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ni.:,t ge'ällt ist. Getreu ihren Traditionen ma*t sie die deutschen Internen zur Richtschnur ihres H"ndelns. Nach Erle^ig'Mg der oberschlesischen Frage verlangt sie aber die sofortige Veröffentlichung der Aus^ührnnasbe- stimmungen zu dem § 18 der Reichsverfassung und die Erklärung der Reichsregierung, daß der verfassungsmäßig gewährleisteten Abstimmung im Lande Hannover keine Hindernisse mehr im Wege stehen.
In einem Artikel der Hannoverschen Landeszeitung vom 10. August war ausgeführt worden, daß die Erklärung der Deutsch-Hannoverschen Partei das eigentlich Selbstverständ- ltche wiederhole, daß die deutschen Interessen die Richtschnur der Partei seien. In der Erklärung sei auch nur die Veröffentlichung der Ausführungsbestimmungen verlangt, nicht der Termin der Abstimmung werde von dem Schicksalsspruch über Oberschlesien abhängig gemacht. Auf Anfrage, ob die Aeußerungen der Zeitung als eine Ergänzung zu der dem Reichsminister abgegebenen Erklärung der Partei aufzufassen seien, ließ das Direktorium dem Minister am 3 September mitteilen, daß jener Artikel eine Erläuterung darstelle und die Ansichten des Direktoriums der Partei wiedergebe.
Amerika und die europäischen Schulden.
In der dritten Folge seiner Gedanken über die wirtschaftliche Zukunft, die er in der „Deutschen Allgem. Zeitung" veröffentlicht, beschäftigt sich der bekannte englische Nationalökonom Keynes mit dem wirtschaftlichen Gleichgewi^t zwischen der alten und neuen Welt. Dabei kommt Keynes zu dem Schluß, daß die Regelung der interalliierten Schulden aufs engste mit der Lösung der Reparationsfrage zusammenhängt. Die Streichung der ersteren würde einen Grund und eine Entschuldigung für eine vernünftige Verständigung über die zweite Frage abgeben. Beide Fragen könnten nicht getrennt voneinander gelöst werden. Amerika aber solle die S^-ulden der Alliierten nicht streichen, ohne Bedingungen daran zu knüpfen, und zu diesen Bedingungen solle sowohl die Abrüstung wie eine vernünftige Verständigung mit Deutschland gehören. Bis zum nächsten Jahre könne die Welt reif sein für diese Gedanken. Zur Begründung dafür, sagt Keynes, daß sich die Vereinigten Staaten im Irrtum befänden mit der Ansicht, ein Gleichgewichtszustand-ließe sich wieder herbeiführen bei Fortsetzung der gegenwärtigen Ausfuhrtätigkeit Amerikas und bei gleichzeitiger Abwehr frember Einfuhr durch amerikanische Schutzzölle. Amerika müsse sich dazu herablassen, eine Herabminderung seines Ausfuhrüberschusses zuzulassen, sonst werde Europa immer mehr verschuldet werden und
Die „Kosn. Ztg." bemerkt hierzu, daß die in den Weltkrieg verwickelten europäischen Staaten mit annähernd 10 Milliarden Dollar an die Vereinigten Staaten verschuldet sind. Von dieser Summe ist bisher nur ein sehr geringer Teil abgetragen worden, und zwar nur durch England Hält man dem gegenüber die Forderung von 132 Goldmilliarden Mark an Deutschland, so erkennt man, daß der Standpunkt Keynes auch in dieser wichtigen Frage schwerwiegende Berechtigung hat. Auch Amerika wird sich dieser in gewissem Sinne warnenden Ausfällung nicht ohne weiteres verschließen können, denn es steht vor der Gefahr, daß bei der Weiterentwicklung der jetzigen Verhältnisse sein eignes Wirtschaftsleben im Golde völlig e r st a r r t. Wie letzten Endes die Goldzahlungen Frankreichs an Deutschland als Folge des siebziger Krieges für Deutschland nach gewißer Zeit schwere Nachteile brachten, so müssen sich diese Nachteile jetzt für. Amerika ebenso geltend machen, aber in einem unvergleichlich größeren und vielleicht auch unheilvollerem Maße. Voraussichtlich wird auch zu dieser Erkenntnis das neue Jahr 1922 reif sein.
