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General-Anzeiger
AmMchss Organ Mr Siaöi- Md Landkreis Kamm I Reklamen August Brodt, alle^ in San^^Maim ' a Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hamm.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Som- und Feiertage
FernsvrechanschlLsse Nr. 1237 und 1238.
Nr. 248
Samstag den 22. Oktober
1921
Das Neueste.
— Die beiden Rechtsparteien lehnen die Genfer Entscheidung ab.
— Anläßlich der Entscheidung über Oberschlesien hat der Breslauer Oberbürgermeister angeordnet, daß sämtliche städtischen Gebäude einschließlich der Schulen auf Halbmast oder mit Trauerflor zu flaggen haben.
— Der Berliner Zeitungskonflikt hat sich verschärft.
— Wie mitgeteilt wird, soll in der nächsten Zeit in Berlin eine Filiale der russischen Staatsbank eröffnet werden.
— Die Venediger Beschlüsse, die sich auf die Burgenlandfrage beziehen, sind der Botschafter- konferenz jetzt übermittelt worden, die sich am Mittwoch damit beschäftigen wird.
— Die Genfer Konferenz zur Neutralisierung der Aalandsinseln nahm eine Konvention an, welche bezweckt, Garantien zu schaffen, damit die Inseln niemals Ursache von Gefahren in militärischer Hinsicht werden können. An der Ausarbeitung dieses Abkommens haben zehn Staaten teilgenommen.
Die Parleien und Oherfchlesien.
Wie nicht anders zu erwarten stand, hat die offizielle Mitteilung des Genfer Machtfpruches, )er dem deutschen Recht und damit dem gesam- en deutschen Volke erbarmungslos ins Gesicht chlägt, die in Berlin seit einigen Tagen herr- chende Krisenstimmung außerordentlich ver- tärkt und es ist die SUmde gekommen, in der es sich entscheioen muß, ob man einen neuen Reichskanzler küren oder den bisherigen Leiter der deutschen Reichspolitik wieder auf den Schild erheben will. Während diese Zeiten geschrieben werden, sind die meisten Parteien innerhalb chrer Vorstände zu einem abschließenden Urteil noch nicht gekommen, was außerordentlich bedauerlich ist, umsomehr, als man **" E>,uchl-rage
vertraut ist Man verhandelt und verhandelt, und läßt das Volk im Dunkeln tappen. Wo soll diese Art der Politik hinführen? Statt sofort an dem der Uebermittlung des Völkerbunds- entscheides folgenden Tage eine gemeinsame Kundgebung schärfsten Widerspruches und Protestes zu erlassen und damit der Welt kundzu- tun, daß wir den Willen zur Erfüllung nimmermehr auftechterhalten können, da dem deutschen Volke ganz bedeutsame Kraftquellen entrissen werden sollen, verhandelt man hinter verschlossenen Türen über die Frage, ob das Kabinett zurücktreten soll oder nicht, eine Frage, die u. E. längst geklärt sein könnte. Diese Politik des Hinauszögerns ist, wie bis jetzt immer beobachtet werden konnte, nur geeignet, eine Aktion gegen die Gewaltakte der Entente von vornherein verpuffen zu lassen.
Von den einzelnen Parteien haben bisher die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationalen Beschlüsse gefaßt und zwar lautet der der DeutschenVolkspartei:
»Die Reichslagsfraklion der Deutschen Volkspartei nahm von den bekannt gewordenen Erklärungen der Entente über die oberfchlesifche Entscheidung Kenntnis. Die Fraktion sieht in der Entscheidung eine Mißachtung der Volksabstimmung und eine Verletzung des Versailler Vertrages. Sie lehntdleEntschei- o u n g e l n st i m m i g a b."
Ebenso haben die Deutschnationalen die in dem Anschreiben von Briand geforderte Anerkennung der Entscheidung der Entente ab- aelehnt, weil sie für Deutschland eine unerträgliche politische und wirtschaftliche Bindung bedeutet.
