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Dienstag den 27. September
Nr. 228
Lokales.
Hanau, 27. September.
Der Kreis-Bauernverein zur Winlerkarroffel-Belieferung.
Der Kreisbauernverein hat in seiner am Samstag stattgefundenen Vorstands- und Aus- fchnßsitzung die Marktlage der Winterkartoffeln eingehend behandelt. Der Vorstand und Ausschuß ist überzeugt, daß die gegenwärtige Markttage eine ungesunde und künstlich geschaffene ist. Die von dem Vorstandsmitglied Lind beim Reichsernährungsminister unternommenen Schritte werden vollinhaltlich gs- billigt. Der Vorstand und Ausschuß verlangt von seinen Mitgliedern, daß jede Waggonversendung und Lieferung per Fuhre nach Nach- bartreifen so lange unterbleibt, bis Land- und Stadtkreis Hanau v e r f o r g t ist. Weiter macht es der Vorstand und Ausschuß den Mitgliedern zur dringenden Pflicht, den Kartoffelmarkt so reichlich wie möglich zu befahren und den an sie berantretenden Verbrauchern möglichst zusagende Erklärungen über die Belieferung zu geben. Unter Berücksichtigung der ’ geringen Ërnte wird den Mitgliedern Teil lieferung an die Verbraucher vorgeschlagen, daß wenigstens für die Wintermonate die Versorgung sicherge- fteilt ist. Der an uns herangettetenen Forderung, für Minderbemittelte Kartoffeln zum ver- bMgten Preise zu beschaffen, vermag der Vorstand und Ausschuß nicht zu folgen. Im vergangenen Jahre wurde diese Hilfsaktion von uns in die Wege geleitet. Wir haben hierfür keinen Dank erwartet, aber die Behandlung, die den Landwirten ganz allgemein und insbesondere bei den Beschlüssen der Gemeindevertretungen, bezügl. der Belastungen des Grund- und Gebäudebesitzes zum Ausdruck kam, lassen klar erkennen, daß man von der Landwirtschaft einseitig Opfer fordert und sie für diesen Opfer- sinn durch von Parteileidenschaft zustande gekommenen Steuerbeschlüssen bestraft. Wer derartige Beschlüsse tätigt, beweist, daß er zur Verteuerung der Lebensmittel und deren Erzeugung in erheblichem Maße beiträgt.
Landwirte beliefert die Verbraucher von Land- und Stadtkreis Hanau und weist den Schiebern und deren Helfershelfern die Tür.
Wer das Schiebertum schützt, fördert die Hungersnot der Verbraucher.
*
Anm. d. Schristleitung: Mit uns würden es im Interesse der bedürftigen Stadtbevölkerung wohl viele begrüßen, wenn der Kreisbauernverein sich nochmals mit der Frage der Kartoffelbelieferung an Minderbemittelte beschäftigt und auf irgend einer Basis einen Ausgleich zu schaffen sucht. Ein solcher wird und muß sich finden, wenn der Wille vorhanden ist, einander zu helfen und zu verstehen.
Don der Frankfurter Messe.
mc. Frankfurt a. M-, 26. Septbr. Auch am heutigen Montag waren die deutschen Prefsever- treter noch auf der Messe versammelt, galt es doch einigen großen Fabriken einen Besuch abzu- statten, um über das Wirtschaftsleben Frankfurts ein ML zu gewinnen. Man besichtigte u. a. die Maschinenfabrik von Pokorny u. Wittekind und die Adlerwerke, wobei man sich ein lebhaftes Bild von dem schwierigen Entwicklungsgang der dortigen Erzeugnisse machen konnte. Am Mittag versammelte man sich dann in der Gesellschaft für Handel und Industrie zu einem Frühstück, bei dem der Generaldirektor von Pokorny und Wittekind. Geheimrat Koster, auf das blühende Frankfurter Wirtschaftsleben hinwies. Frankfurt sei stets eine Stadt der Quali- tätsindustrie gewesen und wolle es fernerhin bleiben. Direktor Otto Ernst Sutter vom Meß-
W
Die Rothersieins
Roman von Erich Ldenstein.
34. Fortsetzung.
(Nachdr. verboten.)
