SanauerS Anzeiger
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Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.
Nr. 237
Montag den 10. Oktober
1921
Das Neueste.
— Reichskanzler Dr. Wirth erklärte in einer Rede über Oberschlesien, daß er sehr beunruhigt über das Schicksal dieses Landes sei.
— Die Eisenbahnkonferenz in München entschied sich in der Aussprache über die Frage Staatsbetrieb oder Privatbetrieb für den Staatsbetrieb der Reichseisenbahnen.
— Die U. S. P. hat der S. P. D. eine Absage in der Frage der Kabinettsbeteiligung zugehen lassen.
— Briand sprach gestern in St. Nazaire über die Sanktionen und Abrüstung und die Richtlinien seiner künftigen Politik.
— In amtlichen türkischen Kreisen wird bestätigt, daß von Friedensunterhandlungen nicht die Rede sein könne, bevor die vollständige Räumung Kleinasiens und Thraziens durch die Griechen erfolgt sei.
— Die Delegierten der Sinnfeiner, die sich nach London begeben haben, drückten ihren Landsleuten gegenüber die Zuversicht aus, noch in dieser Woche zu einem Vertrag zu komme».
Am das Schicksal Oberschlesiens.
Der Reichskanzler beunruhigt — Die Entscheidung schon gefallen.
»Der Aberglaube ist ein Kind der Furcht." Wenn etwas geeignet ist, das abergläubische Wesen der Oberschlesier zu steigern, dann durfte es der Zustand des gegenwärtigen Hangens und Bangens sein: Bleibt Oberschlesien bei Deutschland, kommt es zu Polen, wird es geteilt, wie wird es geteilt, soll eine neue Abstimmung vor sich gehen, wird gar ein neuer polnischer Aufstand losbrechen? Es sind leidvolle Tage, die der Oberschlesier jetzt durchlebt, denn die Meldungen, die aus Genf kommen, klingen weniger günstig für Deutschland, trotzdem ein amerikanischer Wikerrechtssachverständiger unzweideutig nachge- Liesen hat: Oberschlesien ist unteil b a r, ist
Apstimmungsergeonis o * u i ^. â Lage ist ernst, was schon daraus hervorgeht, daß ter deutsche Reichskanzler seinen Urlaub abgebrochen hat und gestern abend nach Berlin zurückgekehrt ist. Kurz vor seiner Rückreise hat er noch auf einer Festlichkeit des katholischen Arbeitervereins Offenburg eine Rede gehalten, in der er auch auf die oberschlesische Frage zu sprechen kam.
Der Reichskanzler
siihrts u. a. aus : Ich bin s e h r b e u n r u h i g t über das Schicksal dieses Landes. Ich weiß nicht, ob ein Gesinnungswechsel unter den Alliierten eingetreten ist, oder ob man etwa Lust verspürt, ein neues Land im Osten zu konstruieren, über das in Deutschland noch Jahrzehnte getrauert werden würde. Heute noch wäre eine Verständigung mit dem polnischen Volke möglich. In Warschau hat jedoch die Pergröße- rungswut die Geister verblendet und das polnische Volk geht dazu über, sich mit dem deutschen Volke zu verfeinden, nachdem es sich die Russen zum Todfeinde gemacht hat und obwohl in Litauen und Galizien der Kampf noch nicht abgeschlossen ist. Soll zwischen dem deutschen Volke und dem polnischen Volke ein verpestender politischer Leichnam gelegt werden? Der Gedanke an eine solche Konstruktion sollte die Politiker aller Länder abhakten, den Schritt zu tun, dem deutschen Volke deutsches Land, das Jahrhunderte lang zu uns gehört hat, durch ein Diktat zu rauben. Das deutsche Volk weiß nichts amtlich über die Stimmung im Völkerbund svat. Aber enttäusche man Deutschland nicht, gerade nicht um des demokratischen Prinzips in Europa willen! Das deutsche Volk, das guten Willens ist, ein Reich der Freihert und der Gerechtigkeit, ein Reich des Friedens mit allen Völkern mit eigener Hand unter größten Opfern aufzubauen, darf nicht enttäuscht werden. Eine Enttäuschung wäre schmerzlich, nicht nur für die Führung der Politik und ihre großen Ziele, der Völkerverständigung und Völkerversöhnung. Nicht allein um der deutschen Regierung willen, nein, um des Schicksals Europas willen, um des Schicksals, insbesondere des arbeitenden deutschen Volkes willen ist für uns eine gerechte, eine weitausschauende, eine ihrer Bedeutung angemessene Entscheidung in der oberschlestschen Frage eine Lebensnotwendigkeit.