In der Sitzung der demokratischen Fraktion ist zum Ausdruck gekommen, daß man den Rücktritt des Kabinetts Wirth als zweckmäßig erachte. Es handle sich dabei, so wurde erklärt, nicht um eine innerpolitische Gegnerschaft gegen die Person des Kanzlers. Die Fraktion bedauert vielmehr, daß die Notwendigkeit des Rücktritts eintritt. Aus innerpolitischen Gründen sei eine Persönlichkeit wie die Wirths fast unentbehrlich. Wegen seiner Festlegung in außenpolitischen Fragen sei aber sein Bleiben unmöglich, weil seine bisherigen Erklärungen sonst zur Farce würden. Die Beratungen sind aber Hier noch nicht beendet. — Bekanntlich hat das Kabinett Wirth bereits vor Monden kund- gegeben, daß sein Schicksal mit dem Oberschlesiens stehe und falle-
DaS Zentrum scheint dem Genfer Beschluß gegenüber eine ablehnende Haltung einzunehmen, allerdings hat es bis jetzt seine Ansicht nicht wie die beiden Rechtsparteien durch einen Beschluß festg-elegt. Ob die Stimmung des Zentrums so bleibt, ist fraglich. da, wie es heißt, heute der Botschafter Dr. Mayer aus Paris
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Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat gestern gemeinsam mit dem Parteiausschuß beraten. Es wurden die drei Möglichkeiten: annehmen, ablehnen oder weitere Verhandlungen mit der Entente geprüft. Die Mehrheit erklärt, daß weitere Verhandlungen mit der Entente zwecklos seien. Es sei aber zu erwarten, daß in Zukunft unter dem Einfluß der deutschen Intelligenz die Polen in wirtschaftlichen Dingen zu Zugeständnisien gebracht werden könnten. Die Stellungnahme der Fraktion in der Frage der Regierungsbildung, die das Recht'über Verbleiben oder Gehen des Kabinetts Wirth allein dem Reichstag zuerkennt, fand laut „Vorwärts" auch in dieser gemeinsamen Si' ung einmütig Zustimmung.
Auch die U. S V hat gestern Stellung genommen Die Fraktion beklagte aufs lebhafteste die Teilung Oberschlcsiens. die eine große An^alü deutscher oder überwiegend denkst er Gemeinden Polen zuweist und ein einheitliches Wirtschaftsgebiet zerreißt. Die Fraktion steht jedoch auf dem Standpunkt, daß ein Wechsel in der auswärtigen Politik die verhängnisvollsten Folgen nach sich ziehen würde.
Eine Erklärung Slegerwalds.
Ministerpräsident S t e g e r w a l d hat in der gestrigen Sitzung des preußischen Landtages folgende Rede gehalten:
Neues schweres. Unheil von noch unabsehbarer Tragweite ist über Preußen und Deutschland hereingebrochen. Nachdem der Friedensvertrag uns die Provinz Pofen, die halbe Provinz Westpreußen, das Memelgebiet, Nord- chleswig und Eupen-Malmedy geraubt hat, ind nun auch die feindlichen Würfel über Ober- chlesien gefallen. Das Land — seit den An- ängen osteuropäischer Kultur ununterbrochen in deutschem Besitz —, so wie es vor uns liegt, das ausschließliche Werk preußisch-deutscher Arbeit und Tatkraft, deutscher Intelligenz und Ordnung, soll in zwei Teile zerrissen werden, stet wird. ~ Kèrnd^uksHe Stakst^die Bilder westeuropäischer Kultur, die wirtschaftlichen Mittelpunkte des ganzen oberschlesischen Industriegebiets und die Knotenpunkte seines Eisenbahnnetzes, sollen der Polonisierung verfallen! Unsere gesamte Zinkproduktion, der größte Teil der Eisen- und Stahlwerke, weit mehr als die Hälfte unserer dortigen Kohlengruben werden uns entrissen, uns, die wir andere Länder mit jährlichen Kohlentributen versorgen müssen.
— Jeder Mann und jede Frau, die noch deutsches Empfinden bewahrt haben, stöhnt auf unter dieser neuen Vergewaltigung.
Von unparteiischen Sachkennern aller Nationen, die Oberschlesien besuchten und studierten, wurde seine Unteilbarkeit als unbedingte Voraussetzung seines wirtschaftlichen Gedeihens festgestellt. Trotzdem spaltet man es in zwei lebensunfähige Teile. Nunmehr ist dort so gut wie alles unsicher und schwankend geworden. Die Arbeitsbasis ist zerstört, alle Geschäftsfreudigkeit, die Voraussetzung jeden Aufschwunges, ist gelähmt. Auch in dem künftig polnischen Oberschlesien sind Kapital, Leitung und der überwiegende Teil der gelernten Arbeiterschaft deutsch. Oberschlesien muß also zusammenbrechen, wenn diese führenden geistigen Kräfte ihre bisherige Wirkungsstätte verlassen. Den Aussichten aber auf einen endlichen und wirklichen Frieden und die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas ist damit der schwerste Schlag versetzt. Die Zahlungsfähigkeit Deutschlands ist nach Lloyd Georges eigener Erklärung aufs schwerste geschwächt, denn der Verlust dieser reichen Gebiete bedeutet eine Verminderung der wirtschaftlichen Gesamtkraft Deutschlands und einen bedenklichen Ausfall an Steuern. Er vereitelt jede planmäßige Regelung von Ein- und Ausfuhr und bewirkt eine noch gar nicht zu ermessende Verminderung an Zolleinnahmen. Ohnmächtig an äußerer Gewalt, gilt es für uns, mit kühlem Kopf die Tatsachen zu prüfen. Die Gegner selbst schlagen mit rhren immer drückender werdenden Auflagen alle Aussichten nieder, von Deutschland die erhofften Leistungen zu gewinnen.