Do kam tagelang nicht aus dem Kranken- zimmer, außer frühmorgens und nach Tisch in den Wirtschaftshof. Hertha nahm ihr dies sehr «bei. Anfangs war auch sie täglich für längere Zeit ini Krankenzimmer erschienen und wollte Do durchaus ablösen.
„Denn du mußt an die Lust! Du siehst jetzt schon ganz blaß und elend aus!" sagte sie.
Und jedesmal, wenn sie kam, war ihr Erstes, Waldemar zu erwähnen.
„Er läßt dich grüßen. Der arme Kerl sehnt . sich sq danach, wieder einmal mit dir zu plaudern! Er ist ganz' deßperat, daß du noch immer <icht mit mir im Atelier bei ihm warst, sein BM» anzllfehen! Denn stell dir nur vor; er hat sich in den Kopf gesetzt, das Mld mußt du zu- erft sehen und begutachten — eher darf es nicht auf die Ausstellung!"
_ Manchmal brachte sie auch seltene Treibhausblüten oder besonders schöne Früchte aus den Wilhelminenruher Glashäusern mit, oder einen mit künstlerischem Geschmack zusammengostellten Herbstblumenstrauß.
„Das schickt er dir! Und du sollst ihn nicht ganz vergeffen . . ."
Do quittierte Mes mit höflichem Dank. Wer sie trug Hertha nie einen Gruß an Waldemar Ruhland auf, stellte die Blumen in des Fürsten Stube und servierte ihm die Früchte als Dosiert-
Auch vermied sie jedes Gespräch über Waldemar so geflissentlich, daß Hertha schließlich «gerlich darüber ward und ihre Besuche i« Kmnkenzimmer immer mehr abkürzte.
Draußen hatte der Herbst mit Sturm und Stegen seinen rauhen Einzug gehalten. Wan mußte üüher als 4onü mit- dem. Leüen^chcam-
amt schilderte die Schwierigkeiten der Messe und gab seiner Freude über ihre weitere Ausbreitung lebhaften Ausdruck. Schließlich hielt noch der Leiter des Frankfurter Wagnerbüros Dr. Albrecht eine kleine Ansprache im Namen der Presse, die mit einem Hoch auf die Frankfurter Industrie vuZklang. — Das Messegeschäft war am gestrigen Tage in allen Branchen Mt. Die Einkäuferscharen sind, obwohl der Houptansturm erst am Mittwoch einzutreffen pflegt, ungemein
stattlich angekommen. Auch die Modeschau Neuen Theater war stark besucht und die gezeigten Kleider erregten vielfach durch kühne Machart Aufsehen.
im dort ihre
* Geschworenenauslosung. Für die
am
Montag den 17. Oktober staüfindende letzte diesjährige Schwurgerichtsperiode wurden folgende Herren als Geschworene ausgelost: Weckmann, Joh. Jos., Bürgermeister, Somborn; Rauch, Karl Hugo, Gemeinderechner, Oberdorfelden; Köhler, Walter, Kammsrrat, Meerholz; Rieger, Wilhelm, Bürgermeister, Aufenau; Seibel, Philipp, Landwirt, Hochstadt; Schwarz, Albert, Kaufmann, Fulda; Schreiber, Johannes, Landwirt, Marjoß; Büttner, Mart., Mechaniker, Salmünster; Waller, Adolf, Bürgermeister, Großauheim; Wercheim, Wendel, Kaufmann, ^ulba; Schultheis, Adam Josef, Kaufmann, Fulda; F ö l h Jakob, Fabrikant, Hanau; Roch, Philipp, Prwatmann, Gelnhausen; Dörr IV., Peter, Landwirt, Rüdigheim; Rupperti, Karl, Hotelbesitzer, Gelnhausen; Schönberg, Franz Josef, Sattlermeffter, Poppenhausen; Fuß, Konr., Holzhändler, Hanau; Kreis, Karl Konrad, Landwirt, Somborn; Cramer, Paul, Lehrer, Hanau.
