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Nr. 242
Samstag den 15. Oktober
1921
Das Neueste.
— In Breslau fand unter gewaltiger Be- teiligung aller Volksschichten eine große Demonstration gegen die Zerreißung Oberschlesiens statt.
— Keynes bezeichnete die Höhe der Reparationsforderungen als im Widerspruch stehend mit den beim Waffenstillstand eingegangenen Verpflichtungen der Alliierten.
— Wegen des Todes des Senators Knox ist jede weitere Behandlung der Friedensverträge mit Deutschland, Oesterreich und Ungarn durch den amerikanischen Kongreß bis nächste Woche verschoben worden.
— Laut Beschluß des Berliner Börsenvorstandes finden nächsten Montag, Mittwoch und Freitag Bollbörsen statt; an diesen Tagen werden für sämtliche Papiere Kurse festgesetzt.
— Das Garantiekomitee ist von Berlin nach Paris zurückgekehrt.
— Der Vertrag über das Burgenland ist in Venedig unterzeichnet worden. Oesterreich stimmt einer Volksabstimmung im Oedenbur- ger Bezirk zu.
Am Oberschlesien.
Der Wahnsinn in Paragraphen.
Die oberschlesische Frage liegt als abgeschlossene Sache vor. In den letzten Tagen, wo wir zwar wußten, daß wir in Lonodn und in Paris Botschaften unterhalten, aber dennoch nicht das geringste über den tatsächlichen Inhalt der in einer Lebensfrage Deutschlands getroffenen Entscheidung erfuhren, verfolgten wir in einer Mischung von Resignation und lauem Interesse das Spiel zum Fenster hinaus, das in der englischen und französischen Presse gespielt wurde. Wenn man genauer hinsah, entdeckte man, daß England die vor einigen Monaten von Lloyd George in einge-
Jeitete Aera zugunsten einer gerechten Lösung Ler oberschlesischen Frage noch fortdauern ließ, rndem die englischen Blätter die Anschauung vertraten, daß der Spruch des Völkerbundsrates noch nicht das Endgültige darstellen könne. Alsbald konnte man beobachten, daß man sich in Paris mit gewohnter Geistesgegenwärtigkeit und Schnelligkeit auf die gegebene Parade besann, und nun franzöfisch-erserts deklarierte. der Einwand gegen die geplante Endgültigkeit des Entscheids seitens der Engländer wäre gar nicht so unberechtigt, nur habe man ihn zutreffender dahin auszudeuten, daß den Polen noch längst nicht genug deutsches Gebiet zugesprochen werde! Vielleicht hat es in Deutschland doch da und dort wach Optimisten gegeben, die die Stellungnahme eines Teils der englischen Presse zu unseren Gunsten deuteten. Sorten mußte sofort entgegenzehalten werden, daß England zwar seit einigen Monaten in der Tat erkannt hatte, was Oberschlesien für den wirtschaftspolitischen Bestand des deutschen Reiches darstellte, daß aber andererseits England in Wirklichkeit gar nicht die Macht besaß, um sein« bessere Einsicht gegen die französische Einschnürungspolitik zum Siege zu führen. Wenn Frankreich an den Säbel schlägt und sagt, daß es entschlossen sei, seine Bataillone nnzusetzen, und zwar selbst um den Preis des Zerfalls der Entente, so ist damit der Streit zu llngunsten Englands entschieden, das ja obendrein nicht einmal für eine unmittelbar eigene Sache ficht. Wir mußten uns also von Anbeginn darauf einrichten, daß materiell an der Entscheidung der Genfer Vier kaum noch viel zu ändern sein würde. Die Frage erhob sich also: Was haben wir zu tun? Leider sieht es nicht so aus, als ob man sich diese Frage inneralb der Parteien überall sofort mit dem entsprechenden Ernst gestellt habe. Andernfalls hätte das Problem des Rücktritts, der Umbildung oder Neubildung der Regierung sozusagen über Nacht gelöst werden müssen. Wir müssen nämlich Politik auch weiterhin machen, und sie muß dahin gehen, stärker als bisher gegen den von neuem in Paragraphen gebrachten Wahnsinn Sturm zu laufen. Nie zuvor ist sich das deutsche Volk in allen seinen Schichten so einig in einem Urteil wie dem über das Genfer Votum gewesen. Diese Einigkeit muß nach außen wie innen ausgenutzt werden. Der Wahnsinn der Entente-Politik hat sich selber überboten. Es kommt alles darauf an, daß bei uns die Parteien und die leitenden Stellen den Herren Verstand sprechen lassen.