Wir dürfen nicht müde werden, diese Erkenntnis in der West zu verbreiten. ®iw9unt im Innern ist jetzt erste und heiligste Pflicht. Unsere oberschlesischen Brüdet, die in den letzten zwei Jahren so Fürchterliches haben durchmachen müssen, sind uns in dieser Beziehung ein leuchtendes Vorbild. Dort in Oberschlesien ist alle parteipolitische Gegnerschaft unter deutschen Volksgenossen in den Hintergrund getreten vor der gemeinsamen Not. Darum sei ihrer, unserer oberschlesischen Brüder und Schwestern in diesem Augenblicke in Gérgrinen* heit, Verehrung und herzlicher Liebe gedacht. Was sie bisher geleistet und gelitten haben, ist echtes Heldentum. Dieses Heldentum aus
Tagen, die hinter uns liegen, ist uns ein Unterpfand dafür, daß sie auch das Schwerere, das noch vor ihnen und vor uns liegt, tragen und durchhalten werden. Ihr deutschen Oberschlesier seid und bleibt untrennbar untereinander, untrennbar von der großen deutschen Volksgemeinschaft, unzerreißbare Bande verknüpfen uns auch in Zukunft miteinander. Wir werden Euch mit allem, was wir sind und haben, weiter Treue halten!
Die Kommunisten widersetzten sich durch lärmende Zurufe während der Rede. Der Lärm setzte sich fort unb ging während der Rede in andauerndes Johlen über, wogegen die Rechte ihrerseits durch lebhafte Gegenkundgebnngen Front machte. Die Ausführungen Stegerwalds blieben deshalb bis auf einzeln« Sätze unverständlich. Am Schluß setzte Beifall und Händeklatschen bei der Rechten rin, während die Linke von neuem lärmte. Die Vertreter der Sozialdemokratie und der Unabhängigen erklärten sich nicht einverstanden damit, daß die preußische Regierung mit ihrer Erklärung dem Reichstage und der ReichSregierung Vorgriff.
Die Sitzung wurde vertagt. Die nächst« Sitzung findet am 3. November statt.
Kirntzgelbttngen »ui O bersch lefia«.
B«rli«, 21. Ost. Die oberschlesischen Abgeordneten der Zentrumrftaktion der Reichstage» und de» Preußischen Landtages (gez. Pfarrer Ulizka) haben folgende Kundgebung an ihre Wähler gerichtet:
Die Entscheidung, wie sie jetzt durch die amtliche Bekanntmachung der Botschafterkonferenz veröffentlicht worden ist, übersteigt alle Befürchtungen, die wir für unsere Heimat schon in den letzten Wochen hegten. Eure Abgeordneten der Zentrumsfraktion de» Reichstages und bei Preußischen Landtage» verstehen nur zu gut Euren Schmerz und Eure Entrüstung un» teilen sie mit Euch aufrichtigen Herzens. Es bedarf wohl keiner ausdrücklichen Versicherung, daß wir rastlos bemüht sind, das über uns hereingebrochene Unglück noch in letzter Stunde abzuwenden. Wir werden dabei unterstützt durch das volle Verständnis der Zen- trumSfraktion bei Reichstages unb des Landtages, die ebenso unablässig tätig, die Interessen der Ober- schlester nach allen Seiten hin mit allen Kräften zu wahren. In diesem Sinne bitten wir Euch, wie bis» ^r Vertrauen zu uns »nd unserer Arbeit zu haben, »ie Rub- ?u toaytüt n« < zu vermeiden.