* Geistliche Musikaufführung. Am 20. Oktobr., oibends 754 Uhr, wird H^rr Organist Panlstich unter Mitwirkung des Fräuleins Else Meier (M) und des Herrn Konzert- und Oratoriensängers Hans Niederste-Schee (Baß). Leihe ans Frankfurt, sowie des Chors der MäLchenmftteL schule unter Leitung des Herrn Kantors Wagner in der Marienkirche eine geistliche MnsikanMh- rung zum Besten der WieLerhersiellung der Oroel veranstalten, worauf Freunde geistlicher Musik schon jetzt aufmerksam gemacht werden.
* Symphonie-Konzert des Oratorienvereins.
Das für unser Hanauer Musikleben so besondere Ereignis, hier das Frankfurter Symphonie- Orchester hören zu können, rückt immer näher. Das Konzert findet Montag den 3. Okchber, abends 754 Uhr, in der Centtalhalle statt. Wie voraus zu sehen war, ist das Interesse, das dieser Veranstaltung entgegengebracht wird, ein sehr großes. Das gutgewählte Programm nennt prächtige Kompositionen von Beethoven und Brahms, sodaß ein hoher Kunstgenuß in Aussicht steht. Zum Vortrag gelangen, wie bereits schon erwähnt, 1. Ouvertüre zur „Leonores forte mit Orchester (Beethoven), 3. Solostücke für Klavier: a) Intermezzo Es-moll, b) Rhapsodie Es-dur (Brahms), 4. Symphonie D-dur (Brahms). Der Solistin des Abends, Frau Emma Lübbecke aus Frankfurt a. M. geht ein bedeutender Ruf voraus. Sie ist wahre Künstlerin. Der ihr zur Verfügung stehende erstklassige Flügel (Steinway & Sons, Newyork- Hamburg, aus dem Pianofortelager der Firma C. A. Andrä, Frankfurt a. M.) wird ihr Gelegenheit geben, ihre große Kunst in ganzer Vollendung zu entfalten. — Preise der Plätze: Saalvlatz 25, 20, 15 Mark, Balkon 25, 20, 15 Mark,. Nebensaal 12 und 8 Mark. Karten
verkauf in beiden
chhandlungen, Musils, Buchhandlung Fr.
kalienhandlung Ed. Schaaf, Buchhandlung Fr. Grasmeher (Gärtnerstraße), ebenso der Herrn Molitor, Bereinsdiener, Kleinöstr. 8. Abonnements für 4 Konzerte â 65 und 50 Mark in allen obigen Verkaufsstellen erhältlich.
■ nen und konnte wochenlang nicht vor die Tür.
Nur Rüdiger war fast immer unterwegs. Bald oben in den Wäldern, wo fleißig geschläfert wurde, bald am Mühlenwerk, wo die neue Fabrik sich immer mehr der Vollendung näherte.
Wenn er dann spät abends ftotz Lodenmantel und Wasserstiesel oft ganz durchnäßt nach Hause kam, hatte er keine Lust, erstextra Toilette zu machen und den Damen Gesellschaft zu leisten.
Er ließ sich also das Abendbrot aus fein Zimmer kommen, zog bequeme Hauskleider an und ging dann zum Fürsten hinüber, um noch ein halbes Stündchen mit ihm zu verplaudern, ehe er totmüde ins Bett sank und sofort in traumlosen Schlaf verfteL
Mehr als einmal ruhte dann des Vaters Blick besorgt auf feinem bleichen Gesicht.
„Du überanstrengst dich entschieden, Rüdiger!" sagte er eines Tages. „Ich dacht es mir ja gleich, als du Weipert entließest. Nun hast du dir noch die Fabrikgeschichte aufgeladen und ich furchte, eines Tages wirst du einfach zu- fammenbrechen. Kein Taglöhner würde solch ein Leben auf die Dauer auârltenl"
Aber Rüdiger wehrte lächelnd ab.
„Das gerade D mir recht- Habe keine Sorge, Papa- Wir Rothersteins sind zäh und ausdauernd. Die Hauptsache ist, daß wir dabei vorwärts kommen. Im Januar, wenn ich die erste Rate von der Exportgesellschaft ausgezahlt bekomme, tilge ich das Darlehen auf den Erbreicher Forst, und im Februar hoffe ich die Fabrik in Betrieb stellen zu können. Dann habe ich Luft und kann mir auch wieder ein bißchen Ruhe gönnen."