Ein flammender Protest.
Breslau, 14. Oktbr. Eine gewaltige Demonstration für Oberschlesien fand heute in der Jahr- hunderthaüe und auf dem Schloßplatz statt. Die kaufmännischen und industriellen Betriebe, die Handwerker und die kommunalen und staatlichen Betriebe hatten geschlossen, um den Angestellten die Teilnahme zu ermöglichen. Die Jahrhundert
halle wie der Schloßplatz waren von vielen tausenden dicht gestillt, alle politischen Parteien, von der Deutschnationalen Volkspartei bis zur Unabhängigen Sozialdemokratie waren vertreten. Die Redner aller Parteien hielten Ansprachen, in denen sie gegen den Bruch des Versailler Vertrages und gegen die mit der drohenden Zerreißung Oberschlesiens ausgeübten Gewalt protestierter!. Hierauf wurde folgende Entschließung angenommen:
Die zu tausenden und abertausenden versammelten Männer und Stauen aller Stände wenden sich in dieser ernsten Stunde mit Empörung dagegen, daß Oberschlesten ohne Berücksichtigung des Volkswillens und der wirtschaftlichen Erfordernisse willkürlich zerrissen wird; sie verlangen, daß von der Entente feierlich verkündete Selbstbestimmungsrecht der Völker und die wirtschaftliche Wohlfahrt Oberschlesiens für die endgültige Entscheidung grundlegend bleibe. Eine gerechte Entscheidung über Oberschlesien ist die Voraussetzung für den Wiederaufbau Europas, zu dem in friedlicher Arbeit beizuiragen, Deutschland bereits den besten Willen bewiesen hat. Das Wohl und Wehe der gesamten Bevölkerung Breslaus und der ganzen Provinz Niederschlesien ist mit dem Schicksal Oberschlesiens untrennbar verbunden. Eine den verkündeten Grundsätzen nicht entsprechende Entscheidung über Oberschlesien wäre ein Bruch des Versailler Vertrages und geeignet, in Deutschland die schwersten Erschütterungen politischer, wirtschaftlicher und anderer Art hervorzurufen, die natürlich auch die Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen unmöglich machen würden.
Oppeln, 14. Oktbr. Hier fand heute eine von 26 Bürgermeistern Oberschlesiens besuchte Konferenz statt, worin in der Hauptsache zu dem Teilungsplan Oberschlesiens Stellung genommen und beschlossen wurde, an den Obersten Rat in nonn-Rom das folgende Telegramm zu senden: „Die heute in Oppeln versammelten Bürgermeister oberschlesischer Städte erheben nochmals in letzter Stunde entschiedenen Widerspruch gegen die Zerreißung OLerschlesiens, die zu seinem Untergänge oder zur Trennung vom deutschen Vaterlands führen müsse. Die Entscheidung, wie sie anscheinend getroffen werden solle, könne die Versammlung nie und nimmer als gerecht und dem Willen des oberschlesischen Volkes entsprechend anerkennen.
Der Völkerbundsbefchlutz ein „Unglück für ganz Europa".
