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General-Anzeiger

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Nr. 240

Donnerstag den 13. Oktober

1921

Der Gewatta

Die Zerstückelung Oberschlesiens best bezi,

Die Würfel über das Schicksal des reichen Md doch so schwergeprüften unglücklichen Ober- schlesien sind nunmehr gefallen in Form einer brutalen Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes und des Friedensvertrages. Oberschlesien wird geteilt zerrissen! Ein Schrei der Entrüstung über diesen Machtspruch, der ein Hohn auf die Gerechtigkeit und eine abermalige Vergewaltigung deutschen Rechts bedeutet, gällt durch das ganze deutsche Volk und ruft zum sch â rfst en Prwiestheraus. All die heldenhafte Abwehr der polnischen Raubgelüste, die Deutsch­land seit zwei Jahren in Atem hält, sind um­sonst gewesen durch allerhand verlogene Diplo­matenkniffe hat der Völkerbund beschlossen, un­seren kostbaren Nationalbesitz zu zerreißen und zu stehlen. Polen erhält entgegen dem klaren und unzweideutigen Mehrheitsbeschluß der Volksabstimmung durch Zuteilung eines großen Teiles des oberschlesischen Landes den Raub an deutschen Boden und an jahrhundertelanger deut­scher Arbeit. Was von dem Industriegebiet noch bei Deutschland verbleibt, ist durch die Verstüm­melung des Ganzen seines besten Wertes beraubt. Und alle die künstlichen Pläne, die der wirtschaft­lichen Sicherung des Jndustriereviers dienen sollen, sind doch nur ein Schein, der von der Wirklichkeit der polnischen Oberherrschaft bald zerrinnen wird. Die französische Politik hat wie­der einmal über die englische gesiegt, denn für Frankreich kam es darauf an, dem Deutschen Kelche an der östlichen Flanke eine tödliche zuzufügey, VW Her döM^Äi tum ausgehen soll, um Frankreich über den völligen Ruin Deutschlands und die dauernde Ohnmacht des deutschen Volkes hinweg zu eigener Vormachtstellung zu gelangen. Frankreich hat, vom Völkerbund unterstützt, einen Stoß geführt, der Deutschlands Krost viel härter und schlimmer trifft, als alle Verluste und die Opfer, die uns der Friedensvertrag auferlegt hat. Der stanzâ- sischen Politik ist dieser Stoß gelungen ob sie aber ihres Triumphes froh werden wird, ist eine andere Frage. Der Tag wird bald kommen, an dem Frankreich die Erfahrung machen wird, daß der Erfolg, den der Gewaltspruch des Völker­bundsrates ihm in die Hand gibt, ein Pyrrhus­sieg ist, von dem es selbst den größten Schaden hat.

Es unterliegt keinem Z-weifel, daß der Raub oberschlesischer Landesteile für uns Folgen von ungeheuerer Bedeutung haben wird und haben muß. Alle Möglichkeiten für eine weitere Er­füllung der Repwrationspflichten werden ohne weiteres hinfällig, denn mit dem Raub Ober- kchlesiens bricht das Fundament zusammen, auf Cem unsere ganze Zukunftspolitik aufgebaut war. Deutschlands Leistungsfähigkeit, an der die Welt­wirtschaft nach dem eigenen Geständnis eng­lischer Staatsmänner krankt, für die deshalb in­ternationale Heilmittel gesucht werden sollten, wird nunmehr zu einem schweren Gebrechen, und alle Konsequenzen, die sich daraus ergeben, be­drohen die internationale Politik. Aber auch unsere innerpolitischen Verhältnisse, die einer Konsolidierung entgegen gingen, sind ohne wei­teres wieder ins Wanken geraten, der jetzige Re- Sierungsbau muß zusammenbrechen, er ohne Oberschlesien seineErfüllungspolitik" nicht mehr weiter betreiben sann. Unser Volk ist auf eine neue, vielleicht die schwerste Probe seiner Willens- ^raft gestellt und nur von einem solchen festen nationalen Willen können wir uns eine Wirkung versprechen. An ihm wird und muß die himmelschreiende Ungerechtigkeit scheitern, die dem deutschen Volke erneut zugefügt worden fft, wag der Kampf, den wir bis dahin zu führen haben, auch hart und schwer sein.

*

Der Teilungsplan.