Soweit die Ausführungen des Reichsianz- iers. Die eingangs derselben erwähnten Befürchtungen werden auch von uns geteilt, denn nach den unten folgenden Meldungen scheint die Entscheidung über Oberschlesien schon gefallen zu sein, und die Verhandlungen, die noch stattfinden, dürften nur den Zweck haben, die Entscheidung zu verschleiern.
Die Meldungen aus Genf besagen folgendes^
Paris, 9. Oktbr. Dem „Newyork Herold" wird aus Genf über die ins Auge gefaßte, zum Gegen- Mnd âer Warfen Erörterung gewordene Lö
sung der oberschlestschen Frage berichtet, sie enthalte nicht nur gewisse Abänderungen der Saarlinie, sondern auch den Vorschlag, eine dreigliedrige Kommission unter dem Völkerbund einzusetzen, die etwaige wirtschaftliche Streitigkeiten beilegen solle. Die Kommission würde keine Ver- waftungsbefugnisse haben, wie die Saarkommission, sondern lediglich Streitigkeiten zwischen den deutschen und polnischen Gemeinwesen beiderseits der vorgeschlagenen Linie regeln, deren Wirtschaftsleben in gegenseitiger Abhängigkeit stehe. Die Kommission solle zusammengesetzt sein aus je einem Deutschen, einem Polen und einem Neutralen. Der Gedanke sei von dem belgischen Delegierten Hymans ausgegangen und schließlich von seinen Kollegen gebilligt worden. Im einzelnen seien die Befugnisse der Kommission gegenwärtig Gegenstand einer Kontroverse unter den Mächten. Gerüchtweise verlaute, daß die englische Regierung in gewissen untergeordneten Einzel- heften Einwendungen gegen die vorgeschlagene Grenze erhoben habe. Diese Linie werde Königs- Hütte und Kattowitz an Polen fallen lassen, obwohl Lloyd George in Paris darauf bestanden habe, daß sie Deutschland zugesprochen werden sollen.
Paris, 9. Oktbr. Nach einem Bericht des Genfer Korrespondenten des „Newyork Herald" liegt die Entscheidung des Völkerbund srats den Mächten bereits vor, diese weigerten sich jedoch, ihren Vertretern im Völkerbundsrat deren Billigung zu gestatten, falls nicht gewisse Abänderungen getroffen würden. Es verlaute, daß ein nichteuropäisches Mitglied des Völkerbundsrats drohe, sich von der ganzen Angelegenheit zurückzuziehen. Der Völkerbundsrat halte jetzt nur noch zum Schein Sitzungen ab. Inzwischen würden von Seiten der Mächte Geheimverhandlungen über die vorgeschlagene Lösung fortgeführt.
4 Uhr angesetzte Sitzung des Völkerbundsrates ist abgesagt worden. Dagegen hat sich die Vierer- kommission, die mit der oberschlestschen Frage beschäftigt ist, um 5% Uhr versammelt. Wie man hört, soll in der oberschlestschen Angelegenheit eine neue Wendung eingetreten sein, die die Beratung des Völkerbundsrates wahrscheinlich noch um einige Tage verzögert. Die bereits von der Viererkommission fertig gestellte Lösung soll, wie man sagt, durch einen ganz neuen Plan, der früher bereits einmal auftauchte, dann aber als unpraktisch abgelehnt worden war, ergänzt werden. Dieser Plan geht angeblich auffranzösische Anregung zurück.
Diese französische Anregung b-edeutet für uns sicher nichts gutes. Trotzdem heißt es in diesen Stunden die Ruhe zu bewahren. Deutschlands Billigung und Anerkennung wird ein Urteilsspruch, der der polnischen Landtier und dem ftanzösischen Machtwahn Rechnung trägt, niemals finden.
Dr. Wirth zur Lage.