Kopenhagen, 14, Oktbr. Die Zeitung „Politiken" verurteilt in ihrem Leitartikel sehr scharf die Entscheidung des Völkerbundsrats in der oberschlesischen Frage. Das Blatt schreit- u. a.:
Man hat in letzter Zeit öfters in ausländischen Zeitungen lesen können, daß der Völkerbund in der oberschlesischen Frage ein salomonisches Urteil fällen werde. Gröber konnte der Name des weisen Königs nicht mißbraucht werden, denn das jetzt gefällte Urteil zerschneidet einen lebenden Körper und zertrümmert einen feinen Organismus. Der Völkerbund weist Deutschland die ehrenvolle Aufgabe zu, in den nächsten 10—15 Jahren die Polen zu unterweisen, wie sie aus diesem deutschen Lande etwas herauswirtschaften können, aus diesem Lande, das einmal im sagenhaften Mittelalter ein Teil von Polen gewesen ist. Man ist versucht, zu fragen, ob in 15 Jahren Polen überhaupt noch bestehen wird. Von den 14 Millionen Einwohnern der Tschechoslowakei sind nur 8 Millionen Tschechen und Slowaken, 3% Millionen sind Deutsche. Die Deutschen machen hier also 37 Prozent der Bevölkerung aus. Trotzdem bestimmte die Friedenskonferenz, daß ganz Böhmen tschechoslowtckisch werden soll, weil man es als unmöglich ansah, daß das deutsche Industriegebiet aus dem Agrargebiet herausgetrennt werde. Auf den Aalandsinseln wünschten 98 Prozent der Bevölkerung Anschluß an Schweden. Wer der Völkerbund bestimmte, daß die Inseln finnisch bleiben, weil die Ausscheidung einer Minorität aus einer Staatseinheit und ihre Ueberführung in einen anderen Staat nur ganz ausnahmslose vorgenommen werden soll. Soll eine Ausnahme gemacht werden, wenn es sich um ein Gebiet handelt, dessen Reichtum ausschließlich durch deutsche Technik und deutschen Fleiß geschaffen wurde, dessen Verbleib bei Deutschland für den Wiederaufbau des Reiches und damit für das Wirtschaftsleben Europas von fundamentaler Bedeutung ist? Die Frage beantwortet sich von selbst. Der Völkerbund hat einen Beschluß gefaßt, der für ganz Europa ein Unglück bedeutet.
Rechtlich unhaltbar.
Der Vorsitzende des deutschen Ausschusses für Oberschlesien, Landrat Lukas check, äußerte
in einer Unterredung mit einem Vertreter des „Berliner Tageblattes" sich über die Genfer Ent- scheidung und über die W i r k u n g, die d i e s e r Spruch in Oberschlesien ausgelost habe. Lukaschek sagte:
Aufgrund der bisherigen Nachrichten ist die Stimmung der deutschen Bevokerung, Oberschlesiens natürlich entsetzlich. Tiefste Niedergeschlagenheit herrscht in allen Kreisen. Wer auch diejenigen, die am 20. März für Polen gestimmt und die nunmehr die Früchte ihrer damaligen Handlung ernten, sind keineswegs von besonderer Freude erfüllt, da sie wissen, daß die Teilung Oberschlesiens auch für sie ein furchtbares Unglück bedeutet. Die deutschen Kreise halten eine derartige ungerechte Lösung f ü r u n m ö g I i ch, da gerade die stärksten deutschen Majoritäten im Jndustriebezirk abgeschnitten werden, insbesondere Königshütte, Bismarckhütte, Zolenze und Kattowitz. Alle verantwortlichen Stellen sind bemüht, alles zu tun, um die Ruhe und Ordnung in dem unglücklichen Lande aufrechtzuerhalten. Wir glauben, daß die Vernunft obsiegen wird, da man sich in der Bevölkerung sehr wohl bewußt ist, daß irgendwelche Unbesonnenheiten, für die Polen, besonders für die zahlreichen Kongreß- polen, die immer noch in Oberschlesien sind, nur der Anlaß sein könnte, ihrerseits Putschversuche zu unternehmen. Bis jetzt hat sich die d e u t s ch e Bevölkerung bewundernswürdig ruhig verhalten. Wir sind der festen Hoffnung, daß diese Ruhe auch anhält. Wird die Entscheidung so gefällt, wie zu befürchten ist, so hat vor allem die deutfcheBeamtenschaft in Oberschlesten eine schwere Zukunft vor sich, denn die Polen, und zwar wiederum die Konzreßpolen, warten ja nur darauf, um die deutschen Beamt?" aus ihren Aemtern zu sagen.
