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SamuerS Anzeiger

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General-Anzeiger

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

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AmMches Organ für Statt- und Landkreis Sana« Reklamen August ^Brodt, allein Sanau^cu^ z 3 Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

Ar. 243

Montag den 17» Oktober

1921

Das Neueste.

Die Revarationskommission wird nach einer pariser Meldung heute eine Vollsitzung abhalten, im eine entgültige Entscheidung über das Wies- uldener Abkommen zu treffen.

Trotz des Widerstandes der Wilson-Eruvve Men den Sondervertrag mit Deutschland ist dessen Ratifikation für die nächsten Tage zu erwarten.

Die Groß-Berliner Stadtverordnetenwahlen ergaben nach dem vorläufigen Gesamtergebnis eine tseine bürgerliche Mehrheit.

In den Vereinigten Staaten droht ein Eisen- bahnerstreik auszubrechen.

Nach einer Meldung aus Washington sind die Vereinigten Staaten bereit, in der Schantung- frase zwischen Japan und China zu vermitteln, falls Japan offiziell darum ersucht.

Der Parleien Streit eine Äomööie.

Eine Rede StegerwaldS.

In Essen findet gegenwärtig der deutsche Handlungsgehilfentag, veranstaltet Deutschen Handlungsgehilfenverband statt. Tagung ist von 4000 Delegierten besucht,

15. vom Die die

260 000 kaufmännische Angestellte Deutschlands, Deutsch-Oesterreichs und des Auslandes vertre- tm. Mini st er Präsident Stegerwald überbrachte die Grüße des Deutschen Gewerk- schaftsbumdes und des Gesamtverbandes christ­licher Arbeitergewerkschaften. Ueber Ober- s ch l e s i e n sprechend sagte er dann: Deutschland hat seine Verpflichtungen bis auf den Verfalltag voll erfüllt,.Die Ententx hat ihr durch England gegebenes Versprechen, Deutschland fair Play zu gewähren, nicht gehalten. Eine deutsche Bevölke­rung, die sieben Jahrhunderte lang zu uns ge­hörte, soll gleich einer Ziehherde in das polnische Lager getrieben werden. Dadurch wird eine eaufgeriffen, die solange nicht heilen wird, â diese Ungerechtigkeit bestehen bleibt. Mir solchen Eisenbart-Kuren wird die Welt nicht zur Ruhe gebracht und der Schiedsgerichtsgedanke für alle Zeit tot geschlagen. Und in dieser Zeit streitet sich das deutsche Volk in seinen Parteien. Während England, sagte der Minister weiter, heute bereits für Arbertslösenunterstüßung als Folge des Tiefftandes der deutschen Mark mehr Geld ausgeben müsse, als es von uns zu be­kommen habe, wachse sich der Streit der Par^e^en in Deutschland allmäh­lich zu einer K.omö die aus. Es sei selbstverständlich, daß wir Koalitionsregierungen brauchten, aber diejenigen, die außerhalb der Koalition ständen, müßten als gleichberechtigte Volksgenossen behandelt werden. Der Wunsch nach Wiederkehr der Monarchie sei eine Sonntagsan­gelegenheit, wir aber müßten Werktags arbeit leisten. Wir müßten uns darüber klar sein, daß ein Wiederaufbau nur mit der Be­teiligung der Industrie an der Regierung möglich sei. Eine nur gesetzt liche Devisenregelung sei unmöglich, so lange die Einfuhr derartig wie heute die Ausfuhr über­treffe. Jetzt die Devisenregelung nur auf gesetz­lichem Wege finden wollen, hieße einen Elefan­ten in einen Porzellanladen stellen. Einmal komme der Tag, an dem die deutsche Mark wieder stabil werde, dann werde voraussichtlich eine ungeheure Arbeitslosigkeit in Deutschland ein» treten. Dann werde die Landwirtschaft unsere Rettung sein können, wenn wir sie jetzt richtig zu behandeln versuchten. Die Landwirt­schaft müsse für den Aufbau ge­wann e n w e r d e n. Es sei falsch, sie fortwäh­rend politisch abzustoßen. Stegerwald hofft auf den Deutschen Gewerkschaftsbund, auf die mehr als zwei Millionen Arbeitnehmer, die treu hinter ^m stünden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund nife den Parteien zu: Wft pfeifen auf diese Streitigkeiten, sie sind vergebliche Kroftver- schWendung! Wollen wir solange streiten, bis das deutsche Volk verendet? Stegerwald erklärte, rr stche nach wie vor zu seinen Essener Dar­legungen. Er stehe gegen seinen inneren Willen in seiner jetzigen Regierungsstelle. Seine letzte Aufgabe sehe er darin, die Essener Gedanken der christlich-nationalen Gewerkschaftsbewegung zum Migememgut des deutschen Volkes machen zu können. Dies allein könne uns Rettung bringen.

