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AmWches Orga« Wr Stadt- md Laa-Kreis Kamm Reklamen August ^Brodt, anVin dan^cu^aiit ' Rotationsdruck der Waisenbausbuchdruckerei Harum.

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Nr. 223

Freilag Sen 23. September

1921

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Die Explosio

Kelfi den Opfern von Oppau!

Schweres Menschenleid hat das entsetzliche Explosionsunglück von Oppau erzeugt. Hunderte von Familien sind ihres Ernährers jäh be­raubt worden. Hab und Gut ist vernichtet arm, bettelarm stehen die Witwen, Waisen und Verwundeten leidverwirrt und schmerzbeschwert in der Welt. Aus der Tiefe ihrer m eher füllten Herzen steigt die Frage empor, jene Frage an das Schicksal: Warum, warum? Und schweigen muß der Menschengeist in seiner ganzen Winzig­keit und Ohnmacht, da er vor einem jener gro­ßen Rätsel steht, die niemals gelöst werden können.

Unaussprechlich grausam ist das Schicksal, von dem diese Menschen heimgesucht wurden, überall menschliches Mitgefühl u^b menschliches Mitleiden auslösend. Doch dieses Mitgefühl muß in tätige Nächstenliebe verwandelt werden, denn nur durch diese ist es möglich, die furcht­baren Folgen der Katastrophe wenigstens eini­germaßen zu lindern.

Wir rufen daher alle Volksgenossen auf und appelieren an die menschliche Nächstenliebe hel­fend einzugreifen. Jeder von uns muß sein Scherflein geben für, die unglücklichen Wit­wen und Waisen, die trauernden Mütter und )te Verwundeten und Verarmten. Es handelt ich um ein Werk der Nächstenliebe, von dem ich niemand ausschließen' darf. Wir erwarten von der Bevölkerung des Stadt- und Landkrei­ses Hanau, daß dieser Ruf offene Herzen und Hände findet. Gebt schnell Not und Elend sind groß!

Spenden nehmen wir an unseren Schaltern t^l^eidjafis^ y, emae^n, oder auch auf unserem Postscheckkonto Frank­furt a. M. 26 659 mit dem VermerkFür die Opfer von Oppau." Die bei uns einlaufenden Sahen werden in unserem Blatte quittiert.

Den Gebern schon heute ein herzlichesVer­gelts Gott!"

Verlag und RedaktionHanauer Anzeiger".

An der AnglücksflStte.

Mannheim, 22. Septbr. 36 Stunden sind ver­flossen, seitdem das gewaltigste industrielle Un­glück, das Deutschland je betroffen hat, Oppau heimsuchte. Der furchtbaren Erregung der ersten Stunden ist eine dumpfe Resignation der be­troffenen Bevölkerung gefolgt. Wenn auch Oppau selbst ein Bild bietet, wie nach einem gewaltigen Erdbeben, so sind doch glücklicherweise die Men­schenverluste nicht ganz so groß, wie sie in den ersten Stunden angegeben wurden. Bis jetzt sind rund 240 Tote geborgen, während noch etwa 70 Leute vermißt werden. Auch diese müssen leider zu den Toten gerechnet werden. Allerdings ist noch mit einer weiteren Vermehrung der Opfer an tödlich Verletzten zu rechnen. Von den Schwer­verletzten sind im Laufe des heutigen Tages 16 gestorben. Seit dem frühen Morgen wandern Tausende und Abertausende in nicht endenwollen­den langen Zügen zu der Unglücksstätte. Noch liegen in Mannheim und Ludwigshafen die Zie­gel und die Glasscherben massenhaft herum. Sie und die allenthalben herausgeschlagenen Fenster und Ziegel, die man nur notdürftig mit Brettern ersetzt hat, sowie die großen Menschenkarawanen sind noch die einzigen äußerlichen Merkmale von der großen Katastrophe. Schlimmer sieht es schon in Edigheim, Frankenthal, Waldhof, Jstigheim und in Frièsheim aus, während das Dorf Oppau ein Bild des grenzenlosesten Elends bietet. Auch nicht ein einziges Dach ist auf den Häusern ge­blieben; wie Kartenhäuser sind die Gebäude zu­sammengestürzt. Mit einer bewundernswerten Ruhe und Gefaßtheit ertragen diese Schwerbe- iroffenen, von denen manche zwei und drei Fa- lnilienangehörige, Vater, Söhne und Brüder ver­loren haben, das furchtbare Geschick. 75 Prozent Eer Häuser in Oppau müssen vollständig neu Tusgobaut werden. Mit Wagen wird die armselige Habe der Betroffenen, die zum Teil auch noch zertrümmert ist, nach Mannheim und nach Lud- ^iWhasen geschafft. Hier ist natürlich die Woh­nungsnot infolge der vielen Obdachsuchenden eine ^hr große. Einen schauerlichen Anblick bietet die- zerstörte Fabrik. Allerdings ist es unrichtig, daß tag ganze Werk Oppau vernichtet ist. Im alten ®ert in Ludwigshafen, vor dem Hunderte von Hinterbliebenen lagern und auf Nachricht warten, taufen die Betriebe ungestört weiter. Das neue jedoch bildet nichts weiter als eine weit ausgedehnte trostlose Ruine. Am meisten hat der Übliche Teil des Werkes gelitten, in welchem sich >ie elektrische und die Dampfkraftzentrale befin- *U. Er bildet einen weitausgedehnteu, Hochauf-