Lukascheck kam dann auf die r e ch t l i ch e U u - Haltbarkeit der Genfer Entscheidung zu sprechen; er verwies auf die amtliche Darstellung o«s MMerpunoLnue» über die Behandlung der oberschleflschen Frage im Vieverrat und führte im einzelnen ai,s: „In dem Genfer Kommunique heißt es: Der Ausschuß überzeugte sich davon, daß die Frage nicht dadurch gelöst werden könne, in dem einfach eine Grenzlinie aufgestellt werde, weder ausschließlich auf Gründer Volksabstimmung oder auf Grund wirtschaftlicher Ueberlegungen, aber infolge eines Ausgleiches zwischen beiden Methoden." Das bedeutet also, daß der Ausschuß nicht in der Lage gewesen ist, eine Grenzlinie auf Grund der Bestimmungen des Friedensvertrages zu ziehen. Anstatt nun die Konsequenzen aus dieser Unmöglichkeit zu ziehen, hat er den Boden des Friedensvertrages verlassen, hat er eine neue Grenzlinie empfohlen und vorge- schlagen, daß wirtschaftlich« Bestimmungen, die „Fortführung des Wirtschaftslebens m Ober- schlesien sichern" sollten, wie es ebenfalls wörtlich in dem Kommunique heißt. Daraus erhellt, daß entgegen dem Paragraphen 5 der Anlage zu Artikel 88 des Versailler Vertrages die hier geforderte „Berücksichtigung der qeopravbischen und wirtschaftlichen Lage der Ortschaften" in der Grenzlinie nicht zum Ausdruck gekommen ist. Deutschland hat bekanntlich im Artikel 88 des Friedensvertrages einen Vorverzicht aussprechen müssen. Dieser Vorverzicht kann sich aber nur auf eine Grenzlinie beziehen, die den Bedingungen des Paragraphen 5 der Anlage zu dem genannten Artikel voll entspricht. Ich bin also der Ueberzeugung, daß sowohl formell, als auch materiell ein Verstoß gegen dm Friedensvertrag vorliegt und kann daher nicht glauben, daß der jetzige Lösungsvorschlag das letzte Wort über das Schicksal Oberschlesiens bedeutet.
Unsicherheit in Oberschlesten.
Wie das „Berliner Tageblatt" aus Beuthen meldet, nimmt «üs Folge des Bölterbundsrats- beschluffes die Unsicherheit im oberschlesischen AbstimmungsbeMrk zu. Das Blatt berichtet von blutigen Reibereien und Entwaffnungen. In Pleß und Rybnik hätten die Polen aufgrund der Genfer Telegramme polnische Flaggen gehißt, die sie aber in Pleß wieder hätten einziehen muffen. Polnischerseits werde intensiv an der weiteren Ausgestaltung militäriidjer Geheimorganifalionen gearbeitet. Kongreßpolnische Soldaten sollen sich in großer Zahl in Zivil in Oberschlesien aufhalten- Deutscherseits wird eindringlich davor gewarnt, sich durch die Entscheidung, wie sie auch fallen möge, zu unbesonnenen Taten Hinreißen zu lassen. In Oppeln wird von englischer Seite mit der ausdrücklichen Ermächtigung zur Ber- öffentlichung mitgeteilt, daß eine Entscheidung über Oberschlefiens Schicksal noch nicht getroffen sei und daß alle bisher darüber verbreiteten Meldungen falsch seien.
Die Entscheidung van England angenommen.
Paris, 15. Oktbr. Die HavaSageutur veröffentlicht eine Meldung aus London, man erfahre anr englischer Quelle, daß der englische Ministerrat gestern nachmittag nach Anhörung von Balfour die Entscheidung des Völkerbundsrates hinsichtlich Oberschlesiens angenommen habe.
Die Aufrechterhaltung der Reparationspläne unmöglich.