KSnigSHLtte, 21. Oft Di« deutschen Parteien und Gewerkschaften von KSnigShütte haben folgendes Programm an den Reichskanzler gesandt: Da» Unrecht ist zur Wirklichkeit geworden. Die deutsche Stadt Königshütte ist vom alten Vaterland loSgerissen worden. Auch unter der Fremdettherrschast werden wir unser Deutschtum wahren und mit unseren Brüdern unb Schwestern im Reiche eines Sinnes sein. Gleichzeitig erlassen die Absender der Kundgebung folgenden Aufruf: Deutsche Bürger von König-Hütte! DaS bisher unglaubliche ist eingetragen. Unsere Stadt, die zu 75 Prozent deutsch ist, wird gegen unseren Willen und gegen unser klare« Recht fremdem Staate zugeteilt. Unsere Zukunft müssen wir ne« schaffen. Ertragt die schweren Tage der Uebergabe mit Ruhe! Bewahrt Eure Würde und vergeßt nicht, daß Ihr Deutsche seid. Schließt Euch enger all je zusammen.
DiewirlschasMchen Folgen derTettung.
Im „Vorwärt»" errechnet ein bergmännischer Sachverständiger unter Zugrundelegung der Kohlenförderung im Jahre 1913 in Oberschlesien, daß nach der Genf-Pariser Entscheidung Polen viermal so viel Kohlen bekommt, als Deutschland verbleiben. Im April 1921 wurden in Oberschlesien 2 922 539 Tonnen Kohlen gefördert. Von dieser Förderung fallen künftighin 2197844 Tonnen an Polen, wahrend 653 200 Tonnen bei Deutschland verbleiben und der Verbleib von 71455 Tonnen noch unentschieden ist. Von dem gesamten Kohlenvorkommen in Oberschlesien, das bis zu einer Tiefe von 1200 Metern 112'/, Milliarden Tonnen beträgt, bleiben nur ungefähr 5 bis 5'/, Milliarden in deutschem Besitz. Da Deutschland alle oberschlesischen Zink- und Bleigruben verliert, büßt es damit stark *A seiner gesamten Zinkproduktion und die Hälfte seiner Bleierzförderung ein.;
Deutschland und Schweden.
Stockholm, 21. Oktbr. Unter ber Ueberschrist „Deutschland und wir" schreibt „Dagen« Tidning": Keine Ententepropaganda kann jemal« bie Tatsache verdunkeln, daß in dem Weltkrieg Deutschland« Kampf ein Kampf bei Frieden« gegen die Gewalt war, ein Kampf europäischer Ordnung gegen gr««zenlose Rücksichtrlostgkcit. Der beste Bewei« hierfür ist da« Schicksal Oberschlesien», wo zum deut- lichen Schaden bei künftigen Weltfrieden« ein Gebiet?- teil durch den Völkerbund von Deutschland getrennt wird, der ihm über 700 Jahre lang angehörte und der für sein wirtschaftliches Lebe« notwendig ist Wenn nach der deutschen Katastrophe in Schweden hinsichtlich ber Beurteilung und der Stellungnahme viel Feighrtt Platz griff und man hier vor den Siegern kroch, wo man früher den Deutschen eitel Preis «ud Lob spendete, beginnt jetzt da« Erwachen. Dabstlbe Gefühl, da« Schwedens Volk immer stärker beseelt, dürste, wenn nicht alle Zeichen trügen, sich auch bei den anderen neutralen Staaten finden: Gewalt und Unrecht gegen Deutschland müssen schnell ein Ende nehmen, die Welt hat übergenug hier non. Ueberall auberdalb bei Suteutelämer Letzt
der Völkerbund als scheußliches Zerrbild beffen da, was er einst hätte werden sollen. ES ist ein germanisches LebenSinteressc, daß Deutschland« Volk nicht zur Verzweiflung getrieben wird. Wir unb auch die ganze Welt brauchen ein deutsches Volk, deutsche Kultur, deutsche Ordnung, deutsche Vertiefung des Leben? unb bei Lebensproblem s. Laßt uns alle, die wir noch in der Welt die Freiheit hierzu haben, immer wieder gegenüber den jetzt an ber Macht Sitzenden auSrufem Europa? Freiheit erfordert ein freies Deutschland.
Die amerikanischen Truppen am Rhei«.
Washington, 22. Ott. Man erwartet, daß die amerikanischen Truppen am Rhein mit der Räumung des besetzten deutschen Gebietes innerhalb 14 Tagen beginnen. Im Staatrdepertemsnt wurde gestern erklärt, daß der Räumungsbeginn dem Austausch der Ratifikation des deutsch-amerikanischen Friedensvertrages folgen werde.
DerschSrsung im Berliner Zeitungs- Konsiikl.