N in Oppau.

ragenden Trümmerhaufen, aus welchem überall weißliche und gelbliche, widerlich riechende Nebel in die Lüfte steigen. Hier sind die Bergungs­arbeiten unmöglich. Heute morgen hat man aus dem Schutt 43 Personen ausgegraben, von denen 40 tot waren. Sie waren meist bis zur Unkennt­lichkeit verstümmelt.

Wie gewaltig die Exlosion war, geht daraus hervor, daß ein 300 Zentner schwerer Gasometer- deckel 250 Meter weit fortgeschleudert wurde. Betonschornsteine sind umgeschlagen wie Streich­hölzer. Zentnerschwere Gußeisenstücke liegen viele Kilometerweise herum.

Ueber die Ursache kann bis jetzt noch nichts einwandfrei festgestellt werden, und es besteht die Möglichkeit, daß herüber auch niemals etwas Sicheres zu erfahren sein wird, da diejeniLen, die darüber Auskunft geben könnten, wohl alle~ für immer die Augen geschloffen haben. Unmittelbar zur Unglücksstätte haben nur die Sanitätsko­lonnen, die aus Mannheim, aus Ludwigshafen, der ganzen Pfalz, aus Mainz und Frankfurt herbeigeeilt sind, Zutritt. Eine Kette von deut­schen und französischen Gendarmen und Hilfs­schutzleuten bewacht streng die abgesperrte Linie. Da die große Masse der Neugierigen die Hilfs­arbeiten erschwert, so sind heute die Orte Heddig- heim und Oppau vollständig abgesperrt worden. Der Reichsarbeitsminister Dr. Braun, die badischen Minister Remmele und Köhn le, sowie der bayerische Minister Oswald sind in Ludwigshafen eingetroffen.

Die Beerdigungen haben bereits heute begonnen. Die offizielle Trauerfeier, sowie der größte Teil der Beerdigungen findet am ftMMteifeM 'MMKn'! ihr auf dem von der Ludwigshafener Stadtverwal­tung zur Verfügung gestellten Ehrenbegräbnis- platze. Die Kosten trägt die Stadtverwaltung.

Die Opfer.

Mannheim, 22. Septbr. Im Allgemeinen Krankenhaus sind im Laufe des gestrigen Tages etwa 15 Schwerverletzte ihren Verletzungen er­legen. Die Zahl der in Behandlung befind­lichen Schwerverletzten beträgt 120. Zahlreich sind auch die Fälle, wo durch den Schreck Ner­venstörungen hervorgerusen wurden, die teils schwerer Art sind. Die angerichteten Material- swaden sind noch größer, als man anfänglich angenommen hatte.

Frankenthal, 22. Septbr. Die Zahl der hier befindlichen Verwundeten beträgt 108.' Von den bis jetzt 28 Verstorbenen stammen 1011 aus Frankenthal selbst. Der in Frankenthal ange­richtete Materialschaden läßt sich zurzeit noch nicht übersetzen. Zur Beschaffung von Fenster­glas sind vom Stadtbauamt mit der Glashütte in St. Ingbert Verhandlungen eingeleitet worden.