Ossenbttr« i. Baden, 9. Okt. Anläßlich des 25jährigen Jubiläumsfestes des katholischen Arbeitervereins^ Offenburg hielt Reichskanzler Dr. Wirth eine Rede, in der er sagte:
Ich gehöre nicht zu denen, die den Begriff der Amts- müdigkeit kennen; wir wollen, auch wenn sich die schwersten Wogen hoch auftürmen, nicht verzagen. Wir müssen uns große Zur ü ck h a l_t u n g auferlegen, denn wir dürfen nicht vergessen, daß die Völker um uns noch immer uns mit starkem Haß verfolgen. Wir müssen zeigen, daß wir mit dem Wiederaufbau Ernst machen und tun, was in unseren Kräften steht, um zu diesem Werke beizutragen. Ein Volk, daS den ernsten Willen zeigt, ein Volk das aufrichtig ist, eine Reichsregierung, auf deren Wort man unbedingt trauen kann, werden uns das Vertrauen der Welt wieder erwerben. Hier und da fanden wir bereits Verständnis. Die große wirtschaftliche Krise, die die Welt durchlebt, wird die schwierigsten Probleme aufwerfen. Man denke nur an die vielen Millionen Arbeitsloser, die in England und Amerika existieren. Also nicht nur wir, sondern auch die Länder, die zu den Siegern zählen, haben mit großen Sorgen zu kärnpfen. Wir baten zwar Frieden, aber nicht den wahren wirtschaftlichen Frieden. Der Reichskanzler sprach dann von Sanktionen am Rhein und sagte: Besonders die militärischen Sanktionen empfanden wir immer als ein Unrecht und werden sie auch immer als ein Unrecht empfinden. Wir taten alles, was wir zu erfüllen hatten, was uns gesetzt war als Bedingung für die Aufhebung der Sanktionen. Jetzt müssen auch die Alliierten mit derselben Pünktlichkeit für die Aufhebung der militärischen Sanktionen Sorge tragen. Es sei nicht gerade ein Ruhmesblatt für die Geich i ch t e d e r A l l i i e r t e n, daß sie die militärischen Sanktionen noch nicht aufgehoben hätten. Aber er hoffe, daß der Tag nicht mehr fern sei, wo der Krieg aufhör« und daß dann alle verständigen Menschen sich an einen Tisch zusammen setzen, um zu beraten, wie der drohenden wirtschaftlichen Krise in der ganzen Welt entgegengewirkt werden könne.
Nach Besprechung der o b ers ch l efi sch en Frage (siehe besonderen Bericht forderte der Reichskanzler zur Einigkeit auf und warnte eindringlich davor, das deutsche Volk in zwei Lagrr zu spalten. Nur die Lusamwenkaffnua aller Kräfte. auch des Be
feinem Posten. Aber bis zu diesem Beweis und so lange er noch nicht die Barke im sicheren Hafen habe, wolle er die Hand am Steuer behalten.
Briand sprach dann von den Reformen, die durchgeführt werden müßten, von den Ersparnissen, die man zu realisieren versuchen werde. Aber ein Staat könne nicht immer so handeln, wie eine Privatperson. Man müsse Arbeit schaffen» um die Zukunft sicherzustellen. Frankreich sänne nicht zur Paralyse schreite«. Das Land verlange eine umfangreiche Tätigkeit. Er sei ein schönes und schicke» Land. Dar sei vielleicht ein etwas vulgärer Ausdruck, aber er gebe seine Gedanken richtig wieder. Wenn man den Jammer höre, wolle man sich die Ohren verstopfen. Der Krieg, der soviel Unheil und Trauer geschaffen habe, habe indessen den Gedanken sâr Einheit und Solidarität unter den Franzosen gefördert. Der Krieg habe manche Egoismen miteinanderbunRn und Solidaritäten geschaffen. Davon müsse etwa» zurückbleiben. Die Republikaner, die regierten, könnte» keine offene Parteipolitik treiben. Sie müßten für alle Franzosen regieren. Diese Politik der Einheit und ber gewissen Stetigkeit wolle die Regierung prakttziere«. Da» republikanische Regime, da» Frankreich seine Ehre und seine Allianzen geschaffen habe, habe das Recht zu sagen: Ich bleibe! Die unerfahrenen jungen Abgeordneten hätten zu irgendwelchen aufrührerischen Absichten benutzt werden sollen. Aber sie hätten sich bald wieder gefunden und sie hätten jetzt alle den Willen, eine republikanische Politik zu treiben. Die Rezieruug werde mit Unterstützung der Kammer das Regime zwischen den beiden Extremen ins Gleichgewicht bringen. Frankreich werde das Frankreich des Frieden» und der sozialen Gerechtigkeit bleiben. (Lebhafter Beifall.)
Die Absage der U. S. P.