Soweit Stegerwalds Ausführungen, die tolle Anerkennung und Beherzigung verdienen, flus den Ausführungen geht der erneute Appell hervor, alle zur Mitarbeit willigen Kräfte im deutschen Volke auf einer breiten Regierungs- dasis zu vereinigen und eine große Arbeits- ffont, die zugleich eine Abwehrfront bilden soll, zu schaffen. Wir waren bereits einmal nahe daran, diese Front zu bekommen, doch innere Zerrissenheit und Parteihader machten seiner- Zeit die Bemühungen vieler Vaterlandsfreunde um die Bildung dieser Front zuschanden Der Darteidokttinarismus und die Parteiselbstsucht

triumphierten über den nationalen Impuls derer, die für diese breite Front eintraten. Nun ist inzwischen der Gewaltspruch von Genf über Oberschlesien gefällt worden, ein Spruch, der der Gesamtheit des deutschen Volkes einen ver­nichtenden Schlag versetzt. Und statt nun zu­sammenzustehen und diesen Vernichtungsschlag abzuwehren, so gut es geht, dauert der Par­teien Streit fort und wird, wie Stegerwald sehr richtig ausführte, allmählich zur Komödie.

Germaniam esse delendam. Deutschland muß vernichtet werden! Das ist die Parole Frankreichs. Und sie wird es bleiben, solange wir vom Parteigeist zerfetzt, vom widerlichen Parteigezänk erfüllt, vom Parteihader zerrissen sind und uns deshalb nicht wehren können. Wir find ein Volk in Not und Notzustände er­fordern, wie wir bereits vor eingien Tagen an dieser Stelle zum Ausdruck brachten, außer­ordentliches Verhalten. Wenn einer Hausge- meinsckaft von einer Räuberbande wertvolle Wirtscyaftsgüter entrissen werden sollen, wer­den sich vernünftige und kluge Glieder einer solchen Gemeinschaft niemals gegenseitig be­schimpfen und befehden, sondern fest zusam­menstehen und den Räubern mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln entgegentreten. For­dert der Raub Oberschlesiens und die franzö­sische Vernichtungsabsicht im allgemeinen, von allen Gliedern und Parteien der deutschen Volksgemeinschaft nicht die gleiche Haltung? Die Antwort kann nur mit einem lauten Ja gegeben werden. Wft sind der Ansicht, daß gerade in dieser Stunde der furchtbaren Not, die über uns Hereinbrechen will, die Parteien nicht mehr das Recht haben, sich um ihrer grundsätzlichen Anschauungen willen von der gemeinsamen Arbeit fernzuhalten. Wir brauchen heute eine Regierung aus allen Volksteilen, eine Regierung, die wirklich auf dem brei- des Volkes ruht. Niemand ist von

mitzuhelfen.

Wir flehen wieder einmal und vielleicht das letzte Mal an einem Anfang. Möchte das Ge­schick es mit dem deutschen Volke trotz allem und allem gütig meinen und ihm die Kraft ver­leihen, das Gebot der Stunde, das auch Stegerwalds Ausführungen herausklingt, verstehen! Noch ist es nicht zu spät!

aus zu

OSerschlesien.

WeiKUNgsverfchieöenherlen über Sie Prozedur.

