Einzelbild herunterladen
 

Hanauer «Anzeiger

Ei nrüâungs gebühr:

Die 8gesp. Kolonelzeile oder deren Raum 2. Mk die 4gesp. Zeile im Reklameteil 4.50 Mk., Finanzinserate 2.20 Mk. Offertgebühr 30 Psg. B e z u g s p r e i s: Vi ertel- jährl. 18. Mk.,monatl. 6. Mk f. Postbezug viertel- jährl. 22.50 Mk. monatl.7.50Mk. Die Nummer 25 Pfg.

Postscheck-Konto Nr. 26659, Frankfurt a. M.

<>______----------------------------------------------------------

General-Anzeiger

Verlagsleitung: Ad. Jndermühle.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil RichardHultsch:für lokalen und provinziellen Teil

AmMches Organ für Sladl- und Landkreis Kanas I Reklamen August Vrodt, alle in Hanau a. Main.

Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- Md Feiertage

Fernsvrechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.

Nr. 233

Mittwoch den S. Oktober

1921

Das Neueste.

Im Preußischen Landtag wurde der Haushalt der Handels- und Gewerbeverwaltung beraten.

Wiederaufbauminister Dr. Rathenau wird sich heute abend nach Wiesbaden zum Abschluß der Verhandlungen mit dem französischen Mi- nister Loucheur über das Wiederaufbauabkommen.

begeben.

Das amerikanische Staatsdepartement be­reitet die Einladungen für Belgien, Holland und Portugal zur Teilnahme an der Konferenz des Fernen Ostens vor.

In verschiedenen Bezirken Westungarns ist gestern die Unabhängigkeit dieses Gebietes pro- klamiert worden.

Nach einer Havasmelduna ans Athen er­fährt ein Blatt, daß der Abschluß eines vor­läufigen Handelsabkommens zwischen Griechen­land und der Tschechoslowakei in Athen er­folgt sei.

Zur KoaMionsumbildung.

Die beim Reichskanzler Dr. Wirth abgehal- lenen Vorverhandlungen zwecks Erweiterung der Koalition sind, wie bereits gemeldet, ergeb­nislos abgebrochen worden, um sie Mitte näch­ster Woche wieder aufzunehmen. Bis dahin be­absichtigt man, wie uns aus Berlin gemeldet wird, mit leitenden Kreisen unseres Wirtschafts­lebens in Verbindung zu treten, um ihre An- ichten in Fragen der Besteuerung und Er- üllung unserer Pflichten gegenüber dem Aus­ande zu hören. Es hat sich erneut herausge- tellt, daß die Hauptmeinungsverschiedenheit zwischen der Sozialdemokratie und den bürger­lichen Parteien in der Ausgestaltung unseres Steuersystems liegt. Die Ansichten, ..wie wgit direkte, wie weit indirekte Steuern zu erheben seien, gehen immer noch stark auseinander, und ehe hier nicht eine mittlere Linie gefunden wird, dürfte sich die Bildung des neuen Kabinetts im Reiche kaum vollziehen lassen. Die Verhand­lungen der Industrie mit der Regierung haben gestern begonnen.

Was nun die Frage der Einbeziehung der U. S. P. in die Koalition anbelangt, so haben gestern die Demokraten und das Zentrum ihre Zustimmung zu einem etwaigen Eintritt der Unabhängigen in die Reichsregierung von fol­genden drei Bedingungen abhängig gemacht:

1. müssen sich die Unabhängigen auf den Boden der Weimarer Verfassung stellen,

2. müßte eine Einigung über ein gemein­sames Regierungsprogramm erzielt werden,

3. müsse die Koalition auch die Deutsche Volkspartei umfassen.

Mit dieser Fragestellung kann die Ange­legenheit bereits als erledigt angesehen werden, da einmal die Unabhängigen ein Zusammen­gehen mit der Deutschen Volkspartei, was De­mokraten und Zentrum zur Bedingung machen, rundweg abgelehnt haben, andererseits aber auch die Deutsche Volkspartei nach derNationall. Korrespondenz" erklärt hat, daß sie für ein Zu­sammengehen mit den Unabhängigen zwecks Her­stellung einer Regierungssront von Stresemann bis Breitscheid nicht zu haben sei. Eine Mög­lichkeit, bie. Verhandlungen durch Hinzuziehung der Unabhängigen zu erweitern, bestehe nur, wenn gleichzeitig auf die Teilnahme der deutschen Volkspartei verzichtet werde. Die künftigen Verhandlungen dürften sich also nur noch mit einer Kabinettserweiterung noch rechts zu be­fassen haben, die hoffentlich bald zustande' kommt. Die Zusammenfassung aller Kräfte ist, wie schon geistern an dieser Stelle gesagt, das Gebot der Stunde.