Paris, 12. Oktbr. Der Genfer Sorrespon- denk des Temps teilt mit, die Grenzlinie in Oberschlesien, die der Völkerbundsrat vorzu­schlagen beabsichtige, schiene jetzt wie folgt zu verlaufen:

1. polen erhält die beiden südlichen Kreise Vleß (insgesamt) und Rybnik (zum größten

2. Das Industriebecken wird unter die bei­den Länder geteilt. Deutschland erhält die westlichen Kreise des Beckens Gleirvih und Hindenburg (Zabrze). Polen erhält die Kreise nonigshütle, Beuthen-Land, Kaltowih-Stadt und Kattowitz-Land,

3. Die beiden im Osten von Oberschlesien ge­lesenen Kreise Tarnowib und Lublinitz wer-

von Gens.

Austeilung des Jn-uftrie-

dèn in ihrem östlichen Teil Polen, in ihrem westlichen Teil Deutschland zugesprochen,

4. Deutschland behält die anderen ober­schlesischen Kreise im Norden, Westen und im Zentrum, also Rosenberg, Kreuzburg, Oppeln, Groß-Strehlitz, Tost, Kosel, Ober-Glogau und Leobschütz.

(Die Grenzlinie, wie sie nach dem obigen Vor­schläge gezogen werden soll, ist eine Kombination zwischen den beiden Sforzalinien, liegt also ganz im Sinne der französisch-polnischen Wünsche. Es wird damit nicht nur der Gesamtwillen der oberschlesischen Bevölkerung, die sich mit zwei Dritteln der Ab­stimmenden für Deutschland erklärt hatte, vergewal­tigt, sondern auch die Abstimmung im Jndustriebe- zirk selbst ins Gegenteil verkehrt; denn in diesen Kreisen wurden 285 900 deutsche gegen 229 600 pol­nische Stimmen abgegeben, und nur drei von den jetzt betroffenen Kreisen, Pleß, Rybnik und Tarno- witz hatten unter dem Druck des schlimmsten Terrors polnische Mehrheiten, Kattowitz und Königshütte da- gegen, die ganz polnisch werden sollen, deutsche Mehrheiten Königshütte sogar dreimal soviel deut­sche wie polnische Stimmen ebenso Beuchen, dessen Landbezirk man Polen geben will. Ja, noch mehr, ein großer Teil der Bevölkerung, die vorher polnisch gestimmt hatte, hat sich nachher, als die Teilung Oberschlesiens wahrscheinlich wurde, ganz unzweideutig für das Verbleiben bei Deutschland ausgesprochen, weil sie von einer solchen Teilung unter allen Umständen die schwersten Nachteile auch für sich erwartete. Dev Teilungsplan steht also zweifellos im Widerspruch mit dem Willen der über­großen Mehrheit der oberschlesischen Bevölkerung auch in den zur Teilung verurteilten Gebieten selbst.)

Genf, 12. Oktbr. Die Tagung des Völker­bundsrates über die oberschlesische Frage ging heute zu Ende. Gegen sechs Uhr abends unter­zeichneten die Ratsmitglieder das Schlußprotokoll. Daraufhin gab das Völkerbundssekretariat fol­gende amtliche Mitteilung heraus, in der die für die Lösung der Oberschlesischen Frage maßgebenden Gesichtspunkte dargelegt werden, allerdings ohne daß über die Lösung selbst Mitteilungen gemacht werden. Ein Kurier, der heute abend nach Paris abgeht, wird Herrn Briand, dem amtierenden Präsidenten des Ober­sten Rates, die Antwort des Völkerbunds rates auf die Einladung überbringen, die er am 12. August an den Rat richtete, mit dem Ersuchen, dem Obersten Rate bei der Lösung des oberschle- sischen Problems Beistand zu leisten. Bei der Prüfung dieses Problems mußte auf Grund der Bestimmung des Vertrages der Völkerbundsrat sowohl die in der Abstimmung zum Ausdruck gekommenen Wünsche der Bevölkerung, wie auch die geographische und wirtschaftliche Lage des Landes in Betracht ziehen.

Die erste Schwierigkeit ergab sich daraus, daß die Bewohner, die für Deutschland gestimmt hatten und die Bewohner, die für Polen ihre Stimme abgaben, eng miteinander vermengt leben und zwar in einem Verhältnis, das zwar nicht immer das gleiche, aber in den dicht be­völkerten Gebieten stets sehr beträchtlich ist und zwar sowohl unter wirtschaftlichen als auch unter geographischen Gesichtspunkten.