Paris, 16. Okt. In einem Bericht über die diplomatische Lage beschäftigt sich die Havas- Agentur mit dèn Einzelheiten, die in der gestrigen Sitzung der Botschafterkon- ferenz noch nicht geregelt wurden. Die Engländer vertraten den Standpuntt, daß die Lösung von Genf ein unteilbarer Ganzes dar­stelle. Die Grenzziehung müsse notwendiger­weise zu gleicher Zeit mit dem provisorischen Regime wirtschaftlicher Anpassung verbunden sein. Wenn auch der Vertrag den Alliierten recht gebe, den beiden Staaten die territoriale Trennung in Oberschlesien aufzuzwingen, so sei er ihnen doch nicht g e st a t t e t, den gleichen Staaten diese oder jene politische oder wirtschaftliche Konvention a u s z u- nätigen. Der Abschluß eines derartigen Abkommens betreffe nur Polen und Deutschland die in voller Unabhängigkeit entscheiden müßten. Die englischen Vertreter fragten deshalb, was die Alliierten tun könnten, wenn eine der beiden Parteien sich weigern werde, die in Genf an- empfohlenen wirtschaftlichen Konventionen ab; zusckließen. Man scheine nach dieser Richtung in London hauptsächlich am guten Willen Polens zu zweifeln. Man trage ferner, ob denn die Frage noch offen gelassen werden könne, die, wenn sie noch länger in der Schwebe bleibe, den Weltfrieden in Gefahr bringen werde. Franzöfischersefts antwortete man hierauf, gewiß nicht, man erklärt jedoch, daß die Genfer Vorschläge zwei Teile enthalten, die sich ergänzen, die aber von einandex unabhängig seien. Der eine betreffe die Grenzabstimmung und könne Polen und Deutschland aufgezwungen werden, der andere ein provisorisches wirtschaft­liches Regime das nur anempfohlen werden könnte, weiter nichts, da der Vertrag den alliierten Mächten nicht gestatte, Zwang zur Annahme auszuüben. Aus diesem Grunde schlage man in französischen Kreisen fol g en­de »Verfahren vor: Man benachrichtige Berlin und Warschau formell über die neue Grenzlinie. Nach Artikel 88 Abs. 6 seien die polnischen und deutschen Behörden verpflichtet, einen Monat nach der Notifizierung die Ver­waltung der zugesprochenen Gebiete zu über­nehmen. Sei das geschehen, dann sei bie Be­fugnis der interalliierten Oberkommissiombe- endet. E« wäre dann wünlckenswert. daß in

diesem Monatslaufe Polen und Deutschland die vom Völkerbund anempfohlenen wirtschaftlichen Konventionen abschlössen. Zu diesem Zweck teile man ihnen bie Vorschläge des Völker­bundes mit. Dix Votschafterkonferenz ver­pflichte die beiden Regierungen, sofort Bevoll­mächtigte zum Abschluß der für die Aufrecht­erhaltung der wirtschaftlichen Leben» notwen­digen Abkommen zu ernennen. Warschau und Berlin sollten dann, aufgefordert werden, auch ihre Delegierten für die gemischte Verwaltungs­kommission zu bestimmen. Der Völkerbund seinerseit» werde unverzüglich den P r ä si d e n- ten neutraler Nationalität für diese Kommission ernennen. Mit einem Wort man appellierean die Weisheit der beidenVölker, damit sie nach einem gemeinsamen Uebereinkommen das Uebergangs- regime, das die neue Lage verlange, festlegten. Polen könnte sich dieser Verpflichtung nicht entziehen, wo er nach Artikel 90 des Friedensvertrages dis Verpflichtung übernommen habe, während der Dauer von 15 Jahren den Export von Vsdenerzeugniffen aus den ihnen übertragenen Gebiete nach Deutschland zu ge­statten. Durch die Lage der Dinge aber habe Deutschland ein Interesse daran, so wie vor­geschlagen, zu verfahren. Englischerseits glaube man nicht, daß die wirtschaftlichen Ab­kommen innerhalb einer Monats geschloffen werden könnten. Aur diesem Grunde empfehle man, die Notifizierung der Grenze hinaurzu- schieben, um erst die deutsch-polnischen wirtschaft­lichen Verhandlungen vorzunehmen. Kommen­den Montag werde der französische Justitiar Fromageot der Votschafterkonferenz feine Ve- schlüsse über die der polnischen und deutschen Regierung zu machenden Mitteilung vorlegen.

Weitere Proteste gegen den Genfer

Breslau, 16. Oktbr. Die im Landesverband Schlesien vereinigten drei Wahlkreise der Deutschen Volkspartei richteten heute folgender Telegramm an den Reichskanzler:

Die Deutsche Volkspartei, Landesverband Schlesien, wendet sich in dieser ernsten, verantwortungsvollen Stunde mit Entrüstung dagegen, daß nach bisher uu- widcrsprochrn gebliebenen Nachrichten Oberschlesien gegen den ausgesprochenen Volkswillen und gegen die wirtschaftlichen Grundlagen willkürlich zer­rissen werden soll. Sie verlangt, daß das von der Entente feierlich verkündete Selb st bestimmn ng 8» recht der Völker und die wirtschaftlichen Zusammen­hänge für die endgültige Entscheidung maßgebend bleiben. Diese von der Entente proklamierten Grund­sätze gestatten niemanden, an eine Teilung zu denken. Eine derartige willkürlich alle wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenhänge in Oberschlesien mißachtende Zerreißung hat kein Oberschlesier gewollt. Eine ge­rechte Entscheidung über Oberschlesien ist Voraus­setzung für den W i e d e r a u f b a u E u r o p a s, zu dem in friedlicher Arbeit beizutragen Deutschland jeder­zeit bereit gewesen ist. Wir werden es niemals ver­stehen können, daß unsere oberschlesischen Brüder nicht zu uns gehören sollen, obwohl sie mit uns verbunden sind durch wirtschaftliche und kulturelle Bande, die keine Entscheidung zerreißen kann. Eine Erfüllung der Ver­pflichtungen aus dem Versailler Vertrage ist ohne die wirtschaftlichen Hilfsquellen u n m ö g l i ch."

München, 16. Okt. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich heute die von den Ver­tretern aller politischen Parteien von den Deutsch- Nationalen bis zu den Mehrheitssozialisten und von den vereinigten Verbänden heimattreuer Ober­schlesier einberufene Protestversammlung gegen den Genfer Beschluß über Oberschlesien. Kleiner-Kattowitz

stellte die Einigkeit aller Parteien und Konfessionen in dieser schweren Stunde fest und schilderte die Not,

die Oberscklesien durchgemacht hat und die ihm nach- Drohenèèk KtsSNkayNersirelK !N "^ '- "-t- ' Amerika.

bet Ausführung der Genfer Beschlüsse bevorsteben. Alles übertönen mußte der Schrei, daß das war uns jetzt angetan werde, ein Mord am deutschen Volke sei. Wir dürften die Hoffnung nicht aufgeben, daß doch noch einmal der Tag der Blüte unsere» Vaterlandes komme. Dazu könnte aber nur eines helfen: Die Einigkeit deS ganzen Volke».

Hierauf verlaß Oberstudienrat Kerschensteiner eine Entschließung die einstimmig angenommen wurde. öS heißt darin:

Wir tverdcn nicht aufhören, auf Grund der Selbst- bcstimmung»rechtes zu verlangen, daß Oberschlesien ungeteilt bei Deutschland verbleibt. Deutschland muß den Versailler Vertrag durch einen solchen Gewaltakt als gebrochen erachten, der ihm die Erfüllung der anserlegten Verpflichtungen unmöglich machen würde. Wir fordern von der' Reichsregierung, daß sie die Folgen der ganzen Welt zum Bewußtsein bringt. Schließlich wird den Brüdern und Schwestern, die der Fremdherrschaft au»geliefert werden sollen, Treue ge­lobt und die Bitte an Sie gerichtet, mit den übrigen Deutschen alle Kraft einzusetzen, damit der Tag er­scheine, an dem die Grenzvfähle fallen, die das Diktat errichten wolle.

Um Westungarn.

Budapest, 16. Okt. Ministerpräsident Graf Bethlen, der mit dem Minister der Nutzeren Graf Banffy heute mittag aus Venedig wieder hier eingetroffen ist, erklärte, die (Ergebnisse der VenedL»«-. Konferenz Leie» vielleickt . »erina-

trotzdem dürften sie nicht unterschätzt »erden.

Es sei tatsächlich eine ungarische Stadt für Ungarn gerettet und gewiffe wirtschaftlich« Forderungen seien in Sicherheit gebracht worden. Außerdem sei erreicht, daß im Laufe des Erenz- berichtigungsverfahrens noch darüber entschieden werde, welche weiteren Gebiete Ungarn zurück­gegeben werden. Bisher, sagte Graf Bethlen, spielte Ungarn die traurige Rolle, daß ihm nur befohlen wurde, nunmehr hat man mit ihm als mit einem gleich­berechtigten Faktor verhandelt. Ungarn konnte Stärke auf weisen, wo er notwendig war, es muß jedoch auch Mäßigung beweisen, wo diese am Platze ist. Den in Venedig unterschriebenen Vertrag muß Ungarn in loyaler Weise durchführen.

(Ungarn konnte Stärke aufweisen, wo er notwendig war . . . Wenn man dies auch von Deutschland sagen konnte, dann wäre der Genfer Gewaltakt ganz sicher unterblieben. Ein Weg grausamer Qualen, tiefster Schmach, maßlos gemeiner Beschuldigungen liegt hinter uns, und dennoch ist es nicht gelungen, dar deutsche Volk zusammen zu führen und die Stärke aufzubringen, um sagen zu können: Dar Matz ist voll! D. Red.)