Berlin, 14. Okt. Das Reichskabmett ist heute mittag zu einer Sitzung zusammengetreten, die allerdings nur von sehr kurzer Dauer war, da weitere Meldungen von Bedeutung über Oberschlesten nicht vorlagen. Dem „B. T." zufolge gewinnt man in parlamentarischen Kreisen den Eindruck, daß die Produktionskraft bei Reiches durch den Genfer Vorschlag und eine en- sprechende Entscheidung so stark in Mitleidenschaft gezogen wird, daß die bisher befolgten Repa- rationspläne sich nicht mehr aufrecht erhalten lassen. Es würde eine weitgehende Umstellung des deutschen Wirtschaftssystems insbesondere mit Rücksicht auf die geschmälerte Kohlen- und Kraftversoroung notwendig werden, deren Einzelheiten sich noch nicht entfernt übersehen lassen. Man ist in Päuamentskreisen der Ansicht, daß keinerlei politische Entscheidung möglich sein wird, ehe nicht völlige Klarheit'über den Umfang der pon Deutschland geforderten Opfei eingetreten ist.
Keynes über die Reparativussrage«
(Letzte Meldung.)
London, 15. Oktbr. In der gestrigen Sitzung der Konferenz für wirtschaftlichen Wederaufbau und Weltfrieden erklärte Kehnes in einer Rede über die Reparationsfrage, während der Frie- dnskonferenz hätten die Menschen den Kopf verloren und in Zahlen von astronomischer Größe und über Summen gesprochen, di« Deutschland ZEMââ.â, üLL. Achüd.etU den es apaLtichtei habe. Die Menschen seien jetzt ruhiger und in bei Lage, die Frage vernünftig zu besprechen. Man sei jetzt in der Lage genauer zu beurteilen, was es kosten würde, um den von Deutschland angerichteten Schaden wieder tzutzumachen. Es Bestie nicht der geringste Grund anzunehmen, daß Deutschland nicht vollkommen in der Lage sei, ben gesamten Schaden wieder gutzumachen. Man wisse jetzt, daß in Nordftankreich etwa 300 00C Häuser zerstört und 300 000 Häuser beschädigt seien. Angenormnen jedes Haus koste 1000 Pfund so würde die Vergütung dieses Schadens weniger betragen, als die Zinsen, die Deutschland jetzt in einem Jahre bezahlen müsse. Frankreich habe durch Kohlenmangel ungeheuer gelitten. Der Verlust sei jedoch nicht so groß, wie die Leutt gemeinhin annehmen. Die Erzeugung der ftan- zösischen Kohlenbergwerke habe den zwanzigster Teil der Kohelnerzeugung Großbritanniens betragen. Auch hier liege die Sumnw im Bereich der deutschen Zahlungsfähigkeit. Das gkü£ ' gelte von der Wiederherstellung der verwüstete: Felder. Wenn man den gesamten Schaden zu- sammnrechne, so bestehe kein Grund, weshalb Deutschland ihn nicht innerhalb einer verhAt- nismäßig kurzen Zeit wieder gutmachen könne. Die Rechnung der Alliierten für angerichtete Verwüstungen betrage jedoch nur ein Drittel der gesamten Reparationsforderungen. Die anderen zwei Drittel enthielten Pensionszahlungen. Die Forderungen ständen im Widerspruchdamil, wozu sich die Alliierten beim Abschluß des Waffenstillstandes verpflichtet hätten.
Der französische Delegierte L o g u e t erklärte, die französische öffentliche Meinung komme ttotz der Vergiftung der ftanzösischee Presse rasch zur Vernunft. Der Gedanke, daß man Berge Goldes von Deutschland erhalten werde, sei in Frankreich vorbei. Jedermann wisse, daß die Erzählung von diesen Bergen Goldes eine Lüge war. Longuet stimmte den Ausführungen Keyn^ über die Reparationsforderungen der Alliierten zu. — Der Delegierte Boston erffärte, man leibe an den Folgen der Wahlen von 1918. Die überwältigende Masse der augenblicklichen Arbeitslosen in England habe seinerzeit für die Politik gestimmt, die Schuld an ihrer augenblicklichen Not sei.
— Die Gefahr eines mitteldevtschen Eisen- bahnerstreils. Wie die Blätter melden, haben die Verhandlungen zwischen Vertretern des Reichsverkehrsministeriums und Vertretern der Halleschen Eisenbahner über die Regelung der Arbeitsdauer zu keiner Einigung geführt. Die Gefahr eines Eisenbahnerstreiks ist bisher noch nicht beseitigt.
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