Eine Grenze ist undenkbar, die Bewohner, die für Deutschland gestimmt haben, nicht Polen zu­gewiesen hätte, sodaß dem Rat kein anderer Aus­weg geblieben sei, als diesen Fall dadurch zu ver­ringern, daß er die Grenze so sehr wie möglich dem Abstimmungsergebnis anpaßte. Eine derartige Grenzlinie hätte jedoch Gebiete zerschnitten, die industriell eng voneinander abhängen. Die Aufstellung einer neuen G^nze in einem Gebiet, das sich wirtschaft­lich unter denselben Gesichtspunkten und in den­selben Bedingungen entwickelt hatte, müßte auf beiden Seiten der Grenze die verhängnisvollsten Folgen haben. Das wäre auch hier der Fall, ge­wesen, wenn die Grenze die Errichtung einer neuen Zollschranke, die Auflösung der öffentlichen Betriebe, wie der Bergwerke, den Umlauf deut­schen Geldes, das Inkrafttreten einer neuen bürgerlichen und industriellen Gesetzgebung mit sich gebracht hätten, Die wirtschaftlichen Schwie­rigkeiten könnten unmöglich nur durch leichte Abänderung einer einzigen, auf Grund der Volksabstimmung erlangten Grenze, behoben werden,

So gibt es Gebiete, in denen die Abstimmung der einen oder anderen Nationalität ein zweifel­loses, wenn auch nicht überragendes Usbergewicht gesichert hätte. Selbst wenn man nun diese Ge­biete nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten und nicht auf Grund der NnlkLabltttnmuna geteilt

hätte, würde die Grenze aufs engste miteinander verknüpfte Wirtschastsgruppen zerschnitten haben.

Der Rat sah sich daher folgender Lage gegenüber: Eine Grenzlinie, die nicht das Industriegebiet zer­schneidet, würde die Hoffnungen und Wünsche von nicht etwa kleinen Mehrheiten in unwichtigen Gebieten, sondern von entscheidenden Mehrheiten in sehr wichtigen Gebieten ver­nichtet haben. Tatsächlich hat nun aber die Volksabstimmung diese Hoffnungen und Wünsche nicht nur zugslassen, sondern auch ermutigt. Das waren die dem Problem innewohnenden Schwie­rigkeiten. Langwierige Verhandlungen, die sich mehr als 2 Jahre nach dem Friedensschluß hin­zogen und eine große Bevölkerung in angstvoller Ungewißheit über ihr politisches Schicksal ließen, hatten diese Schwierigkeiten noch beträchtlich vermehrt. Mit der Prüfung des Problems be­auftragte der Rat zunächst einen Ausschuß, der sich aus 4 Ratsmitgliedern zusammensetzte und zwar aus den Vertretern Belgiens, Brasiliens, Chinas und Spaniens. Seine Arbeiten über­zeugten den Ausschuß davon, daß die Frage nicht dadurch gelöst werden könne, indem man einfach eine Grenzlinie aufstellt, entweder ausschließlich auf Grund der Volksabstimmung oder auf Grund wirtschaftlicher Ueberlegungen oder infolge eines Ausgleiches zwischen beiden Methoden. Hätte man, ohne eine andere Bestimmung die Grenze nach einer dieser Methoden aufgestellt, so wäre man zu den verhängnisvollften Erscheinungen gelangt. Infolgedessen beschloß der Viererrat nach gründlichem Studium, eine neue Grenzlinie zu empfehlen und vorzusMagen, daß während einer bestimmten Periode Garan­tien gegen jede Vernichtung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen geboten werden, wobei »diese Periode lang genug wahren müsse, um eine vollständige und wirksame wirtschaftliche