Wie die Franzosen ihre Agenkerr belohnen.
Speyer, 19. Septbr. Der Plan der Speyer Kommunisten, das plötzliche Verschwinden ihres Rädelsführers Anton Wilhelm nach seiner Haftentlassung zu einer neuerlichen Verhetzung der pfälzischen Arbeiter gegen die Negierung auszunutzen, ist hinfällig geworden. Wie nunmehr festgestellt ist, wurde Wilhelm nicht, wie die Kommunisten behaupten wollen,. von der weißen Justiz wieder verhaftet, sondern von zwei französischen Offizieren zunächst nach Koblenz und von dort nach dem zerstörten Nordfrankreich gebracht, wo er einen Posten zum Wiederaufbau erhalten sollte. Soweit die Tatsache. Es ist aber kaum anzunehmen, daß die Franzosen aus purer Dankbarkeit so an dem Bilderstürmer Wilhelm handelte. Die Verwendung dieses Beamten beim Wiederaufbau bedeutet, nachdem ber französische Plan, mit Hilfe einer künstlich sinnlosen, erbitterten pfälzischen Arbeiterschaft die Pfaszregierung zu stürzen und selbst die Negierungsgewalt zu übernehmen, so kläglich gescheitert ist, nichts anderes als eine ehrenvolle Verbannung und Unschädlichmachung eines unbequemen Mitwissers der Machenschaften von Leuten des Schlages des General von Metz. Denn wer kann wissen, ob der Wilhelm nicht morgen seinen Mantel nach der anderen Seite trügt und den französischen Drahtziehern ein für alle Mal die Möglichkeit zu einer solchen Hintertreppenpolitik verdirbt. Eigentlich dürften gerade die Speyerer Vorkommnisse den Hintermännern der Vilderstür- Mer endgültig das Konzept verdorben und der deutschen Arbeiterschaft die Augen geöffnet haben.
Die Frage der GoldSeschaffung.
Das Blatt „Der Deutsche", der als dem preußischen Ministerpräsidenten nahestehend gilt, bringt über die Frage der Goldbeschaffung für die Wiederherstellung einen längeren, von „besonderer Seite" kommenden Aufsatz. Es heißt darin u. a.:
In den Verhandlungen des Reichswirt- Ksrats ist vor einigen Tagen von verschie- i Rednern auf die außerordentlich große Gefahr einer Veräußerung der Substanz der Wirtschaft für die deutschen Arbeiter und Angestellten hingewiesen worden. Sie würde wichtige Produktionsmittel der deutschen Arbeit in die Verfügungsgewalt von Menschen bringen, die den Einwirkungen der deutschen Politik entzogen seien. Nun ist, wie durch die Presse inzwischen bekannt geworden ist, zwischen den Führern der deutschen Industrie und einigen Vertretern von Großbanken beim Reichskanzler ein großzügiger Plan erwogen worden, die für die nächste Zeit erforderlichen Golddevisen durch eine Kreditaktion der deut,men Wirtschaft zu beschaffen. Die paar Hundert Millionen Goldmark, die die Reichsregierung mit Hilfe des Bankhauses Mendelssohn in Holland ausgenommen hat, sind schon mit sehr drückenden Bedingungen belastet und dürften das Aeu- ßerste darstellen, was an Staatskredit zu erlangen ist. Um das Londoner Ultimatum auch nur ein Jahr zu erfüllen, sind mindestens zwei Milliarden Mark in Golddev>,en erforderlich. Um unsere Wirtschaft nicht zu erschlagen, müssen diese Devisen durch langfristige Kredite auf- (sebracht werden. All die Amerikaner und son- tigen Ausländer, die in den letzten Monaten Deutschland bereist haben, haben nun die deutsche Wirtschaft als gesund und entwickelungsfähig erkannt, wogegen sie unsere^taatsfinan- zen als beinahe hoffnungslos beurteilen. Sie werden darum die deutsche Wirtschaft auch für »inen großen und langfristigen Kredit als eine tragfähige Unterlage ansehen. Aus diesen Erwägungen heraus sind wohl denn auch die Führer der deutschen Industrie zu dem schon erwähnten Angebot an die Reichsregierung gekommen. Ehe freilich ein derartiges Kreditabkommen unter Dach und Fach ist, werden noch ungeheure Schwierigkeiten zu überwinden fein, denn vorläufig ist die deutsche Wirtschaft rechtlich noch nicht so untereinander verbunden, wie das ein solidarisch aufgenommener Kredit zur Voraussetzung hätte. Es erscheint pusge- -schlossen, allein die Industrie mit der ße= Raffung dieser Mittel zu belasten, auch die Landwirtschaft, der Handel und die Banken werden daran ihren angemessenen Anteil übernehmen müssen.
