SanauerW Anzeiger
General-Anzeiger
AmMches Organ, für Statt» und Landkreis Sana«
Erscheint lâgllch mü Ausnahme der Sonn- und Feiertage
Verlagsleitung: Ad. Jndermühle.
Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil RichardHultschitür lokalen und vrovinziellen Teil sowie Sport Wilhelm Moritz: für Anzeigen und Reklamen August Brodt, alle in Hanau a. Main. Rotationsdruck der Waisenhausbuchdruckerei Hanau. Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238.
Einrückungsgebübr:
Die8geiv. Kolonelzeile oder deren Raum 1.50 Mk^ die 4aefp. Zeile im Reklameteil 4.50 Mk.. Finanzinserate 1.70 Mt. Offertgebühr 30 Pfg. B e z u g s v r e i s: Viertel» iährl. 14.40 Mk.,monatl. 4.80 Mk.. f. Postbezug viertel» iäbrl. 15.90 Mk.. monatl. 5.30 Mk. Die Nummer 20 Pfg.
Postscheck-Konto Nr. 26659. Franksurt a. M.
Nr. 225
Montag den 26. September
1921
Das Neueste.
— In Anwesenheit des Reichspräsidenten fand gestern in Ludwigshafen eine Trauerfeier für Oppau statt.
— Die Höchster Farbwerke, die Kunstseide- fabrik Kelsterbach und die Chemische Fabrik Griesheim-Elektron haben ihre Betriebe geschlossen und die Arbeiter entlassen.
— Der amerikanische Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten, der als Sprachrohr des Präsidenten Harding gilt, hat gestern erklärt, daß die Zurückziehung der amerikanischen Truppen vom Rhein sofort beginnen soll.
— Der „Matin" glaubt zu wissen, daß die nächste Zusammenkunft zwischen Rathenau und Locheur am 1. Oktober in Wiesbaden stattfindet.
Deulfch-Oesterreichs Ruf nach dem Anschlutz.
Soeben ist eine Reise durch die deutsch-österreichischen Lande beendet worden, deren politische Bedeutung nicht unterschätzt werden darf, gerade weil sie sich hoffentlich nicht sofort, sondern erst nach und nach in ihren günstigen Folgen auswirken wird. Eine größere Anzahl von Vertretern der deutschen Presse war einer Einladung zu einer Studienfahrt durch Deutsch- Oesterreich gefolgt, die unter Führung der Wiener Vertreter der reichsdeutschen Presse von den Wiener journalistischen Vereinigungen an sie ergangen war. Die Reise ging von Passau über Linz nach Wien, wo längerer Aufenthalt genommen-wurde, und sodann nach Graz, Klagenfurt bis hinauf nach Innsbruck und Bregenz, von wo aus die reichsdeutschen Besucher die Heimfahrt in die verschiedensten Teile Deutschlands antraien. Die allgemeine Auf- Wng ging dahM^d^-èwarâM «âMtt-s dren- und Besichtigungsfahrten zu besserem gegenseitigen Verständnis unternommen worden sind, daß aber kaum jemals eine von ihnen so gut und restlos ihren idealen Zweck erreicht habe. Den Ankömmlingen aus dem Reiche wurde mit Hilfe eines forgfältig zusammenge- etzten Programms jede Möglichkeit zur Ein- ichtnahme in die deutsch-österreichischen Ver- -ältnisse und die Lage des Landes geschaffen, and sie haben es zu keiner Stunde an sich fehlen lassen, dem Sinn ihrer Fahrt gerecht zu werden. Der Besuch galt sowohl der ersten Wiener Messe, deren Eröffnung in die Zeit ihres Aufenthalts in Wien fiel, wie den öffentlichen und sozialen Einrichtungen des österreichischen Staates und seiner Hauptstadt, später fanden sie dann auf der Reise durch das Staatsgebiet Gelegenheit, das Verhältnis zwischen den einzelnen österreichischen Ländern untereinander und zur Hauptstadt genauer kennen zu lernen. Bei derartigen Reisedispositionen wurden den Vertretern der öffentlichen Meinung des Reiches viele und oft sehr starke Eindrücke vermittelt. Der stärkste war aber offne Zweifel der warmherzige und dringende Ruf nach einem möglichst beschleunigten Anschluß an das Reich, der ihnen an allen Orten entgegentönte. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man feststellt, daß die überwältigende Mehrheit des österreichischen Volkes diesen Anschluß lieber heute als morgen herbeigeführt zu sehen wünscht. Es muß aber auch angeführt werden, daß man in Oesterreich genau weiß, welch starke Hindernisse diesem Anschluß bis auf werteres entgegenstehen. Der Friede von Saint Germain und das Machtgebot der früheren Feinde macht ihn für absehbare Zeit unmöglich. Gerade darum aber verlangt man, daß auf wirtschaftlichem and verwaltungstechnischem Wege die möglichste Annäherung Deutsch-Oesterreichs an das Reich herbeigeführt wird und verweist dabei J. V. auf die Vereinheitlichung des Eisenbahn- mesens, Beseitigung der Paßschikanen, Austausch von Beamten und anderes mehr. Auch hier läßt sich gewiß nichts übers Knie brechen, aber es ist an uns, diese Wünsche deutscher Mitbrüder besser als bisher zu erkennen und zu fördern.