„Na, hoffentlich widmest du dich dann auch wieder ein bißchen mehr der Familie und Geselligkeit. Die Damen klagen schon bitter, daß du dich ihnM ganz eniftemdeisi."
„So? Das tut mir leid. Nun, im FniKjähr
* Der diesjährige Dinlerfahrplan tritt entgegen dem früher üblichen Zeitpunkt des Fahrplanwechsels zum 1. Oktober mit Rücksicht auf die Wiedereinführung der westeuropäischen Winterzeit im besetzten Gebiet erst am 26. Oktober in Kraft. Trotz des später gewählten Zeitpunktes steht, wie wir von zuständiger Stelle hören, der Winterfahrplan bei den Eisenbahn- bireftionen, besonders im besetzten Gebiet, noch nicht endgültig fest. Die Zwangsmaßnahmen an der Rheinzollinie sowie die Wiedereinführung der westeuropäischen Winterzeit haben eine derartig gewaltige Mehrarbeit verursacht, daß wohl kaum sämtliche Fahrplanentwürfe schon vor Anfang Oktober fertiggestellt werden können. Solange aber kein endgültiges, abschließendes amtliches Material vorliegt, kann mit dem Erscheinen eines richtigen Kursbuches oder Fahrplans längere Zeit vor Beginn des Fahrplanwechsels nicht gerechnet werden. Wir empfehlen daher beim Kauf von Kursbüchern und Fahrplänen, die etwa schon zum 1. Oktober als Winterfahrplan erscheinen sollten, vorsichtig zu sein, da sie keine Gewähr für einen richtigen Winterfahrplan bieten können. Es ist vielmehr zu raten, amtliche Fahrpläne und Kursbücher oder solche, die unter amtlicher Förderung von Verkehrsverbänden usw. herausgegeben werden und einen richtigen Winterfahrplan nach dem neuesten Stand gewährleisten, zu benutzen.
* Rentenzahlung beim Postamt. Die Zahlung der Heeresrenten findet Donnerstag den 29. und Freitag den 30. d. M.-, von 8—12 Uhr vormittags und 2—5 Uhr nachmittags statt. Die Invaliden-, Unfall- usw. Renten werden Samstag den 1. und Montag den 3. Oktober in denselben Dienststunden gezahlt. Diejenigen Empfänger, welche ihre, Renten vierteljährlich erheben, müssen sich die Quittungen jedesmal amüich beglaubigen lassen. Die Abhebung der Bezüge an den festgesetzten Zahllagen ist dringend notwendig.
* Stadttheater. Heute Dienstag abend 754 Uhr (1. Vorstellung im Dienstag- Abonnement) 1 Wiederholung von Shakespeares Trauerspiel „König Lear", welche bei der Eröffnung am vergangenen Sonntag einen großen, nachhaltigen, starken Erfolg gehabt hat. Den König spielt Spielleiter Herr Dir. Poetsch, die übrigen Hauptrollen sind wie bei der Erst-Aufftihrung besetzt. — Mittwoch den 28. Septbr., abends 754 Uhr (1. Vorstellung im Mfttwoch-Abonne- ment) Erstaufführung des historischen Schauspiels „Die Zarin" von Lengyel und Biro. Die Spielleitung des interessanten Werkes hat Herr G. W. Lang übernommen; die Rolle der Zarin spiell Fräul. Valbian, welche damit erstmalig in einer bedeutenden Rolle vor das Hanauer Publikum tritt. Die anderen Haupttollen sind besetzt mit Fr. Mie Kuckhoff sowie den Herren
sicherlich einem starken Interesse begegnen. — Donnerstag den 29. Septbr., abends 754 Uhr: 1. Wiederholung des Lustspiels „Hasemanns Töchter" von A. L'Arronge.