Berlin, 22. Oktbr. Die bereinigten Zeitung«- Verleger «roß-BerlinS erlassen folgende Erklärung:
Der Kampf für denTarif imZeltuug«- g « w e r b e unb der Konflikt im Druckcreibetricb bei Berliner Zeitungen erfuhr mit dem heutigen Tag« eine sehr bedauerliche Verschärfung. Seit Dienstag ließen die Berliner Zeitungsverleg« ihre Zeitungen aus Solidarität mit der Firma Moste, deren Personal unter Tarifbruch in den Streik trat, nicht erscheinen. Sie taten das, obwohl sic in der Hoffnung auf eine Verständigung ihr ganze« Personal unter voller Bezahlung in den Betrieben hielten. Die damit verbundenen sehr erheblichen Kosten nahmen sie auf sich, um die Absicht der tarifbrüchigen Belegschaft bei Mosse-VcrlageS zu vereiteln, und diese durch bie Konkurrenz der anderen Zeitungen unter da« Joch z« zwingen. Vergeblich setzten sich der Rcichsarbeitr- minister und die Gewerkschaft in eindringlichster Weise ein für bie Wiederaufnahme der Arbeit bei Moste schen Personals. DaS Personal verblieb jedoch bei der Ab- l/hnitn«. Daraufhin unternähme« die Zeitungsverleger einen erneuten Versuch, die Solidarität mit der bedrängten Firma dadurch zu bekunden, daß das „Berliner Tageblatt" in anderen Zeitungsdruckereien hergestellt werden sollte. Von einer Streikarbeit konnte dabei nicht die Rede sein, da bie Mosse'sche Belegschaft durch dar paritätisch besetzte Schiedsgericht einstimmig, also auch mit den Stimmen der Arbeitnehmer als tarisbrüchig erklärt worden war. In benjenigen Zeitungsbetricben, in denen die Ablehuung der Arbeit erfolgte, wurde daher wegen unberechtigter Arbeit;- Verweigerung die fristlose Entlastung der an der Herstellung der Zeitungen beteiligten Personale ausgesprochen. Der Verein der Berliner Buchdruckerei- bcsitzrr beschloß gleichfalls zur Bekundung der Solidarität Mit den ZeitungSverlegern die Kündigung ber technische» Belegschaften mit der tariflichen achttägigen Kündigungsfrist. Für die Zeitungsverleger war der Entschluß der Entlassung schwer, nicht nur wegen der bisher guten Verhältnisse zu dem Personal, sondern auch in Erwägung der überaus ernsten politischen Verhältnisse. Aber alle Bedenken mußten zurücktreten hinter der Notwendigkeit, nicht durch einen wilden Streik einer geringen Minderheit den Tarifgedanken vernichten zu lassen, um dessen Durchsetzung das gesamte Buchdruckgewerbe, Arbeitgeber und Gehilfen- schäft, ein Viertel Jahrhundert vorbildlich für di« friedliche Entwicklung aller anderen Sewerbe ge« kämpft hat.
Die Vereinigten Z-iiungtverlcgcr Groß-Berlin».
Da die technischen Belegschaften samt liier Betriebe der Vereinigten Zeitung-Verleger Groß-Berlin« den Druck bei Mossc-NlatteS verweigerten, wurde ihnen sämtlich gekündigt.
Die Königssrage in Ungarn.
Budapest, 22. Oktober Ministerpräsident Graf Bethelu hielte in Pecs in einer Wählerversammlung eine Rede, in der auf die Notwendigkeit der Zusammm- faffuna aller politischen Kräfte hinwics. Er bczeichmtc ei als eine dringende Notwendigkeit, daß beide Regierungsparteien zu einer einheitlichen die Utegierung unterstützenden Partei verschmolzen würden, der auch alle intelligenten Elemente, welcher Partei und Mt» gangenbeit sie auch anzehört haben mögen, sowie auch die auf nationaler Grundlage stehende rlrbeiter>chafi, sich anschließcn sollten. Ueber die Könis»fragc sagte Betheln, durch bie Revolution und die Unterzeichnung der Vertrages von Trianon sei Ungarn zu einem un< abhängigen Staat geworden. Der König >cr durch du Revolution in der Autübung feiner Herrscherrecht' verhindert worden. Da aber gemäß der ungarischen Verfassung in der Ausübung dieser Rechte keine Unterbrechung eintreten dürfte, andererseits aber bie Ausübung von der Uebernahme gewisser Bedingungen abhänge, müsse die Regierung im Auftrage der Nation mit dem König über dieser Bedingungen verhandeln. Solange diese Verhandlungen zu keinem Ergebn«; führten, würden alle Bestrebungen zur Auswirkung der Königsfrage innerhalb und außerhalb des Parlaments als verfassungswidrig und revolutionär von der Sie» gierung unterdrückt werden. — Durch diese Erklärung ist zwischen den beiden eLtremistijchen Parteien eine Brück« geschlagen worden.
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