10 Millionen Mark Reichshilfe.

Berlin, 22. Septbr. Der Reichskanzler rich­tete an den bayerischen Ministerpräsidenten Lerchenfeld in München nachstehendes Tele­gramm: Zur Linderung der Not der durch das Oppauer Unglück Betroffenen werden von der Reichsregierung 10 Millionen bei dem Reichs­rat und beim Reichstag angefordert. Die Reichs­regierung ist bereit, der bayerischen Staatsregie­rung sofort im voraus Beträge zur Verfügung zu stellen. Die Verteilung der Gelder wird der bayerischen Staatsregierung im Benehmen der badischen Regierung überlassen. Namens der Reichsregierung darf ich hoffen/daß der Betrag die Hilfsaktion wesentlich fördern möge.

Berlin, 22. Septbr. Die preußische Regierung stellte zur Milderung des durch das Oppauer Un­glück entstandenen Notstandes der bayerischen Re­gierung eine Million Mark zur Verfügung.

Berlin, 22. Septbr. Der Reichspräsi­dent überwies aus seinem Dispositionsfonds den Betrag von 250 0O0 Mark für das Hilfswerk für die Opfer der Katastrophe von Oppau.

Dresden, 22. Septbr. Das Gesamtministerium des Freistaates Sachsen beschloß in einer Son­dersitzung, der badischen und der bayerischen Re­gierung die. Teilnahme des sächsischen Volkes an dem schweren Explosionsunglück in Oppau zu tele­graphieren. Gleichzeitig stellte der Ministerprä­sident den Opfern des Unglücks aus dem Dispo­sitionsfonds 10 000 Mark zur Verfügung.

Berlin, 22. Septbr. Außer den bereits ge­meldeten Beileidskundgebungen des Königs von Dänemark und der Königin der Nieder­lande zu dem Unglück von Oppau gingen der Reichsregierung von einer großen Anzahl aus- ländischer Regierungen Beweise der Teilnahme zu. Nahezu sämtliche hier anwesende fremde Diplomaten sprachen zu diesem Zweck auf dem

Auswärtigen Amt vor. Einer der ersten war der französische Geschäftsträger, der auch beauf­tragt war, dem Reichskanzler das Beileid Bri­ands und des Ministerrates zu übermitteln.

Das neue bayerische Ministerium.

München, 22. Septbr. In der Abendsitzung des bayerischen Landtages, die um %9 Uhr be­gann, war Ministerpräsident Graf Lerchenfeld erschienen, der gleich zu Beginn der Sitzung dem Hause folgende Vorschlagsliste für die Neu­besetzung des Ministeriums unterbreitete: Ministerpräsident und gleichzeitig Minister des Aeußern und Justizminister Graf Lerchen­feld, Inneres Dr. Scheyer, Unterricht und Kultus Dr. Matt, Finanzen Dr. Kraus- n e ck, soziale Fürsorge Oswald, Wirtschaft Wutzlhofer, Handel, Industrie und Ge­werbe Hamm. Die Bayerische Mittel­partei (Deutschnationale) hat demnach kein Mitglied ihrer Partei im Ministerkollegium. Sie ist auch aus der Koalition a u s g e s ch i e - den.

Nach dieser Mitteilung erklärte Landtags­präsident Königbauer, daß er das Einver­ständnis des Hauses für diesen Vorschlag an­nehme. Widerspruch erfolgte nicht. Der Prä­sident begrüßte hierauf die neue Staatsregie- rung, insbesondere den Ministerpräsidenten Grafen Lerchenfeld unter dem Beifall des Hau­ses auf das Herzlichste und gedachte in seinen weiteren Ausführungen auch der vormaligen Staatsregierung, besonders des Ministerpräsi­denten v. Kahr, dem er den herzlichsten Dank aussprach. (Bravo.) Darauf betraten die neuen Minister den Sitzungssaal, worauf Graf L e r ch e n f e l d in kurzen Ulrichen s e i n Pro­gramm bekanntgab. Er umschrieb die von ihm vorgesehene Politik, gedachte der großen Verdienste seines Vorgängers v. Kahr und be-

Aufrechterhaltung der mühsam errungenen Ruhe und Ordnung im Staate sein werde. B e - züglich des Verhältnisses zum Reich stehe für ihn die Treue zum Reich un­verbrüchlich fest. Er werde bestrebt sein, auch nach der politischen Seite hin das Verhältnis zwischen Reich und Staat auf das Beste zu pflegen. Der dritte große Gedanke, von dem er sich leitSn lasse, müsse der der sozialen Ver­söhnung sein. Weiter gedachte der Minister­präsident der pfälzischen Brüder und gab seinem Mitgefühl über das furchtbare Unglück in Lud­wigshafen Ausdruck. Die Rede des Minister­präsidenten wurde wiederholt von lebhaften Bravorufen begleitet.

