefahr, daß derartige Forderungen auch gegen private Unternehmungen gerichtet werden. Die Regierung yrird dafür sorgen, daß derartige

ungerechtfertigte Ansprüche entschieden zurück­gewiesen werden.

Militärisch ist Deuffchland durch die Aus­führung des Versailler Vertrages nach und nach vollkommen erledigt worden, nun soll auch noch seine wirtschaftliche Stärke gebrochen wer­den. Jeder Schein des Rechts ist den Fran­zosen ein willkommener Anlaß, in Deuffchland die bedeutendsten wirtschaftlichen Werte zu ver­nichten und ein Heer von Arbeitern brotlos zu machen. Als weitschauende und mit Verant­wortungsgefühl begabte Politiker auf der­artige Folgen des Versailler Vertrages hin­wiesen und deshalb feine Ablehnung forder­ten, konnten sich die Wortführer des deutschen Proletariats nicht genug tun, diese Warner als Knechte des Kapitalismus" zu beschimpfen. Jetzt, nachdem es zu spät ist, erkennen vielleicht auch die deutschen Arbeiter, daß sie damals besser getan hätten, den Versailler Vertrag einer sachlichen Prüfung auf seine Möglich­keiten zu unterziehen, statt dem Schlagwort vom Kapitalisten blindlings jedes Opfer zu bringen. Wie stellen sich denn die Arbeiter ihre Existenz vor, wenn der von ihnen bekämpfte Kapitalismus jetzt in Deutschland von der En­tente vernichtet wird? Wollen sie nach Frank­reich, England, Amerika auswandern und sich dort Arbeit suchen? Sie würden einen schlim­men Empfang bei ihren Brüdern von der In­ternationale finden, denn für die sind sie dann Lohndrücker. Sie würden auch da drüben nun wieder in kapitalistischen Betrieben ihr Brot inden. Was denken ,._ ,___:

Politik? Run haben unsere den einmal Gelegenheit, ernstlich darüber nachzu­lenken, ob für sie die Gegensätze zum Kapita­lismus das lebenswichtigere sind oder das Ge­meinsame, das sie mit dem Industriellen ver­bindet gegen den Landesfeind, der beide ver­nichten will.

Eine Noke der deutschen Regierung.

Berlin, 30. Oktbr. Wie dasBerlins Tage­blatt" hört, wird in Sachen der Deutschen Werke in den nächsten Tagen die deutsche Regierung eine Note an die Alliierten richten.

Oberschlesien.

Der deutsche Protest null und nichtig."

Paris, 30. Okt. (Havas). Briand hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Obersten Rates an den deutschen Botschafter Dr. Mayer folgendes Schreiben gerichtet:

Herr Botschafter! Eure Exzellenz haben durch Ihr Schreiben vom 27. d. Mts. mich wissen lasten, datz die deutsche Regierung gemäß der am 26. Oktober 1921 von den alliierten Mächten getroffenen Entscheidung betreffend Festsetzung der Grenze zwischen Deutschland und Polen in Oberschlesien die durch diese Entscheidung vorgesehenen Dele­gierten namentlich im Voraus bezeichnen und unverzüglich mitteilen wird. Ich ge­statte mir, Sie wissen zu lasten, daß die alliierten Mächte von dieser Mitteilung Kenntnis genommen haben; doch können sie nicht zugeben, daß die von ihnen getroffene Entscheidung aufgrund des Artikels 98 des Versailler Vertrages eine Vertragsverletzung welcher Art auch immer ausmacht. Sie betrachten infolgedesten den Protest der deutschen Regierung als grundlos, null und nichtig. Sie wollen die an sie durch Eure Exzellenz ge­richtete Mitteilung nur insoweit zur Kenntnis nehmen, als die Erklärung ohne Bedingung und Vorbehalt von der deutschen Regierung gemacht ist und als diese sich allen Vor- Ichriften der Entscheidung vom 20. Oktober mit den sich daraus ergebenden Folgerungen, zu denen der Friedensvertrag Deutschland verpflichtet, unt^rordnet. (gezk Briand).

Der$emps über Dr. Wirth.