Es wird dann an den bisherigen Widerstand der Großbanken und ihre Verständnislosigkeit für derartige großzügige Gedanken er- letzten halbamtlichen Mitteilungen der Regierung überwunden sein dürfte. Der Aufsatz führt weiter im einzelnen die besonderen Schwierigkeiten an, die im Ausland einer solchen Kreditaktion im Wege stehen, besonders auch, da die größeren amerikanischen Bankinstitute infolge der gegenwärtigen Absatzkrise durch Rohstoffkredite erheblich in Anspruch genommen seien. Keinesfalls aber solle sich die deutsche Wirtschaft bei den Versuchen, diesen Kredit in Amerika aufzubringen, auf bestimmte Bankiers sind Bankgruppen beschränken, die immer genannt würden, sobald in Deutschland vom amerikani- chen Geldmarkt gesprochen werde. Selbstver- tândlich werde man diese bekannten und für >ie deutsch-amerikanischen Geschäftsbeziehungen wichtigen Persönlichkeiten nicht umgehen dürfen, außer den großen Newyorker Banken jedoch gebe es noch das amerikanische Volk selbst, das in sehr hohem Maße für die deutsche Wirtschaft, trotz aller Verleumdungen, interessiert werden könne. Der Aufsatz schließt:
Aber auch innerpolitisch muß ein solcher Versuch der deutschen Wirtschaft, das Reich in den Stand zu setzen, im nächsten Jahre die Entschädigungszahlungen zu leisten, die Regierungsbildung maßgebend beeinflussen. Das vom preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald in den letzten Tagen wiederholt betonte Ziel seiner Politik, eine starke Mitte als tragendes Gerüst zu schaffen, wird gerade für das reibungslose Gelingen dieses großen Kreditplans non ungeheurer Bedeutung sein, denn auch das [ Ausland, das sich dann in so weitgehendem Maße mit der deutschen Wirtschaft verbinden joll, wird eine Stabilität der Rcgierungsverhält- nisse bei uns unbedingt wünschen müssen. Die können wir aber nur durch eine breite, trag* fähige Koalition der Mitte erhalten.
Der Artikel 18 der Reichsverfasfune.
Der Reichsminister des Innern und die Rei j)5tagsfrafHonen haben bekanntlich Der- bandlungen geführt über den Vollzug des Artikels 18 der Reichsverfassung. Es wird jetzt amtlich bestätigt, daß man zu dem Ergebnis gekommen ist, daß die Sozialdemokraten, das Zentrum, die Deutsche Volkspartei, die Demokraten und die Deutschnationalen erklärt haben, mit Rücksicht auf die außenpolitische Lage Bestrebungen zur Herbeiführung von Abstimmun- 8en über die Abtrennung größerer Gebietsteue von einzelnen Ländern auf mindestens ein Jahr unterlassen zu wollen. Die Bayerische Vosks- Partei ist der Erklärung nicht beigetreten, da sie ihr zu weit zu gehen scheint. Die Deuts H-Han- »oversche Partei hat ihren Standpunkt wie I folgt mitgeteilt: „
Die Partei ist nicht in der Lage, eine ®r= turuna in dieser Fassung abzugeben. Sie lehnt fine zAtlich befristete Verabschiedung, der Ab- Üimmung ab. Sie wird aber eine Abstimmung kn Lande Hannover so lange nicht herbeiführen, Ivie die Emichewung aas Schicksal Oberschleliens
Aus aller Welt.