Eine neue Parlei

Für den genauen Beobachter des deuâschnationalen Parteitages in München Ivar unschwer fcstzusielleu, daß scharfe innere Gegensätze das Gefüge der Partei zu lockern drohten. Nur dem taktischen Geschick be$ Parteiführers Hergt war es zuzuschreiben, daß der zweifellos vorhandene Rn; nicht schon in München offenbar wurde. Inzwischen haben sich jedoch die Dinge so weiter entwickelt, daß der Absplitterungs- Prozeß nicht mcyr verheimlicht werden kann. Eine Deutscksoziale Partei" hat sich gebildet und versendet Werbcanfrufe, in denen behauptet wird, daß die bis jetzt bestehenden politischen Parteien nicht mehr lebenfähig seien nnd Schuld an allen unseren Wirren trügen. Die Partei der Zukunst fordert, daßallen fremden Ausbeutungsplänen der entschlossene Wille zur völkischen Selbstbehauptung ent- gerengestcllt" werde. Innerhalb des Volkes sollen keine Unterschiede mehr gelten, allster zwischen Arbeitern und Faulenzern. Dann kommt aber die Hauptsache. In der Beitrittserklärung wird die Versiclmwug ver­langt, daß man weder jüdischer Abstammnüg noch jüdisch versippt ist; alle nach dem 1. Angnst 1914 emge- vanderten Inden und sonstigen Ausländer sollen aus- ttwiescit werden; die deutschen Juden sollenunter Lrtwdenreckt" <"»â werden, und man will mir

Vom Garanlie-Komttee.

Die am 15. November fällige Rate gedeckt.

Paris, 4. Oktbr. Das Garantiekomitee ver­breitet durch Havas folgende Mitteilung: Im Verlauf der ersten Sitzung mit den Vertretern der deutschen Regierung hat das Garantie- komitee sich vor allem mit der Zahlung befaßt, die von-Deutschland am 15. November zu voll­ziehen ist, an welchem Datum die erste Viertel­jahrsrate der veränderlichen Annuitäten fällig wird. Die deutsche Regierung hat dem Komitee ihre Schätzungen des Wertes der vom 1. Mai bis 31. Juli erfolgten Ausfuhren mitgeteilt, auf Grund deren der Betrag der am 15. November fälligen Zahlung festgesetzt wird. Das Komitee bat die angegebenen Zahlen vorläufig anerkannt. Sie werden einer genauen Nachprüfung und eventuell einer späteren Berichtigung unterzogen werden. Wenn man die seit dem 1. Mai 1921 erfolgten Sachleistungen in Rechnung stellt, sowie ferner die noch bis Ende Oktober zu leistenden, und wenn man ferner das Ergebnis der in den alliierten Ländern erhobenen Maßnahmen auf die deutsche Einfuhr berücksichtigt, wird die am 15. November fällige Zahlung gedeckt sein, ohne daß neue Barzahlungen nötig werden.

Das Schicksal Oberschlesiens.

Aus Genf läßt sich dieBoisische Seifuna" be- richten, daß die Entscheidung der Viererkommission in allen wesentlichen Punkten bereits festgefegt fernab die Vernehmung der polnischen und deutschen «ack- berftänbigen aus Oberschlesien nur noch den Zwcck verfolgen soll, die Einzelheiten der Grenzführung fest- zulegen. Wenn die in Genf umlaufenden Gerüchte auch nur ungefähr richtig sind, so muß sich das deutsche Volk auf eine schwere Enttäuschung geiaht machen. Die Grenzlinie wird trotz aller Sacbverbändigengnt° achten und Nützlichkeiten einer Teilung des engerer Industriegebiets mitten durch dieses Gebiet gelegt werden und zwar angeblich derart, daß heute nur das Schicksal Beuthens noch nickt gan; entschieden fein soll, dagegen das Industriegebiet östlich und nord­östlich von Benthen und selbst die Kreise Rybnik und Pleß schon endgültig Polen zugeteilt sein sollen.