Die Trauerfeier für Oppau
Unter Beteiligung von etwa sieLzistaufend Menschen aus Ludwigshafen, Mannheim und der Pfalz würd« gestern in Gegenwart des Rei ch s- Präsidenten, des bayerischen Ministerpräsidenten, des badischen Staatspräsidenten und des Präsidenten des bayerischen Landtages sowie in Anwesenheit von Vertretern zahlreicher Be- hlitden und Organisationen auf dem Ludwigshafener Friedhof eine Trauerfeier für, die Opfer ter Oppauer Katastrophe gehalten. Die französischen Militärbehörden waren durch General
Metz als Beauftragten der interalliierten Rheinlandskommission sowie durch General Dan- Wch als Beauitraaten des ObercheleLLsLabers
General Degoutte vertreten, die beide in — vor Beginn der eigentlichen Trauerseier — an den Reichspräsidenten und den bayerischen Ministerpräsidenten gerichteten Ansprachen in warmen Worten ihre Teilnahme zum Ausdruck brachten und Kränze niederlegten. Der Reichspräsident erwiderte ihnen und führte folgendes aus:
Hochverehrte Anwesende! In tiefster Erschütterung stehen wir heute cm Orte der Katastrophe, die in der Morgenfrühe des 21. Septbr. ganz Deutschland in Schrecken und Aufregung versetzt hat, einer Katastrophe, wie sie die Geschichte der deutschen Industrie bisher noch nicht verzeichnet hat. Mit schmerzbewegtem Herzen betrauern wir hier den Tod so vieler pflichttreuer Arbeiter, die dem furchtbaren Unglück zum Opfer gefallen sind, beklagen wir die bei dem Unglück verletzten Männer und Frauen, deren Qualen und Schmerzen wir mitempfinden. Gewaltig ist die Zahl der Toten und Verwundeten. Es ist mir ein dringendes Herzensbedürfnis gewesen zur heutigen äußeren Feier teilnehmender Trauer hierher zu kommen und den Hinterbliebenen, den Verwundeten und den Geschädigten auch von dieser Stelle aus nochmals die innige Teilnahme der Rcichsregierung und — wie ich sagen darf — des gesamten deutschen Volkes an ihrem Unglück auszusprschen. Sie dürfen überzeugt sein, daß die weitesten Kreise Deutschlands mit den Hinterbliebenen der Toten und den zahlreichen Verletzten in herzlicher Teilnahme mitfühlen. Auch weit über die Grenzen des Reiches hat das Unglück Widerhall und Teilnahme geweckt und aus allen Teilen der Welt sind Beileidskundgebungen und Zeichen hilfsbereiten Beistandes eingelaufen, die uns wohltuend berührt haben und für welche ich auch hier nochmals Gelegenheit nehme, zu danken. Ehrliches Mitgefühl beschränkt sich aber K» ' - '^ ’W M L^ â dem Unglück hat sich überall menschensreundlrche und brüderliche Hilfe geregt. Reichs- und Staatsbehörden, Kommunalverwaltungen, Organisationen, industrielle und finanzielle Unternehmungen, wie die einzelnen Mitbürger in Stadt und Land haben bereits erhebliche Beträge zur Vermeidung materieller Rot aufgebracht. Eine Hilfsaktion Größten Umfangs hat begonnen und wir dürfen alle hoffen, daß es so gelingen wird, den so schwer vom Unglück Betroffenen die Sorge um das tägliche Leben abzunehmen.