Wieder zwei Wettkon'erne zusammengebrochen! Dem Beispiel der zahlreichen Wetikonzern« ist jetzt ein weiteres „Unternehmen" gefolgt. Die Sportbank Willi Lampe u. Co. in Charlottenburg, Knesebeckstraße 29, hat sich für zahlungsunfähig erklärt. Die „Firma", die Tipsschwindel en gras betrieb, bevor sie sich als Wettkonzern etablierte, hat es durch eine besonders verwegene Reklame verstanden, in kurzer Zeit etwa zwei Millionen Mark Kundengelder an sich zu ziehen. Die versprochen« 100prozentige Dividende sollte zum ersten Male am 20. September zur Ausschüttung kommen, die Zahlungseinstellung erfolgt also, bevor von der Firma überhaupt eine Zahlung geleistet worden ist. In der Charlottenburger Zentral«, die polizeilich versiegelt wurde, spielten sich erregte Szenen ab. Der „Sport- bankier" Lampe hat sich vorläufig unsichtbar gemacht. Das Strafverfahren ist gegen ihn eingeleitet. Seit Wochen ist gegen Lampe. der auch einige Rennpferde, darunter den bekannten Steepler Hunding besaß, beim großen Schiedsgericht für Rennangelegenheiten Antrag aus Verweisung von der Rennbahn gestellt. Auch der Wettkonzern Kleebanski ist jetzt zusammenge- brochen. Ueber das Unternehmen, das in Schöneberg, Motzstraße 9, seinen Sitz hatte, verhängte das Amtsgericht Charlottenburg den Konkurs. Durch Kleebanski, der ebenfalls einen Rennstall unterhielt, sollen 3000 Einzahler geschädigt sein.
Eine neue Verlobung des Königs von Siam. Zweifellos ist der König von Siam derjenige Monarch, der mit feinen Verlobungs- und Heiratsgeschichten gegenwärtig am meisten von sich reden macht. Vor einem halben Jahre er* regte er dadurch großes Aufshen übr die Grenzen seines Landes hinaus, baß er in einer feier* liehen Staatsprrcklamation feine Verlobung für aufgehoben erklärte. Seine Braut war eine Kusine P^ '-s fin Vallatha, die Tochter des Grinsen Maradhip. Die Schuld an der Aufhebung der Verlobung schob das offizielle Dokument den schlechten Nerven der Prinzessin zu, die, wie es hieß, „Seiner Majestät inbezug auf die Königliche Hochzeit die Annahme nahegelegt haben, daß für die Thronfolge uner* wünschte Folgen daraus entstehen konnten". Nunmehr hat sich der König, wie aus Bangkok offiziell berichtet wird, wiederum verlobt, und zwar ist es die Halbschwester seiner vorigen Verlobten. Der Herrscher scheint also in der Erkürung seiner Zukünftigen keine große Auswahl zu haben.
Ehrlose deutsche Mädchen. Die „Dresdner Neuesten Nachrichten" veröffentlichen folgende Zuschrift aus ihrem Leserkreise: „Dieser Tage saß ich mit Verwandten in einem Vergnügungslokal, als fünf Neger (die zu einer augenblicklich hier weilenden Neger-Artistengruppe gehören) den Saal betraten und an einem freien Tische Platz nahmen. Sie beteiligten sich am Tanze, benahmen sich aber — was ausdrücklich betont fei — durchaus und in jeder Hinsicht anständig und einwandfrei. Leider gilt das gleiche nicht von gewissen der am Tanze teilnehmenden deutschen Mädchen, die geradezu toll hinter den Negern her waren und schließ- lich sich dazu drängten, mit ihnen eine nächtliche Autofahrt zu unternehmen. Es gelang uns nur einige wenige durch Appellieren an ihr deutsches Gefühl zurückzuhalten. Die anderen fuhren ins Ungewisse mit. Ich kann den Negern durchaus keinen Vorwurf machen, um so mehr aber diesen deutschen Mädchen, die sich ihnen so leichtsinnig an den Hals werfen in einer Zeit, da alle deutschen Zeitungen voll von Berichten über schwere Vergehen gegen deutsche grauen im Rheinland sind. Das Benehmen Derartiger weißer Frauen ist mit ein Grund für das oft provozierende Auftreten der farbigen Truvven im besetzten Gebiet."