Paris, 29. Okt. DerTemps" berichtet die Reichskanzlerrede, die in Karlsruhe gehalten worden ist. Der Reichskanzler habe gesagt, daß in den Augen Deutsch and» die Alluerten mit Oberschlesien einen Schacher getrieben und ernen Raub besannen hätten. Er habe den Broten

der Regierung als ein historisches Dokument bezeichnet, das zum Erbteil der Deutschen gehören muffe. Das bedeute, daß Deutschland sich einen juristtschen Vorwand vorbehalten wolle; um das volnischs Oberschlesien wieder zu nehmen. Reichs­kanzler Wirth habe auch den Friedensvertrag von Versailles und die Politik der Alliierten im allgemeinen angegriffen. Soweit man urteilen könne, sei diese heutige Sprache dazu bestimmt, die folgende Demarche vorzubereiten. Deutsch­land werde verlangen, daß man die Abkommen von London reviediere. Es werde taffächlich erklären, daß die Zahlungsfähigkeit durch die Teilung Oberschlesitns verhindert sei und daß die Reparationskommission infolgedeffen nach Artikel 234 de» Friedenrvertrage» intervenieren muffe. Frankreich und die anderen Gläubiger Deutschland» hätten ernste Gründe, zu glauben, daß Artikel 234 sich nicht auf das Abkommen von London beziehe. Die abänderunarfähigen Annuitäten seien ja automatisch auf die Zahlungs­fähigkeit Deutschland» eingestellt. Auch habe Ministerpräsident Briand am 27. Mai 1921 eine Erklärung in der Kammer abgegeben, au» der hervorgehe, daß Artikel 234 âls nicht mehr bestehend angesehen werde. Diese Erklärung sei niemals angezweifelt noch rektifiziert worden, sodaß man wobl annehmen könne, daß sie nicht ohne Grund abgegeben sei. Schließlich spricht derTemp»" noch über da» Schimpfen gegen den Friedenrvertrag von Versailles und fragt, ob Dr. Wirth und seine Regierung wirklich wollten, daß der Friedenrvertrag ansgeführt werde und daß der Friede in Europa erhalten bleibe. Dann müßten sie aufhören zu protestieren, und indem sie die Rechte der anderen achteten, auch die ihrigen geltend machen durch die Mittel, die der Friedensvertrag vorschreibe. Wollten sie etwa um jeden Preis durch Erschütterung die Teilung von Oberschlesien revidiert wissen oder das Londoner Abkommen berichtigt sehen, oder schreie die Regierung deshalb so laut, um

DerTemps ,-.... __.., die er später beantworten will und die lautet, ob nicht die wirtschaftliche Krise Deutschland zufälligerweise andere Ursachen habe als die Teilung Oberschlesien».

Die Landlagswahlen in Baden.

Karlsruhe, 3L Okt. Nach dem vorläufigen Er­gebnis der gestrigen Langtagswahlen sind gewählt: 20 Mcbrhcilssozialdemokr., 34 Zentrum, 7 Demokraten, 7 Landbund, 7 Deutschnationale, ein Wirtschaftliche Verem'gun-, 5 Deutsche Volkspartet, zwei unabhängige Sozialdemokraten, drei Kommunisten, zusammen 86 Abgeordnete.

Die alte Koalition, bestehend aus Mehrheits­sozialisten, Zentrum und Demokraten, zählt demnach 61 Abgerrdnete. Der verflossene Landtag setzte sich aus 107 Abgeordneten zusammen, wovon 39 dem Zentrum, 32 den Sozialdemokraten, 25 den Demo­kraten und 7 den Deutschnationalen angehörten. Mit­hin ist eine Verringerung der Mandate um 21 ein­getreten, was neben der verminderten Wahlbeteiligung auf die Abnahme der Zahl der Wahlberechtigten zu­rückzuführen ist. Auf je 10 000 Stimmen entfällt ein Abgeordneter.