Ein Antrag des Abg. Dr. Hilpert (Bayer. Mittelpartei), sofort in die Erörterung über d ie Regierungserklärung einzutreten, wurde abgelehnt.

Die Absichten des neuen Ministerpräsidenten.

Wie die Blätter melden, legt der neue baye­rische Ministerpräsident Graf Lerchenfeld den größten Wert auf eine ständige Fühlungnahme mit der Reichsregierung. Bei feiner demnächsti- gen Anwesenheit in Berlin werde Graf Lerchen­feld nicht nur die Verhandlungen mit der Reichsregierung über die bekannten Beschlüsse des ständigen Ausschusses persönlich führen, son­dern auch eine ständige Fühlungnahme mit der Reichsreqierung in die Wege leiten. Dadurch will Graf Lerchenfeld vor allem vermeiden, daß die bayerische Regierung plötzlich vor entschei­dende Beschlüsse der Reichsregierung gestellt wird, wie dies während der Regierung Kahr wiederholt der Fall war, woraus die ernstesten Sonfütte entstanden.

Die Sozialöemvkrarre und -as Kabinett Wirth.

Görlitz, 22. Septbr- Der Reichsanzler a. D. Hermann Mül.ler sprach heute auf dem sozialdemokratischen Parteitag über die Wir­kungen des Versailler Vertrages. Er schickte sei­nem eigentlichen Referate einige bemerkenswerte Feststellungen der sozialdemokratischen Partei­leitung über die Stellung zum Kabinett Wirth voraus. Müller sagte, daß dieses Kabinett im Auslande allgemein als ein Kabinett der Ver­tragserfüllung angesehen werde. Nun bringt jetzt die deutsche fresse Nachrichten über eine Umbil­dung der Reichsregierung. Hiernach hätten die Sozialdemokraten sich entschlossen, den Reichs­kanzler fallen zu lassen, um den Reichskanzler­posten zu bekommen. Auf der anderen Seite wären sie bereit, den Posten des Reichstagspräsidenten an das Zentrum abzugeben. Ueber alle diese Per­sonalveränderungen hätten schon vor dem Gör- litzer Parteitag Besprechungen stattgefunden. Müller erklärte alle diese Nachrichten Wort für Wort für unwahr und fügte erläuternd hinzu, daß der Görlitzer Partjitag keinen Beschluß gefaßt habe über die Umbildung der Reichsregierung zu dem Z-. iraend eine bestimmte Partei in

die Regierung aufzunehmen. Es hätte sich in Görlitz nur darum gehandelt, gewisse Grundsätze aufzustellen, für eine eventuelle künftige Rogie- rungsänderung im Reiche.

Der inkernKttonareGewerkschaflsbun- für ein unrettbares Oberschlefie».

Das Amsterdamer Büro des internationalen Gewerkschaftsbundes veröffentlicht in einer 25 Seiten starken Broschüre den Bericht über die im Sommer dieses Jahres unternommene Studien­reise seiner Vorstandsmitglieder Jouhaux und Fimmen, des Mitgliedes des deutschen Gewerk- schaftsmitgiliedes Kohl und des polnischen Ge­werkschaftlers Zulawski nach Oberschlesien. In außerordentlich scharfer und eindeutiger Weise betont der Bericht diewirtschaftlicheEin- heit Oberschlesiens, Am Schluste des Berichtes heißt es: Oberschlesien darf nicht länger die Ursache der Völkerzwietracht bleiben, sondern müsse ein Bindeglied zwischen den beiden Völkern werden.