Den von den Sachverständigen der Vicrerkommission vernommenen Vertretern der Gewerkschaften und der oberschlesischen Industrie ist strengstes Schweigegebot auferlegt worden. Die Fragen der Sachverständigen sind so gestellt worden, daß die vernommenen deutschen und polnischen Vertreter selbst daraus keinerlei Schlüsse auf die getroffene Entscheidung sieben können. Trotz­dem Bolen an den Sitzungen desRates und erst recht natürlich an den Beratungen der Viererkommission keinerlei Anteil hatte, ist es nicht zweiselbart, daß Polen zahlreiche Hintertüren zur Verfügung hat, die Deutsch­land, das außerhalb des Völkerbundes steht, ganz ver­schlossen blieben. Dazu ist die deutsche Denkschrift viel zu spät in Genf eingetroffen, um noch irgendeinen Einfluß auènben zu können. Es ist nicht ausgeschloffen, daß der Spruch des Völkerbnndsrats noch vor Ende dieser Woche gefällt werden wird.

Polnischer Terror.

Nach einer Meldung des Lokal-Anzeigers aus Ratibor warf in Odchcziewitz (Kreis Rybnik» ein Pole eine Handgranate in ein Gasthaus, in dem die Hochzeit eines zurückgekehrten deutschen Flüchtlings , gefeiert wurde. Acht Personen wurden schwer und vier leicht verletzt. .

Nach einer Meldunr des Lokal-Anzeigers aus Pleß entstand, heute früh am Kriegerdenkmal eine sehr heftige Entladung von Sprengstoffen, die zur Folge hatte, daß der Krieger von dem Denkmal beruntergekbfenbert wurde und zerbrach. Es kann keinem Zweifel unter­liegen, daß der Anschlag von einem Polen verübt wurde.

Aufhebung des bayrischen Ausnahme­zustandes.

Wie den B. T. aus München gemeldet wird, wird die bayerische Regierung gemäß ihrer Ver­abredung mit der Reichsregierung_ heute eine Verordnung Herausgebern durch die der Aus­nahmezustand in Bayern vom 15. Oktober an aufgehoben wird.

Die Unabhängigkeit Westungarns proklamiert.

Wien. 5. Okt. DiePolitische Korre- sKopdens" teilt mit, dak die österverchsiÄe Regierung folgendes Telegramm erhalten hat;

Oberwart, 4. Okt. Das Volk Wettungarns hat in dem im Sinne des Trianoner Friedens­vertrages geräumten Gebietes die Unab- hänaieteit am 4. Oktober 192L mittags 12

religiöse Ueberzeugungen dulden, diemit germanischen Rechts- uxb Sittenanschauungcn nicht im Widerspruch stehcic".

Es handelt sich also um die Absonderung der unter W u l l e 8 Führung stehenden deutsch-Völkischen Gruppe von der Deutschnationalen Partei, die Hergt in München noch in letzter Stunde zu verhindern ge­wußt hatte. Wie weit dieser neue parteipolitische Spaltpilz die Deutschnationale Partei zersetzen wird, muß sich ja bald zeigen.

Uhr, proklamiert. Es hat den OSerkom- mandanten mit der Ausarbeitung eines Verfaksungsentwurfes betraut. Gleichzeitig hat die Einwohnerschaft der Bezirke Neu- kiegel, Misenstadt, Lakomvak, Oberbotten­dorf und Slemet-Uivar sich der Proklamation der Unabhängigkeit angeschlossen.

Lloyd George über das Arbeits- lofenproblem.

London, 4. Oktbr. In seiner Rede in Jnver- neß erklärte Lloyd George derWestminster Gazette" zufolge: Wenn wir auf die Washing­toner Konferenz gehen, so wird dies ein Ereig­nis sein, das die Geschichte für Jahrhunderte berühren wird. Der Premierminister sagte außerdem, die Regierung werde auf die irische Konferenz in London mit der Jnverneß-Formel gehen; die Konferenz könne nur Erfolg haben, wenn man sich entschließe, auf den gesunden Menschenverstand der verschiedenen Völker zu vertrauen und nicht versuche, Extremisten mit­einander zu versöhnen. Lloyd George erklärte außerdem, die heutige Arbeitslosigkeit sei nicht eine gewöhnliche Handelsdepression, sondern sie sei auf die anormalen Verhältnisse und zer­rüttenden Folgen des Weltkrieges zurückzufüh­ren. Sie sei ein Weltproblem; man könne kein Geschäft betreiben, wenn die Schwankungen des Wechselkurses fortdauern, es wäre dasselbe, als wenn man versuche, bei bewegter See auf einem Ozeandampfer Billard zu spielen. Des ferneren sagte Lloyd George, der Kredit Eng­lands sei unendlich höher, als der irgend eines anderen am Kriege beteiligten Landes in Eu­ropa; er sei zuversichtlich, daß die Lage stabili­siert werde, wenn die Nationen einsehen, daß gute Beziehungen mit den Nachbarn heute wesentlich sind für die allgemeine nationale Wohlfahrt. Bezüglich des Arbeitslosenproblems sagte Lloyd George: Bisher fy kein Plan fest­gesetzt worden; wenn die Regierung ihren Be­schluß gefaßt habe, würde sie dem Unterhause Bericht erstatten, das befugt sei, ein Urteil da­rüber zu fällen. Männer, die arbeitswillig seien, würden nicht hungern, solange noch eine Brot­kruste im Speiseschrank der Nation vorhan­den sei.