Hochverehrte Damen und Herren! In eine Stätte blühender Arbeit, in eine Müsteranstalt deutschen Unternehmungsgeistes und deutschen Arbeitswillens sind hier uns unbekannte Kräfte der Zerstörung mit elementarer Wucht eingebrochen, das zerstörend, was Erfindungsgeist und Schaffenskraft in jahrelanger Arbeit erreicht haben. Hart ist dies Geschick und doch wird es uns nicht lähmen in unserem Entschluß, das Zerstörte wieder auszubauen. Und wie wir hier trotz des Waltens finsterer Mächte unerschüttert sofort wieder an das Werk gehen werden, das, was heute hier in Trümmern liegt morgen wieder aufzubauen, so wollen wir auch im ganzen Volke und im ganzen Deutschen Reiche fortfahren, mit festem Willen und in harter Arbeit aller produktiven Kräfte unser Wirtschaftsleben wieder aufzubauen und trotz der harten Schicksalsschläge, die uns wie kaum ein Volk in der Weltgeschichte betroffen haben, schaffensfreudig uns eine bessere Zukunft zu erarbeiten.
Ministerpräsident Lerchenfeld führte dann aus: Ehrfurcht und Schauer erfaßt die Menschen, wenn die Natur der Fessel sich. ent^ ledigt und das Menschenwerk zerstört. So wirkt denn auch heute diese Katastrophe als eine crrtste Mahnung an das Vergängliche alles irdischen und als eine bedeutsame Mahnung an das Unvergängliche. Indem er dem Reichspräsidenten für sein Erscheinen und für die Einleitung eines großangelegten Hilfswerkes dankte, schloß er mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß dieses Beispiel den Ansporn zu einer brüderlichen Vereinigung gäbe, um dadurch die Trauernden zu trösten, die Ueberlebenden zu stützen, die Wunden zu helfen und die Toten zu ehren. — Nach Lerchenfeld sprach der Präsident des bayerischen Landtags in dessen Namen einige Worte der Teilnahme. — Staatspräsident Trunk sprach rin Namen der badischen Regierung die Teilnahme aus.
Weiter hielten Ansprachen Vertreter des Fabrikarbeiterverbandes, der Arbeiterschaft und der Direktion des Werkes und der Oberbürgermeister von Mannheim. Die von Musik und Gesang eingeleitete und geschlossene Feier verlief würdig und eindrucksvoll.
Der Reichspräsident an der UnglückSstrll«.
München, 25. Septbr. Die Korrespondenz Hoffmann meldet amtlich aus Ludwigshafen: Sonntag nachmittag wurde in Begleitung des badischen und württembergischen MinUerprüsi- .denten, des bayerischen Handelsminister-s Hamm
und einer Anzahl Staatsvertreter unter Führung der Direktoren der Badischen Anilin- und Sodafabrik Ludwigshafen die Unglücksstelle Oppau durch den Reichspräsidenten Ebert und den bayerischen Ministerpräsidenten Lerchenfeld einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Die beiden Herren empfingen im Werk eine Abordnung des Angestellten- und Arbeiterrates, der sie die weitestgehende Unterstützung von Reich. Staat und Gemeinden in Aussicht stellten." Durch die persönliche Besichtigung an Ort und Stelle fanden die Herren die bisherigen Schilderungen über den Umfang der Zerstörung und über die Not der Bevölkerung und Arbeiterschaft von Gemeinde und Werk mehr als bestätigt. Der Reichspräsident stattete den Verwundeten in den Ludwigshafener und Mannheimer Krankenhäusern einen Besuch ab. Der bayerische Minister sowie der Regierungspräsident der Pfalz _ besuchten unter Führung des zweiten Bürgermeisters, des Polizeireferenten und des Krankenhausdirektors das Ludwigshafener Krankenhaus und die zum Lazarett eingerichtete Goethe-Schule. Sie erkundigten sich im einzelnen nach dem Befinden und den Familienverhältnissen der Verunglückten und sprachen ihnen Trost zu.
Einigung zwischen Berlin «.München.
Berlin, 24. Sept. Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der bayrischen Regierung und dem Reickskabmeit sind, da auf beiden Seiten der Wille zur Einigung vorhanden war, schon heute zu Ende gekommen, und der bayrische Ministcrvräsident Graf Lerchenfeld konnte mit den anderen Vertretern der bayrischen Regierung Berlin bereits wieder verlassen.