* Unter der Anklage des Landesverrats standen gestern 3 Mitglieder der hiesigen kommunistischen Partei und 4 Angehörige der kommunistischen Jugendorganisation vor der Strafkammer. Die strafbare Handlung spielt im März d. Js. z. 3t der Unruhen in Mitteldeutschland und wurde erblickt in dem Anschlag des Flugblattes „An das deutsche Proletariat", in der Verteilung des Flugblattes „Arbeiter auf die Schanzen", in der Ausgabe der Südwestoeut- schen Arbeiterzeitung vom 30. 3. und in dem
Schanzen", in der A schen Arbeiterzeitung
Verkauf der Extraausgabe desselben Blattes am Ostermontag. Die letzte Handlung fällt den Jugendlichen zur Last. Die angezogenen Flugblätter und Zeitungen sollen die Aufforderung zum Ungehorsam gegen bestehende Gesetze und
Do sah im Nebenzimmer und hörte jedes Wort. Die letzte Bemerkung Rüdigers ließ ihr Herz plötzlich stürmisch schlagen.
Im Frühjahr? War das vielleicht der Termin, den er sich gesetzt hatte, um Magelone heimzuführen? Von Tag zu Dag wartete sie unruhig, daß es geschehen würde. Ihr dünkte, alles würde dann leichter und bester werden — auch für sie.
19. Kapitel-
Auf den regnerischen Herbst folgte ein milder, schneearmer Winter. Rüdiger war sehr froh darüber. Denn nun konnte die Arbeit auf den Holzschlägen ungehindert fortgesetzt werden.
Desto weniger entzückt waren Magelone und Anneliese davon. Welch ein öder und langweiliger Winter! Nicht einmal Wintersport konnt« man betreiben? Und die meisten Bekannten aus der Nachbarschaft hatten ihre Güter verlassen, um die Saison in Wien mitzumachen.
Auch Edith Ruhland war fort. Sie hatte sich ganz plötzlich entschlossen, mit ihrer Tante, der Baronin Seller, den Winter in Kairo zu verbringen, nachdem Mr. Parker ihr geschrieben daß seine Mutter und Schwester gleichfalls dahin gingen und sich freuen würden, ihre Bekanntschaft zu machen. Auch er selbst würde trachten, um Weihnachten herum ein paar Wochen dort zu verbringen.
„Um dieses langweiligen Menschen willen willst du mich nun allein hier lassen?" klagte Magelone vorwurfsvoll.
Edith errötete-
„Was fällt dir ein! Ich gehe doch nicht Parkers wegen hin! Uebrigens: komme doch mit! ES kostet doch kein Vermögen und wäre so nett!"
Magelone schüttelte den Kopf.
„Ausgeschlossen, Liebste! Mein Schwager hat uns sogar den Fasching in Wien heuer gestrichen — aus Sparsamkeitsgründen! Und Wer-
Sie dachte an Sie heimliche Not. Sie es ihr
Verordnungen enthalten. Vom Schöffengericht waren die Angeklagten wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen das Entwaffnungsgesetz zu Geldsftafen von 100—300 Mark verurteilt, zwei der Beteiligten freigesprochen worden. Gegen dieses Urteil war von den Verurteilten als auch von dem Amtsanwalt Berufung eingelegt worden. Die Strafkammer hob das erste Urteil auf und verurteilte die beiden Ankleber des Flugblattes „An das deutsche Proletariat" zu je 100 Mk. Geldstrafe, in der Vorinstanz waren diese Beiden freigesprochen. Der Verteiler des Flugblattes „Auf die Schanzen" wurde zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt. Die vier Jugendlichen wurden freigesprochen. Die Besttafung erfolgte aus § 110 St.-G.-B.
* Das Kath. Casino „Eintracht" beging am vergangenen Sonntag in den Sälen der Centralhalle sein 52. Stiftungsfest. Das Komitee hatte ein sehr reichhaltiges Programm zusammengestellt, so daß es den zahlreich erschienenen Gästen an Unterhaltung nicht fehlte. Chöre der Gesangsabteilung, solistische Darbietungen,muntere Weisen der Stadtkapelle wechselten in bunter Reihenfolge einander ab. Den Glanzpunkt der Abendunterhaltung bildeten der lustige Einakter „Nord und Süd", sowie das reizende Singspiel „Stadt und Land paßt net z'samm'", welche unter der bewährten Regie des Herr» Bock eine vorzügliche Wiedergabe erfuhren. Fünf Herren des Vereins konnten in diesen Tagen auf eine 25jährige Mitgliedschaft zurückblicken. Es sind dies die Herren Ludw. Adrian, Peter Franz, Louis Graf, Otto Klein und Karl Nebel. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Wll- helm Grosch, beglückwünschte die Jubllare und überreichte einem jeden ein kunstvoll gearbeitetes Gedenkblatt unter Glas und Rahmen. Herr Otto Klein dankte im Namen der Jubllare für die ihnen gewordene Ehrung. Aber bei all dieser Festesfreude gedachte man auch der armen, Notleidenden in Oppau. Eine Tellersammlung ergab die ansehnliche Summe von 507 Mk., die der Sammelstelle Hansabank überwiesen wurden. Daß die tanzlustige Jugend noch vollauf auf ihre Kosten kam, braucht wohl nicht noch erwähnt zu werden.