(Letzte Meldung.)

London, 5. Oktober.

In der hauptsächlich dem Arbeitslosenpro­blem gewidmeten Rede, die Lloyd George vor seiner Abreise nach London im Rathause von Jnverneß hielt, wo ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen wurde, erklärte er, einem ausführ­lichen Bericht Zufolge, außer dem bereits Mit­geteilten noch folgendes:

Das Kabinett sehe sich mehreren Riesen­problemen gegenübergestellt. Davon seien die drei hauptsächlichsten die Vorbereitung für die Washingtoner Abrüstungs-Kon- ferenz, die irische Konferenz und das große Arbeitslosenproblem. Was die Abrüstungs-Konferenz anbelange, so werde die englische Regierung alles tun, was in ihrer Macht liege, um die Konferenz zu einem Er­folg zu machen. Bezüglich der irischen Frage erklärte Lloyd George noch, es seien früher zahlreiche Versuche unternommen worden, um die irische Frage zu lösen, die alle fehlgeschlagen seien, was ihn jedoch nicht hindere, hoffnungs­voll in die Zukunft zu blicken. Das Arbeitslossn- problem erörternd, sagte Lloyd George, so gut wie jedes andere große Reich in Europa habe auch England im Kampfe Riesensummen aus­gegeben. Sie mußten ihre Einkünfte verpfän­den und ihre Zukunft in Pfand geben, indem sie ihre industriellen Werte hypothekarisierten, um die in ihrem Kampfe eingegangenen Schul­den zu bezahlen. Der Erfolg sei, daß sie alle verarmten. Alle, die von ihnen abhängig seien, die Unternehmer, die Kaufleute, die Arbeiter, seien natürlich für Jahre hinaus verarmt. Die Erwerbslosigkeit, unter der man jetzt allgemein leide, sei daher nichtaufdiege- jährlichen Schwankungen im Han - d el zurückzuführen, sondern auf jene ehr annormalen Verhältnisse. Dasselbe sei nach den großen napoleonischen Kriegen vorgekommen. Die damalige Zeit sei schlimmer gewesen, als die Zeit, in der man augenblicklich lebe. Die Arbeitslosigkeit sei ein Zustand der ganzen Welt. Lloyd George ver­wies auf das Memorandum eines der hervor­ragendsten Wirtschaftler der Welt, des schwedi­schen Professors Cassel, zu Beginn dessen es heißt, daß die Arbeit der Welt zum Stehen ge­kommen sei in einem Maße, wie man dies bis­her nicht erlebt habe. Dis Arbeitslosigkeit habe einen beunruhigenden Umfang angenommen. Die ganze Welt leide darunter, und es sei be- inerkenswert, daß die beiden Länder, deren Kre­dit am höchsten stehe, am meisten in Mitleiden­schaft gezogen leien, nämlich die Verein. Staa­