Unwetterkatastrophe in Amerika. Wie aus Chicago gemeldet wird, ist das ganze Mississip- Dital von einer Sturmflut heimgesucht worden, )ie man meteorologisch als Auswirkung und Teil der Wetterkatastrophe anzusehen hat, die vor einigen Tagen über die Stadt San Antonio in Texas hereingebrochen war. Im ganzen Süden des Staates Texas wüten Stürme und Regenfälle wie man sie seit langen Jahren nicht erlebt hat. Die Regengüsse haben zwischen Corpus Christi und Laredo große Teile der Texas-Mexikanischen Eisenbahn unterspült und weggewaschen. Zwischen Laredo und Nuooo Laredo wurde eine Pontonbrücke über den Rio Grande, der gewaltig angeschwollen und an vielen Stellen über die Ufer getreten ist
— Eine bürgerliche Skedtverordnetenmehr- heil in Eolha. Die ba^t Got^a, die bisherige Hochburg der thüringischen Kommunisten, hatte bereits bei den Lan^tagswablen am 11. September gezeigt, daß sie den Radikalismus fräs* tig abzuschütteln versteht. Was damals verheißungsvoll begonnen wurde, ist dann acht Tage fväter, bei den Stadtverordnetenwahlen glänzend vollendet worden. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Gotba erhielten die un* politische Bürgerliste 25 (16), die Demokraten 3 (7), die Mehrheitssozialisten 2 (3), die Unabhängigen 2, die Kommunisten 14 Sitze. Unabhängige und Kommunisten hatten bisher zusammen 20 Sitze. Während also im Gothaer Stadtverordnetenkollegium 23 Sozialisten 23 bürgerlichen Vertretern gegenüberstanden, hat üd) durch die Wahlen vom 18. September dieses Verhältnis in ganz außerordentlichen Maße zugunsten der bürgerlichen Parteien verschoben, denn es stehen nunmehr 28 bürgerliche 18 so* rialdemokratischen Stadtverordneten gegenüber. Der Gedanke der bürgerlichen Sammlungspolitik hat in Gotha schöne Früchte ge* tragen, denn die unpolitische Bürgerliste hat einen Zuwachs von neun Sitzen aufzuweisen.
weggerissen. Im Nordwesten der Vereinigten Staaten haben die Regengüsse Schneefällen Blatz gemacht. Die Temperatur in Montana ist bereits unter den Gefrierpunkt gesurrten. Die Wetterprognosen besagen, daß die Kälte- velle sich nach Osten ausbreiten wird, sodaß in Newyork und Neu-Englandstaaten mit dem Auftreten des ersten Frostes gerechnet wird. Auch aus Trinidad und Britisch-Westindien werden schwere Unwetter gemeldet. Fort of Spam auf Trinidad erlebte einen Hurrikan Don enormer Gewalt, der mehrere Todesfälle mb einen in die Hunderttausende gehenden Sachschaden verursachte. Auf den Windward» Inseln ist infolge der Wetterkatastrophe die ganze Baumwollernte als verloren anzusehen. Die Stadt Georgetown auf der Insel Tobago ist durch den Sturm völlig zerstört worden. Ebenso werden aus Kingstown (Britisch-West- indien) verheerende Stürme gemeldet.
Literarisches.
Nachtigal, Sahara und Sudan. (Volks« und Jugendausgab« als Band 12 der Sammlun- „Reisen und Abenteuer"). 158 Seiten Text mit 36 Abbildungen und 2 Karten. Brockbaus, Leip, zig. 1921. Gebunden 12 Mark.
Eine besonder« Ueberraschung bringt uns das erfreulich rasche Fortschreiten der Sammlung „Reisen und Abenteuer", die sich in kurzer Zeit bei jung und alt sehr beliebt gemacht hat. In die Sammlung ist das 12- Bändchen ein klassisches Werk der deutschen Afriktforschung ausgenommen worden: Nachtigals „Sabara und Sudan". Das dicke dreibändige Originalwerk, dessen erste zwei Bände seit Jahren vergriffe» sind, erscheint in einer Form, wie wir sie nicht besser wünschen können. Wir müssen uns nicht durch lange Abhandlungen durcharbeiten, di« zwar für den gelehrten Geographen von großem Wert, für die Masse d«r Leser aber eine untrer* bauliche Kost sind, eS jagen auch nicht nur Aben, teuer an uns vorüber, an denen es Nachtigal aus der fünfjährigen Reise durchaus nicht gefehlt hat. Es ist gerade die richtige Mischung, um Nachtigal als Menschen kennen und schätzen zu lernen und um ihn als Gelehrten zu bewundern. Ohne alle Pathos, ganz ungekünstelt, erzählt Nachtigal, was er alles gesehen und erlebt hat.