Die Berliner Verhandlungen umfaßten außer einer Besprechung mit dem Reichspräsidenten mehrere Sitzungen mit dem Reichskanzler und den Ministern Schiffern und Gradnaner. Nachdem eine Grundlage für dieLiuiznng gefunden worden war, wurde sie nachmittags um 5 Mr bem acimiire.it Reicks^'netlunicrtzrciltt und von üâ genehungt. Sobald, wie zu hoffen tff, der bahr. Landtag seinem Ministerium die Zustimmung erteilt hat, wird bet Konflikt also wohl beigelegt sein. Man beabsichtigt hier, zunächst nur eine kurze Erklärung über die Tatsache des gewonnenen Einverständnisses zu veröffentlichen, während die näheren Einzelheiten vom Reichskanzler am 28. September in einer Reichstagsrede mitgeteilt werden sollen.
ArbetterstreUigkeUen in der chemischen Industrie.
Schliessung chemischer Fabriken.
Frankfurt a. M., 25. September. Die chemische Fabrik Griesheim-Elektron, die Farbwerke in Höchst und die Knnstseidefabrik in Kelsterbach haben ihre sämtliche Arbeiter fristlos entlassen. Er war am Donnerstag und Freitag vor den Direktionen dieser Werke zu ähnlichen Vorgängen gekommen, wie im vorigen Jahre als eine besondere Winter- zulage erpreßt wurde. Auch wurde die Arbeiterschaft von radikalen Elementen fanatisiert und forderte Winterzulagen in Höhe von 2000 Mark die von der in einer Zwanglage befindlichen Farbwerksdircktion in Höhe von 1200 Mk. für Verheiratete und 500 Mk. für Ledige bewilligt wurden. Diese Zusage mußte aber dann doch verweigert werden, da der Arbeitgeber- verband den Fabriken strengstens untersagte, die unter Zwang erpreßte Forderung zu zahlen. In Griesheim und Kelsterbach kam es zu ähnlichen Vorfällen, da die Arbeiter in passive Resistenz traten. Jetzt haben die Direktionen sämtliche Arbeiter fristlos entlassen. Bemerkenswert ist, daß man den Ar- britcrrat vollkommen übergangen hat und der Aufruhr nur von den Radikalen geleitet wurde. Die Gewerkschaften lehnen das Vorgehen der Arbeiterschaft ab.
Neue Kriege auf dem Balkan.
Serbien marschier! gegen Albanien.
Rom, 25. Septbr. Wie „Giornale d'Jtalie" aus Valona meldet, erschien ein südslawischer Offizier an der albanischen Grenze, der dem albanischen Offizier das Ultimatum stellte, die Stellungen am Flusse Drina innerhalb 24 Stunden zu räumen. Der albanische Offizier übersandte das Ultimatum an die albanische Regierung in Tirana, die sofort beim Völkerbünde telegraphischen Einspruch erhob. Nach Ablauf der 24 Stunden besetzten die südslawischen Truppen nach starker Beschießung die Stadt Arrag und ihre Umgebung. Unter der Bevölkerung herrscht große Erregung über den Handstreich. Die Regierung von Tirana setzt die Einberufung von Wehrpflichtigen und die Anwerbung von Freiwilligen fort.
Rom, 25. Septbr. Wie das „Giornale d'Jtalia" aus Tirana über Valona meldet, griffen albanische Truppen die Stellungen an der Drina, die von Südslawen besetzt waren, an und warfen den Gegner fast von der ganzen Stellung zurück. Die Verluste waren beiderseits schwer. — Die römische Presse erregt sich in bitteren Ausfällen gegen den Völkerbund und fragt sich, ob dieser neue Dalkankrieg mit denen spiele, die soeben die Unabhängigkeit von Albanien proklamiert haben.