Berlin, 9. Oktbr. Die „Freiheit" veröffentlicht ein Schreiben des Vorstandes der sozialdemokratischen Partei Deutschlands an das Zentralkomitee der Unabhängigen Partei, worin letztere erneut gefragt wird, ob sie vorbehaltlich der Festsetzung eines RegiernngSprogramms in das Kabinett Wirth eintreten wolle. Das Schreiben be- Eintritt der Unabhängigen in das Kabinett den größten Wert legt, weil dieses damit eine sichere parlamentarische Mehrheit erhalte, was vor allem im Hinblick auf die Steuerpolitik der nächsten Zukunft und auf die Durchführung der zur Sicherung der Republik notwendigen Maßnahmen dringend geboten erscheint. „
Das Zentralkomitee der Unabhängigen Partei sandte darauf ein Antwortschreiben an bie Mehrheitssozialdemokratie, in dem es heißt: „Nachdem feststeht, daß von den drei gegenwärtigen Koalitionsparteien zwei die Erweiterung nach rechts und nicht nach links wünschen, hat diese wiederholte Frage keinerlei praktisch eBedeutung mehr. Wir haben daher keine Veranlassung, eine gemeinsame Sitzung der Parteileiter und der Reichstagsfraktion einzuberufen, damit sie zu der völlig gegenstand ^losen Frage Stellung nehmen."
Don der internationalen Kilfs- kvnferenz.
Brüssel, 9. Okt. Die internationale Hilfskonferenz für Rußland nahm fünf Resolutionen an und beendete damit ihre Arbeit.
Die erste Resolution erHärt, daß die durch die Hungersnot hervorgernfenen Verheerungen unter der russischen Bevölkerung derart schwer sind, daß die Konteren; das sofortige materielle und finanzielle Z«- sammenarbeiten der verschiedenen Regierungen für notwendig hält, um dadurch das ausschließlich humanitäre und charitative Hilfswerk der privaten Organisationen zu unterstützen. Eine strenge Kontrolle durch bie Vertretungen der Mächte in Rußland sei unerläßlich.
Die zweite Resolution bestimmt, daß die Regierungen und die privaten Organisationen aufgefordert werden sollen, sich bis zum 1. November über die Wichtigkeit ihres Zusammenarbeitens zu äußer».
Die dritte Entschließung siebt vor, daß eine Mission nach Rußland entsandt wird, um über die tatsächliche Lage Bericht zu erstatten. .
Die vierte Resolution lenkt die Ammerffamkelt der Fürsorge des Roten Kreuzes auf die Rettung der großen Zahl russischer Kinder durch Methoden, welche von den Gesellschaften vom Roten Kreuz für die beste« gehalten werden.
Die fünfte Entschließung erklärt, daß vor der Gewährung von Krediten die Regierungen die Anerkennnng der bestehenden Sckulden und der anderen Verpstich- tnngcil, die aus der Verantwortlichkeit der russischen Regierung resultieren, durch die Sowjetregierung fordern werden. Außerdem sollen mtsprechende Garantien für alle gewährten Kredite gegeben werden.
Die Konferenz legt Wert daraus zu erklären, daß sie beim Fassen dieser Beschlüsse sich von der Verfolgung keines politischen Zieles hat leiten lassen, und daß die Mittel, deren Anwendung sie verkündet, die einzigen sind, die Garantien für die Linderung des Elends in Rußland und für die Vorbeugung einer Wiederholung bieten. Die italienische Delegation uiachte hinsichtlich der Anerkennung der Schulden durch Sowjetregierung Vorbehalte. Wie verlautet, wird »ie Konferenz wieder znsammentrcten, wenn neue Entscheidungen notwendig werden.
sitzes, könne uns wieder aufrecht führen zu dem Weg, den die christlich gesinnte Arbeiterschaft stets b erfolgt habe und dessen Endpunkt gekrönt werde von dem Zeichen der Erlösung.
Der Reichskanzler streifte auch die Verhandlungen mit den Vertretern der Industrie, des Handels und der Banken, wobei er seiner Ansicht dahin Ausdruck gab, daß er durchaus damit einverstanden sei, daß jene Kreise, die dem deutsche« Volke helfen wollten, auch mit die Verantwortung trügenan derFühru«g der Regiernngsgeschäfte. Aber täuschen dürfe man das deutsche Volk nicht. Das Angebot müsse Wirklichkeit werden. Das deutsche Volk ist zu retten, wenn es sich selbst nicht aufgibt. Wenn es auf Gott vertraut, wenn es redlich und, verständnisvoll weiterstrebt, wird auch für uns wieder ein Tag des Friedens und der Freiheit, ein Tag des Wohlergehens beschieden sein.
Eine Rede Briands.
Die Richtlinien des französischen Ministerpräsidenten.