Durch seinen langen Aufenthalt an der afri» kanischen Küste als Leibarzt des ersten Ministers des BeiS von Tunis war Nachtigal wohlbekannt mit allen Ränken und Schwänken der Wüstenbe- wohner. Nur ein Mann von der unerschütterlichen Ruhe und klaren Ueberlegtheit wie Nachttgal durfte es wagen, den stolzen, aber verräterischen und diebischen Tubu zu nahen. Schwere Tage härtester Prüfung waren es, die er schon zu Beginn feiner Reise durchmachen mußte, der Tod in allen möglichen Gestalten bedrohte ihn.
Lir den Ueberggng vün der Sahara zum Sudan, wie die Sandwüste der Steppe Platz macht, auf der sich hundert« von Antilopenherden tummeln und wie dann biete übergeht in die fruchtbaren Länder des Sudan, die das mächtige Seebecken des Tsad umschließen. Als Abgesandter deS Königs von Preußen findet Nachtigal sieundlichste Aufnahme bei dem ehrwürdigen Scheich Omar von Bornu, einem der wenigen Fürsten des Sudan, die ihren Namen nicht durch Mordtaten befleckt haben. Die Deutschen waren im Sudan sehr geschätzt, denn Männer wie Heinrich Barth imb Gerhard RohIsS, die zu den hervorragendsten Größen der Afrikaforschung gehören, hatten den deutschen Namen hoch zu Ehren gebracht.
Prächtige Bilder entrollt Nachtigal von seiner Entdeckungsreise in die Heidenländer im Süden des Tsadsees. Die armen Eingeborenen, die sich noch nicht zum Glaubendes Propheten bekannten, wurden von den muhsmmedanischen Fürsten in entsetzlicher Weise verfolgt und aus geplündert. Grauenhafte Szenen mußte Nachtigal auf den ey barmungslosen Sklavenjagden erleben, an denen er gezwungenerweise teilnahm. Die Macht der Perjönlichkeit Nachtigals zwang auch einen so selbstherrlichen grausamen Fürsten wie den Herrscher von Wadas, der unumschränkt über Leben und Tod seiner rohen siemdenfeindlichen Unter* tanen gebot, in seinen Bann, und Nrchtigal durfte sich ungestört Forschungen bingeben, dii seinen beiden Landsleuten Eduard Vogel uni Moritz von Beurmann ewa ein Jahrzehnt vorhe' das Leben gekostet hatten.
Auch dieser Band ist mit zahlreichen schöne, Abbildungen ausgestattet, die uns nach den Zeichnungen Nachtigals Land und Leute in der Wüste und im Sudan vorführen. An der Händel zwei Karten läßt sich der Wea des Forscher- leicht verfolgen, und man erkennt sofort, welch« Großtat der deutsche Gelehrte der Menschheit im Dienste der Wissenschaft geleistet hat
Oberland in Oberschlesien. So nennt sich das mit Abbildungen reich ausgestattete Buch, das in markiger Sprache von den heldische» Leistungen der Oberländer in Oberschlesien kündet, von echtem deutschen Geiste, von entschlossenem Mute und selbstlosem Opfersinn b«. richtet, die kraftvolle Taten reifen ließen, ein stärkender Trost unserem darniederliegenden Volke, ein Menetekel unseren Feinden. Die Bro- 'chüre ist die einzig« Darstellung der Befleiung». kämpfe in dem geknechteten Oberschlesien und bo. weist all denen, die zu feige sind, deutsch zu sein, welch gewaltige Kraft noch in dem nieder«»- brochenen deutschen Volke ruht. Der Leser fleht das Morgenrot einer besseren, hoffnunasvollere« Zeit leuchten.
Das Büchlein, das vom Verlag „die deutschen Baumeister" bearbeitet ist, verdient im Interefl, der deutschen Sache weiteste Verbreitung. Et rscheint im Verlag der I. Lindner'schen Unkver- itätS-Buchhandlung München (Preis Mk. 5—) und iü buuh «ff« SuÂhAtihtiiMwn m htjdt&ut.