Allgemein anerkannte Sachverständige und Fachleute wurden damit beauftragt, die gleich­falls notwendigen wirtschaftlichen Be­stimmungen zu studieren. Die betreffenden Personen gehörten den technischen Organisationen des Völkerbundes an und unterlagen keinerlei Einflüssen, sowohl was ihrer Nationalität als auch die Polittk der Behörden betrifft, von denen sie ernannt wurden. Sie wurden von den vier Ratsmitgliedern aufgefordert, die allgemeinen Maßnahmen zu untersuchen, welche die Fort­führung des Wirtschaftslebens in Oberschlesien sichern und die Schwierigkeiten der Uebergangs- perivde auf ein Mindestmaß beschränken könn­ten. Die Projekte, in denen die betreffenden wirtschaftlichen Bestimmungen vvrgeschlagen wer­den, sehen für verschieden lange Perioden, in gewissen Fällen bis zu 15 Jah­ren, eine Reihe von Vereinbarungen vor. Diese Vereinbarungen beziehen sich auf eine unparteiische und gerechte Regelung der Eisen- Lahnfrage, die Wasser- und Elekttizitätsversor- gung, die Zollfreiheitfür zahlreiche Erzeugnisse wie Kohle und Zink, die Beibehaltung der deut­schen Mark als gesetzliches Zahlungsmittel in den an Polen abgetretenen Gebieten. Der Rat schlug gleichzeitig mit der Annahme dieser Pro­jekte Garamtten für die politischen Minderheiten vor, da er hierin eine wesentliche Ergänzung einer politischen GrenzWrung erblickt. Nur auf diese Weise war.es möglich, den politischen Wün­schen der Einwohner die größte Befriedigung zu gewähren und ihnen gleichzeitig den Fortbestand des wirtschaftlichen Wohlergehens ihres Landes zu sichern.

Die Ansicht des Reichskabinetts.

Berlin, 12. Oktbr. In der heutigen Sitzung des Reichskabinetts gab der Reichskanzler seiner allgemeinen Erregung darüber Ausdruck, daß der Völkerbundsrat in Genf, soweit es sich bis jetzt aus unwidersporchenen Nachrichten entnehmen lasse, über das oberschlesische Gebiet in einer Weise verfügte, welche weder der durch Abstimmung klar zu Tage getretenen Willens­kundgebung der oberschlesischen Bevölkerung, noch den wirtschaftlichen Bedürfnissen dès , Landes entsprechen würde. Treffen diese Nachrichten zu, fällt der Oberste Rat eine so geartete Entschei­dung, so werden deutsche Städte, mit allem, was in ihnen an Arbeitswerten und Kultu-mütcrn von deutschem Fleiße und deutschem Geiste ge­schaffen wurde, vom Reiche getrennt und unter die Fremdherrschaft estellt. Diese Losreißung würde nicht nur von der Mehrheit der oberschle­sischen Bevölkerung, sondern auch vom gesamten deutschen Volke als eine Vergewaltigung und bitteres Unrecht empfunden werden. Nicht fried­liche Entwickelung, sondern unablässige Beun­ruhigungen und Zwistigkeiten würden die Folge sein: dein b^uttoen Wkrtlöbaftsköiwei- mürbe eine

unheilbare Wunde geschlagen werden. Der Reichs­kanzler erflärte zusammenfassend: Falls die Entscheidung so fällt, wie es zu befürchten ist, so ist eine neue Lage geschaffen, welche die Voraus­setzungen einschneidend beeinträchtigt. unter denen die gegenwärtige Regierung die Reichsge­schäfte übernommen und geführt habe. Eine ab­schließende Erklärung wird das Kabinett erst dann treffen können, wenn der Spruch des Obersten Rates amtlich vorliegt.

Der Reichskanzler stellte diese als die ein­mütige Auffassung des gesamten Kabinetts fest.

Die Presse über den Genfer Rechtsbruch.

Einmütig erheben sämtliche Berliner Blätter schärfsten Protest gegen, die in Genf gefallene Ent­scheidung über das Schicksal Oberschlesiens.

DieD rutsche Allgemeine Z t g". schreibt Oberschlesien bildet politisch wie wirtschaftlich eine un­antastbare Einheit und ist ein Verbrechen an der deutschen wie an der polnischen Bevölkerung des Ab« stinmumgsgebiets, dieses im Laufe der Geschichte immer zusammengebliebene Gebiet zu zersplittern. Der Völkerbund gibt durch das Eintreten für eine Zersplitterung Oberschlesien? den letzten kärglichen Rest von Ansehen auf, den er in der Welt vielleicht noch besaß. Bleibt er dabei, daß der Oberste Rat die bisher skizzierte Austeilung Oberschlesiens anerkennt, so ist die gesamte Grundlage gebrochen, auf der das politische und wirtschaftliche Leben Deutschlands auf- gebaut ist. Die Enttäuschung über Oberschlesien reißt nicht nur das gesamte Kabinett Wirth in den Abgrund, auch die Bildung einer neuen Regierung, deren Zu­sammensetzung im einzelnen man sich denken kann wie man will, wird so gut wie illusonsch. Hinter dem Verlust Oberschlesiens droht das Chaos, eine Wirrnis, aus der daS verzweifelte deutsche Volk sich nicht mehr herausfinden kann.