ten von Amerika und Großbritannien. Die Zahl * der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten betrage etwa 6 Millionen. Lloyd George sagte weiter, diese Verhältnisse hätten den Han­del gelähmt, sie spiegelten sich in den Valuta­schwankungen der verschiedenen Länder wieder. Es lohne sich, die Wechselkurslisten Europas Tag für Tag zu betrachten, dann werde man einsehen, wie schwer es ist, Geschäfte zu be­treiben. In Paris, wo das Pfund Sterling vor dem Kriege 25 Franken wert war, ist dasselbe heute auf 52 Franken gestiegen, in Rom auf 90 Lire und zwar am 23. September auf 90 und am 30. September auf 94, in einer einzigen Woche also ein Unterschied von vier Punkten. Man nehme Berlin an. Vor dem Kriege war das Pfund Sterling 20 Mark wert. Vor einem Jahre stand das Pfund Sterling auf 212 Reichs­mark und vor einer Woche auf 437 Reichsmark. Ma nnehme Polen. Vor einem Jahre stand das Pfund Sterling auf 200 Mark, vorigen Samstag auf 22 000, gestern auf 2021000 polnische Mark. Es schwankte demnach zwi­schen 22 000 und 20 000 Mark im Verlaufe einer einzigen Woche und schwankte an einem Tage um 1000 Punkte. Unter solchen Verhältnissen sei es natürlich sehr schwer, Geschäfte zu be­treiben, denn man könne die Preise nicht be­rechnen, wenn die Schwankungen innerhalb eines einzigen Tages so riesengroß seien. Was Rußland betreffe, so werde das russische Papier­geld auf keiner Börse notiert. Lloyd George erklärte am Schluß seiner Rede, diese Schwie­rigkeiten seien annormal und äußerst schwierig zu meistern. Leider seien sie auf Umstände zu­rückzuführen, über die England nur eine teil­weise Kontrolle habe. Die Verhältniße würden erst stabilisiert werden, wenndieNationen eingehend und einträchtig zusam­men wirken würden. Die Nationen be­ginnen bereits dies zu lernen. Den Aufwieglern unter den Nationen könnte nicht mehr, wie noch vor einem Jahre, in dem gleichen Maße Gehör geschenkt werden. Zu der Stabilisierung ge­höre auch die Einsicht der Nationen, daß durch die Papiergeldausgabe ihrnatio- naler Reichtum verarmt.

Lloyd George besprach sodann noch die Pläne der Regierung zur Bekämpfung der Ar­beitslosigkeit und trat zum Schluß für eine er­höhte Produktion und ein Zusammenarbeiten aller Klassen im Staate ein.

Es dämmert.

London, 4. Oktbr. DerManchester Guar» dian" fordert in einem Leitartikel eine Neu­regelung der internationalen Schulden als Mittel zurBehebung der Erwerbslosigkeit. Churchill sehe. ein, daß es zum Vorteil Englands sein werde, wenn es einen größeren Teil der von Deutsch­land geschuldeten Rechnung nicht eintreibe. So­gar in Frankreich dämmere erblich die Ueber­zeugung, daß die Wohlfahrt in Frankreich in großem Maße von einer Art industrieller Ge­meinschaft mit Deutschland abhänge, und daß sie bestimmt vernichtet werde, wenn man ver­sucht, das Unmögliche von Deutschland zu er­zwingen. Durch eine Stabilisierung der deut- chen Finanzen würde England mehr gewinnen, als es je aus den Reparationen herauszubekom­men hoffen könne. Wenn jedoch die deutsckie Mark den Weg der polnischen Mark gehen würde, würden die Handelsbeziehungen Eng­lands mit dem Festlande noch mehr in Unord­nung gebracht, als dies bereits der Fall sei.

Politische Tagesherichte.

Wiederbeginn der Kriegsbeschuldigtcw- Prozesse. Das B. T- meldet aus Seimig: Vor dem Reichsgericht beginnen in- nächster Wochc midier die sogenannten Kriegsbcschuldigtenpro zesse. Die Verhandlungen erstrecken sich zunächf nur auf Armeefälle.

Die Aktion für die bedürftigen Volks­schichten. DasBerliner Tageblatt" ivill zu der vom Reichskanzler in seiner letzten Reichstags- rede angekündigten großen Aktion für die be­dürftigen Volksschichten besonders 'rr Rentner. Pensionäre und notleidende Angehörige des Mittelstandes erfahren haben, daß die RÄä;s- regierung beabsichtige, die Aktion möglichst Koch vor den Einbruch des Winters in Gang!" zu bringen. Ein Teil der Aktion soll sich <ntf die Invalidenrentner beziehen, wofür eine Erhöhung der Sozialrenten geplant sei, während ein an­derer Teil des Unterstützungswerkes eine Unter­stützung aller bedürftigen Kreise^ vorsiebt. Man denkt hierbei vornehmlich an die Kleinrentnern Für die Mion werde ein Milliardenbetrag! auf-) gebracht werden Een. ^..^

Weitere politische M#