* Deutsche Volksparlei. In den augenblicklich innen- und außenpolitisch überaus kritischen Tagen, wo sozusagen Sein oder Nichtsein bei unserem parlamentarischem System von der Stellungnahme der Parteien zu den politischen Lebensfragen abhängt, sollte sich jeder deutsche Wähler, ob Frau oder Mann, auf das lebhafteste für die Gestaltung der politischen Lage interessieren. Generalsekretär Schindler, welcher bei der Tagung der Reichstagsfraktion in Heidelberg zugegen war, bei welcher die Stellungnahme der Deutschen Volkspartei auch gegenüber den Beschlüssen des Görlitzer Parteitages
diesbezügliche Anzeige in der heutigen Nummer wird besonders hingewiesen. »
* Oratorienoetein. Heute abend Probe, 754 Uhr für Damen, 8 Uhr für Herren. Gleichzeitig Ausgabe der Karten für das Konzert am Montag den 3. DEL
j Stadttheaier Hana«.
Direktion: Joh. Poetsch (Tel. 160).
Dienstag den 27. September, 7h, Uhr, (1- Vorstellung im Dienstag - Abonnement)
Völlig Lear Trauerspiel in 5 Akten von W. Shakespeare.
Mittwoch den 28. September, 7h, Uhr, 1(1. Vorstellung im Mittwoch - Rb»nne«eut)
Die Zarin
Schauspiel in 3 Akten von Lengyel und Biro.
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schon immer machte, jeden Monat die hohen Zinsen für Markus Löb aufzubringen. Das Darlehen selbst — elende fünftausend Kronen — war ihr wie Butter in der Sonne unter den Händen zerronnen. Ein paar Toiletten in Wien damals, ein neuer Teppich in ihr Boudoir, Handschuhe, ein paar Garnituren entzückender Halbschühe mit den dazu passenden Strünrpfen und ein paar Sendungen Konfitüren, für die sie schwärmte und weg war alles gewesen. Nur die fünfzehn Prozent Zinsen blieben als Daumschrauben und das Schwert der Rückzahlung über ihrem Haupte.
Wenn es ihr gelang, Rüdiger vorher zu einer Erklärung zu bringen und dann auf rasche Heirat hinzuarbeiten, so mußte es im Sommer einen Eklat geben, den sie um keinen Preis erleben wollte. Denn Markus Löb wartete nicht, baä wußte sie.
Nein, nein, ich muß schon aushalten hier, schloß sie kleinlaut.
Um sich ein bißchen zu zerstreuen, fuhr M^ gelone nach Ediths Abreise dann häufig in die Buchau spazieren und interessierte sich lebhaft für die Herstellung von Stacheldraht und Eisenblech.
Sie nahm dazu meist ihren Neffen Lot^rs mit, der ganz glücklich darüber war, wenn „Onkel Eugen" ihnen alles eingehend erklärte.
„Mein Gott, es ist ja so wenig, sich ^ Eugen Ruhland anschmachten zu lassen?" Magelone oft. „Aber es ist doch etwas!" Rüdiger ließ sich nun einmal nichts machen, w lange er den Kopf ausschließlich mit Arbeit oK" gefüllt hafte . . . (Forts, folgt.)
rattxa
Vergesset die ungMâUcheü Opfer von Oppau nicht!
Spenden werden in unserer Geschäftsstelle, Hammerstraße 9, entgegengenommen.