Amtlicher Wahlresultat:

Karlsruhe, 31. Okt. Abgegeben wurden:

1. Wahlkreis Konstaiiz-ViKinzen. Soz. 16879, Zentrum 57130, Komm. 34 69, Demokraten 13036, Landbund 4446,11S. P. 1514, Teutschnationalc 3978, Deutsche Volkspaitei 3160, zusammen 103612 Stimmen

2. Wahlkreis Waldshut-Lörrach. Soz. 16254, Zentrum 32508, Komm. 3615, Demokraten 6827, Landbund 14053, U. S. P. 305, Deutschnationale 3678, Deutsche Volkspartri 1752, zusammen 789j2 Stimmen.

3. Wahlkreis Freiburg-Emmendingen. Sor. 18774, Zentrum 52718, Komm. 2203, Demokraten 6709, Landbund 14409, U. S. P. 1674,Deutschnationale 7443, Wirtschaftliche Vereinigung 2809, Deutsche Vokks- partei 6283, zusammen 113014 Stimmen.

4. Wahlkreis Offenbach-Baden-Badcn. Soz. 21740, Zentrum 73538, Komm. 3111, Demokraten 9439, Landbund 18780, U. 6. P. 3812, Deutschnationale 5687, Wirtschaftliche Vereinigung 1569, Deutsche Bolirpartet 5074, zusammen 137450 Stimmen.

5. Wabl kreis Karlsruhe-Bruchsal. Soz. 57512, Zentrum 45079, Komm. 9349, Demokraten 17167, Landbund 5057, U. S. P. 6228, Deutschnationale 80659, Wirtschaitliche Vereinigung 3013, Deutsche Volkspartei 14876, zusammen 188985 Stimmen.

6. Wahlkreis Mannheim-Schwetzingen. Soz. 46318, Zentrum 24722, Komm. 9446, Demokraten 10991, Landbund, U. S. P. 9287, Deutschnationale 12123, Wirtschaftliche Vereinigung 8151, Deutsche Volkspartei 14709, zusammen 130747 Stimmen.

7. Wahlkreis Heidelberg » Mosbach. Soz. 27114, Zentrum 55986, Komm. 4185, Demokraten 11998, Landbund 22985, U. S. P. 4587, Deutsch- nationale 12448, Wirtschaftliche Vereinigung 885, Deutsche Volk-Partei 8539, zusammen 148707 Stimmen.

Im ganzen Lande wurden abgegeben: Für die Sozialdemokraten 204591, Zentrum 341656, Komm. 35375, Demokraten 76167, Landbund 74730, U. S- P 27103, Deutschnationale 76013, Wirtschaftliche Ver­einigung 11427, Deutsche Volk-part« 54393, inS- aciamt 901457 Stimmen.

Lloyd George über die schwarzen Truppen.

Paris, 30. Oktbr. Havas meldet aus London: Der englische Abgeordnete Weeks hatte nach seiner Rückkehr aus Deutschland an Lloyd George einen Brief gerichtet wegen der Verwendung farbiger Truppen durch die Franzosen in den von ihnen besetzten Gebieten Deutschlands. Lloyd George ließ darauf am 27. Oktober durch den Staatssekre­tär des Auswärtigen, Harmsworth, antworten, daß die gegen die farbigen französischen Truppen vorgebrachten Beschuldigungen im Allgemeinen stark übertrieben gewesen seien. Für 133 Anklagen in einem Zeitraum von zwei Jahren seien nur Be­weise in 30 Fällen geliefert worden. Von 30 Schuldigen seien 13 verurteilt, zwei freigesprochen, sieben disziplinarisch bestraft und bei acht anderen das Verfahren eingestellt worden. Viele Anklagen hätten auf freier Erfindung beruht und andere gründeten sich auf leichtfertige Erklärungen. Die deutsche Regierung könne weitere Anklagen in Koblenz erheben und in diesem Falle werde der Oberkommissar sofort eine Untersuchung einleiten. Es scheint übrigens so heißt es nach Havas weiter als sei es nicht richtig, die von den Franzosen verwendeten farbigen Truppen als Schwarze zu bezeichnen, da sich unter den farbigen Soldaten Malayen und Marokkaner befänden. Diè englischen Osfistere, die man im Allgemeinen nicht als Anhänger einer Politik bezeichnen könne, die darin bestehe, farbige Truppen bei den deutschen Einwohnern unterzubringen, seien iid-Allgemeinen der Ansicht, daß diese farbigen Soldaten nicht mehr Ausschreitungen begingen als andere Soldaten, die deutschen Soldaten selbst in den Garnison- städten vor dem Krieg nicht ausgenommen. Der Brief schließt folgendermaßen:Wie Sie sich selbst überzeugen können, hat die britische Regierung sorgfältig die Tatsachen nachgeprüft und sie werden mit mir darin übereinstimmen, daß rein Grun- vorliegt, irgendwelche Vorstellungen bei der fran zösischen Regierung wegen der Verwendung farbiger Truppen im besetzten Gebiet zu erheben."