Zu diesem Bericht bemerkt derVorwärts":» Es gibt keinen deutschen Sozialisten, der nicht die Politik der Versöhnung, wie sie von der Ge­werkschaftskommission vorgeschlagen wird, von ganzem Herzen wünsche und billige. Das Urteil der Gewerkschaftsdelegation bestätige die deutsche Auffassung, daß Oberschlesien zu Deutschland ge­höre. Jedenfalls aber würde die Einsetzung einer Völkerbundsverwaltung neben neuen Lasten eine Aenderung des Friedensvertrages bedeuten, die, eine weitere Verzögerung der Entscheidung mit sich bringen würde. Was aber Oberschlesien und das Reich am meisten nötig habe, sei eine rasche und gerechte Entscheidung in der Frage b' Staatszugehorigkeit.

Wirth »her Oberschlesien.

:@»reüätf»cn «aas?» und MrtsââflS;tttiM!," erffert sich RtichSkenffer Wirth überO b e r s ch l e s i e », unsere , rößtc Sorge". Er sagt u. a.: So lange nicht die Entscheidung über das Schicksal dieser Lande? gefallen ist, so lange können wir alle nicht frei atmen. Wie dann die politische Lage iS, wenn die letzte Entscheidung im Gegensatz zu Recht und Gerech­tigkeit gefällt wirb, da? kann heute kein Mensch mit Sicherheit sagen. So viel ist aber sicher, beb dann die Zukunft für das oberschlesische und deutsche Voll überaus trübe werden wirb. Der Reichskanzler ver­weist dann auf die einleitenden Worte der Völker- bundssatzung, die es als wesentlich bezeichne, Gerech­tigkeit walten zu lassen. Er fährt fert: Wenn bei Völkerbnndsrat sich bei seinen Vorschlägen von diesem Grundsatz leiten lâbt dann kann die oberschlesische Frage gelöst werden. Wir wollen nicht? anderes al? Gerechtigkeit; nur Gerechtigkeit, ruhend auf dem Selbft- bestimmnngSrecht der Völker, kann de« »berschlesischen Volk den Frieden «eben, den es dringender als alle? andere braucht. Wir wetteifern nicht um die Gunst irgend eine? Vertreter? im VSlkerbund?r«t und Obersten Rate?. Wir hoffen auf Gerechtigkeit, weil da? ganze deutsche Volk ohne Unterschied der Partei von dem Ge­danken unsere? Rechts erfüllt ist. Eine Enttäuschung dieser Hoffnung wäre einfach unerträglich und zwar nicht nur für da? deutsche Volk allein, sondern für alle, die noch an den Eieg des Recht? in der Welt glauben.

Politische Tagesberichte.

Der sächsische Kultusminister unter An« klage. Großes Austeheu erregte vor drei Wochen eine Rede des unabhängigen sächsischen Kiuttus- ministers Fleißner, der in einer 11. S- P.-Ver- sammlung erklärt hatte, daß man die großen politischen Ziele der Partei unter allen Umstän­den erreichen müsse, sei es auch unter Anwendung von Gewalt. Die Anwendung der Gewalt müsse in Rechnung gestellt werden. Daß es nur unter Anwendung von Gewalt zu machen sei, sei dadurch nicht gesagt. Es stehe aber jedenfalls fest, daß die U. S. P. mit allen Mitteln ihre Pläne durchzuführen suchen müsse. Auf Grund einer Anzeige hat nunmehr der Dresdener Staats­anwalt das Verfahren gegen Fleißner wegen Vergehens gegen § 110 des Reichsstrafgesetz- buches (Aufforderung zu Gewalttaten) eingelei- tet. Fleißner ist aber bekanntlich Mitglied der Reichstags, und so ist es ftaglich, ob er jemals vor Gericht erscheinen wird.

1. Mai und 9. November. Der sozial­demokratische Parteitag nahm die Anträge be­treffend die Erklärung des 1. Mai und 9. No­vember zu gesetzlichen Feiertagen an.

Die irische Frage.Daily Expreß" mel­det, daß ein Entwurf der Antwort Lloyd Ge­orges auf das Schreiben De Valeros, die die letzte Antwort der britischen Regierung dar- stellen soll, allen Mitgliedern des Kabinetts zur Billigung übersandt wurde. Die Antwort er­klärt in nicht mihzuverstehender Weise, daß eine Konferenz mit den Vertretern von Sinnfeinern niu/i stattfinden könne, wenn der Anspruch aus die irische Souveränität nicht endgültig aufge- geben werde»