Eine „inlernallonale Dolksparlet *»
In Berlin hält sich gegenwärtig eine Abordnung der Italienischen Vulksyar-
tei unter Führung ihres Schriftführers, des Don Sturzo, auf. Diese Partei sucht mit dem deutschen Zentrum als ihrer Bruderpartei Beziehungen anzuknüpfen, um eine „Internationale Volkspartei" herzustellen. Im Februar 1922 soll die erste internationale Besprechung zur Herstellung einer solchen katholischen internationalen Partei stattfinden. Don Sturzo hat einem Vertreter der Germania über dieses an sich schon zweifellos beachtenswerte Vorhaben Erklärungen gemacht. Er hat u. a. betont, daß diese Internationale keine Kopie der sozialistischen sein solle. Ihre Politik solle nicht in das Arbeitsgebiet der Parteien und parlamentarischen Gruppen eindringen, vielmehr ausdrücklich die Selbständigkeit der einzelnen Parteien anerkennen. Der Begriff der Nation und des Vaterlands soll nicht unterdrückt werden, lediglich die selbstsüchtige und imperialistische Auffassung dieses Begriffs, die heidnischen Ursprungs sei, solle ausgemerzt werden, der christliche Begriff der Gemeinbürgschaft und Gemeinschaft der Völker soll zum Ausgangspunkt der Betrachtungen werden. Der Aufenthalt in Berlin hat nach Sturzo als Hauptziel das Studium der augenblicklichen politischen und wirtschaftlichen Lage Deutschlands, sowie die Anknüpfung freundschaftlicher Beziehungen zu den politischen Vertretern des deutschen Zentrums und der ähnlich gerichteten Gruppen der verschiedenen deutschen Länder, sowie mit den übrigen christlich-sozialen Vereinigungen, ihren Geistesrichtungen und ihrer Presse. Don Sturzo, der von den Abgeordneten de Gasparri, Jacini, Bianco und Fürst Ruffo della Scaletta begleitet ist, führte in der Unterredung dann u. a. noch folgendes aus: „Ich glaube, daß gerade Italien heute besonders geeignet ist, auf politischem Gebiete Äon- W^iWSWfc^ den am Kriege beteiligten Staaten einnimmt, eine Stellung, welche die charakteristischen Eigenschaften der Siegerstaaten ohne ihren wirtschaftlichen ünd politischen Imperialismus und gleichzeitig die Leiden der besiegten Völker ohne ihre antagonistische Einstellung und ihre Ressentiments aufweist." Ueber die Gestaltung der Internationalen Volkspartei äußerte sich Sturzo folgendermaßen:
Wichtig erscheint uns, daß im Anschluß an diese Besprechung ein internationales parlamentarisches Bureau zustande kommt, daß periodische Veröffentlichungen erfolgen, daß man sich gegenseitig trifft und ausspricht, und daß interparlamentarische Zusammenkünfte abgehalten werden. Weiter soll Einfluß auf die Regierung aus dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung ausgeübt werden und ähnliche Dinge mehr. Die Jnternazionale Popolare will so der politische Ausdruck der kulturellen und wirtschaftlichen Probleme sowie der moralischen Jn- tressen auf internationalen Gebieten sein. Dies sowohl in organischer Beziehung bezüglich des Völkerbundes, des Internationalen Arbeitsamtes und ähnlicher Institute wie auch bezüglich der freien, normalen und vorübergehenden politischen Aktivität der einzelnen Parteien, wie auch schließlich bezüglich der Erziehung und politischen Bildungsarbeit unserer christlich-sozialen Freunde, hinter denen noch keine festen Organisationen stehen.
Auf die Frage, wie die in Italien zu st großer Macht gelangte Partei zum Versailler Friedensvertrag und zur oberschlesischen Frage stehe, erklärte Don Sturzo:
Die italienische Volkspartei hat feit ihrer Tagung im Juni 1919, bei aller Anerkennung der politischen Gründe grundsätzlich ihre Gegnerschaft gegen den Geist des Versailler Ver- tags erklärt und durch den Mund des Abgeordneten und jetzigen Staatssekretärs im Ar» beitsminifterium, Lenginotti in der parlamentarischen Kommission die Gründe dieser Stellungnahme und ihrer Vorbehalte moralischer und sozialer Art darlegen lassen. Auch bezüglich Oberschlesiens hat die italienische Volkspartei durch ihre Vertreter in der parlamentarischen Kommission für auswärtige Angelegenheiten die Begründung des Verhaltens di Marinis unterstrichen, anderseits der Regierung die Initiative ihrer Entscheidungen im Rat der Ra« tionen überlassen zu sollen geglaubt. Die tfrette« nische Regierung hat sich ihrerseits mit ihrem Vorschlag, die Angelegenheit dem Völkerbund zu übergeben, um den Weltfrieden verdient gemacht. Schon allein deshalb, well sie in einem so schwierigen Augenblick die Funktionen dieser neuen, eben erst geschaffenen internationalen Einrichtung, die bei den Staaten der Welt noch nicht die nötige Anerkennung als Organ intern netionaler Gerechtigkeit gefunden hat, ins Licht gesetzt hat, schon dieserhalb muß das Recht der Anteilnahme aller Nationen am Völkerbund be^ ^schleunigt werden^