DieVoslisch e Zeitung" nennt die Ent­scheidung über Oberschlesien eine große Enttäuschung für das deutsche Volk und eine schwere Schädigung sowohl für Enrova als auch für die Weltwirtschaft. Die Ansätze für den Wiederaufbau seien aufs Ernsteste gefährdet,' die Hoffnung auf eine Konsoli­dierung der politifchen Verhältnisse aus da? Tiefste erschüttert. Die Zerreißung OSkr- schlcsien« vollende den Weg der Zerstörung und Zerreissung, der den Frieden zu einer Fortsetzung des Krieges machte. In der ganzen Welt herrscht jetzt nur eine Stimme über die Aufrichtigkeit des deutschen Willens zu Leistungen. Wenn jetzt über Oberschlesien in einer Weise entschieden wird, die sowohl der wirtschaftlichen Lage als auch der Gerechtigkeit Hohn spricht, so wird der Protest, den Deutschland gegen ein solches Urteil erhebt, gerade deshalb besonders schwer in die Wagschale fallen, weil irgendwie an der deutschen Ehrlichkeit zu zweifeln nicht erlaubt ist.

DasBerl. Tagebl." bezeichnet die Entschei­dung des Völkerbundsrats als einen welthistori­schen Skandal. Der Völkerbundsrat habe sich mit grenzenlofer Oberflächlichkeit und unter völliger Mißachtung jeder wahren Rechtsidee zum Werkzeug der Gewaltpolitik und Jutransigeanz gemacht. Von Unparteilichkeit und Gerechtigkeit sei in seinem Wirken keine Spur zu entdecken.

DerVorwärts" sagt: Wir Deutschen dürfen keinen Zweifel darüber lassen, daß der FriedenSver- trag mit dem TeilungSplcfir bei VölkerbnudSratS nicht erfüllt ist. Die wittschaftlichen Zusammenhänge, die starken Mehrheiten der deutschen Arbeiterbevölkernng find nickt genügend berücksichtigt worden. Verge­waltigt sind die, die von freier Arbeit leben, zugunst«« derer,'die als Landbewohner auf der breiten Scholle leben und deren Stimmengewicht ist auf der Karte mit dem Zentimetermaß sorgfältig «abgemessen worden. Ein neues unerhörtes Unrecht geschieht und er trifft ein wehrloses Volk.

Verhandlungen zwischen England und Frankreich.

Paris, 13. Oktbr. DasEcho de Paris" teilt mit, daß zwischen der englischen und fran­zösischen Regierung seit einigen Tagen über die Prozedur verhandelt wird, die angewandt wer­den muß, um die Empfehlung des Völkerbundes betreffs die Teilung und des Regims Ober­schlesiens ins Werk zu setzen. Die beiden Regie­rungen seien noch nicht völlig einig, weshalb sich auch die Botschasterkonfcrenz, die die Frage ge­prüft, vertagt habe. Auf englischer Seite scheine man zu behaupten, daß nur der Oberste Rat be­rechtigt sei, die Empfehlung von Genf in Empfang zu nehmen und mit Hilfe des Friedensverttagcs zu interpretieren. Die französische' Regierung glaube dagegen, daß die Empfehlung von Genf­genüge und ohne weitere Form ausgeführt wer­den müsse.

Andererseits scheine es, daß die, lebhafte Dis­kussion der letzten Tage in Genf sich nicht aus die Grenzfvstsetzung, die seit langem festgestanden habe, sondern auf die Maßnahmen bezogen habe, die ergriffen werden sollen, um die wirtschatfliche Einheit Oberschlesiens auftecht zu erhalten.

Die SeNsttzung der Besatzwnâst««. DerCh icago Tribune" zufolge sei der Beschluß über die Ein berufung der Konferenz zur Festsetzung bei Besatzu ngskostcn neuerdings abgeändert worden. Sie wird nicht in Paris, sondern am 17. Oktobr. in Brüssel eröffnet werde».