Ministerpräsident Briand hielt gestern nachmittag bei einem zu seinen Ehren veranstalteten Bankett in St. Nazaire eine Rede. Er sagte: Einer schön«« republikanischen Tradition zufolge, wolle er vor der Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten seine Gedanken zum Ausdruck bringen und die Richtlinie« mitteilen, nach denen er die Politik zu orientieren gedenke Er liebe diePolemik nicht. Die, die das Land vertreten, hätten die Pflicht, alles zu tun, damtit sie vermieden werde. Eine Kritik jedoch müsse er widerlegen, weil der Ministerpräsident Frankreichs seine Autorität nicht vermindern lassen könne. Alle Angelegenheiten, die er im Namen der Nation erledige, seien Weltangelegenheiten. Man habe gesagt, wenn er, Briand, gewisse Konzessionen verweigern werde, könne Frankreich einen besseren Nutzen aus dem Kriege ziehen. Frankreich habe die größten Opfer gebracht. Es habe ein Anrecht auf die volle Reparation der erlittenen Schäden. Er habe aber gedacht, daß Frankreich «a ch dem Siege ein Anrecht auf den Frieden habe und ein Anrecht darauf, in der Welt einen .....das, nicht der Fall, dann waren die Manuer, die Frankreich regieren, nicht auf der Höhe ihrer Aufgabe. Er habe die Regierung übernommen in der Absicht den Frieden sicherzustellen, damit er Frankreich sein Recht auf dem Frieden gewährleisten könne. Das se vielleicht keine Politik, die die Masse begeistere. Aber sie führe wenigstens nicht zu Eventualitäten, aus denen die Länder oft miniert herauskämen. Während der Friedensverhandlungen habe Frankreich Konzessionen machen müssen. Wenn also
die guten Franzosen die den Frieden unterhandelt hätten, gezwungen gewesen wären, sich damit abzufinden, dann müßten die die elementare Intelligenz besitzen, um zu begreifen, daß er, der erst zwei Jahre nach dem Waffenstillstand zur Regierung gelangt sei, ohne ein vollkommenes Instrument in Händen zu haben, kein volltommener Werk habe schaffen können. Wie seine Vorgänger habe er, nm die Ausführung des FriedenSvertrages möglich zu machen, im vollen Einverständnis mit Frankreichs Alliierten handeln müssen. Ohne diese Solidarität wäre die Ausführung des Vertrages unmöglich. Aber niemals könne Frankreich alles verlangen, was man ihm schulde, weil es Dinge gäbe, die man nicht bezahlen könne.
Briand lehnte es ab, sich auf eine Prophezeihung einzulassen. Um den schlechten Willen be8 deutschen Militarismus zu besiegen, habe seine Regierung die Besetzung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort beschlossen. Das seien Ereignisse von großer Bedeutung, die der Regierung nicht auf das Attivkonto gebucht worden seien, während man von ihrem Debet großes Aufheben mache. Wenn man an 1871 erinnere, so vergesse man, daß der letzte Krieg alle finanziellen und wirtschaftlichen Vorstellungen uuigestoßen habe. Man vergesse auch, daß die Forderungen Frankreichs durch das Schwanken der Wechselkurse ungeheuer vermehrt worden seien. Wie könne man da behaupten, die Forderungen Frankreichs seien verstümmelt worden, die Regierung habe nicht ihre Schuldigkeit getan? Die Mobilisierung der Jahres- klassc 1919 habe die Regierung nicht leichten Herzens unternommen. Das Ergebnis habe gezeigt, daß sie gerechtfertigt gewesen sei, denn am Jahrestage der Friedensschlusses von Frankfurt habe der deutsche Reichstag die Niederlage Deutschlands anerkannt. Hätte man die Jahresklasse 1919 noch länger draußen gelassen, dann hätte man den Kriegszustand unnötig verlängert. Seitdem habe Deutschland gewissenhafter als in der Vergangenheft seine Verpflichtungen erfüllt und es habe entwaffnet. Frankreich halte au seinen Allianzen fest. Die Regierung aber vergesse nicht, daß das französische Blut auf dem Boden Frankreichs für die Freiheit nicht allein geflossen sei. Frankreich werde, ohne etwas von seinem Recht auf Sicherheit aufzugeben, nicht vergessen, was er den Alliierten schulde.
Briand fuhr fort: Jetzt sei Frankreich nach Uebersec ein g e I ab en. Man werde dahingehen, um eine Daxkespflicht abzutragc« und um eine Pflicht gegenüber Frankreich zu erfüllen.
Frankreich müsse ««rüstet bleibe«, so lange seine Sicherheit nicht sichergestellt sei. Frenk- rcich habe ein Anrecht auf Reparatione» und auf seine Sicherheit. In dieser Rich- tuung werde die Regierung keinen Augenblick schwanken. Die Regierung habe Vertrauen zu der gegenwärtigen deutsche« Regierung. I» der Kammer werde er sich auszusprechen. Wenn ein genialer Geist dar Geheimnis besitze, alle» besser zu mache«, al» er, so werde er ilue sofort den Platz räumen. Er klebe nickt an
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