Rußland und die Großmächte.

Riga, 30. Oktbr. Die Sowjetregierung teilt in einer besonderen Note den Regierungen Englands. gS und Amerikas mit, das, enz, ott n

die" Kreditgewährung für die H'

der Hungernden von der Anerkennung der Schulden der Zarenregierung abhau,rg machte, nicht offiziell mitgeteilt worden sei, u« angesichts der sterbenden Volksmafsen die ^emheuen der diplomatischen Etikette unbeachtet lasse und hier­mit mitteile, daß sie unter gewissen Bedingungen oe- reit sei, die alten Schulden anzuerkennen. Di« Sowict- rcgierung schließt sich der Ansicht der Staatsmänner Europas und Amerikas an, die ein Zunehmen der wirt­schaftlichen Zerrütteriing allerorts fcststellten. Der Kampf mit dem allgemeinen Zerfall sei unmöglich so.ange ân- land in Trümmern liege und dessen 130 IkiUunen« voll an der W ederberstellung des Weltfrieden» nicht teilnehmen. Die Sowjetrcgicrung habe, um eine wirtschaftliche Verständigung unter den Mächten herbei- zutühren, dem ausländischen Kapital Rechtsgarantien eingeräumt, ferner den Privathandel hergestel-t. die Kleinindustrie denationalisiert und das Pachtrecht für Großunternehmen eingesührt......

Um vollends alle Hindernisse für ein Zusammen, arbeiten mit den Mächten zu beseitigen, sei die Sowjetregierung auch zum Nachgeben in der wichtigsten Frage der Schuldenanerkennung bereit und erllaie» daß sie die Verpflichtung den ausländischen Machten und deren Staatsangehörigen gegenüber übernehme, die von der Zarenregicrung vor 1914 a b g e i ch t o i » senen Anleihen zuruck, uerstatten, falls die Abtragung zu günstigen Bedingungen erfolgen könne. Ecchstverständlich könne die Sowjet- regicrung diese Vcipfllchiung nur übernehmen, fall» die Großmächte mit Rußland einen endgültigen a l le gemeinen Frieden schließen und dl» gegenwärtige Regierung an erkennen 31t diesem Zwecke schlägt die Sowietregierung die schnellste Emberufnna einer internationalen Konferenz vor, die die gegenseitigen Forderunoen prüfen und den endgültigen yriebenivertrag ans» arbeiten soll.

Die große und die kleine Entente.

Paris, 30. Oktober. Ueber die gestrige Sitzun, der Botschasterkonferenz erfährt derPetit Parisien": Die Forderung der kleinen Entente, Ungarn ein« neue Note zuzusenden, wurde abgelehnt. Die Bot- schafterkonferenz hat bereits der rmgarischen Regierung mitgetellt, daß sie den Thron- verzicht Karls und seiner Familie auSsprechcu müsse. Bezüglich der Abrüstung Ungarns erklärt die Konferenz nicht nur, daß sie darüber wachen werde, daß die Huresbestände Ungarns herabgesetzt werden, sondern daß sie auch bereit sei, Mitteilungen entgegen* zunehmen, die die kleine Entente zu machen habe. Zu einem Ersatz der Mobilisierungskosten der Tschechei, Jugoslawiens und Rumäniens hat Ungarn nicht bei« zutragen, da die kleine Entente diese Maßnahme selbständig getroffen habe. Ungarn habe seine Aufgab« loyal erfüllt unb sich, gegen das Abenteusr Karls aus­gesprochen.

kWeite.. politische Nachrichten Seite 3.),