Eine bürgerliche Mehrheit in Berlin?

Berlin, 17. Oktbr. Nach den bisherigen nichtamtlichen Zählungen waren bis 1 Uhr nachts bei den Groß-Berliner Stadtverord- nstenwahlen in sämtlichen 20 Bezirken unge­fähr abgegeben worden:

815000 sozialistische 835 000 bürgerliche Stimmen.

Es ist also eine kleine bürgerliche Mehr» heit zu verzeichnen, an der kaum noch etwas geändert werden dürfte. Die Wahlbeterligug hat etwa 70 Prozent betragen.

(Die Stadtverorönetenwahl am 20. Juni hatte« füx Berlin bekanntlich eine sozialistische Mehrheit ergeben. D. Red.)

Die Frankenwährung im Saarland.

Saarbrücken, 16. Oktober. Eine von der sozialdemokratischen Partei für heute abend in den Saalbau einberufene Versammlung, in der gegen die zwangsweise Ausbreitung des Franken- Umlaufs protestiert itnb die Ergebnisse der Genfer Reise der Saargebiets-Delegation bargelegt werden sollten, nahm einen äußerst stürmischen Verlauf. Einige Kommunisten bei der Abstimmung über die Schluß- resolution ergab sich, daß es sich um 18 bis 20 Mann handelte versuchten, durch Radauszenen die Der sammlung zu sprengen. Nachdem es mit einiger Mühe gelungen war, die Ruhe wieder herzustellen, führte Parteisekretär Schäfer in seinem Referat aus, w« er zum allgemeinen Ruin nicht nur des Kapitali»- mus, sondern auch und gerade der arbeitenden Klasse führen müsse, wenn der französische Franke« immer mehr an Boden gewinne, da dadurch der Saarinduürie die deutschen Absatzgebiete verschlossen würden. Von stürmischem Beifall wurde der Redner unterbrochen, als er sagte, er verachte jeden, der sich zum Schleppenträger der R e g i e r u n g s k o m m i s s i ö n mache, die selber zugegeben habe, daß verschiedene Be­triebe würden schließen müssen, und die mit ihrer Frankenpolitik ausgesprochen politische Ziele verfolge. Schäfer legte dann die Ursprünge bei Genfer Reise dar, die, der Anregung der sozial- demokratischen Partei entsprungen, von allen Par- teien außer der k o m m u n i st i s ch e n gntgeheißen worden sei. Der Zweck der Reise sei gewesen, die Not des Saarlandes in die Welt zu rufen und die Blicke der Welt nach dem Saaraebiet zu lenken, lvo Dinge geschäbeu, die mit dem Friedcnsvcrtrag nicht in Em« klang stünden.

Chicago, 16. Okt. Die Mitglieder der vier Vev bände des Zugpersonal? sowie des Weichenstellerver- bandes wurden aufaeforbert, in einen allgemeinen Streik einsutreten, der am 30. d. M. beginnen soll. Die Eisenbahnen sind in vier Gruppen eingeteilt. DaS Personal von 17 Linien tritt am 30. b. M. in den Ausstand; nach je 24 Stunden wird der Streik für die anderen Kruppen erklärt.

Rewyork, 17. Okt. (Reuter.) Wenn ine Auf­forderung zum Eisenbahnerstreik in vollem Umfange befolgt wird, so werden «m 30. Oktober über eine halbe Million Gisenbabnangestellte in den Ausstand treten und am 2. November etwa 2 Millionen Angestellte infolge der vollständigen Einstellung des Eisenbahndienstes feiern müssen. Wie gemeldet wird, haben bereits über 90 Prozent der Angestellten für den Streik gestimmt Während bie Eisenbahngesellschast in einer früheren Bekanntmachung eine 12prozentige Lobn herab setz««g an- gekündrgt hatte, gab sie gestern bekannt, daß n o ch weitere Herabsetzungen notwendig seien. Die Arbeiterführer erklären, daß dies der größte Streik in .der Geschichte der Vereinigten Staaten sein werde. Andererseits erklärte der Präsident der Chicagoer Great Westem, R a i w a y, die Eisenbahn würde trotz bei Streikes imstande sein, ihren. Dienst aufrecht zu erhalten, da das Pu b l i kum mit b en Eisenbahnern nicht sympatisie re. Mich dieTribune" sagt ans gleichen Gründen bat Miß-